Das Anliegen des Autors

Wie konnte ein Volk, das barbarisch, beduinisch und nomadisch war und dem das Licht von Bildung und Zivilisation vorenthalten blieb, in weniger als einem halben Jahrhundert die beiden größten Mächte der Welt bezwingen und besiegen und die halbe Welt erobern? Wie konnte es in dieser kurzen Zeit der menschlichen Zivilisation einen bleibenden und unauslöschlichen Stempel aufprägen? Noch heute finden die Historiker keine Ruhe, wenn sie darüber nachdenken. Sie können sich einfach nicht vorstellen, welche gewaltige Macht gewirkt haben muss, wodurch die Araber-Muslime in der ganzen Welt ein solches gewaltiges Umwälzungsereignis ausgelöst hatten. Dass die gewaltige Macht des erhabenen Buches, des Koran, hinter diesem Erfolg der Araber-Muslime als die entscheidende Kraft wirksam war, haben viele bedeutende Historiker und Denker offen anerkannt.

Der berühmte westliche Gelehrte Immanuel Deutsch sagte: „Unter den bedeutendsten Religionen der Welt muss man anerkennen, dass der Koran eine besondere Stellung einnimmt. Unter den Werken dieser Art von welthistorischer Literatur ist der Koran zwar das jüngste; hinsichtlich seines Einflusses auf die Allgemeinheit steht er jedoch keinem anderen nach. So wie der Koran eine neue Denkweise im menschlichen Denken geschaffen hat, so hat er auch einen neuen Charakter hervorgebracht. Er verwandelte mehrere untereinander zerstrittene, in den Wüsten der Arabischen Halbinsel umherziehende Gruppen in ein erhabenes, heldenhaftes Volk.“

Seit der Offenbarung des Korans sind in den verschiedensten Sprachen der Welt unzählige Forschungswerke über den Koran verfasst worden. In unserer Muttersprache Bengali besteht jedoch ein erheblicher Mangel an solchen Forschungsbüchern. Deshalb lege ich meinen muslimischen Brüdern und Schwestern bengalischer Sprache dieses kleine Forschungsbüchlein über den heiligen Koran vor.

Inzwischen ist die zwölfte Auflage abgeschlossen. Ich danke dem erhabenen Herrn der Welten dafür, dass ich die dreizehnte Auflage herausgeben konnte.

– Abul Kalam Muhammad Yusuf

Einführung in den Koran

Als Koran wird jenes von Allah offenbarte Buch bezeichnet, das Er Seinem letzten Propheten, dem geehrten Muhammad (Friede sei mit ihm), über einen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren in verschiedenen Phasen und je nach Bedarf Stück für Stück herabgesandt hat. Sowohl hinsichtlich der Sprache als auch des Inhalts ist der Koran Allahs Buch. Das heißt: So wie der Inhalt (die Bedeutung) des Korans von Allah stammt, so stammt auch seine Sprache von Ihm.

Der Grund für die Herabsendung des Korans

Als Adam (a. s.) und Hawwa (a. s.) nach dem Verzehr der Frucht des verbotenen Baumes im Begriff waren, aus dem Paradies auf die Erde gesandt zu werden, hatte Allah, der Erhabene, gesagt:

قُلْنَا اهْبِطُوا مِنْهَا جَمِيعًا ۖ فَإِمَّا يَأْتِيَنَّكُم مِّنِّي هُدًى فَمَن تَبِعَ هُدَايَ فَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ ﴿٣٨﴾ وَالَّذِينَ كَفَرُوا وَكَذَّبُوا بِآيَاتِنَا أُولَـٰئِكَ أَصْحَابُ النَّارِ ۖ هُمْ فِيهَا خَالِدُونَ

„Steigt allesamt von hier hinab. Danach wird von Mir eine Lebensordnung zu euch gelangen. Für diejenigen aber, die meiner Lebensordnung folgen, gibt es keinen Grund zur Furcht und keine Sorge. (Das heißt: Nach dem Ende ihres irdischen Lebens werden sie in dieses Paradies, die Quelle ewiger Glückseligkeit, zurückkehren.) Diejenigen aber, die dies leugnen und Meine Zeichen für Lügen erklären, werden Bewohner der Hölle sein und dort ewig bleiben.“ (Sure al-Baqara, Verse 38–39)

Gemäß der genannten Erklärung Allahs ist den Nachkommen Adams durch alle Zeitalter hindurch von Allah Führung oder eine Lebensordnung zuteilgeworden. Eine andere Bezeichnung für diese Lebensordnung ist Kitabullah. Wann immer eine menschliche Gemeinschaft den Weg Allahs verlässt und auf einem von ihr selbst erdachten Irrweg wandelt, sendet Allah ein Buch herab und weist den Menschen den richtigen Weg.

Allahs, des Erhabenen, ewige Ordnung hinsichtlich der Herabsendung eines Buches besteht darin, dass Er, sobald Er die Notwendigkeit erkennt, für ein Volk ein Buch herabzusenden, aus diesem Volk den besten Menschen mit menschlichen Tugenden als Propheten auswählt und danach durch die Offenbarung ein Buch auf ihn herabsendet.

Seit dem Beginn der Erschaffung der Menschheit sind auf der Erde ebenso unzählige Propheten und Gesandte erschienen, wie die Zahl der auf sie herabgesandten Bücher unzählbar ist. So wie Hadhrat Muhammad (s. a. w.) unter den Propheten der letzte Prophet ist, so ist auch der auf ihn herabgesandte Koran Allahs letztes Buch. Danach wird auf der Erde kein neuer Prophet mehr erscheinen und kein weiteres Buch mehr herabgesandt werden.

Gegenstand und Zweck des Korans

Das Thema des Korans ist die Menschheit. Denn im Koran wird die wahre Erkenntnis über das Wohl und das Unheil der Menschheit vermittelt. Der Zweck des Korans besteht darin, die Menschheit zu der von Gott gegebenen Lebensordnung zu führen, damit sie ihr Leben sowohl in dieser Welt zum Guten gestalten als auch im Jenseits ein friedvolles Leben erlangen kann.

Wie die Offenbarung begann

In Sahih al-Buchari wird von Aischa ein Hadith überliefert. Darin wird berichtet: „Die Offenbarung begann damit, dass der Prophet im Schlaf wahre Träume zu sehen begann, die sich wie der helle Anbruch des Morgens verwirklichten.“ Danach empfand der Prophet das Zurückziehen in die Einsamkeit als angenehm und begann, sich in der Höhle Hira zurückzuziehen. Dort verbrachte er mehrere Nächte und nahm die erforderlichen Lebensmittel, Getränke und notwendigen Dinge mit. Wenn diese aufgebraucht waren, kehrte er zurück, holte sie bei Chadidscha und ging wieder in die Höhle. So kam in einem gesegneten Augenblick, während er in Hira vertieft meditierte, die Wahrheit – die Offenbarung – zu ihm. Der Engel Dschibril, der Vertrauenswürdige, kam zu ihm und sagte: „Lies!“ Der Prophet sagte: „Ich kann nicht lesen.“ Der Prophet berichtet: „Daraufhin drückte mich der Engel an sich und ließ mich wieder los. Da verspürte ich große Erschöpfung. Wieder forderte er mich auf zu lesen, und ich gab dieselbe Antwort. Er drückte mich erneut an seine Brust und ließ mich wieder los. So tat er es dreimal, und jedes Mal gab der Prophet dieselbe Antwort. Danach rezitierte der Engel:

 اقْرَأْ بِاسْمِ رَبِّكَ الَّذِي خَلَقَ ﴿١﴾ خَلَقَ الْإِنسَانَ مِنْ عَلَقٍ ﴿٢﴾ اقْرَأْ وَرَبُّكَ الْأَكْرَمُ ﴿٣﴾ الَّذِي عَلَّمَ بِالْقَلَمِ ﴿٤﴾ عَلَّمَ الْإِنسَانَ مَا لَمْ يَعْلَمْ ﴿٥﴾

„Lies im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, der den Menschen aus einem geronnenen Blutstropfen erschaffen hat. Lies im Namen deines höchst ehrenvollen Herrn, der durch den Griffel gelehrt hat, der den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.“ (Sure al-Alaq: 1–5)

Danach kehrte der Prophet mit bebendem Herzen und diesen Versen nach Hause zurück. Er betrat das Haus von Chadidscha und sagte: „Bedecke mich mit einer Decke.“ Nachdem er eine Weile zugedeckt gelegen hatte, legte sich seine Unruhe. Er erzählte Chadidscha das gesamte Geschehen von Anfang bis Ende und sagte: „Ich fürchte um mein eigenes Leben.“ Chadidscha tröstete ihn und sagte: „Bei Allah, Allah wird dir gewiss niemals etwas Böses zufügen. Denn du pflegst die Verwandtschaftsbande, hilfst den Armen und Hungernden, bewirtest die Gäste und unterstützt gute Werke.“ Danach ging Chadidscha mit dem Propheten zu ihrem Cousin Waraqa ibn Naufal. Er hatte in der Zeit der Unwissenheit das Christentum angenommen und beherrschte die hebräische Sprache. Aus dem Evangelium konnte er in dieser Sprache beliebige Passagen abschreiben. Er war sehr alt und hatte sein Augenlicht verloren. Chadidscha wandte sich an ihn und sagte: „Bruder, höre dir die Geschichte deines Neffen an.“ Nachdem Waraqa alles gehört hatte, sagte er: „Das ist gewiss derselbe Engel, der zu Moses gekommen war. Wenn ich doch noch leben würde, wenn deine Leute dich aus deinem Land vertreiben!“ Der Prophet sagte: „Werden sie mich tatsächlich vertreiben?“ Waraqa sagte: „Ja. Jeder, der etwas wie das empfangen hat, wurde in entsprechender Weise behandelt. Wenn ich an jenem Tag noch lebe, werde ich dir nach Kräften helfen.“ Noch vor dem erneuten Herabkommen der Offenbarung starb Waraqa.

Der Tag, an dem sich das oben erwähnte Ereignis ereignete, war Montag, der 17. Ramadan. Der Prophet war damals vierzig Jahre, sechs Monate und acht Tage alt. Das entsprach dem 6. August 610 n. Chr.

Wie die Offenbarung herabgesandt wurde

Wenn dem Propheten die Offenbarung herabgesandt wurde, trat in ihm ein besonderer Zustand ein. Sein gesegnetes Gesicht wurde strahlend und gerötet, auf seiner Stirn erschien Schweiß, sein Atem wurde schwer und sein Körper wurde außerordentlich schwer. Selbst wenn die Offenbarung herabgesandt wurde, während er auf dem Rücken eines Kamels saß, konnte das Kamel wegen der übermäßigen Last nicht weitergehen und setzte sich zu Boden.

Als Grund dafür, dass während der Herabsendung der Offenbarung ein solcher Zustand eintrat, kann man anführen, dass die Propheten zwar, weil sie von jeder Art großer und kleiner Sünde rein waren, in ihrer Wesensart einen überwiegenden engelsgleichen Charakter besaßen, jedoch nicht über der menschlichen Natur standen. Daher versetzte Allah sie unmittelbar vor der Herabsendung Seines heiligen Wortes in einen besonderen, lichtvollen Zustand. In diesem verlor ihr Herz alle menschlichen Eigenschaften und wandelte sich in eine engelsgleiche Wesensart; und das Licht der Gnade Allahs erfüllte ihre Herzen und Seelen. So sandte Allah Sein Wort den Propheten in einer stillen und friedvollen Umgebung herab. Denn es war notwendig, die Propheten in den oben beschriebenen besonderen Zustand zu versetzen, damit sie Allahs heiliges Wort mit voller Aufmerksamkeit hören, es in ihren Herzen verankern und seine wahre Bedeutung mit Herz und Verstand erfassen konnten.

Wenn die Herabsendung der Offenbarung auf diese Weise beendet war, verging der oben beschriebene Zustand, und der Prophet kehrte in seinen vorherigen Zustand zurück. Dann trug er den herabgesandten Wortlaut den Gefährten vor.

Über die Art und Weise, wie die Offenbarung herabgesandt wurde, wird von ʿĀʾischa folgender Hadith überliefert:

„ʿĀʾischa berichtet: Eines Tages fragte al-Hārith ibn Hischām den Propheten: ‚O Gesandter Allahs, wie wird dir die Offenbarung herabgesandt?‘ Der Prophet antwortete: ‚Manchmal erklingt die Stimme der Offenbarung in meinem Herzen wie der Klang einer Glocke. Diese Art der Offenbarung ist für mich die schwierigste, und ich beginne mich erschöpft zu fühlen. Danach dringt sie in mein Herz ein. Manchmal kommt der Engel auch in menschlicher Gestalt und spricht mit mir (und bringt die Offenbarung herab), und ich präge sie mir im Herzen ein.‘ ʿĀʾischa berichtet: ‚Selbst wenn die Offenbarung bei großer Kälte herabgesandt wurde, sammelte sich Hitze im Körper des Propheten, und auf seinem gesegneten Gesicht erschien Schweiß.‘“

Außerhalb dieser beiden Arten hat Allah manchmal auch ohne irgendeinen Vermittler direkt, hinter einem Vorhang, mit den Propheten gesprochen.

In seiner Erläuterung der Hadithe über die Offenbarung aus dem Sahih al-Buchārī hat der Gelehrte al-ʿAynī in seinem Werk die Einteilung der Offenbarung folgendermaßen erklärt:

(1) Allah sprach ohne irgendeinen Vermittler direkt. Wie aus den Überlieferungen des heiligen Korans und der authentischen Hadithe bekannt ist, hat Allah auf diese Weise mit dem Propheten Mūsā und dem Propheten Muhammad gesprochen.

(2) Er sandte einen Engel und ließ durch ihn die Offenbarung herabkommen.

(3) Er ließ die Worte der Offenbarung im Herzen widerhallen und tief eindringen. So sagte der Prophet: „Der heilige Engel hat in mein Herz gehaucht.“ Die dritte Art der Offenbarung wurde Hadrat Dawud (a.s.) zuteil.

Die Art und Weise, wie der Koran herabgesandt wurde

Um den Koran zu verstehen und ihn zu verinnerlichen, ist es unerlässlich, die Art und Weise zu begreifen, wie er herabgesandt wurde. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass der Koran dem edlen Propheten (s.a.w.) nicht zu ein und derselben Zeit in Buchform offenbart wurde. Vielmehr wurde er im Verlauf der verschiedenen Phasen jener revolutionären Bewegung, deren Leitung Allah dem Propheten (s.a.w.) und seinen sich selbst aufopfernden Gefährten auferlegt hatte, je nach Bedarf allmählich über einen vollständigen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren herabgesandt. Hadrat Muhammad (s.a.w.) empfing im Alter von vierzig Jahren das Prophetentum und erfüllte dreiundzwanzig Jahre lang als Prophet die von Gott auferlegte Verantwortung, bevor er im Alter von dreiundsechzig Jahren diese Welt verließ. Während dieses langen Zeitraums von dreiundzwanzig Jahren wurden dem Gesandten Allahs in den verschiedenen Phasen nach und nach die unterschiedlichen Teile des Korans offenbart.

Mekkanisch – medinensisch

Nach dem Empfang des Prophetentums blieb Hadrat (s.a.w.) dreizehn Jahre lang in Makkah und verkündete in Makkah und den umliegenden Gebieten die Botschaft des Islam. Die Suren, die dem Propheten (s.a.w.) während dieser langen dreizehnjährigen Zeit seines Aufenthalts in Makkah offenbart wurden, werden mekkanische Suren genannt.

Danach wanderte der Prophet Allahs nach Madinah aus und blieb dort zehn lange Jahre. In dieser Zeit etablierte er den Islam als eine lebendige Rechtsordnung und trat seine Reise ins Jenseits an. Die Suren des edlen Korans, die Hadrat (s.a.w.) während dieser zehn Jahre seines Aufenthalts in Madinah offenbart wurden, werden medinensische Suren genannt.

Besonderheiten der mekkanischen Suren

Zu Beginn der islamischen Daʿwa waren die meisten Suren, die dem edlen Propheten (s.a.w.) in Mekka offenbart wurden, zwar kurz, aber äußerst wirkungsvoll. In ihnen wurden gewöhnlich die grundlegenden Glaubensinhalte des Islams behandelt, wie etwa Tauhid, Risalat und das Jenseits; ebenso wurden die wichtigsten Sünden im Bereich des Glaubens beschrieben, etwa Schirk, Kufr, Atheismus und die Leugnung des Jenseits. Von den Völkern der Vergangenheit, die dem Ruf eines Propheten folgten, an das Jenseits glaubten und nach der von Allah gegebenen Religion lebten, sodass sie sowohl in dieser Welt unermessliches Wohlergehen erlangten als auch im Jenseits ewige Glückseligkeit genießen werden, wird darin ebenso berichtet wie von jenen Unglücklichen, die den Ruf des Propheten zurückwiesen, Allahs Religion verwarfen, dadurch bereits in dieser Welt zugrunde gingen und im Jenseits äußerste Strafe erleiden werden. Diese Begebenheiten werden erzählt, damit man daraus Ermahnung und Lehre zieht, nicht zur Erörterung der Geschichte.

Darüber hinaus wurden in den mekkanischen Suren der Gesandte (s.a.w.) und seine wenigen Gefährten dazu ermahnt, angesichts der unablässigen Misshandlungen durch die Kafir und Mushrik Geduld zu bewahren; zugleich wurden die Kafir und Mushrik vor den schrecklichen Folgen ihrer Halsstarrigkeit und ihres maßlosen Überschreitens der Grenzen gewarnt.

Merkmale der medinensischen Suren

Das medinensische Leben des ehrwürdigen Propheten (s.a.w.) begann dreizehn Jahre nach Beginn seiner Prophetenschaft. Diejenigen, die in Mekka auf den Ruf des Gesandten hin den Islam angenommen hatten, waren sowohl einflusslos als auch zahlenmäßig gering. Die führenden Männer der Quraisch und der benachbarten Stämme Mekkas waren entschiedene Gegner des Rufes des Gesandten.

Daher mussten die Muslime dort unter dem Einfluss des Kufr ein stark von Verfolgung geprägtes Leben führen. Die Lage in Medina war jedoch das genaue Gegenteil davon. Die führenden Männer der beiden einflussreichen Stämme Medinas, Aus und Chazradsch, waren zuvor anlässlich der Hadsch nach Mekka gekommen und hatten beim Gesandten den Islam angenommen. Ihrem Beispiel folgend nahm beinahe der gesamte Stamm den Islam an.

Als der Gesandte dann im dreizehnten Jahr seiner Prophetenschaft mit seinen Gefährten nach Medina auswanderte, stellte er fest, dass die einflussreichen Führer Medinas und ihre Anhänger nicht nur die Religion des Gesandten angenommen hatten, sondern darüber hinaus bereit waren, ihm auch die Herrschaft über ihr Gebiet zu überlassen. Daher musste er bei der Umsetzung sämtlicher islamischer Vorschriften von innen her keinen weiteren Widerstand erwarten, abgesehen von Einmischungen von außen. Die beiden jüdischen Stämme, die in Medina lebten, hatte der Gesandte (s.a.w.) bereits zuvor durch einen Friedensvertrag gebunden.

Daher legte Allahs Gesandter ohne Zeit zu verlieren den Grundstein für einen kleinen, doch vielversprechenden islamischen Staat, um den Islam zu vervollständigen. Nun wurden sämtliche Bestimmungen und Regelungen benötigt, die für die Verwaltung dieses Staates erforderlich waren. Diese wurden im Laufe der verbleibenden zehn Jahre des Lebens des Propheten schrittweise durch die medinensischen Suren offenbart.

Die grundlegenden Gesetze für die Verwaltung von Staat und Gesellschaft – etwa das Strafrecht, das Erbrecht, die Bestimmungen zu Ehe und Scheidung, wirtschaftliche Vorschriften wie Zakat und Uschr sowie Anordnungen zu Krieg und Frieden – bilden die wichtigsten Themen der medinensischen Suren.

In Mekka lebte kein jüdischer Stamm, und auch die Heuchler (die opportunistische Schicht) bildeten dort keine organisierte Gruppe. Daher findet sich in den mekkanischen Suren keine besondere Erörterung über sie. In Medina jedoch gab es beide Gruppen, und obwohl sie sich äußerlich als wohlwollende Freunde der Muslime darstellten, waren sie insgeheim mit Verschwörungen gegen die Muslime beschäftigt. Deshalb ließ Allah den Propheten gerade durch die medinensischen Suren von ihren hinterhältigen Verschwörungen wissen und warnte die Juden und die Heuchler vor ihrem abscheulichen Schicksal.

Die erstaunliche Wirkung des Korans auf die Araber

Trotz der hundertfachen Hindernisse, die die Quraisch errichteten, nahm der Einfluss des Islams von Tag zu Tag auf erstaunliche Weise zu. Der Grund dafür war die übernatürliche Wirkung des heiligen Korans. Schon die folgenden wenigen Begebenheiten genügen, um diese Tatsache zu beweisen.

In der ersten Zeit verkündete der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) den Islam etwa drei Jahre lang heimlich. Danach begann er auf Allahs Befehl mit der öffentlichen Verkündigung, und zu dieser Zeit setzte auch der Konflikt mit den Quraisch ein. Damals begannen die Anführer der Quraisch einerseits, die armen und schwachen Gefährten Muhammads (s.a.w.) auf verschiedene Weise körperlich zu misshandeln, und versuchten andererseits, den Propheten Muhammad selbst durch allerlei Verlockungen vom Weg der Wahrheit abzubringen.

Im fünften Jahr der Prophetenschaft wurde auf Vorschlag der Anführer der Quraisch deren klügster und angesehenster Mann, Utba ibn Rabia, mit einem Versöhnungsangebot zu Muhammad (s.a.w.) geschickt. Utba erschien beim ehrwürdigen Propheten und unterbreitete ihm folgenden Vorschlag: „O Muhammad (s.a.w.), gib diese neue Lehre auf, dann werden wir dich zu unserem Anführer machen. Wenn du nach Reichtum verlangst, werden wir dich zum reichsten Mann Arabiens machen. Und wenn du ein Verlangen nach schönen Frauen hast, werden wir auch diesen Wunsch erfüllen.“ Der ehrwürdige Prophet sagte: „Wozu Führung, Reichtum und Frauen? Selbst wenn ihr mir in die eine Hand die Sonne des Himmels und in die andere den Mond legen würdet, könnte ich diese Lehre dennoch nicht aufgeben.“ Danach trug der ehrwürdige Prophet ihm einige Verse aus der Sura Hamim vor.

Utba hörte ihnen wie gebannt zu. Ihm versagte die Sprache, und innerlich verlor er all seine Kraft und seinen Mut. Danach kehrte er dorthin zurück, wo die Anführer der Quraisch auf ihn warteten und insgeheim auf eine gute Nachricht hofften.

Utba sagte zu den Anführern der Quraisch: „Seht, hindert Muhammad nicht. Sobald seine Verkündigung das Gebiet der Quraisch verlassen wird, wird Muhammad mit Nicht-Quraisch in Konflikt geraten. Wenn Muhammad in diesem Konflikt besiegt wird, habt ihr dennoch einen Vorteil, denn euer Feind ist vernichtet, ohne dass ihr selbst in den Kampf verwickelt wurdet. Wenn Muhammad aber siegt, habt ihr ebenfalls keinen Nachteil, sondern nur einen Vorteil, denn ein Mann aus eurem quraischitischen Stamm wird dann der Anführer der Araber sein.“

Über einen solchen Vorschlag gerieten die anwesenden Anführer in heftigste Wut. Bei ihren Nachforschungen erfuhren sie, dass Utba schon vom Hören der aus Muhammads (s.a.w.) Mund hervorgegangenen Worte des Korans überwältigt worden war und deshalb Muhammad gegenüber eine nachgiebige Haltung eingenommen hatte.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich auch in Abessinien. Damals war das fünfte Jahr der Prophetenschaft. Von der Verfolgung durch die Quraisch zermürbt, entsandte der Prophet (saw.) zunächst eine Gruppe von sechzehn und später eine Gruppe von dreiundachtzig muslimischen Männern und Frauen nach Abessinien. Der christliche Herrscher von Abessinien, der Negus, war äußerst gerecht und seinen Untertanen gegenüber sehr fürsorglich. Er hatte den Muslimen erlaubt, in seinem Land zu leben. Als die Anführer der Quraisch davon erfuhren, schickten sie eine geeignete Delegation mit zahlreichen Geschenken an den Hof des Negus. Sie erschienen vor dem Negus, überreichten die Geschenke und sagten: „Majestät, einige junge Männer und Frauen sowie einige Sklaven sind unseren Anführern ungehorsam geworden und ohne deren Erlaubnis in Euer Land gekommen, um hier Zuflucht zu suchen. Wir wurden zu Eurer Majestät geschickt, um sie zurückzuholen. Bitte übergebt sie uns.“ Auch die Hofleute sprachen sich dafür aus, die Flüchtlinge zurückzugeben. Doch der König sagte: „Ohne ihre Aussage anzuhören, kann ich sie nicht zurückgeben.“ Daraufhin ließ er sie rufen und forderte sie auf, zu erklären, warum sie ihr Land verlassen hatten und hierhergekommen waren.

Der Anführer der muslimischen Gruppe, Hazrat Dschafar, der Bruder Hazrat Alis, trat vor und sagte: „O Herrscher, früher waren wir in allerlei Aberglauben, einschließlich des Götzendienstes, verstrickt. Schlägereien, Mord und Totschlag, Straßenraub und Plünderung gehörten zu unserem alltäglichen Tun. Da sandte Allah aus Seiner Gnade einen Propheten zu uns. Er rief uns dazu auf, ausschließlich Allah zu dienen, die Wahrheit zu sagen, unsere Verwandten und Nachbarn gut zu behandeln, den Armen und Bedürftigen Güte zu erweisen, Mord und Totschlag sowie Plünderung aufzugeben und ein reines Leben zu führen. Wir folgten seinem Ruf und nahmen seine Religion an. Deshalb wurden die Anführer unserer Stämme zornig auf uns, und auf Befehl unseres Propheten wanderten wir in Euer Land aus. Wenn Ihr uns nun diesen Gesandten der Quraisch übergebt, bleibt uns kein Ausweg mehr.“

Der König war von Hazrat Dschafars kraftvoller und zu Herzen gehender Rede sehr beeindruckt und sagte: „Kannst du mir etwas von dem Wort vortragen, das eurem Propheten offenbart wurde?“ Hazrat Dschafar rezitierte daraufhin einige Verse aus der Sure Maryam über Hazrat Isa und Hazrat Maryam mit wohlklingender Stimme

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und trug sie ihm vor. Dem Negus liefen Tränen aus beiden Augen. In seinem Herzen empfand er einen himmlischen Frieden und sagte: „Bei dem Schöpfer! Das Evangelium und das Wort, das ihr mir gerade vorgetragen habt, stammen beide aus derselben Quelle.“ Danach sagte er zu den Gesandten der Quraisch: „Kehrt zurück! Ich kann diese unschuldigen Menschen nicht eurer Gewalt übergeben.“

Unterdessen warteten die Quraisch voller Ungeduld auf die Rückkehr der Gesandten. Sie hatten erwartet, dass die Gesandten mit den Flüchtlingen in Gefangenschaft nach Mekka zurückkehren würden. Als die Gesandten jedoch nach langer Wartezeit mit leeren Händen zurückkehrten, waren sie erstaunt und fragten nach dem Grund. Die Gesandten sagten: „Sobald der König den Koran aus dem Mund Dschafars gehört hatte, änderte er seine Haltung. Sonst hätten wir sie zurückbringen können.“

Die Quraisch erkannten erneut, dass der wundersame Einfluss des Korans die eigentliche Ursache ihres Verderbens war.

Unter denen, die in der frühen Zeit der Prophetenschaft, nachdem sie den Koran gehört und von seiner wundersamen Wirkung überwältigt worden waren, den Glauben annahmen, ist besonders der jemenitische Dichter Tufail ibn Daus aus Südarabien hervorzuheben. Damals genossen Dichter in Arabien hohes Ansehen. Daher löste die Annahme des Islams durch Tufail ibn Daus in Arabien große Aufregung aus. In der Folge nahmen alle Angehörigen des Stammes Daus unter seinem Einfluss den Islam an.

Auch der gelehrte Qais ibn Nasir aus dem Stamm Banu Salim nahm den Islam an, nachdem er den aus dem Mund des Propheten hervorgegangenen Koran gehört hatte. Später kehrte er nach Hause zurück, versammelte die Angehörigen seines Stammes und sagte: „Seht, ich hatte das Glück, die Worte und Schriften der besten Dichter und Literaten Roms und Persiens zu hören, und ich habe viel von den berühmten Literaten Himyars gehört. Doch etwas, das den Worten des aus dem Mund Muhammads hervorgegangenen Korans gleichkäme, habe ich von niemandem gehört. In der Folgezeit nahmen durch seine Bemühungen etwa tausend Menschen aus seinem Stamm den Islam an.

Auch der Stammesführer Jamad ibn Thaʿlaba aus dem Stamm Azad nahm den Islam an, nachdem er den Koran aus dem Mund des Propheten gehört hatte. Unter den führenden jungen Quraischiten war auch die Annahme des Islam durch Umar eine Folge der übernatürlichen Wirkung des Korans. Das Ereignis verlief folgendermaßen:

Es war das neunte Jahr der Prophetenschaft. Abu Dschahl berief am Versammlungsort der Quraisch-Führer eine Zusammenkunft ein. Dann hielt er, an alle gerichtet, eine ziemlich lange, leidenschaftliche Rede, in der er Muhammad wütend beschimpfte. Und er stachelte die jungen Quraischiten mit den Worten auf: „Dieser eine Mann hat unsere gesamte Volksreligion und alles andere völlig auf den Kopf gestellt. Doch niemand konnte diesen Feind vernichten. Ich erkläre heute öffentlich: Dem tapferen jungen Mann, der uns den abgeschlagenen Kopf Muhammads (s.a.w.) bringen kann, werde ich tausend Goldmünzen und hundert Kamele als Belohnung geben.“

Sobald diese Erklärung verkündet war, sprang aus der erregten Menge der kräftig gebaute, breitschultrige junge Umar mit gezogenem Schwert hervor und rief:

„Ich selbst werde gehen und nicht zurückkehren, ohne Muhammads abgeschlagenen Kopf gebracht zu haben.“ Die Menge brach in Jubelrufe aus, und der heldenhafte Umar machte sich mit seinem Schwert auf den Weg.

Unterwegs traf er seinen Freund Nuʿaim. Als dieser Umars aufgebrachten Zustand bemerkte, fragte er: „Wessen Verderben willst du zu dieser ungewöhnlichen Zeit mit einem gezogenen Schwert herbeiführen?“ Er antwortete: „Muhammads (s.a.w.) Kopf abzuschlagen. Er hat alles, was uns gehört, auf den Kopf gestellt.“

Umar wusste nicht, dass Nuʿaim den Islam heimlich angenommen hatte. Um den Gesandten vor Umars Zorn zu schützen, sagte Nuʿaim: „Du willst zwar Muhammads Kopf holen, aber kümmere dich auch um die Nachrichten aus deinem eigenen Haus. Deine Schwester Fatima und dein Schwager Saʿid haben ebenfalls den Islam angenommen.“ Umar erschrak und sagte: „Wehe, welch ein Unheil! In meinem eigenen Haus? Ich werde das sofort in Ordnung bringen.“ Damit machte er sich auf den Weg zum Haus seiner Schwester.

Da war die Zeit des Abendgebets bereits vorüber. Saʿid und Fatima lasen einige schriftlich niedergelegte Koranverse. Als sie plötzlich Umars Ankunft hörten, versteckten sie sie. Umar fragte: „Was habt ihr gerade gelesen?“ Fatima sagte: „Wie kommst du darauf? Hast du etwa etwas gehört?“ Umar stürzte sich voller Zorn auf Saʿid und begann, ihn zu schlagen. Dabei sagte er: „Ihr habt Muhammads Religion angenommen? Dann werdet ihr jetzt euren Spaß haben.“ Fatima wurde verletzt, als sie ihn zurückhalten wollte. Aus ihrer Wunde floss Blut. Als Umar das Blut sah, blieb er erschrocken stehen und sagte: „Du Unglückselige, du hast Muhammads (s.a.w.) Religion angenommen?“ Auch Fatima war die Tochter des großen Kriegers Khattab. Verwundet antwortete sie mit furchtloser Stimme: „Schlag mich, so viel du kannst. Ich habe Muhammads (s.a.w.) Religion angenommen und werde sie nicht aufgeben.“ Diese entschiedenen und furchtlosen Worte seiner Schwester machten Umar aufmerksam, und er sagte: „Gebt mir, was ihr gelesen habt.“ Fatima antwortete: „Wasche dich zuerst zur rituellen Reinheit, dann werde ich es dir geben.“ Nachdem Umar sich gereinigt hatte, wurde ihm das Schriftstück gegeben. Darauf war ein Teil der Sure Taha geschrieben. Umar las ihn aufmerksam. Daraufhin überwältigten ihn die Sprache des Korans und seine innere Bedeutung vollkommen. Er empfand zutiefst, dass diese Worte keinesfalls von einem Menschen verfasst sein konnten. Mit bebender Stimme erklärte Umar:

 أَشْهَدُ أنْ لا إلَٰهَ إِلَّا اللهُ وَحْدَهُ لَا شَرِيْكَ لَهُ وَأشْهَدُ أنَّ مُحَمَّدًا عَبْدُهُ وَرَسُولُهُ

„Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und Muhammad sein Gesandter ist.“

Darauf sagte er:

„Wo ist der Prophet des Lichts? Führt mich zu seinen Füßen.“ Fatema und Sa’id kannten nun vor Freude keine Grenzen mehr. Sie brachten Hazrat Umar zu dem Haus, in dem sich der Prophet aufhielt. Die Gefährten des Propheten gerieten in große Unruhe, als sie Umar kommen sahen. Doch der Prophet sagte: „Lasst Umar eintreten.“

Kaum war Umar eingetreten, legte er sein Schwert zu den Füßen des Propheten nieder und erklärte:

 أَشْهَدُ أنْ لا إلَٰهَ إِلَّا اللهُ وَحْدَهُ لَا شَرِيْكَ لَهُ وَأشْهَدُ أنَّ مُحَمَّدًا عَبْدُهُ وَرَسُولُهُ

„Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und Muhammad Allahs Gesandter ist.“

Die Nachricht von Hazrat Umars Annahme des Islam verbreitete sich mit Blitzesschnelle. Unterdessen traf diejenigen in Dar an-Nadwa, die auf die Rückkehr des großen Helden Umar mit Muhammads abgetrenntem Kopf in der Hand warteten, der Blitz aus heiterem Himmel. Sie konnten überhaupt nicht begreifen, was in so kurzer Zeit geschehen war, dass er losgezogen war, um einen Kopf zu holen, und nun seinen eigenen Kopf hingegeben zurückkehrte.

Nachdem sie Nachforschungen angestellt hatten, erfuhren sie es. Sein Zustand war darauf zurückzuführen, dass er im Haus seiner Schwester den Koran rezitiert hatte. Die Quraisch erkannten wieder einmal aufs Äußerste, dass der Koran die Ursache all ihrer Unglücke war.

Auch der berühmte Gefährte Hazrat Dschubair ibn Mut’im nahm den Islam an, nachdem er den Koran gehört hatte. Angesichts dieser Ereignisse blieb den Führern der Ungläubigen und Götzendiener nichts anderes übrig, als zu erkennen, dass ihre Niederlage dem Koran geschuldet war. Muhammad (S.) hatte schon vor der Herabsendung des Korans unter ihnen gelebt. Aber damals hatte er ihrer Nation oder Gesellschaft keinerlei Schaden zufügen können. Erst seit der Offenbarung des Korans war dieses Unglück über sie gekommen. Nachdem er den Koran gehört hatte, verlor der äußerst kluge Mann Utba den Verstand. Und gerade die Anziehungskraft dieses Korans bewog auch den Nadschaschi dazu, die Gesandten der Quraisch mit leeren Händen zurückzuschicken; durch die Berührung der Magie des Korans wurde ein so steinharter Mensch wie Umar dazu gebracht, den Kopf zu neigen und ihn wieder zu erheben. Berühmte Dichter wie Tufail ibn Dausi sowie Stammesführer wie Dschamad und Dschubair und andere fanden, vom Wort des Korans tief beeindruckt, Zuflucht in seinem Schoß.

In Anerkennung dieser wundersamen Wirkung des Korans sagte der berühmte westliche Gelehrte Immanuel Deutsch:

„Mit Hilfe dieses Buches waren die Araber imstande, ein größeres Gebiet zu erobern als Alexander und Rom. Während Rom viele Jahrhunderte benötigte, um seine Eroberungen zu vollenden, brauchten die Araber dafür ebenso viele Jahrzehnte. Mit seiner Hilfe kamen unter allen semitischen Völkern allein die Araber als Könige nach Europa. Die Phönizier hingegen kamen als Kaufleute und die Juden als Flüchtlinge oder Gefangene.“

Daher berieten sich die Anführer der Ungläubigen und beschlossen, dass sie selbst den Koran nicht hören und dafür sorgen würden, dass die Stimme des Korans niemanden erreichte.

Allah ließ Seinem Gesandten ihren diesbezüglichen Beschluss durch den folgenden Vers mitteilen

﴿وَقَالَ الَّذِينَ كَفَرُوا لَا تَسْمَعُوا لِهَٰذَا الْقُرْآنِ وَالْغَوْا فِيهِ لَعَلَّكُمْ تَغْلِبُونَ﴾

﴿فَلَنُذِيقَنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا عَذَابًا شَدِيدًا وَلَنَجْزِيَنَّهُمْ أَسْوَأَ الَّذِي كَانُوا يَعْمَلُونَ﴾

„Und die Ungläubigen sagen: Hört nicht auf diesen Koran und macht Lärm, wenn er rezitiert wird, damit ihr euren Plan umsetzen könnt. Ich werde diese Ungläubigen die Strafe einer harten Bestrafung kosten lassen und ihnen für diese üble Tat die angemessene Vergeltung zuteilwerden lassen.“ (Sure Hamim Sadschda, Verse 26–27)

Einige unumstößliche Beweise dafür, dass der Koran ein göttliches Buch ist

Dass der Heilige Koran tatsächlich das Wort Allahs des Erhabenen ist und dass es dem Menschen überhaupt nicht möglich ist, ein Buch dieser Art zu verfassen, dafür finden sich im Koran selbst zahlreiche Beweise. Im Folgenden werden einige davon angeführt:

Erstens: Der sprachliche und literarische Rang des Korans

Der sprachliche und literarische Rang des Korans ist außerordentlich hoch. Seine Sprache ist ebenso klar, wie sein Satzbau äußerst präzise und einzigartig ist. Wenn der edle Prophet (S) den Koran rezitierte, verzauberten sein Klang und seine melodische Schönheit Herz und Verstand seiner sprachgleichen Zeitgenossen. Sie erkannten tatsächlich, dass dieses Wort unmöglich von einem Menschen verfasst worden sein konnte, ganz gleich, wie großer Gelehrter der arabischen Literatur er auch sein mochte. Obwohl die blinde Nachahmung der Vorfahren, der Stammeshochmut und die engstirnige Wahrnehmung eigener Interessen sie daran hinderten, den Koran als Wahrheit anzunehmen, erkannten sie doch sehr wohl, dass es einem ungebildeten Mann, der niemals auch nur die Schwelle einer Schule überschritten hatte, keinesfalls möglich war, ein Wort von solch hohem Rang zu verfassen und vorzulegen. Der Koran selbst forderte die Araber mehrfach offen heraus: „Wenn ihr ihn für ein vom Propheten (S) verfasstes Wort haltet, dann bringt ein Wort dieser Art hervor und zeigt es.“

Angesichts des erbitterten Widerstands der Götzendiener wurde diese Herausforderung in Mekka zu verschiedenen Zeiten dreimal ausgesprochen. Zu Beginn des medinensischen Lebensabschnitts des Gesandten wurde diese Herausforderung noch einmal wiederholt. Einmal in Mekka innerhalb der Sure Yunus, einmal innerhalb der Sure Hud und einmal innerhalb der Sure Bani Isra’il wurde folgende Herausforderung ausgesprochen:

 ﴿أَمْ يَقُولُونَ افْتَرَاهُ ۖ قُلْ فَأْتُوا بِسُورَةٍ مِّثْلِهِ وَادْعُوا مَنِ اسْتَطَعْتُم مِّن دُونِ اللَّهِ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ﴾

„Oder behaupten sie, dass er den Koran selbst verfasst habe? Sag: Wenn ihr mit eurer Behauptung wahrhaftig seid, dann bringt wenigstens eine Sure hervor, die ihm gleich ist. Und ruft außer Allah auch diejenigen zu Hilfe, deren Hilfe ihr in dieser Angelegenheit benötigt; ruft sie nach Kräften ebenfalls herbei.“

(Sure Yunus, Vers 38)

﴿أَمْ يَقُولُونَ افْتَرَاهُ ۖ قُلْ فَأْتُوا بِعَشْرِ سُوَرٍ مِّثْلِهِ مُفْتَرَيَاتٍ وَادْعُوا مَنِ اسْتَطَعْتُم مِّن دُونِ اللَّهِ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ﴾

„Oder sie sagen etwa, er habe den Koran selbst verfasst. Sprich: Bringt dann, wenn ihr wahrhaftig seid, zehn gleichartige, erfundene Suren hervor und ruft dazu außer Allah alle zu Hilfe, die ihr dafür nach Kräften benötigt.“

(Sure Hud, Vers 13)

 ﴿قُل لَّئِنِ اجْتَمَعَتِ الْإِنسُ وَالْجِنُّ عَلَىٰ أَن يَأْتُوا بِمِثْلِ هَٰذَا الْقُرْآنِ لَا يَأْتُونَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيرًا﴾

Sprich: Selbst wenn sich die gesamte Menschheit und die Dschinn zusammentäten, um einen Koran dieser Art hervorzubringen, würden sie es nicht vermögen, auch wenn sie einander dabei unterstützten.“

(Sure Bani Isra’il, Vers 88)

Kurz nachdem der edle Prophet (s.) nach Medina ausgewandert war, wurde diese Herausforderung in der Sure al-Baqara erneut wie folgt ausgesprochen:

 ﴿وَإِن كُنتُمْ فِي رَيْبٍ مِّمَّا نَزَّلْنَا عَلَىٰ عَبْدِنَا فَأْتُوا بِسُورَةٍ مِّن مِّثْلِهِ وَادْعُوا شُهَدَاءَكُم مِّن دُونِ اللَّهِ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ﴾

Und wenn ihr Zweifel daran habt, ob das Buch, das Ich auf Meinen Diener (Muhammad) herabgesandt habe, von Mir stammt, dann bringt eine ihm gleiche Sure hervor. Und ruft zu diesem Zweck neben Allah auch eure anderen Helfer herbei, wenn ihr wahrhaftig seid.“ (Sure al-Baqara, Vers 23)

Als diese Herausforderung angesichts des erbitterten Widerstands der Araber immer wieder ausgesprochen wurde, saßen sie gewiss nicht untätig da. Unter ihnen gab es etliche große Dichter und hochrangige Literaten. Um dieser offenkundigen Herausforderung zu begegnen, wandten sich die Gegner des Islam an sie alle. Doch sie enttäuschten sie allesamt. Keinem ihrer Dichter oder literarischen Genies war es möglich, auch nur eine Sure hervorzubringen, die einer kurzen Sure des Korans gleichkam.

Die von Allah, dem Erhabenen, verkündete Herausforderung ist nicht auf jene Zeit beschränkt. Vielmehr ist sie für die Gegner des Korans seit der Zeit seiner Offenbarung bis zum Tag der Auferstehung eine offene Herausforderung. Auch heute gibt es in Ländern wie Ägypten, Palästina, Syrien und Libanon zahlreiche arabischstämmige christliche und jüdische Familien, unter denen sich große Kenner der arabischen Sprache befinden. Wenn sie wollen, können auch sie diese Herausforderung annehmen und ihr Glück versuchen. Vielleicht haben sie es sogar versucht. Doch wie ihren Vorgängern wird ihnen außer Enttäuschung nichts zuteilwerden.

Diejenigen, die Kenner der arabischen Sprache sind und Arabisch als Muttersprache haben, können sehr wohl erkennen, dass die Sprache des Korans mit der Sprache keines von Menschen verfassten arabischen Buches vergleichbar ist. Vielmehr war auch die Sprache des edlen Propheten (s.) nicht von derselben hohen Qualität wie die Sprache des Korans. Die Worte, die er bis zum Alter von vierzig Jahren, also vor seiner Berufung zum Propheten, sprach, und sogar die Worte, die der Prophet (s.) auch nach seiner Berufung zum Propheten gewöhnlich sprach (abgesehen von der Offenbarung), waren von niedrigerer Qualität als die Sprache des Korans. Mit der Sprache der Offenbarung waren sie überhaupt nicht vergleichbar.

Daher sind gerade sein hohes literarisches Niveau, seine kunstvolle Wortbildung, seine einzigartige Satzfügung und sein tief berührender Klang unwiderlegbare Beweise dafür, dass der Koran Allahs Buch ist.

Zweitens: Die Themen des Korans

Auch die wichtigen Themen, die im Koran behandelt werden, und die schwierigen Probleme, für die darin Lösungen gegeben werden, sind ein deutlicher Beweis dafür, dass der Koran ein göttliches Buch ist. Denn das Gebiet, in dem der edle Prophet (s.) geboren wurde, lag damals außerhalb der zivilisierten Welt. Dort gab es weder ein geordnetes Staatswesen noch hatte sich dort eine kultivierte Zivilisation entwickelt. Abgesehen von ein oder zwei kleineren Städten führten die Bewohner aller übrigen Gebiete ein Nomadenleben. Jeder Stamm unterstand einer eigenen Stammesordnung, das heißt den Anweisungen seines Stammesoberhaupts. Obwohl gelegentlich der eine oder andere Mensch ein wenig lesen und schreiben konnte, war nirgendwo eine Bildungseinrichtung zu finden.

In einer solchen Umgebung geboren, wurde Muhammad (Friede sei mit ihm) bereits in seiner Kindheit als Waise ohne Vater und Mutter zurückgelassen. Daher war ihm keinerlei Schulbildung vergönnt. Abgesehen von zwei kurzen Handelsreisen nach Syrien in seiner Jugend unternahm er auch keine Bildungsreisen. Den Umgang mit irgendeinem gebildeten und gelehrten Menschen hatte er überhaupt nicht.

Unter diesen Umständen kann jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand erkennen, dass es für einen solchen Analphabeten überhaupt nicht möglich war, ein Buch wie den Koran zu verfassen und vorzulegen, das so viele unterschiedliche und bedeutende Themen umfasst. Somit beweisen schon die im Koran behandelten Themen, dass der Koran Allahs Buch ist.

Drittens: Die zutreffende Darstellung vorgeschichtlicher Ereignisse

Im Heiligen Koran finden sich Berichte über Ereignisse, die sich lange vor der Entstehung der Geschichte ereignet hatten und über die die Welt des sechsten Jahrhunderts kaum etwas wusste. Einige Ereignisse aus der vorgeschichtlichen Zeit wurden zwar in den religiösen Schriften der Juden erwähnt, doch waren die meisten davon übertrieben und entstellt. Zwar wurden manche dieser Ereignisse auch unter den Arabern und den Bewohnern der angrenzenden Gebiete überliefert, doch waren diese Überlieferungen völlig unklar und zweifelhaft. Im Koran finden sich ferner Berichte über zahlreiche Ereignisse, die weder in den religiösen Schriften der Juden erwähnt wurden noch unter den Arabern bekannt waren.

Der Heilige Koran hat verschiedene Ereignisse aus der vorgeschichtlichen Zeit in unterschiedlichen Zusammenhängen kurz, aber so vollkommen beschrieben, dass bis heute niemand ihre Wahrheit anfechten konnte. Im Gegenteil: Die immer neuen Entdeckungen der Archäologen historischer Überreste haben ihre Wahrheit inzwischen noch zweifelsfreier bestätigt.

Die Geschichte von Adam und Eva (Friede sei mit ihnen), die Ereignisse um Noah (Friede sei mit ihm), die Geschichten von Abraham, Ismael und Jakob (Friede sei mit ihnen), die Erwähnung von Nimrod und Pharao, die Geschichten von Josef und Jakob (Friede sei mit ihnen), die Berichte über Völker wie die ʿAd, die Thamud, Tubba und Saba, die Erwähnung von Goliath und David (Friede sei mit ihm), die Geschichten von Dhul-Qarnain, den Gefährten der Höhle und Luqman (Friede sei mit ihm), sowie die Berichte über Salomo, Zacharias, Johannes und Jesus (Friede sei mit ihnen) – all dies konnte ein solcher Analphabet, der niemals auch nur eine Zeile eines Geschichtsbuches gelesen und überhaupt keine Reisen als Tourist in verschiedene Länder unternommen hatte, unmöglich so vollkommen schildern. Als Beweis dafür werden im Folgenden aus dem Heiligen Koran einige dieser Ereignisse angeführt,

(a) Tausende von Jahren vor dem Erscheinen des Großen Propheten und nur kurze Zeit nach der Erschaffung des Menschen kam der gesetzbringende Prophet Noah (Friede sei mit ihm). Im Heiligen Koran berichtet Allah, der Herr der Welten, in der Sure Hud über Noahs Berufung zum Propheten, seine Verkündung der Botschaft an sein Volk, deren Zurückweisung durch das Volk und die vielfältigen Leiden, die Noah (Friede sei mit ihm) durch es zugefügt wurden. Nachdem er sich lange bemüht und angestrengt hatte, verzweifelte er und flehte Allah um die Vernichtung seines Volkes an. Schließlich werden die Ereignisse der verheerenden Flut geschildert, durch die die gesamte übrige Menschheit mit Ausnahme Noahs (Friede sei mit ihm) und einiger seiner gläubigen Gefährten vernichtet wurde. Danach spricht Allah Seinen geliebten Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit den Worten an:

 ﴿تِلْكَ مِنْ أَنبَاءِ الْغَيْبِ نُوحِيهَا إِلَيْكَ ۖ مَا كُنتَ تَعْلَمُهَا أَنتَ وَلَا قَوْمُكَ مِن قَبْلِ هَٰذَا ۖ فَاصْبِرْ ۖ إِنَّ الْعَاقِبَةَ لِلْمُتَّقِينَ﴾

Dies sind unbekannte und verborgene Begebenheiten, von denen Ich dich durch die Offenbarung in Kenntnis setze. Dabei waren weder du noch dein Volk zuvor über diese Ereignisse informiert. So warte ab; gewiss wird das Ende den Gottesfürchtigen zuteilwerden.“ (Sure Hud, Vers 49)

(b) Ungefähr zweitausend Jahre vor der Geburt des Gesandten ereigneten sich im Leben Hazrat Yusufs (a. s.) außergewöhnliche Begebenheiten. Zu ihrer Darstellung wurde dem Gesandten im Koran die lange Sure Yusuf offenbart. In dieser Darlegung hatte Allah Seinem Propheten durch die Offenbarung die außergewöhnlichen Begebenheiten aus dem gesamten Leben Hazrat Yusufs in zusammengefasster, höchst wunderbarer und vollkommen genauer Weise mitgeteilt.

Wie die Brüder Hazrat Yusufs gegen ihn intrigierten und ihn in einen Brunnen warfen, wie ihn die Angehörigen einer Händlerkarawane herauszogen und als Sklaven an den Ministerpräsidenten Ägyptens verkauften, wie er danach durch die Intrige der Frau des Ministers ins Gefängnis kam, wie er später, nachdem er den Traum des ägyptischen Königs gedeutet hatte, zu dessen persönlichem Sekretär und Ministerpräsidenten ernannt wurde und wie schließlich seine gesamte Familie, einschließlich seiner Eltern, Brüder und Schwestern, aus Kanaan nach Ägypten kam – all dies hatte Allah Seinem geliebten Propheten durch die Sure Yusuf vollständig mitgeteilt. Und indem Er darauf hinweist, dass eine derart genaue Mitteilung auf keinem anderen Weg als durch die Offenbarung möglich gewesen wäre, sagt Allah:

 ﴿ذَٰلِكَ مِنْ أَنبَاءِ الْغَيْبِ نُوحِيهِ إِلَيْكَ ۖ وَمَا كُنتَ لَدَيْهِمْ إِذْ أَجْمَعُوا أَمْرَهُمْ وَهُمْ يَمْكُرُونَ﴾

„Dies sind unbekannte und verborgene Begebenheiten, von denen Ich dich, o Prophet, durch die Offenbarung in Kenntnis setze. Doch du warst nicht bei ihnen, als die Brüder Yusufs (a. s.) ihre Intrige schmiedeten und ihren Plan fassten.“ (Sure Yusuf, Vers 102)

(c) Im Zusammenhang mit der Darstellung der unbekannten Begebenheiten, wie Hanna, die Mutter von Hazrat Maryams Mutter, ihr ungeborenes Kind Allah zuliebe dem Dienst am Bayt al-Muqaddas und den Aufgaben der Religion weihte, es anschließend benannte und den Priestern des Bayt al-Muqaddas übergab, wie zur Entscheidung darüber, wer es aufziehen sollte, das Loswerfen mit Schreibrohren durchgeführt wurde, wie dieses Mädchen auf wunderbare und übernatürliche Weise Nahrung erhielt und wie Hazrat Dschibril (a. s.) ihr nach Erreichen der Reife erschien und ihr die frohe Botschaft überbrachte, sagt Allah zu Seinem Propheten:

 ﴿ذَٰلِكَ مِنْ أَنبَاءِ الْغَيْبِ نُوحِيهِ إِلَيْكَ ۚ وَمَا كُنتَ لَدَيْهِمْ إِذْ يُلْقُونَ أَقْلَامَهُمْ أَيُّهُمْ يَكْفُلُ مَرْيَمَ وَمَا كُنتَ لَدَيْهِمْ إِذْ يَخْتَصِمُونَ﴾

„Dies sind unbekannte Begebenheiten, von denen Ich dich, o Muhammad, durch die Offenbarung in Kenntnis setze. Doch du warst nicht bei ihnen, als sie zur Entscheidung über Maryams Erziehung Lose warfen und miteinander stritten.“ (Sure Al Imran, Vers 44)

(d) Etwa eintausendachthundert Jahre vor der Geburt des Gesandten (s) ereigneten sich im afrikanischen Ägypten die außergewöhnlichen Geschehnisse im Leben des Hazrat Musa und des ägyptischen Königs Pharao. Die Geburt Hazrat Musas, sein Aussetzen auf dem Fluss, seine Rettung durch die Frau des Pharao und seine Erziehung im königlichen Haushalt, der Beschluss, ihn nach einem Vorfall in seiner Jugend hinzurichten, die Flucht des verängstigten Musa (a) nach einer langen Reise nach Madyan, wo er bei Hazrat Shuʿayb Wasser schöpfte und zehn Jahre blieb; danach seine Abreise mit seiner Familie nach Ägypten, der Empfang des Prophetentums und der Offenbarung im heiligen Tal des Sinai unterwegs, schließlich sein Erscheinen am Hof Pharaos mit der Einladung zum Tauhid und seine Verkündung derselben, der lange Streit mit Pharao und seinem Volk sowie die Vorführung verschiedener Wunder, seine Ausreise aus Ägypten auf Allahs Befehl mit mehreren hunderttausend Israeliten in Richtung Palästina, nachdem sie erfolglos geblieben waren, die Verfolgung durch Pharao und seine Truppen, sodann, durch Allahs Gnade, die Überquerung des Roten Meeres durch Hazrat Musa und die Kinder Israels, die Ertränkung Pharaos und seiner Leute, danach das vierzigjährige Nomadenleben der Israeliten in der weiten Sinai-Wüste und die zahlreichen außergewöhnlichen Ereignisse dort – nachdem Allah eine kurze, doch äußerst wunderbare Darstellung all dessen gegeben hatte, wandte Er sich an Seinen Propheten und sprach:

 وَمَا كُنتَ بِجَانِبِ الْغَرْبِيِّ إِذْ قَضَيْنَا إِلَىٰ مُوسَى الْأَمْرَ وَمَا كُنتَ مِنَ الشَّاهِدِينَ ﴿٤٤﴾ وَلَـٰكِنَّا أَنشَأْنَا قُرُونًا فَتَطَاوَلَ عَلَيْهِمُ الْعُمُرُ ۚ وَمَا كُنتَ ثَاوِيًا فِي أَهْلِ مَدْيَنَ تَتْلُو عَلَيْهِمْ آيَاتِنَا وَلَـٰكِنَّا كُنَّا مُرْسِلِينَ ﴿٤٥﴾ وَمَا كُنتَ بِجَانِبِ الطُّورِ إِذْ نَادَيْنَا وَلَـٰكِن رَّحْمَةً مِّن رَّبِّكَ لِتُنذِرَ قَوْمًا مَّا أَتَاهُم مِّن نَّذِيرٍ مِّن قَبْلِكَ لَعَلَّهُمْ يَتَذَكَّرُونَ ﴿٤٦﴾

„Als Ich Musa (a) am westlichen Rand des Berges Sinai (Tur) Meine Weisungen gab, warst du nicht anwesend. Die tatsächliche Sache ist, dass Ich auf der Welt viele Völker erschaffen hatte, seit deren Erschaffung eine lange Zeit vergangen war. Und du, o Muhammad (s), lebtest damals auch nicht unter den Bewohnern der Stadt Madyan, um ihnen von Meinen Zeichen zu berichten, die sich zu jener Zeit ereignet hatten. Vielmehr entsende Ich Gesandte, denen vergangene Ereignisse durch die Offenbarung mitgeteilt werden. Und als Ich Musa am Fuß des Berges Tur zurufen ließ, warst du nicht anwesend. Vielmehr ist dies eine Barmherzigkeit (Offenbarung) von deinem Herrn, damit du ein Volk warnen kannst, zu dem zuvor kein Warner (Prophet) gekommen war. Vielleicht werden sie sich auf diese Weise ermahnen lassen.“ (Sure al-Qasas, Verse 44–46)

(ঞ) Ebenso werden in der heiligen Sure Ta-Ha des Korans, beginnend mit der Geburt und Erziehung des hochweisen Allahs geehrten Musa (a), seine Erlangung des Erwachsenenalters, seine Flucht nach Madyan, der Empfang des Prophetentums, die Verkündigung der Botschaft an den Pharao, den König von Ägypten, gemeinsam mit Harun (a), die Vorführung verschiedener Wunder und der lange Konflikt mit dem Pharao beschrieben. Danach die Auswanderung in Richtung Palästina. Durch die wunderbare Macht Allahs des Erhabenen überquerten mehrere hunderttausend Menschen gemeinsam mit ihm das Rote Meer. Danach werden Musas Aufstieg zum Berg Tur und der dortige Empfang der Scharia sowie weitere Ereignisse geschildert. Anschließend sagt Allah zu Seinem geliebten Propheten:

 كَذَٰلِكَ نَقُصُّ عَلَيْكَ مِنْ أَنبَاءِ مَا قَدْ سَبَقَ ۚ وَقَدْ آتَيْنَاكَ مِن لَّدُنَّا ذِكْرًا ﴿٩٩﴾

„So berichten Wir dir von den vergangenen Ereignissen. Und wahrlich, Wir haben dir von Uns aus eine Ermahnung gegeben.“ (Sure Ta-Ha, Vers 99)

Daher kann mit Nachdruck gesagt werden, dass diese Ereignisse aus der vorgeschichtlichen Zeit von jenem erhabenen Wesen berichtet wurden, das vor der Erschaffung der Geschichte war, noch immer ist und auch in Zukunft sein wird. Denn der Koran ist Sein ewiges Wort, und Er hat diese Ereignisse dem Propheten durch Offenbarung übermittelt.

Vier: Die Ankündigung künftiger Ereignisse

Im Koran werden zahlreiche Ereignisse erwähnt, von denen Allah den Gesandten durch die Offenbarung lange vor ihrem Eintreten in Kenntnis gesetzt hatte. Im Folgenden werden einige dieser Ereignisse angeführt:

(a) Eine solche bedeutende Begebenheit im Zusammenhang mit einer Prophezeiung finden wir am Anfang der ehrwürdigen Sure ar-Rum. Diese Sure wurde in Mekka etwa sieben Jahre vor der Hidschra des Gesandten offenbart. Das bedeutende Ereignis, das am Anfang der Sure erwähnt wird, ist die Prophezeiung, dass der römische Kaiser Heraklius den persischen Kaiser Chosrau besiegen werde. Allah hatte dem Propheten diese Nachricht durch die Offenbarung etwa neun Jahre vor dem Eintreten des Ereignisses verkündet. Das Ereignis stellte sich wie folgt dar:

Kurz vor dem Aufstieg des Islam gab es auf der ganzen Welt nur zwei große und mächtige Staaten. Ihre Grenzen lagen zudem unmittelbar aneinander. Der eine war das Persische Reich, der andere das Römische Reich. Die übrigen kleineren Staaten der Welt standen unter ihrem Einfluss. Zwischen diesen beiden mächtigen Staaten kam es häufig zu Kriegen und Feindseligkeiten. Im Jahr 615 n. Chr., sieben Jahre vor der Hidschra des Gesandten, wurde das Heer des römischen Kaisers Heraklius von der Armee des persischen Kaisers Chosrau II. vernichtend geschlagen. Die Perser zerstörten die heiligen Stätten der Römer in Jerusalem und nahmen das heilige Kreuz der Christen mit. In diesem Krieg verlor der Kaiser sein gesamtes asiatisches Gebiet und war gezwungen, in Konstantinopel Zuflucht zu suchen. Die römische Macht war durch diesen Konflikt derart zerschlagen worden, dass selbst für eine ferne Zukunft keinerlei Aussicht auf ihr Wiedererstarken erkennbar war.

Als die Nachricht vom Sieg des persischen Kaisers Mekka erreichte, war es das fünfte Jahr der Prophetenschaft. Weil die Perser Götzendiener waren, freuten sich auch die Götzendiener von Mekka besonders über diese Siegesnachricht und verspotteten die Muslime mit den Worten: So wie der christliche römische Kaiser, ein Angehöriger des Volkes der Schrift, von dem götzendienerischen persischen Kaiser besiegt und überwältigt wurde, so werden auch der schriftbesitzende Muhammad und seine Anhänger künftig von den götzendienerischen Quraisch besiegt werden. Kurz gesagt, die Götzendiener betrachteten dieses Ereignis als ein günstiges Zeichen für ihren Sieg über die Muslime.

Tatsächlich hatten die götzendienerischen Quraisch von Beginn dieses Krieges an innerlich die Perser unterstützt. Da die Römer zum Volk der Schrift gehörten, standen die Muslime auf der Seite der Römer. Als die Götzendiener von Mekka daraufhin den Sieg der Perser mit Siegesfeiern begingen, offenbarte Allah seinem Propheten zur Ankündigung des Sieges der Römer die folgenden Verse:

 الم ﴿١﴾ غُلِبَتِ الرُّومُ ﴿٢﴾ فِي أَدْنَى الْأَرْضِ وَهُم مِّن بَعْدِ غَلَبِهِمْ سَيَغْلِبُونَ ﴿٣﴾ فِي بِضْعِ سِنِينَ ۗ لِلَّـهِ الْأَمْرُ مِن قَبْلُ وَمِن بَعْدُ ۚ وَيَوْمَئِذٍ يَفْرَحُ الْمُؤْمِنُونَ ﴿٤﴾ بِنَصْرِ اللَّـهِ ۚ يَنصُرُ مَن يَشَاءُ ۖ وَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ ﴿٥﴾

„Die Römer sind in dem den Arabern nächstgelegenen Gebiet besiegt worden. Doch sie werden binnen weniger als zehn Jahren siegen. Allah besaß bereits zuvor, während ihrer Niederlage, die uneingeschränkte Macht, und auch danach, für alle Zeit, wird allein Er die uneingeschränkte Macht besitzen. Und an jenem Tag, am Tag des Sieges der Römer, werden sich die Muslime über Allahs Hilfe freuen.“ (Sure ar-Rum, Verse 1–5)

Als Allah, der Erhabene, die obige Prophezeiung durch den Gesandten vortragen ließ, begannen die Götzendiener von Mekka darüber zu spotten und zu höhnen. Denn die römische Macht war von den Persern derart vernichtend geschlagen worden, dass keinerlei Aussicht zu erkennen war, dass sie sich erneut als eine größere Macht würde erheben können.

Unter diesen Umständen hätte es wie eine bloße Vorstellung eines Phantasten gewirkt, dass eine derart erschöpfte Macht sich innerhalb von weniger als zehn Jahren wieder zu einer größeren Macht aufrichten und die siegreichen Perser besiegen würde.

Darüber hinaus hatte Allah in den oben erwähnten Versen auch der kleinen und schwachen muslimischen Gemeinschaft die frohe Botschaft verkündet, dass sie innerhalb eines ähnlichen Zeitraums über ihre mächtigen Feinde siegen werde – etwas, das nach äußerem Ermessen völlig unmöglich war.

Doch zur Verwunderung der ganzen Welt gelang es der wiedererstarkten römischen Macht im Jahr 624, nur neun Jahre nach der Niederlage, nicht nur, die von den Persern verlorenen Gebiete in Asien zurückzuerobern, sondern die persische Armee auch auf persischem Kerngebiet zu einer vernichtenden Niederlage zu zwingen. Zur selben Zeit wurde auf dem Schlachtfeld von Badr die gewaltige Armee der Quraisch von der kleinen muslimischen Streitmacht vollständig vernichtend geschlagen. Als die Muslime sahen, dass sich die Prophezeiung des Korans buchstäblich erfüllte, freuten sie sich; ebenso waren die Götzendiener von Zorn und Trauer zutiefst erschüttert, ebenso waren die Götzendiener von Zorn und Trauer zutiefst erschüttert.

Nur weil der Koran das Wort des erhabenen Allah ist, waren solche vollkommenen Prophezeiungen möglich. Denn für Allah sind Vergangenheit und Zukunft wie die Gegenwart.

(b) Eine weitere Begebenheit im Zusammenhang mit einer solchen Prophezeiung finden wir in der Sura al-Haschr. Im fünften Jahr der Hidschra griff eine vereinte, gewaltige Streitmacht der Götzendiener unter der Führung Abu Sufyans Medina an und belagerte die Stadt von allen Seiten. Zwischen den Muslimen und den Juden Medinas bestand ein Vertrag, wonach sie, falls eine ausländische Macht Medina angreifen sollte, gemeinsam mit den Muslimen gegen diese Macht kämpfen würden. Als die Götzendiener jedoch im Grabenkampf Medina angriffen, stellten sich die Juden unter völliger Missachtung dieses Vertrags auf die Seite der Götzendiener. Als die Götzendiener später, nachdem sie keinen Erfolg im Kampf erzielt hatten, die Belagerung aufhoben und abzogen, begannen die Juden, die Folgen ihrer Tat zu fürchten. Sie erkannten, dass die Muslime den inneren Feind fortan nicht mehr dulden würden, und gerieten in große Angst und Schrecken. Genau zu dieser Zeit versuchten die Heuchler von Medina, die Juden mit den Worten zu beruhigen, dass sie ihnen, falls die Muslime sie angreifen würden, in jeder Hinsicht helfen würden; selbst wenn die Muslime die Juden aus Medina vertreiben sollten, würden auch sie Medina gemeinsam mit ihnen verlassen.

Allah hatte den Propheten bereits im Voraus durch den folgenden Vers darüber informiert, dass die Heuchler ihr Versprechen nicht halten würden:

أَلَمْ تَرَ إِلَى الَّذِينَ نَافَقُوا يَقُولُونَ لِإِخْوَانِهِمُ الَّذِينَ كَفَرُوا مِنْ أَهْلِ الْكِتَابِ لَئِنْ أُخْرِجْتُمْ لَنَخْرُجَنَّ مَعَكُمْ وَلَا نُطِيعُ فِيكُمْ أَحَدًا أَبَدًا وَإِن قُوتِلْتُمْ لَنَنصُرَنَّكُمْ وَاللَّـهُ يَشْهَدُ إِنَّهُمْ لَكَاذِبُونَ ﴿١١﴾ لَئِنْ أُخْرِجُوا لَا يَخْرُجُونَ مَعَهُمْ وَلَئِن قُوتِلُوا لَا يَنصُرُونَهُمْ وَلَئِن نَّصَرُوهُمْ لَيُوَلُّنَّ الْأَدْبَارَ ثُمَّ لَا يُنصَرُونَ ﴿١٢﴾

„O Gesandter, weißt du nicht über die Heuchler Bescheid, die zu ihren ungläubigen Brüdern unter den Leuten der Schrift sagen: ‚Bei Allah! Wenn ihr vertrieben werdet, werden auch wir mit euch hinausziehen, und wir werden in Bezug auf euch niemals auf jemanden hören. Und wenn gegen euch Krieg geführt wird, werden wir euch gewiss helfen.‘ Allah bezeugt, dass die Heuchler in ihrer Behauptung ganz und gar Lügner sind. Wenn die Juden vertrieben werden, werden diese nicht mit ihnen hinausziehen. Und wenn gegen sie Krieg geführt wird, werden die Heuchler ihnen nicht zu Hilfe kommen.“ (Sura al-Haschr, Verse 11–12)

Die Geschichte bezeugt, dass die Juden in einer späteren Phase aufgrund ihres Verrats und ihres Vertragsbruchs belagert wurden. Doch der Anführer der Heuchler, ʿAbdullah ibn Ubayy, und seine Gefährten kamen ihnen keineswegs zu Hilfe. Als die Juden anschließend im Interesse der Sicherheit Medinas aus Medina ausgewiesen wurden, zogen auch die Heuchler nicht mit ihnen fort. Auf diese Weise erfüllte sich die Prophezeiung des Korans buchstäblich.

(c) Ein weiteres Ereignis dieser Art wird in der Sure al-Baqara erwähnt. Nachdem der edle Prophet (s) nach Medina ausgewandert war, verrichtete er etwa ein Jahr lang das Gebet mit Bayt al-Muqaddas als Qibla. Danach wurde im zweiten Jahr der Hidschra ein Vers offenbart, der die Kaaba zur Qibla bestimmte. Allah hatte den Gesandten bereits im Voraus durch die Offenbarung darüber informiert, welche Reaktion die Heuchler, die Juden und überhaupt die Gegner des Islams auf die Änderung der Qibla zeigen würden und welche Propaganda sie verbreiten würden,

 سَيَقُولُ السُّفَهَاءُ مِنَ النَّاسِ مَا وَلَّاهُمْ عَن قِبْلَتِهِمُ الَّتِي كَانُوا عَلَيْهَا ۚ قُل لِّلَّـهِ الْمَشْرِقُ وَالْمَغْرِبُ ۚ يَهْدِي مَن يَشَاءُ إِلَىٰ صِرَاطٍ مُّسْتَقِيمٍ ﴿١٤٢﴾

„Bald werden die törichten Menschen sagen: ‚Was hat sie dazu bewogen, sich von der Qibla abzuwenden, in deren Richtung sie so lange gebetet haben?‘“ O Prophet, sage: „Allah gehören Osten und Westen. Er führt, wen Er will, auf den geraden Weg.“ (Sure al-Baqara, Vers 142)

Durch den oben genannten Vers war dem Propheten (s) bereits im Voraus mitgeteilt worden, welche Art von Propaganda die Heuchler und die Juden nach der Änderung der Qibla verbreiten würden.

(d) Ein weiteres wichtiges Ereignis im Zusammenhang mit einer Prophezeiung finden wir im elften Abschnitt der Sure at-Tauba. Im neunten Jahr der Hidschra erhielt der edle Prophet (s) die Nachricht, dass der römische Kaiser Herakleios sich darauf vorbereite, Medina mit einem gewaltigen Heer anzugreifen, und zu diesem Zweck an der Grenze zwischen Syrien und dem Hedschas Truppen zusammenziehe. Sobald der Prophet (s) diese Nachricht erhielt, brach er mit dem gesamten muslimischen Heer auf, um sie bereits an der Grenze zum Hedschas aufzuhalten. Er befahl außerdem jedem kampffähigen Muslim, an diesem Krieg teilzunehmen. Niemand durfte zu Hause bleiben.

In Medina gab es einige Heuchler. Sie nahmen nur an den Kriegen teil, in denen die Muslime mit Sicherheit den Sieg erringen würden. Wenn keine solche Aussicht bestand, hielten sie sich unter allerlei Vorwänden von ihnen fern.

Der Feldzug von Tabuk richtete sich gegen eine Macht, die damals als die führende Macht der Welt galt. Daher waren die Heuchler fest davon überzeugt, dass die Niederlage der Muslime in diesem Krieg unausweichlich sei. Außerdem war es Sommer. In der Wüste wehten die glühend heißen Samum-Winde mit großer Heftigkeit. Unter diesen Umständen fast dreihundertfünfzig Meilen von Medina bis Tabuk zurückzulegen und gegen ein starkes Heer in den Krieg zu ziehen, kam ihnen dem sicheren Tod gleich. Deshalb blieben sie unter allerlei Vorwänden in Medina zurück.

Als der edle Prophet (S) nach dem Feldzug anschließend nach Medina aufbrach, ließ Allah ihn unterwegs durch die Offenbarung einerseits über die heimlichen üblen Absichten der Heuchler informieren und teilte ihm andererseits im Voraus mit, welche falschen Entschuldigungen sie nach seiner Rückkehr nach Medina vorbringen würden, um der Bestrafung zu entgehen,

 يَعْتَذِرُونَ إِلَيْكُمْ إِذَا رَجَعْتُمْ إِلَيْهِمْ ۚ قُل لَّا تَعْتَذِرُوا لَن نُّؤْمِنَ لَكُمْ قَدْ نَبَّأَنَا اللَّـهُ مِنْ أَخْبَارِكُمْ ۚ وَسَيَرَى اللَّـهُ عَمَلَكُمْ وَرَسُولُهُ ثُمَّ تُرَدُّونَ إِلَىٰ عَالِمِ الْغَيْبِ وَالشَّهَادَةِ فَيُنَبِّئُكُم بِمَا كُنتُمْ تَعْمَلُونَ ﴿٩٤﴾

„O Gesandter, wenn ihr zu den Heuchlern nach Medina zurückkehrt, werden sie Entschuldigungen vorbringen. Sag: Ihr braucht keine Entschuldigungen vorzubringen. Wir werden euch nicht mehr glauben. Allah hat uns bereits im Voraus über eure Angelegenheit unterrichtet.“ (Sure at-Tauba, Vers 94)

Danach teilt Allah dem Propheten weiter mit,

سَيَحْلِفُونَ بِاللَّـهِ لَكُمْ إِذَا انقَلَبْتُمْ إِلَيْهِمْ لِتُعْرِضُوا عَنْهُمْ ۖ فَأَعْرِضُوا عَنْهُمْ ۖ إِنَّهُمْ رِجْسٌ ۖ وَمَأْوَاهُمْ جَهَنَّمُ جَزَاءً بِمَا كَانُوا يَكْسِبُونَ ﴿٩٥﴾

„Wenn ihr zu ihnen zurückkehrt, werden diese Heuchler zu euch kommen und bei Allah schwören, damit ihr keine Strafmaßnahme gegen sie ergreift. Nun, lasst sie in Ruhe; als Folge ihrer Taten werden sie die Hölle erleiden.“ (Sure at-Tauba, Vers 95)

يَحْلِفُونَ لَكُمْ لِتَرْضَوْا عَنْهُمْ ۖ فَإِن تَرْضَوْا عَنْهُمْ فَإِنَّ اللَّـهَ لَا يَرْضَىٰ عَنِ الْقَوْمِ الْفَاسِقِينَ ﴿٩٦﴾

Sie werden nur deshalb vor euch schwören, damit ihr mit ihnen zufrieden seid. Bedenkt: Selbst wenn ihr mit ihnen zufrieden seid, wird Allah mit diesen Sündern nicht zufrieden sein.“ (Sure at-Tauba, Vers 96)

In der vorangegangenen Erörterung wurden nur einige Prophezeiungen erwähnt, von denen sich jede einzelne buchstäblich als wahr erwiesen hat. Darüber hinaus finden sich im heiligen Koran zahlreiche weitere Prophezeiungen, die sich bereits erfüllt haben.

Darüber hinaus gibt es unzählige Prophezeiungen über die Auferstehung und Versammlung, das Jenseits, die Wiederauferstehung, die Abrechnung, das Paradies und die Hölle sowie anderes, deren Zeitpunkt der Erfüllung noch nicht gekommen ist. Diese vollkommen zutreffenden Prophezeiungen beweisen gewiss, dass der Koran Allahs Buch ist, denn niemand außer Allah besitzt Kenntnis der Zukunft.

Fünftens: Die Gewährung einer weitreichenden und grundlegenden Ordnung für das menschliche Leben

Auch die ausgewogene, wohlgeplante und weitreichende Ordnung, die der Koran für die verschiedenen Bereiche des menschlichen Lebens gegeben hat, ist ein glänzender Beweis dafür, dass der Koran ein göttliches Buch ist.

Der berühmte westliche Gelehrte Sir Diamondbars schrieb zum Lob dieser vortrefflichen Bestimmungen des Korans:

„Die Bestimmungen des Korans sind für alle gleichermaßen nützlich und segensreich, vom Schah bis zum Bewohner einer Laubhütte. Es ist völlig unmöglich, für die Welt in irgendeiner Ordnung eine Alternative dazu zu finden.“

Dr. Oswell Johnson sagt:

„Die weisen Bestimmungen des Korans sind so wirksam und für alle Zeiten geeignet, dass sie die Erfordernisse jeder Epoche zu erfüllen vermögen. In geschäftigen Städten, belebten Siedlungen, menschenleeren Wüsten und von Land zu Land ist diese Botschaft überall gleichermaßen widerhallen zu hören.“

Gibbon sagt:

„Im Koran finden sich wirksame Bestimmungen für jeden Bereich des Lebens.“

Die sämtlichen Bestimmungen in Bezug auf Ehe und Scheidung, die Regelungen zum Erbrecht, die staatlichen und wirtschaftlichen Grundsätze, die Vorschriften für Krieg und Frieden und dergleichen beweisen zweifellos, dass der Koran Allahs Buch ist. Denn der Prophet, aus dessen Mund wir dieses Buch empfangen haben, war ummī. Daher hatte er weder ein Gesetzbuch studiert noch Unterricht bei einem Rechtsgelehrten erhalten. Folglich wäre es ihm, wenn er kein Prophet gewesen wäre, nicht möglich gewesen, solche hervorragenden Bestimmungen vorzulegen.

Sechstens: Die Darlegung zutreffender Informationen über das Universum und die himmlische Welt

Im Heiligen Koran wurden an vielen Stellen und in verschiedenen Zusammenhängen bei der Darlegung von Allahs unendlicher Allmacht Informationen über die himmlische Welt, die Erde und ihre Ordnung angeführt; mit dem Fortschritt der Wissenschaft ist ihre Wahrheit in verschiedenen Entwicklungsstufen sonnenklar geworden. Im Folgenden werden einige Beispiele dafür angeführt:

(a) Dass die verschiedenen Planeten und Satelliten im Weltraum einander anziehen und infolgedessen im leeren Raum schweben, davon wusste die Menschheit vor der Entdeckung Newtons Gravitationstheorie im Jahr 1965 kaum etwas. Doch fast tausend Jahre vor Newtons Geburt hatte Allah diese Information Seinem Propheten durch die Offenbarung mitgeteilt. Im Folgenden wird ein diesbezüglicher Vers zitiert:

وَمِنْ آيَاتِهِ أَن تَقُومَ السَّمَاءُ وَالْأَرْضُ بِأَمْرِهِ ۚ ثُمَّ إِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِّنَ الْأَرْضِ إِذَا أَنتُمْ تَخْرُجُونَ ﴿٢٥﴾

„Und auch dies gehört zu den großen Zeichen Allahs: dass die himmlische Welt und die Erde durch Seinen Befehl im leeren Raum bestehen.“ (Sure ar-Rūm, Vers 25)

Die gewaltige Kraft, durch die sämtliche Dinge der oberen Welt und die Erdkugel im Raum schweben, wird im Vers als „Amrullah“ bezeichnet. Und genau das ist die von Newton entdeckte Gravitation.

 وَسَخَّرَ لَكُمُ اللَّيْلَ وَالنَّهَارَ وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ ۖ وَالنُّجُومُ مُسَخَّرَاتٌ بِأَمْرِهِ ۗ إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَآيَاتٍ لِّقَوْمٍ يَعْقِلُونَ ﴿١٢﴾

„Und alle Sterne sind durch seinen Amr gebunden (gelenkt). Gewiss, darin liegt ein Zeichen für die Verständigen.“ (Sure an-Nahl, Vers 12)

Im oben genannten Vers wird mit Amr jene gewaltige Anziehungskraft gemeint, durch deren Anziehungskraft die Sterne im Weltraum nicht auseinanderstieben und davonfliegen.

إِنَّ اللَّـهَ يُمْسِكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ أَن تَزُولَا ۚ وَلَئِن زَالَتَا إِنْ أَمْسَكَهُمَا مِنْ أَحَدٍ مِّن بَعْدِهِ ۚ إِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا ﴿٤١﴾

Gewiss, Allah hält die Himmel und die Erde so fest, dass sie nicht auseinanderbrechen und herabfallen.“ (Sure Fatir, Vers 41)

Die in dem genannten Vers erwähnte Haltekraft Allahs ist die von Newton entdeckte Gravitation.

Obwohl der griechische Wissenschaftler Ptolemäus im ersten christlichen Jahrhundert die Kugelgestalt der Erde und die Tatsache entdeckt hatte, dass sie im Weltraum schwebt, konnte er weder angeben, durch welche Kraft sie schwebt, noch etwas über die Bewegung der Erde aussagen.

(b) Dass Allah der Erhabene bei der Schöpfung überall auf der Welt ein duales und paarweises Prinzip angewandt hat, darauf wies der französische Physiker de Broglie im Jahr 1915 hin. Seiner Ansicht nach ist die überall in der Natur vorherrschende Dualität lediglich eine Ausprägung der dualen Natur des Lichts. Doch bereits etwa dreizehnhundert Jahre vor de Broglie wurde den Menschen durch den Koran diese Dualität kundgetan. So sagt Allah:

سُبْحَانَ الَّذِي خَلَقَ الْأَزْوَاجَ كُلَّهَا مِمَّا تُنبِتُ الْأَرْضُ وَمِنْ أَنفُسِهِمْ وَمِمَّا لَا يَعْلَمُونَ ﴿٣٦﴾

„Hoch gepriesen sei Er, der alles in Paaren erschaffen hat: aus dem, was die Erde hervorbringt, aus ihnen selbst und aus Dingen, von denen sie keine Kenntnis haben.“ (Sure Ya-Sin, Vers 36)

وَخَلَقْنَاكُمْ أَزْوَاجًا ﴿٨﴾

„Und Wir haben euch in Paaren erschaffen.“ (Sure an-Nabaʾ, Vers 8)

(c) Dass alles in der Welt, einschließlich Mond und Sonne, unaufhörlich in Bewegung ist, hat der Koran lange vor der Geburt von Wissenschaftlern wie Kopernikus, Galileo, Newton und Einstein verkündet:

 وَالشَّمْسُ تَجْرِي لِمُسْتَقَرٍّ لَّهَا ۚ ذَٰلِكَ تَقْدِيرُ الْعَزِيزِ الْعَلِيمِ ﴿٣٨﴾ وَالْقَمَرَ قَدَّرْنَاهُ مَنَازِلَ حَتَّىٰ عَادَ كَالْعُرْجُونِ الْقَدِيمِ ﴿٣٩﴾ لَا الشَّمْسُ يَنبَغِي لَهَا أَن تُدْرِكَ الْقَمَرَ وَلَا اللَّيْلُ سَابِقُ النَّهَارِ ۚ وَكُلٌّ فِي فَلَكٍ يَسْبَحُونَ ﴿٤٠﴾

„Die Sonne bewegt sich ihrem Bestimmungsort entgegen. Das ist die Anordnung des Allmächtigen, des Allwissenden. Und auch für den Mond haben Wir Stationen festgelegt, bis er schließlich wie ein alter Dattelpalmenzweig wird. Weder kann die Sonne den Mond einholen, noch kann die Nacht den Tag überholen. Und jeder schwebt im Weltraum.“ (Sure Ya-Sin, Verse 38–40)

 ﴾ وَهُوَ الَّذِي خَلَقَ اللَّيْلَ وَالنَّهَارَ وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ ۖ كُلٌّ فِي فَلَكٍ يَسْبَحُونَ ﴿٣٣﴾

„Er ist es, der den Tag und die Nacht erschaffen hat; die Sonne und der Mond sind seine Schöpfung. Und alle schweben im Weltraum.“ (Sure Al-Anbiya, Vers 33)

Hören wir nun, was der weltberühmte Wissenschaftler Einstein hierzu sagt:

„Im Universum gibt es kein unbewegliches, feststehendes Gebilde. Das Universum ist in Bewegung; die Sterne, die Nebelwelten und die gewaltigen Gravitationswelten des äußeren Weltraums – alles ist unaufhörlich in Bewegung.“

Sir Isaac Newtons Ansicht hierzu lautet folgendermaßen:

„Als der Schöpfer das Sonnensystem einrichtete, sorgte er dafür, dass jeder Körper sich um seine eigene Achse dreht.“

(d) Dass Sterne, Nebel und das Sonnensystem im Anfangszustand der Schöpfung miteinander verbunden und untrennbar waren, hat uns der Koran lange vor den Wissenschaftlern erkennen lassen,

 أَوَلَمْ يَرَ الَّذِينَ كَفَرُوا أَنَّ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ كَانَتَا رَتْقًا فَفَتَقْنَاهُمَا ۖ وَجَعَلْنَا مِنَ الْمَاءِ كُلَّ شَيْءٍ حَيٍّ ۖ أَفَلَا يُؤْمِنُونَ ﴿٣٠﴾

„Sehen diejenigen, die den Weg des Unglaubens eingeschlagen haben, denn nicht, dass Himmel und Erde anfangs miteinander verbunden waren? Dann haben Wir sie voneinander getrennt.“ (Sure al-Anbiyāʾ, Vers 30)

Der belgische Kosmologe Athely Metrer äußerte sich zur Entstehung des Universums folgendermaßen: „Das Universum ist aus einem gewaltigen primordialen Atom entstanden. Das Atom zerbarst im Laufe der Zeit, und seine zahlreichen Teile breiteten sich in verschiedene Richtungen aus.“

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Kürzlich gab George Gamow von der George Washington University folgende Erklärung zur Entstehung des Universums ab,

„Am Anfang war das Zentrum des Universums ein brennender Höllenofen aus gleichartigem primordialem Dampf – allmählich begann sich diese kosmische Masse in alle Richtungen auszubreiten, und die Temperatur der verschiedenen Teile nahm ständig ab.“

Eine erstaunliche Übereinstimmung zwischen den Ansichten der beiden oben genannten berühmten Wissenschaftler und der zuvor dargelegten Aussage ist erkennbar.

(ঙ) Der Koran hat lange vor der modernen Wissenschaft darauf hingewiesen, dass die Zeitspannen der verschiedenen Welten im Universum, einschließlich des Sonnensystems, sowie die Dauer von Tag und Nacht nicht gleich sind,

يُدَبِّرُ الْأَمْرَ مِنَ السَّمَاءِ إِلَى الْأَرْضِ ثُمَّ يَعْرُجُ إِلَيْهِ فِي يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ أَلْفَ سَنَةٍ مِّمَّا تَعُدُّونَ ﴿٥﴾

„Jenes erhabene Wesen überwacht alle Angelegenheiten vom Himmel bis zur Erde. Danach wird alles an einem Tag zu Ihm zurückkehren, dessen Dauer nach eurer Berechnung tausend Jahre beträgt.“ (Sure as-Sadschda, Vers 5)

Auch wenn dieser Zeitabstand zur Zeit der Offenbarung des Korans nicht verständlich war, haben die heutigen wissenschaftlichen Entdeckungen ihn den Menschen verständlich und nachvollziehbar gemacht.

Der weltberühmte Wissenschaftler Albert Einstein äußerte sich dazu folgendermaßen:

„Jede Welt hat ihre eigene Zeit. Ohne die Welt zu benennen, in der ein Ereignis stattfindet, hat die Angabe seiner Zeit überhaupt keinen Sinn. Je nach der Geschwindigkeit jeder Welt verändern sich Raum und Zeit.“

Die Geheimnisse des Universums und Dr. Einstein, Lincoln Bemitt.

Wenn Allah also am Tag der Auferstehung unsere Abrechnung in einer Welt stattfinden lässt, die von einem Planeten erhellt wird, um den sich diese Welt in tausend Jahren unserer Erde nur einmal um ihre eigene Achse dreht, und deshalb ein Tag dort ebenso lang ist wie tausend Jahre auf unserer Erde – was ist daran dann verwunderlich?

(c) An einer anderen Stelle des Heiligen Korans sagt Allah anlässlich der Beschreibung der besonderen Kunstfertigkeit Seiner Schöpfung:

﴾ الَّذِي خَلَقَ سَبْعَ سَمَاوَاتٍ طِبَاقًا ۖ مَّا تَرَىٰ فِي خَلْقِ الرَّحْمَـٰنِ مِن تَفَاوُتٍ ۖ فَارْجِعِ الْبَصَرَ هَلْ تَرَىٰ مِن فُطُورٍ ﴿٣﴾ ثُمَّ ارْجِعِ الْبَصَرَ كَرَّتَيْنِ يَنقَلِبْ إِلَيْكَ الْبَصَرُ خَاسِئًا وَهُوَ حَسِيرٌ ﴿٤﴾

„Diese erhabene Wesenheit hat die sieben Himmel übereinander erschaffen. Du wirst in der Schöpfung des Allerbarmers keinerlei Mangel finden. So richte deinen Blick erneut: Siehst du irgendeinen Mangel? Dann lass deinen Blick wieder und wieder schweifen. Dein Blick wird gedemütigt und ermattet zu dir zurückkehren.“ (Und dennoch wirst du darin keinen Mangel finden.) (Sure al-Mulk, Verse 3–4)

Darüber, dass Allah dieses besondere Universum nicht sinn- und zwecklos zum Spiel erschaffen hat, sagt der Koran:

وَمَا خَلَقْنَا السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ وَمَا بَيْنَهُمَا لَاعِبِينَ ﴿٣٨﴾ مَا خَلَقْنَاهُمَا إِلَّا بِالْحَقِّ وَلَـٰكِنَّ أَكْثَرَهُمْ لَا يَعْلَمُونَ ﴿٣٩﴾

„Ich habe den Himmel und die Erde und alles, was zwischen ihnen ist, nicht zum Spiel erschaffen. Gewiss, Ich habe beide zweckgerichtet erschaffen! Doch die meisten Menschen begreifen dies nicht.“ (Sure ad-Duchan, Verse 38–39)

Nun hören Sie die Ansicht des weltberühmten Wissenschaftlers Albert Einstein über dieses kunstvoll geschaffene Universum:

„Ich glaube an ein harmonisch abgestimmtes und wohlgeordnetes Universum. Ich hege den Glauben, dass der suchende Mensch eines Tages die wirkliche Wahrheit finden wird. Ich kann keineswegs glauben, dass der Schöpfer mit der Welt Würfel spielt.“ (Das Geheimnis der Welt und Dr. Einstein).

(f) Bei der Beschreibung des Tages der Auferstehung sagt Allah Taʿala im heiligen Koran, dass an jenem schrecklichen Tag weder die Sonne noch der Mond Licht haben werden und auch die Sterne ihre Wirksamkeit verlieren werden. Allah wird jedoch das gesamte Feld der Versammlung durch ein einzigartiges Nur (Licht) erleuchten. So heißt es in der Sure al-Qiyama:

 يَسْأَلُ أَيَّانَ يَوْمُ الْقِيَامَةِ ﴿٦﴾ فَإِذَا بَرِقَ الْبَصَرُ ﴿٧﴾ وَخَسَفَ الْقَمَرُ ﴿٨﴾ وَجُمِعَ الشَّمْسُ وَالْقَمَرُ ﴿٩﴾

„Sie fragen den Gesandten: Wann wird die Auferstehung sein? An dem Tag, an dem die Sehkraft geblendet wird und der Mond kein Licht mehr haben wird. Und Mond und Sonne werden denselben Zustand erlangen.“ (Sure al-Qiyāma, Verse 6–9)

Im Zusammenhang mit der Beschreibung der Auferstehung hat Allah an einer anderen Stelle im Heiligen Koran gesagt,

 إِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ﴿١﴾ وَإِذَا النُّجُومُ انكَدَرَتْ ﴿٢﴾ وَإِذَا الْجِبَالُ سُيِّرَتْ ﴿٣﴾

„An dem Tag, an dem die Sonne kein Licht mehr haben wird, die Sterne ihre Plätze verlassen und auch die Berge und Gebirge sich fortbewegen werden.“ (Sure at-Takwīr, Verse 1–3)

Obwohl die genannten Aussagen zur Zeit der Offenbarung des Korans manchen Menschen unmöglich erschienen, halten die renommierten Wissenschaftler der heutigen Welt den Eintritt des oben beschriebenen Zustands von Mond und Sternen keineswegs mehr für unmöglich. Vielmehr unterstützen ihre Ansichten diese Aussage. So haben sie gesagt,

„Die Sonne erlischt langsam, aber unaufhaltsam. Viele der Sterne sind inzwischen nur noch ausgebrannte Kohlen. Überall auf der Welt nimmt die Temperatur ab. Materie wird abgestrahlt und zerstört, und die Energie löst sich im Weltraum auf. Nach und nach bewegt sich das Universum auf diese Weise dem Wärmetod entgegen. Wenn das Universum nach vielen Milliarden Jahren diesen Zustand erreicht, werden alle Vorgänge der Natur zum Stillstand kommen.“

(Die Geheimnisse des Universums und Dr. Einstein, S. 123–124)

„Aus allen Erscheinungen und Tatsachen der Natur kann nur der Schluss gezogen werden, dass sich das Universum unaufhaltsam und unumkehrbar auf eine finstere Zerstörung zubewegt.“ (Die Geheimnisse des Universums und Dr. Einstein, S. 127)

Nach Ansicht der Wissenschaftler wird die Welt untergehen, sobald alle Prozesse der Natur zum Stillstand kommen.

كُلُّ مَنْ عَلَيْهَا فَانٍ ﴿٢٦﴾ وَيَبْقَىٰ وَجْهُ رَبِّكَ ذُو الْجَلَالِ وَالْإِكْرَامِ

„Alles, was in der Welt ist, wird zugrunde gehen. Und nur euer Herr wird bleiben, der Erhabene und Majestätische.“

(Sure ar-Rahman, Verse 26–27)

(g) Im heiligen Koran bezeichnet Allah, der Herr der Welten, Pflanzen, Kräuter, Bäume und dergleichen als äußerst kostbare Güter für Menschen und Tiere. So spricht Allah:

وَالْأَرْضَ بَعْدَ ذَٰلِكَ دَحَاهَا ﴿٣٠﴾ أَخْرَجَ مِنْهَا مَاءَهَا وَمَرْعَاهَا ﴿٣١﴾ وَالْجِبَالَ أَرْسَاهَا ﴿٣٢﴾ مَتَاعًا لَّكُمْ وَلِأَنْعَامِكُمْ ﴿٣٣﴾

„Danach hat Er die Erde ausgebreitet. Aus ihr hat Er Wasser und Pflanzen hervorgebracht, und die Berge hat Er fest gegründet. Diese Pflanzen und Bäume sind für euch und eure Tiere äußerst kostbare Güter.“ (Sure an-Nazi’at, Verse 30–33)

An anderer Stelle spricht Allah:

فَلْيَنظُرِ الْإِنسَانُ إِلَىٰ طَعَامِهِ ﴿٢٤﴾ أَنَّا صَبَبْنَا الْمَاءَ صَبًّا ﴿٢٥﴾ ثُمَّ شَقَقْنَا الْأَرْضَ شَقًّا ﴿٢٦﴾ فَأَنبَتْنَا فِيهَا حَبًّا ﴿٢٧﴾ وَعِنَبًا وَقَضْبًا ﴿٢٨﴾ وَزَيْتُونًا وَنَخْلًا ﴿٢٩﴾ وَحَدَائِقَ غُلْبًا ﴿٣٠﴾ وَفَاكِهَةً وَأَبًّا ﴿٣١﴾ مَّتَاعًا لَّكُمْ وَلِأَنْعَامِكُمْ ﴿٣٢﴾ فَإِذَا جَاءَتِ الصَّاخَّةُ ﴿٣٣﴾ يَوْمَ يَفِرُّ الْمَرْءُ مِنْ أَخِيهِ ﴿٣٤﴾ وَأُمِّهِ وَأَبِيهِ ﴿٣٥﴾ وَصَاحِبَتِهِ وَبَنِيهِ ﴿٣٦﴾ لِكُلِّ امْرِئٍ مِّنْهُمْ يَوْمَئِذٍ شَأْنٌ يُغْنِيهِ ﴿٣٧﴾ وُجُوهٌ يَوْمَئِذٍ مُّسْفِرَةٌ ﴿٣٨﴾ ضَاحِكَةٌ مُّسْتَبْشِرَةٌ ﴿٣٩﴾ وَوُجُوهٌ يَوْمَئِذٍ عَلَيْهَا غَبَرَةٌ ﴿٤٠﴾ تَرْهَقُهَا قَتَرَةٌ ﴿٤١﴾ أُولَـٰئِكَ هُمُ الْكَفَرَةُ الْفَجَرَةُ ﴿٤٢﴾

Der Mensch soll auf seine Nahrung achten. Auf eine höchst erstaunliche Weise habe Ich Wasser herabregnen lassen. Danach habe Ich auf einzigartige Weise die Erde aufgebrochen und aus ihr verschiedene Getreidearten, Trauben, Gemüse, Oliven, Datteln, üppige Gärten voller dichter Bäume und Früchte sowie Gräser hervorgebracht. Und all dies ist besonders nützlich für euch und euer Vieh.“ (Sure Abasa, Verse 24–32)

Die heutigen Wissenschaftler sind durch vielfältige Forschungen über Pflanzen zu der Erkenntnis gelangt, dass es in der Natur für Menschen und Tiere keinen besseren Freund als die Pflanzen gibt. Denn Pflanzen liefern uns nicht nur Nahrung, sondern nehmen auch das giftige Gas Kohlendioxid aus der Luft auf und erzeugen Sauerstoff für unsere Atmung.

Pflanzen nehmen mithilfe ihrer Wurzeln Wasser aus dem Boden auf und leiten es in die Blätter, während die Blätter Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen. Im Inneren der Blätter findet mithilfe des in ihnen enthaltenen Chlorophylls (durch das die Blätter grün erscheinen) und der Sonnenstrahlen eine Art Kochvorgang statt. Dadurch entsteht Zucker, der für unseren Körper äußerst wichtig ist. Außerdem wird Sauerstoff freigesetzt, ohne den wir nicht einmal kurze Zeit leben könnten.

Daher sind Pflanzen für uns keine gewöhnlichen, sondern äußerst kostbaren Güter. Im Koran erinnert Allah uns unzählige Male an Seine Gnade in Form der Pflanzen und ruft uns dazu auf, Dankbarkeit zu zeigen.

(Sch) Die Lebensenergie von Pflanzen und sämtlichen metallischen Stoffen soll der berühmte indische Wissenschaftler Jagadish Chandra Bose als Erster nachgewiesen haben. Doch bereits etwa dreizehnhundert Jahre vor dieser Entdeckung von Herrn Bose hat uns der heilige Koran die Lebensenergie und Empfindungsfähigkeit von Pflanzen, Steinen, sämtlichen metallischen Stoffen und anderem aufgezeigt. Im Folgenden werden hierzu einige Zitate aus dem Koran angeführt,

﴿تُسَبِّحُ لَهُ السَّمَاوَاتُ السَّبْعُ وَالْأَرْضُ وَمَن فِيهِنَّ ۚ وَإِن مِّن شَيْءٍ إِلَّا يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ وَلَٰكِن لَّا تَفْقَهُونَ تَسْبِيحَهُمْ ۗ إِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا﴾

„Die sieben Himmel, die Erde und alle Dinge darin preisen Allah. Es gibt nichts, was Ihn nicht lobpreist, doch ihr könnt ihren Lobpreis (das Verrichten des Tasbih) nicht wahrnehmen. Und Er ist nachsichtig und vergebend.“ (Sure Bani Isra’il, Vers 44)

سَبَّحَ لِلَّهِ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ ۖ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

„Alle im Himmel und auf der Erde sind mit dem Lobpreis Allahs beschäftigt. Und Er ist der Allmächtige, der Allwissende.“ (Sure as-Saff, Vers 1)

Der folgende Vers weist insbesondere auf die Lebenskraft der Steine hin,

﴿ثُمَّ قَسَتْ قُلُوبُكُم مِّن بَعْدِ ذَٰلِكَ فَهِيَ كَالْحِجَارَةِ أَوْ أَشَدُّ قَسْوَةً ۚ وَإِنَّ مِنَ الْحِجَارَةِ لَمَا يَتَفَجَّرُ مِنْهُ الْأَنْهَارُ ۚ وَإِنَّ مِنْهَا لَمَا يَشَّقَّقُ فَيَخْرُجُ مِنْهُ الْمَاءُ ۚ وَإِنَّ مِنْهَا لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللَّهِ ۗ وَمَا اللَّهُ بِغَافِلٍ عَمَّا تَعْمَلُونَ﴾

„Und unter den Steinen gibt es manche, aus denen Bäche hervorströmen. Manche spalten sich, und aus ihnen tritt Wasser hervor. Wieder andere erzittern aus Furcht vor Allah und fallen zu Boden. Und Allah ist keineswegs unwissend über eure Taten.“

(Sure al-Baqara, Vers 74)

Einst, während eines Feldzugs, erteilte Hadhrat Muhammad (s) den Soldaten Anweisungen. Da sah er, wie einige Gefährten mit ihren Waffen die Äste und Zweige der Bäume am Wegesrand abschlugen. Der Gesandte (s) verbot es ihnen und sagte: „Hütet euch davor, grundlos Bäume und Pflanzen zu schlagen. Denn sie besitzen Leben; durch eure Schläge erleiden sie Schmerzen und weinen.“

Erst kürzlich hat ein russischer Wissenschaftler entdeckt, dass auch Blumen in der Nähe von der Freude und dem Leid des Menschen beeinflusst werden; das heißt, dass Blumen in der Nähe sich über das Glück und die Freude des Menschen freuen und bei seinem Leid Schmerz empfinden.

Erst vor wenigen Tagen wurde ein Buch mit dem Titel „The Crescent Life of Plan“ veröffentlicht, verfasst von den beiden berühmten amerikanischen Wissenschaftlern Peter Tompkins und Christopher Bird. Darin haben sie nachgewiesen, dass alle Arten von Pflanzen, ja sogar Radieschen, Karotten, Zwiebeln und Ähnliches, nicht nur über Empfindungsfähigkeit, sondern auch über Verstand und Willenskraft verfügen.

Sie verfügen sogar über eine Sprache, mit der sie mit anderen Pflanzen kommunizieren können. In diesem Zusammenhang führten die beiden Wissenschaftler in ihrem Buch auch die Ansichten berühmter Wissenschaftler wie Cleve Backster, Marcel Vogel, Ken Hashemoto und des indischen Wissenschaftlers Jagadish Chandra Bose sowie anderer als Beweise an.

In dem genannten Buch sind auch die Ergebnisse der Untersuchungen russischer Wissenschaftler in Kasachstan darüber festgehalten, wie Getreidesetzlinge auf Musik reagieren und wie Samen und Knospen durch elektrische Impulse erwachen.

Sieben: Das einzigartige Bewahrungssystem des Korans

Die meisten Bücher, die seit unvordenklichen Zeiten den Propheten offenbart wurden, sind heute nicht mehr auffindbar. Und die wenigen, die noch gefunden werden, liegen nicht in ihrer ursprünglichen Sprache vor. Wird ein Buch aus der ursprünglichen Sprache übersetzt, so ist es ein übersetztes Buch und nicht das Original. Dies gilt insbesondere für die von Allah, dem Erhabenen, offenbarten Bücher. Die Sprache eines übersetzten Buches ist die des Übersetzers, nicht die Allahs.

Außerdem haben viele ihrer gelehrten Anhänger offen eingeräumt, dass diese Bücher nicht frei von Veränderungen sind. Denn in jener Zeit gab es weder Papier noch Druckereien wie heute. Daher wurden sie auf Blättern von Bäumen, Holztafeln, glatten Steinplatten oder dünnem Leder niedergeschrieben. Da zusätzliche Abschriften unmöglich waren, wurde bei den Priestern in ihren zentralen Gotteshäusern jeweils nur ein oder zwei Exemplare aufbewahrt. Und wann immer ein rivalisierendes Volk ihre Hauptstadt oder eine ihrer Städte angriff, waren ihre religiösen Schriften und Gotteshäuser die Hauptziele der Angriffe des siegreichen Volkes. Schon vor dem Aufstieg des Islam wurden die religiösen Schriften der Juden und Christen auf diese Weise viele Male von rivalisierenden Mächten vernichtet. Heutzutage ist es im Allgemeinen unmöglich, eine vollständige Tora oder einen vollständigen Injil in ihrer ursprünglichen Sprache zu finden.

Das heilige Buch der Tora, das Hazrat Musa (Friede sei mit ihm) offenbart worden war, wurde mehrmals vollständig vernichtet. Besonders im Jahr 586 v. Chr. griff der tyrannische babylonische Herrscher Bacht-Nasr (Nebukadnezar) Jerusalem an, zerstörte die Stadt und machte sie dem Erdboden gleich; außerdem nahm er die israelitischen Gelehrten und Würdenträger gefangen und brachte sie nach Babylon. Bacht-Nasr zerstörte auch die von Hazrat Sulayman (Friede sei mit ihm) erbaute heilige Bayt-ul-Muqaddas-Moschee sowie das dort aufbewahrte Buch der Tora.

Etwa ein halbes Jahrhundert später, im Jahr 538 v. Chr., besiegte der persische Kaiser der Große Cyrus den König von Babylon, befreite die Juden und half ihnen bei ihrer Wiederansiedlung in Palästina sowie beim erneuten Aufbau der Stadt Jerusalem und der Bayt-ul-Muqaddas-Moschee. Danach schrieben die jüdischen Gelehrten die Tora anhand der verstreuten Teile, die sie sammeln konnten, und anhand dessen, was sie auswendig wussten, neu nieder. Der berühmte europäische Autor des Buches „The Story of Bible“ äußerte sich dazu folgendermaßen:

Dass die ursprünglichen Handschriften zusammen mit Salomos Tempel zerstört wurden und Esra anhand der Kopien, die noch auffindbar waren, eine neue Sammlung anfertigte. (The Story of the Bible)

„Die eigentliche Tatsache war, dass die ursprüngliche Niederschrift der Taurat zusammen mit der heiligen Moschee von Hadhrat Salomo zerstört worden war. Danach fertigte Esra beziehungsweise Hadhrat Uzair (Friede sei mit ihm) anhand dessen, was er sammeln konnte, eine neue Kopie an.“

Nach dem römischen Historiker Plinius wurde das Buch Zend-Avesta, das Zarathustra offenbart worden war, mit goldener Tinte auf insgesamt zwölftausend Rinderhäuten niedergeschrieben und in der berühmten Bibliothek von Persepolis, der damaligen Hauptstadt der Perser, aufbewahrt. Als der griechische Kaiser Alexander anschließend diese Hauptstadt eroberte und niederbrannte, gingen sowohl die Bibliothek als auch das darin aufbewahrte heilige Buch Zend-Avesta in Flammen auf und wurden zu Asche. Über die Bibel, das Neue Testament (Injil), äußert der Autor als Ergebnis seiner Nachforschungen:

„Das gesamte Neue Testament ist zusammen mit anderen Dokumenten in einer Handschrift überliefert, die als ‚Sinaitischer Kodex‘ bezeichnet wird und in Leningrad aufbewahrt wird; sie wurde wahrscheinlich im 4. Jahrhundert in Ägypten geschrieben.“ (The Story of the Bible, S. 107)

„Das gesamte Neue Testament (Injil) befindet sich zusammen mit anderen Dokumenten in der ursprünglichen Niederschrift, die in Leningrad aufbewahrt wird; sie wird ‚Sinaitische Handschrift‘ genannt. Sie wurde höchstwahrscheinlich im 4. christlichen Jahrhundert in Ägypten geschrieben.“

Wenn es also vierhundert Jahre nach dem Tod von Hadhrat Isa (Friede sei mit ihm) noch etwas gibt, das ihm zugeschrieben wird, ist das gewiss eine Angelegenheit, über die man nachdenken sollte.

Manche Offenbarungen (Wahy) wurden von den Geistlichen mündlich von Generation zu Generation an ihre Schüler gelehrt. Als dann die Gefahr bestand, dass sie im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerieten, oder als ihnen in großem Umfang fremde Erzählungen und dergleichen hinzugefügt wurden, schrieb einer ihrer Gelehrten sie in Buchform nieder. Dadurch wurden einerseits Teile davon ausgelassen, während andererseits viele fremde Aussagen darin aufgenommen wurden.

Das heilige Buch der Hindus, die Veden, wurde lange nach dem vedischen Zeitalter, im Zeitalter des Mahabharata (zur Zeit des Kurukshetra-Krieges), vom Weisen Vedavyasa zusammengestellt. Nach Ansicht westlicher Gelehrter wurden die Veden lediglich sieben- oder achthundert Jahre vor der Geburt Jesu Christi verfasst. Ebenso wurde der buddhistische Kanon Tripitaka, insbesondere der dritte Pitaka, etwa zweihundert Jahre nach dem Tod Buddhas unter der Leitung des großen Ashoka niedergeschrieben. Auch der erste und der zweite Pitaka wurden nach Buddhas Tod zusammengestellt. Außerdem werden die Sprachen, in denen die vor dem Koran offenbarten himmlischen Bücher herabgesandt worden waren, heute nirgendwo auf der Welt mehr verwendet. Die meisten Propheten der Welt gehörten dem Volk der Kinder Israels an, und ihre Sprache war Aramäisch oder Hebräisch. Die Sprache aller Bücher, die diesen aramäischen oder hebräischen Propheten offenbart worden waren, war Aramäisch oder Hebräisch. Die Sprache aller Bücher, die diesen hebräischen Propheten offenbart worden waren, war Hebräisch. Doch heute wird die hebräische Sprache nirgendwo auf der Welt mehr in nennenswertem Umfang verwendet.

Ebenso lässt sich die Sprache Sanskrit, in der die religiösen Schriften der Hindus, die Veden und die Gita, verfasst sind, nirgends mehr finden; und auch die Sprache Pali, in der die religiösen Schriften der Buddhisten, die Pitakas, verfasst sind, wird heute von niemandem mehr gesprochen. Sie gehören inzwischen zu den toten Sprachen.

Nur beim Koran ist es anders als bei all diesen Schriften. Milliarden von Exemplaren des Korans sind in der ursprünglichen Sprache, in der er offenbart wurde, in den Händen verschiedenster Menschen in verschiedenen Ländern der Welt vorhanden. Der Koran ist nicht nur in Buchform erhalten geblieben; vielmehr haben sich seit seiner Offenbarung bis heute unzählige Menschen in verschiedenen Teilen der Welt den gesamten Koran auswendig eingeprägt.

Wie bereits erwähnt, wurde der Koran über einen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren nach und nach offenbart. Wann immer ein Teil des Korans dem Propheten (s) offenbart wurde, ließ der Prophet (s) ihn sofort von einem Kātib, einem Schreiber der Offenbarung, niederschreiben; ebenso prägten sich viele Muslime diesen Teil unverzüglich auswendig ein. Als die Offenbarung des Korans nach dreiundzwanzig Jahren abgeschlossen war, war der Koran einerseits vollständig niedergeschrieben und bewahrt, während andererseits unzählige Muslime ihn vollständig auswendig gelernt und dadurch eine wunderbare Methode zu seiner Bewahrung geschaffen hatten. Danach wurde diese Bewahrungsmethode über Jahrhunderte hinweg ordnungsgemäß fortgeführt.

Wer dies überprüfen möchte, soll sich aus einem Land Ostasiens ein Exemplar des Korans beschaffen. Danach soll er es sich von einem Hāfiz aus Nordafrika vortragen lassen. Von einem Unterschied bei Wörtern und Buchstaben ganz zu schweigen, wird er nicht einmal bei einem einzigen Zīr oder Zabar eine Abweichung finden.

Außerdem ist die ursprüngliche arabische Sprache, in der der Koran dem Propheten offenbart wurde, auch nach einer Zeitspanne von vierzehnhundert Jahren weder veraltet noch aufgegeben worden.

[Als der berühmte amerikanische Gelehrte George Sarton die besonderen Eigenschaften der arabischen Sprache lobte, sagte er:

„Die muslimische Kultur war von vielfältiger Art. Die Muslime hatten sich durch zwei starke Bande, die Religion und die Sprache, zu einer Einheit verbunden. Zu den wichtigsten Pflichten der Muslime gehört es, den Koran im ursprünglichen Arabisch zu lesen. Dieser wunderbaren religiösen Vorschrift sei Dank ….. Auch heute gehört das Arabische zu den Sprachen, die überall auf der Welt weit verbreitet verwendet werden. (The Life of Science von George Sarton) An einer anderen Stelle seines Buches sagt der Verfasser: ‚Von der Mitte des achten bis zum Ende des elften Jahrhunderts schritten die Arabischsprachigen an der Spitze der gesamten Menschheit voran. Ihnen ist es zu verdanken, dass die arabische Sprache nicht nur als heilige Sprache des Korans oder als Trägerin des Wortes Allahs etabliert wurde, sondern sich der Welt auch als internationale Sprache präsentierte.‘ In Anerkennung der unermesslichen Bedeutung arabischer Schriften für den Fortschritt der menschlichen Zivilisation schrieb der Verfasser an einer anderen Stelle des Buches:

„Die fortschrittlichsten unter den europäischen Gelehrten erkannten, dass arabische Schriften nicht nur wichtig, sondern geradezu unerlässlich waren. Denn in ihnen war ein gewaltiger Wissensschatz angesammelt. Es ist keineswegs übertrieben zu sagen, dass die Hauptaufgabe der christlichen Gelehrten bis zur Mitte des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts darin bestand, arabische Bücher ins Lateinische zu übersetzen.“ (The Life of Science von George Sarton)

Vielmehr sprechen mehrere Dutzend Millionen Menschen auf der ganzen Welt diese Sprache. Kein Leser des Korans kann anders, als von seinem einzigartigen System der Bewahrung beeindruckt zu sein.

Allah selbst hat verkündet, dass dieses einzigartige System zur Bewahrung Seines letzten Buches, das Seinem letzten Propheten offenbart wurde, von Allah selbst geplant ist. Diese Verkündung finden wir einmal in einer frühen mekkanischen Sure namens „Sure al-Qiyama“. Ein weiteres Mal finden wir sie in einer anderen mekkanischen Sure namens „Sure al-Hidschr“.

Als Dschibril (a. s.) zu Beginn in Mekka zum Gesandten (s. a. s.) kam und ihm die Offenbarung vortrug, begann der Gesandte (s. a. s.), sie eifrig gemeinsam mit Dschibril (a. s.) zu wiederholen, damit kein Teil der Offenbarung ausgelassen würde. Daraufhin beruhigte der Erhabene Allah den Gesandten mit den folgenden Worten:

﴿لَا تُحَرِّكْ بِهِ لِسَانَكَ لِتَعْجَلَ بِهِ﴾

﴿إِنَّ عَلَيْنَا جَمْعَهُ وَقُرْآنَهُ﴾

﴿فَإِذَا قَرَأْنَاهُ فَاتَّبِعْ قُرْآنَهُ﴾

﴿ثُمَّ إِنَّ عَلَيْنَا بَيَانَهُ﴾

„O Gesandter, bewege deine Zunge nicht, um den Koran schnell zu erfassen. Es obliegt Mir, ihn zu vervollständigen und ihn vortragen zu lassen. Wenn Ich ihn daher (durch die Zunge Dschibrils) vortrage, dann folge seiner Rezitation. Danach obliegt es ebenfalls Mir, ihn zu erklären.“ (Sure al-Qiyama, Verse 16–19)

Der erhabene Allah sagt ferner,

﴿إِنَّا نَحْنُ نَزَّلْنَا الذِّكْرَ وَإِنَّا لَهُ لَحَافِظُونَ﴾

„Wahrlich, Wir haben den Koran herabgesandt, und gewiss obliegt Uns sein Schutz.“ (Sure al-Hidschr, Vers 9)

Auch in der Sure Ta-Ha findet sich eine ähnliche Aussage.

وَلَا تَعْجَلْ بِالْقُرْآنِ مِن قَبْلِ أَن يُقْضَىٰ إِلَيْكَ وَحْيُهُ ۖ وَقُل رَّبِّ زِدْنِي عِلْمًا

„Wenn der Koran herabgesandt wird, sei nicht um den Koran (seinen Schutz) besorgt, bevor er vollständig abgeschlossen ist. Und sprich: O Allah, mehre mein Wissen!“ (Sure Ta-Ha, Vers 114)

Wenn man auf diese erstaunliche Vorkehrung zum Schutz des Korans blickt, wird das Herz aus eigenem Antrieb bezeugen, dass hinter dieser Schutzvorkehrung Seine Hand wirkt – Er, der ihn herabgesandt hat.

Acht: Die erstaunliche Harmonie in Sprache und Ausdruck des Korans

Obwohl der Koran über einen Zeitraum von dreiundzwanzig langen Jahren nach und nach offenbart wurde, beweist die erstaunliche Übereinstimmung in Sprache, literarischer Qualität, Bedeutung und Ausdruck vom Anfang bis zum Ende ebenfalls, dass der Koran kein von Menschen verfasstes Buch ist. Denn kein Mensch wäre in der Lage gewesen, über einen derart langen Zeitraum hinweg eine solche Kontinuität und Übereinstimmung in diesen Bereichen zu wahren.

 

Der größte Beweis für das Prophetentum des Gesandten

Denjenigen Propheten und Gesandten, die der erhabene Allah zur Rechtleitung der Menschheit in die Welt entsandt hat, gab Er auch Wunder als Beweis für ihr Prophetentum und ihre Gesandtschaft. Das Wort „Wunder“ bedeutet seinem Wortsinn nach, jemanden unfähig und machtlos zu machen, ihn in einem Wettstreit zu überwältigen und Ähnliches. Im terminologischen Sinn bezeichnet es ein übernatürliches und erstaunliches Ereignis, das zur Unterstützung des eigenen Anspruchs der Propheten und Gesandten vorgeführt wird und das außer einem Propheten für niemanden überhaupt möglich ist.

Neben den allgemeinen Wundern hatte Allah einigen Seiner Gesandten auch besondere Wunder verliehen. Dazu gehörten etwa Musas (a.s.) Asa (Stab) und Yad-e Baida (leuchtende Hand). Wenn nämlich der ehrenwerte Musa (a.s.) seinen Stab auf den Boden warf, nahm dieser die Gestalt einer furchterregenden, gewaltigen Riesenschlange an und bewegte sich auf dem Boden hin und her. Wenn er ihn jedoch wieder in die Hand nahm, verwandelte er sich erneut in einen Stab. Ebenso strahlten, wenn er seine rechte Hand unter seine Achsel klemmte und wieder hervorzog, aus dieser Hand besondere Lichtstrahlen hervor, die alle Seiten erhellten. Dies war Musas (a.s.) Wunder: „Asa und Yad-e Baida“. Neben diesen beiden oben genannten besonderen Wundern ereigneten sich im langen Leben des ehrenwerten Musa (a.s.) noch viele weitere außergewöhnliche und übernatürliche Ereignisse. Dazu zählen unter anderem, dass er durch einen Schlag mit dem Stab das Wasser des Roten Meeres teilte und den Israeliten einen Weg schuf, aus einem Felsblock zwölf Quellen für die zwölf Stämme der Kinder Israels hervorquellen ließ und Manna und Salwa (himmlische Nahrung) vom Himmel herabgesandt wurden.

Auch im Leben des ehrenwerten Isa (a.s.) finden sich viele solcher übernatürlichen Ereignisse; seine besonderen Wunder jedoch waren die Heilung unheilbarer Krankheiten sowie die Auferweckung der Toten und das Veranlassen, dass sie sprachen.

Auch durch Seinen letzten Propheten, den ehrenwerten Muhammad (s.a.w.s.), ließ Allah viele übernatürliche Ereignisse geschehen und legte den Ungläubigen dadurch einen Beweis für sein Prophetentum vor. Das größte Wunder jedoch, das Ihm verliehen worden war, ist der auf Arabisch offenbarte Al-Koran.

Schon an sich war die arabische Sprache unter den bedeutendsten Sprachen der Welt durch besondere Eigenschaften ausgezeichnet. Darüber hinaus standen die Araber zur Zeit des Auftretens des Gesandten auf dem Gebiet der Dichtkunst und Literatur an erster Stelle. Bei ihren nationalen Festveranstaltungen errichteten sie Pavillons und Bühnen und führten ihre dichterischen, künstlerischen und literarischen Fähigkeiten vor. Allah begann, einer solchen Nation mit ihrer gehobenen und kultivierten Sprache durch die Offenbarung an einen völlig ungebildeten Mann eine derart hochrangige Rede herabzusenden, dass alle Araber angesichts des überragenden Niveaus ihrer Sprache und ihres Ausdrucks völlig verblüfft waren. So wie es den Arabern unmöglich war, den Koran sprachlich nachzuahmen, war es ihnen auch hinsichtlich seiner Bedeutung und seiner Themen nicht möglich, eine ähnliche Rede hervorzubringen. Der Koran hat seine Widersacher wiederholt herausgefordert: Wenn ihr hinsichtlich des aus Muhammads Mund hervorgegangenen Korans Zweifel habt und meint, er sei nicht Allahs Wort, sondern von Muhammad verfasst, dann bringt wenigstens eine kurze Sure hervor, die dem Koran gleicht.

Diese Herausforderung des Korans beschränkte sich nicht nur auf seine innere Ausgewogenheit, seine philosophischen Themen und seine komplexen Vorschriften. Wäre es so gewesen, hätten die Araber vielleicht sagen können: Wir sind doch keine Philosophen, wir kennen uns auch nicht mit Ethik aus, und wann hätten wir überhaupt Zeit, uns mit der Astronomie zu befassen? Doch es war nicht nur das: Der Koran forderte neben der Überlegenheit seines Inhalts aufgrund der Überlegenheit seiner sprachlichen Qualität die Araber und die ganze Welt offen heraus, wenigstens eine kleine Sure hervorzubringen, die dem Koran gleicht. So wie die großen Gelehrten und führenden Meister der arabischen Sprache den Koran sprachlich nicht herausfordern konnten, waren auch die Ethikgelehrten der Araber, Roms und Persiens nicht in der Lage, hinsichtlich des Inhalts ein Buch wie den Koran oder auch nur etwas hervorzubringen, das einem Teil von ihm gleichkäme. Daher wird der Koran sowohl hinsichtlich der Sprache als auch des Inhalts bis zum Tag der Auferstehung als ein überaus erstaunliches Wunder des Großartigen Propheten fortbestehen.

 

Die Zusammenstellung und Ordnung des Korans

Während der Offenbarung des Korans ließ der Prophet (s) jeden Teil, sobald er offenbart wurde, einerseits durch die Gefährten, die die Offenbarung niederschrieben, schriftlich festhalten, während andererseits unzählige ehrwürdige Gefährten ihn auswendig lernten. Zum Zeitpunkt des Hinscheidens des Propheten war der vollständige Koran nicht nur von unzähligen ehrwürdigen Gefährten auswendig gelernt, sondern lag auch bei mehreren Gefährten in schriftlicher Form vor. Viele Gefährten schrieben jeden Teil des Korans unmittelbar nach seiner Offenbarung auf dünne Kamelhäute, glatte Steinstücke, Blätter oder Baumrinde. In den Hadith-Werken findet sich eine Überlieferung des Offenbarungsschreibers Zayd ibn Thabit. Er sagte:

نولف القرآن من الرقاع

„Wir saßen beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und schrieben den edlen Koran auf Lederstücke nieder.“ (Mustadrak-i Itqan)

Im Abschnitt von al-Buchari, in dem die Vorzüge der Gefährten geschildert werden, wird eine Überlieferung von Abdullah ibn Umar erwähnt, in der er sagte, dass er den edlen Propheten (s) Folgendes sagen hörte: „Lernt den Koran von vier Personen: Abdullah ibn Mas’ud, Salim, Ubayy ibn Ka’b und Mu’adh ibn Jabal.“ (Buchari)

An anderer Stelle in al-Buchari wird in einer Überlieferung von Anas erwähnt:

„Die vier Gefährten, die zur Zeit des edlen Propheten (s) den Koran besonders gesammelt hatten, waren allesamt Ansar: Ubayy ibn Ka’b, Mu’adh ibn Jabal, Abu Sa’id und Zayd ibn Thabit (ra).“ (Buchari)

Die Hadith-Gelehrten haben bei der Erläuterung dieses Hadith gesagt, dass damit gemeint ist: Obwohl unzählige ehrwürdige Gefährten den Koran gesammelt und bewahrt hatten, besaßen die vier genannten Gefährten hinsichtlich des Auswendiglernens, der Rezitation, der Bewahrung und der Sammlung des Korans einen besonderen Rang.

Kurz nach seinem Ableben, zu Beginn des Kalifats von Hadhrat Abu Bakr, als in der Schlacht von Yamama mehrere hundert Sahaba, die den Koran auswendig kannten, den Märtyrertod erlitten hatten, begab sich Hadhrat Umar (r.) zu Khalifat ar-Rasul Hadhrat Abu Bakr und brachte folgendes Anliegen vor: Der gesamte Koran solle unverzüglich in der richtigen Reihenfolge zusammengestellt und in Buchform niedergeschrieben werden. Andernfalls könnten wir aufgrund des umfangreichen Dahinscheidens der Koran-Hafiz vielleicht einige Teile des Korans verlieren. Hadhrat Abu Bakr zögerte zunächst etwas, billigte dann jedoch Hadhrat Umars Vorschlag und betraute den Offenbarungsschreiber Hadhrat Zaid ibn Thabit mit dieser heiligen Aufgabe.

Imam Buchari überliefert in seinem berühmten Werk Sahih Buchari im Abschnitt „Die Bedeutung und Würde des Korans“ durch Hadhrat Zaid ibn Thabit folgenden Hadith:

„Unmittelbar nach der Schlacht von Yamama ließ mich Hadhrat Abu Bakr (r.) zu sich rufen. Als ich eintraf, sah ich auch Hadhrat Umar neben ihm sitzen. Daraufhin sagte Hadhrat Abu Bakr (r.) zu mir:

‚Sieh, Umar (r.) ist zu mir gekommen und sagt, dass in der Schlacht von Yamama unzählige Koran-Hafiz den Märtyrertod erlitten haben. Ich befürchte, dass wir vielleicht einige Teile des Korans verlieren, wenn in den anderen Schlachten ebenfalls auf diese Weise Koran-Hafiz den Märtyrertod erlitten haben sollten. Daher bin ich der Ansicht, dass du anordnen solltest, den Koran in Buchform niederzuschreiben.‘ Ich erwiderte Umar: Wie kann ich etwas tun, was der Gesandte (s.) nicht getan hat? Daraufhin schwor Umar bei Allah und sagte: ‚Gewiss, diese Aufgabe ist äußerst gut und notwendig.‘ Durch all diese Erörterungen und Auseinandersetzungen mit Umar ließ Allah auch in meinem Herzen das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Aufgabe entstehen. Auch ich stimmte Umar zu.“

Der Überlieferer Hadhrat Zaid ibn Thabit sagt weiter, dass Hadhrat Abu Bakr (r.) sich daraufhin an mich wandte und sagte:

„Du bist ein junger und kluger Mann. Keiner von uns hat irgendeinen Vorwurf gegen dich. Außerdem warst du zur Zeit des Gesandten mit der Niederschrift der Offenbarung beauftragt. Daher sollst gerade du den vollständigen Koran in Buchform zusammenstellen und niederschreiben.“ (Buchari, Fadail al-Quran)

Daraufhin sammelte Hadhrat Zaid (r.) die bei den Sahaba und im eigenen Haus des Gesandten aufbewahrten schriftlichen Teile, ordnete sie und schrieb sie in Buchform nieder, nachdem er sie mit der Rezitation der Koran-Hafize unter den Sahaba abgeglichen hatte.

Harith Muhasibi berichtet in seinem eigenen Werk „Fahmus Sunan“:

„Das Niederschreiben des Korans war keineswegs etwas Neues. Der edle Prophet selbst (s) ließ den Koran niederschreiben. Er lag jedoch in verschiedenen Teilen vor. Hazrat Abu Bakr as-Siddiq ordnete an, all diese Teile zusammenzutragen und in Buchform niederzuschreiben. Diese Arbeit war vergleichbar mit dem Fall, dass sich im Haus des Gesandten (s) einige verstreute Seiten befanden, auf denen der Koran niedergeschrieben war. Daraufhin ordnete ein Sammler sie und band sie mit einem Faden zusammen, damit kein Teil verlorenging.“

As-Saqāfat al-Islāmiyya. (Allama Ragheb Tabbakh).

Das von Hazrat Zaid gesammelte und niedergeschriebene Mushaf blieb zu Lebzeiten des ersten Kalifen, Hazrat Abu Bakrs, als anvertrautes Gut bei ihm verwahrt. Bei Bedarf fertigten andere davon Kopien an und übergaben sie Hazrat Umar. Nach Hazrat Umars Märtyrertod wurde dieser Mushaf der Obhut der Mutter der Gläubigen, Hazrat Hafsa, anvertraut.

Reform der Koranrezitation

Obwohl die Sprache der Bewohner eines gesamten Gebiets, die dieselbe Sprache sprechen, einheitlich ist, gibt es in ihrer Umgangssprache, Aussprache und dergleichen zwangsläufig gewisse Unterschiede und Abweichungen. So bestehen beispielsweise deutliche Unterschiede zwischen der Sprache von Nadia und der von Comilla, ebenso zwischen der Sprache von Khulna und der von Chittagong. Dennoch ist die Sprache in beiden Bezirken Bengali.

Ebenso war die Sprache im gesamten arabischen Land zwar Arabisch, doch zwischen den Sprachen der verschiedenen Gebiete und Stämme sowie ihrer Aussprache, Ausdrucksweise und ihrem Gebrauch bestanden erhebliche Unterschiede. Da der Gesandte aus Quraisch stammte, war der edle Koran zwar in Quraisch-Arabisch offenbart worden. Den Arabern anderer Gebiete wurde jedoch erlaubt, ihn in ihrem regionalen Arabisch zu rezitieren und niederzuschreiben, da dadurch weder die ursprüngliche Bedeutung noch der Sinn des Korans verändert wurde. Als sich der Islam jedoch über die Grenzen Arabiens hinaus auch in den nichtarabischen Ländern ausbreitete, verursachten diese Unterschiede in Rezitationsweise und Aussprache unter den Nichtarabern erhebliche Schwierigkeiten. Als der dritte Kalif, Hazrat Uthman (r), auf diese Angelegenheit aufmerksam gemacht wurde, erkannte er ihre Bedeutung in besonderem Maße. Daraufhin löste er das entstandene Problem auf die nachfolgend beschriebene Weise.

Erstens ließ er den Mushaf der Hazrat Hafsa herbeibringen, der in der Sprache von Quraisch geschrieben und aufbewahrt worden war, und davon zahlreiche Kopien anfertigen. Anschließend sandte er je ein Exemplar in verschiedene Gebiete des muslimischen Reiches und ordnete an, dass alle davon Kopien anfertigen sollten. Die Mushafs, die in den Sprachen der Nicht-Quraisch geschrieben waren, ließ er vollständig vernichten. Dadurch verschwanden auch die Unterschiede in Ausdrucksweise und Aussprache vollständig.

Hierzu überlieferte Imam al-Bukhari im Abschnitt „Fada’il al-Qur’an“ seines Werkes Sahih al-Bukhari über Hazrat Anas einen Hadith mit folgendem Inhalt: „Eines Tages erschien Hazrat Hudhaifa ibn al-Yaman bei Hazrat Uthman (r). Zuvor hatte er lediglich an der Eroberung Armeniens mit syrischen Kämpfern und am Krieg in Aserbaidschan mit irakischen Kämpfern teilgenommen. Dort war er angesichts der unterschiedlichen Rezitationsweisen des Korans unter den syrischen und irakischen Muslimen beunruhigt geworden. Als er anschließend zum dritten Kalifen, Hazrat Uthman, kam, sagte er zum Kalifen: ‚O Befehlshaber der Gläubigen, unternehmt etwas zum Wohl dieser Gemeinschaft, bevor sie über das Buch Allahs ebenso streitet wie die Juden und Christen.‘ Daraufhin ließ Hazrat Uthman (r) der Mutter der Gläubigen, Hafsa, ausrichten, sie möge ihm das von Hazrat Abu Bakr (r) gesammelte Exemplar zusenden. Er werde davon Kopien anfertigen lassen und ihr das Original zurückgeben. Daraufhin übergab Hafsa (r) Hazrat Uthman (r) dieses heilige Buch. Uthman (r) beauftragte anschließend Hazrat Zaid ibn Thabit, Abdullah ibn az-Zubair, Sa’id ibn al-As und Abd ar-Rahman ibn al-Harith (r), davon Kopien anzufertigen. Hazrat Uthman (r) sagte zu den drei Quraisch-Gefährten – mit Ausnahme von Hazrat Zaid ibn Thabit –: Wenn ihr euch mit Zaid ibn Thabit bei irgendeinem Teil hinsichtlich der Rezitationsweise nicht einig seid, dann schreibt ihn in der Sprache von Quraisch nieder, denn der Koran ist in der Sprache von Quraisch offenbart worden.“

Als die genannten Gefährten auf Anweisung von Hazrat Uthman Kopien des vollständigen Buches angefertigt hatten, ließ Hazrat Uthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) das ursprüngliche Buch zu Hazrat Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bringen. Je eine Kopie der angefertigten Mushafs ließ er in verschiedene Gebiete des Reiches schicken und ordnete an, dass alle anderen Mushafs, die sich dort befanden, mit Ausnahme der von ihm versandten Mushafs, vernichtet werden sollten. (Bukhari – Vorzüge des Korans)

„Kopien des von Hazrat Uthman angefertigten ursprünglichen Koranexemplars werden bis heute in verschiedenen Ländern der Welt, darunter Russland, Ägypten und Syrien, aufbewahrt. Auch der heute unter uns vorhandene Koran entspricht jenem ursprünglichen Siddiqi-Exemplar, von dem Hazrat Uthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Kopien anfertigen und unter staatlicher Aufsicht in verschiedene Teile des Reiches schicken ließ.“

Kann es bei der Sammlung und Bewahrung eines Buches eine fehlerfreiere, bessere und wissenschaftlichere Methode geben als diese?

Auch die gegenwärtige Anordnung und Reihenfolge des Korans wurde nicht von einem späteren Menschen festgelegt. Vielmehr ordnete der ehrwürdige Prophet (Segen und Friede seien auf ihm) den heutigen Koran auf Anweisung des ehrwürdigen Gabriel (Friede sei auf ihm) sorgfältig. Nach eben dieser Reihenfolge rezitierte der Prophet (Segen und Friede seien auf ihm) ihn selbst im Gebet vor den edlen Gefährten. Und die Gefährten, die den Koran auswendig kannten, lernten ihn ebenfalls genau in dieser Reihenfolge auswendig.

Der Grund dafür, dass der Koran nach und nach offenbart wurde

Warum wurde der gesamte Heilige Koran nicht auf einmal offenbart, sondern nach und nach über einen langen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren? Warum ließ Allah den Heiligen Koran nicht, wie die himmlischen Bücher Tora, Zabur, Evangelium und andere, auf einmal offenbaren? Auch dies ist durchaus ein nachdenkenswertes Thema. Im Hinblick auf den Heiligen Koran erhoben die Ungläubigen zudem den Einwand: Warum wurde der Koran nicht auf einmal auf Muhammad (Segen und Friede seien auf ihm) herabgesandt?“

Über diese Äußerung der Ungläubigen hat Allah gesagt:

﴿وَقَالَ الَّذِينَ كَفَرُوا لَوْلَا نُزِّلَ عَلَيْهِ الْقُرْآنُ جُمْلَةً وَاحِدَةً ۚ كَذَٰلِكَ لِنُثَبِّتَ بِهِ فُؤَادَكَ ۖ وَرَتَّلْنَاهُ تَرْتِيلًا﴾

„Und die Ungläubigen sagen: Warum ist der Koran nicht auf einmal auf Muhammad (s.) herabgesandt worden? Auf diese Weise, in Abständen, stärken Wir dein Herz. Und Wir haben ihn stufenweise herabgesandt.“ (Sure al-Furqān, Vers 32)

Der Verfasser von Manāhil al-ʿIrfān fī ʿUlūm al-Qurʾān, Allāma ʿAbd al-ʿAẓīm, hat in seinem Werk vier besondere Weisheiten dafür angeführt, dass der Koran nach und nach herabgesandt wurde.

1. Stärkung des Herzens des Gesandten

Das heißt: Durch das wiederholte Kommen des geehrten Engels Ḥazrat Dschibrīl Amīn, der von Allah selbst die Offenbarung überbrachte, wurde seine Seele mit geistiger Freude erfüllt, und in der reinen Kammer seines Herzens blieb stets die Überzeugung fest verankert, dass Allahs Gnade und Gaben unaufhörlich vom Himmel auf ihn herabströmten. Dadurch wurde das Herz und die Seele des Gesandten allmählich durch die übernatürliche Kraft des Glaubens gestärkt.

Da der Koran in Abständen und nach und nach herabgesandt wurde, prägte der Gesandte (s.) ihn sofort auswendig ein, erfasste seine inneren Bedeutungen und wurde mit seiner Weisheit besonders vertraut. Dadurch wurde sein reines Herz fortwährend durch die einzigartige und wundersame Kraft des Korans gestärkt.

2. Die fortlaufende Erziehung der muslimischen Umma

Das heißt: Die unter der Führung des Propheten entstandene neue Gemeinschaft durch fortlaufende Unterweisung und Erziehung schrittweise voranzuführen und zur Grenze der Vollkommenheit zu bringen. Dieses Ziel wurde in besonderem Maße dadurch erreicht, dass die Koranverse in Abständen und nach und nach herabgesandt wurden. Denn wenn sämtliche Gebote und Bestimmungen der Scharia bereits in der ersten Phase auf einmal offenbart worden wären, wäre es für die Menschen, die gerade erst den Islam angenommen hatten, möglicherweise äußerst schwierig gewesen, sie vollständig zu befolgen. So hat Allah gesagt:

﴿وَقُرْآنًا فَرَقْنَاهُ لِتَقْرَأَهُ عَلَى النَّاسِ عَلَىٰ مُكْثٍ وَنَزَّلْنَاهُ تَنزِيلًا﴾

„Und Wir haben den Koran in Abschnitten offenbart, damit du ihn den Menschen nach und nach vortragen kannst.“ (Sure al-Isrāʾ, Vers 106)

3. Anleitung in Bezug auf immer neue Probleme

Die von Allah dem Propheten (s) und seinen sich aufopfernden Gefährten auferlegte große Verantwortung, die islamische Bewegung zu führen, brachte in ihren verschiedenen Phasen unterschiedliche Probleme mit sich, und zu verschiedenen Zeiten sah sich der Prophet (s) mit unterschiedlichen Fragen konfrontiert. Um diese Probleme zu lösen und diese Fragen zu beantworten, wurde es zu verschiedenen Zeiten notwendig, verschiedene Teile des Korans zu offenbaren.

So kam einst eine muslimische Frau, Hadhrat Khaulah bint Thaʿlabah, zum Gesandten und begann unter Weinen und Klagen, den Vorfall zu schildern, dass ihr Ehemann an ihr Zihār vollzogen hatte. Denn sie hatte mehrere kleine Kinder. Wenn sie diese ihrem Ehemann übergab, bestand die Gefahr, dass ihr Leben zugrunde gehen würde. Wenn sie sie jedoch bei sich behielt, bestand ebenfalls die Gefahr, dass sie infolge von Nahrungsmangel vorzeitig sterben würden. Daher war die Frau äußerst beunruhigt und weinte und klagte vor dem Propheten.

Vor dem Islam, im Zeitalter der Dschāhilīya, galt eine Ehefrau durch Zihār als geschieden.

Zihār bedeutet, die eigene Ehefrau in der Absicht, sie von den Mahramāt, also von der Mutter, der Tochter und anderen solchen Personen, fernzuhalten, mit ihnen zu vergleichen. Wenn jemand beispielsweise zu seiner Ehefrau sagt: „Du bist wie meine Mutter“, so ist dies Zihār. Im Zeitalter der Dschāhilīya hielten die Araber eine Ehefrau, an der sie Zihār vollzogen hatten, für immer für sich selbst verboten. Der Islam hat dies nicht gebilligt. Für ein solches unanständiges und unangemessenes Verhalten wurde demjenigen, der Zihār vollzieht, jedoch eine Kaffāra auferlegt.

Das Problem des Zihār war in der muslimischen Gesellschaft zum ersten Mal aufgetreten. Der Prophet (s) wusste nicht, was er tun sollte. Genau in diesem Augenblick wurde zur Lösung dieses Problems der folgende Vers offenbart,

قَدْ سَمِعَ اللَّهُ قَوْلَ الَّتِي تُجَادِلُكَ فِي زَوْجِهَا وَتَشْتَكِي إِلَى اللَّهِ وَاللَّهُ يَسْمَعُ تَحَاوُرَكُمَا ۚ إِنَّ اللَّهَ سَمِيعٌ بَصِيرٌ﴾

﴿الَّذِينَ يُظَاهِرُونَ مِنكُم مِّن نِّسَائِهِم مَّا هُنَّ أُمَّهَاتِهِمْ ۖ إِنْ أُمَّهَاتُهُمْ إِلَّا اللَّائِي وَلَدْنَهُمْ ۚ وَإِنَّهُمْ لَيَقُولُونَ مُنكَرًا مِّنَ الْقَوْلِ وَزُورًا ۚ وَإِنَّ اللَّهَ لَعَفُوٌّ غَفُو

„Die Frau, die mit dir wegen ihres Ehemannes stritt und bei Allah Klage führte. Allah hatte das Gespräch von euch beiden gehört. Und Allah hört und sieht alles. Diejenigen unter euch, die gegenüber ihren Ehefrauen Zihār aussprechen, machen ihre so bezeichneten Ehefrauen nicht zu ihren Müttern. Ihre Mütter sind nur diejenigen, die sie geboren haben.“ (Sure al-Mudschādila, Verse 1–2)

Einst fragten die Götzendiener von Mekka, von den Juden angestiftet, den Propheten nach Dhul-Qarnain, um ihn unvorbereitet zu erwischen, obwohl der Prophet zu jener Zeit noch nichts über Dhul-Qarnain wusste. Daraufhin ließ Allah, der Allwissende, Seinem geliebten Propheten durch die Offenbarung eine kurze Geschichte Dhul-Qarnains zukommen.

﴿وَيَسْأَلُونَكَ عَن ذِي الْقَرْنَيْنِ ۖ قُلْ سَأَتْلُو عَلَيْكُم مِّنْهُ ذِكْرًا﴾

„Und sie fragen dich nach Dhul-Qarnain. Sag: Ich werde euch sogleich eine Erwähnung von ihm vortragen.“ (Sure al-Kahf, Vers 83)

Warum wird nach dem Heiligen Koran kein weiteres himmlisches Buch mehr herabgesandt?

Vor dem Kommen des Heiligen Propheten waren auf der Welt unzählige Propheten und Gesandte erschienen. Ebenso hatte Allah, der Herr der Welten, ihnen unzählige Bücher und Schriftblätter offenbart. Doch nach dem Hinscheiden des Heiligen Propheten wird kein neues himmlisches Buch und kein neues Schriftblatt mehr herabgesandt werden, und dieser Zustand wird bis zum Tag der Auferstehung fortbestehen.

Man könnte fragen: Warum wird nach dem Koran kein weiteres himmlisches Buch herabgesandt? Als Antwort darauf lässt sich sagen, dass der Erhabene Allah durch die Herabsendung des Korans Seine Religion für die Menschheit vervollständigt hat. Wie Allah im Koran erwähnt hat,

 الْيَوْمَ أَكْمَلْتُ لَكُمْ دِينَكُمْ وَأَتْمَمْتُ عَلَيْكُمْ نِعْمَتِي وَرَضِيتُ لَكُمُ الْإِسْلَامَ دِينًا ۚ

„Heute habe Ich eure Religion für euch vollendet, Meine Gunst an euch vervollständigt und den Islam für euch als Religion erwählt.“ (Sure al-Māʾida, Vers 3)

Daher bestand nach der Vollendung der Religion keine Notwendigkeit mehr, ein weiteres Buch herabzusenden.

Zweitens war in der Vergangenheit gerade die Veränderung, Erweiterung sowie teilweise oder vollständige Aufhebung der Bücher Allahs der Grund dafür, dass die Notwendigkeit entstand, erneut ein Buch herabzusenden. Doch der Koran ist durch Allahs wunderbare Gnade vor all diesen Missständen vollkommen geschützt. So ist weder irgendeine Veränderung oder Erweiterung des Korans möglich, noch besteht auch nur die geringste Möglichkeit, dass irgendein Teil von ihm aufgehoben wird. Unter diesen Umständen besteht daher keinerlei Notwendigkeit mehr für ein weiteres himmlisches Buch.

Die außerordentliche Entwicklung der Kommunikationsmittel, die weite Verbreitung des Druckwesens und die zahlreichen Möglichkeiten des zivilisatorischen Austauschs haben den Koran und seine Botschaft inzwischen nahezu überall auf der Welt verbreitet. Daher besteht heute in keinem Teil der Welt mehr die Notwendigkeit, ein himmlisches Buch herabzusenden. So ist Hadhrat Muhammad (s.) nach seinem Erscheinen bis zum Jüngsten Tag der einzige Prophet für die gesamte Menschheit auf der ganzen Welt, und ebenso ist der Koran nach seiner Herabsendung bis zum Jüngsten Tag das einzige himmlische Buch, dem die gesamte Menschheit folgen soll. Danach wird weder ein weiterer Prophet erscheinen noch ein weiteres himmlisches Buch herabgesandt werden.

 

Einige Koranmanuskripte aus verschiedenen Kalifatsperioden der Welt

Wie bereits erwähnt, begann die regelmäßige Niederschrift des edlen Korans bereits zur Zeit des Gesandten Allahs (s.), und schon zu seinen Lebzeiten befand sich der Koran in schriftlicher Form, in einzelnen Teilen, im Besitz mehrerer Gefährten. Zur Zeit von Hadhrat Abu Bakr (r.) wurden diese voneinander getrennten schriftlichen Teile geordnet und zu einem sorgfältig zusammengestellten vollständigen Buch gestaltet. Danach ließ Hadhrat Uthman (r.) im Jahre 25 nach der Hidschra mehrere Abschriften dieses Buches anfertigen, das ursprünglich unter der Leitung von Hadhrat Abu Bakr (r.) geschrieben worden war, und ließ sie im Rahmen der staatlichen Verwaltung in verschiedene Gebiete des Reiches senden.

Ein von Hadhrat Uthman (r.) eigenhändig geschriebenes Mushaf befand sich bei ihm selbst. Dieses Mushaf wurde „Mushaf al-Imam“ genannt. Es blieb sein ganzes Leben lang bei Hadhrat Uthman und gelangte danach in die Hände von Hadhrat Ali (r.) und Hadhrat Imam Husain. Später gelangte es nach Spanien und danach nach Fès, der Hauptstadt Marokkos. Anschließend wurde es wieder nach Medina zurückgebracht. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Mushaf aus Medina in die türkische Hauptstadt Konstantinopel gebracht; bis heute befindet es sich dort.

Ein eigenhändig von Hazrat ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) geschriebenes Manuskript, an dessen Ende vermerkt ist: „Dieses Exemplar wurde von Hazrat ʿUthmān ibn ʿAffān geschrieben.“

Dieses Mushaf befindet sich heute in Moskau, der Hauptstadt Russlands. Während Hazrat ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) daraus rezitierte, töteten ihn die Aufständischen als Märtyrer. Später wurde es nach Damaskus gebracht und blieb bis zum Ende ihres Kalifats in den Händen der Herrscher aus dem Hause der Umayyaden. Danach wurde es nach Basra gebracht. Der berühmte Reisende Ibn Battūta sah es im achtzehnten Jahrhundert in Basra. Im Jahr 1941 gelangte es in die Hände der russischen Bolschewiki und befindet sich seither in Moskau.

Ein weiteres von Hazrat ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) angefertigtes Manuskript befindet sich heute in Frankreich, eines in der Khadurbia-Bibliothek in Ägypten, eines in der Bibliothek der al-Azhar-Universität und ein weiteres in einer Bibliothek in Frankreich.

Von den fünf von Hazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) angefertigten Manuskripten wird eines in Maschhad, zwei in Konstantinopel und eines gegenwärtig in der Jāmiʿ Hossein in Kairo aufbewahrt. Ein weiteres von Hazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) angefertigtes Manuskript befindet sich gegenwärtig in der Jamia Millia in Delhi.

Auch ein von Hazrat Imam Husain zusammengestelltes Manuskript wird gegenwärtig in der Jamia Millia in Delhi aufbewahrt. Ein von Hazrat Imam Zain al-ʿĀbidīn angefertigtes Mushaf befindet sich in der Jamia Millia und ein weiteres in der Kutubkhana von Deoband.

Wann wurden im Koran die Vokalzeichen Zer, Zabar und Pesch hinzugefügt

Menschen, deren Muttersprache Arabisch ist, können jedes Buch und jede Schrift auf Arabisch ohne irgendwelche Vokalzeichen lesen. Daher wurde der Koran so lange ohne Vokalzeichen geschrieben, wie sich der Islam noch nicht außerhalb Arabiens ausgebreitet hatte. Denn für die Araber war es möglich, den Koran ohne die Hilfe von Zer, Zabar und Pesch zu lesen. Als der Islam jedoch die Grenzen Arabiens überschritt und sich auch in den Ländern der Nichtaraber ausbreitete, wurde es für nichtarabische Muslime schwierig, den Koran ohne Vokalzeichen zu lesen. Um dieses Problem zu lösen, ordnete Hajjāj ibn Yūsuf, der Statthalter des Irak während der Herrschaft der Umayyaden, im Jahr 86 nach der Hidschra (705 n. Chr.) an, die Vokalzeichen des Korans, nämlich Zer, Zabar und Pesch, hinzuzufügen.

Einige denkwürdige Tage und Daten im Zusammenhang mit dem Heiligen Koran

1. Am Montag, dem 17. Ramadan des Jahres 13 vor der Hidschra, begann in der Höhle Hira erstmals die Offenbarung herabgesandt zu werden. (Entsprechend dem 6. August 610 n. Chr.).

2. Im Monat Safar des 11. Jahres der Hidschra wurde die Herabsendung des Korans abgeschlossen.

3. Die ersten fünf Verse, die dem ehrwürdigen Propheten offenbart wurden, waren die ersten fünf Verse der Sure al-ʿAlaq. Sie lauten:

اقْرَأْ بِاسْمِ رَبِّكَ الَّذِي خَلَقَ﴾

﴿خَلَقَ الْإِنسَانَ مِنْ عَلَقٍ﴾

﴿اقْرَأْ وَرَبُّكَ الْأَكْرَمُ﴾

﴿الَّذِي عَلَّمَ بِالْقَلَمِ﴾

﴿عَلَّمَ الْإِنسَانَ مَا لَمْ يَعْلَمْ﴾

4. Der zuletzt offenbarte Vers ist der letzte Vers des 37. Rukūʿ der Sure al-Baqara.

ﻭَﺍﺗَّﻘُﻮﺍ ﻳَﻮْﻣًﺎ ﺗُﺮْﺟَﻌُﻮﻥَ ﻓِﻴﻪِ ﺇِﻟَﻰ ﺍﻟﻠَّﻪِ ﺛُﻢَّ

ﺗُﻮَﻓَّﻰ ﻛُﻞُّ ﻧَﻔْﺲٍ ﻣَﺎ ﻛَﺴَﺒَﺖْ ﻭَﻫُﻢْ ﻟَﺎ ﻳُﻈْﻠَﻤُﻮﻥَ

5. Im Jahr 86 nach der Hidschra wurde der Koran zur Erleichterung der Rezitation in Juzʾ und Rukūʿ eingeteilt.

6. Im Jahr 30 nach der Hidschra wurden auf Anordnung von ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) alle arabischen Koranhandschriften außer den quraischitisch-arabischen vernichtet.

7. Die erste vollständig offenbarte Sure des Heiligen Korans war die Sure al-Muddaththir, und die zuletzt vollständig offenbarte Sure war die Sure an-Nasr. Nach Ansicht einiger war die zuerst offenbarte Sure die Sure al-Fātiha.

Einige Statistiken zu verschiedenen Themen des Heiligen Korans

Anzahl der Suren – 114

Mekkanische Suren – 93

Medinensische Suren – 21

Rukūʿ – 554

Anzahl der Verse – 6236

Aussagen einiger namhafter nichtmuslimischer Gelehrter über den Koran

1. „Noch nie hat man gehört, dass die Sammler des Korans irgendeinen Teil, Satz oder irgendein Wort des Korans weggelassen hätten. Ebenso wurde kein Satz im Koran gefunden, der von außerhalb in den Koran gelangt wäre. Wäre dies geschehen, so wäre dies gewiss in den Hadith-Büchern erwähnt worden, aus denen nicht einmal die geringste Angelegenheit ausgelassen wurde.“ (William Muir)

2. Zweifellos ist der Koran das beste Werk der arabischen Sprache und das zuverlässigste Buch der Welt. Kein Mensch wäre auch nur im Geringsten dazu imstande, ein solches wundersames Buch zu verfassen. Der Koran ist ein größeres Wunder, als Tote wieder zum Leben zu erwecken. Es ist geradezu erstaunlich, sich vorzustellen, wie ein ungebildeter Mann solche fehlerfreien und beispiellosen Sätze verfassen konnte.“ (George Sale)

3. „Nur der Koran ist ein Buch, in dem selbst im Laufe von dreizehnhundert Jahren keinerlei Veränderung eingetreten ist. Es gibt keine zuverlässige religiöse Schrift der jüdischen oder christlichen Religion, die dem Koran auch nur in irgendeiner Hinsicht gleichkommen könnte.“ (der berühmte christliche Historiker Mr. Badley)

4. „Der in der alten arabischen Sprache offenbarte Heilige Koran ist äußerst schön und anziehend. Seine Satzbauweise und Ausdrucksform sind sehr bezaubernd. Die kraftvollen und starken Argumente, die in den kurzen Sätzen des Korans dargelegt werden, sind bewundernswert. Es ist äußerst schwierig, den Gedankengang des Korans in einer anderen Sprache angemessen wiederzugeben.“ (The Wisdom of the Quran – John Fase)

5. „Die Vorschriften des Korans sind in sich vollständig und vollkommen.“ (Preaching of Islam – Arnold Toynbee)

6. „Kein Buch der Welt wird so häufig gelesen wie der Koran. Was die Verkaufszahlen betrifft, mag die Bibel zahlenmäßig überlegen sein. Doch seit die Millionen Anhänger Muhammads sprechen gelernt haben, beginnen sie, täglich fünfmal die langen Verse des Korans zu rezitieren.“ (Charles Francis Potter)

7. „Unter allen himmlischen Büchern ist der Koran das größte. Der erhabene Allah hat dieses vortrefflichste Buch durch Seine besondere Gnade für die Menschheit offenbart. Zum Wohle der Menschen ist es noch wirksamer als die Philosophie des antiken Griechenlands. Aus jedem Wort des Korans erklingt der Widerhall von Allahs Erhabenheit und Größe.“ (Dr. Morsen France)

8. „Der Heilige Koran ist nicht lediglich eine Sammlung einiger religiöser Vorschriften; vielmehr enthält er auch solche sozialen und staatlichen Vorschriften, die für die gesamte Menschheit gleichermaßen zum Wohl gereichen.“ (Dr. Masijyun)

9. „Nachdem ich die Lehren des Korans eingehend erforscht habe, bin ich zu dem Schluss gelangt, dass der Koran ein offenbartes himmlisches Buch ist und seine Lehren vollständig mit der menschlichen Natur übereinstimmen.“ (Herr Gandhi – Indien)

10. „Ich schätze den Islam und erkenne den Propheten des Islam als einen der größten Menschen der Welt an. Die sozialen, politischen, geistigen und moralischen Vorschriften des Korans schätze ich von ganzem Herzen. Die Gestalt, die der Islam während des Kalifats des ehrwürdigen Umar hatte, halte ich für die wahre und vollkommene Gestalt des Islam.“ (Lala Lajpat Rai, Indien)

11. „Beim Studium des Korans gerät der Verstand in Erstaunen: Wie konnte eine solche Rede (Darlegung) aus dem Mund eines ungebildeten Mannes hervorgehen?“ (Graf Henry)

12. „Ich erkenne von ganzem Herzen die Behauptung Muhammads an, dass der Koran eines der größten zeitlosen Wunder Muhammads (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ist.“ (Mr. Borth Samukh)

13. „Der Koran ist der Freund und Wohltäter der Armen. Die Ausschweifungen der Reichen hat der Koran in jeder Hinsicht verurteilt.“ (Gord Frey Hogns)

14. „Auch nach dreizehnhundert Jahren sind die Lehren des Korans so lebendig, dass selbst heute ein Straßenkehrer, der Muslim wird (indem er an den Koran glaubt), seine Gleichstellung mit Muslimen jeder vornehmen Familie verlangen kann.“ (Mr. Bhupendranath Bose)

15. „Diejenigen, die den Islam als reaktionäre Religion verurteilen, haben die Lehren des Korans nicht richtig verstanden. Dank dieses Korans hatte sich das Wesen der Araber vollständig verändert.“ (Moseurmiōb Frankreich)

Einige Hadithe des edlen Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) über die Bedeutung und Würde des Korans

تركت فيكم أمرين لن تضلوا ما تمستمسكتُم بهما كتاب الله وسنّة رسوله. (مشكوة – موطا

„Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: Ich hinterlasse euch zwei Dinge. Solange ihr an diesen beiden festhaltet, werdet ihr nicht irregehen. Sie sind das Buch Allahs und die Sunna des Gesandten.“ (Mischkat–Muwatta)

من قراً القرآن فاستظهرهٔ – فاًحل

خلالهٔ و حرم حرامهٔ آذخلهٔ الله به الجنة و شافعهٔ فی عشر من أهل بيته كلهم قد وجبت لة التار. ة

„Von Hazrat Ali (r.a.) wird überliefert: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Wer den Qur’an in bester Weise rezitiert und sich an dessen Erlaubtes und Verbotenes hält, den wird Allah ins Paradies eintreten lassen. Außerdem wird Er ihm das Recht geben, für zehn Menschen aus seiner Nachkommenschaft Fürsprache einzulegen, denen die Hölle bestimmt war.“ (Ahmad, Tirmidhi, Ibn Madscha, Darimi)

و عن ابی سعی در رضایی انتهٔ عنهٔ قال قال رسول الله صلی اللههٔ عليه وسلم يقول الرب تبارك وتعالى. من شغلة القرآن عن ذكرى ومسألتي اعطيتة أفضل ما اعطي السائلين – فضل

كلام اللّه على سائر الكلام كفضل الله على خلقه.

„Von Hazrat Abu Sa’id (r.a.) wird überliefert: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte, dass Allah, der Erhabene, gesprochen hat: ‚Wer dadurch, dass er sich dem Studium des Qur’an widmet, keine Zeit für zusätzliches Gedenken und Bittgebete findet, dem werde Ich mehr geben als denjenigen, die Bittgebete sprechen.‘ Und so, wie Allahs Rang über allen Geschöpfen steht, so steht der Rang von Allahs Wort über allen Worten.“ (Tirmidhi)

 وعن عائشة رضيى الله عنها قالت قال رسول الله صلى الله عليه وسلم الذي يقراً القرآن وهو ماهير به مع السفرة الكرام البررة والذي يقرأه وهو عليه شاقلة أجران. (بخاري – مسلم

„Von Hazrat Aischa (r.a.) wird überliefert: Der edle Gesandte (s.a.w.) sagte: Derjenige, der tiefes Wissen über den Qur’an besitzt und ihn regelmäßig rezitiert, wird (am Tag der Auferstehung) ein Gefährte der Propheten sein. Wer den Qur’an jedoch mühsam rezitiert, wird doppelten Lohn erhalten.“ (Buchari und Muslim)

 وعن أبى هريرة قال قال رسول الله صلى الة علية وسلم وما اجتمع قوم فى بيتر من بيوتر الله يتلون كتاب الله ويتدارسونة بينهم الأنزلت عليهم السكينة وغشيتهم الرخمة وحفنهم الملائكة وذكرهم فيمن عندهٔ

„Von Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn einige Menschen in einem Haus mit der Besprechung und Betrachtung des Buches Allahs beschäftigt sind, senkt sich große Ruhe auf sie herab, Allahs Barmherzigkeit und Gnade umfassen sie, und die Engel umgeben sie. Allah selbst erwähnt sie bei den Ihm nahestehenden Engeln. Wessen Taten ihn zurückhalten, den kann seine Abstammung nicht voranbringen.“ (Muslim)

„Hadhrat Abdullah ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Derjenige, in dessen Brust sich kein Teil des Korans befindet, gleicht einem verlassenen Haus.“ (Tirmidhi)

„Hadhrat Umar ibn al-Khattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wahrlich, Allah wird durch diesen Koran viele Völker zu höchstem Ansehen erheben, und durch eben diesen Koran wird Er manche Völker in die tiefsten Stufen der Erniedrigung hinabstürzen lassen, weil sie den Koran verlassen haben.“ (Muslim)

— Ende —