Vorwort
Al-hamdulillah. Durch die unendliche Barmherzigkeit Allahs, des Erhabenen, wird „Das Leben der Gefährten des Gesandten“ (Band 4) veröffentlicht. Als wir vor einigen Jahren mit diesem umfangreichen Werk begannen, hatten wir nicht zu hoffen gewagt, so weit voranzukommen. Erst später wurde mir bewusst, wie außerordentlich schwierig diese Arbeit für einen so trägen Menschen wie mich ist. Die Hilfe Allahs, des Erhabenen, sowie die Ermutigung durch Freunde und Leser haben mich dazu angespornt, diese Arbeit weiterzuführen. Ohne den Rat und die Unterstützung von Professor Nazir Ahmad, dem Direktor des Bangladesh Islamic Centre, wäre diese Arbeit schon lange zuvor eingestellt worden. Ich hoffe und bete, dass Allah, der Erhabene, all jene belohnen möge, die diese Arbeit auf welche Weise auch immer unterstützt haben.
Im vierten Band werden die Lebensgeschichten großer Gefährten behandelt, die allesamt der Ansar-Gemeinschaft von Medina angehörten. Ich habe versucht, die Informationen so weit wie möglich aus zuverlässigen Quellen zu entnehmen, und auch die Namen der Quellen angegeben. Im Hinblick auf die Ehre und den Rang der edlen Gefährten habe ich mich nach Kräften bemüht, eine angemessene Wortwahl zu verwenden. Sollte den Lesern dennoch irgendwo eine sachliche oder sprachliche Unstimmigkeit auffallen, werde ich mich um eine Korrektur bemühen, wenn sie mich darauf hinweisen. In der Hoffnung, dass der Glaube und das Wirken der edlen Gefährten in den Häusern Bengalens ihre Spuren hinterlassen werden, werden wir unsere Arbeit fortsetzen. Möge Allah, der Erhabene, diese geringe Mühe von mir annehmen. Amin.
Muhammad Abdul Ma’bud
Arabische Abteilung
Universität Dhaka
Dhaka–1000.
1. Januar 1998
1. Ramadan 1418
Anas ibn Nadr (möge Allah mit ihm zufrieden sein)
Sein Name war „Anas“, sein Vater „Nadr ibn Dammadam“. Er war der angesehene Onkel mütterlicherseits des berühmten Gefährten Anas ibn Malik, der dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) als Diener gedient hatte.¹ Hadhrat Anas ibn Malik sagte: „Ich wurde nach meinem Onkel Anas benannt.“² Salma bint ʿAmr, die Mutter des verehrten Großvaters des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Hadhrat ʿAbd al-Muttalib, war eine Tochter aus dem Clan dieses Anas, den Banū an-Najjār. Sie war seine Tante väterlicherseits, also die Tante von Anas ibn Nadr. Anas ibn Nadr war das Oberhaupt beziehungsweise der Anführer seines Clans. Die Gefährtin Rubaiyya bint Nadr war seine Schwester. Auch seine Mutter war eine Gefährtin.³ Über sein Geburtsjahr sind keine besonderen Informationen überliefert.
Hadhrat Anas ibn Nadr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm beim letzten ʿAqaba-Treffen den Islam an. Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Aus einem unbekannten Grund konnte mein Onkel Anas ibn Nadr nicht an der Schlacht von Badr teilnehmen. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach der Schlacht nach Medina zurückkehrte, trat er vor ihn und sagte reuevoll: „O Gesandter Allahs! Ich war bei deinem ersten Feldzug gegen die Kräfte des Unglaubens abwesend. Ich schwöre bei Allah: Wenn Allah mir künftig eine Gelegenheit gibt, mit ihnen zu kämpfen, wird Allah gewiss sehen, was ich tun werde.“
Die Schlacht von Uhud fand im dritten Jahr nach der Hidschra statt. Als die muslimische Armee in einer Phase dieser Schlacht auseinandergerissen wurde und das Schlachtfeld verließ, sagte er zu sich selbst: „O Allah! Für das, was diese Muslime tun, bitte ich Dich um Vergebung. Mit dem, was diese Götzendiener getan haben, habe ich nichts zu tun.“ Damit ging er weiter. Unterwegs sagte Saʿd: „Das Paradies ist dort, bei Uhud. Ich schwöre bei Allah, ich rieche den Duft des Paradieses aus Richtung Uhud.“ Während er dies sagte, stürmte Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) auf das Schlachtfeld von Uhud zu, kämpfte mit unermesslicher Tapferkeit und erlitt den Märtyrertod. Saʿd sagte: „Was er an diesem Tag tat, konnte ich nicht tun.“ Al-Balādhurī berichtet: Sufyan ibn ʿAwf tötete ihn.⁴
Im Zusammenhang mit der Schilderung von Hadhrat Anas’ (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Rolle in der Schlacht von Uhud berichtet Ibn Ishaq: ʿUmar ibn al-Khattab und Talha ibn ʿUbaidullah saßen zusammen mit den Muhādschirūn und den Ansār mit verschränkten Armen da. Anas kam zu ihnen und sagte: „Warum sitzt ihr so da?“ Sie antworteten: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist getötet worden.“
Anas sagte: „Wenn er tatsächlich getötet worden ist, was werdet ihr dann noch tun, indem ihr am Leben bleibt? Erhebt euch! Gebt auch ihr euer Leben auf dem Weg, auf dem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sein Leben gegeben hat.“ Nach diesen Worten stürzte er sich auf das feindliche Heer und erlitt den Märtyrertod.⁵
Hadhrat Anas ibn Malik berichtete: Durch die Schläge von Pfeilen, Speeren und Schwertern war der ganze Körper von Anas ibn Nadr durchsiebt. Als man nachzählte, stellte man fest, dass sein Körper siebzig – nach einer anderen Überlieferung mehr als achtzig – Verletzungen aufwies. Die Ungläubigen hatten seine Glieder abgetrennt und seinen Leichnam entstellt. Außer seiner Schwester Rubaiyya bint Nadr konnte niemand den Leichnam identifizieren. Auch sie war dazu nur in der Lage, weil sie seine Finger sah.⁶ Wie fest der Glaube von Hadhrat Anas ibn Nadr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war, lässt sich aus dem Geschehen seines Märtyrertodes erkennen. In den Versen des Korans, die über die Schlacht von Uhud offenbart wurden, wird dieser große Mann gelobt. Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Vers 23 der Sure al-Ahzab – „Unter den Gläubigen gibt es Männer, die ihr Versprechen, das sie Allah gegeben haben, erfüllt haben. Einige von ihnen sind gestorben, andere warten noch“ – wurde zum Gedenken an meinen Onkel Anas ibn Nadr offenbart.⁷
Im Sahih al-Buchari wird von Anas ibn Malik überliefert: Rubaiyya bint Nadr schlug einmal einer ansarischen Frau ins Gesicht. Dadurch wurde ihr ein Zahn ausgeschlagen. Für Rubaiyya wurde bei ihnen um Verzeihung gebeten, doch sie weigerten sich, zu vergeben. Ihnen wurde angeboten, Diya, also eine Entschädigungszahlung, zu leisten. Auch das lehnten sie ab. Da sagte der Gesandte Allahs (s.a.): „Gemäß Allahs Anweisung ist nun Qisas, also Vergeltung, unerlässlich.“ Als Anas ibn Nadr dies hörte, rief er aus: „O Gesandter Allahs! Wird Rubaiyyas Zahn ausgeschlagen werden? Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit entsandt hat: Nein, nein, ihr Zahn wird keinesfalls ausgeschlagen werden.“
Danach erklärte sich die Klägerseite plötzlich bereit, Diya anzunehmen. Da bemerkte der Gesandte Allahs (s.a.): „Wie viele Diener Allahs gibt es, die bei Ihm schwören und deren Schwur Er selbst erfüllt. Einer von ihnen ist Anas ibn Nadr.“ Auch im Sahih Muslim wird dieses Ereignis mit einer anderen Überliefererkette in abweichender Form berichtet.⁸
Quellen:
Al-Bara ibn Malik (r.a.)
Al-Bara ibn Malik war ein berühmter Gefährte und der Halbbruder des verehrten Dieners des Gesandten Allahs (s.a.), des Gefährten Anas ibn Malik (r.a.). Dies sagte Abu Hatim. Nach Saʿd war er Anas’ leiblicher Bruder. Die Mutter von beiden war die berühmte Gefährtin Umm Sulaym.¹ Auch Ibn al-Athir vertrat diese Ansicht.² Ibn Hadschar erklärte jedoch, dass diese Auffassung nicht richtig sei. Er sagt, aus der Biografie von Schuraik ibn Samha gehe hervor, dass dieser der Halbbruder von al-Bara ibn Malik war. Ihre gemeinsame Mutter war Samha. Dass hingegen die Mutter von Anas ibn Malik Umm Sulaym war, ist unbestritten.³ Außerdem wird in den verschiedenen Überlieferungen über die Kinder Umm Sulayms der Name al-Baras nirgends erwähnt.
Noch vor der Auswanderung des ehrwürdigen Gesandten nach Medina setzte unter den Bewohnern Medinas eine Welle von Konversionen zum Islam ein. In Gruppen gingen die Menschen nach Mekka und nahmen den Islam an. Viele andere Bewohner Medinas wurden durch die Einladung des besonderen Gesandten des Gesandten Allahs (s.a.), des Gefährten Musʿab ibn Umair (r.a.), zu Muslimen. Diese Entwicklung der Annahme des Islam unter den Bewohnern Medinas setzte sich auch nach der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.) in Medina fort. Al-Bara nahm zu einem bestimmten Zeitpunkt den Islam an.
Mit Ausnahme der Schlacht von Badr nahm er an allen übrigen Feldzügen, darunter Uhud und al-Chandaq, gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.) teil.⁴ Auch am Treueid von Ridwan in Hudaybiyya war er beteiligt.⁵ Während der Amtszeit des ersten Kalifen, Abu Bakr (r.a.), begannen in ganz Arabien die falschen Propheten Unruhe zu stiften. In jener Zeit spielte al-Bara eine heldenhafte Rolle in der furchtbaren Schlacht, die das muslimische Heer auf der Ebene von Yamama gegen den Lügenpropheten Musailima al-Kazzab führte. In dieser Schlacht war Chalid ibn al-Walid der Befehlshaber. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wandte er sich an den Befehlshaber und sagte: „Steh auf und gib den Befehl!“ Dann bestieg er selbst sein Pferd, sprach einige Lobpreisungen Allahs und wandte sich an das muslimische Heer: „O ihr Bewohner Medinas! Löscht heute den Gedanken an Medina aus euren Herzen. Heute soll in euren Herzen nur das Gedenken an Allah und das Paradies gegenwärtig sein.“⁶ Nach dieser bewegenden Ansprache erfasste das gesamte Heer eine Welle von Mut und Begeisterung. Die Soldaten bestiegen ihre jeweiligen Pferde und schlossen sich ihm an.
In dieser Schlacht kam es zwischen dem geehrten Barā und einem Anführer der feindlichen Seite zu einem Zweikampf. Der Mann war ein kräftiger junger Kämpfer. Zunächst führte Barā einen Schwerthieb gegen seine Beine. Der Hieb traf jedoch nicht richtig. Trotzdem begann der Mann sich aus Angst am Boden zu wälzen. Diese Gelegenheit nutzte der geehrte Barā: Im Nu steckte er sein Schwert in die Scheide, stürzte sich auf ihn, entriss ihm sein Schwert und versetzte ihm einen solchen Hieb, dass sein Körper in zwei Teile gespalten wurde.⁷ Danach stürzte er sich blitzschnell auf die Abtrünnigen und trieb sie bis zur Mauer ihres Gartens zurück. Musaylima hielt sich in dem Garten auf. Die Soldaten, die Musaylima folgten, drangen in den Garten ein, versammelten sich um ihn und schlossen das Gartentor. Barā ibn Mālik setzte ihnen nach, erreichte die Mauer und blieb vor dem verschlossenen Tor stehen. Augenblicklich erhob er sich wie ein Löwe brüllend und rief: »O ihr Männer! Ich bin Barā ibn Mālik. Kommt zu mir, kommt zu mir!« Als die Krieger herbeikamen, sagte er weiter zu ihnen: »O ihr Männer! Werft mich zu ihnen in den Garten hinein.« Die Leute sagten: »Nein, wie sollte das möglich sein?« Er sagte: »Bei Allah! Ihr werdet mich gewiss zu ihnen hinüberwerfen.« Daraufhin wurde er hochgehoben. Er spähte über die Mauer und öffnete in kürzester Zeit den wartenden muslimischen Soldaten das Tor. Blitzschnell drangen die muslimischen Soldaten gemeinsam ins Innere ein und stürzten sich in einen erbitterten Kampf. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verwundete. Der verfluchte Musaylima wurde hier getötet und seine Armee besiegt.⁸ Unter denjenigen, die am Gartentor von Yamāma Schulter an Schulter mit Barā ibn Mālik kämpften, erlitt auch der geehrte ʿAbbād ibn Bishr den Märtyrertod.⁹ Hier tötete der geehrte Barā außerdem allein zehn feindliche Soldaten.¹⁰ Bei diesem waghalsigen Unternehmen wurde sein ganzer Körper von Wunden durchbohrt. Er erlitt mehr als achtzig Verletzungen durch Pfeile, Speere und Lanzen. Man brachte ihn auf dem Rücken eines Reittiers ins Lager; nach mehr als einem Monat Behandlung wurde er wieder gesund. Der geehrte Khālid ibn al-Walīd legte eigenhändig Verbände auf seine Wunden und kümmerte sich unter seiner persönlichen Aufsicht um seine Behandlung.¹¹ Im Jahr 17 nach der Hidschra setzte der Kalif, der geehrte ʿUmar (Allahs Wohlgefallen auf ihm), den Statthalter, den geehrten al-Mughīra ibn Shuʿba (Allahs Wohlgefallen auf ihm), ab und ernannte dort den geehrten Mūsā al-Aschʿarī (Allahs Wohlgefallen auf ihm). Unter den 29 Personen, die Abū Mūsā auf seiner Reise von Medina mitnahm, befand sich auch al-Barā ibn Mālik.¹² Der geehrte al-Barā ibn Mālik zeigte auch in der Schlacht von Hīra im Irak großen Mut und hervorragende Kriegskunst. Die muslimische Armee belagerte eine Festung der Stadt. Die feindlichen Truppen hatten von innen glühend heiße Ketten, die mit Feuer erhitzt wurden, auf der Festungsmauer ausgelegt, damit kein muslimischer Soldat es wagte, sich der Mauer zu nähern. Der geehrte Anas (Allahs Wohlgefallen auf ihm) rückte mutig vor, um die Mauer zu übersteigen. Die Bewohner der Festung verwickelten ihn geschickt in die Ketten und begannen, ihn nach oben zu ziehen. Während die Kette hochgezogen wurde, bemerkte der geehrte al-Barā dies. Sofort stürmte er herbei, ergriff die Kette und riss so heftig daran, dass sie zerriss und Anas herabfiel. Durch das Ziehen an der Kette wurde das Fleisch von seinen Händen gerissen, sodass die Knochen sichtbar wurden. Der geehrte Anas (Allahs Wohlgefallen auf ihm) überlebte jedoch.¹³ Zwischen dem 17. und dem 20. Jahr nach der Hidschra wurden Ramhormuz, Tustar und Susa in Persien erobert. Als sich die persischen Truppen in Ramhormuz erneut zum Widerstand versammelten, schrieb man vom Schlachtfeld an den Oberbefehlshaber der muslimischen Armee, Saʿd ibn ʿUbāda, er solle zahlreiche Soldaten schicken und dafür sorgen, dass sich unter ihnen auch Sahl ibn ʿAdī, al-Barā ibn Mālik, Majāza ibn Thawr und andere befänden.¹⁴ Im Feldzug gegen Tustar war er Befehlshaber des rechten Flügels der Armee des geehrten Abū Mūsā al-Aschʿarī (Allahs Wohlgefallen auf ihm).¹⁵ In dieser Schlacht tötete er allein hundert Soldaten.¹⁶ Der Kampf in Tustar dauerte an. Die feindlichen Truppen hatten im Inneren der befestigten Festung Stellung bezogen. Durch Angriffe ohne festes Ziel versuchten sie, die muslimische Armee zu überwältigen. Ibn al-Athīr berichtet, dass sie die muslimische Armee damals achtzigmal angriffen.¹⁷ Eines Tages hörte der geehrte Anas (Allahs Wohlgefallen auf ihm), als er zu ihm ging, dass er ein Gedicht melodisch vortrug. Anas (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte: »Allah hat dir mit dem Heiligen Qurʾān etwas Besseres gegeben. Trage daher diesen vor.« Al-Barā sagte: »Vielleicht befürchtest du, dass ich eines Tages sterben könnte. Ich bitte Allah darum, dass dies nicht geschieht. Wenn ich sterbe, werde ich auf dem Schlachtfeld sterben.«¹⁸ Der geehrte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hatte einmal über ihn gesagt: »Wie viele Menschen mit zerzaustem, staubbedecktem Haar gibt es, die unter den Menschen keinerlei Bedeutung haben; doch wenn sie bei Allah schwören, erfüllt Allah ihren Schwur. Al-Barā ibn Mālik ist einer von ihnen.« Als die muslimische Armee in Tustar nicht in der Lage war, die Festung des Feindes zu Fall zu bringen, erinnerten sie sich an diese Worte des geehrten Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Sie kamen zum geehrten al-Barā (Allahs Wohlgefallen auf ihm) und baten ihn, bei Allah einen Schwur zu leisten. Er sagte: »O Allah, ich schwöre bei Dir: Schenke den Muslimen heute den Sieg und ehre mich damit, dass ich den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sehen darf.«¹⁹ Zu dieser Zeit entdeckten die muslimischen Soldaten einen unterirdischen Gang, der ins Innere der Festung führte. Der geehrte al-Barā versuchte gemeinsam mit dem geehrten Majāza (Allahs Wohlgefallen auf ihm), durch diesen Gang in die Festung einzudringen. Beim Herauskommen aus dem Gang erlitt der geehrte Majāza durch einen großen Stein, den die Feinde geworfen hatten, den Märtyrertod.²⁰ Der geehrte al-Barā und der persische Soldat Murzubān Āzar, auch Murzubān Āz genannt, trafen aufeinander. Er versperrte dem geehrten al-Barā (Allahs Wohlgefallen auf ihm) den Weg. Doch dieser tötete Murzubān und zerschlug mit heldenhaftem Mut jeden Widerstand der feindlichen Armee, bis er das Tor der Festung erreichte. Dort trat ihm Hurmuzān selbst entgegen. Zwischen den beiden entbrannte ein heftiger Kampf. Schließlich erlitt er durch Hurmuzān den Märtyrertod. Hurmuzān tötete ihn, nahm seine Waffen und seine Kleidung an sich und verkaufte sie für mehr als dreißigtausend Münzen. Durch seinen Heldenmut wurde jedoch die Herrschaft der Muslime auf dem Schlachtfeld gefestigt. Nach dem Historiker al-Wāqidī ereignete sich dies im Jahr 20 nach der Hidschra; nach einer anderen Auffassung im Jahr 19 oder 23.²¹ Der Gelehrte az-Ziriklī sagt: »Er erlitt vor dem Tor von Tustar den Märtyrertod und wurde dort begraben.«²² Der geehrte al-Barā ibn Mālik gehörte zu den herausragenden Gefährten des geehrten Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Viele Jahre lang genoss er die enge Gesellschaft des edlen Gesandten. Gewiss hörte er zahlreiche Hadithe aus dem Mund des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Es ist jedoch erstaunlich, dass nur wenige von ihm überlieferte Hadithe zu finden sind; wahrscheinlich konnte er sich wegen seiner ständigen Beschäftigung mit dem Dschihad nicht ausreichend darum kümmern. Der Verfasser des Werkes al-Istīʿāb schreibt: »Al-Barā gehörte zu den angesehenen Gefährten.«²³ Der Gelehrte adh-Dhahabī sagte: »Er war einer der großen Anführer, ein äußerst mutiger Held und eine legendäre Gestalt im Reiten und im Bewältigen schwerer Gefahren.«²⁴ Aus diesem Grund ernannte der geehrte ʿUmar (Allahs Wohlgefallen auf ihm) ihn niemals zum Befehlshaber einer Armee. Einmal schrieb er den anderen militärischen Befehlshabern: »Ernennt Barā nicht zum Befehlshaber einer muslimischen Armee. Er ist zwar ein Mensch, doch er ist selbst eine Gefahr. Er geht immer nur vorwärts und weiß nicht, wie man zurückkehrt.« In einer anderen Überlieferung heißt es: »Er ist eine Zerstörung.« Äußerlich jedoch wirkte er schwach.²⁵ Khālid Muhammad, der Verfasser des Werkes Rijāl Ḥawla ar-Rasūl, sagt: »Sein innigster Wunsch war es, als Märtyrer zu sterben.« Allah, der Erhabene, erfüllte ihm diesen Wunsch. Al-Mustadrik überliefert von Ibn Isḥāq, dass Anas ibn Mālik sagte: Al-Barā ibn Mālik besaß eine sehr wohlklingende Stimme. Auch hatte er Freude am Singen. Der geehrte Anas sagte: »Barā sang den Männern Lieder zum Antreiben der Kamele vor.«²⁶ Einmal sang er auf einer Reise mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ein Lied. Als der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) dies hörte, sagte er zu al-Barā: »Denke auch ein wenig an die Frauen.« Als er dies hörte, verstummte er.²⁷
Quellen:
Al-Barāʾ ibn Māʿrūr (möge Allah mit ihm zufrieden sein)
Sein Name war al-Barāʾ und sein Beiname Abū Bishr. Er stammte aus dem Stamm Banū Salima des berühmten medinensischen Stammes Chazradsch. Sein Vater war Māʿrūr ibn Sachr und seine Mutter ar-Rubāb bint Nuʿmān. Seine Mutter war die Tante väterlicherseits des Anführers des Stammes Aus, Saʿd ibn Muʿādh.¹ Al-Barāʾ ibn Māʿrūr war das Oberhaupt beziehungsweise der Anführer seines Stammes. Mehrere Festungen und Gärten in Medina befanden sich in seinem Besitz. Über sein Geburtsjahr liegen keine besonderen Informationen vor.²
Es besteht kein Meinungsunterschied darüber, dass Hadhrat al-Barāʾ ibn Māʿrūr bereits vor dem letzten Treueeid den Islam angenommen hatte. Nach Ansicht vieler war er beim ersten Treueeid von al-ʿAqaba anwesend und leistete dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueeid.³ Auch Ibn al-Athīr überliefert diesen Bericht.⁴ Viele sind jedoch der Ansicht, dass dieser Bericht keine Grundlage hat. Außer Muhammad ibn Ishāq hat kein anderer Sīra-Gelehrter ihn überliefert.⁵ Als Hadhrat al-Barāʾ ibn Māʿrūr den Islam annahm, war Bayt al-Maqdis die Gebetsrichtung der Muslime. Die Muslime waren unwillig, ihre Gebete in diese Richtung zu verrichten. Daher fasste er aus eigener Entscheidung den Entschluss, seine Gebete in Richtung der Kaʿba zu verrichten. Imām az-Zuhrī sagte: Al-Barāʾ ibn Māʿrūr war der erste Mensch, der sich sowohl im Leben als auch im Tod der Kaʿba zuwandte.⁶ Auch als der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) seine Gebete in Richtung Bayt al-Maqdis verrichtete, betete er weiterhin in Richtung der Kaʿba. Als der Gesandte (s.a.w.) davon erfuhr, wies er ihn an, sich in Richtung Bayt al-Maqdis zu wenden. Er sagte: „Richte mich in Richtung deiner Kaʿba aus.“⁷ Hadhrat al-Barāʾ ibn Māʿrūr war ein Teilnehmer des letzten Treueeids von al-ʿAqaba. Von Kaʿb ibn Mālik (möge Allah mit ihm zufrieden sein), einem der bedeutendsten Teilnehmer dieses Treueeids, wird überliefert, dass er sagte: „In der Hadschsaison, als wir dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueeid leisteten, brach auch ich gemeinsam mit den Götzendienern unseres Volkes von Medina auf. Bei uns war unser ältester Anführer, al-Barāʾ ibn Māʿrūr. Als wir den Rand von al-Baydāʾ erreicht hatten, sagte er zu uns: ‚Hört zu! Ich bin zu einer Entscheidung gelangt. Ich weiß nicht, ob ihr mir zustimmen werdet.‘ Wir sagten: ‚Abū Bishr, sagt uns, was ist eure Entscheidung?‘ Er sagte: ‚Ich werde mein Gesicht beim Gebet diesem Haus – der Kaʿba – zuwenden und es niemals hinter mir lassen.‘ Wir sagten: ‚Bei Allah! Tut das nicht, denn wir wissen, dass der Gesandte (s.a.w.) sein Gesicht beim Gebet ausschließlich in Richtung Schām wendet.‘ Trotz unserer Bitte sagte er: ‚Bei Allah, ich werde mich in diese Richtung wenden!‘ Als die Gebetszeit eintrat, wandte er sich der Kaʿba zu, während wir unser Gesicht in Richtung Schām richteten. Auf diese Weise kamen wir in Mekka an.
Als wir in Mekka ankamen, sagte er zu mir: „Neffe! Bring mich bitte zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Ich möchte ihn zu dem befragen, was ich getan habe, denn im Inneren verspüre ich ein gewisses Unbehagen, weil ich euch widersprochen habe.“ Kaʿb sagte: „Wir machten uns auf die Suche nach dem Gesandten (s.a.w.). Im Tal von Abtah trafen wir einen Mann. Wir sagten zu ihm: ‚Könnt Ihr uns bitte den Weg zu Muhammad zeigen?‘ Bei Allah, keineswegs!“ Er fragte: „Kennt ihr ʿAbbās?“ Wir sagten: „Ja, wir kennen ihn. Er kommt gelegentlich zu Handelszwecken zu uns.“ Er sagte: „Sobald ihr die Moschee betretet, werdet ihr ʿAbbās sehen. Der Mann, der bei ihm sitzt, ist Muhammad.“
Kaʿb sagte: „Wir betraten die Moschee und sahen, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) und ʿAbbās in einer Ecke saßen. Wir gingen zu ihnen, grüßten sie und setzten uns. Der Gesandte (s.a.w.) sagte zu ʿAbbās: ‚Abū l-Fadl! Kennst du diese beiden?‘ ʿAbbās sagte: ‚Ja, ich kenne sie. Dieser ist al-Barāʾ ibn Māʿrūr, der Anführer seines Stammes, und jener ist Kaʿb ibn Mālik.‘ Der Gesandte (s.a.w.) fragte: ‚Der Dichter Kaʿb?‘ ʿAbbās sagte: ‚Ja.‘ Darauf sagte al-Barāʾ: ‚O Gesandter Allahs! Auf dem Weg von Medina bin ich zu einer Entscheidung gelangt. Ich möchte Euch dazu befragen.‘ Er sagte: ‚Erkläre die Angelegenheit etwas genauer.‘ Al-Barāʾ sagte: ‚Ich habe beschlossen, dieses Haus, die Kaʿba, niemals wieder hinter mir zu lassen. Ich werde meine Gebete nur noch in diese Richtung verrichten.‘ Der Gesandte (s.a.w.) sagte zu ihm: ‚Wenn du doch ein wenig bei der Gebetsrichtung geblieben wärst, an der du dich befunden hast.‘ Danach wandte sich al-Barāʾ der Gebetsrichtung des Gesandten (s.a.w.) zu und verrichtete mit uns das Gebet in Richtung Schām. Seine Familienangehörigen pflegten zu sagen, dass er in seiner Gebetsrichtung gestorben sei.“
Kaʿb sagte: „Wir wissen, dass er zur Gebetsrichtung des Gesandten Allahs (s.a.w.) zurückgekehrt war und mit uns auch in Richtung Schām gebetet hatte. Danach verabredeten wir uns, den Gesandten Allahs (s.a.w.) in der Mitte der Taschrīq-Tage in al-ʿAqaba zu treffen. Wir hielten diese Angelegenheit vor den Götzendienern, die bei uns waren, geheim. Bei uns war ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn Harām, der betagte Vater von Jābir. Er hatte den Islam damals noch nicht angenommen. Sein junger Sohn Jābir jedoch hatte den Islam angenommen und befand sich in dieser Karawane.“
Kaʿb sagte: „Wir umringten ʿAbdullāh und sagten: ‚O Vater von Jābir, wir empfinden Mitleid mit euch. Wenn ihr in dem Glauben sterbt, in dem ihr euch befindet, werdet ihr schon morgen zum Brennstoff dieses Feuers werden. Dabei hat Allah einen Gesandten geschickt, der die Menschen zur Einheit Allahs und zu Seiner Anbetung aufruft. Viele aus eurem Volk haben an ihn geglaubt und sind Muslime geworden. Wir haben dem Gesandten Allahs (s.a.w.) versprochen, ihm den Treueeid zu leisten.‘ Nach unseren Worten nahm er den Islam an und nahm am Treueeid teil. Schließlich kam jene verhängnisvolle Nacht der Verheißung. Während die Menschen in tiefem Schlaf lagen, erhoben wir uns wie Wüstenvögel von unseren Lagern und versammelten uns schließlich in al-ʿAqaba. Der Gesandte (s.a.w.) kam mit seinem Onkel ʿAbbās. Ihr wisst, in welcher Lage sich Muhammad unter uns befindet. Er genießt in seinem Volk Ehre und Sicherheit. Wir haben ihn beschützt. Doch er möchte eurem Ruf folgen und zu euch kommen. Wenn ihr glaubt, dass ihr euer Versprechen und euren Eid erfüllen könnt, dann nehmt ihn mit. Wenn ihr jedoch Beleidigung und Demütigung fürchtet, dann lasst ihn bei seinem eigenen Volk. Bei seinem eigenen Volk befindet er sich in Ehre und Sicherheit.“
Wir sagten: „O Gesandter Allahs! Nun sprecht Ihr.“ Der Gesandte (s.a.w.) hielt eine Ansprache, sprach ein Bittgebet zu Allah und rezitierte einige Verse aus dem Koran. Danach sagten wir zum Gesandten Allahs (s.a.w.): „Nehmt von uns den Treueeid für euch selbst und für euren Herrn entgegen.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ich nehme von euch den Treueeid unter der Bedingung entgegen, dass ihr mich vor dem schützt, wovor ihr eure Kinder und eure Frauen zu schützen pflegt.“
Al-Barā ibn Marūr sagte darauf: Ja, bei demjenigen, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, schwöre ich: Wir werden dich vor dem schützen, wovor wir unser Leben und unsere Frauen schützen. Darauf leisteten wir dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueeid. Al-Barā ibn Māʿrūr bat: O Gesandter Allahs (s.a.w.), ich habe dir den Treueeid geleistet. Al-Barā ibn Marūr bat: O Gesandter Allahs! Strecke deine Hand ein wenig aus, damit wir dir den Treueeid leisten können. Als der Gesandte (s.a.w.) seine Hand ausstreckte, legte er seine Hand in dessen Hand; somit war er der Erste unter uns, der den Treueeid leistete. Danach begannen die anderen, einer nach dem anderen, den Treueeid zu leisten.⁸ Darüber, wer beim letzten Treueeid von al-ʿAqaba als Erster die Hand in die Hand des Gesandten Allahs (s.a.w.) legte und ihm den Treueeid leistete, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Angehörigen der Banū Nadschdschār behaupteten, diese Ehre gebühre Asʿad ibn Zurāra, während die Angehörigen der Banū ʿAbd al-Aschhal behaupteten, sie gebühre Abū al-Haytham ibn at-Tayyihān. Doch Imām az-Zuhrī überlieferte nach Kaʿb ibn Mālik, dass Al-Barā ibn Marūr diese einzigartige Ehre besaß. Dies war die Überzeugung der Angehörigen der Banū Salama.⁹ Auch Ibn Ishāq hat dies so überliefert.¹⁰ Allāma az-Ziriklī sagt: Als die siebzig Männer der Ansār in al-ʿAqaba den Gesandten Allahs (s.a.w.) trafen und ihm den Treueeid leisteten, sprach Al-Barā ibn Marūr als Erster im Namen der Ansār mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.).¹¹ Nach dem Treueeid ernannte der Gesandte (s.a.w.) ihn und ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn Harām, den Vater von Jābir, zu den Naqībs der Banū Salama.¹² Wie bereits erwähnt, nahm bei diesem letzten Treffen von al-ʿAqaba ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn Harām, der Vater des berühmten Gefährten Jābir ibn ʿAbdullāh, den Islam an. Zu jener Zeit gab ihm Al-Barā zwei Gewänder aus sauberem Stoff, und er sprach darin das Glaubensbekenntnis.¹³ Al-Barā war einer der Anführer, deren Söhne ebenfalls am Treueeid von al-ʿAqaba teilnahmen. Sein Sohn Bisr ibn Al-Barā leistete an jenem Tag ebenfalls den Treueeid.¹⁴
Im Dhū l-Hiddscha des zwölften Jahres der Prophetie leistete er in al-ʿAqaba dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueeid. Nur zwei Monate später, im Monat Safar, verstarb er in Medina. Auf dem Sterbebett hinterließ er die Verfügung: „Legt mich mit dem Gesicht zur Kaaba in mein Grab, und ein Drittel meines Vermögens soll dem Gesandten Allahs (s.a.w.) gehören. Er soll es dort ausgeben, wo er es für gut hält.“ Nach Ibn Ishāq geschah dies vor der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina.¹⁵ Diese Auffassung Ibn al-Athīrs scheint nicht richtig zu sein, denn es ist bekannt, dass schon zwei oder drei andere Muslime vor ihm in Medina starben. Richtig ist jedoch die Bemerkung Allāma az-Ziriklīs, dass er unter den Naqībs als Erster verstarb.¹⁶
Der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) wanderte nach Medina aus. In Begleitung der Gefährten ging er zum Grab Al-Barās und verrichtete mit vier Takbīrāt das Totengebet für ihn. Das Vermögen, über das Al-Barā zugunsten des Gesandten Allahs verfügt hatte, nahm dieser an sich und gab es anschließend erneut Al-Barās Sohn.¹⁷
ʿAbdullāh ibn Abī Qatāda sagte: Nachdem der Gesandte (s.a.w.) nach Medina gekommen war, verrichtete er als Erstes das Totengebet für Al-Barā ibn Marūr. Er ging mit seinen Gefährten zu dessen Grab, stellte sich in Reihen auf und sprach für ihn das folgende Bittgebet:
(O Allah, vergib ihm, schenke ihm Deine Barmherzigkeit und sei mit ihm zufrieden.)
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (s.a.w.) für ihn folgendes Bittgebet sprach:¹⁸ O Allah, schenke Al-Barā ibn Māʿrūr Deine Barmherzigkeit. Errichte am Tag der Auferstehung keinen Schleier zwischen Dir und ihm und lass ihn zu den Bewohnern des Paradieses gehören.)
Über die Nachkommen von Al-Barā Māʿrūr (r.a.) sind keine Informationen überliefert. In den Sīra-Werken findet sich lediglich, dass er einen Sohn namens Bisr hatte, der am letzten Treueeid von al-ʿAqaba teilnahm und dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueeid leistete.¹⁹ Nach dem Tod Al-Barās ernannte der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) ihn zum Anführer der Banū Salama. Während des Krieges von Khaybar mischte eine jüdische Frau namens Zaynab bint al-Hārith Gift in Ziegenfleisch und gab es dem Gesandten Allahs (s.a.w.) zu essen. Auch der ehrwürdige Bisr aß von dem vergifteten Fleisch und starb an dessen Wirkung.²⁰
Wie bereits erwähnt, nahm der ehrwürdige Al-Barā ibn Marūr (r.a.) nach seiner Annahme des Islam die Kaaba in Mekka als Qibla an und verfügte sogar zum Zeitpunkt seines Todes, dass er mit dem Gesicht in diese Richtung begraben werden solle. Damals hatte der Islam die Kaaba jedoch noch nicht zur Qibla erklärt. Warum tat er dies? Hatte er erkannt, dass die Kaaba künftig die Qibla des Islam sein würde? Welch großes Glück für ihn, dass Allah der Erhabene lange nach seinem Tod während des Aufenthalts des Gesandten Allahs (s.a.w.) in seinem Haus durch eine Offenbarung die Kaaba zur Qibla erklärte und der Gesandte (s.a.w.) in eben diesem Haus zum ersten Mal das Gebet mit dem Gesicht nach Mekka verrichtete. Das Ereignis war folgendermaßen: Die ehrwürdige Ummu Bisr (r.a.), die Ehefrau von Al-Barā ibn Marūr, bereitete im Haus Al-Barās einmal eine Mahlzeit für den ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.w.) zu. Nachdem er von dieser Mahlzeit gegessen hatte, stellte er sich mit den Gefährten zum Zuhr-Gebet auf. Als zwei Rakʿāt vollendet waren, erging die Anweisung, das Gebet mit dem Gesicht zur Kaaba zu verrichten. Den Rest des Gebets verrichtete er mit dem Gesicht zur Kaaba. Dies geschah an einem Dienstag in der Mitte des Monats Schaʿbān – einer anderen Auffassung zufolge im Monat Radschab – des zweiten Jahres nach der Hidschra.²¹
Der ansarische Dichter ʿAun ibn Ayyub hat in einer seiner Qasiden die ruhmreichen Taten der Ansar dargestellt. In einer ihrer Zeilen hat er die Verszeile über al-Barā ibn Mālik als die früheste in seinem Sīra-Werk aufgenommen.²² Die Sīra-Gelehrten haben die folgenden fünf Eigenschaften von al-Barā ibn Maʿrūr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erwähnt.²³
Die Sīra-Gelehrten haben die folgenden fünf Eigenschaften von al-Barā ibn Maʿrūr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erwähnt:²⁴
Quellenangaben:
Al-Barā ibn ʿĀzib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm)
Al-Barāʾ stammte aus dem Zweig Banū al-Ḥāritha des berühmten medinensischen Stammes Aus. Er war ein ansarischer Gefährte. Seine Kunya oder sein Beiname war Abū ʿUmar; nach anderer Auffassung Abū ʿAmr oder Abū al-Ṭufayl.¹ Nach Ibn al-Athīr ist Abū ʿAmr die zutreffendste Angabe.² Sein Vater ʿĀzib ibn al-Ḥārith war ein Gefährte.³ Seine Mutter war Ḥabība bint Abī Ḥabība ibn al-Ḥubāb, nach anderer Auffassung Umm Khālid bint Thābit. Unabhängig davon, wie ihre Namen überliefert werden, war sie die leibliche Schwester des Badr-Gefährten Abū Burda ibn Niyār und die Cousine väterlicherseits des berühmten Gefährten Abū Saʿīd al-Khudrī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).⁴ In den Ṣaḥīḥain und verschiedenen Sīra-Werken wird eine Begebenheit über al-Barāʾs ehrwürdigen Vater ʿĀzib berichtet. Al-Barāʾ sagte: Einst kaufte Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) von ʿĀzib für zehn Dirham ein Tier. Dann sagte er zu ʿĀzib: „Bitte sag al-Barāʾ, er möge es zu meinem Haus bringen.“ ʿĀzib sagte: „Nein, das werde ich nicht sagen, solange du uns nicht von deiner Reise der Auswanderung mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erzählst.“ Da begann Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) notgedrungen zu erzählen.⁵ Als der ehrwürdige Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina auswanderte, war al-Barāʾ ein neun- oder zehnjähriger Junge. Zu jener Zeit hatte sich der Aufruf zum Islam in Medina bereits weit unter der Bevölkerung verbreitet. Sein Onkel mütterlicherseits hatte in al-ʿAqaba den Treueid geleistet, und auch sein Vater hatte den Tauḥīd und die Sendung anerkannt. In zwei solchen Familien wuchs al-Barāʾ auf. Deshalb sagte al-Ziriklī: „Er nahm bereits in jungen Jahren den Islam an.“⁶ In seiner Jugend widmete er sich dem Erlernen der islamischen Gebote und ihrer Einzelheiten. In Medina waren die Lehrkreise von Musʿab ibn ʿUmair und Ibn Umm Maktūm (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen) damals zu Zentren für den Unterricht in Koran und Sunna geworden. Im Wesentlichen erhielt er dort seine kindliche Ausbildung. Zuerst begann er, den heiligen Koran zu lesen. Später überliefert al-Barāʾ: „Zu den Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die als Erste nach Medina kamen, gehörten Musʿab ibn ʿUmair und Ibn Umm Maktūm. Diese beiden lehrten uns den Koran. Danach kam ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb. Nach ihnen brachte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Abū Bakr mit. Ich habe niemanden gesehen, der in dieser Hinsicht froher gewesen wäre. Als er kam, hatte ich gerade erst einige kurze Suren wie ‚Preis den Namen deines höchsten Herrn‘ gelernt.“⁷ Als die Schlacht von Badr stattfand, hatte al-Barāʾ die Jugend noch nicht überschritten. Doch sein Glaubenseifer war überaus stark. Er trat vor den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), um in den Krieg zu ziehen; da er jedoch noch nicht das erforderliche Alter erreicht hatte, schickte er ihn zurück. Von al-Barāʾ gibt es eine Überlieferung über Badr. Er sagte: „Wir pflegten zu sagen, dass die Zahl der Teilnehmer an der Schlacht von Badr etwas mehr als dreihundertzehn betrug – ebenso viele wie diejenigen, die mit Ṭālūt den Fluss überschritten hatten. Mit Ṭālūt überschritten jedoch nur die Gläubigen den Fluss.“ Weiter sagte er: „Bei Badr waren Ibn ʿUmar und ich noch zu jung für den Kampf. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schickte uns zurück. Am Tag von Badr waren es etwas mehr als sechzig Muhādschirūn und etwas mehr als zweihundertvierzig Ansār.“⁸
Über die Frage, an welchem Feldzug der ehrwürdige al-Barāʾ erstmals gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) teilnahm und wie viele Feldzüge er insgesamt mit ihm bestritt, besteht eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Nach den Sīra-Gelehrten Ibn al-Athīr, Ibn ʿAbd al-Barr, Ibn Hischām, al-Wāqidī, Ibn Saʿd und al-ʿAskarī nahm er erstmals an der Schlacht am Graben teil. Ibn Hischām sagt: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schickte ihn bei Badr zurück und erlaubte ihm die Teilnahme am Graben.“ Damals war er fünfzehn Jahre alt.⁹ Al-Wāqidī sagt: „Ibn ʿUmar, al-Barāʾ ibn ʿĀzib, Abū Saʿīd al-Khudrī und Zayd ibn Arqam – diese vier – nahmen am Kampf teil.“ Nach der Überlieferung Nāfiʿs ist dies die zutreffendste Ansicht.¹⁰ Ibn Saʿd berichtet, dass Muḥammad ibn ʿĀzib die Erlaubnis erhielt, in den Krieg zu ziehen. Damals war er fünfzehn Jahre alt; zuvor hatte er keine Erlaubnis erhalten.¹¹ Aufgrund dieser Meinungsverschiedenheit entstand auch hinsichtlich der Gesamtzahl der Feldzüge, an denen er mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) teilnahm, ein unterschiedlicher Befund. Nach denen, die seine Teilnahme an Uḥud bejahen, waren es fünfzehn; nach denen, die Uḥud nicht mitzählen, vierzehn.¹² Wenn man zu diesen Feldzügen noch andere Reisen hinzurechnet, nahm er insgesamt an fünfzehn Unternehmungen mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) teil. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er sagte: „Ich begleitete den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf achtzehn Reisen.“¹³ Vom Graben an nahm er an allen Kriegen teil, die zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stattfanden. Im sechsten Jahr nach der Hidschra nahm er am Treueid von al-Ḥudaybiya teil. In jenem Jahr war der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit 1.400 Gefährten auf dem Weg nach Mekka, um die Umra zu vollziehen. Auch al-Barāʾ befand sich in dieser Karawane. Unterwegs wurden sie von den Quraisch aufgehalten, worauf der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Tal von al-Ḥudaybiya ein Lager aufschlug. Die Gefährten sagten: „Hier gibt es kein Wasser.“ Dort befand sich jedoch ein ausgetrockneter Brunnen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm aus seinem Köcher einen Pfeil, gab ihn einem Mann und sagte: „Geh und stecke ihn in diesen Brunnen.“ Als der Mann mit dem Pfeil in den Brunnen hinabstieg und ihn hineinsteckte, begann das Wasser hervorzusprudeln.¹⁴ Ibn Isḥāq sagt, al-Barāʾ habe behauptet, er selbst sei derjenige gewesen, der den Pfeil des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in den Brunnen von al-Ḥudaybiya gesteckt habe.¹⁵ Ibn Ḥadschar al-ʿAsqalānī sagt jedoch, nach der bekannten Auffassung sei es Nāǧiya ibn Ǧundub gewesen.¹⁶
Eine Äußerung von ʿĀzib über diesen Treueid von al-Ḥudaybiya wird in al-Buḫārī und verschiedenen anderen Sīra-Werken überliefert. Al-Barāʾ sagte: „Die Menschen betrachten die Eroberung Mekkas als al-Fatḥ, den großen Sieg. Ja, die Eroberung Mekkas war ein Sieg. Doch den Treueid von Riḍwān am Tag von al-Ḥudaybiya betrachten wir als den eigentlichen Sieg. An jenem Tag waren wir 1.400 Menschen beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“¹⁷ Er nahm an der Schlacht von Ḥunain teil und trat dem Feind mit großem Mut entgegen. Al-Buḫārī überliefert von Abū Isḥāq, dass dieser einen Mann aus Banū Qais al-Barāʾ ibn ʿĀzib fragen hörte. Die Frage lautete: „Seid ihr am Tag von Ḥunain nicht vor dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geflohen?“ Er antwortete: „Der Stamm Hawāzin war im Bogenschießen bewandert. Als wir angriffen, zerstreuten sie sich. Darauf stürzten wir uns auf die Beute. Da begann Banū Hawāzin erneut, uns mit Pfeilen anzugreifen. Ich sah damals den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf seinem weißen Maultier sitzen, während Abū Sufyān dessen Zügel hielt. Auf dem Maultier sitzend, sprach er diese Worte:“
„Ich bin der Prophet, das ist keine Lüge. Ich bin ein Nachkomme von ʿAbd al-Muṭṭalib. O Allah, sende Deine Hilfe!“
Al-Barāʾ berichtet: Als die heftige Schlacht begann, stellten wir uns schützend um den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).18
Vor der Schlacht von Tāʾif und der Abschiedswallfahrt entsandte der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine Gruppe von Männern nach Jemen, um dessen Bewohner zum Islam aufzurufen. Auch der ehrwürdige al-Barāʾ ibn ʿĀzib gehörte dieser Gruppe an. Al-Bayhaqī berichtet, dass al-Barāʾ ibn ʿĀzib sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsandte Khālid ibn al-Walīd nach Jemen, um dessen Bewohner zum Islam aufzurufen. Auch ich gehörte zu seinen Gefährten. Sechs Monate lang riefen wir die Menschen zum Islam auf, doch wir erhielten kaum Resonanz. Daraufhin entsandte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ʿAlī ibn Abī Ṭālib und wies ihn an, dass jeder, der sich bei Khālid befand, auf Wunsch bei ʿAlī bleiben könne. Al-Barāʾ berichtet: Ich blieb bei ʿAlī. Als wir zum Stamm Hamadān kamen, kamen dessen Angehörige zu uns. ʿAlī betete mit uns. Nach dem Gebet stellten wir uns in Reihen auf. ʿAlī stellte sich vor uns und verlas uns den Brief, den der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an die Bewohner Jemens gerichtet hatte. Die Angehörigen des Stammes Hamadān nahmen den Islam an. ʿAlī schrieb dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Brief, in dem er ihm von ihrem Übertritt zum Islam berichtete. Nachdem er den Brief gelesen hatte, fiel er in die Niederwerfung. Nach einer Weile hob er den Kopf und sagte zweimal: „Friede sei über Hamadān, Friede sei über Hamadān.“19
Während der Amtszeit des Kalifen ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb nahm er im Jahre 20 nach der Hidschra an der Eroberung von Tustar in Persien im Heer Abū Mūsā al-Aschʿarīs teil.20 Abū ʿAmr asch-Schaibānī berichtet, dass al-Barāʾ ibn ʿĀzib im Jahre 24 nach der Hidschra Rayy in Persien eroberte.21 Imām an-Nawawī sagt: Al-Barāʾ ibn ʿĀzib und sein Bruder ʿUbaid ibn ʿĀzib kämpften auf der Seite ʿAlīs in den Schlachten von Uhud, Ṣiffīn und Nahrawān.22
Gegen Ende seines Lebens ließ er sich in einem Haus in Kufa nieder und lebte dort dauerhaft. Zu dieser Zeit erblindete er.23
Als Musʿab ibn az-Zubair im Jahre 72 – einer anderen Auffassung zufolge im Jahre 71 – nach der Hidschra Statthalter von Kufa war, verstarb al-Barāʾ dort.24 In den Geschichtswerken werden folgende Namen seiner Söhne überliefert: ar-Rabīʿ, ʿUbaid, Lūṭ, Suwaid und Yazīd. Imām an-Nawawī sagte jedoch, dass er zwei Söhne namens Yazīd und Suwaid hinterließ.25 Diese Ansicht Imām an-Nawawīs scheint nicht richtig zu sein. Denn der Verfasser des Werkes „Tahdhīb al-Kamāl fī Asmāʾ ar-Rijāl“ berichtet, dass seine vier Söhne – ar-Rabīʿ, ʿUbaid, Lūṭ und Yazīd – Hadithe von ihrem Vater hörten und überlieferten.26 Yazīd wurde später ebenfalls Statthalter von Amman.27 Ibn Saʿd schrieb in der Biografie Suwaids, dass Suwaid als der beste Statthalter Ammans anerkannt wurde.28 Wahrscheinlich waren sowohl Yazīd als auch Suwaid Statthalter von Amman.
Der ehrwürdige al-Barāʾ ibn ʿĀzib trug stets einen goldenen Ring an seiner Hand. Die Leute sagten: „Gold ist doch für Männer verboten.“ Er erwiderte: „Hört zu: Einst teilte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Beute auf. Nur ein Ring war übrig geblieben. Er blickte sich um, rief mich dann zu sich und sagte: ‚Nimm ihn und trage ihn. Allah und Sein Gesandter legen ihn dir an.‘ Sagt nun selbst: Wie sollte ich ablegen, was Allah und Sein Gesandter mir angelegt haben?“29
Der ehrwürdige al-Barāʾ ibn ʿĀzib war ein äußerst angesehener Gefährte. Er war besonders darum bemüht, die Hadithe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu verbreiten und weiterzugeben. Insgesamt werden 305 Hadithe über ihn überliefert. Davon sind 22 muttafāq ʿalayhi. 15 wurden ausschließlich von al-Buchārī und 6 ausschließlich von Muslim überliefert.
Bei der Überlieferung von Hadithen war er äußerst vorsichtig. Diese Lehre hatte er vom ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) selbst erhalten. Einmal lehrte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihn ein Bittgebet und wollte es anschließend aus dem Mund al-Barāʾs hören. Al-Barāʾ sagte „bi-nabiyyika“ anstelle von „bi-rasūlika“. Da korrigierte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dieses Wort.31 Daher war er bei der Überlieferung von Hadithen äußerst sorgfältig.
Einmal sagte er, als er die Art der von ihm überlieferten Hadithe erläuterte: Nicht alle Hadithe, die ich überliefere, habe ich aus dem Mund des Gesandten Allahs (s) gehört. Wir waren mit dem Hüten der Kamele und anderen Tätigkeiten beschäftigt. Deshalb konnten wir nicht bei allen Versammlungen des Gesandten Allahs (s) anwesend sein. Viele der von mir überlieferten Hadithe habe ich von anderen Gefährten gehört.³²
Al-Barāʾ ibn ʿĀzib überlieferte Hadithe unmittelbar vom Gesandten Allahs (s). Die Gefährten, von denen er Hadithe hörte und überlieferte, waren auf ihren jeweiligen Gebieten allesamt führende Persönlichkeiten. Dazu gehörten: Bilāl ibn Rabāḥ, Thābit ibn Wadīʿa al-Anṣārī, Ḥassān Thābit, Abū Ayyūb al-Anṣārī, Abū Bakr ibn Abī Quḥāfa, ʿAlī ibn Abī Ṭālib und ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb.³³
Alle, die die Ehre erlangten, seine Schüler zu sein und von ihm Hadithe zu überliefern, waren herausragende Tābiʿūn. Der Verfasser des Werkes „Tahdhīb al-Kamāl“ führt fünfzig solcher Schüler unter den Tābiʿūn auf. Einige besonders bekannte Namen seien hier genannt: Iyāḍ ibn Laqīṭ, Thābit ibn ʿUbaid, Ḥarām ibn Saʿd, dessen Sohn ar-Rabīʿ ibn al-Barā, ʿUbād ibn al-Barāʾ, Luṭ ibn al-Barāʾ, Yazīd ibn al-Barāʾ, Ibn ʿAbd ar-Raḥmān, Saʿīd ibn al-Musayyib, ʿAbd ar-Raḥmān ibn Abī Laylā, Zaid ibn Wahb al-Dschuhanī, Saʿd ibn ʿUbaida, Abū Burda ibn Abī Mūsā al-Aschʿarī und andere.³⁴
Bisweilen nahmen auch Gefährten an seinem Hadith-Unterricht teil. In den Sīra-Werken finden sich die Namen einiger solcher Gefährten. Auch sie überlieferten Hadithe über al-Barāʾ. Dazu gehörten beispielsweise ʿAbdullāh ibn Yazīd al-Khaṭmī und Abū Juḥaifa Wahb ibn ʿAbdullāh sowie andere.³⁵ Darüber hinaus erschienen viele Gefährten unvermittelt in seinem Unterricht. Eines Tages kam Kaʿb ibn Ḥudschr zusammen mit mehreren anderen Gefährten zu seinem Unterricht.³⁶
Die Schüler, die an seiner Versammlung teilnahmen, stellten verschiedene Fragen. Einige fragten nach Versen aus dem Qurʾān, andere nach einer fiqhbezogenen Rechtsfrage.
Einmal fragte ihn ein Mann zu dem Vers 195 der Sūrat al-Baqara: „Bringt euch nicht selbst ins Verderben.“ Er sagte: „Fällt unter dieses Verbot nicht auch der Angriff auf die Götzendiener?“ Er antwortete: „Wie könnte das der Fall sein? Allah hat doch dem Gesandten (s) den Dschihād befohlen und gesagt: ‚Kämpfe auf Allahs Weg! Du bist nur für dich selbst verantwortlich, und sporne die Muslime an.‘ (Sūrat an-Nisāʾ: 84) Er sagte außerdem: „Der von dir angeführte Vers bezieht sich auf das Ausgeben.“³⁶ Das heißt, man soll nicht zu der Überzeugung gelangen, dass man ins Verderben stürzt, wenn man auf Allahs Weg ausgibt. Eine solche Überzeugung führt ins Verderben.
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Mann wissen wollte: Bedeutet der oben angeführte Vers etwa denjenigen, der dem Feind begegnet, in den Kampf zieht und dabei stirbt? Er sagte: „Nein. Vielmehr bezieht sich der Vers auf jemanden, der eine Sünde begeht und anschließend sagt: ‚Allah wird diese Sünde nicht vergeben.‘“³⁷
Einmal verkaufte ein Freund von ʿAbd ar-Raḥmān ibn Muṭʿim einige Dirham gegen eine bestimmte Ware. ʿAbd ar-Raḥmān fragte seinen Freund: „Ist ein solcher Verkauf zulässig?“ Er antwortete: „Ja, er ist zulässig. Ich habe schon früher auf diese Weise verkauft, und niemand hat etwas dagegen gesagt.“ Daraufhin schilderte ʿAbd ar-Raḥmān al-Barāʾ ibn ʿĀzib den Vorfall. Als dieser davon hörte, sagte er: „Als der Gesandte Allahs (s) nach Medina kam, pflegten wir auf diese Weise zu kaufen und zu verkaufen. Als er dies sah, sagte er: ‚Bei einem sofortigen Austausch ist an einem solchen Verkauf nichts auszusetzen. Bei einem aufgeschobenen Austausch ist er jedoch nicht zulässig.‘“ Dann sagte er zu ʿAbd ar-Raḥmān: „Wenn du noch sicherer sein möchtest, kannst du Zaid ibn Arqam fragen. Er war unter uns der größte Kaufmann.“ ʿAbd ar-Raḥmān ging zu Zaid ibn Arqam, und dieser bestätigte die Aussage al-Barāʾs. Der Vorfall ist bei al-Buchārī überliefert.
In einer anderen Überlieferung heißt es. Abū al-Minhal berichtet: Einmal fragte ich Zāyid ibn Arqam und al-Barāʾ ibn ʿĀzib nach dem „Ṣarf“, also dem Währungsumtausch. Als ich einen von ihnen danach fragte, verwies er auf den anderen und sagte: „Frage ihn, denn er ist besser als ich und weiß mehr als ich.“38
Unbegrenzte Liebe zum edlen Gesandten, die genaue Befolgung der Sunna sowie Demut und Gottesfurcht waren besondere Merkmale seines Charakters. Was die Befolgung der Sunna betrifft, so war jedes einzelne Detail seines Gebets dem des Gesandten Allahs (s.a.s.) gleich. Eines Tages versammelte er seine Familienangehörigen und sagte: „Heute werde ich euch zeigen, wie der Gesandte (s.a.s.) die Gebetswaschung vollzog und wie er betete. Denn Allah weiß allein, wie lange ich noch leben werde.“ Daraufhin vollzog er die Gebetswaschung und verrichtete das Zuhr-, ʿAsr-, Maghrib- und ʿIschāʾ-Gebet in dieser Weise. Ein anderes Mal zeigte er, wie der Gesandte Allahs (s.a.s.) sich niederwarf.39 Einmal kam Abū Dāwūd, um ihn zu besuchen. Al-Barāʾ grüßte ihn zunächst, nahm seine Hand in seine eigene und lachte herzlich. Danach sagte er: „Weißt du, warum ich das getan habe? Der Gesandte (s.a.s.) hatte dies einmal mit mir getan und gesagt: Wenn zwei Muslime einander begegnen und nichts Eigenes zwischen ihnen steht, werden ihnen ihre Sünden vergeben.“40
In den Hadithen wird von einem großen Vorzug berichtet, auf der rechten Seite der Gebetsreihe zu stehen. Deshalb stand er gern auf der rechten Seite.41
Er liebte den Gesandten (s.a.s.) mehr als sein eigenes Leben und seinen Besitz. In jedem Wort und jeder Tat legte er dafür Zeugnis ab. Wenn er das Aussehen und die Gestalt des Gesandten Allahs (s.a.s.) beschrieb, war jedes seiner Worte von Liebe durchdrungen. Er sagte: „Der Gesandte (s.a.s.) war schöner als alle Menschen der Welt. Ich habe ihn in einen roten Umhang gehüllt gesehen; so schön, wie dieser an ihm aussah, sah er an keinem anderen aus.“42
Einmal fragte jemand: „Strahlte das gesegnete Antlitz des Gesandten Allahs (s.a.s.) wie der Glanz eines Schwertes?“ Er antwortete: „Nein. Es war wie der Mond.“43
So tief er den Gesandten (s.a.s.) liebte, so sehr fürchtete er ihn auch. Er sagte: „Einmal wollte ich den Gesandten (s.a.s.) nach einer Sache fragen; doch aus übergroßer Furcht vor ihm wartete ich zwei Jahre.“44
Er war die lebendige Verkörperung von Demut und Bescheidenheit. Obwohl er ein Gefährte von sehr hohem Rang war, hielt er sich für äußerst unbedeutend. Einmal sagte ein Mann zu ihm: „Wie außerordentlich glücklich du doch bist, dass du die Gesellschaft des Gesandten Allahs (s.a.s.) erlangt und an der gesegneten Bayʿat ar-Riḍwān teilgenommen hast; was haben wir nach dem Gesandten Allahs (s.a.s.) alles getan?“45
Quellen:
Hubab ibn al-Mundhir (r.a.)
Sein Name war Hubab, und seine Kunyas waren Abu ʿUmar oder Abu ʿAmr. Sein Vater war Mundhir und seine Mutter Schamūs bint Hakk. Er stammte aus dem Stamm der Chazradsch von Medina.¹ Er war einer der Naqībs von al-ʿAqaba und der Onkel mütterlicherseits von al-Mundhir ibn ʿAmr as-Sāʿidī (r.a.), einem der Märtyrer von Biʾr Maʿūna.² Er nahm vor der Hidschra des Propheten nach Medina den Islam an.
Er nahm an allen Schlachten mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) von Badr an teil. In der Schlacht von Badr trug er das Banner des Stammes Chazradsch.³ Ibn Saʿd sagt: „Es besteht nahezu Konsens darüber, dass er an der Schlacht von Badr teilgenommen hat. Muhammad ibn Ishaq zählte ihn jedoch nicht zu den Badr-Kämpfern. Unserer Ansicht nach war dies sein Fehler, denn Hubabs Taten bei Badr sind weithin bekannt.“⁴
Als der Gesandte (s.a.w.) die Gegend von Badr erreichte, stieg er ab, um das Lager aufzuschlagen. Hubab fragte: „O Gesandter Allahs! Ist die Entscheidung, hier das Lager aufzuschlagen, von Allah, oder ist es deine eigene Entscheidung?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Es ist meine eigene Entscheidung.“ Hubab sagte: „Dann nicht hier. Lass uns zur letzten Wasserstelle in der Nähe des Feindes führen. Dort werden wir ein Wasserbecken anlegen, das Wasser mit Gefäßen schöpfen und davon trinken, während wir gegen den Feind kämpfen. Außerdem werden wir das Wasser aller übrigen Brunnen trüben.“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Hubab sagte: „Wir sind ein kämpfendes Volk. Mein Vorschlag ist, das Wasser aller Brunnen außer einem einzigen zu trüben, damit wir unter keinen Umständen unter Wassermangel leiden, während die Feinde bei der Suche nach Wasser ratlos werden.“
Nachdem Hubab seinen Rat gegeben hatte, kam Dschibrīl (a.s.) zum Gesandten (s.a.w.) und teilte ihm mit, dass Hubabs Ansicht richtig sei. Daraufhin rief der Gesandte (s.a.w.) Hubab zu sich und sagte: „Deine Ansicht ist richtig.“ Anschließend ließ er das gesamte Heer weiterziehen und schlug es an den Brunnen von Badr auf.⁵
Da der Gesandte (s.a.w.) in dieser Schlacht von Badr seinen Rat angenommen hatte, erlangte Hubab den Beinamen „Dschūʾ ar-Raʾy“, also „Entscheidungsträger“. Imam Thaʿlabī sagte über ihn:⁶ „Bei Badr war er der Ratgeber. Der Gesandte (s.a.w.) nahm seinen Rat an. Dschibrīl (a.s.) kam und sagte: ‚Die von Hubab vorgebrachte Ansicht ist richtig.‘ Auch in der Dschāhilīya hatte er viele bedeutende Entscheidungen und Meinungen vorgebracht.“
Der niederträchtige Abu Qays ibn al-Fākih gehörte zu denjenigen in Mekka, die den Gesandten Allahs (s.a.w.) am stärksten verfolgt hatten. Er wurde bei Badr getötet. Einer Überlieferung zufolge war es Hadhrat Hubab, der ihn tötete.⁷ In dieser Schlacht schlug er dem Verfolger von Hadhrat Bilāl (r.a.), Umayya ibn Khalaf, mit seinem Schwert einen Oberschenkel ab. Außerdem töteten ʿAmmār ibn Yāsir und er gemeinsam auch ʿAlī, den Sohn Umayyas.⁸ In dieser Schlacht nahm er Khālid ibn al-Aʿlam gefangen.⁹
In der Schlacht von Uhud zog das Heer der Quraisch mit solcher Entschlossenheit in Richtung Medina, dass in der ganzen Stadt großer Aufruhr entstand. Als das Heer der Quraisch in Dhū l-Hulaifa, nicht weit von Medina entfernt, eintraf, entsandte der Gesandte (s.a.w.) zwei Kundschafter und schickte Hubab hinter ihnen her. Er bewegte sich unter den feindlichen Truppen umher, sammelte verschiedene Informationen und vermittelte dem Gesandten Allahs eine genaue Einschätzung der Stärke des feindlichen Heeres.¹⁰ Auch in dieser Schlacht befand sich das Banner des Stammes Chazradsch in seiner Hand. Viele sind jedoch der Ansicht, dass nicht er, sondern Saʿd ibn ʿUbāda der Fahnenträger war.¹¹
Als die Muslime in dieser Schlacht von Uhud in Bedrängnis gerieten und das muslimische Heer vom edlen Gesandten Allahs (s.a.w.s.) getrennt wurde, war dieser Hubab einer jener fünfzehn Mudschahedin, die unter Einsatz ihres Lebens den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) umringten. In dieser Schlacht leistete er den Treueeid, bis in den Tod zu kämpfen.12
Als der edle Gesandte Allahs (s.a.w.s.) die Gefährten wegen der jüdischen Stämme von Medina, Banu Quraiza und Banu Nadir, um Rat fragte, sagte Hubab: „Wir werden ihre Häuser belagern und jede Verbindung zu ihnen unterbrechen.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) folgte seinem Rat.13
Im Feldzug gegen Chaibar trug er das Banner eines Teils des Chazradsch-Heeres und im Feldzug gegen Hunain das Banner des gesamten Chazradsch-Heeres.14 Einer Überlieferung zufolge übergab der Gesandte (s.a.w.s.) ihm auch während des Feldzugs nach Tabuk das Banner des Chazradsch-Heeres.15
Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) versammelten sich die Angehörigen der gesamten Ansar-Gemeinschaft, einschließlich der Aws und der Chazradsch von Medina, an einem Ort namens Saqifa Banu Saida, unweit der Prophetenmoschee, und begannen offen über die Wahl des nächsten Kalifen zu beraten. Nach einer Ansprache des Anführers der Ansar, Sa’d ibn Ubada, hatten sie sich nahezu dazu entschlossen, ihn zum Kalifen zu wählen. Inzwischen drang die Nachricht von der Versammlung der Ansar zu Abu Bakr (r.a.) vor. Gemeinsam mit Umar (r.a.) eilte er dorthin. Dort kam es zwischen beiden Seiten zu einem heftigen Wortwechsel darüber, ob der Kalif aus den Reihen der Muhadschirun oder der Ansar kommen sollte. In dieser Auseinandersetzung debattierte Hazrat Hubab mit Hazrat Abu Bakr (r.a.) und hielt in zwei Phasen zwei leidenschaftliche Reden. Nachdem Hazrat Abu Bakr (r.a.) seine Ansprache beendet hatte, erhob sich Hubab und begann, die Ansar anzureden:16
„O Gemeinschaft der Ansar! Gebt dieses euer Recht nicht aus der Hand. Das Volk steht auf eurer Seite. Niemand wird es wagen, euren Charakter anzugreifen. Niemand wird ohne eure Zustimmung irgendeine Entscheidung durchsetzen können. Ihr seid ehrenhaft, wohlhabend, zahlreich, erfahren, mutig und klug. Die Menschen warten darauf zu sehen, welche Entscheidung ihr treffen werdet. Säet keinen Zwist unter euch. Wenn ihr Zwietracht schafft, wird euch euer Recht entgleiten. Wenn eure Gegner, die Muhadschirun, eure Forderung nicht anerkennen, dann soll es unter uns einen Befehlshaber und unter ihnen einen Befehlshaber geben, insgesamt also zwei Befehlshaber.“
Hazrat Umar (r.a.) wies Hazrat Hubabs (r.a.) Vorschlag zweier Befehlshaber zurück und rief: „Niemals! Zwei können nicht auf einem Horn sitzen.“ Nachdem Umar (r.a.) seine Ausführungen beendet hatte, fuhr er fort: „Haltet euer Recht fest in euren Händen. Hört nicht auf die Worte dieses Mannes. Wenn ihr auf ihn hört, wird euch das Recht auf diese Herrschaft entgleiten. Ich bin ein Mann, der das Vertrauen meiner Gemeinschaft besitzt, und die Menschen ziehen Nutzen aus meinen Entscheidungen. Bei Allah! Wenn ihr wollt, werden wir dieses Kalifat in ein fünf Jahre altes Kameljunges verwandeln und es dabei belassen.“ Danach wandte er sich an die Muhadschirun und sagte: „Wir würden nicht zögern, die Angelegenheit euch zu überlassen, wenn wir nicht befürchten müssten, dass sie von den Angehörigen jener Gemeinschaft ergriffen wird, deren Väter und Brüder wir getötet haben. Dann wäre euch der Tod lieber.“ Mit anderen Worten versicherte Umar (r.a.), dass dies niemals geschehen werde: „Wir werden einem derjenigen unter uns, die in der ersten Zeit den Islam angenommen haben, den Treueeid leisten. Er wird euch keinerlei Unrecht oder Ungerechtigkeit zufügen.“
Trotz alledem konnte er die Anwesenden nicht davon abhalten, Abu Bakr (r.a.) den Treueeid (den Eid des Gehorsams) zu leisten. Als Erster unter den Ansar leistete Bashir ibn Sa’d (r.a.) Abu Bakr (r.a.) den Treueeid. Darauf sagte Hubab zu Bashir: „Hast du dich gegen deine eigene Gemeinschaft gestellt? Warst du neidisch auf die Herrschaft oder Führung deines Cousins?“ Bashir antwortete: „Nein, vielmehr wollte ich nicht über ein Recht streiten, das Allah einer Gemeinschaft gewährt hat.“
Er verstarb während des Kalifats des zweiten Kalifen, Hazrat Umar (r.a.).17 Damals war er etwa fünfzig Jahre alt. Zur Zeit der Schlacht von Badr war er dreiunddreißig Jahre alt.18 Auf dem Gebiet der Hadith-Überlieferung war Abu at-Tufail Amir ibn Wathila sein Schüler. Er überlieferte Hadithe über die Vermittlung von Hubab.19
Dichten war eine angeborene Eigenschaft der damaligen Araber. Auch Hadhrat Hubab besaß diese Eigenschaft. Er verfasste Gedichte. In einigen Geschichtswerken sind einige Verse von ihm überliefert.20 Die Übersetzung einiger seiner Verse lautet wie folgt:
1. Möge Allah eure beiden Eltern segnen! Wisst ihr etwa nicht, dass es unter den Menschen zwei Arten gibt: Blinde und Sehende?
2. Wir und die Feinde Muhammads sind allesamt Löwenmänner, deren Gebrüll in der ganzen Welt widerhallt.
3. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass wir ihm geholfen und ihm Zuflucht gewährt haben. Außer uns hat er keinen Helfer.
Er war ein herausragender Redner. Seine Sprache war rein und voller rhetorischer Ausschmückungen. Wenn man die beiden Reden liest, die er in der Saqifa Banu Sa’ida hielt, wird seine Beredsamkeit und rhetorische Ausdruckskraft deutlich. Dass die Ansar in der Lage waren, dem Kalifat erheblichen Schaden zuzufügen, brachte er in einem kunstvoll ausgeschmückten Satz zum Ausdruck. Er sagte: Bei Allah! Wenn ihr wollt, können wir dieses Kalifat gewiss mit dem Schwert unterstützen. Das heißt, wenn wir wollen, können wir den Krieg stärken. Ebenso beschrieb er seine eigene Stellung und seinen Rang unter den Ansar folgendermaßen: Ich bin der Pfosten, an dem die Ansar ihre von Hautkrankheiten befallenen Kamele kratzen können, und der Pfosten oder die Mauer, die ihre langen und fruchttragenden Bäume stützt.
In Arabien wurde für ein hautkrankes Kamel ein Pfosten oder ein Stück Holz in den Boden gerammt, damit es sich daran kratzen und dadurch gesund werden konnte. Ebenso wurde einem Dattelbaum, der wegen seiner Höhe oder Fruchtbarkeit umzustürzen drohte, ein Pfosten als Stütze beigestellt oder eine Mauer errichtet. Hadhrat Hubab verglich sich selbst mit diesem Pfosten und dieser Mauer.21
Quellen:
Qatada ibn Nu’man (ra)
Sein Name war Qatada. Er hatte mehrere Kunya-Namen, darunter: Abu Umar, Abu Uthman, Abu Amr und Abu Abdillah.¹ Er stammte aus dem Zweig Banu Jaʿfar des berühmten Stammes Aus in Medina.² Seine Mutter, Unaisa bint Qays, war eine Tochter des Stammes Nadschdschār; der berühmte Gefährte Abu Saʿid al-Chudri (ra) war ebenfalls ihr Sohn. Qatada und Abu Saʿid al-Chudri waren Halbbrüder.³
Er nahm am letzten Treueid von al-ʿAqaba teil, nahm den Islam an und leistete dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueid.⁴ Er schloss sich dem Gesandten Allahs (s.a.w.) in allen Schlachten und Feldzügen an, darunter auch in Badr.⁵ In der Schlacht von Uhud bewies er unvorstellbare Geduld und Standhaftigkeit. In dieser Schlacht war er eines der Mitglieder des muslimischen Bogenschützenkorps. Damals schenkte ihm der Gesandte (s.a.w.) seinen zerbrochenen Bogen namens „al-Qatūm“.⁶
In einer kritischen Phase der Schlacht von Uhud machten die polytheistischen Bogenschützen den edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) zu ihrem einzigen Ziel. Sie schossen ausschließlich auf ihn. Zu jener Zeit befanden sich nur wenige Mudschāhidūn in der Nähe des Gesandten Allahs (s.a.w.). Die anderen waren in alle Richtungen zerstreut und voneinander getrennt worden. Diese wenigen Mudschāhidūn stellten sich einer nach dem anderen mit ihrer Brust vor den Gesandten und schirmten ihn so vor den von der Gegenseite abgeschossenen Pfeilen ab. Nachdem auf diese Weise zehn Männer den Märtyrertod erlitten hatten, war Qatadas Reihe an der Reihe. Er war der elfte Mann. Er stellte sich mit entblößter Brust der feindlichen Armee entgegen und ließ den Gesandten hinter sich. Plötzlich flog ein von der feindlichen Seite abgeschossener Pfeil heran und traf eines seiner Augen. Das Auge sprang aus der Augenhöhle und rollte über seine Wange. Einer anderen Überlieferung zufolge wurde das Auge vollständig herausgerissen, und er hielt es in der Hand. Die Leute rieten ihm, es wegzuwerfen, doch er war damit nicht einverstanden. Er sagte zum Gesandten Allahs (s.a.w.): „Ich habe eine Ehefrau. Ich bin ihr sehr zugetan und liebe sie zutiefst. In meinem jetzigen Zustand könnte sie mich verabscheuen. Was ich auf dem Schlachtfeld getan habe, habe ich nur getan, um den Märtyrertod zu erlangen.“ Der Gesandte (s.a.w.) setzte das Auge eigenhändig wieder an seinen Platz und sprach ein Bittgebet: „O Allah! Qatada hat deinen Propheten (s.a.w.) mit seinem Gesicht beschützt. So mache dieses Auge von ihm schöner als das andere und verleihe ihm eine schärfere Sehkraft.“ Das Bittgebet des Gesandten Allahs (s.a.w.) wurde erhört. Dieses Auge wurde viel schöner als das andere, und auch seine Sehkraft wurde schärfer.⁷
Später begab sich eines seiner Kinder zum Hof des umayyadischen Kalifen ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz. Als dieser nach seiner Herkunft fragte, stellte er sich durch ein Gedicht vor. Hier folgt die Übersetzung einiger seiner Verse:⁸
„Ich bin der Nachkomme jenes Mannes, dessen Auge über seine Wange gerollt war. Dann setzte die Hand des Propheten Mustafa es wieder an seinen Platz.“
Danach wurde es wieder wie zuvor. Wie herrlich war das Aussehen dieses Auges, und wie schön war es wieder eingesetzt worden!“
Unter den Sīra-Fachleuten besteht Uneinigkeit darüber, in welcher Schlacht das Auge des ehrenwerten Qatada verletzt wurde. Es werden alle drei Schlachten genannt: Badr, Uhud und al-Chandaq. Imam Malik, ad-Dāraqutnī, al-Bayhaqī und der Hafiz Ibn ʿAbd al-Barr halten die Überlieferung über die Schlacht von Uhud für die zutreffendste.⁹
Beim Feldzug zur Eroberung von Mekka befand sich das Banner der Banu Jaʿfar in den Händen des ehrenwerten Qatada.¹⁰ In dem Augenblick der äußersten Erschütterung in der Schlacht von Hunain war er einer von jenen, die standhaft blieben.¹¹
Im 11. Jahr nach der Hidschra befahl der ehrwürdige Gesandte Allahs (s), unter dem Kommando von Usama ibn Zaid ein Heer in Richtung der syrischen Grenze zu entsenden. Fast alle ranghohen Sahaba unter den Muhadschirun und den Ansar gehörten diesem Heer an. Auch Hazrat Qatada (r.a.) war eines seiner Mitglieder.12
Er verstarb im Jahr 23 der Hidschra beziehungsweise 644 n. Chr. im Alter von 65 Jahren in Medina. Hazrat Umar ibn al-Khattab (r.a.) saß damals auf dem Thron des Kalifats. Der Kalif Umar (r.a.) leitete das Totengebet. Umar, Abu Said al-Khudri und Muhammad ibn Maslama (r.a.) stiegen zu dritt in die Grabstätte hinab und bestatteten ihn.14 Imam Nawawi sagt, dass Muhammad ibn Maslama und al-Harith ibn Khuzayma, diese beiden, in die Grabstätte hinabstiegen.15
Die Namen zweier seiner Söhne, Umar und Ubayd, sind bekannt. Der Name seiner Ehefrau ist nicht bekannt. Es ist jedoch überliefert, dass zwischen ihm und seiner Ehefrau eine tiefe Beziehung der Liebe und Zuneigung bestand.16 Er hatte vor der Schlacht von Uhud geheiratet. Er war der Großvater des berühmten Tabi’i-Muhaddithen Hazrat Asim ibn Umar ibn Qatada. Muhammad ibn Ishaq überlieferte über dessen Autorität zahlreiche Berichte.17 Dieser Asim verstarb im Jahr 120 oder 129 der Hidschra.18
Er gehörte zu den angesehenen Sahaba. Bei ihm erkundigten sich viele bedeutende Sahaba nach den verschiedenen Bestimmungen der Scharia. In den Hadith-Werken wird überliefert, dass so herausragende Sahaba wie Hazrat Abu Said al-Khudri und Abu Qatada bei ihm nach Fatwas fragten.19
Die Gesamtzahl der von Hazrat Qatada ibn an-Numan (r.a.) überlieferten Hadithe beträgt sieben (7); davon hat Imam Bukhari einen Hadith allein überliefert.20
Zu denjenigen, die von ihm Hadithe überlieferten, gehörten auch so bedeutende Persönlichkeiten wie Abu Said al-Khudri, Hudhaifa, Mahmud ibn Labid, Ubayd ibn Hunain, Iyada ibn Abdallah und sein Sohn Umar ibn Qatada.21
In seinem Charakter überwogen Enthaltsamkeit (Zuhd) und Gottesfurcht (Taqwa). Einmal verbrachte er die ganze Nacht damit, ausschließlich die Sure al-Ichlas zu rezitieren.22
Zu Lebzeiten des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s) ereignete sich unter den Angehörigen von Hazrat Qatadas Sippe ein Diebstahl. Der Dieb war ein Heuchler. Er versuchte, die Schuld für den Diebstahl einem anderen anzulasten. Hazrat Qatada verdächtigte gerade ihn. Als er seinen Verdacht dem Gesandten Allahs (s) mitteilte, zeigte dieser großen Unmut. Daraufhin kam der Verdächtigte zum Gesandten Allahs (s), gab sich als ein überaus guter Mensch aus und erhob heftigen Einspruch gegen Qatadas derartigen Verdacht. Da offenbarte Allah, der Erhabene, die Verse 105 bis 113 der Sure an-Nisa, informierte den Gesandten über den wahren Sachverhalt, und zugleich wurde Qatadas Wahrhaftigkeit deutlich.23
In den Sira-Werken findet sich der Bericht über das Erscheinen eines Wunders des Gesandten Allahs (s) bei Qatada. Eines Tages war der Himmel bewölkt. Es war eine stockfinstere Nacht. Der Gesandte (s) kam zum Nachtgebet. Auch Qatada erschien. Als ein Blitz aufleuchtete, sah der Gesandte (s) Qatada und fragte: „Qatada?“ Er antwortete: „Ich dachte, dass heute nur wenige Menschen anwesend sein würden, und bin deshalb absichtlich gekommen.“ Darauf sagte der Gesandte (s) zu ihm: „Komm auf dem Heimweg zu uns.“ Er traf den Gesandten Allahs (s). Dieser gab ihm einen Palmzweig in die Hand und sagte: „Nimm ihn. Solange du ihn in der Hand hältst, wird er vor dir zehn und hinter dir zehn [Schritte weit] erleuchten. Wenn du zu Hause ankommst und irgendwo in der Umgebung des Hauses Dunkelheit siehst, schlage damit dorthin, ohne etwas zu sagen. Denn es ist ein Satan.“ Qatada kehrte dem Befehl des Gesandten Allahs (s) entsprechend mit dem Palmzweig in der Hand nach Hause zurück. Tatsächlich sah er im Hof ein kleines, rundliches Wesen mit dichtem, grobem Haar. Als er es mit dem Zweig schlug, lief es davon.²⁴
Quellenangaben:
Khuzayma ibn Thabit (r)
Sein Name war Abu ʿAmmara Khuzayma und sein Beiname Dhu asch-Schahadatain. Sein Vater, Thabit ibn al-Faqih, stammte aus dem Stamm der Aus in Medina, und seine Mutter, Kabsha bint Aus, aus dem Stamm der Chazradsch. Da er aus dem Khatm-Zweig des Stammes Aus stammte, wurde er al-Khatmi genannt. Er war ein ansarischer Gefährte.¹ In der vorislamischen Zeit und in der islamischen Zeit war er ein angesehener Führer und tapferer Held des Stammes Aus in Medina.²
Zu irgendeiner Zeit vor der Hidschra des Gesandten Allahs (s) nach Medina nahm er den Islam an. Nachdem er den Islam angenommen hatte, zerschlug er gemeinsam mit ʿUmar ibn ʿAdī ibn Kharāsha die Götzenbilder seines Stammes.³ Ibn Hischām sagt: Zu den Angehörigen der Banū Khathma, die in der ersten Phase heimlich den Islam annahmen, gehörten ʿUmar ibn ʿAdī, ʿAbdullāh ibn Aus und Khuzayma ibn Thābit.⁴
Nach Ibn Saʿd nahm er an der Schlacht von Badr teil und starb in Siffīn.⁵ Nach der maßgeblicheren Ansicht nahm er jedoch an Uhud sowie an den darauffolgenden Schlachten und Feldzügen teil.⁶ Imām adh-Dhahabī sagt bei der Erörterung der Schlacht von Siffīn beiläufig: Unter den Gefährten, die nicht an Badr teilgenommen hatten und sich in Siffīn auf die Seite ʿAlīs stellten, war Khuzayma einer der bedeutendsten.⁷ Im Feldzug zur Eroberung Mekkas befand sich das Banner seines Stammes, der Banū Khathma, in seiner Hand.⁸ Auch am Feldzug von Muʾta nahm er teil. Er sagte: „Ich nahm am Feldzug von Muʾta teil und entriss eines Tages einem Mann einen strahlend weißen Edelstein. Nach der Schlacht brachte ich ihn zum Gesandten Allahs (s). Er schenkte ihn mir, und während der Zeit des Kalifen ʿUmar (r) verkaufte ich ihn und kaufte mit dem Erlös einen Dattelgarten in der Nähe des Stammes Khathma.⁹“ Obwohl er sich in der Kamelschlacht auf die Seite ʿAlīs (r) stellte, zog er sein Schwert nicht. In Siffīn befand er sich gemeinsam mit ʿAlī (r) auf dem Schlachtfeld und sagte: „Ich werde nicht kämpfen, bis ʿAmmār getötet worden ist und ich gesehen habe, wer ihn getötet hat. Denn ich hörte den Gesandten Allahs (s) sagen: ‚Eine aufrührerische Gruppe wird ʿAmmār töten.‘“ Als ʿAmmār daraufhin durch die Truppen Muʿāwiyas (r) getötet wurde, bemerkte er: „Nun ist die Angelegenheit klar geworden.“ Danach legte er alle Zweifel und Bedenken ab, zog sein Schwert und stürzte sich, während er leise die beiden Zeilen eines Gedichts rezitierte, ins Kampfgeschehen.¹⁰ Die Bedeutung der beiden Zeilen lautet wie folgt:
1. Wir haben Allah die Baiʿa geleistet, und für die Fitna, die wir fürchten, ist Abū l-Hasan ausreichend.
2. In ʿAlī sind alle guten Eigenschaften der Syrer vereint; doch in ihnen findet sich nicht das Geringste von den Vorzügen ʿAlīs.
So kämpfte er auf der Seite Alis (r.a.) und fiel auf dem Feld von Siffin als Märtyrer. Dies geschah im Jahr 37 nach der Hidschra/675 n. Chr.¹¹ Bei seinem Tod hinterließ er drei Kinder namens Ammar, Umar und Umara.
Er überlieferte vom Gesandten Allahs (s.a.w.s.) eine ganze Reihe von Hadithen. Insgesamt gibt es 38 (achtunddreißig) von ihm überlieferte Hadithe.¹² Bedeutende Sahaba und Tabi’un wie Jabir ibn Abdillah, Ammar ibn Uthman, Ibn Hunayf, Amr ibn Maymun al-Audi, Ibrahim ibn Sa’d ibn Abi Waqqas, Abu Abdillah al-Jadali, Abd ar-Rahman ibn Abi Layla und Ata ibn Yasar überlieferten Hadithe über seine Überlieferungskette.
Die Festigkeit seines Glaubens sowie seine tiefe Liebe und Zuneigung zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.) waren die herausragenden Merkmale seines Charakters. Ein Ereignis zeugt von seiner Glaubensfestigkeit. Einmal kaufte der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) einem arabischen Beduinen ein Pferd ab. Der Mann hieß Sawwa ibn Qays al-Muhazili. Zum Zeitpunkt dieses Kaufs und Verkaufs war niemand anderes anwesend. Daher wusste niemand davon. Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) mit ihm den Preis vereinbart und den Handel abgeschlossen hatte, ging er mit dem Mann zu seinem Haus. Unterwegs bot ein anderer Käufer für das Pferd einen höheren Preis. Da rief der Besitzer des Pferdes den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) zu und sagte: „Wenn du das Pferd nehmen willst, dann nimm es; andernfalls verkaufe ich es an diesen hier.“ Er sagte dies so, als hätte er mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) überhaupt keinen Handel abgeschlossen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sagte: „Du hast das Pferd doch bereits an mich verkauft.“ Der Mann erwiderte: „Nein, ich habe es nicht verkauft. Wenn du die Wahrheit sagst, dann bring einen Zeugen.“ Während die beiden miteinander sprachen, versammelte sich eine Gruppe von Muslimen. Sie sagten: „Der Gesandte (s.a.w.s.) spricht die Wahrheit.“ Der Mann jedoch leugnete weiterhin und verlangte, einen Zeugen beizubringen. In diesem Augenblick kam Khuzayma herbei. Nachdem er alles gehört hatte, sagte er: „Ich bezeuge, dass du das Pferd an den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) verkauft hast.“ Über diese Worte Khuzaymas war sogar der Gesandte (s.a.w.s.) erstaunt. Er fragte: „Worauf gründest du dieses Zeugnis? Du warst doch nicht anwesend.“ Khuzayma antwortete: „O Gesandter Allahs! Alles, was du gebracht hast, habe ich als wahr erkannt. Und ich weiß auch, dass du nichts außer der Wahrheit sagst.“ In einer anderen Überlieferung heißt es, Khuzayma habe gesagt: „Ich glaube all den Nachrichten, die du vom Himmel verkündest; sollte ich dir dann nicht glauben, wenn du selbst etwas sagst?“ An jenem Tag erklärte der edle Gesandte Allahs (s.a.w.s.) das alleinige Zeugnis Hadhrat Khuzaymas dem Zeugnis zweier Personen gleich und von diesem Tag an trug er den Beinamen Dhū asch-Schahādatain, „der Besitzer der beiden Zeugnisse“.¹³ Abu Dawud überliefert über Imam az-Zuhri, dass der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: „Das alleinige Zeugnis Khuzaymas genügt für jedermann.“¹⁴
In einigen Sira-Werken findet man zwei Personen, die den Beinamen Dhū asch-Schahādatain tragen. Der andere ist Khuzayma ibn Thabit ibn Schammas. Ob es sich bei beiden um dieselbe oder um zwei verschiedene Personen handelt, lässt sich nur schwer sagen. In den Biografien Nr. 2251 und 2252 des Werkes al-Isaba werden beide beschrieben.¹⁵ In Sahih al-Bukhari wird im Zusammenhang mit dem oben erwähnten Ereignis über Hadhrat Khuzayma berichtet. Hadhrat Zayd ibn Thabit überliefert: „Als wir den Mushaf zusammenstellten, fanden wir einen Vers aus der Sure al-Ahzab nicht, den wir aus dem Mund des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) gehört hatten. Dieser Vers befand sich jedoch nur bei Khuzayma al-Ansari. Und der Gesandte (s.a.w.s.) hatte sein Zeugnis dem Zeugnis zweier Personen gleichgestellt.“¹⁶ Vieles über seine Ehre und seinen Rang wird in den Sira-Werken berichtet. Einmal sah er im Traum, dass er die heilige Stirn des edlen Gesandten küsste. Nachdem er dem Gesandten (s.a.w.s.) von dem Traum erzählt hatte, sagte dieser: „Du kannst deinen Traum in die Wirklichkeit umsetzen.“ Daraufhin stand Khuzayma auf, trat vor und küsste die heilige Stirn des Gesandten (s.a.w.s.).¹⁷
In einigen Überlieferungen heißt es, dass er träumte, er würde sich vor dem Gesandten (s.a.w.s.) niederwerfen. Nachdem er dies dem Gesandten (s.a.w.s.) erzählt hatte, berührte dieser mit seiner eigenen Stirn Khuzaymas Stirn.¹⁸ Einmal kam es zwischen den beiden Stämmen Aus und Khazradsch zu einem Wortstreit über Adel, Vorrang und edle Abstammung. Da erwähnten die Leute auch Khuzayma mit großem Stolz und sagten: „Unter uns gibt es Khuzayma, dessen Zeugnis der Gesandte (s.a.w.s.) dem Zeugnis zweier Personen gleichgestellt hat.“¹⁹
Quellen:
Abu Dujana (r.a.)
Sein eigentlicher Name war Simak, und sein Beiname war Abu Dujana. Er stammte aus dem Zweig Banu Sa’ida des bekannten medinensischen Stammes Khazradsch. Er war der Cousin des berühmten Sahabi und Anführers des Khazradsch, Hadhrat Sa’d ibn Ubada (r.a.). Sein Vater hieß Kharascha ibn Lauzan, nach einer anderen Meinung Aws ibn Kharascha, und seine Mutter Hazma bint Harmala.¹ Abu Dujana war ein angesehener ansarischer Sahabi und ein tapferer Held. Sein großer selbstloser Einsatz für die Verbreitung und Festigung des Islam ist anerkannt.²
Er nahm bereits vor der Hidschra den Islam an. Als der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.) nach Medina kam, begründete er zwischen ihm und ʿUtba ibn Ghazwān (r.a.) eine religiöse Bruderschaft.³ Der große Gelehrte Ibn Hadschar (r.h.) berichtete, dass unter den Historikern Einigkeit darüber herrsche, dass er an der Schlacht von Badr teilgenommen habe.⁴ Auch Ibn Hischām erwähnte seine Teilnahme an Badr.⁵ Am Tag der Schlacht von Badr trug er ein rotes Stirnband auf dem Kopf. Mūsā ibn Muhammad sagte: „An jenem Tag war er wegen dieses roten Stirnbands inmitten der Menschen deutlich zu erkennen.“⁶ Abū l-Aswad ibn al-Muttalib gehörte zu denjenigen in Mekka, die den ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.) grausam verspotteten und verhöhnten. Einer Überlieferung zufolge tötete Abū Dujāna bei Badr seinen Sohn Abū Hakīma Zamʿa ibn al-Aswad. Außerdem tötete er Abū Musāfiʿ al-Aschʿarī und Maʿbad ibn Wahb.⁷
Abū Dujāna war auch bei der Schlacht von Uhud beim Gesandten Allahs (s.a.). Selbst im Augenblick äußerster Bedrängnis blieb er fest an seiner Seite. An jenem Tag gelobte er dem Gesandten Allahs (s.a.) Treue bis zum Tod. Anas ibn Mālik berichtet: Kurz vor der Schlacht nahm der Gesandte (s.a.) ein Schwert in die Hand und sagte: „Wer nimmt dieses Schwert?“ Als alle Anwesenden die Hände danach ausstreckten, schwiegen sie anschließend; doch Abū Dujāna sagte: „Ich kann sein Recht erfüllen.“ In einigen Überlieferungen heißt es, Abū Dujāna habe den Gesandten (s.a.) gefragt: „Was ist sein Recht?“ Er antwortete: „Damit keinen Muslim zu töten und damit nicht aus Furcht vor den Ungläubigen zu fliehen.“⁸
Es war seine Gewohnheit, sich während des Kampfes ein rotes Stirnband um den Kopf zu binden. Wenn er es band, wusste man, dass er für den Kampf bereit war. Er nahm das Schwert aus der Hand des Gesandten Allahs (s.a.) und band sich das Stirnband um den Kopf. Dann stellte er sich mit vornehmer Haltung in die Reihe der Soldaten.⁹ Nach einiger Zeit stürmte er, leise einige Verse eines Gedichts singend, auf das feindliche Heer zu. Die Bedeutung der beiden Verse lautet wie folgt:¹⁰
1. Ich bin derjenige, dem mein Freund am Fuß des Berges nahe den Dattelgärten ein Versprechen gegeben hatte.
2. Ich soll nicht am hinteren Ende der Soldatenreihe stehen. Und er hatte befohlen, die Feinde mit dem Schwert Allahs und Seines Gesandten (s.a.) zu vernichten.
Er ging mit vornehmer Haltung auf das Schlachtfeld von Uhud zu. Als der Gesandte (s.a.) dies sah, bemerkte er: „Auch wenn eine solche Gangart Allah nicht gefällt, ist sie in diesem Fall nicht zu beanstanden.“¹¹
Der ehrwürdige az-Zubair ibn al-ʿAwwām sagte: „Noch vor Abū Dujāna hatte ich um dieses Schwert gebeten. Doch der Gesandte (s.a.) gab es nicht mir, sondern ihm. Dabei bin ich der Sohn der Tante des Gesandten Allahs (s.a.), Safiyya bint ʿAbd al-Muttalib. Daher folgte ich ihm, um das Geheimnis zu erfahren, weshalb das Schwert ihm gegeben worden war. Er rückte mit dem vom Gesandten (s.a.) verliehenen Schwert in der Hand vor. Wohin er auch vordrang, verbreitete sich Schrecken unter den Feinden. Schließlich stieg er den Berghang hinab, wo die Frauen der Quraisch unter der Führung Hindas Kriegslieder sangen und ihre Soldaten anfeuerten. Als sie Abū Dujāna sahen, bekamen sie Angst und begannen um Hilfe zu schreien. Doch niemand kam ihnen zu Hilfe. Nein, Abū Dujāna berührte keine von ihnen. Er kehrte zurück. Einer Überlieferung zufolge setzte er das Schwert über Hindas Kopf an, nahm es dann aber wieder zurück. Az-Zubair war hinter ihm. Beim Anblick dieser Szene war er erstaunt und fragte nach dem Grund. Abū Dujāna antwortete: „Ich wollte mit dem Schwert des Gesandten Allahs (s.a.) keine wehrlose Frau töten.“¹²
Als sich bei der Katastrophe von Uhud eine kleine Zahl von Soldaten um den Gesandten (s.a.) scharte und unbeirrt ihren Körper zu einem Schutzschild machte, gehörte Abū Dujāna zu ihnen.¹³ An jenem Tag schützte er den Rücken des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.), indem er ihm seinen eigenen Rücken darbot. Daher war sein Rücken von den Pfeilen und Speerstichen, die der Feind abgeschossen und ausgestoßen hatte, völlig durchbohrt.¹⁴
In einem Abschnitt dieser Schlacht rückte der Götzendiener Abdullah ibn Humayd mit der Absicht vor, den Gesandten (s.a.) zu töten. Abu Dujana versetzte ihm mit seinem Schwert einen gewaltigen Hieb und rief: »Nimm das! Ich bin Ibn Kharasha.« Durch diesen Hieb wurde der niederträchtige Abdullah zu Boden gestreckt. Daraufhin sprach Hazrat Rasul-e-Karim (s.a.) für ihn folgendes Bittgebet: »O Allah! Sei mit Ibn Kharasha zufrieden, denn ich bin mit ihm zufrieden.«15
Nach dem Ende der Schlacht von Uhud kehrte der Gesandte (s.a.) vom Schlachtfeld zurück und sagte zu seiner Tochter Fatima (r.a.): »Nimm mein Schwert und wasche es. Heute hat es seine Treue bewiesen.« Auch Hazrat Ali (r.a.) richtete dieselbe Bitte an Fatima und sagte: »Heute habe ich sehr tapfer gekämpft.« Der Gesandte (s.a.) erwiderte: »Ja, wenn du gut gekämpft hast, dann haben auch Sahl ibn Hunayf und Abu Dujana gut gekämpft.«16
Allah, der Erhabene, übertrug dem Gesandten (s.a.) das Eigentum an der gesamten Beute von Banu Nadir. Er verteilte dieses Vermögen ausschließlich unter den Muhadschirun der ersten Generation. Wegen ihrer Armut gab er jedoch auch den beiden Ansar, Sahl ibn Hunayf und Abu Dujana, jeweils einen Anteil. Damals erhielt Abu Dujana etwas Land, das noch lange als das Land Ibn Kharashas bekannt war.17
Einer Überlieferung zufolge übertrug Hazrat Rasul-e-Karim (s.a.) während der Schlacht von Tabuk Abu Dujana das Banner des Stammes Chazradsch.18
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass er an allen Schlachten und Feldzügen, die sich zu Lebzeiten Hazrat Rasul-e-Karims (s.a.) ereigneten, eine bedeutende Rolle spielte. Der Verfasser des Werkes Al-Isti’ab schrieb: »In allen Kriegen zur Zeit des Gesandten Allahs (s.a.) spielte er eine lobenswerte Rolle.«19
In der schrecklichen Schlacht von Yamama, die während des Kalifats des ersten Kalifen Hazrat Abu Bakr (r.a.) stattfand, bewies er äußersten Mut. Die Schlacht richtete sich gegen den falschen Propheten Musaylima al-Kadhdhab. Dieser wehrte aus einem befestigten Garten heraus den Angriff der muslimischen Armee ab. Da der Garten von starken Mauern umgeben war, scheiterte die muslimische Armee wiederholt beim Versuch, in ihn einzudringen. Abu Dujana dachte über die Angelegenheit nach und sagte dann: »Meine muslimischen Brüder! Werft mich hinein.« So sprang er über die Mauer, brach sich jedoch das Bein. Trotzdem gelang es ihm, die Feinde vom Tor der Festung zu vertreiben, und er hielt an seiner Stellung fest, bis die muslimischen Soldaten eingedrungen waren. Gemeinsam mit Abdullah ibn Zayd und Wahschi beteiligte er sich an der Tötung des falschen Propheten Musaylima. Schließlich erlitt er in einem Abschnitt dieser Schlacht den Märtyrertod. Nach Ibn Sa’d geschah dies im Jahr 12 nach der Hidschra, nach dem Gelehrten az-Zirikli im Jahr 11 nach der Hidschra beziehungsweise 632 n. Chr.20
Obwohl kein Hadith über Abu Dujana überliefert wurde, heißt es bei Ibn al-Athir: »Er war einer der geehrten Gefährten und unter ihnen ein Mann von hohem Rang.«21
In ihm war eine starke Glaubensbegeisterung. Den Beweis dafür erbrachte er in der Schlacht von Yamama. Seine tiefe Liebe zu Hazrat Rasul-e-Karim (s.a.) bewies er in der Schlacht von Uhud. Als die muslimische Armee in einem äußerst kritischen Abschnitt dieser Schlacht auseinandergerissen wurde und weit vom Gesandten (s.a.) fortgeschleudert wurde, gehörten Mus’ab ibn ‘Umayr und Abu Dujana zu den wenigen Soldaten, die sich in seiner Nähe befanden und ihre Brust als Schutzschild darboten. Mus’ab gab sogar sein Leben hin. Abu Dujana aber stellte mit seinem von Pfeilen und Schwertern durchbohrten Körper ein Beispiel der Liebe auf.
Seine Gangart war von ganz besonderer Art und war damals geradezu zu einem Vorbild geworden. Er besaß eine Rüstung namens „al-Mashhara“. Im Krieg trug er sie. Deshalb wurde er „Dhu l-Mashhara“ (der Besitzer von al-Mashhara) genannt. Man nannte ihn auch „Dhu as-Saifain“, denn in Uhud kämpfte er mit zwei Schwertern: dem einen, das ihm selbst gehörte, und dem anderen, das dem Gesandten Allahs (s.a.w.) gehörte. „Dhu as-Saifain“ bedeutet: der Besitzer zweier Schwerter.²²
Einmal lag Abu Dujana krank danieder. Ein Mann kam, um ihn zu besuchen. Als er auf seinem Gesicht einen Lichtglanz wahrnahm, fragte er: „Weshalb ist Ihr Gesicht so strahlend?“ Er antwortete: „Abgesehen von zwei Gewohnheiten habe ich keine besondere Tat vorzuweisen. Die eine ist, dass ich kein unnötiges Wort spreche. Die andere ist, dass mein Herz stets um das Wohlergehen der Muslime bemüht ist.“²³ Aus der vorstehenden Darstellung lässt sich ein klares Bild von seinem tatkräftigen Leben, seinem Charakter und seinen Eigenschaften gewinnen.
Quellenangaben:
Kulsum ibn al-Hidam (r.a.)
Wann immer man in der Geschichte des Islam das Kapitel über die Hidschra behandelt, begegnet man immer wieder dem geheiligten Namen von Hadhrat Kulsum ibn al-Hidam (r.a.). Auch wenn sein Beitrag zur Verbreitung und Förderung des Islam nicht besonders bedeutend war, bleibt er doch dadurch in Erinnerung, dass er jenen, die dazu beitrugen, Unterkunft gewährte. Eine ausführliche Lebensgeschichte von ihm ist nicht überliefert.
Sein Beiname war Abu Qais, und sein eigentlicher Name war Kulsum. Sein Vater war al-Hidam ibn Imraʾul-Qais. Er war ein Nachkomme von ʿAmr ibn ʿAuf aus dem Stamm der Aus. Er lebte im Quba-Viertel von Medina und war ein ansarischer Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.). Er nahm noch vor der Hidschra den Islam an. Zu jener Zeit war bereits das Alter in sein Leben eingekehrt. Wenige Tage nach seinem Übertritt zum Islam ereignete sich die historische Hidschra.¹
Nach seiner Auswanderung von Mekka hielt sich Hadhrat Rasul-e Karim (s.a.w.) zunächst vier Tage im Quba-Viertel am Stadtrand von Medina beim Stamm der ʿAmr ibn ʿAuf auf.² Nach der zuverlässigsten Überlieferung war es dieser Kulsum ibn al-Hidam (r.a.), der während dieser vier Tage das seltene Glück hatte, Hadhrat Rasul-e Karim (s.a.w.) und seinen edlen Gefährten Gastfreundschaft zu erweisen. Der Gesandte (s.a.w.) und Abu Bakr (r.a.) kamen nach Quba und wohnten in seinem Haus. Darin stimmen Ibn Ishaq, Musa ibn ʿUqba und al-Waqidi überein.³ Ibn Ishaq sagt: Der Gesandte (s.a.w.) stieg in Quba im Haus Kulsums ab. Zu der Behauptung mancher, er habe nicht bei Kulsum, sondern im Haus von Saʿd ibn Chaitsamah gewohnt, sagt er: Der Gesandte (s.a.w.) hielt sich im Haus Kulsums auf und empfing die Menschen im Haus Saʿds. Denn Saʿd war unverheiratet und hatte keine Familie. Deshalb fanden die unverheirateten Muhadschirun, die aus Mekka kamen, gerade im Haus Saʿds Unterkunft. Daher bezeichneten die Menschen dieses Haus als Wohnstätte der Unverheirateten.⁴ Nach einem viertägigen Aufenthalt in seinem Haus wohnte er im eigentlichen Stadtgebiet von Medina im Haus von Abu Ayyub al-Ansari (r.a.).
Über die Ankunft von Hadhrat Rasul-e Karim (s.a.w.) freute er sich so sehr, dass er begann, laut nach den Dienern des Hauses zu rufen. Einer seiner Diener hieß Nadschih. Als der Gesandte (s.a.w.) in seinem Haus eintraf, begann er immer wieder „Nadschih, Nadschih!“ zu rufen. Nadschih bedeutet „erfolgreich“. Der Gesandte (s.a.w.) betrachtete diesen Namen als ein gutes Omen. Er sagte zu Abu Bakr (r.a.): „O Abu Bakr, du bist erfolgreich gewesen.“⁵
Waren etwa nur der ehrwürdige Gesandte (s.a.s.) und Abu Bakr (r.a.) Gäste in seinem Haus? Nein, keineswegs. Viele andere kamen aus Mekka und fanden zunächst bei ihm Zuflucht. Al-Waqidi berichtet, dass Ali (r.a.) und Suhaib während des Aufenthalts des Gesandten (s.a.s.) in seinem Haus in Quba aus Mekka kamen und dort zum Gesandten (s.a.s.) stießen. Als sie den Gesandten Allahs (s.a.s.) trafen, stand vor ihm eine von Kulthum ibn al-Hidm dargereichte, besonders hochwertige Dattelsorte namens Umm Dschardschan. Suhaib war damals sehr hungrig. Außerdem litt er an einer Augenkrankheit. In diesem Zustand begann er, die Datteln mit großer Freude zu essen. Als der Gesandte (s.a.s.) ihn so essen sah und nach dem Grund fragte, antwortete er: „Die Quraisch nahmen mich gefangen und quälten mich. Dann habe ich mit meinem gesamten Vermögen das Leben meiner selbst und meiner Familie freigekauft und bin so schnell wie möglich hierhergekommen.“ Der Gesandte (s.a.s.) sagte: „Du hast Gewinn gemacht.“⁶
Al-Baladhuri berichtet von einem Ereignis aus Alis (r.a.) Aufenthalt im Haus von Kulthum ibn al-Hidm. Während er dort verweilte, bemerkte er, dass jede Nacht tief in der Nacht die Tür eines benachbarten Hauses geöffnet wurde und man die Geräusche ein- und ausgehender Menschen hörte. Das weckte seine Neugier. Eines Tages fragte er die Frau aus dem Nachbarhaus nach dem Grund. Die Frau sagte: „Mein Herr, ich bin eine verwaiste Witwe. Sahl ibn Hunayf zerbricht jede Nacht heimlich die aus Holz gefertigten Götzenbilder von Medina und bringt mir das Holz als Brennmaterial.“⁷ Daraus ist ersichtlich, dass sein Aufenthalt im Haus von Kulthum ziemlich lange dauerte.
Außerdem fanden Abu Maʿbad al-Miqdad ibn al-Aswad (r.a.)⁸, Zayd ibn Haritha (r.a.)⁹, Abu Asada Qannayi ibn Hisn (r.a.)¹⁰ und Abu Kabsha (r.a.)¹¹, nachdem sie aus Mekka gekommen waren, zuerst bei ihm Zuflucht. Nach al-Haytham ibn ʿAdi wohnte auch Abu ʿUbayda ibn al-Dscharrāh (r.a.) zunächst in seinem Haus. Wenn man die Seiten der Geschichte umblättert, findet man noch die Namen vieler anderer Muhadschirun, denen er in jener äußerst schweren Zeit Zuflucht gewährte.
Nachdem der ehrwürdige Gesandte (s.a.s.) nach Medina gekommen war, stiftete er zwischen Kulthum und Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib (r.a.) eine Muʾākhāt, also eine religiöse Bruderschaft.¹³
Während in Medina der Bau der Prophetenmoschee und der Wohnräume der Ehefrauen des Gesandten Allahs (s.a.s.) im Gange war, ereilte ihn bereits der Ruf ins Jenseits. Wenige Tage nach seinem Tod fand die Schlacht von Badr statt. Er erhielt keine Gelegenheit, an einem Krieg oder Feldzug mit dem Gesandten Allahs (s.a.s.) teilzunehmen.¹⁴ Dies war der erste Tod eines ansarischen Gefährten nach der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.s.) in Medina. Wenige Zeit später verstarb der große Verkünder des Islam, der ehrwürdige Abu Umama (r.a.). Außerdem starb einige Zeit danach ein weiterer ansarischer Gefährte, der ehrwürdige Asʿad ibn Zurara.¹⁵ At-Tabari und Ibn Qutayba erwähnen, dass unter den Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.s.) in Medina Kulthum ibn al-Hidm zuerst starb. Danach starb Asʿad ibn Zurara (r.a.).¹⁶
Quellen:
Schaddad ibn Aus (r.a.)
Sein Name war Schaddad, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abu Yaʿla oder Abu ʿAbd ar-Rahman. Er stammte aus dem Zweig Banu Nadschdschār des berühmten medinensischen Stammes Chazradsch. Er war der Neffe des berühmten Dichters dieses Stammes, des ehrwürdigen Hassan ibn Thabit (r.a.), der als „Dichter des Gesandten“ und „Dichter al-Manzira“ bekannt war. Der Dichter Hassan war der Bruder von Schaddads Vater, Aus ibn Thabit.¹ Seine Mutter Surayma war die Tochter aus dem Unterstamm ʿAdi der Banu Nadschdschār.²
Schaddads leiblicher Vater, Hadhrat Aus ibn Thabit (ra), erlangte die Ehre, am letzten Treueid von Aqaba und an der Schlacht von Badr teilzunehmen. In der Schlacht von Uhud erlitt er den Märtyrertod.3
Hadhrat Schaddad war ein Gefährte und ein Befehlshaber. Der Kalif Hadhrat Umar (ra) ernannte ihn zum Befehlshaber von Hims. Als der dritte Kalif, Hadhrat Uthman (ra), den Märtyrertod erlitt, zog er sich von allen Aufgaben zurück und widmete sich dem Gottesdienst. Er war ein redegewandter, geduldiger und gelehrter Mann.4 Schon in der ersten Phase der Verkündung des Islam in Medina nahm beinahe der gesamte Stamm einschließlich seines Onkels den Islam an. Auch er bekannte sich gemeinsam mit ihnen zum Glauben.5 Da Schaddad damals noch nicht das Alter erreicht hatte, in dem man in den Krieg zog, ist bekannt, dass er an keinem Feldzug mit Hadhrat Rasul-e-Karim (s) teilnahm. Nach Imam Buchari nahm er an der Schlacht von Badr teil. Allama Ibn Asakir und viele andere erklärten jedoch, dass dies nicht zutreffe.6
Im Jahr 58 nach der Hidschra, im Jahr 677 n. Chr., starb er im Alter von 75 Jahren in Palästina und wurde in Bait al-Maqdis beigesetzt.7 Es gibt jedoch auch unterschiedliche Auffassungen, wonach er in den Jahren 41, 54 oder 64 nach der Hidschra gestorben sein soll.8
Hafiz und Hakim überlieferten, dass Hadhrat Schaddad vier Söhne und eine Tochter hinterließ. Die Söhne waren: Ya’la, Muhammad, Abd al-Wahhab und al-Mundhir. Ya’la starb kinderlos. Über die Nachkommenschaft der anderen sind Überlieferungen erhalten. Die Tochter heiratete in den Stamm der Azd ein, und ihre Nachkommenschaft lässt sich bis zum Jahr 130 nach der Hidschra verfolgen. In diesem Jahr erhob sich Abu Muslim aus Chorasan und die Umayyaden-Dynastie fiel. Im selben Jahr ereignete sich in Scham und Bait al-Maqdis ein verheerendes Erdbeben. Bei diesem Ereignis kamen viele Nachkommen der dort ansässigen Ansar ums Leben. Die Kinder Schaddads starben unter den einstürzenden Gebäuden. Sein Sohn Muhammad jedoch überlebte irgendwie. Er lebte als Invalide bis zur Zeit des Kalifen al-Mahdi.
Ein Paar Sandalen des geehrten Rasul-e-Karim (s) befand sich in der Obhut Hadhrat Schaddads. Eine davon gelangte durch seine Tochter in den Besitz seiner Nachkommen. Als der Kalif al-Mahdi Bait al-Maqdis besuchte, nahm er ihnen diese Sandale für eintausend Dinar und zahlreiche Geschenke ab. Über die verbliebene Sandale wurde ihm mitgeteilt, dass sie sich in der Obhut von Muhammad ibn Schaddad befinde. Als al-Mahdi dort eintraf, verlangte er die Sandale. Dieser bat ihn mit großer Demut und Höflichkeit: »Nehmen Sie den Nachkommen nicht das weg, was der Rasul (s) seinem Gefährten durch diese Sandale an Ehre verliehen hat.« Al-Mahdi war gerührt und gestattete ihnen, die Sandale bei sich zu behalten.9
Hadhrat Schaddad war einer der gelehrtesten Gefährten. Hadhrat Ubada ibn as-Samit (ra) war gleichsam eine Säule der Umma und ein Mittelpunkt des Wissens in der Gemeinschaft der Gefährten. Er sagte: »Die Menschen sind von zweierlei Art. Einige sind wissend, aber sehr jähzornig. Andere sind geduldig, aber töricht und unwissend.« In Schaddad waren Wissen und Geduld vereint.10 Hadhrat Abu ad-Darda (ra) sagte: »Manchen Menschen wurde Wissen (Ilm) gegeben, aber keine Nachsicht (Hilm); bei Abu Ya’la Schaddad waren jedoch beides vereint.«11 Er sagte ferner: »Jede Umma hat einen Faqih (Kenner der religiösen Angelegenheiten), und der Faqih dieser Umma ist Schaddad. Ihm wurden Wissen und Weisheit geschenkt.«12
Eines Tages saßen Hadhrat Ibn Ghanam, Abu ad-Darda und Ubada ibn as-Samit in der Moschee von Jabia und unterhielten sich. Da kam Hadhrat Schaddad und sagte: »Leute! Ich fürchte um euch. Meine Befürchtung gründet sich darauf, dass der Rasul (s) gesagt hat: ›Meine Umma wird den Neigungen folgen und in Schirk verfallen.‹« Der letzte Teil dieser Aussage war erstaunlich. Daher widersprachen Abu ad-Darda und Ubada und führten zur Unterstützung ihrer Auffassung einen Hadith an. Dieser lautet, dass Satan auf der Arabischen Halbinsel hinsichtlich seiner Verehrung die Hoffnung aufgegeben habe. »Was bedeutet es dann, dass wir Muschrik werden?«, fragten sie.
Schaddad sagte: „Was meinst du von einem Menschen, der betet und die Zakāt entrichtet, um von den Leuten gesehen zu werden?“ Sie antworteten: „Er ist ein Muschrik (Götzendiener).“ Darauf sagte er: „Ich habe den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über einen solchen Menschen sagen hören: Wer all diese Taten tut, um von den Leuten gesehen zu werden, ist ein Muschrik.“ Auch Hadhrat Auf ibn Mālik war bei ihnen. Er sagte: „Keine Tat, in der sich Riyā’ – also Schirk – befindet, wird angenommen.“ Demzufolge sollten wir uns nicht auf unsere eigenen Taten verlassen. Hadhrat Schaddad erwiderte: „Im Hadīth Qudsī heißt es: Die gesamten Taten der Muschrikūn werden ihrem angebeteten Gott beziehungsweise ihrem Ma‘būd übergeben. Allah ist nicht bedürftig und nicht auf sie angewiesen.“¹³ Diese Ansicht Hadhrat Schaddads entspricht genau der Aussage des Qur’an. Im Qur’an heißt es, dass Allah die Sünde des Schirk unter keinen Umständen vergibt. Er besaß tiefgehendes Wissen und große Urteilskraft in der Hadīth-Wissenschaft. In dieser Hinsicht folgte er den Grundsätzen von Dirāya und Naqd. Hadhrat Abū Dharr al-Ghifārī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) war für Zuhd und Qanā‘at – Askese und Genügsamkeit – berühmt. Gegen ein genussorientiertes Leben entfachte er in ganz Schām eine gewaltige Bewegung. Zur Unterstützung seiner Ansichten und seiner Bewegung überlieferte er zahlreiche Hadīthe. Dadurch entstand große Unruhe. Über ihn sagte Hadhrat Schaddad (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Abū Dharr hörte aus dem Mund des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Hadīth, in dem eine gewisse Strenge enthalten war. Dann kehrte er zu seinem Stamm zurück und verbreitete ihn. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) milderte diese Strenge später etwas ab. Abū Dharr wusste davon jedoch nichts und blieb bei jener Strenge.“¹⁴ Die Zahl der über die Überlieferungskette Hadhrat Schaddads (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) überlieferten Hadīthe beträgt fünfzig. (Allāma Ziriklī sagte, sie seien allesamt in den beiden Sahīh-Werken überliefert.)¹⁵ Diese Hadīthe hörte er vom Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und einige auch von Ka‘b al-Ahbār (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).¹⁶ Viele derjenigen, die von ihm Hadīthe überlieferten, stammten aus Schām. Zu den bedeutenden unter ihnen gehörten: Mahmūd ibn Labīd, seine beiden Söhne Muhammad und Ya‘lā, Abū al-Asch‘ath as-Saffīn, Damra ibn Habīb, Abū Idrīs al-Chaulānī, Mahmūd ibn Rabī‘, ‘Abd ar-Rahmān ibn Ghanam, Baschīr ibn Ka‘b, Dschubair ibn Nufair, Abū Asmā’ ar-Rahabī, Hassān ibn ‘Atiyya, ‘Ubāda ibn Bāsānī al-Handschalī und andere.¹⁷ Er war ein äußerst gottesfürchtiger und hingebungsvoller ‘Ābid. Aus Furcht vor Allah zitterte er ständig. Meistens legte er sich nachts zum Ausruhen nieder. Nach kurzer Zeit setzte er sich wieder auf und verbrachte die ganze Nacht im Gebet. Manchmal hörte man ihn sagen: „Allāhumma innan-nāra qad hālat bainī wa bainan-naum.“ – „O mein Herr! Das Feuer der Hölle hat sich zwischen mich und den Schlaf gestellt. Die Hölle hat mir den Schlaf genommen.“ Hier ist eine Bemerkung von Asad ibn Wadi‘a erwähnenswert: Wenn Schaddad sich nachts zu Bett legte, war er aus Furcht vor Allah äußerst unruhig und verängstigt.¹⁸ Die Veränderungen, die sich unter den Muslimen nach dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und der rechtgeleiteten Kalifatszeit vollzogen, nahm er sehr eindringlich wahr. ‘Ubāda ibn Nāsi berichtet: „Einmal, als Schaddad ibn Aus an uns vorbeiging, ergriff er meine Hand, führte mich in sein Haus und begann dann zu weinen. Als wir das sahen, begannen auch wir zu weinen. Er fragte: ‚Warum weint ihr?‘ Wir sagten: ‚Als wir dich weinen sahen, mussten auch wir weinen.‘ Er sagte: ‚Wir haben uns an einen Hadīth des Gesandten Allahs erinnert. Er hatte gesagt: „Am meisten fürchte ich für meine Umma, dass sie ihren Leidenschaften folgt, ihren Wünschen und Begierden verfällt und Schirk begeht.“‘ Wir fragten: ‚Werden deine Anhänger zu Muschrikūn werden?‘ Er sagte: ‚Ja. Allerdings nicht in dem Sinne, dass sie Sonne, Mond, Statuen oder Steine anbeten. Unter ihnen werden Riyā’ und die Verehrung der eigenen Leidenschaften sichtbar werden. Alle Menschen werden fasten, doch wenn ihre Leidenschaften es verlangen, werden sie das Fasten bedenkenlos brechen.‘“¹⁹ Es gehörte zu seiner Gewohnheit, Freunde, Verwandte und Angehörige zu besuchen und sich nach ihnen zu erkundigen, wenn sie erkrankten. Abū al-Asch‘ath as-Saghānī hielt sich in der dem Schām nahen Moschee von Damaskus auf. Einmal traf Schaddad (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ihn unterwegs. Er fragte: „Wohin gehst du?“ Schaddad antwortete: „Wir gehen, um einen kranken Bruder von uns zu besuchen.“ Auch er schloss sich ihnen an. Als sie eintraten, fragte er den Kranken: „Wie geht es dir?“ Die Antwort lautete: „Es geht mir gut.“ Hadhrat Schaddad sagte: „Ich verkünde dir die frohe Botschaft, dass Krankheit und Leiden eine Sühne für Sünden sind.“ In einem Hadīth heißt es: „Wer Allah für Seine Prüfung lobt und mit Ihm zufrieden ist, wird rein und unbefleckt wie ein neugeborenes Kind, das gerade aus dem Mutterleib hervorgekommen ist.“²⁰ Zur Zeit der Eroberung Mekkas ging der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eines Tages zum Baqī‘-Friedhof in Medina. Hadhrat Schaddad war bei ihm, und der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt eine seiner Hände.²¹ Aus diesem Ereignis lässt sich die Beziehung Schaddads zum Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erahnen.
Einmal begab er sich zum Dienst des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Ausdruck von Niedergeschlagenheit auf seinem Gesicht sah, fragte er: „Was ist geschehen?“ Er sagte: „O Gesandter Allahs! Die Erde ist für dich eng geworden.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Die Erde wird für dich nicht eng bleiben. Schām und Bait al-Maqdis werden erobert werden. Du und deine Kinder werdet dort Imame sein.“²² Diese Prophezeiung erfüllte sich buchstäblich. Später ließ er sich gemeinsam mit seinen Kindern in Bait al-Maqdis nieder, und ganz Schām wurde zu einem Zentrum des Wissens und der Spiritualität.
Einmal verabschiedete Schaddad eine Gruppe von Mudschāhidūn, die zum Dschihād aufbrachen. Als sie ihn zum Essen mit ihnen einluden, sagte er: „Wenn ich seit dem Treueschwur an der Hand des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Gewohnheit gehabt hätte, zu essen, ohne zu wissen, woher die Speise stammt, würde ich gewiss mit euch essen.“²³ Ibn Sa‘d überlieferte von Chālid ibn Ma‘dān, dass Chālid sagte: „Unter den Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die in Schām noch am Leben sind, gibt es niemanden, der vertrauenswürdiger, nachdenklicher und zufriedener ist als ‘Ubāda ibn Sāmit und Schaddad ibn Aus.“²⁴
Über das Aufheben und Vergessen des Wissens überlieferte auch Auf ibn Mālik al-Aschdschā‘ī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) einen Hadīth vom Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Als ein Mann Schaddad (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hierzu befragte, sagte er: „Auf hat die Wahrheit gesagt.“ Dann sagte er: „Soll ich dir sagen, welches Wissen als Erstes aufgehoben wird?“ Der Mann antwortete: „Ja.“ Er sagte: „Die Gottesfurcht. Du wirst nicht einmal mehr einen gottesfürchtigen Menschen sehen.“²⁵ Schaddad ibn Aus pflegte zu sagen: „Ihr seht nichts außer dem Grund und der Ursache von Gutem und Wohlergehen. Ebenso seht ihr nichts außer dem Grund und der Ursache von Übel und Unheil. Alles Gute gehört zum Paradies, und alles Üble gehört zur Hölle. Diese Welt ist ein gegenwärtiges Genussgut, das sowohl die Guten als auch die Schlechten genießen. Das Jenseits aber ist die wahre Verheißung; dort herrscht der allmächtige König. Jeder Mensch hat Nachkommen. Seid Kinder des Jenseits und nicht Kinder dieser Welt.“²⁶
Er war sehr geduldig und sprach wenig. Wenn er jedoch mit den Menschen sprach, waren seine Worte äußerst lieblich und fesselnd. Sa‘īd ibn ‘Abd al-‘Azīz sagte: „Schaddad ist uns in zwei Eigenschaften voraus: in Beredsamkeit beim Sprechen und in Geduld, Nachsicht und Großmut im Zorn.“²⁷ Wie wenig er sprach, zeigt eine seiner Bemerkungen. Einmal sagte er zu einem seiner Gefährten: „Bring die Wegzehrung, damit wir ein wenig essen.“ Der Gefährte sagte: „Solche Worte habe ich noch nie aus deinem Mund gehört!“ Er erwiderte: „Seit ich den Islam angenommen habe, habe ich meinem Mund einen Zaum angelegt. Heute sind diese Worte unversehens aus meinem Mund gekommen. Vergesst sie; so etwas wird nie wieder geschehen.“²⁸
Einmal fragte Muʿāwiya Schaddād: „Schaddād, sag mir: Ist ʿAlī ibn Abī Tālib nicht besser? Wer von uns beiden ist dir lieber?“ Schaddād antwortete: „ʿAlī ist früher ausgewandert, hat gemeinsam mit dem Gesandten Allahs mehr gute Taten vollbracht, ist mutiger als du und besitzt ein großzügigeres Herz als du.“ Als er von Liebe sprach, sagte er: „ʿAlī ist gegangen. Heute setzen die Menschen größere Hoffnungen in dich.“²⁹
Quellen:
Muʿādh ibn ʿAfrāʾ (möge Allah mit ihm zufrieden sein)
Der Vater von Muʿādh hieß al-Hārith ibn Rāfiʿa an-Najjārī, seine Mutter ʿAfrāʾ bint ʿUbaid. Er stammte aus dem Zweig Banū an-Najjār des berühmten medinensischen Stammes der Chazradsch. Bekannt war er jedoch nicht nach dem Namen seines Vaters. Ibn Saʿd sagt, dass er seiner Mutter zugerechnet wurde.¹ Seine Mutter ʿAfrāʾ heiratete zunächst al-Hārith ibn Rāfiʿa al-Chazradschī. Aus dieser Ehe gingen ihre beiden Söhne Muʿādh und Muʿawwidh hervor. Danach trennten sie sich. ʿAfrāʾ reiste zur Haddsch nach Mekka und heiratete dort al-Bukair ibn ʿAbd Yalīl al-Laisī. Nachdem sie dort vier Söhne namens ʿAqīl, Iyās, ʿIkrima und Chālid geboren hatte, kehrte sie wieder nach Medina zurück. Ihr früherer Ehemann al-Hārith nahm sie erneut zu sich. Nun wurde ihr Sohn ʿAuf geboren.² Dies alles ereignete sich in ihrem Leben vor dem Islam.
ʿAfrāʾ (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war eine vom Glück begünstigte Frau. Sie nahm den Islam an und erlangte selbst die ehrenvolle Stellung einer Ṣaḥābiyya. Darüber hinaus wurde ihr die seltene Ehre zuteil, Mutter von drei Söhnen wie Muʿādh, Muʿawwidh und ʿAuf zu sein. Alle drei Söhne waren berühmte Kämpfer von Badr.³ Die beiden Letztgenannten wurden bei Badr zu Märtyrern.⁴ Darüber hinaus waren sie es, die den größten Feind des Islam, Abū Dschahl, in Badr gemeinsam angriffen und töteten.
Noch bevor im Tal von ʿAqaba die Huldigung beziehungsweise der Treueeid der Bewohner Medinas gegenüber dem Gesandten Allahs abgelegt wurde, reiste er nach Mekka und nahm den Islam an. Weitere fünf Personen begleiteten ihn auf dieser Reise. Über die Namen dieser sechs Personen bestehen unter den Experten der Sīra allerdings erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Nach den Überlieferungen von az-Zuhrī und ʿUrwa gehörte auch Muʿādh ibn ʿAfrāʾ zu ihnen.⁵
At-Tabarānī überliefert von ʿUrwa: Während der Haddsch-Saison reisten einige Männer der Ansār nach Mekka und verrichteten die Haddsch. Es waren Muʿādh ibn ʿAfrāʾ, Asʿad ibn Zurāra, Rāfiʿ ibn Mālik, Dhakwān ibn ʿAbd al-Qais, Abū al-Haisam ibn at-Taiyihān und ʿUwaim ibn Sāʿida (möge Allah mit ihnen zufrieden sein). Als der Gesandte Allahs davon erfuhr, ging er zu ihnen und teilte ihnen mit, dass Allah ihn zum Propheten erwählt hatte. Er trug ihnen auch Verse aus dem Qurʾān vor. Sie hörten seiner Rede sehr aufmerksam und ruhig zu. Da sie von den Leuten der Schrift die Eigenschaften und Merkmale des letzten Propheten sowie Einzelheiten über seine Botschaft kannten, wuchs ihr Vertrauen in den Anspruch des Gesandten Allahs. Sie nahmen den Glauben an. Sie kehrten nach Medina zurück und versprachen, sich in der kommenden Haddsch-Saison wieder mit ihm zu treffen. In Medina angekommen, begannen sie heimlich, die Menschen zum Islam einzuladen, und unterrichteten sie über das Erscheinen des Gesandten Allahs und seine Sendung. Sie trugen den Menschen immer wieder den Qurʾān vor. Sie wirkten so erfolgreich, dass es unter den Häusern der Ansār nur sehr wenige gab, in denen nicht wenigstens ein Mensch Muslim geworden war.⁶ Einige haben dieses Ereignis in der Geschichte des Islam als den ersten Treueeid von ʿAqaba bezeichnet. Demnach gab es drei Treueide von ʿAqaba.
Als in Medina zahlreiche Menschen den Islam angenommen hatten und der Islam in Haus für Haus bekannt geworden war, baten die Bewohner Medinas den Gesandten Allahs darum, jemanden aus Mekka zu ihnen zu schicken, der ihnen als sein Vertreter den Qurʾān lehren und ihnen die richtige Unterweisung in der Religion geben sollte. Der Gesandte Allahs sandte ihn nach Medina. Abū Nuʿaim al-Iṣfahānī überliefert in seinem Werk (1/107) von az-Zuhrī: Die Bewohner Medinas schickten Muʿādh ibn ʿAfrāʾ und Rāfiʿ ibn Mālik nach Mekka zum Gesandten Allahs, damit sie ihn zu ihnen bringen sollten.⁷
Über seine Annahme des Islam und seine Reise nach Mekka kursierten unter den Sira-Gelehrten verschiedene Auffassungen. So sagt Ibn Saʿd: Es wird überliefert, dass Muʿadh ibn al-Harith und Rafiʿ ibn Malik die ersten beiden Ansar waren, die nach Mekka gingen und den Islam annahmen. Es wird auch überliefert, dass diese beiden zu den acht Ansar gezählt werden, die als Erste nach Mekka gingen und den Islam annahmen. Außerdem werden sie zu den sechs Männern gezählt, über die berichtet wird, dass sie unter den Ansar als Erste in Mekka mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammentrafen und den Islam annahmen; niemand vor ihnen hatte dies getan. Al-Waqidi und Muhammad ibn Umar sagen: Die Überlieferung von den sechs Männern erscheint uns als die richtigste und stärkste.⁸ Die Sira-Gelehrten sind sich in dieser Frage nahezu einig, dass er bei den beiden Baiʿa-Treffen nach al-ʿAqaba anwesend war.⁹
Nach der Hidschra stiftete der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zwischen ihm und Maʿmar ibn al-Harith eine religiöse Bruderschaft.¹⁰ Muʿadh nahm gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Muʿawwidh und ʿAwf an der Schlacht von Badr teil. Ibn Hischam sagt: Er nahm an allen Schlachten teil, darunter Badr, Uhud und al-Chandaq.¹¹ Niemand bezweifelt, dass Muʿadh ibn ʿAfra an der Schlacht von Badr teilnahm. Unter den Sira- und Hadith-Gelehrten herrscht jedoch große Uneinigkeit darüber, ob er bei dieser Schlacht den Erzfeind des Islam, Abu Dschahl, tötete oder in dieser Schlacht den Märtyrertod starb. Eine Prüfung der verschiedenen Überlieferungen macht deutlich, dass er an der Tötung Abu Dschahls beteiligt war und noch lange nach seinen Verletzungen in der Schlacht von Badr lebte. Hier führe ich kurz einige Überlieferungen an. Zu Beginn der Schlacht von Badr traten auf Seiten der Quraisch drei Helden hervor – ʿUtba und al-Walid ibn ʿUtba –, verließen ihre Reihen und forderten die Gegner zum Zweikampf heraus. Daraufhin stürmten als Erste aus dem muslimischen Heer die drei Söhne ʿAfras, Muʿadh, Muʿawwidh und ʿAwf, mit gezückten Schwertern auf das Schlachtfeld zu. Doch der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hielt sie zurück. Er wies Hamza und die anderen an, vorzugehen. Doch wie hätten sie sich angesichts ihrer glühenden Begeisterung für den Dschihad zurückhalten können? ʿAbd ar-Rahman ibn ʿAwf stand in einer Reihe. Zu seiner Rechten und Linken stellten sich seine beiden Brüder auf. ʿAbd ar-Rahman kannte sie nicht. Daher empfand er eine gewisse Enttäuschung und Beklemmung, als er die beiden jungen Männer an seinen Seiten sah. Einer von ihnen fragte ihn flüsternd: Onkel, sag uns, in welcher Richtung ist Abu Dschahl? Er fragte zurück: Was wollt ihr mit ihm? Der junge Mann antwortete: Wir haben gehört, dass er den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beschimpft. Deshalb haben wir Allah gelobt, ihn unbedingt zu töten. Für dieses Ziel würden wir nötigenfalls sogar unser Leben hingeben. Der zweite junge Mann sagte genau dasselbe.
ʿAbd ar-Rahman war überglücklich. Er empfand sogar ein wenig Stolz bei dem Gedanken, zwischen welch großartigen Männern er doch stand! Er deutete mit der Hand und sagte: Sieh, dort geht Abu Dschahl. Kaum hatte er dies gesagt, stürzten sich die beiden wie zwei Falken blitzschnell auf ihn und töteten ihn. Als sie zurückkehrten, überbrachten sie dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die frohe Nachricht von seiner Tötung. Damals klebte an den Schwertern beider das Blut Abu Dschahls.¹² In Sahih Muslim werden die Namen der beiden jungen Männer als Muʿadh ibn ʿAmr ibn al-Dschamuh und Muʿadh ibn ʿAfra überliefert. In Sahih al-Buchari ist jedoch von den Söhnen ʿAfras die Rede. Daraus geht hervor, dass Muʿadh ibn ʿAfra und sein Bruder den ruchlosen Abu Dschahl getötet hatten.
Aus den Überlieferungen von al-Hakim (3/425) und al-Baihaqi (6/305) geht hervor, dass einer der beiden jungen Männer Muʿadh ibn ʿAfra und der andere Muʿadh ibn ʿAmr ibn al-Dschamuh war. Nachdem sie Abu Dschahl getötet hatten, liefen sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um ihm die frohe Nachricht zu überbringen. Er fragte: Wer von euch beiden hat ihn getötet? Beide antworteten: Ich. Daraufhin sagte er: Ihr beide habt ihn getötet. Anschließend gab er ihnen beiden die Gegenstände, die sie auf dem Schlachtfeld bei Abu Dschahl gefunden hatten.¹³
Ibn Abi Chaisama überliefert dies nach Ibn Ishaq. Muʿadh ibn ʿAfra sagte: „Ich ergriff die Gelegenheit und versetzte Abu Dschahl mit meinem Schwert einen solchen Hieb, dass sein Bein etwa in der Mitte des Schienbeins abgetrennt wurde und zu Boden fiel. Sofort stürzte sich ʿIkrima ibn Abi Dschahl auf eine meiner Schultern und setzte sich darauf. Den herabhängenden Arm schleppte ich hinter mir her. Als er mir schließlich zu große Schmerzen bereitete, klemmte ich ihn eines Tages mit dem Fuß fest und riss ihn ab.“ Ibn Hischam hingegen schreibt die oben erwähnte Begebenheit nach Ibn Ishaq Muʿadh ibn ʿAmr ibn al-Dschamuh zu und nennt Muʿawwidh ibn ʿAfra als dessen Gefährten.14
Der Verfasser des Werkes al-Istiʿab erwähnt, dass er in Badr durch einen Schlag von Ibn Maʿid aus dem Stamm der Banu Zuraiq verwundet wurde. Nach Ibn Saʿd griffen Muʿawwidh und ʿAwf, die beiden Söhne ʿAfras, Abu Dschahl mit einem einzigen Hieb an. Abu Dschahl schlug zurück und tötete die beiden. Als Abu Dschahl danach zu Boden stürzte, vollendete ʿAbdullah ibn Masʿud die Tat und schickte ihn in die Hölle. Einer Überlieferung zufolge beteiligte er sich in dieser Schlacht von Badr auch an der Tötung eines weiteren erbitterten Feindes des Islam, Umayya ibn Chalaf.17
Wie bei der Tötung Abu Dschahls gibt es auch hinsichtlich des Todeszeitpunkts von Muʿadh ibn ʿAfra erhebliche Meinungsverschiedenheiten. So sagt al-Baladhuri: Muʿadh und sein Bruder Muʿawwidh fielen in Badr den Märtyrertod, während ihr Bruder ʿAwf am Leben blieb. Ibn al-Kalbi berichtet: ʿAwf kam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Dann zeigte er auf seinen Sohn ʿAwf und sagte: „O Gesandter Allahs! Dieser mein schlimmster Sohn ist noch übrig.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Nein. Durch ihn wird die Nachkommenschaft ʿAfras fortbestehen.“ al-Waqidi jedoch sagt: In Badr fielen ʿAwf und Muʿawwidh den Märtyrertod, während Muʿadh am Leben blieb. Später, während der Fitna, das heißt während des Konflikts zwischen ʿAli und Muʿawiya (Allah sei mit ihnen beiden zufrieden), starb er im Jahr 37 nach der Hidschra.18 Auch Ibn Hischam sagt, dass ʿAwf und Muʿawwidh in Badr den Märtyrertod erlitten.19
Andere wiederum sagen, dass Muʿadh in Badr durch Ibn Maʿida aus dem Stamm der Banu Zuraiq verwundet wurde und später infolge dieser Verletzung in Medina starb. Ibn Idris überliefert von Ibn Ishaq, dass Muʿadh bis zur Zeit des Kalifen ʿUthman (Allah sei mit ihm zufrieden) lebte. Der Kalif Ibn Chayyat sagt, dass er während des Kalifats von ʿAli ibn Abi Talib (Allah sei mit ihm zufrieden) starb.20 Wie dem auch sei: Dass er nicht in Badr den Märtyrertod erlitt und auch nicht zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) starb, wird durch zahlreiche Begebenheiten aus seinem späteren Leben bestätigt, die in den Sira-Werken überliefert sind. Hier werden zwei Begebenheiten angeführt:
Er verteilte Wādī al-Qurā unter den Muslimen. Eine Überlieferung darüber stammt von Aflaḥ, dem freigelassenen Sklaven von Muʿādh ibn Abū Ayyūb al-Anṣārī (r.a.). Der Kalif ʿUmar (r.a.) ließ sehr schöne Umhänge für jeden Teilnehmer an der Schlacht von Badr anfertigen. Einen davon schickte er auch an Muʿādh ibn ʿAfrāʾ. Daraufhin sagte Muʿādh zu mir: »Verkaufe den Umhang.« Ich ließ für fünfzehnhundert Dirham einen dicken und vollständigen Umhang anfertigen und schickte ihn wieder zurück. Muʿādh nahm den Umhang und ging zu ʿUmar (r.a.), um ihn zu fragen: »Haben Sie diesen geschickt?« ʿUmar sagte: »Ja. Ich hatte Ihren übrigen Brüdern genau solche Umhänge geschickt wie den, den ich zuvor Ihnen geschickt hatte. Ich habe gehört, dass Sie ihn nicht getragen haben.« Muʿādh sagte: »Fürst der Gläubigen! Ich werde diesen nicht tragen.«²¹ Wie sehr er der Welt gegenüber entsagt war, wird aus diesem Vorfall deutlich.
Er liebte den edlen Gesandten Allahs (s.a.s.) mehr als sein eigenes Leben. Dies zeigt sich bei der Tötung des niederträchtigen Abū Jahl. Das außergewöhnliche Beispiel, das er dabei unter Verzicht auf sein eigenes Leben gab, ist wahrlich erstaunlich.
Das Grundstück, auf dem in Medina die Prophetenmoschee errichtet wurde, gehörte zwei Waisenjungen namens Sahl und Suhayl. An dem Tag, an dem der Gesandte (s.a.s.) von Qubāʾ in das eigentliche Stadtgebiet von Medina eintrat, war der Zügel seines Reitkamels losgelassen. Es ging nach Allahs Anweisung und ließ sich ebenfalls nach Allahs Anweisung auf dem genannten Grundstück von Sahl und Suhayl nieder. Nach Ibn Hischāms Überlieferung wurden diese beiden Waisen damals unter der Obhut von Muʿādh ibn ʿAfrāʾ aufgezogen.²² Daraus wird ersichtlich, dass er Waisen und Bedürftigen gegenüber sehr gütig war.
Bei der Erfüllung seiner Pflichten war er sehr gewissenhaft. Einmal verrichtete er gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.s.) die Wallfahrt. Darüber hinaus unternahm er weitere Wallfahrten; eine diesbezügliche Überlieferung findet sich in den Sunan an-Nasāʾī.²³ Ibn Saʿd erwähnt, dass er mehrere Ehefrauen und zahlreiche Söhne und Töchter hatte. Er überliefert sogar ihre Namen.²⁴
In den Sunan an-Nasāʾī und verschiedenen anderen Werken finden sich ein oder zwei von ihm überlieferte Hadithe.²⁵
Quellen:
Abū Lubāba (r.a.)
Über den eigentlichen Namen des verehrten Abū Lubāba (r.a.) herrscht erhebliche Uneinigkeit. Mūsā ibn ʿUqba und Ibn Hischām sagen, sein Name sei Baschīr gewesen. Nach Ibn Isḥāq war er Rāfiʿa. In einem Tafsīr wird sein Name als Sarwān erwähnt.¹ Nach al-Balādhurī war Rāfiʿa der Bruder Abū Lubābas; er nahm am letzten Treueid von ʿAqaba teil, nahm auch an der Schlacht von Badr teil und fiel in der Schlacht von Khaybar als Märtyrer. Nach al-… hieß Abū Lubāba Baschīr.² Wie auch immer sein eigentlicher Name gewesen sein mag, in der Geschichte ist er unter dem Namen Abū Lubāba bekannt. Sein Vater hieß ʿAbd al-Mundhir ibn Zubayr. Er stammte aus dem Zweig Banū ʿAmr ibn ʿAwf des berühmten medinensischen Stammes al-Aws. Er nahm am letzten Treueid von ʿAqaba teil und wurde zum Naqīb, also zum Verantwortlichen, seines Stammes bestimmt.³
Er nahm an den meisten Feldzügen an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.) teil. In der Schlacht von Badr wurde ihm eine besondere Ehre und Auszeichnung zuteil. Auf dieser Reise saßen jeweils drei Reiter auf einem Kamel. Auf dem Kamel des Gesandten Allahs (s.a.w.) ritten Abu Lubaba und Ali ibn Abi Talib (r.a.). Sie wechselten sich beim Reiten ab. Einer von ihnen sagte: „O Gesandter Allahs! Bleibt Ihr auf dem Kamel; wir werden zu Fuß gehen.“ Doch der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ihr seid nicht stärker als wir, und ich bin nicht weniger auf den Lohn angewiesen als ihr.“⁴
Ibn Ishaq berichtet: Viele sagen, dass Abu Lubaba und al-Harith ibn Hatib mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) in Richtung Badr aufbrachen. Nachdem sie ein Stück Weg zurückgelegt hatten, schickte der Gesandte (s.a.w.) die beiden wieder nach Medina zurück. Er übertrug Abu Lubaba die Verantwortung für die Verwaltung Medinas. Nach der Schlacht gab der Gesandte (s.a.w.) ihnen beiden einen Anteil an der Kriegsbeute und behandelte sie wie die Gefährten von Badr. Musa ibn Uqba zählt Abu Lubaba zu den Badr-Kämpfern.⁵ Ibn Hischam sagt: Der Gesandte (s.a.w.) schickte die beiden am Ort ar-Rauha zurück.⁶
Am Krieg gegen den jüdischen Stamm Banu Qaynuqa in Medina im Schawwal des zweiten Jahres nach der Hidschra sowie am Feldzug von Sawiq, der im Dhul-Hiddscha desselben Jahres stattfand, nahm er nicht teil. Der Gesandte (s.a.w.) ließ ihn währenddessen als seinen Stellvertreter in Medina zurück. Der Gesandte (s.a.w.) belagerte Banu Qaynuqa fünfzehn Tage lang. Während dieser Zeit war Abu Lubaba für die Verwaltung Medinas verantwortlich.⁷
Im fünften Jahr nach der Hidschra brach der jüdische Stamm Banu Qurayza in Medina während der Grabenschlacht den mit den Muslimen geschlossenen Vertrag und unterstützte die Streitkräfte der Quraisch. Nachdem die Schlacht beendet war und das muslimische Heer in seine Häuser zurückgekehrt war, kam Dschibril (a.s.) zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Habt Ihr die Waffen niedergelegt?“ Er antwortete: „Ja.“ Dschibril (a.s.) sagte: „Doch die Engel haben ihre Waffen nicht niedergelegt. O Muhammad! Allah hat dir befohlen, gegen Banu Qurayza zu ziehen. Ich gehe bereits in diese Richtung und werde sie erschüttern.“ Der Gesandte (s.a.w.) war gerade nach dem Mittagsgebet nach Hause zurückgekehrt.
Nach diesen Worten Dschibrils (a.s.) verkündete der Gesandte (s.a.w.) sofort: „Keiner von euch soll sein Gebet verrichten, bevor er Banu Qurayza erreicht hat.“ Gemäß dieser Anweisung gelangten alle zu Banu Qurayza. Ihre Festung wurde fünfundzwanzig lange Nächte belagert, und sie wurden zur Kapitulation aufgefordert. Schließlich ließ Allah Furcht in ihre Herzen eindringen. Sie erklärten sich bereit, das Schiedsgericht ihres alten Freundes Sa’d ibn Mu’adh (r.a.) anzuerkennen.
Zwischen Banu Amr ibn Awf aus dem Stamm der Aws in Medina und Banu Qurayza bestand bereits seit der Zeit der Unwissenheit ein Bündnis. Abu Lubaba gehörte zu diesem Stamm. Deshalb baten sie den Gesandten Allahs (s.a.w.) während der Belagerung: „Schickt Abu Lubaba zu uns; wir möchten uns kurz mit ihm beraten.“ Der Gesandte (s.a.w.) nahm ihre Bitte an und erlaubte Abu Lubaba, zu ihnen zu gehen.
Als Abu Lubaba Banu Qurayza erreichte, erwiesen ihm die Juden große Ehrerbietung. Sie trugen Abu Lubaba ihre schwierige Lage vor. Die jüdischen Frauen und Kinder kamen unter Tränen und wie verzweifelt vor ihn und blieben dort stehen. Der Anblick war wahrlich herzzerreißend. Abu Lubabas Herz wurde weich. Sie fragten Abu Lubaba: „Sollen wir den Befehl Muhammads befolgen?“ Er sagte: „Ja.“ Zugleich deutete er jedoch mit der Hand an seiner Kehle an, dass sie getötet werden würden.
In einem Augenblick der Ergriffenheit hatte er diese Geste gemacht. Doch sogleich wurde ihm bewusst, dass er dadurch Allah und das Vertrauen Seines Gesandten (s.a.w.) verletzt hatte. Da schien ihm der Boden unter den Füßen weggezogen zu werden. Er erhob sich von dort, ging geradewegs zur Prophetenmoschee und band sich mit einer dicken, schweren Kette an eine Säule der Moschee. Dabei sagte er: „Solange Allah meine Reue nicht annimmt, werde ich in diesem Zustand gefesselt bleiben.“
Als der Gesandte (s) eines Tages bemerkte, dass sich Abu Lubabas Rückkehr verzögerte, sagte er: „Hat Abu Lubaba seine Mission beendet?“ Da informierten die Leute den Gesandten (s) über die Angelegenheit. Der Gesandte (s) sagte: „Wie dem auch sei, was geschehen ist, ist letztlich gut. Wenn er direkt zu mir gekommen wäre, hätte ich Allah um Vergebung für ihn gebeten.“ Kurz gesagt, Abu Lubaba verbrachte zehn Nächte gefesselt. Zum Gebet und für andere notwendige Verrichtungen löste seine Frau seine Fesseln und band sie danach wieder fest. Er stellte das Essen und Trinken völlig ein. Sein Hörvermögen nahm ab, und auch sein Sehvermögen wurde schwächer. Eines Tages fiel er wegen seiner Schwäche ohnmächtig zu Boden. Genau zu diesem Zeitpunkt sollte Allahs Barmherzigkeit herabkommen.
Der edle Gesandte (s) befand sich an jenem Tag im Haus der Mutter der Gläubigen, Umm Salama (r). Noch vor Tagesanbruch wurde der Vers offenbart. Der Gesandte (s) lächelte ein wenig. Als Umm Salama (r) dies sah, sagte sie: „O Gesandter Allahs! Möge Allah dich immer glücklich halten. Sag mir, was ist geschehen?“ Er sagte: „Abu Lubabas Reue wurde angenommen.“ Umm Salama (r) fragte: „Darf ich den Menschen diese frohe Botschaft mitteilen?“ Der Gesandte (s) sagte: „Ja.“ Damals war der Vers über den Hidschab noch nicht offenbart worden. Umm Salama (r) stellte sich an die Tür ihres Gemachs und teilte den Menschen die Angelegenheit mit. Die Leute eilten herbei, um Abu Lubaba zu befreien. Er aber sagte, dass der Gesandte, wenn er zum Morgengebet in die Moschee komme, ihn mit eigener Hand von seinen Fesseln lösen solle.
Als seine Reue angenommen worden war, freute sich Abu Lubaba (r) sehr. Er kam zum Gesandten Allahs (s) und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich möchte jenes Haus verlassen, in dem ich diese Sünde begangen habe. Ich möchte meinen gesamten Besitz um Allahs und Seines Gesandten willen als Almosen geben.“ Der Gesandte (s) sagte: „Nicht alles; ein Drittel genügt.“ Daraufhin spendete er ein Drittel.
Über den Grund für die Reue des verehrten Abu Lubaba (r) gibt es unter den Kennern der Sira allerdings unterschiedliche Auffassungen. Maʿmar überlieferte dies von Imam az-Zuhri. Abu Lubaba habe wegen seiner Schuld, nicht am Feldzug von Tabuk teilgenommen zu haben, diese Form der Reue gewählt. Auch Ibn Abbas (r) sagte dies. Im Vers 102 der Sure at-Tauba heißt es über einige andere Menschen, die ihre Sünden eingestanden: Sie vermischten eine gute Tat mit einer anderen schlechten Tat. Vielleicht wird Allah ihnen vergeben. Wahrlich, Allah ist Allvergebend und Barmherzig. Dieser Vers wurde über Abu Lubaba und weitere acht oder neun Personen offenbart. Sie waren in Medina geblieben, ohne am Feldzug von Tabuk teilzunehmen. Danach bereuten sie und taten allesamt Buße. Als Ausdruck ihrer Reue banden sie sich an die Säulen der Moschee. Danach wurde ihre Reue angenommen. Ihre beste Tat war diese Reue, und ihre schlechteste Tat war, nicht an Tabuk teilgenommen zu haben.
Abu ʿAmir zufolge bezog sich Abu Lubabas Reue jedoch nicht auf das Ereignis von Tabuk, sondern auf das Ereignis mit den Banu Qurayza. In diesem Zusammenhang wurde der Vers 27 der Sure al-Anfal offenbart: „O ihr Gläubigen! Verratet Allah und den Gesandten nicht und betrügt nicht wissentlich einander in euren gegenseitigen anvertrauten Dingen.“ Nach Abu ʿAmir und vielen anderen nahm Abu Lubaba am Feldzug von Tabuk teil. Die Muslime, die ohne Entschuldigung nicht nach Tabuk gezogen waren, waren nur drei: Murara ibn Rabi, Hilal ibn Umayya und Kaʿb ibn Malik (r). Es ist nicht richtig, Abu Lubaba ihnen hinzuzurechnen. Denn in Vers 118 der Sure at-Tauba ist nur von den genannten drei die Rede: „Und auch die drei, die zurückgestellt wurden, bis die Erde ihnen trotz ihrer Weite eng wurde, ihr eigenes Leben ihnen bedrückend erschien und sie erkannten, dass es außer Allah keine Zuflucht gibt – dann wandte Er sich ihnen barmherzig zu, damit sie umkehren.“⁸
Im achten Jahr nach der Hidschra, beim Feldzug zur Eroberung von Mekka, wurde das Banner der Banu ʿAmr ibn ʿAwf von Abu Lubaba (r) getragen. Außerdem nahm er an allen Kriegen und Feldzügen teil, die zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s) stattfanden.
Über das Jahr seines Todes herrscht große Uneinigkeit. Nach der Mehrheitsmeinung starb er während des Kalifats von Ali (r). Es wird auch überliefert, dass er nach dem Märtyrertod von Uthman (r) starb. Einige haben sogar gesagt, dass er bis zum Jahr 50 nach der Hidschra lebte.⁹ Zum Zeitpunkt seines Todes hinterließ er zwei Söhne namens Saʾib und Abd ar-Rahman.
Der verehrte Abu Lubaba war ein äußerst angesehener Gefährte. Viele Jahre lang hatte er das Glück, den Gesandten Allahs (s) zu begleiten. Während dieser Zeit muss er viele Worte des Gesandten Allahs (s) gehört haben. Dennoch ist die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe sehr gering. Unter denen, die Hadithe von ihm hörten und überlieferten, befanden sich auch viele bedeutende Gefährten, zum Beispiel der große Gefährte Abdullah ibn Umar (r). Außerdem waren viele Angehörige der ersten Generation der Tabiʿun seine Schüler und überlieferten Hadithe von ihm. Hier seien einige bekannte Namen genannt:
Abd ar-Rahman ibn Yazid ibn Dschabir, Ub Barak ibn Amr ibn Hazm, Sa’id ibn al-Musayyab, Abd ar-Rahman ibn Ka’b ibn Malik, Salim ibn Abdallah, Ubaidallah ibn Abi Yazid, Nafi, der Freigelassene Ibn Umars, sowie seine beiden Söhne Sa’ib und Abd ar-Rahman. 10
Hazrat Abu Lubaba (r.a.) war ein vollkommener Anhänger des Islam. Er befolgte die Gebote und Verbote des Korans und der Sunna in jeder Hinsicht. Wenn er aufgrund menschlicher Schwäche einmal einen Fehler oder ein Fehlverhalten beging, bereute er dies, sobald er es erkannte, aufrichtig. Wir müssen uns daran erinnern, dass Abu Lubabas (r.a.) Reue ihn noch reiner und strahlender machte als zuvor, nachdem er im Fall der Banu Quraiza einen Fehler begangen hatte. Allah, der Erhabene, ließ selbst eine Offenbarung herab, die verkündete, dass Seine Reue angenommen worden war, und Allahs Gesandter löste ihm eigenhändig und frohen Herzens seine Fesseln. Welche größere Ehre und Auszeichnung hätte Abu Lubaba (r.a.) noch erhalten können? Wahrhaftig, ein reumütiger, bereuender Sünder ist Allah besonders lieb. Selbst bei den kleinsten Einzelheiten achtete er darauf, die Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.s.) in die Tat umzusetzen.
Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.) hatte den Hadith über das Töten von Schlangen gehört. Deshalb tötete er jede Schlange, die er sah. Das Haus von Abu Lubaba (r.a.) lag unmittelbar neben seinem. Eines Tages sagte er zu Ibn Umar (r.a.): „Öffnen Sie bitte ein wenig die Tür Ihres Hauses; ich werde auf diesem Weg zur Moschee gehen.“ Kaum war Ibn Umar aufgestanden und hatte die Tür geöffnet, da sah er eine Schlange. Ibn Umar wollte sie sofort töten. Abu Lubaba (r.a.) hielt ihn davon ab und sagte: „Der Gesandte (s.a.s.) hat verboten, Schlangen im Haus zu töten.“ 11
Abu Nu’aim hat in seinem Werk Ad-Dala’il (160) eine Überlieferung über Abu Lubaba angeführt. Er sagte: Als der Gesandte (s.a.s.) an einem Freitag auf der Kanzel stand und die Predigt hielt, sagte er: „O Allah, gib uns Wasser.“ Abu Lubaba sagte: „O Gesandter Allahs! Die Datteln liegen zum Trocknen im Hof.“ Der Gesandte (s.a.s.) sagte: „O Allah, gib uns Wasser, bis Abu Lubaba sich nackt auszieht und mit seiner Hose den Wasserabfluss in seinem Hof verschließt.“ Danach regnete es so stark, dass die Leute zu Abu Lubaba sagten: „Der Regen wird nicht aufhören, bis du tust, was der Gesandte über dich gesagt hat.“ Abu Lubaba tat dies, und der Regen hörte ebenfalls auf. 12
Auf diese Weise sind viele einzelne Begebenheiten aus Abu Lubabas (r.a.) Leben über die Seiten der Sira-Werke verstreut.
Quellen:
Zaid ibn Arqam (r.a.)
Sein eigentlicher Name war Zaid. Hinsichtlich seiner Kunya beziehungsweise seines Beinamen herrscht große Uneinigkeit. So werden beispielsweise Abu Umar, Abu Amir, Abu Sa’d, Abu Unais und andere genannt. 1 Sein Vater war Arqam ibn Zaid. Er stammte aus dem Zweig Banu Harith des medinensischen Stammes Chazradsch. Dieser ansarische Sahabi verlor schon in sehr jungen Jahren seinen Vater. Hazrat Abdullah. Hazrat Abdullah ibn Rawaha (r.a.) war ein hoch angesehener Sahabi. Er war Z aids Onkel. Er nahm den vaterlosen Zaid unter seine Obhut und zog ihn auf. 2 Abdullah ibn Rawaha (r.a.) nahm am Treueid von Aqaba teil. Im Grunde war es vor allem sein Einfluss, durch den Hazrat Zaid (r.a.) den Islam annahm.
Zaid wollte an der Schlacht von Uhud teilnehmen. Da er damals jedoch noch nicht das für die Teilnahme an einem Krieg erforderliche Alter erreicht hatte, hielt ihn der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) davon ab. An der Schlacht am Graben nahm er erstmals teil. Es wird jedoch auch überliefert, dass al-Muraysi die erste Schlacht seines Lebens war. In Sahih al-Buchari wird seine Überlieferung wie folgt wiedergegeben: „Der Gesandte (s.a.w.) führte insgesamt neunzehn Schlachten; an siebzehn (17) davon nahm ich teil.“³
Zaid hatte in der Schlacht von Mu’ta einen Onkel namens Abdullah ibn Rawaha, der ein bedeutender Dichter war. Während sie unterwegs waren, trug er ein selbstverfasstes Gedicht vor, in dem sich sein leidenschaftlicher Wunsch nach dem Märtyrertod ausdrückte. Als Zaid das Gedicht hörte, begann er zu weinen. Ibn Rawaha schwang seinen Stock und rief: „Du kleiner Knirps, welchen Schaden hast du davon, wenn uns das Schicksal des Märtyrertods bestimmt ist?“⁴
Unter den rechtgeleiteten Kalifen pflegte er eine freundschaftliche Beziehung zu Ali (r.a.). In der Schlacht von Siffin schloss er sich Alis (r.a.) Seite an. Er wurde zu den engsten Vertrauten Alis gezählt.⁵
Am Ende seines Lebens ließ sich Zaid (r.a.) im Viertel der Banu Kinda in Kufa nieder. In dieser Stadt Kufa verstarb er auch. Über das Jahr seines Todes bestehen unterschiedliche Auffassungen. Nach Ansicht vieler starb er im Jahr 66 nach der Hidschra, während des Aufstands von al-Muchtar as-Sakafi. Al-Haytham ibn Adi und viele andere sind jedoch der Ansicht, dass sein Todesjahr 68 nach der Hidschra war. Manche haben auch gesagt, dass er wenige Tage nach dem Märtyrertod von al-Husain (r.a.) starb.⁶
Zaid (r.a.) war in seiner Zeit ein Mittelpunkt des Wissens, des Ansehens und der Ehre. Auf der Suche nach Wissen kamen Menschen aus weit entfernten Gegenden zu ihm. Ein Mann kam sogar vom äußersten Ende von Qistas zu ihm, um eine Rechtsfrage zu stellen.⁷ Wohin auch immer er ging, versammelten sich die an den Hadithen Interessierten um ihn. Als er einmal nach Basra, einer anderen Überlieferung zufolge nach Mekka, kam, sagte Abbas (r.a.): „Den und den Hadith, den du zu überliefern pflegst, möchte ich noch einmal aus deinem eigenen Mund hören.“⁸ Einmal sagte Atiyya: „Du hast diesen und jenen Hadith überliefert. Ich bin gekommen, um ihn aus deinem eigenen Mund zu hören.“ Nachdem er den Hadith überliefert hatte, sagte Atiyya: „Du hast doch auch diesen Satz gesagt: Ich werde dir genau so überliefern, wie ich ihn gehört habe.“⁹
Neben den Hadithen lehrte er die Menschen auch jene Bittgebete, die er aus dem Mund des Gesandten Allahs (s.a.w.) gehört und auswendig gelernt hatte; deshalb lehren wir sie euch. Viele von ihm überlieferte Bittgebete wurden in den Hadith- und Sira-Werken zusammengestellt.¹⁰ Bei der Überlieferung von Hadithen war Zaid (r.a.) äußerst vorsichtig. Abd ar-Rahman ibn Abi Laila berichtet: „Wir kamen zu ihm und baten ihn: ‚Überliefere uns einen Hadith des Gesandten Allahs (s.a.w.).‘ Er pflegte zu sagen: ‚Ich bin nun alt geworden und mein Gedächtnis hat nachgelassen. Einen Hadith des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu überliefern, ist eine sehr schwierige Angelegenheit.‘“¹¹
Einmal kamen Yazid ibn Hayyan, Husain ibn Sabra und Amr ibn Muslim zu ihm, um Hadithe zu hören. Zunächst lobten sie Zaid (r.a.) und sagten: „Allah hat dir eine große Vorzüglichkeit verliehen. Du hast die Vollkommenheit des Gesandten Allahs (s.a.w.) selbst erlebt. Du hast Hadithe von ihm gehört, bist mit ihm in den Krieg gezogen und hast hinter ihm das Gebet verrichtet. Welche größere Ehre könnte es geben? Überliefere uns einige Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.).“ Zaid (r.a.) erwiderte: „Neffe, ich bin nun alt geworden, und jene Zeit ist vergangen. Viele Worte sind heute zu Erinnerungen und Träumen geworden. Einen großen Schatz an Hadithen habe ich heute vergessen. Hört nun das, was ich überliefere. Ihr sollt mich nicht wegen dessen bedrängen, was ich nicht mehr weiß.“¹² Daher beträgt die Zahl der von Zaid (r.a.) überlieferten Hadithe nur neunzig (90). Er hörte Hadithe aus dem Mund von Ali (r.a.) und überlieferte sie. Hier werden die bedeutenden Namen jener Gefährten und Tabi’in aufgeführt, die Hadithe über seine Überlieferungskette weitergaben:
Anas ibn Malik, Abdullah ibn al-Abbas, Abu at-Tufail, Abu Uthman an-Nahdi, Abd ar-Rahman ibn Abi Laila, Abd Chair al-Hamadani, Tawus, Nadr ibn Anas, Abu Umar asch-Schaibani, Abu al-Mishal, Abd ar-Rahman ibn Mutaym, Abu Ishaq as-Sabai, Muhammad ibn Ka’b al-Karazi, Abu Hamza Talha ibn Yazid, Abdullah ibn al-Harith, al-Basri, Qasim ibn Auf, Atiyya al-Aufī, Abu Muslim al-Badjali und andere.¹³ Bei Zaid (r.a.) hatte sich die geistige beziehungsweise spirituelle Bildung des Islam in hohem Maß entwickelt. Einen praktischen Beweis dafür liefert jedoch ein Ereignis aus der Zeit des Feldzugs gegen die Banu Mustaliq. Kurz zusammengefasst war es folgendermaßen:
Der Name des von den Banū al-Muṣṭaliq geschützten Wasserbeckens war al-Muraisī. Nach Ibn Isḥāq fand im 6. Jahr nach der Hidschra und nach Mūsā ibn ʿUqba im 4. Jahr an diesem Wasserbecken unter der Führung des Gesandten Allahs (s.a.w.) eine Schlacht zwischen den Muslimen und den Banū al-Muṣṭaliq statt. Sie ist in der Geschichte als die Schlacht von al-Muraisī bekannt. In dieser Schlacht wurden die Banū al-Muṣṭaliq vernichtend geschlagen.14
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) schlug dort mit seinem Heer ein Lager auf. Von hier aus tränkten die Soldaten die Tiere. Zu den Bediensteten von ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb (r.a.) gehörte ein Mann aus dem Stamm Banū Ghifār namens Jahljah ibn Masʿūd. Er hütete das Pferd ʿUmars (r.a.). Eines Tages, als das Pferd Wasser trank, begann Sinān ibn Wabar al-Juhanī, der Freund beziehungsweise Verbündete von Khawf ibn Khazraj, die Anṣār um Hilfe zu rufen. Jahljah blieb nicht untätig. Auch er rief die Muhādschirūn um Hilfe. Der Anführer der Heuchler, ʿAbdullāh ibn Ubayy ibn Salūl, wurde dadurch zutiefst gekränkt. Damals hielt sich eine Gruppe von Männern seines Stammes bei ihm auf. Unter ihnen befand sich auch Zaid ibn Arqam. Er war zu jener Zeit noch ein junger Mann.
ʿAbdullāh ibn Ubayy ergriff die Gelegenheit und sagte zu den Männern seines Stammes: „Die muslimischen Muhādschirūn haben uns so behandelt? In unserem eigenen Land verachten sie uns und sind uns zahlenmäßig überlegen geworden. Die Muhādschirūn gleichen einem gefütterten und gemästeten Haushund, der schließlich seinen Herrn auffrisst. Bei Allah, wenn wir nach Medina zurückkehren, werden wir, die Vornehmen dort, diese Niedrigen gewiss vertreiben. Das ist im Grunde eure eigene Schuld. Ihr habt ihnen die Tore eurer Heimat geöffnet und ihnen von eurem Besitz abgegeben. Bei Allah, ihr werdet gezwungen sein, eure Heimat zu verlassen.“ Der Heuchler Ibn Ubayy ließ nichts unversucht, um auf diese Weise die verborgenen Gefühle seiner Stammesangehörigen zu verletzen und sie gegen die Muhādschirūn aufzuhetzen. Zaid ibn Arqam (r.a.) hörte schweigend alles an, was er sagte. Sein Glaubensbewusstsein erlaubte ihm nicht, die Worte dieses Heuchlers zu verschweigen, obwohl Ibn Ubayy seinem eigenen Stamm angehörte. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) ruhte sich nach den Anstrengungen des Kampfes gerade etwas aus. ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb (r.a.) saß bei ihm. Da kam Zaid (r.a.) zu ihm und berichtete ihm alles. ʿUmar (r.a.) geriet vor Zorn außer sich und riet dem Gesandten (s.a.w.): „Befiehl ʿAbbād ibn Bishr, Ibn Ubayy zu töten.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „O ʿUmar, was wird geschehen, wenn die Leute sagen, dass Muhammad seine Gefährten tötet? Nein, das geht nicht. Teile den Leuten vielmehr mit, dass sie von hier aufbrechen sollen.“ Gewöhnlich hätte der Gesandte (s.a.w.) zu dieser Zeit keine Reise begonnen, doch entsprechend der Ankündigung brachen die Leute auf.
Als der Heuchler ʿAbdullāh ibn Ubayy erfuhr, dass Zaid ibn Arqam dem Gesandten Allahs (s.a.w.) alles berichtet hatte, eilte er zum Gesandten Allahs (s.a.w.), schwor feierlich und sagte: „Nichts von dem, was Zaid gesagt hat, habe ich gesagt. Ich habe kein einziges derartiges Wort ausgesprochen.“ Er war ein hoch angesehenes Mitglied seines Stammes. Daher sagten die anwesenden Anṣār-Gefährten: „O Gesandter Allahs, vielleicht hat dieser junge Mann die Worte Ibn Ubayys falsch verstanden und sich nicht an deren eigentliche Aussage erinnert.“ So glaubten sie ʿAbdullāh ibn Ubayy und verteidigten ihn. Auch Zaids (r.a.) Onkel ʿAbdullāh ibn Rawāḥa (r.a.) tadelte ihn.
Ibn Isḥāq berichtet: Der Gesandte (s.a.w.) brach von al-Muraisī auf. Da kam Usayd ibn Ḥuḍayr und sagte: „Habt ihr nicht gehört, was euer Gefährte gesagt hat?“ „Ubayy? Was hat er gesagt?“ Auf diese Frage erzählte ihm der Gesandte (s.a.w.), was er gehört hatte. Darauf sagte Usayd: „O Gesandter Allahs! Bei Allah, du bist geehrt und mächtig.“ Anschließend bat er den Gesandten (s.a.w.), ʿAbdullāh ibn Ubayy Barmherzigkeit zu erweisen.
Danach legte der Gesandte (s.a.w.) auf einer Anhöhe namens Baqʿā in der Region des Hidschāz einen Reisestopp ein. Dort wurde die Sura al-Munāfiqūn offenbart. In ihr wurden die Masken ʿAbdullāh ibn Ubayys und der anderen Heuchler wie er enthüllt. Zugleich wurden die Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit von Zaid (r.a.) verkündet. Um zu verdeutlichen, wie diese Sura beginnt, werden hier die Übersetzungen der ersten beiden Verse wiedergegeben:
„Wenn die Heuchler zu dir kommen und sagen: Wir bezeugen, dass du gewiss der Gesandte Allahs bist. Allah weiß, dass du gewiss Sein Gesandter bist, und Allah bezeugt, dass die Heuchler gewiss Lügner sind. Sie gebrauchen ihre Eide als Schutzschild und halten dadurch vom Weg Allahs ab. Wahrlich, böse ist, was sie tun.“ Nach der Offenbarung der Sura al-Munāfiqūn nahm der Gesandte (s.a.w.) Zaid (r.a.) am Ohr und sagte: „Dies ist der Mann, dessen Ohr Allahs Recht vollständig erfüllt hat.“
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Zaid (r.a.) nach dem Aufbruch von al-Muraisī immer wieder zum Gesandten Allahs (s.a.w.) kam. Er war fest davon überzeugt, dass dieser Heuchler ihn vor den Augen der gesamten Gemeinschaft als Lügner hingestellt und dadurch erniedrigt hatte. Daher würde gewiss eine Offenbarung des Korans über seine Bestätigung und die Enthüllung der Lügenmaske dieses Mannes herabkommen. Plötzlich sah Zaid ibn Arqam, dass am Gesandten Allahs (s.a.w.) die Anzeichen der Offenbarung sichtbar wurden. Er schöpfte Hoffnung, dass nun eine Offenbarung zu dieser Angelegenheit herabkommen würde. Schließlich wich dieser Zustand vom Gesandten Allahs (s.a.w.). Zaid (r.a.) berichtet: „Mein Reittier ging dicht neben dem Reittier des Gesandten Allahs (s.a.w.). Er beugte sich von seinem Reittier aus zu mir herab, nahm mich am Ohr und sagte: ‚O Junge, Allah hat deine Aussage bestätigt.‘“
Aus dieser Überlieferung geht hervor, dass die Sure al-Munāfiqūn noch während der Reise offenbart wurde. In der Überlieferung von Imam al-Baghawi (Allah erbarme sich seiner) heißt es jedoch, dass diese Sure offenbart wurde, als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Medina erreicht hatte und Zayd ibn Arqam (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) sich aus Angst vor Schande zu Hause verborgen hielt.15
Er wich bei der Befolgung der Sunna des Propheten nicht im Geringsten davon ab. Beim Totengebet pflegte er viermal den Takbir zu sprechen. Einmal sprach er jedoch fünf Takbire. Da ergriff ein Mann seine Hand und fragte: „Habe ich mich nicht geirrt?“ Er antwortete: „Auch dies ist eine Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Wie könnte ich sie ganz und gar aufgeben?“16
Er war ein sehr enger Gefährte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Wenn er einmal krank war, besuchte ihn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Einmal erkrankte er an einem Augenleiden, woraufhin der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihn besuchte. Als er wieder genesen war, fragte ihn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), wie er die Krankheit ertragen habe. Er antwortete, dass er geduldig gewesen sei und auf den Lohn Allahs gehofft habe. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wenn du dies tust, wirst du dich Allah ohne Sünden nähern.“18 Einer anderen Überlieferung zufolge sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihm: „Diese Krankheit wird dir keinen Schaden zufügen. Wenn du jedoch nach meinem Tod noch lebst und erblindest, was wirst du dann tun?“ Er antwortete: „Dann werde ich geduldig sein und auf den Lohn Allahs hoffen.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Dann wirst du ohne Abrechnung ins Paradies eingehen.“ Nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erblindete Zayd (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm).19
Er enthielt sich stets jeder Handlung und Äußerung, durch die die Ehre und Würde eines Menschen verletzt werden könnten. Wenn er bei jemandem einen solchen Fehler bemerkte, widersprach er ihm. Einmal äußerte sich Mughir ibn Schu’ba (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) in unangemessener Weise über Ali (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm). Sofort sagte Zayd (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm): „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat verboten, schlecht über die Verstorbenen zu reden. Ali (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) ist gestorben. Warum redest du nun schlecht über ihn?“
Es lag in seiner Natur, sich nach Menschen zu erkundigen, die von Not und Unglück betroffen waren, und ihnen sein Mitgefühl und seine Anteilnahme auszudrücken. Beim Vorfall von Harra starben ein Schüler von Anas sowie einige seiner Verwandten und Freunde. Zayd (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) schrieb Anas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) einen Brief, in dem er ihm sein Mitgefühl und seine Anteilnahme bekundete. Darin schrieb er: „Ich überbringe dir die frohe Botschaft Allahs. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚O Allah, vergib den Ansar, ihren Kindern, ihren männlichen Nachkommen, ihren Enkeln und all ihren Söhnen und Töchtern.‘“20
Er erkannte die Fähigkeiten und Vorzüge seiner Zeitgenossen in äußerst großzügiger Weise an. Wenn daher jemand zu ihm kam, um sich nach einer Angelegenheit zu erkundigen, riet er ihm, einen Sachkundigen auf diesem Gebiet aufzusuchen. Einmal kam Abu al-Minhal zu ihm, um nach dem Baiʿ as-Sarf zu fragen. Er sagte: „Auf diesem Gebiet gibt es Gelehrte, die größer und besser sind als ich.“ Daraufhin ging Abu al-Minhal zu al-Bara. Dieser beantwortete die Rechtsfrage und sagte: „Überprüfe die Richtigkeit dessen, was ich gesagt habe, bei Zayd ibn Arqam. Er weiß mehr und besser Bescheid als ich.“
Er verkehrte mit Emiren und Herrschern. Zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bestritt er seinen Lebensunterhalt durch Handel.
Zayd ibn Arqam sprach viele wichtige Worte über die grundlegenden Glaubensüberzeugungen und die gottesdienstlichen Handlungen im Islam. Sie sind in den Hadith- und Sira-Werken verstreut überliefert. So sagte er beispielsweise: „Wer aufrichtig La ilaha illallah spricht, wird ins Paradies eingehen.“ Man fragte ihn: „Was bedeutet es, dies aufrichtig zu sprechen?“ Er antwortete: „Sich von dem fernzuhalten, was Allah verboten hat.“21
Einmal beteten einige Menschen in der Quba-Moschee das Duha-Gebet. Er war gerade auf diesem Weg unterwegs. Als er die Menschen beten sah, sagte er: „Wahrscheinlich wissen sie nicht, dass es für dieses Gebet eine bessere Zeit gibt.“
Quellenangaben:
Zaid ibn Thabit (r.a.)
In den Sira-Werken werden mehrere Beinamen oder Kosenamen des herausragenden Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.s.), Hadhrat Zaid (r.a.), überliefert. Dazu gehören: Abu Sa’id, Abu Kharija, Abu Abdir-Rahman und Abu Thabit.¹ Die muslimische Umma verlieh ihm zahlreiche Ehrentitel, darunter „Habr al-Umma“ und „Katib al-Wahy“ – der Schreiber der Offenbarung. Er stammte aus dem Zweig der Nadschdschār des berühmten medinensischen Stammes der Chazradsch. Sein Vater war Thabit ibn Dahhak und seine Mutter Nawar bint Malik.² Nawar war eine Angehörige der Familie des berühmten Gefährten Hadhrat Anas ibn Malik (r.a.).
Von den blutigen Auseinandersetzungen und Konflikten, die sich vor der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.s.) in Medina unter den Einwohnern Medinas ereigneten, war die Schlacht von Bu’ath die berühmteste. In dieser Schlacht wurde Zaids Vater Thabit getötet. Dies geschah fünf Jahre vor der Hidschra. Zaid war damals erst sechs Jahre alt. Er wuchs unter der Obhut seiner Mutter auf. Als der Gesandte Allahs (s.a.s.) nach Medina auswanderte, war Zaid erst ein elfjähriger Junge.³
Als er den Islam annahm, war das Fundament des Islams in Medina noch nicht besonders gefestigt. Zu einer Zeit, als Hadhrat Mus’ab ibn Umair (r.a.), der vom edlen Gesandten Allahs (s.a.s.) aus Mekka entsandte Missionar, in Medina zum Islam einlud, nahm auch er in sehr jungen Jahren den Islam an. Wenn es eine besondere Ehre ist, vor Erreichen der Volljährigkeit den Glauben anzunehmen, dann gehörte diese Ehre Hadhrat Zaid (r.a.). So blieb er von Beginn seines Lebens an von der Unreinheit des Schirk befreit.
Unmittelbar nach seiner Annahme des Islams begann er, den Koran zu lesen. Die Menschen begannen, ihn mit Achtung zu betrachten. Er war außerordentlich begabt und besaß einen scharfen Verstand.⁴ Man brachte ihn zum Gesandten Allahs (s.a.s.) und stellte ihn mit den Worten vor, der Junge stamme aus dem Stamm der Nadschdschār. Inzwischen hatte er bereits siebzehn Suren auswendig gelernt. Der Gesandte (s.a.s.) freute sich sehr, als er die Koranrezitation aus seinem Mund hörte.⁵ Zaid berichtet: „Damals war ich erst elf Jahre alt.“⁶ Zur Zeit der Schlacht von Badr war er erst ein dreizehnjähriger Junge. Das Alter für die Teilnahme am Kampf hatte er noch nicht erreicht. Dennoch beschloss auch dieser Junge, in den Kampf zu ziehen, als die Ansar und die Muhadschirun nach Badr aufbrachen. Zusammen mit einer Gruppe ebenso junger Jungen trat er vor den Gesandten Allahs (s.a.s.) und bekundete seinen Wunsch, in den Kampf zu ziehen. Da sie noch nicht das erforderliche Alter für den Kampf hatten, schickte der Gesandte (s.a.s.) sie mit tröstenden Worten zurück.⁷
Unter den Sira-Gelehrten besteht Uneinigkeit darüber, an welchem Krieg Hadhrat Zaid zuerst teilnahm. Viele sind der Ansicht, dass er an Uhud teilnahm. Zu diesem Zeitpunkt war er sechzehn Jahre alt. Andere sagen wiederum, dass der Grabenkrieg der erste Krieg seines Lebens war.⁸ Al-Waqidi überliefert, dass Zaid ibn Thabit sagte: „Mir wurde die Teilnahme an Badr und Uhud nicht erlaubt. Im Grabenkrieg erhielt ich zum ersten Mal die Erlaubnis.“⁹ Auch Ibn Hischam sagt, dass der Gesandte (s.a.s.) ihn wegen seines jungen Alters zusammen mit den anderen von Uhud zurückschickte.¹⁰
Im Werk Hayatus-Sahaba ist eine Überlieferung von Zaid ibn Thabit enthalten. Daraus geht hervor, dass er an Uhud teilgenommen hatte. Er sagte: „Am Tag von Uhud, nach dem Ende der Schlacht, schickte mich der Gesandte (s.a.w.s.), um Saʿd ibn ar-Rabiʿ zu suchen. Beim Aufbruch sagte er: Wenn du ihn findest, richte ihm meinen Friedensgruß aus. Und sage ihm: Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) möchte wissen, wie du dich selbst jetzt siehst.“
Zaid sagte: „Ich begann, zwischen den Märtyrern nach ihm zu suchen, und schließlich fand ich ihn. Er befand sich in seinen letzten Augenblicken. Sein ganzer Körper wies siebzig Verletzungen durch Pfeile, Speere und Schwerter auf. Ich sagte: ‚Saʿd, der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) lässt dir und auch dir seinen Friedensgruß ausrichten.‘ Du sollst sagen: ‚Ich nehme den Duft des Paradieses wahr.‘“11
Wie dem auch sei, niemand bestreitet, dass er an der Grabenschlacht aktiv teilnahm. Zaid (r.a.) sagte: „Der Gesandte (s.a.w.s.) erlaubte mir, am Graben teilzunehmen, und schenkte mir außerdem ein Stück kubtischen Stoffes (feiner und weißer ägyptischer Stoff).“12 Er beteiligte sich am Ausheben des Grabens und am Tragen der Erde. Als ʿAmmar bei dieser Arbeit einmal dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) auffiel, bemerkte dieser: „Was für ein guter Junge!“13 Während dieser Ereignisse wurde er eines Tages müde und schlief ein. Ibn Hazm nahm ihm scherzhaft die Waffe von der Schulter, ohne dass Zaid es bemerkte. Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) war ganz in der Nähe. Auch er rief scherzend: „O Abu Ruqad! Du Schlafmütze, steh auf!“ Danach untersagte er den Menschen, solche Scherze zu machen.14 Von der Grabenschlacht an nahm er an allen späteren Kriegen und Feldzügen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) teil.15
Zur Zeit der Schlacht von Tabuk befand sich das Banner des Stammes Malik ibn an-Najjar zunächst in der Hand von ʿAmmara ibn Hazm. Später übergab der Gesandte (s.a.w.s.) es Zaid. Daraufhin dachte ʿAmmara, er habe vielleicht einen Fehler begangen, und fragte: „O Gesandter Allahs! Habe ich einen Fehler gemacht?“ Er antwortete: „Nein, nichts dergleichen. Ich habe dies im Hinblick auf die Angelegenheit des Qurʾan getan. Zaid liest mehr Qurʾan als du. Der Qurʾan hat Vorrang.“16
Während der Amtszeit des Kalifen Abu Bakr (r.a.) kam es zur Schlacht von Yamama gegen den falschen Propheten Musailima al-Kadhdhab. Auch Zaid (r.a.) nahm an dieser blutigen Schlacht teil und wurde von einem Pfeil getroffen. Er entging jedoch einer schweren Verletzung. Nachdem die Juden während der Amtszeit des Kalifen Umar (r.a.) aus Chaibar vertrieben worden waren, wurde das dortige Wadi al-Qura unter den Muslimen aufgeteilt. Auch Zaid (r.a.) erhielt einen Anteil.18
Als der Kalif ʿUthman (r.a.) von den Aufständischen belagert wurde, baten viele angesehene Männer aus Medina den Kalifen um die Erlaubnis, gegen die Aufständischen zu kämpfen. Zu dieser Zeit suchte auch Zaid ibn Thabit (r.a.) den Kalifen auf und sagte: „Die Ansar stehen vor deiner Tür. Wenn du willst, sind sie bereit, erneut als Allahs Helfer zu handeln.“ Der Kalif sagte: „Wenn ihr kämpfen wollt, so habe ich dem nicht zugestimmt.“19
Das gesamte Leben von Zaid ibn Thabit (r.a.) war eine Summe guter Taten. Er war der Sekretär des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Er schrieb die Offenbarung nieder. Er verfasste die Briefe des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) und verlas ihm die Briefe, die eintrafen. Später versah er auch für den Kalifen Umar (r.a.) das Amt des Sekretärs.20
Der Heilige Qurʾan ist das Fundament des Islam. Derjenige, dem die große Ehre zuteilwurde, ihn zu sammeln und zusammenzustellen, war der Schreiber der Offenbarung, Zaid ibn Thabit (r.a.).21 Bis zum Lebensende des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.s.) wurde der Qurʾan auf Knochen, Leder und Palmblättern sowie im Gedächtnis muslimischer Hafiz bewahrt. Viele Gefährten hatten den Qurʾan auswendig gelernt. Zaid war einer dieser Hafiz.
Nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) fiel eine Gruppe von Menschen auf der Arabischen Halbinsel vom Islam ab und schloss sich Musailima al-Kadhdhāb an. In al-Yamāma erklärte er sich selbst zum Propheten. Der ehrwürdige Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erklärte den Dschihad gegen ihn. Musailima wurde in der Schlacht von al-Yamāma besiegt und von den muslimischen Truppen getötet. In dieser Schlacht erlitten jedoch siebzig Männer, die den Qurʾān auswendig kannten, den Märtyrertod.
Nach diesem Ereignis entstand im Herzen des ehrwürdigen ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) der Gedanke, den Qurʾān zu sammeln. Er sagte zum Kalifen Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Wenn das Martyrium derer, die den Qurʾān auswendig kennen, auf diese Weise anhält, besteht die Gefahr, dass eines Tages ein großer Teil des Qurʾān verloren geht. Deshalb solltet Ihr ohne Verzögerung dafür sorgen, dass der gesamte Qurʾān an einem Ort gesammelt wird. Der Kalif nahm seinen Rat an. Er rief Zayd ibn Thābit und sagte: „Du bist ein kluger junger Mann. Alle haben Vertrauen in dich. Du hast zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die Offenbarung niedergeschrieben. Übernimm daher diese Aufgabe.“22
Der ehrwürdige Zayd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Bei Allah! Die Aufgabe, die sie mir auftrugen, den Qurʾān zu sammeln, wäre für mich schwerer gewesen als die Aufgabe, einen Berg zu versetzen.“23 Er sagte zum Kalifen: „Das ist richtig. Doch welche Schwierigkeit sollte in einer guten Sache liegen?“ Trotzdem zögerte Zayd weiterhin, die Aufgabe zu übernehmen. Nachdem der Kalif ihm die Angelegenheit auf verschiedene Weise erklärt hatte, erklärte er sich bereit.24
Zur Unterstützung Zayds bei dieser Aufgabe stellte Kalif Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihm außerdem eine Gruppe von Prophetengefährten zur Seite. Ihre Zahl wird mit fünfundsiebzig angegeben. Zu ihnen gehörten Ubayy ibn Kaʿb und Saʿīd ibn al-ʿĀs (möge Allah mit ihnen zufrieden sein). Der ehrwürdige Zayd sammelte alle auf Dattelblättern, dünnen Steinen und Knochen niedergeschriebenen Teile des Qurʾān und verglich sie mit dem Vortrag derer, die ihn auswendig kannten. Auch er selbst kannte den gesamten Qurʾān auswendig und hatte ihn bereits zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gesammelt.25
Bei der Überprüfung der Echtheit und korrekten Überlieferung der Verse kam es mitunter zu Diskussionen und sogar zu Streit. Als sie an eine bestimmte Stelle gelangten, sagte Zayd: „Danach hatte ich vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) den Vers über die Steinigung gehört.“ Der ehrwürdige ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Doch der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hat nicht erlaubt, ihn niederzuschreiben.“26 Kurz gesagt: Der ehrwürdige Zayd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vollendete diese wichtige Aufgabe mit großer Mühe. Durch ihn wurde der gesamte Qurʾān gesammelt und niedergeschrieben.
Für einen Vers ließ sich kein zweiter Beweiszeuge finden. Als Regel für den Beweis galt, dass für jeden Vers mindestens zwei Personen Zeugnis ablegen mussten. Dieser Vers befand sich bei dem ehrwürdigen Abū Khuzayma (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er war jener Abū Khuzayma, dessen alleinige Aussage der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) der Aussage zweier Personen gleichgestellt hatte. Daher hielt der ehrwürdige Zayd für diesen Vers keinen zweiten Zeugen für erforderlich. Außerdem war ihm der Vers selbst bekannt.27 Diese von Zayd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gesammelte und niedergeschriebene Abschrift des edlen Qurʾān bewahrte der Kalif Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bei sich auf. Nach seinem Tod gelangte sie in die Hände des zweiten Kalifen, des ehrwürdigen ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein), und anschließend in die Hände seiner Tochter, der Mutter der Gläubigen, der ehrwürdigen Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), wo sie aufbewahrt wurde.28
Als während des Kalifats des dritten Kalifen, des ehrwürdigen ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein), in verschiedenen Regionen Unterschiede in der Rezitation des Qurʾān auftraten, riet der ehrwürdige Hudhayfa ibn al-Yamān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dem Kalifen, Maßnahmen zu ergreifen, um dies zu verhindern, bevor unter den Juden und Christen Meinungsverschiedenheiten entstünden. Auch der Kalif erkannte die Bedeutung und Notwendigkeit dieser Angelegenheit. Er ließ sich von der ehrwürdigen Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) die von Zayd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zusammengestellte Abschrift des Qurʾān geben. Dann wies er die vier herausragenden Prophetengefährten Zayd ibn Thābit, ʿAbdullāh ibn az-Zubayr, Saʿīd ibn al-ʿĀs und ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Ḥārith ibn Hishām (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) an, davon Abschriften anzufertigen. Sie fertigten von jenem Original fünf Abschriften an. Kalif ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sandte diese Abschriften in fünf Regionen des Kalifats und gab das von Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) angefertigte Original, das als Muṣḥaf aṣ-Ṣiddīqī bekannt war, der ehrwürdigen Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zurück.29 Der ungebildete Prophet Muhammad, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), hatte verschiedenen Prophetengefährten die Aufgabe übertragen, die Offenbarung niederzuschreiben. Einer dieser glücklichen Gefährten war der ehrwürdige Zayd ibn Thābit (möge Allah mit ihm zufrieden sein).
Der ehrwürdige Zayd setzte sich mit einem Schreibstift, Papier, einem Tintenfass, Dattelblättern, breiten und dünnen Knochen, Steinen und ähnlichen Dingen neben den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Wenn die Offenbarung herabgesandt wurde, diktierte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), und er schrieb weiter. Wenn es besondere Anweisungen zum Niederschreiben gab, teilte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sie ihm mit, und Zayd führte sie entsprechend aus.
Imam al-Buchari (Allah erbarme sich seiner) überlieferte von al-Bara (Allah sei mit ihm zufrieden): Als der 95. Vers der Sure an-Nisa …
(Diejenigen unter den Muslimen, die zu Hause sitzen, und diejenigen, die mit ihrem Leben und ihrem Besitz auf Allahs Weg kämpfen, sind nicht gleich.) offenbart wurde, sagte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): „Bringt ein Holzbrett, ein Tintenfass und einen Knochen und lasst Zaid zu mir kommen.“ Als Zaid kam, wies er ihn an, den Vers aufzuschreiben. Hinter dem Gesandten Allahs saß damals der blinde Gefährte Amr ibn Umm Maktum. Er sagte: „O Gesandter Allahs! Was gilt für mich? Ich bin doch ein blinder Mann.“ Darauf wurde der Abschnitt „außer denjenigen, die einen triftigen Entschuldigungsgrund haben“ offenbart. Dann ließ der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) Zaid den Vers auf diese Weise anordnen.³⁰ Zaid schrieb den später offenbarten Abschnitt in den Spalt des Knochens. Denn der Knochen, auf dem der Vers zuvor geschrieben worden war, war gespalten.³¹
Unmittelbar nach dem Tod des Gesandten Allahs wurde unter den Ansar die Frage des Kalifats zum wichtigsten Gesprächsthema. Sie versammelten sich in der Saqifa der Banu Saida und erhoben den berühmten ansaritischen Gefährten Saʿd ibn Ubada (Allah sei mit ihm zufrieden) auf den Sitz ihrer Führung. Seine von ihm bestimmten Männer hielten dort Ansprachen, und eine große Gruppe der Ansar unterstützte ihn. Auch Zaid ibn Thabit war bei dieser Versammlung anwesend. Doch damals war es nicht leicht, gegen die Meinung der Menge zu sprechen. Daher saß er schweigend da.
Dann trafen Abu Bakr, Umar und Abu Ubaida (Allah sei mit ihnen zufrieden) bei der Saqifa der Banu Saida ein, und Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) begann im Namen der Muhadschirun, über das Kalifat zu sprechen. Der erste Ansar, der seine Ausführungen unterstützte, war Zaid ibn Thabit.
Hubab ibn al-Mundhir (Allah sei mit ihm zufrieden) war ein ansaritischer Gefährte und ein Teilnehmer an der Schlacht von Badr. Als er in seiner Ansprache das Konzept zweier Befehlshaber vorlegte und zu den Muhadschirun sagte: „Einer aus euren Reihen und einer aus unseren Reihen soll Befehlshaber sein. Zu nichts anderem wird es einen Kompromiss geben“, erhob sich Zaid ibn Thabit, widersprach seinen Ausführungen und brachte ein neues Konzept vor. Er sagte: „Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) war ein Muhadschir. Nun soll auch der Imam ein Muhadschir sein. Und so wie wir die Ansar des Gesandten waren, werden wir nun die Ansar des Imams sein.“ Darauf ergriff er eine Hand Abu Bakrs (Allah sei mit ihm zufrieden), wandte sich an die Ansar und sagte: „Hier ist euer Gefährte; leistet ihm den Treueid.“³²
Die Aussage von Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) richtete sich gegen die Angehörigen seines eigenen Stammes. Trotzdem scheute er sich nicht, seine Überzeugung zum Ausdruck zu bringen. Nachdem er seine Ansprache beendet hatte, erhob sich Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden), dankte ihm und sagte: „Möge Allah dich dafür reichlich belohnen. Wäre etwas Gegenteiliges gesagt worden, hätte ich es vielleicht nicht akzeptiert.“³³
Nachdem der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach Medina gekommen war, trafen zu verschiedenen Zeiten Briefe der Könige, Herrscher, Amire und Stammesoberhäupter der umliegenden Länder und Regionen bei ihm ein. Die meisten davon waren in syrischer oder hebräischer Sprache verfasst. Damals waren in Medina nur die Juden mit diesen beiden Sprachen vertraut. Zudem hegten sie eine äußerste Feindschaft gegenüber dem Islam. Daher war es für die Muslime unbedingt notwendig, sich diese beiden Sprachen anzueignen.
Der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erkannte diese Notwendigkeit sehr deutlich. Nachdem er Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) wegen seiner Begabung kennengelernt hatte, wählte er gerade ihn für diese Aufgabe aus. In diesem Zusammenhang wird eine Überlieferung von Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) angeführt:
Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina kam, wurde ich ihm vorgeführt. Er sagte zu mir: „Zaid, lerne für mich die Schrift der Juden. Bei Allah, ich vertraue nicht darauf, dass sie alles, was in meinem Auftrag in hebräischer Sprache geschrieben wird, richtig übermitteln. Deshalb lernte ich Hebräisch und beherrschte es innerhalb eines halben Monats. Wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Juden etwas schreiben musste, schrieb ich es, und wenn ihm etwas geschrieben wurde, las ich es ihm vor.“
In einer anderen Überlieferung heißt es: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu mir: „Zaid, beherrschst du die syrische Sprache gut? In dieser Sprache gehen Briefe an mich ein.“ Ich antwortete: „Nein.“ Er sagte: „Dann lerne, diese Sprache zu schreiben.“ Daraufhin erlernte ich sie innerhalb von nur siebzehn Tagen.34
Aufgrund dieser grenzenlosen Begabung und Gelehrsamkeit übertrug der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Zaid die Verantwortung für sämtliche schriftlichen Angelegenheiten. Muhammad ibn Umar sagte: „Zaid schrieb sowohl auf Arabisch als auch auf Hebräisch.“35 Al-Baladhuri sagte: „Als Erster versah Ubayy ibn Ka’b al-Ansari das Amt des Sekretärs des Gesandten Allahs. In Ubayys Abwesenheit übernahm Zaid diese Aufgabe. Sie schrieben neben den Offenbarungen auch die Briefe des Gesandten Allahs.“36 Dieses Amt bekleidete er bis zum Tod des Gesandten Allahs. Auch während des Kalifats von Abu Bakr und Umar war er mit dieser Aufgabe betraut. Als jedoch die Arbeitslast erheblich zunahm, wurde Mu’aiqib ad-Dausi zu seinem Assistenten ernannt.37
Ein äußerst angesehenes Amt in der islamischen Regierung war das Richteramt, die Qada. Nach der vorherrschenden Auffassung wurde dieses Amt während des Kalifats von Umar al-Faruq geschaffen. Zur Zeit des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Abu Bakrs gab es dafür kein gesondertes Amt. Kalif Umar führte es ein und ernannte Zaid ibn Thabit zum Richter in Medina. In den Werken Tabaqat Ibn Sa’d und Akhbar al-Qudat heißt es: Umar ernannte Zaid zum Richter und setzte auch seine Besoldung fest.38
Damals war noch kein eigenes Gerichtsgebäude für Richter errichtet worden. Das Haus von Zaid war das Dar al-Qada, also das Gerichtsgebäude. Auf dem Fußboden des Hauses lag ein Teppich, und er saß in dessen Mitte. Sämtliche Rechtsfälle aus der Hauptstadt Medina und ihrer Umgebung wurden vor Zaid verhandelt. Sogar gegen den damaligen Kalifen Umar wurde hier Klage erhoben, und der Fall wurde von ihm entschieden.
Imam asch-Scha’bi überlieferte: Einmal kam es zwischen dem Kalifen Umar und Ubayy ibn Ka’b zu einem Streit. Als der Fall vor Zaid verhandelt werden sollte, erschien der Kalif Umar als Beklagter vor Gericht. Wie es in der modernen Zeit üblich ist, dem Premierminister oder Staatsoberhaupt im Gericht einen besonderen Stuhl zu geben, wies Zaid dem Kalifen einen Platz neben dem unteren Sitz zu. Doch die Gefährten hielten sich äußerst streng an die von Islam begründete Ordnung der Gleichheit. Besonders Umar war in dieser Angelegenheit kompromisslos. Über das Verhalten des Richters Zaid erzürnt, sagte er: „Das ist dein erstes Unrecht. Ich sollte neben meinem Gegner sitzen.“ Daraufhin setzten sich Kläger und Beklagter gemeinsam vor den Richter.
Die Verhandlung begann. Ubayy war der Kläger. Er erhob Anspruch auf eine bestimmte Sache, während Umar dies bestritt. Nach den islamischen Prozessregeln muss derjenige, der etwas bestreitet, einen Eid leisten. Doch Zaid sagte aus Rücksicht auf die Ehre und Würde des Kalifats zum Kläger: „Auch wenn es nicht der Regel entspricht, bitte ich dich, den Befehlshaber der Gläubigen vom Eid zu entbinden.“ Als der Befehlshaber der Gläubigen dies hörte, sagte er zornig: „Zaid kann kein gerechter Richter sein, solange Umar für ihn nicht genauso ist wie jeder gewöhnliche Muslim.“39
Obwohl es an verschiedenen Orten des damaligen Kalifats mehrere örtliche Bayt al-Mal gab, befand sich in Medina, dem Sitz des Kalifats, das zentrale Bayt al-Mal. Zaid war für dieses zentrale Bayt al-Mal verantwortlich. Im Jahr 31 nach der Hidschra ernannte ihn der Kalif Uthman zu diesem Amt. Zu den Bediensteten dieses Bayt al-Mal gehörte auch ein Sklave Zaids namens Wuhaib. Er war äußerst klug und unterstützte Zaid bei verschiedenen Aufgaben.
Eines Tages war er im Bayt al-Māl tätig. Da kam der Kalif ʿUthmān (r.a.) dorthin. Er fragte: „Wer ist das?“ Zayd antwortete: „Mein Sklave.“ ʿUthmān (r.a.) sagte: „Er hat bei uns ein Anrecht, denn er unterstützt die Muslime.“ Damit deutete er eigentlich auf seine Arbeit im Bayt al-Māl hin. Daraufhin beabsichtigte er, sein Gehalt auf zweitausend Dirham festzusetzen. Doch der geehrte Zayd schlug vor, es auf eintausend festzusetzen. Der Kalif stimmte dem zu. So wurde sein Gehalt auf eintausend Dirham festgesetzt.⁴⁰ Während der Amtszeit des Kalifen Abū Bakr (r.a.) war Zayd (r.a.) ein angesehenes Mitglied des Schūrā-Rates, der aus den herausragenden Persönlichkeiten der Muhādschirūn und Ansār gebildet worden war. Kalif ʿUmar (r.a.) wandelte diesen Schūrā-Rat in einen beratenden Rat um. Auch diesem gehörte Zayd (r.a.) an.
Zayd (r.a.) vereinte neben umfassendem Wissen und vollkommener Kenntnis der Religion auch administrative Fähigkeiten. Kalif ʿUmar (r.a.) vertraute ihm so sehr, dass er ihn jedes Mal als seinen Stellvertreter in Medina zurückließ, wenn er außerhalb Medinas reiste. Auch Kalif ʿUthmān (r.a.) verfuhr ebenso. Nāfiʿ überliefert von Ibn ʿUmar: Wenn ʿUmar (r.a.) zur Haddsch-Reise aufbrach, setzte er Zayd als seinen Stellvertreter ein. ʿUthmān tat es ebenfalls.⁴¹
Während der Kalifatszeit ʿUmars (r.a.) wurde ihm insgesamt dreimal die Ehre zuteil, den Kalifen zu vertreten: zweimal in den Jahren 16 und 17 nach der Hidschra. Al-Balādhurī berichtet: Im Jahr 23 nach der Hidschra unternahm ʿUmar gemeinsam mit den Ehefrauen des Gesandten Allahs (s.a.w.) die Haddsch. Auch damals ließ er Zayd ibn Thābit als seinen Stellvertreter in Medina zurück.⁴² Als Kalif ʿUmar (r.a.) nach Schām reiste, übertrug er Zayd (r.a.) ebenfalls die Verantwortung. Nach seiner Ankunft in Schām schrieb er Zayd einen Brief, in dem er Zayds Namen noch vor seinem eigenen erwähnte. Er schrieb:
– Von ʿUmar ibn al-Chattāb an Zayd ibn Thābit.⁴³
Der geehrte Zayd (r.a.) erfüllte die ihm übertragenen Aufgaben mit außerordentlicher Sorgfalt und Kompetenz. ʿUmar (r.a.) war mit seiner Amtsführung zufrieden und schenkte ihm nach seiner Rückkehr jeweils etwas aus den staatlichen Mitteln.
In einem Hadith heißt es, dass der Glaube mehr als siebzig Zweige hat. Zu ihnen gehört die Vertrauenswürdigkeit, ein besonders wichtiger Zweig. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte sogar: „Wer keine Vertrauenswürdigkeit besitzt, besitzt auch keinen Glauben.“ Bei Zayd (r.a.) war diese Vertrauenswürdigkeit vollständig ausgeprägt. Daher wurden ihm zu verschiedenen Zeiten zahlreiche wichtige Aufgaben im Bereich der Staatsfinanzen übertragen.
Zur Zeit des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) verteilte er den größten Teil der eintreffenden Kriegsbeute eigenhändig. Daran erkennt man, wie bedeutend diese Aufgabe war. Während des Kalifats ʿUmars (r.a.) war die Schlacht von Yarmūk besonders berühmt und wichtig. Die Verteilung der gewaltigen Menge an Beute, die in dieser Schlacht erlangt worden war, übertrug der Kalif Zayd. Außerdem betraute Kalif ʿUmar (r.a.) ihn, als er die Unterhaltszahlungen für die Gefährten festsetzte, mit der Verteilung der Zahlungen an die Ansār. Er begann mit den ʿAwālī. Danach verteilte er sie der Reihe nach an die Stämme ʿAbd al-Aschhal, Aus, Chazradsch und andere und nahm zuletzt seine eigene Zahlung entgegen.⁴⁴
Zayd (r.a.) gehörte zu den engsten Vertrauten am Hof des Kalifen. Unter den engsten Gefährten ʿUmars (r.a.) nahm er eine herausragende Stellung ein. Auch Kalif ʿUthmān (r.a.) schenkte ihm sein Vertrauen. Als sich gegen Ende seines Kalifats überall Aufstände und Unruhen zusammenbrauten, stand Zayd (r.a.) weiterhin auf der Seite des Kalifen. Inmitten dieses Aufruhrs und dieser Unordnung wandte er sich eines Tages an die Ansār und sagte: „O Gemeinschaft der Ansār! Werdet noch einmal zu Allahs Helfern.“ Leider konnte selbst ein Mann wie Zayd (r.a.) an jenem Tag diese äußerst tragische Katastrophe der Geschichte nicht verhindern.
Für dieses Scheitern gab es ebenfalls einen Grund. Einige der edlen Gefährten (Allah sei mit ihnen zufrieden) waren an jenem Tag aus irgendeinem Grund zornig auf Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden) geworden. Unter ihnen befand sich auch ein so herausragender Gefährte wie Abu Ayyub al-Ansari (Allah sei mit ihm zufrieden). Er widersprach Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) und sagte: „Du ermutigst die Menschen deshalb, Uthman zu unterstützen, weil er dir viele Sklaven gegeben hat.“ Abu Ayyub (Allah sei mit ihm zufrieden) war ein Ansari-Gefährte von herausragendem Rang. In seiner Gegenwart blieb Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) nichts anderes übrig, als zu schweigen.
Der Verfasser des Werkes Tahdhīb al-Kamāl erwähnt mehrere Ehefrauen sowie die Namen von neunundzwanzig Söhnen und Töchtern Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden). Eine seiner Ehefrauen war die Tochter des berühmten, als Märtyrer gefallenen Gefährten Saʿd ibn Rabīʿ al-Ansari.45
Saʿd ibn Rabīʿ (Allah sei mit ihm zufrieden) fiel in Uhud als Märtyrer. Er hinterließ zwei Töchter und eine Ehefrau. Seine Ehefrau war damals schwanger. Das Kind in ihrem Leib war Umm Saʿd beziehungsweise Umm al-ʿAlā. Ihr eigentlicher Name war Jamīla. Später wurde sie die ehrenvolle Ehefrau von Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden). Als Saʿd (Allah sei mit ihm zufrieden) starb, waren die Verse über das Erbrecht noch nicht offenbart worden. Deshalb nahm sein Bruder nach der Sitte der Dschāhilīya das gesamte Erbe an sich. Daraufhin wurden dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Verse über das Erbrecht offenbart. Er ließ den Bruder von Saʿd (Allah sei mit ihm zufrieden) rufen und wies ihn an, zwei Drittel den beiden Töchtern und die Hälfte der Ehefrau zu geben und den verbleibenden Anteil selbst zu nehmen. Damals war die Regelung über den Erbanteil des ungeborenen Kindes noch nicht eingeführt worden. Als der spätere Kalif Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) die Regelung einführte, wonach auch ungeborene Kinder erben, sagte Zaid zu seiner Ehefrau: „Wenn du möchtest, kannst du mit deinen Schwestern über das Erbe deines Vaters sprechen. Denn nun hat der Befehlshaber der Gläubigen den Erbanspruch ungeborener Kinder verkündet.“ Umm Saʿd sagte: „Nein, ich werde von meinen Schwestern nichts verlangen.“46
Unter den Kindern Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) war Chāridsch der bekannteste. Er war einer der sieben berühmten Rechtsgelehrten und das von Umm Saʿd geborene Kind. Auch sein zweites Kind und einer seiner Enkel waren in ihrer jeweiligen Zeit berühmte Persönlichkeiten. Sie erlangten als Imame der Hadith-Wissenschaft Bekanntheit. Auch die Zahl seiner freigelassenen Sklaven war groß. Unter ihnen waren Thābit ibn Ubaid und Wahīb am bekanntesten.
Über das Todesjahr Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) gibt es zahlreiche unterschiedliche Angaben. Nach al-Wāqidī starb er im Jahr 45 nach der Hidschra. Nach ʿAlī al-Madīnī im Jahr 51; nach Ahmad ibn Hanbal und Abū Hafs al-Fallās ebenfalls im Jahr 51, und nach al-Haytham ibn ʿAdī und Yahyā ibn Maʿīn im Jahr 55.47 Ibn Hadschar (Allah erbarme sich seiner) sagt: Nach der Mehrheitsmeinung starb er im Jahr 45 nach der Hidschra.48 Bei seinem Tod war er 54 oder 55 Jahre alt. Marwān ibn al-Hakam war damals Statthalter von Medina. Er stand Zaid (Allah erbarme sich seiner) sehr nahe und leitete selbst das Totengebet.49 Als die Menschen von seinem Tod erfuhren, wurden sie von tiefer Trauer ergriffen. Am Tag seines Todes sagte Abu Huraira (Allah sei mit ihm zufrieden): „Heute ist der Ḥabr al-Umma, der religiöse Gelehrte der Gemeinschaft, von uns gegangen.“50 Sālim ibn Abdullāh berichtet: „Am Tag, an dem Zaid ibn Thābit starb, war ich bei Abdullāh ibn Umar (Allah sei mit ihm zufrieden). Ich sagte: ‚Heute ist der Lehrer der Menschen gestorben.‘ Ibn Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: ‚Allah möge sich seiner erbarmen. Während Umars (Allah sei mit ihm zufrieden) Kalifat war er der Lehrer der Menschen und ihr Ḥabr, ihr religiöser Gelehrter.‘“51
Der berühmte Tābiʿī Ibn al-Musayyab sagte: „Ich nahm am Totengebet für Zaid ibn Thābit (Allah sei mit ihm zufrieden) teil. Als er ins Grab hinabgelassen wurde, sagte Ibn Abbas (Allah sei mit ihm zufrieden): ‚Wenn ihr wissen wollt, wie Wissen verschwindet, dann wisst: So verschwindet Wissen. Heute ist viel Wissen dahingegangen.‘“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er sagte: „Heute ist viel Wissen begraben worden.“ Dabei deutete er mit der Hand auf das Grab und sagte: „So verschwindet Wissen. Ein Mensch stirbt, und wenn andere sein Wissen nicht besitzen, geht er mit seinem Wissen ins Grab.“52 Der Dichter Hassān ibn Thābit (Allah sei mit ihm zufrieden) verfasste ein Trauergedicht. Eine seiner Zeilen lautet wie folgt:53
„Wer wird nach Hassān und seinem Sohn noch den Versrhythmus dichten?“
In den Disziplinen der Koranrezitation, des Erbrechts, der Rechtsprechung und der Rechtsgutachten war Zaid (Allah sei mit ihm zufrieden) ein Fachkundiger. In der Sprache des Heiligen Korans war er rāsikh fī l-ʿilm, „tief im Wissen verwurzelt“. Auch Abdullāh ibn Abbās (Allah sei mit ihm zufrieden), der unter den Gefährten als ein Meer des Wissens galt, betrachtete Zaid als rāsikh fī l-ʿilm.54 Nach Ibn al-Athīr war er unter den Gefährten der gelehrteste Mensch.55 Masrūq ibn al-Adschdaʿ, einer der herausragendsten Schüler Abdullāh ibn Masʿūds (Allah sei mit ihm zufrieden), sagte: „Ich habe das Wissen der Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geprüft und untersucht. Die Gesamtheit ihres Wissens konzentrierte sich auf diese sechs: Umar, Ali, Abdullāh, Muʿādh, Abū ad-Dardāʾ und Zaid ibn Thābit.“ Weiter sagte er: „Als ich nach Medina ging und mich nach den Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erkundigte, erfuhr ich, dass Zaid ibn Thābit zu den rāsikhūn fī l-ʿilm, den tief im Wissen Verwurzelten, gehörte.“56
Unter den zahlreichen Wissenschaften, deren Grundlagen der Islam gelegt hat, verdient die Wissenschaft der Qirāʾāt besondere Erwähnung. Die Gelehrsamkeit Hadhrat Zayids auf diesem Gebiet wurde von jedem einzelnen der Sahāba und Tābiʿūn anerkannt.
Der bedeutende Tābiʿī Imām Schaʿbī sagte: „Zayd hatte in der Wissenschaft des Korans ebenso wie in der Wissenschaft der Erbanteile einen Vorrang vor allen anderen Sahāba.“57
Wie eng Hadhrat Zayd (ra) mit dem Heiligen Koran verbunden war, zeigt sich in einem Ereignis aus der Zeit seiner Annahme des Islams. Im Alter von gerade einmal elf Jahren memorierte er siebzehn Suren. Die übrigen Suren memorierte er ebenfalls. Sein ganzes Leben verbrachte er damit, den Koran zu schreiben. Wann immer dem Gesandten Allahs (saw) eine Offenbarung zuteilwurde, nahm er sie auf, schrieb sie nieder und memorierte sie. Auf diese Weise hatte er zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (saw) den gesamten Koran auswendig gelernt.58 Qatāda sagte: „Vier Männer – allesamt Anṣār – waren es: Ubayy ibn Kaʿb, Muʿādh ibn Jabal, Zayd ibn Thābit und Abū Zayd.“59 Aus diesem Grund wählte Kalif Abū Bakr (ra), als er beschloss, den Koran zusammenzutragen, Zayd für diese Aufgabe aus. Und als Kalif ʿUthmān Kopien des Korans anfertigen ließ, hielt er auch Zayids (ra) aktive Beteiligung an dieser Arbeit für unerlässlich.
Hadhrat Ubayy ibn Kaʿb (ra) war der Anführer der Qurraʾ, also der Koranrezitatoren. Hadhrat ʿUmar (ra) gab Zayd sogar ihm gegenüber den Vorzug. Als ʿAbd ar-Raḥmān as-Sulamī dem Kalifen ʿUthmān einmal den Koran vortragen wollte, sagte dieser: „Dann würdest du mich von den Angelegenheiten der Menschen abhalten. Geh stattdessen zu Zayd ibn Thābit. Er hat für diese Aufgabe mehr Zeit. Trage ihn ihm vor; seine Rezitation und meine sind gleich. Zwischen unseren beiden Rezitationen besteht kein Unterschied.“60
Die Überlieferungskette von Hadhrat Zayids Koranrezitation reichte sehr weit. Da er nach der Lesart der Quraisch rezitierte, neigten sich die Menschen ihm zu. Zu Lebzeiten Hadhrat Ubayy ibn Kaʿbs konnte er auf diesem Gebiet zwar nicht zum Mittelpunkt aller werden, doch nach dessen Tod wurde er zum einzigen Zentrum der gesamten muslimischen Welt. Menschen aus verschiedenen Regionen eilten nach Medina zu ihm.
Die von Zayd (ra) begründete Koranrezitation oder Lesart des edlen Korans ist bis heute lebendig. Ibn ʿAbbās, Abū ʿAbd ar-Raḥmān as-Sulamī, Abū al-ʿĀliya ar-Riyāḥī, Abū Jaʿfar und andere waren seine Schüler in der Wissenschaft der Qirāʾāt.61
Unmittelbar nach dem Heiligen Koran nahm der große Prophet den höchsten Rang ein. Er überlieferte nicht so viele Hadithe wie andere. Seine Besonderheit bestand jedoch darin, dass er die Dirāya, also die vernunftgeleitete Betrachtung, heranzog. Hadhrat Rāfiʿ ibn Khadīja (ra) überlieferte, der Gesandte (saw) habe die Verpachtung von Land verboten. Als diese Aussage Zayd (ra) zu Ohren kam, sagte er: „Möge Allah Rāfiʿ vergeben! Den Grund für seine zahlreichen Hadithüberlieferungen kennen wir. Die eigentliche Begebenheit war folgende: Zwei Männer stritten miteinander. Als der Gesandte Allahs (saw) dies sah, sagte er: ‚Wenn die Lage so ist, darf das Land nicht auf Grundlage einer Verpachtung bewirtschaftet werden.‘ Rāfiʿ hatte nur den letzten Teil gehört.“62
Hadhrat ʿĀʾischa (ra) überlieferte den Söhnen az-Zubayrs (ra), dass der Gesandte (saw) nach dem ʿAsr-Gebet in seinem Haus zwei Rakʿa verrichtet hatte. Sie begannen, diese zwei Rakʿa als Sunna zu verrichten. Als Zayd (ra) davon erfuhr, sagte er: „Möge Allah ʿĀʾischa vergeben! Wir besitzen mehr Hadithwissen als sie. Der Grund dafür, dass nach dem ʿAsr-Gebet gebetet wurde, war folgender: Mittags kamen einige Beduinen, um den Gesandten Allahs (saw) zu treffen. Sie stellten Fragen, und der Gesandte (saw) antwortete ihnen. Als die Zeit des Ẓuhr-Gebets kam, verrichtete er es. Nach seiner Rückkehr nach Hause erinnerte er sich daran, dass er die zwei Sunna-Rakʿa nach dem Pflichtgebet des Ẓuhr-Gebets nicht verrichtet hatte. Daraufhin verrichtete er dort die zwei Rakʿa. Möge Allah ʿĀʾischa vergeben! Wir wissen besser als sie, dass der Gesandte (saw) das Gebet nach dem ʿAsr-Gebet verboten hat.“63
Wenn ein Hadith authentisch war und jemand ihn diesbezüglich fragte, bestätigte er ihn. Einmal überlieferte Hazrat Abu Sa’id al-Khudri (r.a.) vor Marwan, dem despotischen umayyadischen Herrscher, einen Hadith über den Rang der Sahaba. Marwan sagte zu ihm: „Du lügst.“ Zaid ibn Thabit und Rafi ibn Khadija (r.a.) saßen neben Marwan auf der Kanzel. Abu Sa’id sagte zu Marwan: „Du kannst sie selbst fragen.“ Stattdessen erhob Marwan ein Messer, um Abu Sa’id zu schlagen. Daraufhin bestätigten diese beiden großen Sahaba, dass Abu Sa’ids Aussage wahr war.⁶⁴
Die meisten Hadithe von Hazrat Zaid (r.a.) sind direkt vom Gesandten Allahs (s.a.w.) überliefert. Außerdem überlieferte er Hadithe von Abu Bakr, Umar und Uthman (r.a.).⁶⁵
Die Liste seiner Schüler auf dem Gebiet der Hadith-Wissenschaft ist sehr lang. Hier seien die Namen einiger berühmter Sahaba und Tabi’un genannt, die von ihm Hadithe hörten und diese über seine Überlieferungskette weitergaben.⁶⁶
Ibn Abbas, Ibn Umar, Anas ibn Malik, Abu Huraira, Abu Sa’id al-Khudri, Sahl ibn Hunayf, Sahl ibn Sa’d und Abdullah ibn Yazid al-Khutami. Sie alle waren Sahaba. Sa’id ibn al-Musayyab, al-Qasim ibn Muhammad, Aban ibn Uthman, Kharija ibn Zaid (der Sohn von Zaid und einer der sieben Fuqaha von Medina), Sahl ibn Abi Hathma, Abu Ammar, Marwan ibn al-Hakam, Ubaid ibn Sabbak, Ata ibn Yasar, Busr ibn Sa’id, Hajar al-Mudari, Tawus, Urwa ibn az-Zubair, Salman ibn Zaid, Thabit ibn Ubaid und Umm Sa’d (Zaids Ehefrau). Darüber hinaus noch viele andere. Die Zahl der von Hazrat Zaid (r.a.) überlieferten Hadithe ist vergleichsweise sehr gering: nur 92 (zweiundneunzig). Darunter befinden sich fünf Hadithe, die von al-Bukhari und Muslim übereinstimmend überliefert wurden. Wegen seiner außerordentlichen Vorsicht bei der Überlieferung von Hadithen ist ihre Zahl so gering. Andernfalls verbrachte er den größten Teil seiner Zeit in der Gegenwart des Gesandten Allahs (s.a.w.), hatte das Glück, viele Hadithe zu hören und zahlreiche Ereignisse mitzuerleben. Der Grund für die geringe Zahl seiner Überlieferungen war eine Warnung des Gesandten Allahs (s.a.w.). Gerade diese Warnung bewog auch viele andere wie ihn dazu, sich bei der Überlieferung zahlreicher Hadithe zurückzuhalten. Muhammad ibn Sa’d erwähnte ihn in seinem Werk at-Tabaqat in der dritten Schicht der Ansar. Allama adh-Dhahabi nahm seine Biografie in seinem Werk Tadhkirat al-Huffaz in die erste Schicht auf.
Hazrat Zaid (r.a.) war auf dem Gebiet der Fiqh-Wissenschaft äußerst bewandert. Bereits zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) nahm er den Sitz des Mufti ein. Sahl ibn Abi Khaythama sagte: „Zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) erteilten drei Männer unter den Muhajirun und drei Männer unter den Ansar Fatwas. Einer dieser drei Ansar war Zaid ibn Thabit (r.a.).“⁶⁷ Imam ash-Sha’bi und der berühmte Tabi’i Masruq überlieferten dasselbe.⁶⁸ Auch während des Kalifats von Hazrat Abu Bakr (r.a.) und Umar (r.a.) bekleidete er in Medina das Amt des Mufti. Darüber hinaus blieb er bis zum Jahr 45 nach der Hidschra bis zu seinem Tod in diesem Amt. Ibn Sa’d überlieferte: Wenn Kalif Abu Bakr (r.a.) mit einem schwierigen Problem konfrontiert war, beriet er sich mit einigen klugen und in der Fiqh bewanderten Sahaba unter den Ansar und Muhajirun. Zaid ibn Thabit gehörte zu ihnen. Und während der Zeit von Abu Bakr, Umar und Uthman (r.a.) erteilte er Fatwas.⁶⁹
Qabis ibn Dhu’aib überlieferte, dass Zaid (r.a.) während der Amtszeiten von Umar, Uthman und Ali (r.a.) und sogar nach der Übernahme des Kalifats durch Mu’awiya (r.a.) im Jahr 40 nach der Hidschra bis zu seinem Tod im Jahr 45 nach der Hidschra das Oberhaupt der Rechtsprechung und der Fatwa, der Qira’at- und der Fara’id-Wissenschaft in Medina war.⁷⁰ Kalif Umar (r.a.) erkannte seine Fähigkeiten uneingeschränkt an. Er maß Zaid (r.a.) eine so große Bedeutung bei, dass er ihm nicht erlaubte, Medina zu verlassen. Wenn an verschiedenen Orten außerhalb Medinas ein äußerst wichtiges Amt frei wurde, ein geeigneter Mann für die Erledigung wichtiger Angelegenheiten benötigt wurde und dem Kalifen deshalb die Namen verschiedener Personen vorgeschlagen wurden, ernannte er einen von ihnen. Sobald jedoch Zaids Name vorgeschlagen wurde, sagte er: „Zaid steht mir nicht zur Verfügung. Aber was soll ich tun? Die Bewohner Medinas sind stärker auf ihn angewiesen. Denn was sie von ihm erhalten können, können sie von niemand anderem erhalten.“⁷¹
Hazrat Abdullah ibn Umar sagte: „Zaid war ein herausragender Gelehrter des Kalifats von al-Faruq. Umar (r.a.) hatte die Menschen über verschiedene Länder und Städte verstreut. Er hatte ein Verbot erlassen, Fatwas zu erteilen und Rechtsurteile zu fällen. Doch Zaid erteilte in Medina den Bewohnern Medinas und den dorthin kommenden Menschen Fatwas.“⁷²
Sulayman ibn Yasar sagte: „Bei Fatwas, den Fara’id und der Qira’at stellten Umar und Uthman (r.a.) niemanden über Zaid (r.a.).“⁷³ Der berühmte Tabi’i Hazrat Sa’id ibn al-Musayyab war trotz seiner Stellung als großer Mujtahid bei der Erteilung von Fatwas ein Anhänger Hazrat Zaids (r.a.). Wenn ihm eine Rechtsfrage oder ein Problem vorgelegt wurde und die Menschen die Ijtihads anderer Sahaba anführten, fragte er sie: „Was hat Zaid dazu gesagt?“ Zaid war in Fragen der Rechtsprechung und Entscheidungsfindung der Gelehrteste. Bei Angelegenheiten, zu denen kein Hadith vorlag, besaß er bei der Abgabe eines Rechtsurteils die größte Einsicht. „Wenn er dazu etwas gesagt hat, dann folgt eben diesem.“⁷⁴
Imam Malik (r.h.) war der Imam von Medina. Auch heute noch ist er der Imam unzähliger Menschen in den Wissenschaften des Fiqh und der Hadithe. Er pflegte zu sagen, dass Zayd ibn Thabit nach Umar (r.a.) der Imam von Medina gewesen sei. Auch Imam asch-Schafi‘i (r.h.) hat bei allen Fragen der Erbrechtswissenschaft die Rechtsmeinung von Zayd (r.a.) befolgt.⁷⁵
Unter den gelehrten Gefährten gab es drei Klassen oder Rangstufen. In der ersten Klasse nahm Zayd (r.a.) seinen Platz ein. Im Laufe seines Lebens erließ er eine außerordentlich große Zahl von Fatwas. Wenn man sie alle zusammentragen würde, ergäbe dies ein umfangreiches Buch.⁷⁶
Der Fiqh von Zayd (r.a.) genoss zu seinen Lebzeiten bei den Menschen großes Ansehen. Saʿid ibn al-Musayyab pflegte zu sagen: Es gibt keine Aussage von Zayd ibn Thabit, nach der die Menschen nicht einmütig gehandelt hätten. Unter den Gefährten gab es viele, nach deren Aussagen niemand handelte. Doch zu Zayds (r.a.) Lebzeiten handelten die Menschen im Osten wie im Westen nach seinen Fatwas.
Nach allgemeiner Auffassung waren vier Gefährtenpersönlichkeiten für die Bekanntheit und Verbreitung der Fiqh-Wissenschaft maßgeblich: Zayd ibn Thabit, ʿAbdullah ibn Masʿud, ʿAbdullah ibn Umar und ʿAbdullah ibn Abbas (r.a.). Durch ihre Schüler und Studenten verbreitete sich das Wissen der Religion im gesamten muslimischen Reich. Medina aber war die Quelle des Islam und der Aufenthaltsort des Propheten (s.a.w.). Dadurch wurde es dank Zayd und seiner Schüler zu einem Zentrum des Wissenserwerbs.
Die gelehrten Gefährten hatten zwei Lehrzirkel. Den Vorsitz des einen führte Umar (r.a.), den des anderen ʿAli (r.a.). Zayd (r.a.) war Mitglied von Umars (r.a.) Lehrzirkel. Dort fanden tiefgründige wissenschaftliche Gespräche statt, und über schwierige und wichtige Rechtsfragen wurden Entscheidungen getroffen.
Fragen zu Angelegenheiten, die noch nicht tatsächlich eingetreten waren, beantwortete er nicht. Kharija ibn Zayd berichtet: Wenn er zu einer Angelegenheit befragt wurde, fragte er zunächst: „Ist dies geschehen oder nicht?“ Ohne eine solche Frage äußerte er keine Meinung. Wenn die Angelegenheit tatsächlich nicht eingetreten war, sagte er dazu überhaupt nichts; war sie jedoch eingetreten, äußerte er sich dazu.⁷⁷
Zayd (r.a.) war gewöhnlich zu jeder Zeit mit der Vermittlung von Wissen beschäftigt. Dennoch setzte er sich zum Nutzen der Allgemeinheit zu einer bestimmten Zeit in der Prophetenmoschee hin, um Fatwas zu erteilen und Fragen zu Rechtsangelegenheiten zu beantworten.
Die Rechtsfragen von Zayd (r.a.) erstrecken sich über alle Kapitel des Fiqh. Eine ausführliche Erörterung ist im begrenzten Rahmen nicht möglich. Hier führe ich kurz einige dieser Rechtsfragen an.
1. Er sagte: Außer den Pflichtgebeten ist es besser, die übrigen Gebete zu Hause zu verrichten.⁷⁸ Er sagte: Das Gebet eines Mannes in der Moschee ist ein besonderes Licht. Wenn ein Mann zu Hause zum Gebet aufsteht, hängen seine Sünden über seinem Kopf. Mit jeder Niederwerfung löscht Allah eine seiner Sünden aus.⁷⁹
2. Ein Mann fragte: Wird im Zuhr- und im Asr-Gebet rezitiert? Er antwortete: Ja. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verrichtete diese beiden Gebete lange Zeit im Stehen, und währenddessen bewegten sich seine Lippen.⁸⁰ Das bedeutet nicht, dass der Betende hinter dem Imam ebenfalls rezitieren soll. Tatsächlich bezog sich die Frage auf den Imam, nicht auf den Betenden. Gemeint war: Wird im Zuhr- und im Asr-Gebet etwas rezitiert? Keine der Überlieferungen von Zayd ibn Thabit, Abu Qatada und Saʿd ibn Abi Waqqas (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) beweist, dass die Gefährten hinter dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) rezitiert haben.
3. Wenn jemand einer Person sein Wohnhaus zum Bewohnen bis zu deren Lebensende überlässt, werden nach ihrem Tod deren Söhne ihre Erben sein. In der Überlieferung von Zayd wird dies erläutert. Er sagte:
4. Nach der Auffassung von Zayd ist der Verkauf von Früchten auf Schätzungsbasis unzulässig, solange die Früchte im Garten noch nicht gut ausgereift oder die Datteln am Baum noch nicht reif sind.⁸¹
In der vorislamischen Zeit war es in Medina üblich, Früchte zu verkaufen, bevor sie an den Bäumen reif waren. Wenn der Käufer dadurch einen Verlust erlitt, kam es zwischen den beiden Parteien zu Streit. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina kam und diesen Zustand sah, verbot er solche Geschäfte.
Unter allen Kapiteln des Fiqh war das Kapitel über die Erbanteile die besondere Fachrichtung von Zayd. In einem Hadith des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) heißt es:⁸² „Der größte Kenner der Erbanteile unter meiner Umma ist der Fachgelehrte Zayd ibn Thabit.“ Aus dieser Aussage des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wird deutlich, wie tief sein Wissen auf dem Gebiet der Erbanteile war. Auch die Gefährten erkannten seine Gelehrsamkeit in diesem Fach an. In seiner historischen Ansprache in Jabiyah erklärte der Kalif Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vor unzähligen Zuhörern: „Wer eine Frage zu den Erbanteilen hat, soll zu Zayd ibn Thabit gehen.“⁸³ Seine Zeitgenossen pflegten zu sagen, dass Zayd andere auf dem Gebiet der Erbanteile und des Korans übertroffen habe.⁸⁴
Die Wissenschaft von den Erbanteilen ist ziemlich kompliziert. Im Koran werden alle wichtigen Fragen dieses Fachs kurz dargelegt. Ihre ausführliche Erklärung und Auslegung wird aus den Aussagen und Handlungen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sowie aus den Rechtsgutachten und Gerichtsentscheidungen der Gefährten entnommen. Was der Koran über Erbschaft und Vermächtnisse enthält, wird in äußerst knappen Worten dargelegt. Darin werden die festgelegten Anteile verschiedener Erben – etwa von Ehemann und Ehefrau, Söhnen und Töchtern, Mutter, Vater sowie Brüdern und Schwestern – verkündet und gesagt, dass derjenige, der diese Grenzen überschreitet, in Wahrheit sich selbst Unrecht tut.
Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erläuterte und erklärte diese knappe Regelung durch seine richterlichen Entscheidungen. Nach seinem Tod entwickelte Zayd dieses Fach so weit fort, dass bald danach Schriften darüber verfasst wurden und es sich zu einer eigenständigen Wissenschaft entwickelte. Selbst gelehrte und hoch angesehene Gefährten wie Abd Allah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wandten sich an Zayd, um von ihm Lösungen für Fragen zu den Erbanteilen zu erfahren.
Im Fall der in Jamama getöteten Bewohner entschied Hadhrat Abu Bakr (ra) gemäß der Fatwa von Hadhrat Zaid (ra). Das heißt, er bestimmte die Überlebenden als Erben der Verstorbenen. Die Verstorbenen wurden nicht gegenseitig als Erben eingesetzt.৮৫
Als bei der Pest von Amwas Stamm um Stamm dahingerafft wurde, fällte Umar (ra) sein Urteil auf Grundlage der von Zaid (ra) vertretenen Ansicht. Selbst Hadhrat Abdullah ibn Abbas (ra), der als Gelehrtester der Umma und als Meer des Wissens bezeichnet wurde, war von Zaids (ra) Lösung überzeugt.
Eines Tages schickte er seinen Schüler Ikrima mit den Worten: „Geh und frage Zaid, wie das Erbe eines Mannes verteilt wird, der eine Ehefrau und beide Eltern hinterlässt.“ Zaid sagte: „Die Ehefrau erhält die Hälfte, die Mutter ein Drittel der verbleibenden Hälfte, und was danach übrig bleibt, erhält der Vater.“ Ibn Abbas (ra) vertrat eine andere Ansicht. Er meinte, die Mutter erhalte ein Drittel. Daher fragte er erneut: „Ist eine solche Verteilung im Koran festgelegt, oder ist dies Ihre eigene Ansicht?“ Zaid (ra) sagte: „Dies ist mein Idschtihad. Ich kann der Mutter nicht den Vorrang vor dem Vater geben.“৮৬
Aus den entlegensten Gebieten des Kalifats schrieben die Menschen Briefe und baten schriftlich um Fatwas. Auch er erteilte schriftliche Antworten. Einmal bat Emir Muawiya (ra) in einem Brief um Zaids (ra) Fatwa bezüglich des Erbanteils des Großvaters. Die schriftliche Fatwa, die Hadhrat Zaid (ra) ihm als Antwort zukommen ließ, ist im Werk Kanz al-Ummal überliefert. In diesem Brief erwähnte er, wie die Kalifen Umar (ra) und Uthman den Anteil des Großvaters verteilt hatten.৮৭
Hadhrat Zaid (ra) ordnete bereits während der Amtszeit des Kalifen Umar (ra) die Lösungen zu den verschiedensten Fragen und Rechtsfällen der Erbrechtswissenschaft.৮৮ Aufgrund seiner Einsicht und seines Verstandes traten neue Probleme auf, für die er Lösungen fand. Später wurden all diese Lösungen zu einem untrennbaren Bestandteil dieser Wissenschaft.
Viele der Gefährten widersprachen der Entscheidung, die Hadhrat Zaid (ra) hinsichtlich des Erbes des Großvaters getroffen hatte. Doch die Unterstützung der Bevölkerung lag auf seiner Seite. In der Erbrechtswissenschaft ist das Erbe des Großvaters ein besonders umstrittener Rechtsfall. Selbst Hadhrat Zaid (ra) äußerte hierzu zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Ansichten. Imam Buchari hat im Kapitel über die Erbanteile einen Abschnitt unter der Überschrift „Das Erbe des Großvaters“ aufgenommen. Darin deutete er auf diese Meinungsverschiedenheit hin. Er sagte dort auch, dass zu diesem Thema unterschiedliche Aussagen von Ibn Umar, Ali, Ibn Masud und Zaid (ra) überliefert worden seien.৮৯ Die Ansicht jedoch, an der Hadhrat Zaid (ra) bis zu seinem Lebensende festhielt, hielten Umar und Uthman (ra) für die anzuwendende Ansicht.
In der Geschichte des Islam war Hadhrat Umar (ra) der Erste, der den Erbanteil des Großvaters anerkannte. Als einer seiner Enkel starb, begann er, sich selbst als den Berechtigten an dessen gesamtem Vermögen zu betrachten. Die Menschen erhoben dagegen Einwände. Eines Tages kam Hadhrat Umar zum Haus Hadhrat Zaids (ra). Dieser kämmte sich gerade, während eine Sklavin sein Haar ordnete. Hadhrat Zaid (ra) sagte zum Kalifen: „Warum habt Ihr Euch die Mühe gemacht herzukommen? Ihr hättet mich doch rufen lassen können.“ Der Kalif sagte: „Ich bin gekommen, um mich in einer Rechtsfrage mit dir zu beraten.“ Da Zaid in diesem Zustand keine Stellungnahme abgeben wollte, verweigerte er seine Meinung. Umar kehrte zurück. An einem anderen Tag kam er wieder. Zaid sagte: „Ich werde dir meine Entscheidung schriftlich mitteilen.“ Daraufhin ordnete er die Verteilung der Anteile in Form eines Stammbaums an. Als Hadhrat Umar (ra) eine Ansprache an die Menschen hielt, sagte er: „Zaid ibn Thabit hat dies niedergeschrieben und mir geschickt. Ich setze es nun in Kraft.“৯০
Hadhrat Zaid (ra) kodifizierte die Wissenschaft der Erbanteile, erforschte ihre verschiedenen Einzelheiten und entwickelte auch neue Rechtsfälle. Seine wichtigste grundlegende Leistung darunter war jedoch die Ausarbeitung des Rechtsfalls des Awl. Manche Menschen meinen, der Erfinder des Awl sei Hadhrat Abbas (ra) gewesen. Doch diese Ansicht widerspricht sowohl den Überlieferungen als auch der Vernunft.
Erstens gibt es für diese Auffassung keinen nennenswerten Beleg. Zweitens besaß Hadhrat Abbas (r.a.) keine besondere Fachkenntnis in der Wissenschaft der Fara’id. Daher widerspricht es der Vernunft, ihm eine solche Vermutung zuzuschreiben.
Wie umfassend Hadhrat Zayd (r.a.) auch in der Wissenschaft der Fara’id gedient hat, ist aus der obigen Erörterung deutlich geworden. Das Wort des edlen Gesandten Allahs – „Der größte Kenner der Fara’id unter meiner Umma ist Zayd“ – hat sich buchstäblich als wahr erwiesen. Die Gelehrten und Scheiche jener Zeit waren angesichts von Hadhrat Zayds (r.a.) außergewöhnlicher Klugheit, Scharfsinnigkeit, Begabung und origineller Denkkraft zutiefst erstaunt. Es ist notwendig, auch etwas darüber zu berichten, wie bewandert er neben den religiösen Wissenschaften in weltlichem Wissen und weltlicher Bildung war. Hier soll nun einiges davon dargelegt werden.
Zayd (r.a.) erlernte auf Anweisung des edlen Gesandten die hebräische und die syrische Sprache. Sein Verstand war so scharfsinnig, dass er sich in diesen beiden Sprachen durch nur fünfzehntägiges Bemühen so weit vervollkommnete, dass er mühelos Briefe schreiben konnte. Durch weitere Übung machte er solche Fortschritte, dass er zu einem Gelehrten der Sprachen der Tora und des Evangeliums wurde. Mas’udi schrieb, dass er auch die persische, römische und abessinische Sprache beherrschte. Diese hatte er von den Menschen in Medina gelernt, die diese Sprachen kannten.91
Im damaligen Arabien waren Rechnen und Mathematik kaum verbreitet. Deshalb wurden in der Frühzeit des Islams die Aufzeichnungen über die Grundsteuer entweder von den Römern oder von den Persern geführt. Die Araber konnten nicht über tausend hinaus zählen; im Arabischen gab es nicht einmal ein Wort für Zahlen über tausend. Zayd (r.a.) war jedoch in der Mathematik so bewandert, dass er selbst äußerst schwierige und feinsinnige Fragen der Fara’id mithilfe von Berechnungen löste. Außerdem konnte er Vermögen und Besitz verteilen. Im achten Jahr nach der Hidschra fand die Schlacht von Hunain statt. Daran nahmen etwa zwölftausend Menschen teil. Der Gesandte (s.a.w.) verteilte die Beute entsprechend der von Zayd erstellten Volkszählung und Berechnung. Zunächst ließ er die Zahl der Menschen feststellen; danach verteilte er die Beute unter ihnen. Ebenso verteilte Zayd (r.a.) die Beute aus der Schlacht von Yarmuk, als sie in Medina eintraf.92
Im vorislamischen Arabien war das Schreiben kaum verbreitet; die Überlieferungen aus der fernsten Vergangenheit bewahrten sie über Generationen hinweg im Gedächtnis. Zayd (r.a.) konnte schreiben und war zu seiner Zeit ein berühmter Schreiber. Neben dem Verfassen verschiedener Erlasse, Verträge und Briefe verstand er sich auch auf schöne Zeichnungen.
In der Zeit des Kalifen Umar (r.a.) brach in Arabien die berühmte Hungersnot, das Jahr der Asche, aus. Um dieser Hungersnot zu begegnen, wies er den Gouverneur Ägyptens, Amr ibn al-As (r.a.), an, Nahrungsmittel zu schicken. Amr ibn al-As (r.a.) sandte zwanzig mit Getreide beladene Schiffe in die Hauptstadt Medina. Umar (r.a.) wartete zutiefst beunruhigt auf die Schiffe. Gemeinsam mit Zayd und einigen weiteren Gefährten begab er sich zum Hafen von Jar in der Nähe Medinas. Als die mit Getreide beladenen Schiffe eintrafen, ließ er dort zwei Lagerhäuser errichten und die Vorräte darin einlagern. Er wies Zayd an, ein Verzeichnis der von der Hungersnot betroffenen Menschen anzufertigen, in dem neben deren Namen auch die für jeden Einzelnen bestimmte Getreidemenge vermerkt war. Auf Grundlage dieser Anweisung erstellte Zayd ein Register. Jedem gab er eine Papierscheibe, auf deren Unterseite Umars (r.a.) Siegel angebracht war. Die Herstellung solcher Scheiben und ihre Versiegelung gab es im Islam damals zum ersten Mal. Ihr Urheber war Zayd.
Das eigentliche Ziel des Islams ist die Vollendung des edelsten Charakters. Zu den Charaktereigenschaften und Vorzügen, die in ihm besonders hervortraten, gehörten die Liebe zum Gesandten, die Befolgung des Gesandten, das Gebieten des Guten, die Ermahnung und aufrichtige Beratung der Herrscher sowie das Streben nach dem Wohlergehen der muslimischen Umma.
Aus übergroßer Liebe zum Gesandten hielt er sich die meiste Zeit an dessen Hof auf. Frühmorgens, sobald er aufstand, begab er sich geradewegs in den Dienst des Gesandten Allahs (s.a.w.). Manchmal ging er so früh, dass er gemeinsam mit dem Gesandten (s.a.w.) das Suhur-Mahl einnahm. Der Gesandte (s.a.w.) rief ihn in seine eigene Kammer.93
Eines Tages ging er zum Gesandten Allahs (s.a.s.) und sah, dass dieser mit Datteln Suhur einnahm. Er forderte ihn ebenfalls auf, am Mahl teilzunehmen. Zaid sagte: „Ich habe mir vorgenommen zu fasten.“ Der Gesandte (s.a.s.) sagte: „Auch wir haben dies beabsichtigt.“ An jenem Tag nahm Hadhrat Zaid gemeinsam mit dem Gesandten (s.a.s.) Suhur ein. Nach kurzer Zeit kam die Gebetszeit, und er ging mit dem Gesandten (s.a.s.) in die Moschee und verrichtete mit ihm das Gebet.94
Zaid (r.a.) saß die meiste Zeit neben dem Gesandten Allahs (s.a.s.). Der Gesandte (s.a.s.) war im Umgang mit ihm so ungezwungen, dass er bisweilen sein Knie auf Zaids Oberschenkel legte. Eines Tages wurde in diesem Zustand sogar die Offenbarung herabgesandt. Zaid berichtete: Das Knie des Gesandten Allahs (s.a.s.) fühlte sich zu dieser Zeit so schwer an, dass es für mich unmöglich wurde, sein Gewicht zu ertragen. Es schien, als würde mein Oberschenkel zerbrechen und zermalmt werden. Doch aus Angst, dies könne respektlos sein, ließ er nicht einmal einen Laut des Schmerzes hören. Er saß schweigend da.95
Er duldete nicht die geringste Abweichung von der Befolgung der Anweisungen des Gesandten Allahs (s.a.s.). Einmal ging er nach Scham zu Amir Muawiya (r.a.) und überlieferte ihm einen Hadith. Muawiya (r.a.) bat einen Mann, den Hadith aufzuschreiben. Zaid (r.a.) sagte: „Der Gesandte Allahs (s.a.s.) hat verboten, seine Hadithe aufzuschreiben.“ Danach löschte er den Teil aus, den jener niedergeschrieben hatte.96
Auch vor den Herrschern schwieg er nicht, wenn es um die Verbreitung der Sunna des Gesandten Allahs (s.a.s.) ging. Marwan ibn war damals Gouverneur von Medina. Er rezitierte im Maghrib-Gebet kurze Suren. Zaid sagte: „Warum tust du das? Der Gesandte (s.a.s.) rezitierte doch auch lange Suren.“97
Wenn einer der Sahaba oder Tabi’in aus Unwissenheit etwas tat, das der Sunna widersprach, warnte Zaid auch ihn. Einmal fing Guraibil ibn Sa’d (r.a.) auf dem Markt einen Vogel. Zaid sah es. Er ging zu ihm, gab ihm eine Ohrfeige, nahm ihm den Vogel weg und ließ ihn fliegen. Dann sagte er zu ihm: „Du Feind deiner selbst, weißt du etwa nicht, dass der Gesandte (s.a.s.) Medina zum Heiligtum erklärt hat?“98
Einmal sah er, wie Shurahbil in einem Garten ein Netz auslegte, und rief laut: „Hier ist die Jagd verboten.“99
Ein Mann kam aus Scham nach Medina, um Olivenöl zu verkaufen. Viele Händler verhandelten mit ihm. Abdullah ibn Umar verhandelte mit ihm und kaufte das Öl. Während sich die Ware noch dort befand, fand sich ein zweiter Käufer. Er sagte zu Abdullah ibn Umar: „Ich gebe dir so viel Gewinn; verkaufe es mir.“ Ibn Umar willigte ein. Als er seine Hand auf die Hand des Mannes legen wollte, um die Vereinbarung zu besiegeln, zog jemand von hinten an seiner Hand. Er blickte sich um und sah Zaid ibn Thabit. Dieser sagte zu Ibn Umar: „Verkaufe jetzt nicht. Bringe die Ware zunächst von hier weg. Denn der Gesandte (s.a.s.) hat einen solchen Handel verboten.“100
Einmal kam er um die Mittagszeit aus dem Haus Marwans, des Gouverneurs von Medina. Seine Schüler sahen dies. Sie dachten, er sei vielleicht wegen einer besonderen Angelegenheit dorthin gegangen. Sie traten zu ihm und fragten ihn. Zaid sagte: „Zu dieser Zeit hatte er mich nach einigen Hadithen gefragt. Ich sagte ihm, dass das Herz eines Muslims gegenüber drei Dingen keine Abneigung empfinden soll: aufrichtig für Allah zu handeln, den Herrschern guten Rat zu geben und der Gemeinschaft anzugehören.“101
ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit war ein hochrangiger Gefährte. Einmal ging er nach Bayt al-Maqdis. Dort bat er einen byzantinischen Mann, kurz sein Pferd zu halten. Dieser weigerte sich. ʿUbāda schimpfte ihn heftig aus und schlug ihn. Die Angelegenheit gelangte zu den Ohren des Kalifen ʿUmar. Er sagte zu ʿUbāda: „Was hast du da getan?“ ʿUbāda erwiderte: „Ich bat ihn, kurz das Pferd zu halten, aber er weigerte sich. Ich war etwas aufgebracht und schlug ihn deshalb.“ ʿUmar sagte: „Bereite dich auf Vergeltung beziehungsweise Qisās vor.“ Zayd ibn Thābit war dort anwesend. Er konnte es nicht ertragen, dass ein Gefährte auf diese Weise gedemütigt wurde. Er sagte zu ʿUmar: „Willst du für einen Sklaven deinen eigenen Bruder schlagen?“ Daraufhin setzte ʿUmar anstelle des Qisās nur die Zahlung der Diyya fest. ʿUbāda musste die Diyya entrichten. 102
Hier noch ein weiterer Vorfall. Als ʿUmar (ra) sich in Syrien aufhielt, erhielt er eines Tages die Nachricht, dass ein Muslim einen Dhimmī getötet hatte. ʿUmar befahl, den muslimischen Täter zu töten. Zayd überzeugte den Kalifen mit großer Mühe und brachte ihn dazu, anstelle des Qisās die Zahlung der Diyya zu akzeptieren. 103
Von Natur aus liebte er es, still und zurückhaltend zu sein. Zu den Kalifen unterhielt er freundschaftliche Beziehungen. Er war einer der engen Gefährten und Berater des Kalifen ʿUmar. Zu ʿUthmān (ra) hatte er ein so enges Verhältnis, dass die Menschen ihn als einen von ʿUthmāns (ra) besonderen Vertrauten betrachteten; ʿUthmān (ra) liebte ihn sehr. Obwohl er im Konflikt zwischen ʿAlī und Muʿāwiya (ra) an keinem Krieg auf ʿAlīs (ra) Seite teilnahm, liebte er ʿAlī dennoch sehr und trat für dessen Größe und Würde ein. Auch zu Amīr Muʿāwiya (ra) unterhielt er gute Beziehungen. Wenn er nach Syrien kam, nahm er in dessen Haus Quartier. 104
Marwān war ein äußerst bekannter Politiker der damaligen arabischen Welt. Zayd (ra) stand in engem persönlichem Verhältnis zu ihm. Dennoch hielt er sich in keiner Angelegenheit von der Politik fern. Eines Tages ließ er Zayd ibn Thābit rufen und stellte ihm einige Fragen zur Politik. Während Zayd antwortete, bemerkte er, dass einige Leute hinter einem Vorhang seine Worte niederschrieben. Sofort sagte Zayd: „Verzeihen Sie, alles, was ich bis jetzt gesagt habe, ist lediglich meine persönliche Meinung.“
Abdullah ibn ʿAbbās (ra) erwies ihm große Achtung. Eines Tages, als Zayd (ra) gerade auf sein Pferd steigen wollte, kam Ibn ʿAbbās herbei, um ihm zu helfen, indem er dessen Steigbügel hielt. Zayd (ra) sagte: „Sie sind der Cousin des Gesandten Allahs. Bitte treten Sie beiseite.“ Er erwiderte: „Uns wurde aufgetragen, unseren Gelehrten und Ältesten gegenüber so zu handeln.“ Da sagte Zayd: „Strecken Sie mir bitte Ihre Hand entgegen.“ Als Ibn ʿAbbās (ra) ihm die Hand reichte, küsste Zayd sie und sagte: „Uns wurde ebenfalls aufgetragen, gegenüber den Angehörigen und der Familie des Propheten (sa) so zu handeln.“ 105
Auch Marwān ibn al-Ḥakam, der nach Aussage von Abū Saʿīd al-Khudrī (ra) einst den Stock erhoben hatte, um einen hochrangigen Gefährten zu schlagen, erwies Zayd (ra) größten Respekt. Wenn Zayd zum Hof kam, ließ Marwān ihn direkt neben sich Platz nehmen. Zayd (ra) gab anderen Gefährten und Tābiʿūn von Zeit zu Zeit brieflich Ratschläge. Dem berühmten Gefährten Ubayy ibn Kaʿb (ra) schrieb er einmal einen solchen Ratschlagbrief. In verschiedenen Büchern über Sīra und Hadith ist er überliefert. 106
Wenn es darum ging, die Wahrheit zu sagen, nahm er auf niemanden Rücksicht. At-Tabarānī überliefert: Der Kalif ʿUmar (ra) erhielt eines Tages heimlich die Nachricht, dass ein Mann namens Abū Mihǧan ath-Thaqafī mit einem Freund in seinem Haus Wein trank. Er brach sofort auf und drang direkt in dessen Haus ein. Dort sagte er zu Abū Mihǧan: „Das habt ihr nicht richtig gemacht, denn Allah hat euch verboten, Spionage zu betreiben.“ ʿUmar (ra) wandte sich an seine Gefährten und sagte: „Was sagt er da?“ Zayd ibn Thābit und ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Arqam (ra) erwiderten: „Amīr al-Muʾminīn, er hat recht. Das ist eine Form der Spionage.“ ʿUmar (ra) ließ ihn daraufhin frei und ging hinaus. 107
Zayd (ra) war gegenüber seiner Familie, seinen Angehörigen und Verwandten sehr gütig. Beim Einschlafen pflegte er zu beten: „O Allah! Ich bitte Dich um Wohlergehen und Überfluss für meine Familie und meine Angehörigen. Und wenn ich zu einem Verwandten die verwandtschaftlichen Beziehungen abgebrochen habe, suche ich Zuflucht bei Dir vor seinem Fluchgebet.“ Im Kreis seiner Familie war er sehr scherzhaft, während er sich in Versammlungen äußerst ernst zeigte. 108
In seinem eigenen Stamm waren die Chazradschiten unermesslich stolz auf ihn. Die beiden seit jeher rivalisierenden Stämme Medinas waren die Aus und die Chazradsch. Auch nach der Annahme des Islams erhoben sie bei verschiedenen Gelegenheiten Anspruch auf Vornehmheit und Überlegenheit gegenüber dem jeweils anderen. So sagten die Chazradschiten einmal: „Unter uns gibt es vier Männer, denen keiner von euch gleichkommt. Sie hatten zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.s.) den gesamten Qur’an zusammengetragen.“ Einer von ihnen war Zaid ibn Thabit.109
Das Leben und Wirken von Zaid (r.a.) lässt sich in einem kurzen Aufsatz nicht darstellen. In den Hadith- und Sira-Werken finden sich zahlreiche Informationen über ihn.
Quellen:
Amr ibn al-Dschamuh (r.a.)
Der Vater des ehrwürdigen Amr ibn al-Dschamuh (r.a.) hieß al-Dschamuh ibn Zaid. Er stammte aus dem Zweig Schakar des berühmten medinensischen Stammes Chazradsch, dem Stamm der Banu Salama. Er war ein Gefährte aus der Ansar.1 Über sein Geburtsjahr und sein frühes Leben sind kaum Informationen überliefert. Ibn Ishaq sagt in seinem Maghazi-Werk: „Er war unter den Banu Salama und in der gesamten Gemeinschaft der Ansar ein Anführer und angesehener Mann.“2 Außerdem war er in der vorislamischen Zeit ihr religiöser Führer und Verwalter ihres Götzenheiligtums.3
In seinem Haus befand sich ein aus Holz gefertigtes Götzenbild namens Manat. Er erwies diesem Götzenbild grenzenlose Verehrung.4 Inzwischen war in Mekka der Ruf des Islams erklungen. Einige Menschen kamen aus Medina nach Mekka, nahmen am zweiten Treueid von Aqaba teil und kehrten anschließend nach Medina zurück. Zu diesen beiden Gruppen gehörte auch Muʿadh, der Sohn Amrs.
Nach ihrer Rückkehr nach Medina begannen sie mit großem Eifer, zum Islam einzuladen, und schon bald hallten die Gassen und Straßen dort vom Ruf des Takbirs wider. Inzwischen hatten einige junge Männer aus den Banu Salama den Islam angenommen. Sie berieten sich und beschlossen, ihren angesehenen Anführer Amr auf irgendeine Weise in den segensreichen Schatten des Islams zu führen. Sein Sohn Muʿadh ließ bei seinen Bemühungen nichts unversucht. Schließlich kam ihnen ein neuer Gedanke.
Sein Sohn Muʿadh kam nachts gemeinsam mit seinem Freund Ibn Haitsam – nach anderer Überlieferung Muʿadh ibn Dschabal – und anderen zum Haus. Ohne dass jemand etwas bemerkte, hoben sie Amrs überaus geliebtes Götzenbild ganz vorsichtig hoch und warfen es in einiger Entfernung in eine Grube voller Abfälle. Am Morgen war Amr zutiefst betrübt, als er den beklagenswerten Zustand seines geliebten Götzenbildes sah. Er hob es wieder auf, wusch und säuberte es, parfümierte es und stellte es an seinen früheren Platz zurück. Dieser Vorgang setzte sich einige Tage lang fort. Schließlich hängte er, da er keinen Ausweg mehr sah, ein Schwert an die Schulter des Götzenbildes und sagte: „Ich weiß nicht, wer sich euch gegenüber so ungehörig verhält. Wenn ich es wüsste, würde ich es ihnen schon heimzahlen. Hier ist ein Schwert; wenn du etwas tun kannst, dann tu es.“
Die jungen Männer spielten nun ein weiteres neues Spiel. In der Dunkelheit der Nacht hoben sie das Götzenbild hoch, nahmen ihm das Schwert ab, banden einen toten Hund daran und warfen es in eine Abfallgrube. Als Amr am Morgen eine solche Entwürdigung seines Götzen sah, wurde er nicht zornig, sondern fand den Weg zur Rechtleitung. Die wahre Erkenntnis wurde ihm offenbar, und er nahm den Islam an. Jene Gefühle jener Zeit hat er in einem Gedicht festgehalten. Hier folgt die Übersetzung einiger seiner Verse.
1. Bei Allahs Namen! Wenn du eine Gottheit wärest, würdest du nicht auf diese Weise zusammen mit einem Hund an einem Seil gebunden in einer Abfallgrube liegen.
2. Alles Lob gebührt dem erhabenen Allah, dem Freigebigen, dem Versorger der Schöpfung und dem Geber der religiösen Vorschriften.
3. Er allein hat mich davor bewahrt, in der Dunkelheit des Grabes gefangen zu werden. In einem anderen Gedicht sagt er:
1. Ich tue beim Reinen und Heiligen Allah Buße. Ich erflehe Vergebung vor Allahs Feuer.
2. Öffentlich und im Verborgenen bringe ich Ihm für Seine Gunst Dank und Lob dar.⁵
Ibn Ishaq berichtet über die Annahme des Islam durch Amr ibn al-Dschamuh einen anderen Bericht. Zusammen mit den jungen Männern der Banu Salama nahmen auch Amrs Frau und seine Söhne den Islam an. Eines Tages sagte Amr zu seiner Frau: »Solange du nicht gesehen hast, wie diese jungen Männer enden, lass niemanden aus deiner Familie sich ihrer Gruppe anschließen.« Seine Frau sagte: »Das habe ich meinetwegen getan; aber hast du gehört, was dein Sohn über diesen Mann⁶ sagt?« Amr sagte: »Wahrscheinlich ist er vom Glauben abgefallen.« Seine Frau erwiderte: »Nein, er war bei seinen Stammesangehörigen. Er ist erst jetzt hierher geschickt worden.« Amrs Frau fragte: »Hast du irgendetwas von diesem Mann gehört?« Er antwortete: »Ja, ich habe gehört.« Daraufhin rezitierte er ihm den Anfang der Sure al-Fatiha. Amr äußerte seine Reaktion so: »Wie süß und wohlklingend sind diese Worte! Sind all seine Worte so?« Seine Frau sagte: »Ach, was für ein Unglück! Es gibt noch Besseres als dies. Willst auch du, wie deine Stammesangehörigen, den Treueid leisten?« Er sagte: »Nein, das werde ich nicht tun. Ich möchte mich erst mit der Göttin Manat beraten. Ich will sehen, was sie sagt.« Bei den Arabern war es Brauch, dass eine alte Frau, wenn sie die Worte Manats hören wollten, hinter ihr stand und an ihrer Stelle antwortete. Als Amr zu Manat kam, sagte er: »Eine alte Frau hinter dir redet allerlei Unsichtbares vor sich hin, während du als stummer Zuhörer dastehst. Dieser Mann verbietet, dich anzubeten, und fordert dich auf, dich von dir abzuwenden. Ohne deinen Rat möchte ich ihm nicht den Treueid leisten. Sag mir, was ich tun soll.« Lange bat er um ihren Rat, doch Manat gab keine Antwort. Da sagte er zornig: »Vielleicht bist du beleidigt. Gut, von jetzt an habe ich nichts mehr mit dir zu tun.« Er stand auf, zerbrach die Statue Manats und zermalmte sie zu Staub.⁷
Über den Zeitpunkt, zu dem Hadhrat Amr den Islam annahm, gibt es noch einige wenig bekannte Ansichten. Ibn al-Athir sagt, dass er nach einer Überlieferung weder bei der zweiten Bai’a von Aqaba noch in den Verzeichnissen beziehungsweise Rangstufen von Badr erwähnt wird.⁸ Kalbi sagte, er sei unter den Ansar der Letzte gewesen, der den Islam annahm.⁹
Als der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) nach Medina kam, stiftete er eine religiöse Bruderschaft zwischen den Ansar und den Muhadschirun. Einer Überlieferung zufolge wurde diese Bruderschaft zwischen Ubaida ibn al-Harith und Amr begründet.10
Es besteht Uneinigkeit darüber, ob Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) am Feldzug von Badr teilnahm. Die richtige Ansicht ist jedoch, dass er nicht an Badr teilnahm. Aus irgendeinem Grund verletzte er sich am Fuß und wurde hinkend. Trotzdem wollte er unter diesen Umständen in den Krieg ziehen. Seine Söhne holten die Erlaubnis des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) ein und hielten ihn von seinem Vorhaben ab. Sie erklärten ihm, dass der Dschihad unter diesen Umständen für ihn nicht verpflichtend sei.
Die Kriegstrommeln von Uhud ertönten. Amr rief seine Söhne und sagte: „Ihr habt mich nicht nach Badr ziehen lassen. Dieses Mal werde ich auf kein Verbot von euch hören. Ich werde unbedingt an diesem Krieg teilnehmen.“ Ibn Ishaq überliefert das Ereignis folgendermaßen: Amr ibn al-Dschamuh war in schwerem Maße hinkend. Seine vier Söhne waren wie Löwen. Bei allen Angelegenheiten und Ereignissen waren sie beim Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم). Am Tag von Uhud sagten sie: „Allah hat dich von dieser Pflicht entbunden, da du behindert bist. Du musst nicht in den Krieg ziehen.“ Amr kam hinkend zum Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) und sagte: „Meine Söhne hindern mich daran, in den Krieg zu ziehen. Bei Allah! Mit diesem hinkenden Fuß möchte ich hinkend ins Paradies gelangen.“ Der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) sagte: „Allah hat dich doch von dieser Pflicht entbunden. Der Dschihad ist dir nicht auferlegt.“ Als Amr dennoch an seiner Entscheidung festhielt, sagte der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) zu seinen Söhnen: „Hindert ihn nun nicht mehr daran. Vielleicht wird Allah ihm das Martyrium schenken.“11
Imam as-Suhaili sagt: Andere haben außerdem überliefert, dass er beim Verlassen seines Hauses mit tiefster Demut im Herzen folgendes Bittgebet sprach:
„O mein Herr! Lass mich nicht wieder nach Medina zurückkehren.“ Dieses innige Flehen wurde am Hofe Allahs, des Erhabenen, erhört. Er fiel als Märtyrer.12
Die Schlacht von Uhud begann. Auch Amr kämpfte mit aller Kraft. Im Verlauf des heftigen Kampfes geriet das muslimische Heer auseinander. Da führte er gemeinsam mit seinem Sohn Khallad einen heftigen Angriff auf das Heer der Götzendiener. Der Vater und der Sohn kämpften mit außergewöhnlichem Mut und erlangten gemeinsam das Martyrium. Der innige Wunsch von Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und die Prophezeiung des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) erfüllten sich. Hinkend gelangte er ins Paradies. Dies geschah im 3. Jahr nach der Hidschra bzw. im Jahr 625 n. Chr.13
Auf dem Schlachtfeld lag der leblos gewordene Körper von Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) ging gerade vorbei. Als er den Leichnam sah und ihn erkannte, blieb er stehen. Er sagte: „Allah erfüllt manche seiner Eide. Ich sehe ihn als einen von ihnen. Ich kann ihn hinkend ins Paradies gehen sehen.“ Der Mörder von Amr und Khallad war al-Aswad ibn Dschawn.14
Als Amrs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Martyrium seiner Frau mitgeteilt wurde, brachte sie ein Kamel, lud die Leichname ihres Mannes und ihres Bruders Abdullah ibn Amr (des Vaters von Dschabir, möge Allah mit ihm zufrieden sein) auf dessen Rücken und nahm sie mit nach Hause. Später wurde jedoch beschlossen, alle Märtyrer auf dem Schlachtfeld von Uhud zu bestatten. Der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) holte die beiden Leichname von Amrs Frau zurück und bestattete sie gemeinsam mit allen Märtyrern von Uhud.15 Ibn Ishaq überliefert dies nach dem Bericht einiger angesehener älterer Männer aus den Banu Salima. Bei der Bestattung der Märtyrer von Uhud sagte der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم): „Achtet besonders auf Amr ibn Dschamuh und Abdullah ibn Haram. Im Diesseits standen sie in derselben Reihe. Bestattet sie in einem gemeinsamen Grab.“16 So wurden sie gemeinsam in einem Grab bestattet.
Imam Suhaili berichtet jedoch, dass Amrs Söhne seinen Leichnam auf ein Kamel luden, um ihn nach Medina zu bringen. Das Kamel wurde widerspenstig. Trotz aller Anstrengungen konnten sie es nicht in Richtung Medina führen. Da erinnerten sie sich an die letzten zwei Verse ihres Vaters: „O mein Herr, bringe mich nicht wieder nach Medina zurück.“ Sie unternahmen keine nutzlosen weiteren Versuche und bestatteten ihren Vater an dem Ort, an dem er gefallen war.17
Imam Malik berichtet in seinem Werk al-Muwatta: Amr ibn Dschamuh und Abdullah ibn Amr, die in Uhud den Märtyrertod erlitten hatten, wurden gemeinsam am Rand eines Wasserlaufs bestattet. Viele Jahre später wurde das Grab durch die Strömung aufgerissen, und die beiden Leichname kamen vollkommen unversehrt zum Vorschein, als wären sie erst am Tag zuvor gestorben. Man hob sie aus, um sie an einem anderen Ort zu bestatten. Abdullah war verwundet; eine seiner Hände lag auf der Wunde. So wurden sie erneut bestattet. Zwischen der Schlacht von Uhud und diesem Ereignis lagen ungefähr 46 (sechsundvierzig) Jahre.
Dschabir sagte: Nach der Aushebung aus dem Grab sah ich meinen Vater; er schien im Grab zu schlafen. Kein Teil seines Körpers war auch nur im Geringsten verändert. Man fragte ihn, in welchem Zustand er ihre Leichname bei der Bestattung vorgefunden habe. Er sagte: Ich sah, dass er mit einem Stück Stoff bedeckt war, einschließlich seines Gesichts und der oberen Körperhälfte. An seinen Füßen lag eine Grasart namens Harmal. Auch diese beiden Dinge waren unversehrt.18
Wie bereits erwähnt, hatte Amr (ra) vier Söhne. Sie alle nahmen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (sas) an sämtlichen Schlachten und Ereignissen teil. In den Sira-Werken werden die Namen von zweien genannt: Muadh und Challas. Muadh (ra) nahm bereits vor seinem Vater den Islam an und erlangte die Ehre, am zweiten Treueid von Aqaba teilzunehmen. Challas (ra) war einer der Märtyrer von Uhud. Außerdem erlitt in dieser Schlacht ein Sklave Amrs (ra) namens Abu Aiman den Märtyrertod.19 Welche größere Ehre und Auszeichnung könnte es für einen Muslim geben?
Amrs (ra) stolze Ehefrau hieß Hind bint Amr. Sie war die Schwester von Abdullah ibn Amr ibn Haram, einem Anführer der Banu Salima und Märtyrer von Uhud, sowie die leibliche Tante des berühmten Gefährten Dschabir ibn Abdullah (ra).
Amr (ra) war großgewachsen und hatte einen hellen, leuchtenden Teint. Sein Haar war lockig. Er hatte ein lahmes Bein.20 Gastfreundschaft und Freigebigkeit gehören zu den alten Traditionen der Araber. Wegen seiner Freigebigkeit ernannte der edle Gesandte (sas) ihn zum Anführer der Banu Salima. Die Begebenheit trug sich folgendermaßen zu: Einmal kamen einige Männer der Banu Salima zum Gesandten Allahs (sas). Er fragte: „Wer ist euer Anführer?“ Sie antworteten: „Dschadda ibn Qais.“ Er ist ein geiziger Mann.“ Als der Gesandte dies hörte, sagte er: „Es gibt keine schlimmere Krankheit als Geiz. Euer Anführer soll vielmehr Amr ibn al-Dschamuh sein.“21 In einer Überlieferung von Imam Zuhri wird allerdings der Name Bischr ibn al-Bara genannt.22 Ein Dichter der Ansar schilderte dieses Ereignis in Versform.23 Im Folgenden die Übersetzung einiger seiner Verse:
1. Der Gesandte (sas) sagte – und seine Worte sind wahr: „Wer ist euer Anführer?“
2. Sie antworteten: „Dschadda ibn Qais. Obwohl er uns führt, ist er ein Geizhals.“
3. Er ist ein junger Mann, der keinen Schritt auf die Menschen dieser Welt zugeht und niemandem eine helfende Hand reicht.
4. Deshalb machte er Amr ibn Dschamuh wegen seiner Freigebigkeit zum Anführer. Aufgrund seiner Freigebigkeit gebührte allein Amr das Recht auf die Führung.
5. Wenn ein Bedürftiger zu ihm kam, gab er ihm von seinem Besitz und sagte: »Nimm dies und komm morgen wieder.«
Er hegte eine leidenschaftliche Verehrung und Liebe für den edlen Gesandten. Wenn der Gesandte (s.a.w.) heiratete, veranstaltete er aus eigener Initiative dessen Walima.24
Quellen:
ʿAmr ibn Hazm (r.a.)
Der Beiname von ʿAmr (r.a.) war Abu ad-Dahhak, einer anderen Überlieferung zufolge Abu Muhammad. Sein Vater, Hazm ibn Yazid, war ein Sohn des Zweigs Banu Nadschdschār des Stammes Chazradsch in Medina, und seine Mutter war eine Tochter des Zweigs Banu Saʿida.1 Hadhrat Ammar ibn Hazm (r.a.), der am Treueid von al-Aqaba teilgenommen hatte, war mein Halbbruder.2
In der Frühzeit des Islam und bis zur Hidschra war er bereits erwachsen. Daher lässt sich nicht genau feststellen, wann er den Islam annahm. Wahrscheinlich nahm er ihn gemeinsam mit den Angehörigen seiner Familie an.3
Da sie das Alter für die Teilnahme an Feldzügen noch nicht erreicht hatten, konnten sie nicht an den Schlachten von Badr und Uhud teilnehmen. Ibn Hischam berichtet: Weil sie noch zu jung waren, erlaubte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Umama ibn Zaid, Abdallah ibn Umar ibn al-Chattab, ibn Thabit, al-Bara ibn Amir, Amr ibn Hazm und Usaid ibn Dschuhair nicht, an der Schlacht von Uhud teilzunehmen. Sie wollten mitziehen, doch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schickte sie zurück. Zur Zeit der Grabenschlacht erlaubte er ihnen die Teilnahme.⁴ Ibn Ishaq berichtet: Amr sagte: „Im Alter von fünfzehn Jahren nahm ich an der Grabenschlacht teil.“⁵ An allen Schlachten nach der Grabenschlacht nahm er teil. Die Grabenschlacht war die erste Schlacht seines Lebens.⁶
Ibn Ishaq berichtet: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sandte im Monat Rabi al-awwal oder Dschumada al-awwal des zehnten Jahres nach der Hidschra Chālid ibn al-Walid zu den Banu al-Harith ibn Ka’b in Nadschran. Bei seiner Abreise wies er ihn an, ihnen dreimal den Islam anzubieten, bevor er ihnen den Krieg erklärte. Wenn sie diesen Aufruf annähmen, solle er ihre Annahme akzeptieren; wenn sie ihn zurückwiesen, solle er gegen sie kämpfen. Als Chālid dort eintraf und ihnen den Islam anbot, nahmen sie ihn an. Durch Chālids unermüdliche Bemühungen nahmen die Einwohner Nadschrans den Islam an. Chālid blieb dort und lehrte sie die verschiedenen Aspekte des Islam, das Buch Allahs und die Sunna des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).
Schließlich schrieb Chālid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Brief, in dem er die genaue Lage Nadschrans schilderte. Daraufhin sandte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Chālid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) einen Brief. Darin wies er ihn an, gemeinsam mit einer Delegation der Banu al-Harith nach Medina zu kommen. Chālid kam mit einer Delegation nach Medina. Die Delegation erörterte mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verschiedene Fragen. Ibn Hischam berichtet: Diese Gruppe kehrte am Ende des Monats Schawwal oder zu Beginn des Monats Dhul-Qa’da in ihre Heimat zurück. Nach ihrer Rückkehr lebte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nur noch vier Monate. Ibn Hischam berichtet außerdem, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach der Rückkehr der Delegation Amr ibn Hazm mit der umfassenden Verantwortung zu ihnen sandte, ihnen die wahre Kenntnis der Religion zu vermitteln, die Grundlagen des Islam zu erklären, sie die Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu lehren sowie Zakāt und Sadaqa einzuziehen. Vor seiner Abreise übergab der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihm ein schriftliches Dokument, in dem der Umfang seiner Verantwortung und die Einzelheiten seiner Vorgehensweise dargelegt waren.⁷ Hier folgt sinngemäß der Inhalt dieses Schreibens:
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Dies ist eine Erklärung Allahs und Seines Gesandten: O ihr Gläubigen, erfüllt die Verpflichtung, wenn er nach Jemen entsandt wird. Er weist ihn an, Allah in allen Angelegenheiten zu fürchten. Denn Allah, der Erhabene, weist ihn an, die Vermögen der Menschen entsprechend Allahs Anordnung und in Wahrhaftigkeit entgegenzunehmen.
Du sollst den Menschen frohe Botschaft vom Guten verkünden und das Gute gebieten. Du sollst sie den Koran lehren, ihnen seine tiefen Bedeutungen erklären und sie vom Schlechten abhalten. Niemand darf den Koran berühren, außer wenn er sich im Zustand der Reinheit befindet. Du sollst sie über die Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten der Menschen unterrichten. Wenn die Menschen auf dem Recht und der Wahrheit stehen, sollst du ihnen gegenüber nachsichtig sein; wenn sie Unrecht tun, sollst du streng mit ihnen sein. Denn Allah missbilligt das Unrecht und hat es verboten. Allah sagt: „Hütet euch! Allahs Fluch liegt auf den Ungerechten.“ Du sollst den Menschen die frohe Botschaft vom Paradies und von den Taten des Paradieses verkünden. Ebenso sollst du sie vor der Hölle und den Taten der Hölle warnen.
Du sollst zu den Menschen ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen, damit sie die Religion verstehen. Du sollst sie über die Riten der Hadsch, ihre Sunna und Pflichten sowie über das unterrichten, was Allah diesbezüglich dargelegt hat. Du sollst ihnen die große Hadsch erklären. Die Hadsch gibt es in zwei Arten: die große Hadsch und die kleine Hadsch. Die Umra ist die kleine Hadsch. Du sollst den Menschen verbieten, das Gebet in nur einem kleinen Tuch zu verrichten. Wenn ein weiteres Tuch über die beiden Schultern gewickelt ist, darf der Kopf nicht durch eine Öffnung so herausragen, dass er zum Himmel weist. Du sollst ihnen verbieten, am Kopf einen Haarzopf zu binden.
Du sollst den Menschen verbieten, aufgeregt zu werden und zu Stämmen und Gemeinschaften aufzurufen. Ihr Aufruf soll allein Allah gelten. Wenn jemand nicht zu Allah, sondern zu einem Stamm oder einer Gemeinschaft aufruft, sollst du ihm mit dem Schwert den Kopf abschlagen, damit ihr Aufruf allein dem einen Allah gilt. Du sollst die Menschen anweisen, die Gebetswaschung vollständig zu verrichten, so wie Allah befohlen hat: das Gesicht, die Arme bis zu den Ellenbogen und beide Füße bis zu den Knöcheln zu waschen und über den Kopf zu streichen. Du sollst sie anweisen, die Gebete zu ihrer vorgeschriebenen Zeit zu verrichten und Verbeugung und Niederwerfung ordnungsgemäß auszuführen. Du sollst die Menschen anweisen, das Morgengebet in der Dunkelheit, das Mittagsgebet nach dem Neigen der Sonne nach Westen, das Nachmittagsgebet, wenn die Sonne sich von der Erde abwendet, und das Abendgebet beim Einbruch der Nacht zu verrichten. Das Abendgebet soll nicht so lange hinausgezögert werden, bis die Sterne am Himmel zu sehen sind. Weise sie an, das Nachtgebet im ersten Teil der Nacht zu verrichten. Wenn zum Freitagsgebet gerufen wird, sollen sie jede Arbeit einstellen und zum Freitagsgebet gehen. Vor dem Aufbruch sollen sie die Ganzkörperwaschung vollziehen.
Jeder Jude oder Christ, der aufrichtig Muslim wird und sich an die islamischen Vorschriften hält, soll als wahrer Gläubiger betrachtet werden. Er soll dieselben Rechte wie die Gläubigen genießen, und ebenso sollen ihm dieselben Pflichten und Verantwortlichkeiten obliegen. Ein Jude oder Christ, der bei seiner eigenen Religion bleibt, darf in keiner Weise behindert werden. In diesem Fall obliegt jedem Erwachsenen, gleich ob Frau oder Mann, Freier oder Sklave, ein vollständiger Dinar oder das seines Gesandten. Wer dies verweigert, ist ein Feind Allahs, des Gesandten Allahs und aller Gläubigen. Möge Allah Muhammad Barmherzigkeit erweisen. Friede sei mit ihm sowie Allahs Barmherzigkeit und Sein Segen.
Neben der Verwaltung Najrans waren ihm auch die religiösen und wirtschaftlichen Aufgaben anvertraut. Er war außerdem mit dem Unterrichten und der Daʿwa betraut. Ibn al-Athīr sagt: Der Gesandte Allahs (s.a.s.) beauftragte ihn damit, den Bewohnern Najrans Fiqh und den Qur’an zu lehren sowie von ihnen Zakāt und Sadaqa einzuziehen.8
Ibn Hadschar sagt: Als der Gesandte Allahs (s.a.s.) ʿAmr nach Najran entsandte, war er erst siebzehn Jahre alt. Auch Ibn Saʿd hat dies gesagt.9 Doch es scheint, dass diese Aussage nicht zutrifft. Denn in sämtlichen Werken über die Sīra und die Geschichte wird berichtet, dass er im zehnten Jahr nach der Hidschra nach Najran ging. Ebenso wird berichtet, dass er zur Zeit der Grabenschlacht fünfzehn Jahre alt war. Ibn Hadschar sagt auch in seinem Werk Tahdhīb at-Tahdhīb (8/9), dass er bereits im Alter von fünfzehn Jahren an der Grabenschlacht teilnahm. Es ist zudem unstrittig, dass die Grabenschlacht im fünften Jahr nach der Hidschra stattfand. Folglich kann er im zehnten Jahr nach der Hidschra unter keinen Umständen jünger als zwanzig Jahre gewesen sein.
Hadhrat ʿAmr (r.a.) nahm seine Frau mit, als er von Medina nach Najran ging. Ihre Name war ʿUmra. In jenem Jahr, nachdem sie Najran erreicht hatten, wurde ihnen ein Sohn geboren. Die Eltern nannten ihn Muhammad und gaben ihm den Beinamen Abū Sulaimān. Als diese Nachricht den Gesandten Allahs (s.a.s.) in Medina erreichte, ließ er ihnen schriftlich mitteilen, dass sie das Kind Muhammad und mit dem Beinamen Abū ʿAbd al-Malik nennen sollten.10 Imām al-Hāzimī sagt in seiner Darstellung dieses Muhammad: Abū ʿAbd al-Malik Muhammad ibn ʿAmr ibn Hazm gehörte zu denen, die Najran im Jemen zugerechnet wurden. Er wurde an-Nadschrānī genannt, weil er zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.s.), im zehnten Jahr nach der Hidschra, dort geboren wurde. Am Tag von al-Harra ernannten ihn die Ansār in Medina zu ihrem Statthalter, und im Jahr 63 nach der Hidschra fiel er beim Ereignis von al-Harra als Märtyrer.
Hadhrat ʿAmr (r.a.) hatte zwei Ehefrauen. Die erste hieß ʿUmra. Sie war die Tochter von ʿAbdullāh ibn al-Hārith al-Ghassānī. Dieser ʿAbdullāh war in Medina ein Zugewanderter und in Medina ein Halīf, also ein Verbündeter, des Stammes Sāʿida.12 Die zweite hieß Sauda bint Hārith.13 Sie lebte bis zum letzten Tag im Leben von ʿAmr (r.a.).
Die genaue Zahl der Kinder von ʿAmr (r.a.) ist nicht bekannt. Sein Sohn Muhammad jedoch, der zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.s.) geboren wurde, erlangte Bekanntheit. Er überlieferte nach ʿUmar (r.a.) und anderen. Den Brief, den der Gesandte Allahs (s.a.s.) seinem Vater gegeben hatte, zeigte er den Menschen und sagte: „Dies ist ein Brief des Gesandten Allahs (s.a.s.). Er gab ihn ʿAmr ibn Hazm, als er ihn in den Jemen entsandte.“14 Der berühmte Mudschtahid und Faqīh Qādī Abū Bakr war der Sohn dieses Muhammad.15
Er verfügte über tiefes Wissen, die Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen, ein scharfes Urteilsvermögen und umfassende Kenntnis der Bestimmungen der Scharia. Dies zeigt sich darin, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) ihn zum Statthalter von Najran ernannte. Dass er bereits im Alter von nur zwanzig Jahren die schwere Verantwortung der Regierungsführung übernahm und Qur’an sowie Hadithe lehrte, zeugt von seiner außergewöhnlichen Befähigung und seinem Talent.
Über seine Überlieferungskette wurden einige Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.s.) überliefert. Insbesondere die schriftliche Abhandlung, die der edle Gesandte (s.a.s.) ihm unmittelbar vor seiner Reise nach Najran übergab, wurde von Abu Dāwūd, an-Nasāʾī, Ibn Hibbān, ad-Dārimī und anderen Hadithgelehrten überliefert. Einige derjenigen, die von ihm Hadithe überlieferten, werden hier genannt:
seine Ehefrau Sauda, sein Enkel Abū Bakr, sein Sohn Muhammad, Nadhr ibn ʿAbdullāh as-Sulamī und Ziyād ibn Suwaim al-Hadramī.16
Die herausragenden Eigenschaften von ʿAmrs (r.a.) Charakter waren Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Der zornige Blick niemandes konnte ihn jemals davon abhalten, die Wahrheit zu sagen. Über den berühmten Gefährten ʿAmmār ibn Yāsir (r.a.) prophezeite der Gesandte Allahs (s.a.w.), dass eine aufständische Gruppe ihn töten werde. In der Schlacht von Ṣiffīn fiel ʿAmmār (r.a.) als Märtyrer durch die Hand von Muʿāwiyas (r.a.) Truppen, während er auf der Seite ʿAlīs (r.a.) kämpfte. ʿAmmār (r.a.) ging zu ʿAmr ibn al-ʿĀṣ (r.a.), einem Unterstützer Muʿāwiyas (r.a.), und sagte: »ʿAmmār ist getötet worden. Über ihn sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): ›Eine aufständische Gruppe wird ihn töten.‹« Danach ging er zu Muʿāwiya (r.a.) und sagte: »ʿAmmār ist getötet worden. Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: ›Eine aufständische Gruppe wird ihn töten.‹« Muʿāwiya (r.a.) sagte: »Du liegst in deiner Argumentation falsch. Habe etwa ich ihn getötet? ʿAlī und seine Gefährten haben ihn getötet. Sie haben ihn unseren Speeren und Schwertern ausgeliefert.«¹⁷
Muʿāwiya (r.a.) war damals der Kalif. Einmal ging ʿAmr (r.a.) zum Hof des Kalifen und trug ihm, auf seine Herrschaft anspielend, einen Hadith des Gesandten Allahs (s.a.w.) vor. Er sagte: »Ich hörte aus dem Mund des Gesandten Allahs (s.a.w.): ›Am Tag der Auferstehung wird der Herrscher über seine Untertanen befragt werden.‹«¹⁸
Im Musnad von Abū Yaʿlā wird mit einer authentischen Überlieferungskette berichtet, dass es einmal zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Muʿāwiya (r.a.) und ʿAmr (r.a.) kam, als Muʿāwiya den Treueid auf seinen Sohn Yazīd entgegennahm.¹⁹
Über das Todesjahr von ʿAmr (r.a.) besteht Uneinigkeit. Es wird berichtet, dass er in den Jahren 51, 53 oder 54 nach der Hidschra starb. Abū Nuʿaym sagt, ʿAmr ibn Ḥazm sei während des Kalifats von ʿUmar (r.a.) gestorben. Auch Ibrāhīm ibn al-Mundhir äußert sich in seinem Werk Ṭabaqāt entsprechend. Es werden jedoch auch Meinungen überliefert, denen zufolge er nach dem Jahr 50 nach der Hidschra starb. Ibn Ḥajar erklärte eine dieser Auffassungen für richtig. Denn der Streit zwischen ihm und Muʿāwiya (r.a.) ist mit einer authentischen Überlieferungskette überliefert. Daher kommt ein Tod während des Kalifats von ʿUmar (r.a.) überhaupt nicht infrage. Er starb in Medina.²⁰
ʿAmr ibn Ḥazm berichtet: »Eines Tages sah der Gesandte Allahs (s.a.w.), wie ich auf einem Grab stand, und sagte: ›Komm herunter. Füge dem im Grab Bestatteten kein Leid zu.‹«²¹
Quellenangaben:
Kaʿb ibn Mālik (r.a.)
Kaʿb (r.a.) war einer jener drei Männer der Geschichte, die aus Trägheit nicht am Feldzug nach Tabūk teilnahmen und dadurch den Unwillen Allahs, Seines Gesandten (s.a.w.) und der Gläubigen auf sich zogen. Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, einen Vers, der ihnen die frohe Botschaft von der Annahme ihrer Reue verkündete.¹ Er wurde im Jahr 598 n. Chr., 25 Jahre vor der Hidschra, in Yathrib geboren.² In den Geschichts- und Sīra-Werken werden zahlreiche Kunyas beziehungsweise Beinamen von ihm erwähnt, nämlich: Abū ʿAbdullāh, Abū ʿAbdir-Raḥmān, Abū Muḥammad und Abū Bashīr.³ Aus einer Überlieferung Ibn Ḥajars geht hervor, dass sein Vater Mālik ibn Abī Kaʿb ʿAmr seinem Sohn nach dessen Geburt die Kunya Abū Bashīr gab. Nach seinem Übertritt zum Islam gab ihm der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Kunya Abū ʿAbdullāh. Er war das einzige Kind seiner Eltern.⁴ Der Name seiner Mutter war Laylā bint Zayd. Beide Eltern stammten aus dem Zweig Banū Salima des medinensischen Stammes der Khazradsch.⁵ Er war ein Gefährte von al-ʿAqaba und von Uḥud. Ibn Abī Ḥātim sagt: »Er war auch eines der Mitglieder von Ahl aṣ-Ṣuffa.«⁶ Im Alter von fünfundzwanzig Jahren nahm er gemeinsam mit seinen Stammesangehörigen am Treueid von al-ʿAqaba teil und trat zum Islam über.⁷
Ibn al-Athir sagt: Nach Ansicht fast aller Kenner der Sira nahm Kaʿb am letzten Treueid von al-ʿAqaba teil. ʿUrwa führte seinen Namen unter den siebzig Männern an, die an al-ʿAqaba teilgenommen hatten. Bei al-Buchari und Muslim wird überliefert, dass Kaʿb sagte: „Ich war beim Treueid von al-ʿAqaba beim Gesandten Allahs (s.a.w.s.) anwesend. Wir verpflichteten uns dem Islam.“ In einer anderen Überlieferung heißt es jedoch, er habe den Treueid in der Nacht von al-ʿAqaba versäumt.ⁱ⁰
Aus der Überlieferung Ibn Ishaqs geht eindeutig hervor, dass Kaʿb ibn Malik am letzten Treueid von al-ʿAqaba teilnahm. Kaʿb selbst berichtete ausführlich über diesen Treueid, und er wurde in verschiedenen alten Werken überliefert. In der Sīrat Ibn Hischām ist der Bericht wörtlich aus Kaʿbs Mund überliefert; hier geben wir eine gekürzte Fassung davon wieder.
Ibn Ishaq überlieferte über ʿAbdullah und Maʿbad, die Söhne Kaʿbs. Kaʿb brach von Medina zusammen mit einer Karawane heidnischer Pilger aus seinem Stamm nach Mekka auf. Zu dieser Karawane gehörten auch einige Muslime, die den Islam bereits angenommen hatten. Sie hatten die Religion verstanden und verrichteten das Gebet. Ihr ältester und führender Mann war al-Barāʾ ibn Maʿrūr. Eines Tages sagte er unterwegs: „Ich möchte nicht länger mit dem Rücken zur Kaaba beten. Von nun an werde ich mich beim Gebet der Kaaba zuwenden.“ Kaʿb und die anderen widersprachen ihm und sagten: „Unser Prophet (s.a.w.s.) betet doch mit dem Gesicht zum Bayt al-Maqdis in Syrien. Wir wollen nicht entgegen seiner Anweisung auf diese Weise beten.“ Dennoch blieb al-Barāʾ bei seiner Ansicht.
Als unterwegs die Gebetszeit eintrat, wandte sich al-Barāʾ beim Gebet der Kaaba zu, während Kaʿb und die anderen ihr Gesicht nach Syrien richteten. Als sie in Mekka ankamen, tadelten sie al-Barāʾ für sein Verhalten. Doch es nützte nichts; er blieb bei seiner Ansicht.
Als sie in Mekka angekommen waren, sagte al-Barāʾ zu Kaʿb: „Bring mich bitte zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Ich möchte ihn zu dem fragen, was ich auf dem Weg getan habe. Weil ich euch widersprochen habe, fühle ich mich nicht wohl.“ Kaʿb machte sich mit ihm auf den Weg zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Keiner von beiden hatte den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) zuvor gekannt oder gesehen. Unterwegs trafen sie zwei Männer aus Mekka, die sie nach dem Aufenthaltsort des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) fragen wollten. Sie sagten: „Kennt ihr ihn?“ Kaʿb und al-Barāʾ antworteten: „Nein.“ Sie fragten: „Kennt ihr seinen Onkel ʿAbbās?“ Sie antworteten: „Ja, wir kennen ʿAbbās. Aus geschäftlichen Gründen kommt er zu uns.“ Da sagten die beiden: „Wenn ihr die Moschee betretet, werdet ihr neben ʿAbbās einen Mann sitzen sehen. Er ist derjenige.“
Wie die beiden Männer es ihnen gesagt hatten, betraten Kaʿb und al-Barāʾ die Heilige Moschee. Sie sahen ʿAbbās sitzen, neben ihm den Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Sie grüßten sie und setzten sich zu ihnen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sagte zu ʿAbbās: „Abū l-Fadl! Kennst du diese beiden Männer?“ ʿAbbās antwortete: „Ja. Dies ist al-Barāʾ ibn Maʿrūr, der Führer seines Volkes, und dies ist Kaʿb ibn Malik.“ Kaʿb sagte: „Bei Allah, ich habe bis heute das fragende Wort des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) nicht vergessen: ‚Der Dichter?‘ Das heißt: Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) fragte ʿAbbās: ‚Ist dies jener Dichter Kaʿb ibn Malik?‘ ʿAbbās antwortete: ‚Ja, er ist jener Dichter Kaʿb.‘“ Danach berichtete Kaʿb, wie seine Begegnung mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) zustande kam und unter welchen Bedingungen sie ihm den Treueid leisteten.¹¹ Die zwölf Naqīb, die der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) ernannte, hat Kaʿb außerdem in einem Gedicht festgehalten. Ibn Hischām überlieferte dieses Gedicht ebenfalls.¹²
Nachdem der edle Gesandte (s.a.w.s.) nach Medina gekommen war, stiftete er zwischen den Ansar und den Auswanderern die religiöse Bruderschaft, die Muʾākhāt. Mit dem Mitglied der zehn mit dem Paradies Verheißenen, Talha ibn ʿUbaydullah (r.a.), wurde Kaʿb in diese Bruderschaft aufgenommen. Dies überlieferte Ibn Ishaq.¹³ Von ʿUrwa wird jedoch überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.s.) die brüderliche Verbindung zwischen az-Zubayr und Kaʿb stiftete.¹⁴ Als Kaʿb am Tag von Uhud verwundet wurde, trug az-Zubayr ihn in lebensgefährlichem Zustand auf seinen Schultern fort. Wäre Kaʿb an jenem Tag gestorben, wäre az-Zubayr sein Erbe geworden. Später wurde diese Regel durch die Offenbarung des 75. Verses der Sura al-Anfāl aufgehoben: „Die Blutsverwandten, die Ulu al-Arhām, sind nach Allahs Gebot einander näher berechtigt.“¹⁵
Mit Ausnahme von Badr und Tabuk nahm er an allen anderen Schlachten und Feldzügen gemeinsam mit dem edlen Gesandten (s.a.w.s.) teil. Nach Ansicht Ibn al-Kalbis nahm er auch an Badr teil.¹⁶ Diese Ansicht wird jedoch von der Mehrheit der Sira-Fachleute nicht anerkannt. Tatsächlich wurden die Entscheidung und die Vorbereitungen für die Schlacht von Badr mit solcher Eile und Geschwindigkeit getroffen, dass Kaʿb ebenso wie viele andere an der Teilnahme gehindert wurde. Deshalb machte der Gesandte (s.a.w.s.) niemandem Vorwürfe.
Ka’b sagt: Bis zum Feldzug von Tabuk nahm ich an allen Kriegen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) teil, außer an der Schlacht von Badr. Denjenigen, die nicht nach Badr gezogen waren, machte der Gesandte (s.a.w.) keinerlei Vorwürfe. Ursprünglich war der Gesandte (s.a.w.) von Medina aus aufgebrochen, um die Handelskarawane Abu Sufyans abzufangen. Die Quraisch zogen jedoch von Mekka aus und trafen ohne jede vorherige Planung auf Abu Sufyan. Ka’b sagt ferner: Badr gilt den Menschen als der bedeutendste Krieg im Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.). Doch im Vergleich zu Laylat al-ʿAqaba – als wir dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueeid auf den Islam leisteten – hat Badr für mich überhaupt keinen Vorrang. Danach blieb ich keinem Krieg mehr fern, außer dem Feldzug von Tabuk.17
In einigen Überlieferungen findet sich jedoch, dass Ka’b an Badr teilgenommen habe. Ibn Ishaq führt Ka’bs Namen in der Liste der Teilnehmer von Badr an.18 Außerdem wird in einer Überlieferung berichtet, dass Ka’b sagte: Ich zog gemeinsam mit den Muslimen nach Badr. Nach der Schlacht sah ich die verstümmelten Leichen der Götzendiener neben den Leichnamen der muslimischen Märtyrer liegen. Ich blieb einen Augenblick stehen und wollte gerade weitergehen, als ich plötzlich einen bewaffneten Götzendiener sah, der sich zwischen den muslimischen Märtyrern bewegte. Es schien, als habe auch ein bewaffneter muslimischer Kämpfer auf ihn gewartet. Ich ging ein wenig vor und stellte mich hinter die beiden, um zu sehen, welches Schicksal sie erwartete. Der Götzendiener war von gewaltiger Statur. Während ich ihn beobachtete, versetzte ihm der muslimische Kämpfer einen derart kräftigen Schwerthieb auf die Schulter, dass der Hieb bis zu seinem Gesäß reichte und ihn in zwei Teile spaltete. Danach nahm der Mann seinen Gesichtsschutz ab und sagte: »Wie findest du Ka’b? Ich bin Abu Dujana.«19 Die meisten Sira-Gelehrten hielten jedoch die Überlieferungen über seine Abwesenheit bei Badr für zutreffend.
In der Schlacht von Uhud bewies Ka’b, ebenso wie sein Glaubensbruder Talha (r.a.), großen Mut. In dieser Schlacht trug er die Rüstung des Gesandten Allahs (s.a.w.), während der Gesandte Allahs (s.a.w.) seine Rüstung trug. Der Gesandte (s.a.w.) legte sie ihm eigenhändig an. Bei Uhud erlitt sein Körper insgesamt elf Verwundungen.20 Viele Hadith-Gelehrte berichten jedoch von siebzehn Verletzungen an seinem Körper.21
Zu einem Zeitpunkt dieser Schlacht verbreitete sich das Gerücht, der edle Gesandte (s.a.w.) sei als Märtyrer gefallen. Daraufhin entstand unter den edlen Gefährten ein gewaltiger Aufruhr. In dieser Lage war Ka’b der Erste, der den Gesandten (s.a.w.) erblickte, und er schrie aus voller Kehle: »Der Gesandte (s.a.w.) ist hier! Hier! Kommt her!« Ka’b befand sich damals in der Mitte des Tals. Da deutete der Gesandte (s.a.w.) mit seiner gelben Rüstung auf ihn und bedeutete ihm, still zu sein.22
An jedem Krieg, der nach Uhud stattfand, nahm Ka’b (r.a.) mit großer Begeisterung und Tatkraft teil. Umso erstaunlicher ist es, dass er sowohl an Badr, dem ersten Krieg im Leben des Propheten (s.a.w.), als auch am letzten Krieg, Tabuk, nicht teilnehmen konnte. Tabuk war der letzte Feldzug im Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.). Aus verschiedenen Gründen wird er auch der schwierige Feldzug genannt. Es war die Gewohnheit des Gesandten Allahs (s.a.w.), bei der Entscheidung zu einem Krieg nicht ausdrücklich Einzelheiten zu nennen. Dieses Mal handelte er jedoch entgegen seiner Gewohnheit. Er kündigte den Feldzug offen an, damit die Muslime sich angemessen auf die lange und beschwerliche Reise vorbereiten konnten. Ka’b bereitete für diesen Feldzug zwei Kamele vor. Nach seiner eigenen Aussage war er bei keinem früheren Krieg so wohlhabend und leistungsfähig gewesen wie dieses Mal.
Der Grund dafür, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) diesem Feldzug so große Bedeutung beimaß und solche Vorsichtsmaßnahmen traf, war, dass es sich im Grunde um einen Zusammenstoß mit der äußerst mächtigen römischen Armee, der Supermacht der damaligen Welt, handelte. Hinsichtlich Ausrüstung, Truppenstärke, Zusammenhalt und unerschütterlicher Kampfmoral war ihre Armee die beste und stärkste Armee der Welt.
Der Monat Radschab des neunten Jahres nach der Hidschra hatte begonnen. Es herrschte eine Zeit glühender Hitze. Der Gesandte (s.a.w.) bereitete den Feldzug nach Tabuk vor und befahl allen, sich ebenfalls vorzubereiten.23 Insgesamt blieben dreiundachtzig (83) leistungsfähige Muslime aus verschiedenen berechtigten und unberechtigten Gründen diesem Feldzug fern. Einige von ihnen waren Heuchler. Bei manchen begannen die Früchte ihrer Gärten reif zu werden, und sie wollten sie nicht zurücklassen. Manche fürchteten die große Hitze und die lange Reise. Andere wiederum waren äußerst arm und besaßen kein Reittier.24
Ibn Ishaq sagt: Insgesamt waren es vier Männer, die nicht aus Zweifel oder Unsicherheit, sondern aus Trägheit nicht teilnahmen: Ka’b ibn Malik, Murara ibn ar-Rabi, Hilal ibn Umayya und Abu Chaythama. Abu Chaythama erreichte Tabuk jedoch im allerletzten Augenblick und schloss sich dem Gesandten Allahs (s.a.w.) an.25 Nach Ansicht mancher blieben sie wegen der großen Hitze dem Zug nach Tabuk fern.26 Der Gesandte Allahs (s.a.w.) brach mit seinem Heer nach Tabuk auf. Ka’b (r.a.) bereitete sich jeden Tag auf den Aufbruch vor, konnte sich jedoch zu keiner Entscheidung durchringen. In diesem Hin und Her verging seine Zeit. Jeden Tag sagte er sich insgeheim: »Ich werde gehen können.« Im nächsten Augenblick änderte er jedoch seine Entscheidung wieder. Er fasste den Aufbruch ins Auge und hielt dann erneut inne. Eines Tages erreichte Medina unter diesen Umständen die Nachricht, dass der Gesandte (s.a.w.) Tabuk erreicht hatte.
Alle kräftigen und dazu fähigen Menschen aus Medina und seiner Umgebung zogen mit dem Gesandten Allahs (s) nach Tabuk. Wenn Ka’b (r) durch die Stadt Medina ging, sah er außer Kindern, alten Menschen und einigen Heuchlern niemanden. Scham und Reue quälten ihn. Obwohl er gesund, kräftig und fähig war, brannte er unablässig in der Reue darüber, warum er zurückgeblieben war.
Das Heer des Gesandten Allahs (s) hatte kein Melde- oder Verwaltungsbüro. Daher konnte er unter all den Menschen nicht wissen, ob jemand wie Ka’b gekommen war oder nicht. Das einzige Mittel, durch das er davon erfahren konnte, war die Offenbarung Allahs, des Erhabenen. Eines Tages, nachdem sie Tabuk erreicht hatten, fragte er nach Ka’b. Einer sagte: „O Gesandter Allahs! Wo sollte er die Zeit hernehmen, hierherzukommen?“ Mu’adh ibn Jabal war in der Nähe. Mit protestierendem Ton sagte er: „Wir haben an ihm doch nichts Schlechtes gesehen.“ Darauf schwieg der Gesandte (s).
Zu einem ernsthaften Zusammenstoß zwischen dem Gesandten Allahs (s) und den Römern kam es nicht. Viele Stämme Nordarabiens schlossen im Gegenzug für die Zahlung der Dschizya Friedensverträge. Der Gesandte (s) kehrte nach Medina zurück. Ka’b erfuhr von der Rückkehr des Gesandten Allahs (s). In seinem Herzen wogten nun allerlei Gedanken. Er beriet sich mit seinen Angehörigen darüber, wie er dem Unmut des Gesandten Allahs (s) entgehen könne. Noch kam ihm der Gedanke, dem Gesandten Allahs (s) einige mit Wahrheit und Unwahrheit vermischte Gründe vorzubringen. Doch im nächsten Augenblick war dieser Gedanke wie weggeweht. Nach einer Zeit des Schwankens und inneren Ringens entschied er, sich keiner List und Täuschung zu bedienen, was auch immer ihm bestimmt sein mochte. Er würde nur die Wahrheit sagen.
Inzwischen erschienen etwa achtzig Männer beim Gesandten Allahs (s) und verteidigten sich in Reden dafür, nicht in den Krieg gezogen zu sein. Der Gesandte (s) hielt ihre Entschuldigungen und Einwände allesamt für annehmbar. Er bat Allah um die Vergebung ihrer Vergehen und nahm ihnen erneut die Bay’a, also das Treueversprechen, ab.
Ka’b kam zum Gesandten Allahs (s). Als er ihn sah, lächelte der Gesandte (s) leicht und sagte: „Komm.“ Nachdem Ka’b vor ihm Platz genommen hatte, fragte er: „Warum bist du nicht in den Krieg gezogen?“ Ka’b erwiderte: „Was sollte ich Ihnen verheimlichen? Wenn Sie irgendein König dieser Welt wären, würde ich Sie mit allerlei erfundenen Worten zufriedenstellen. Dazu wäre ich durchaus fähig. Ich bin ja ein beredter Mann und ein geschickter Streiter in Wortgefechten. Ich werde Ihnen die Wahrheit nicht verheimlichen. Vielleicht wird Allah mir deshalb vergeben. Wenn ich jedoch lügen würde, wären Sie in diesem Augenblick zufrieden, doch Allah würde Ihretwegen auf mich zornig werden. Und das wäre für mich keineswegs erfreulich. Tatsächlich gab es keinen Grund, weshalb ich nicht hätte mitziehen sollen. Ich war gesund und kräftig und verfügte auch über die finanziellen Mittel und die Ausrüstung für den Krieg. Dennoch ist es mein Unglück, dass ich nicht aufgebrochen bin.“ Nachdem der Gesandte (s) seine Worte angehört hatte, sagte er: „Du hast die Wahrheit gesagt. Geh jetzt. Wir werden sehen, welche Entscheidung Allah in deiner Angelegenheit trifft.“
Nachdem Ka’b den Gesandten Allahs (s) verlassen hatte, sagten einige Männer aus den Banu Salima zu ihm: „Du hast zuvor kein einziges Vergehen begangen. Dies ist nun dein erstes. Und dennoch konntest du dafür keine gute Entschuldigung oder Rechtfertigung vorbringen. Du hättest wie die anderen irgendeine Entschuldigung vorbringen können; der Gesandte (s) hätte für die Vergebung deiner Sünde gebetet, und Allah hätte dir vergeben. Aber dazu warst du nicht fähig.“ Als Ka’b dies hörte, wollte er zum Gesandten Allahs (s) zurückkehren und seine vorherige Aussage widerrufen. Nach kurzem Nachdenken fragte er: „Gibt es noch jemanden wie mich?“ Er erfuhr, dass es noch zwei weitere gab: Murara ibn Rabi und Hilal ibn Umayya. Beide waren besonders fromme Diener Allahs und Gefährten von Badr. Als er ihre Namen hörte, war er etwas beruhigt und unterdrückte den Wunsch, nachträglich eine neue Entschuldigung vorzubringen.
Der edle Gesandte (s) verbot, mit den drei zuvor genannten Männern zu sprechen. Dieses Verbot blieb fünfzig Tage lang in Kraft. Die Menschen warfen ihnen verstohlene Blicke zu. Niemand sprach mit ihnen. Murara und Hilal schlossen sich in ihren jeweiligen Häusern ein. Tag und Nacht weinten sie nur. Ka’b war jung. War es für ihn überhaupt möglich, zu Hause zu bleiben? Zu den fünf täglichen Gebeten ging er in die Moschee und zurück; auch auf den Märkten und im Basar ging er umher. Doch kein Muslim zeigte auch nur den Wunsch, mit ihm zu sprechen.
Ka’b ging in die Moschee und grüßte nach dem Gebet den Gesandten (s). Der Gesandte (s) saß auf seinem Gebetsteppich. Ka’b beobachtete aufmerksam, ob der Gesandte (s) seinen Gruß erwiderte und ob sich seine Lippen bewegten. Danach stellte er sich wieder ganz in der Nähe des Gesandten Allahs (s) zum Gebet auf. Verstohlen blickte er immer wieder zum Gesandten Allahs (s), und auch der Gesandte (s) sah ihn verstohlen an. Wenn Ka’b sein Gebet beendet hatte und sich dem Gesandten Allahs (s) zuwandte, wandte dieser sein Gesicht von Ka’b ab.
Auch das Verhalten der Familienangehörigen gegenüber Kaʿb (r.a.) war dasselbe. Abū Qatāda (r.a.) war Kaʿbs Cousin väterlicherseits. Eines Tages stieg Kaʿb auf die Mauer seines Hauses, grüßte ihn, doch Qatāda erwiderte den Gruß nicht. Kaʿb schwor dreimal und sagte: „Du weißt doch, wie sehr ich Allah und Seinen Gesandten liebe.“ Beim letzten Mal bemerkte Qatāda lediglich: „Allah und Sein Gesandter wissen dies am besten.“
Über eine solche Antwort Qatādas (r.a.) war Kaʿb (r.a.) zutiefst erschüttert. Er sagte zu sich: „Nun gibt es niemanden mehr, der für meinen Glauben Zeugnis ablegen könnte.“ Tränen liefen ihm aus den Augen. Er machte sich auf den Weg zum Markt. Dort suchte gerade ein nabatäischer Mann aus Schām nach ihm. Als die Leute Kaʿb erblickten, deuteten sie auf ihn und sagten: „Da kommt er.“ Der Mann hatte einen an den König von Ghassān gerichteten Brief bei sich, der für Kaʿb bestimmt war. Kaʿb nahm den Brief entgegen und las ihn. Darin stand: „Dein Freund, der Gesandte Allahs (s.a.w.), hat dir großes Unrecht getan. Du bist doch nicht der Sohn eines gewöhnlichen Hauses. Komm zu mir.“ Nachdem er den Brief gelesen hatte, sagte Kaʿb: „Auch dies ist eine Prüfung.“ Dann warf er den Brief in einen brennenden Ofen.
So vergingen vierzig Tage. Nach Ablauf der vierzig Tage kam ein Mann im Auftrag des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu ihm und sagte: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) befiehlt dir, dich von deiner Frau fernzuhalten.“ Kaʿb fragte: „Soll ich mich von ihr scheiden lassen?“ Er antwortete: „Nein, haltet euch nur getrennt.“
Kaʿb (r.a.) sagte: „Geh zu deinen Eltern und bleib dort, bis von Allah eine Entscheidung über mich ergeht.“ Den beiden anderen, Hilāl und Murāra (r.a.), wurde dieselbe Anweisung erteilt. Hilāl war alt. Seine Frau begab sich zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und erhielt eine besondere Erlaubnis, ihren Mann zu versorgen. Die Angehörigen von Kaʿb sagten auch seiner Frau: „Geh ebenfalls zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und hol dir die Erlaubnis, deinen Mann zu versorgen.“ Doch sie war nicht einverstanden. Sie sagte: „Ich werde nicht gehen. Wer weiß, was der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagen wird.“
Am fünfzigsten Tag hatte Kaʿb (r.a.) das Morgengebet verrichtet und saß auf dem Dach seines Hauses. Er dachte: „Mein Leben ist nun zu einer Last geworden. Himmel und Erde sind für mich eng geworden.“ Während er solchen quälenden Gedanken nachhing, drang vom Gipfel des Berges Salaʿ eine Stimme zu ihm herüber: „Kaʿb, hör zu! Eine frohe Botschaft für dich!“ Er verstand, dass sein Bittgebet und seine Reue angenommen worden waren. Sofort warf er sich in der Niederwerfung nieder, dankte Allah dem Erhabenen und bat um Vergebung für seinen Fehler. Nach einiger Zeit kamen zwei Männer, von denen einer zu Pferd war, und überbrachten ihm die frohe Botschaft. Kaʿb zog sein Gewand aus und schenkte es ihnen. Da er kein weiteres Kleidungsstück besaß, bat er um dieses Gewand zurück, zog es wieder an und eilte zum Gesandten Allahs (s.a.w.).
Inzwischen hatte sich die Nachricht in Medina verbreitet. Gruppenweise machten sich die Menschen auf den Weg zu seinem Haus. Jeder, dem er unterwegs begegnete, gratulierte ihm. Als er die Prophetenmoschee erreichte, sah er den Gesandten (s.a.w.) unter den Gefährten sitzen. Kaum hatte er die Moschee betreten, eilte Talḥa (r.a.) herbei und schüttelte ihm die Hand. Die anderen jedoch blieben an ihren Plätzen sitzen. Kaʿb (r.a.) ging zum ehrwürdigen Gesandten (s.a.w.) und grüßte ihn. At-Tabarānī überliefert, dass Kaʿb nach der Annahme seiner Reue zum Gesandten Allahs (s.a.w.) kam und dessen heilige Hände nahm und küsste. Damals strahlte das gesegnete Gesicht des ehrwürdigen Gesandten wie der Mond. Er sagte zu Kaʿb (r.a.): „Ich überbringe dir eine frohe Botschaft. Seit deiner Geburt ist kein Tag wie der heutige so gut für dich gewesen.“
„Hast du mir vergeben?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Nicht ich, sondern Allah hat dir vergeben.“ Danach rezitierte er den Vers 117 der soeben über sie offenbarten Sure at-Tauba: „Allah hat dem Propheten, den Auswanderern und den Helfern vergeben, die ihm in der schweren Stunde folgten, als die Herzen einer Gruppe von ihnen beinahe abgewichen wären. Dann wandte Er sich ihnen in Seiner Barmherzigkeit zu. Wahrlich, Er ist ihnen gegenüber gütig und barmherzig.“ Als die Rezitation beendet war, rief Kaʿb vor übergroßer Freude aus: „Ich spende meinen gesamten Besitz als Ṣadaqa.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Nicht alles; spende einen Teil davon.“ Kaʿb spendete seinen Besitz in Chaibar. Danach bemerkte er: „Allah hat mich nur wegen meiner Wahrhaftigkeit gerettet. Ich verspreche, für den Rest meines Lebens nur die Wahrheit zu sagen.“
Die äußerste Prüfung, der Kaʿb und seine beiden Gefährten aus Anlass ihrer Wahrhaftigkeit ausgesetzt waren, findet in der Geschichte des Islams kaum ihresgleichen. Selbst in einer so großen Not verloren sie nicht den Mut. Der folgende Vers des Heiligen Qurʾān schildert ihren leidvollen Zustand auf besonders eindrucksvolle Weise:
„Und auch die drei, die zurückgestellt worden waren, bis die Erde ihnen trotz ihrer Weite eng wurde und ihr Leben ihnen unerträglich wurde und sie erkannten, dass es außer Allah keine Zuflucht gibt – da wandte Er sich ihnen gnädig zu, damit sie umkehrten. Wahrlich, Allah ist der Allvergebende, der Barmherzige. O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und seid mit den Wahrhaftigen.“ (Sure at-Tauba 118–119)
In diesem Vers heißt es, dass sie zurückgestellt worden waren. Damit ist nicht gemeint, dass sie im Krieg zurückgeblieben waren. Vielmehr bedeutet es, dass die Entscheidung über sie aufgeschoben worden war und der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf die Entscheidung Allahs wartete.
Kaʿb berichtet: Der Vers über die Annahme unserer Reue wurde herabgesandt, als noch ein Drittel der Nacht übrig war. Da sagte Umm Salama: „O Prophet Allahs, sollen wir Kaʿb die frohe Botschaft überbringen?“ Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Dann werden die Menschen in Scharen zu ihm strömen, und ihr werdet nicht mehr schlafen können.“²⁸
Über das Todesjahr von Kaʿb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Ibn Hibban sagt, dass er während der Zeit des Märtyrertodes von ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) starb. Ibn Abi Hatim sagt, dass er während des Kalifats von Muʿawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erblindete. Imam al-Buchari erwähnt über seinen Tod lediglich, dass er zum Tod ʿUthmans eine Elegie verfasste; über seine Rolle im Konflikt zwischen Muʿawiya und ʿAli haben wir keine Angaben. Imam al-Baghawi sagt: „Ich habe erfahren, dass er während des Kalifats von Muʿawiya in Syrien starb.“ Abu al-Faradsch al-Isfahani berichtet im Kitab al-Aghani mit einer schwachen Überlieferungskette, dass Hassan ibn Thabit, Kaʿb ibn Malik und an-Nuʿman ibn Baschir einmal zu ʿAli gingen und mit ihm über die Ermordung ʿUthmans stritten. Daraufhin trug Kaʿb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ʿAli die von ihm zu Ehren ʿUthmans verfasste Elegie vor. Danach erhoben sie sich und gingen direkt zu Muʿawiya. Muʿawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erwies ihnen die ihnen gebührende Ehre.²⁹
Al-Haytham und al-Madaʾini zufolge starb Kaʿb im Jahr 40 nach der Hidschra. Von ihm wird jedoch auch das Jahr 51 überliefert. Al-Waqidi berichtet, dass sein Tod im Jahr 50 stattgefunden habe. Die bekannteste und richtigste Ansicht ist jedoch, dass er zwischen den Jahren 50 und 55 nach der Hidschra (670–673 n. Chr.) im Alter von etwa 77 Jahren starb.³⁰
In den Sira-Werken werden die Namen seiner fünf Söhne genannt: ʿAbdullah, ʿUbaidullah, ʿAbd ar-Rahman, Maʿbad und Muhammad. Gegen Ende seines Lebens erblindete Kaʿb (möge Allah mit ihm zufrieden sein).³¹ Seine Söhne führten ihn an der Hand umher.³² Ibn Ishaq überliefert von seinem Sohn ʿAbd ar-Rahman. Dieser sagte: Als mein Vater gegen Ende seines Lebens erblindete, ging ich mit ihm umher. Wenn ich ihn zum Freitagsgebet hinausführte, bat er, sobald er den Gebetsruf hörte, um Vergebung für Abu Umama Asʿad ibn Khurara. Jedes Mal, wenn er den Gebetsruf zum Freitag hörte, sah ich ihn dies tun. Das kam mir rätselhaft vor. Eines Freitags nahm ich ihn mit hinaus; als wir unterwegs den Ruf zum Gebet hörten, begann er, für Abu Umama zu beten. Ich fragte: „Vater, warum betest du jedes Mal, sobald du den Gebetsruf zum Freitag hörst, auf diese Weise für Abu Umama?“ Er antwortete: „Mein Sohn, noch bevor der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach Medina kam, versammelte er uns und richtete als Erster das Freitagsgebet in Gemeinschaft ein. Es fand an dem Ort Naqi al-Khadimat am Berg Hazm an-Nabit bei den Banu Bayda in Harra statt.“ Ich fragte: „Wie viele wart ihr damals?“ Er sagte: „Vierzig.“³³
In den Hadith-Werken finden sich insgesamt achtzig (80) von Kaʿb überlieferte Hadithe.³⁴ Imam adh-Dhahabi sagt jedoch, dass die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe dreißig betrage. Darunter sind drei, über deren Authentizität al-Buchari und Muslim übereinstimmen. Einen überliefert al-Buchari allein und zwei überliefert Muslim allein.³⁵ Er überlieferte Hadithe vom Gesandten selbst (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sowie von Usayd ibn Hudayr (möge Allah mit ihm zufrieden sein).³⁶
Zu den bedeutendsten Gelehrten, die von Kaʿb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Hadithe überlieferten, gehören: ʿAbdullah ibn ʿAbbas, Dschabir ibn ʿAbdullah und Abu Umama al-Bahili. Die drei Genannten waren Gefährten. Unter den Tabiʿun sind besonders Imam Baqir, ʿAmr ibn Hakam ibn Sawban, ʿAli ibn Abi Talha, ʿUmar ibn Kathir ibn Af alah, ʿUmar ibn al-Hakam ibn Rafiʿ, die fünf Söhne Kaʿbs sowie sein Enkel ʿAbd ar-Rahman ibn ʿAbdullah hervorzuheben.³⁷
Aus al-Baladhuris Bericht geht hervor, dass unter den mit der Erhebung der Zakāt und Sadaqa bei den Stämmen Aslam, Ghifār und Dschuhaina Betrauten Rahmān ibn Abdallāh und andere besonders erwähnenswert sind.³⁸
Anlässlich des schmerzlichen Märtyrertodes von ʿUthmān (r.a.) verfasste Kaʿb (r.a.) eine Marsiya (Trauergemälde) und trug sie ʿAlī (r.a.) vor. Einige ihrer Verse werden im Folgenden übersetzt:³⁹
1. ʿUthmān zog seine beiden Hände zurück und verschloss danach die Tür. Er war fest davon überzeugt, dass Allah nicht achtlos ist.
2. Er sagte zu denjenigen, die sich im Haus befanden: „Beteiligt euch nicht am Kampf.“ Möge Allah diejenigen vergeben, die nicht gekämpft haben.
3. Wie konnte Allah, nachdem Er Freundschaft geschaffen hatte, Feindschaft, Hass und Abneigung in ihre Herzen legen?
4. Und wie konnte das Wohlergehen ihnen den Rücken zukehren und wie ein Strauß davonlaufen? Nachdem ʿAlī (r.a.) das Gedicht gehört hatte, bemerkte er: „ʿUthmān hat sich geopfert. Und dieses Opfer war äußerst schmerzlich. Damals wart ihr in Angst geraten. Diese Angst war von der schlimmsten Art.“
Als es zum Streit und Konflikt zwischen ʿAlī und Muʿāwiya (r.a.) kam, schloss sich Kaʿb (r.a.) keiner der beiden Seiten an und hielt sich von beiden fern.
Aufrichtigkeit und das Sprechen der Wahrheit waren ein besonderes Merkmal von Kaʿbs (r.a.) Charakter. Viele waren nicht in der Lage, diese Eigenschaft so zu bewahren, wie er es tat. Nach der Annahme seines Bittgebets griff er in seinem Leben keinen einzigen Tag auch nur im Geringsten auf eine Lüge zurück. Er selbst sagte: „Bei Allah! Von dem Tag an, an dem ich dem Gesandten Allahs (s.a.s.) jene Worte gesagt hatte, bis zum heutigen Tag habe ich keinerlei Lüge ausgesprochen.“⁴⁰ Sein Leben vor dem Feldzug von Tabūk war äußerst untadelig. Als daher das Unglück von Tabūk über ihn hereinbrach, konnte sein eigener Stamm, Banū Salima, zu ihm sagen: „Bei Allah! Wir haben dich zuvor kein einziges Vergehen begehen sehen.“⁴¹
Kaʿb (r.a.) war einer der bedeutendsten Dichter seiner Zeit. Unter den damaligen arabischen Dichtern gehörte er zu denen, die besonders viele Gedichte verfassten. Bereits in der Dschāhilīya hatte er sich als Dichter einen Namen gemacht. Nach Ansicht der Literaturkritiker waren seine Gedichte von sehr hoher Qualität.⁴² Von den drei Dichtern, die in Medina an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.) gegenüber den Quraisch und deren stammeszugehörigen Dichtern eine uneinnehmbare Front bildeten, war Kaʿb (r.a.) einer. Sie erteilten den islamfeindlichen Dichtern vernichtende Antworten.⁴³ Ibn Sīrīn sagte: Diese drei Dichter waren Hassān ibn Thābit, ʿAbdullāh ibn Rawāha und Kaʿb ibn Mālik. Sie waren die bedeutendsten Dichter unter den Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.).⁴⁴
Nach seinem Übertritt zum Islam verfasste Kaʿb zahlreiche Gedichte, in denen er die Götter der Quraisch kritisierte. In einem Vers sagte er:⁴⁵
Wir werden al-Lāt, al-ʿUzzā und Uddā vergessen. Ihre Halsketten und Ohrringe werden wir ihnen entreißen.“
Die drei bedeutendsten Dichter am Hof des Gesandten Allahs (s.a.w.) behandelten unterschiedliche Themen. Das Hauptthema von Kaʿbs Dichtung bestand darin, die Herzen der Ungläubigen durch die Androhung des Krieges in Furcht zu versetzen und die Furcht aus den Herzen der Muslime zu vertreiben, damit sie standhaft und fest blieben. Ibn Sīrīn sagte:⁴⁶ Kaʿb pflegte die Ungläubigen in seinen Gedichten durch seine Schilderungen des Krieges einzuschüchtern. Er sagte: Wir haben dies getan, wir tun dies oder wir werden es tun. Hassān schilderte in seinen Gedichten die Fehler und Mängel der Ungläubigen sowie ihre Kriege und Kämpfe. Ibn Rawāha dagegen erwähnte ihren Unglauben und ihre Leugnung sowie ihren Ungehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten und tadelte und verurteilte sie dafür.
ʿAbdurrahmān, der Sohn von Kaʿb (r.a.), berichtete: Eines Tages sagte mein Vater: O Gesandter Allahs, Allah hat in Bezug auf die Dichter doch offenbart, was Er zu offenbaren hatte. Der Gesandte (s.a.w.) erwiderte: Ein wahrer Mudschāhid führt den Dschihād sowohl mit seinem Schwert als auch mit seiner Zunge. Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist, ihr schleudert den Feinden mit eurer Zunge die Spitzen von Pfeilen entgegen.
Ibn Ishāq hat überliefert: Als die Verse 224 bis 226 der Sura asch-Schuʿarāʾ offenbart wurden – „Die Verirrten folgen den Dichtern. Siehst du nicht, dass sie in jedes Tal schweifen?“ –, kamen die Dichter Hassān, ʿAbdullāh und Kaʿb weinend zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Sie sagten: O Prophet Allahs! Als Allah diese Verse offenbarte, wusste Er doch gewiss, dass wir Dichter sind. Daraufhin trug ihnen der Gesandte (s.a.w.) den ausgenommenen Teil des Verses vor: „Außer denen, die glauben, gute Werke tun, Allah häufig gedenken und sich, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, zur Wehr setzen.“ Dann sagte er: Das seid ihr.⁴⁸
Kaʿb (r.a.) verfasste viele Verse, in denen er die Quraisch, die Gegner des Islam, tadelte. Dass einer seiner Verse vor Allah angenommen worden war, sagte der Gesandte (s.a.w.) selbst. Von Jābir (r.a.) wird überliefert: Eines Tages sagte der Gesandte (s.a.w.) zu Kaʿb: In dem Vers, den du vorgetragen hast, hat dein Herr dich nicht vergessen. Kaʿb fragte: Welcher Vers ist das? Da sagte der Gesandte (s.a.w.) zu Abū Bakr: Tragen Sie den Vers bitte einmal vor. Abū Bakr trug daraufhin den Vers vor.⁴⁹ In den alten arabischen Quellen ist dieser Vers überliefert.⁵⁰ Seine Übersetzung lautet: „Sakhīna glaubte, sie werde ihren Herrn besiegen. Der Sieger über alle Sieger wird gewiss siegen.“
Hier bedeutet „Sakhīn“ eine Speise aus Mehl und Ghee oder aus Mehl und Datteln. Sie war eine bei den Quraisch äußerst beliebte Nahrung, und sie aßen sie auch sehr häufig. Deshalb bezeichnete der Dichter die Quraisch als „Sakhīna“. Damit wurden sie im Grunde herabgesetzt und beleidigt.⁵¹
Ka’b (möge Allah mit ihm zufrieden sein) verfasste Gedichte und trug sie dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor. Bisweilen änderte und korrigierte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) darin einige Wörter. Ka’b nahm dies demütig an und betrachtete sich dadurch als geehrt.52
Ka’bs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Dichtung konnte in der damaligen arabischen Gesellschaft eine außerordentliche Wirkung entfalten. Als der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach dem Ende der Schlacht von Hunain nach Taif zog, hatte sie eine solche Wirkung, dass die Menschen sie nur hören mussten, um den Islam anzunehmen. Die Bedeutung der beiden Verse lautet wie folgt:
„Von Tihama und Chaibar haben wir jede Art von Feindschaft und Hass vertrieben und die Schwerter wieder in ihre Scheiden gesteckt.
Nun geben wir ihm erneut die Freiheit, zwischen zweien zu wählen. Wenn das Schwert sprechen könnte, würde es sagen: Nun ist Daus oder Saqif an der Reihe.“
Ibn Sirin sagt: Als der Stamm Daus diese beiden Verse hörte, bekam er Angst. Sie sagten: »Jetzt sollten wir Muslime werden. Andernfalls wird es uns ebenso ergehen wie den anderen.« Daraufhin nahmen sie allesamt gemeinsam den Islam an.53
Von seiner Annahme des Islam bis zum letzten Tag seines Lebens stellte Ka’b sein dichterisches Talent in den Dienst des Islam und der Muslime. So wie er in Zeiten der Not das Schwert ergriff, führte er ebenso den Kampf mit Worten. Alle Ereignisse der islamischen Geschichte zu seinen Lebzeiten hielt er in seinen Gedichten fest. Im Krieg von Badr wurde Ibnul Harith zum Märtyrer. In seinem Gedenken verfasste er eine Totenklage.54 Über die Schlacht von Uhud und die Märtyrer dieser Schlacht verfasste er zahlreiche Gedichte. Zum Gedenken an Hamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein), den Onkel des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und einen der bedeutendsten Märtyrer dieser Schlacht, verfasste er viele Gedichte. Zu dieser Zeit kam es zu einem heftigen Wettstreit zwischen ihm und den polytheistischen Dichtern von Mekka. In der Sira Ibn Hischams findet sich eine Darstellung davon.55
In einer zu Ehren Hamzas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) verfassten Totenklage sagt er zu Hamzas Schwester Safiyya bint Abd al-Muttalib:56
1. Erhebe dich, Safiyya, und brich nicht zusammen. Rufe die Frauen dazu auf, Hamza zu beklagen und um ihn zu weinen.
2. Ermüde nicht von langem Klagen über das Unglück, das den Löwen Allahs heimsuchte und die Herzen der Menschen erschütterte.
3. Er war ein Symbol der Würde für die Vater- und Mutterlosen. Bewaffnet war er wie ein Löwe.
4. Mit all seinen Taten strebte er ausschließlich nach der Zufriedenheit Ahmads und nach dem Wohlgefallen Allahs, des alleinigen Besitzers des Thrones und der Ehre.
Beim grausamen Massaker an den Gesandten des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) in Bi’r Ma’una erhob der Dichter Ka’b seine Stimme und verfasste viele Gedichte, in denen er die Mörder verurteilte.57 Die Verbannung des jüdischen Stammes Banu Nadir aus Medina und die Tötung des jüdischen Führers Ka’b ibn Aschraf sind in einem seiner langen Gedichte dargestellt. Auch auf die Schmähungen der gegnerischen Dichter angesichts dieses Ereignisses gab er eine Antwort.58
Auch das Bild der Schlacht am Graben findet sich in seinen Gedichten. Zur Verurteilung des feindlichen Heeres und der gegnerischen Dichter verfasste er ein langes Gedicht.59 Auch die Schlacht gegen Banu Lihyan ist in seinen Gedichten festgehalten.60 Ebenso erhob er anlässlich des Ereignisses von Dhu Qarad seine Stimme.61 Die Eroberung von Chaibar ist ebenfalls in seinen Gedichten dargestellt.62 Die Märtyrer der Schlacht von Mu’ta hinterließen einen tiefen Eindruck in seinem Herzen. Zu ihrem Gedenken verfasste er eine gefühlvolle Kasida.63 Auf diese Weise wurde dieser große Dichter des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) dadurch berühmt, dass seine Zunge bei allen Ereignissen und Schlachten der frühen islamischen Zeit laut erklang und er seine von Allah verliehene Begabung angemessen einsetzte. Einige seiner Verse sind in der arabischen Literatur zu Sprichwörtern und geflügelten Worten geworden. Rauh ibn Zanba sagt, ein Vers, den er zum Lob eines Angehörigen von Ka’bs eigenem Stamm verfasst habe, gelte als der heldenhafteste Vers der arabischen Dichtung.64
Quellen:
Hassan ibn Thabit (r.a.)
In den Sira-Werken werden für Hassan (r.a.) mehrere Beinamen oder Kunyas genannt: Abu al-Walid, Abu al-Mudrab, Abu al-Husam und Abu Abd ar-Rahman. Am bekanntesten ist jedoch Abu al-Warid.1 Sein Laqab oder Ehrentitel lautet „Schāʿiru Rasūlillāh“, also „Dichter des Gesandten Allahs (s.a.w.s.)“. Sein Vater hieß Thabit ibn al-Mundhir und seine Mutter al-Furai’a bint Chalid.2 Ibn Sa’d führt nach al-Waqidi den Namen seiner Mutter als al-Furai’a bint Huraith an.3 Beide stammten aus dem Zweig Banu Najjar des berühmten Stammes Chazradsch in Medina. Da sie dem Stamm Banu Najjar, dem Stamm der Mutter des Gesandten Allahs, angehörten, waren sie mit dem edlen Gesandten (s.a.w.s.) verwandt und blutsverwandt.4 Seine Mutter al-Furai’a erlebte das Aufkommen des Islam, nahm ihn an und erlangte den Rang einer Sahabiyya.5 Sie war die Cousine von Sa’d ibn Ubada (r.a.), dem berühmten Führer des Stammes Chazradsch.6 Hadhrat Hassan (r.a.) hat den Namen seiner Mutter al-Furai’a in einer Zeile seines Gedichts bewahrt.7 Der berühmte Sahabi Schaddad ibn Aus (r.a.) war Hassans (r.a.) Neffe.8 Hassan (r.a.) war ein Sahabi, der Hofdichter des Gesandten Allahs (s.a.w.s.), der Imam aller gläubigen Dichter der Welt; seine dichterische Begabung wurde von Gabriel, dem Ruh al-Qudus, unterstützt.9
Ibn Sallam al-Dschumahī sagt: Hassāns Vater Thābit ibn al-Mundhir war ein Anführer und angesehener Mann seines Volkes. Sein Großvater al-Mundhir hatte in vorislamischer Zeit während des Krieges von Sumayya als Richter der beiden Stämme Aus und Chazradsch in Medina zwischen ihnen Recht gesprochen. Eine Schilderung davon findet sich in den Gedichten des Dichters Hassān. Einst nahm der Stamm Muzainiyya den Vater des Dichters gefangen. Als dessen Stamm anbot, ihn durch Zahlung eines Lösegeldes freizukaufen, lehnten sie ab. Nachdem er lange Zeit in Gefangenschaft geblieben war, wurde er auf Vorschlag seines Vaters durch einen Gefangenenaustausch freigelassen.¹⁰ Hassāns Großvater al-Mundhir war ein äußerst großzügiger und friedliebender Mann.
Hassān wurde im Jahr 563 n. Chr., etwa sechzig Jahre vor der Hidschra, in Yathrib (Medina) geboren. Die später errichtete Festung Fāriʿ, die am westlichen Rand der Prophetenmoschee gegenüber dem Bāb ar-Rahma lag, war der angestammte Wohnsitz seiner Familie. Eine Beschreibung davon findet sich in Hassāns Gedichten.¹¹ Er wuchs als Dichter heran und machte die Dichtung zu seinem Lebensunterhalt. Er verkehrte an den Königshöfen von Hīra und Dschillāq im alten Arabien. Den ghassanidischen Kaisern war er jedoch besonders zugeneigt. Zwischen Hassān und ihnen entwickelte sich ein enges freundschaftliches Verhältnis. Zu ihrem Lob verfasste er zahlreiche schöne Gedichte. Einige davon zählen Literaturkritiker zu Hassāns besten Gedichten.¹² Auch die Kaiser erwiesen ihm im Gegenzug große Freigebigkeit. Ihre Beziehung bestand auch nach dem Aufkommen des Islams fort.¹³
Der letzte Kaiser des ghassanidischen Reiches war Dschabala ibn al-Ayham. Der Dichter Hassān verfasste viele Gedichte zu seinem Lob. Während des Kalifats von ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) fiel dieses Reich, als sich das Banner des Islams über ganz Syrien erhob. Nach seiner Niederlage nahm Dschabala ibn al-Ayham den Islam an und lebte einige Zeit im Hidschāz. Einmal unternahm er in dieser Zeit die Pilgerfahrt. Während des Umlaufs um die Kaaba streifte der Saum seines Gewandes zufällig einen arabischen Beduinen, woraufhin ʿUmar befahl, an ihm in gleicher Weise Vergeltung zu üben. Dschabala verteidigte sich mit den Worten: „Ich bin ein König. Wie kann ein Beduine es wagen, mich zu ohrfeigen?“ ʿUmar sagte: „Der Islam hat dich und ihn in dieselbe Reihe gestellt.“ Dschabala bat um Bedenkzeit und sagte, er wolle über die Angelegenheit nachdenken. Danach floh er im Schutz der Nacht in das Römische Reich. Später sagte er sich vom Islam los und starb dort.¹⁴
Während seines Aufenthalts im Römischen Reich traf Dschabala später einmal dort auf einen Gesandten, den Muʿāwiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) entsandt hatte. Dschabala erkundigte sich bei ihm nach Hassāns Befinden. Der Gesandte sagte: „Er ist inzwischen vom Alter gezeichnet und erblindet.“ Dschabala gab ihm eintausend Dinar, damit er sie Hassān überreiche. Der Gesandte kehrte nach Medina zurück und traf den Dichter in der Prophetenmoschee. Er sagte zu ihm: „Dein Freund Dschabala lässt dich grüßen.“ Der Dichter erwiderte: „Dann gib mir, was du mitgebracht hast.“ Der Gesandte sagte: „Abū al-Walīd, woher wusstest du, dass ich etwas mitgebracht habe?“ Er antwortete: „Wann immer ein Brief von ihm kommt, liegt ihm stets auch etwas bei.“¹⁵
Al-Asmaʿī überliefert: Einst schickte ein ghassanidischer Kaiser dem Dichter Hassān durch einen Gesandten fünfhundert Dinar und einige Stoffe. Er hatte dem Gesandten aufgetragen, die Stoffe, falls er nicht mehr am Leben sein sollte, über seinem Grab auszubreiten und von den Dinar ein Kamel zu kaufen und es neben seinem Grab zu schlachten. Der Gesandte kam nach Medina, traf den Dichter und überbrachte ihm die Worte. Der Dichter sagte: „Du hast mich bereits tot angetroffen.“¹⁶
Wie am Königshof der Ghassaniden besaß der Dichter Hassān auch am Königshof von Hīra Einfluss und Ansehen. Dschurdschī Zaidān sagt: Unter den berühmten arabischen Dichtern vor dem Islam, die den Königshof von Hīra besuchten und dort dank ihrer dichterischen Begabung eine ehrenvolle Stellung erlangten, war Hassān einer der bedeutendsten.¹⁷
In vorislamischer Zeit fungierte der Dichter Hassān bei den Kriegen zwischen den beiden ständig rivalisierenden Stämmen Yathribs, Aus und Chazradsch, als Sprecher seines eigenen Stammes. Von hier aus geriet er mit den beiden bedeutendsten Dichtern des gegnerischen Stammes Aus, Qais ibn Chutaim und Abū Qais ibn al-Aslat, in einen dichterischen Wettstreit.¹⁸
Vier Generationen von Hassāns Familie erreichten ein außergewöhnlich hohes Alter. Jeder von ihnen lebte 120 Jahre. Keine andere arabische Familie hatte vier aufeinanderfolgende Generationen, die ein so hohes Alter erreichten: Hassāns Urgroßvater Harām, sein Großvater al-Mundhir, sein Vater Thābit und er selbst lebten jeweils 120 Jahre.¹⁹
Als Hassan den Islam annahm, war er bereits in fortgeschrittenem Alter. Er wurde in der frühen Phase der Verkündigung des Islam in Medina Muslim. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina auswanderte, war Hassan sechzig Jahre alt.20 Ibn Ishaq überliefert dies nach Abd ar-Rahman, dem Enkel Hassans. Zum Zeitpunkt der Auswanderung war er sechzig und der Gesandte Allahs (s.a.w.) dreiundfünfzig Jahre alt. Ibn Saʿd berichtet außerdem, dass er sechzig Jahre im Dschahiliya-Zeitalter und sechzig Jahre im Islam gelebt habe.21
Über das Erscheinen des Gesandten Allahs (s.a.w.) überliefert Ibn Ishaq einen Bericht von Hassan. Hassan sagte: Ich war damals ein aufgeweckter, kluger Junge von sieben oder acht Jahren. Alles, was ich hörte, verstand ich. Eines Tages hörte ich einen Juden, der auf eine Festung in Yathrib gestiegen war und die Menschen laut herbeirief. Als sich die Menschen versammelt hatten, sagte er: Heute Nacht ist der Stern Ahmads aufgegangen. Ahmad wird heute als Prophet in die Welt gesandt werden.22
Ibn al-Kalbi sagt: Hassan war ein redegewandter und tapferer Mann. Durch eine Krankheit befiel ihn eine gewisse Feigheit. Danach konnte er nicht mehr in den Krieg ziehen und nahm an keinem Krieg mehr teil.23 Aus einem Bericht von Ibn Abbas (r.a.) ist jedoch bekannt, dass er an verschiedenen Kriegen teilgenommen hat. Der Gelehrte Ibn Hadschar al-Asqalani schrieb: Einst wurde Ibn Abbas gesagt: „Hassan al-Laʿin“ (der verfluchte Hassan) ist gekommen. Da sagte er: Hassan ist nicht verflucht. Er hat mit seinem Leben und seiner Zunge an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.) Dschihad geführt.24 Der Gelehrte adh-Dhahabi sagt, dieser Bericht beweise, dass er am Dschihad teilgenommen hat.25
Was über Hassans (r.a.) unmittelbare Teilnahme an den Kriegen überliefert wird, steht im Widerspruch zu diesem Bericht. Zur Zeit der Grabenschlacht – nach anderer Auffassung der Uhud-Schlacht – ließ der Gesandte Allahs (s.a.w.) die muslimischen Frauen zum Schutz in Hassans Festung Faris zurück. Hassan befand sich ebenfalls bei ihnen. Unter diesen Frauen war auch Safiyya bint Abd al-Muttalib, die Tante des Gesandten Allahs (s.a.w.). Eines Tages sah sie einen Juden um die Festung herumschleichen. Sie bekam große Angst, dass er, wenn er den Aufenthaltsort der Frauen entdeckte, großes Unheil anrichten könnte. Denn der Gesandte (s.a.w.) war zu jener Zeit mit seinem Heer im offenen Kampf. Sie sagte zu Hassan: „Töte diesen Juden, sonst wird er den Juden unseren Aufenthaltsort verraten.“ Hassan sagte: „Du weißt, dass ich dazu nicht imstande bin. Wenn ich diesen Mut besäße, wäre ich beim Gesandten Allahs (s.a.w.).“ Daraufhin sprang Safiyya mit einer Zeltstange in der Hand auf den Juden los und tötete ihn. Dann sagte sie zu Hassan: „Geh nun und hole seine Sachen. Da ich eine Frau und er ein Mann ist, kann ich diese Aufgabe nicht erledigen. Du musst sie übernehmen.“ Hassan sagte: „Diese Sachen sind nicht nötig.“26
In einem anderen Bericht heißt es: Nachdem Safiyya den Mann getötet und ihm den Kopf abgeschlagen hatte, sagte sie zu Hassan: „Nimm ihn und wirf ihn unten bei der Festung unter die Juden.“ Er sagte: „Das ist nicht meine Aufgabe.“ Daraufhin warf Safiyya den Kopf selbst unter die Juden. Aus Angst zerstreuten sie sich.27
Hassan (r.a.) führte an der Seite des edlen Gesandten nicht mit seinem Körper, sondern mit seiner Zunge Dschihad. Als der Gesandte (s.a.w.) im Krieg gegen die Banu Nadir diese belagerte und ihre Bäume abholzen ließ, verfasste Hassan zu seiner Unterstützung ein Gedicht. Zwischen den Banu Nadir und den Quraisch von Mekka bestand ein gegenseitiges Hilfs- und Unterstützungsabkommen. Daher tadelte er die Quraisch in seinem Gedicht und sagte: Die Muslime haben die Gärten der Banu Nadir in Brand gesetzt, doch ihr habt ihnen keinerlei Hilfe geleistet. Als dieses Gedicht Mekka erreichte, sagte der Dichter der Quraisch, Abu Sufyan ibn al-Harith: Möge Allah euch stets eine solche Tatkraft verleihen, dass durch das Feuer ringsum sogar Medina selbst zu Asche verbrennt, während wir aus der Ferne zuschauen.28
Im fünften Jahr der Hidschra ereignete sich auf der Rückkehr von der Schlacht al-Muraisi nach Medina ein unerwarteter Vorfall. Die auf ihren Vorteil bedachten Heuchler machten aus einer Mücke einen Elefanten. Sie verleumdeten den untadeligen Charakter Aischas (r.a.). Der Anführer der Heuchler, Abdullah ibn Ubayy, war dabei der Wortführer. Auch einige aufrichtige Muslime gerieten in die Falle dieser Verschwörung, darunter Hassan, Mistah ibn Uthatha und Hamna bint Dschahsch. Als die Koranverse offenbart wurden, die Aischas (r.a.) Unschuld verkündeten, ließ der Gesandte (s.a.w.) über die Verleumder die im Koran festgelegte Hadd-Strafe von achtzig Peitschenhieben verhängen. Dies wird von Imam az-Zuhri in den beiden Sahih-Werken überliefert.29 Einige haben jedoch bestritten, dass die Hadd-Strafe vollstreckt wurde.30
Viele haben jedoch durch eine Analyse von Hassans Leben, seinen Taten und seiner Dichtung die Ansicht vertreten, dass er keineswegs in den Vorfall der Ifk-Verleumdung verwickelt war. Weil er an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.) stand, die Maske des Adels der polytheistischen Quraisch von Mekka enthüllte und den Arabern deutlich ihr trotziges Wesen vor Augen führte, setzten die Quraisch, die später den Islam annahmen, ihn auf vielerlei Weise herab. Sie meinen, dass Safwan ibn al-Muʿattal der Anführer jener war, die eine besondere Rolle dabei spielten, Hassans Namen in den Ifk-Vorfall hineinzuziehen. Hassan verfasste viele unvergleichliche Gedichte zu Ehren Aischas (r.a.). In einem Vers wies er den Vorwurf zurück, in den Ifk-Vorfall verwickelt gewesen zu sein. In einem anderen Vers kritisierte er scharf jene quraischitischen Auswanderer, die daran beteiligt gewesen waren, seinen Namen damit in Verbindung zu bringen.31
Die Sīra-Fachleute halten die über seine Verwicklung in die „Ifk“-Affäre überlieferten Berichte für die am meisten akzeptierten. Deshalb betrachteten ihn später viele Gefährten und Tābiʿūn nicht mit Wohlwollen. Viele tadelten und beschimpften ihn. Doch sowohl ʿĀ’ischa (r.a.) als auch der Gesandte (s.a.w.) verziehen ihm. Dies ist aus zahlreichen Überlieferungen bekannt. Von ʿĀ’ischa (r.a.) wird überliefert: „Nur die Gläubigen lieben Hassān, und nur die Heuchler hassen ihn.“ Ferner sagte sie: „Hassān ist eine Schranke zwischen den Gläubigen und den Heuchlern.“³² Wenn jemand in Gegenwart von ʿĀ’ischa (r.a.) schlecht über Hassān (r.a.) sprach, untersagte sie es ihm.
Nachdem Hassān (r.a.) in seinem hohen Alter erblindet war, kam er einmal in das Haus von ʿĀ’ischa (r.a.). Sie breitete ein Tuch aus und ließ Hassān (r.a.) darauf Platz nehmen. In diesem Augenblick erschien ʿĀ’ischas (r.a.) Bruder ʿAbd ar-Rahmān (r.a.). Er sagte zu seiner Schwester: „Hast du ihn auf das Tuch gesetzt? Hat er nicht solche Dinge über deine Ehre gesagt?“ ʿĀ’ischa (r.a.) erwiderte: „Er verteidigte den Gesandten Allahs (s.a.w.) gegenüber den Ungläubigen, erwiderte die Angriffe der Feinde und schenkte dadurch dem Herzen des Gesandten Allahs (s.a.w.) Frieden. Nun ist er blind geworden. Ich hoffe, dass Allah ihn im Jenseits nicht bestrafen wird.“³³
Der berühmte Tābiʿī Masrūq berichtet: Einmal gingen wir zu ʿĀ’ischa (r.a.) und sahen, wie Hassān dort saß und Gedichte vortrug, die er zum Lob ʿĀ’ischas (r.a.) verfasst hatte. Darunter befand sich auch diese Zeile:
„Sāhsānul Rāzābūn mā tuzannu birībātin“ – das heißt: Sie ist eine vollkommen reine, ehrenhafte Frau mit starkem Selbstwertgefühl; an ihrem Verhalten besteht keinerlei Anlass zu Zweifel. Ihr Tag beginnt frei von übler Nachrede.
Nachdem ʿĀ’ischa (r.a.) diese Zeile gehört hatte, bemerkte sie: „Aber du bist nicht so.“ Ich sagte zu ʿĀ’ischa (r.a.): „Warum gestattest du ihm, hierherzukommen? Allah der Erhabene hat doch verkündet, dass denjenigen, die in der Ifk-Affäre eine maßgebliche Rolle gespielt haben, eine gewaltige Strafe erwartet.“ (Sure an-Nūr 11) ʿĀ’ischa (r.a.) sagte: „Er ist blind geworden. Die Strafe für seine Tat hat ihn bereits getroffen. Welche Strafe könnte größer sein als die Blindheit? Er hat im Namen des Gesandten Allahs (s.a.w.) den Quraisch Widerstand geleistet und sie scharf getadelt.“³⁴
ʿUrwa berichtet: Einmal beschimpfte ich vor ʿĀ’ischa (r.a.) Hassān, den Sohn der Furaiʿa. ʿĀ’ischa (r.a.) sagte: „Neffe, wirst du nicht von einer solchen Handlung ablassen? Beschimpfe ihn nicht, denn er erwiderte im Namen des Gesandten Allahs (s.a.w.) die Angriffe der Quraisch.“³⁵
Einmal verleumdeten einige Frauen Hassān in Gegenwart von ʿĀ’ischa (r.a.). ʿĀ’ischa (r.a.) sagte zu ihnen: „Verleumdet ihn nicht. Er hat die harte Strafe erhalten, mit der Allah diejenigen bedroht hat. Er ist blind geworden. Ich hoffe, dass Allah ihm seine Gedichte zum Lob des Gesandten Allahs (s.a.w.) vergibt, die er als Antwort auf die Gedichte des Quraisch-Dichters Abū Sufyān ibn al-Hārith verfasst hat.“ Daraufhin trug sie einige Zeilen aus Hassāns Gedicht „Hajawta Muhammadan fa ajabtū ʿanhu“ vor.³⁶
Aus den genannten Überlieferungen wird deutlich, dass die Mutter der Gläubigen, ʿĀ’ischa (r.a.), dem Dichter Hassān verziehen hatte. Bis zu den letzten Tagen ihres Lebens bestand zwischen ʿĀ’ischa (r.a.) und ihm ein gutes Verhältnis.
Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.w.) lebte Hassan (r.a.) noch lange. Über den Zeitpunkt seines Todes bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Nach Ibn Ishaq starb er im Jahr 54 nach der Hidschra. Al-Haytham ibn Adi sagt, er sei im Jahr 40 nach der Hidschra gestorben. Imam adh-Dhahabi berichtet, dass er an den Höfen von Jabala ibn al-Ayham und Amir Mu’awiya gewesen sei. Daher sagte Ibn Sa’d, dass er während des Kalifats Mu’awiyas starb. Nach der bekanntesten Ansicht starb er jedoch im Jahr 54 nach der Hidschra beziehungsweise 674 n. Chr. im Alter von 120 Jahren.37
Abu Ubaid al-Qasim ibn Sallam sagt: Im Jahr 54 nach der Hidschra starben Hakim ibn Hizam, Abu Yazid Huwaitib ibn Abd al-Uzza, Sa’id ibn Yarbu al-Makhzumi und Hassan ibn Thabit al-Ansari. Jeder von ihnen erreichte ein Alter von 120 Jahren.38
Hassans (r.a.) Frau hieß Sirin. Sie war eine ägyptische Koptin. Al-Bayhaqi überliefert: Der edle Gesandte (s.a.w.) schickte den Gefährten Hatib ibn Balta’a (r.a.) als Gesandten zum Herrscher von Alexandria, al-Muqawqis. Al-Muqawqis empfing den Gesandten des Gesandten Allahs mit großer Ehrerbietung. Bei seiner Rückkehr schickte er dem Gesandten Allahs einige Geschenke. Zu diesen Geschenken gehörten auch drei koptische Sklavinnen. Mariyya al-Qibtiyya (r.a.), die Mutter des Sohnes des Gesandten Allahs (s.a.w.), Ibrahim, war eine von ihnen. Von den beiden anderen Sklavinnen schenkte der Gesandte (s.a.w.) jeweils eine Hassan ibn Thabit und Muhammad ibn Qays al-Abdi. Die Hassan geschenkte Sklavin war die Schwester der Mutter der Gläubigen, Mariyya al-Qibtiyya. Ihr Name war Sirin. Von ihr wurde Hassans (r.a.) Sohn Abd ar-Rahman geboren. Dieser Abd ar-Rahman und Ibrahim, der Sohn des Gesandten Allahs (s.a.w.), waren mütterliche Cousins.39
Wie bereits erwähnt, war die Festung auf dem Berg Far’ Hassans (r.a.) angestammter Wohnsitz. Als Abu Talha (r.a.) den Garten Bayruha unter seinen nahen Verwandten als Almosen verteilte, erhielt er daraus einen Anteil. Danach errichtete er hier ein Wohnhaus. Der Ort lag in der Nähe von al-Baqi. Später kaufte Amir Mu’awiya (r.a.) das Grundstück von ihm und ließ dort einen Palast erbauen. Dieser wurde später unter dem Namen Qasr Banu Hudayla bekannt. Manche meinen, der Gesandte (s.a.w.) habe ihm dieses Land geschenkt. Das ist jedoch nicht richtig. Unsere oben dargelegte Aussage wird durch eine Überlieferung in Sahih al-Bukhari bestätigt.
Hassan (r.a.) hatte vorne am Kopf eine lange Haarsträhne. Er ließ sie stets zwischen seinen beiden Augen herabhängen. Er war äußerst beredt. Deshalb sagte man, er könne die Spitze seiner Zunge bis an seine Nasenspitze bringen. Er pflegte zu sagen: Kein redegewandter Araber kann mich zufriedenstellen. Wenn ich die Spitze meiner Zunge auf das Haar am Kopf eines Menschen lege, wird er kahl werden. Und wenn ich sie auf einen Stein lege, wird dieser bersten.40
Hassan (r.a.) überlieferte einige Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.). Zu den besonders erwähnenswerten Personen, die von ihm Hadithe überlieferten, gehören: al-Bara ibn Azib, Sa’id ibn al-Musayyab, Abu Salama ibn Abd ar-Rahman, Uwa ibn Khurair, Abu as-Sahan, der Mawla des Propheten Nawfal, Kharija ibn Zayd ibn Thabit, Yahya ibn Abd ar-Rahman ibn Hatib, Aischa, Abu Huraira, Sulayman ibn Yasar, Abd ar-Rahman ibn Hassan und andere.41 Ibn Sa’d führte Hassan (r.a.) in der zweiten Tabaqa (Rangstufe) an.42
Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.w.) ist während des Kalifats der ersten beiden Kalifen, Abu Bakr und Umar (r.a.), keinerlei politische Tätigkeit Hassans (r.a.) festzustellen. Während des Kalifats Uthmans (r.a.) zeigten sich bei ihm jedoch erneut einige Anzeichen von Asabiyya (blinder Parteilichkeit). Er versuchte, die Banu Umayya auf die Seite des Kalifen Uthman (r.a.) zu stellen und gegen Ali (r.a.) aufzubringen. Nachdem Kalif Uthman (r.a.) durch die Hand der Aufständischen den Märtyrertod erlitten hatte, verfasste er einige Gedichte, die auf die Banu Hashim, insbesondere auf Ali (r.a.), anspielten.43
Die Dichtkunst bildet im Leben Hassans (r.) ein eigenständiges Kapitel. Dichterische Begabung wurde zu allen Zeiten von allen Völkern und Stämmen hochgeschätzt. Besonders im vorislamischen Arabien genoss diese Eigenschaft die größte Wertschätzung. Das Dichten war bei den Arabern jener Zeit eine besondere Neigung. Im damaligen Arabien gab es einige Stämme, die als Fundstätten oder Quellen von Dichtern bekannt waren. Beispielsweise seien die Stämme Qays, Rabi’a, Tamim, Mudar und Yaman genannt. In diesen Stämmen wurden unzählige arabische Dichter geboren. Die beiden medinensischen Stämme Aws und Khazraj gehörten zum letztgenannten Stamm Yaman. Hassans (r.a.) väterliche Abstammungslinie verband sich weiter oben mit ihnen.
Unter den oben erwähnten Stämmen gab es einige Sippen, in denen die Dichtkunst von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Auch die Sippe von Hassān (r.a.) war von dieser Art. Sowohl sein Großvater und sein Vater in der aufsteigenden Linie als auch sein Sohn ʿAbd ar-Rahmān, sein Enkel Saʿīd ibn ʿAbd ar-Rahmān und er selbst waren in ihrer jeweiligen Zeit herausragende Dichter.⁴⁴ Eine Tochter von Hassān (r.a.) war ebenfalls eine bedeutende Dichterin. Als Hassān (r.a.) im hohen Alter eines Nachts begann, ein Gedicht zu verfassen, konnte er nach einigen Versen keinen Reim mehr finden. Als seine Tochter seinen Zustand bemerkte, sagte sie: „Vater, mir scheint, dass du nicht mehr weitermachen kannst.“ Er sagte: „Du hast recht.“ Sie sagte: „Soll ich dir einige Verse ergänzen?“ Er fragte: „Kannst du das?“ Sie antwortete: „Ja, das kann ich.“ Daraufhin sprach der alte Mann einen Vers, und seine Tochter verfasste dazu im gleichen Versmaß einen passenden Vers. Da sagte Hassān: „Solange du lebst, werde ich keinen einzigen weiteren Vers mehr verfassen.“ Die Tochter sagte: „Das geht nicht; vielmehr werde auch ich zu deinen Lebzeiten kein Gedicht mehr verfassen.“⁴⁵
Viele der unzähligen arabischen Dichter der vorislamischen Ǧāhilīya-Zeit waren unter dem Namen „Aṣḥāb al-Mudhaḥḥabāt“ bekannt. Das Wort „Mudhaḥḥabāt“ leitet sich von „Dhahab“ ab. „Dhahab“ bedeutet Gold. Da einige einzigartige Gedichte dieser Dichter mit goldener Tinte geschrieben worden waren, wurden diese Gedichte „Mudhaḥḥabāt“ genannt. Das Wort „Aṣḥāb“ ist der Plural von „Ṣāḥib“ und bedeutet „Besitzer“ oder „Inhaber“. Somit bezeichnet „Aṣḥāb al-Mudhaḥḥabāt“ die Besitzer oder Verfasser von mit Gold geschriebenen Gedichten. Später wurde das beste Gedicht jedes Dichters als „Mudhaḥḥab“ bezeichnet. Die erste Zeile von Hassāns (r.a.) „Mudhaḥḥaba“ lautet wie folgt:⁴⁶
Auf Arabisch lautet es:
(Laʿamru abīkal-khairu ḥaqqan limā bīnā…………..)
Die arabischen Dichter werden in vier ṭabaqāt oder Stufen eingeteilt: 1. die Dichter der Ǧāhilīya oder vorislamischen Zeit; 2. die Muḫaḍramūn – jene Dichter, die sowohl die Ǧāhilīya als auch die islamische Zeit erlebt haben; 3. die islamischen Dichter – jene, die nach dem Aufkommen des Islam geboren wurden und Dichter wurden; 4. die Muḥdaṯūn – Dichter der abbasidischen oder einer späteren Zeit. In dieser Hinsicht gehörte Ḥaḍrat Hassān zur zweiten Gruppe. Er erlebte sowohl die Ǧāhilīya als auch die islamische Zeit.⁴⁷
Was seine dichterische Begabung betrifft, war Hassān (r.a.) einer der herausragendsten Dichter der Ǧāhilīya. Imam al-Aṣmaʿī sagte: „Hassāns Gedichte aus der Ǧāhilīya gehören zu den besten Gedichten.“⁴⁸
Hassāns (r.a.) dichterisches Leben hatte zwei Abschnitte: einen vorislamischen und einen islamischen. Obwohl diese beiden Abschnitte unterschiedlicher Art waren, stand keiner dem anderen in irgendeiner Hinsicht nach. Während seines vorislamischen Lebens erlangte er Berühmtheit durch seine Lob- und Preisgedichte auf die Herrscher von Ghassān und al-Ḥīra. Während seines islamischen Lebens wurde er durch sein Lob des Gesandten Allahs (s.a.w.), seine Verteidigung und seine Schmähgedichte gegen die Quraisch bekannt. Er wurde als der herausragendste Dichter unter den Dichtern seiner Zeit anerkannt. Im Verfassen satirischer Gedichte war er äußerst geschickt. Abū ʿUbaida sagte: Hassāns Vorrang vor den anderen Dichtern beruht auf drei Gründen: In der Ǧāhilīya war er der Dichter der Anṣār, während der Zeit der Prophetenschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.) der „Šāʿir ar-Rasūl“ und in der islamischen Zeit der Dichter des gesamten Jemen.⁴⁹
Im vorislamischen Arabien wurden auf dem Markt von ʿUkāẓ jedes Jahr ein Literatur- und Kulturfest sowie ein Dichterwettbewerb veranstaltet. Auch Hassān nahm an diesem Wettbewerb teil. Einmal war der damals herausragendste Dichter Arabiens, an-Nābiġa adh-Dhubyānī (gest. 604 n. Chr.), der Preisrichter des Dichterwettbewerbs auf diesem Markt. Der Dichter Hassān war ein Teilnehmer. Als der Preisrichter an-Nābiġa entschied, dass al-Aʿšā ein besserer Dichter als Hassān sei, protestierte Hassān und beanspruchte für sich, der beste Dichter zu sein.⁵⁰
Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānī berichtet: Zuerst trug al-Aʿšā Abū Baṣīr Gedichte vor. Danach trugen Ḥassān und andere Dichter ihre Gedichte vor. Zuletzt trug al-Ḫansāʾ bint ʿAmr, die bedeutendste Dichterin der damaligen arabischen Welt, ihr Gedicht vor. Nachdem sie geendet hatte, sagte der Richter an-Nābiġa: „Bei Allah! Wenn ich das Gedicht von Abū Baṣīr al-Aʿšā, das soeben vorgetragen wurde, nicht gehört hätte, würde ich gewiss sagen: Du bist der größte Dichter unter den Dschinn und den Menschen.“ Als Ḥassān dieses Urteil hörte, stand er auf und sagte: „Bei Allah! Ich bin ein größerer Dichter als dein Vater und als du.“ Darauf rezitierte an-Nābiġa zwei eigene Verse und sagte: „Neffe! Kannst du zwei schönere Verse als diese vortragen?“ Da schämte sich Ḥassān für seine Worte.⁵¹ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Ḥassān als Antwort auf die Worte an-Nābiġas seine …
Der arabische Text folgt
(Lana al-ǧafānātu l-ġurru yalmaʿna biḍ-ḍuǧā) rezitierte. Darauf unterzog an-Nābiġa die beiden Verse einer scharfen Kritik und wies Ḥassāns Anspruch zurück.⁵²
Ḥassān (ra) erlangte bereits in seinem vorislamischen Leben Anerkennung für sein dichterisches Talent. In ganz Arabien und an den Höfen der benachbarten Königreiche gelang es ihm, seinen Namen in die Reihe der berühmten Dichter einzutragen. Inzwischen waren sechzig Jahre seines Lebens vergangen. Danach erhielt er die Einladung zum Islam. Der Gesandte (sa) kam auf der Hidschra nach Medina. Damit begann das zweite Kapitel in Ḥassāns dichterischem Leben. Indem er seiner dichterischen Begabung in angemessener Weise gerecht wurde, erlangte er den Beinamen „Šāʿir ar-Rasūl“ – „Dichter des Gesandten“.
Nachdem der Gesandte Allahs (sa) nach Medina ausgewandert war, setzten die Quraisch von Mekka ihre gesamte Kraft ein, um ihn aus diesem Zufluchtsort zu vertreiben. Einerseits traten sie ihm offen entgegen, andererseits hetzten sie ihre Dichter auf. Sie verfassten Gedichte voller Verleumdung und Spott gegen den Gesandten Allahs, den Islam und die Muslime und reizten die Araber gegen sie auf. Dabei spielten die mekkanischen Dichter der Quraisch Abū Sufyān ibn al-Ḥāriṯ ibn ʿAbd al-Muṭṭalib, ʿAbdullāh ibn az-Zibaʿrā, ʿAmr ibn al-ʿĀṣ und Ḍirār ibn al-Ḫaṭṭāb eine führende Rolle. Ihre spöttischen und tadelnden Gedichte versetzten den Gesandten (sa) und die Muslime in Unruhe.
Zu dieser Zeit war ʿAlī (ra) unter den Muhādschirūn in Medina ein berühmter Dichter. Die Muslime von Medina baten ihn, in gleicher Weise Spottgedichte als Antwort auf die Dichter von Mekka zu verfassen. ʿAlī (ra) sagte: „Wenn der Gesandte (sa) mir die Erlaubnis gibt, kann ich ihnen antworten.“ Als dies den Gesandten Allahs (sa) erreichte, sagte er: „ʿAlī ist dafür nicht geeignet. Ich werde ʿAlī zum Helfer jener machen, die mir mit dem Schwert geholfen haben.“ Ḥassān war anwesend. Er zog an seiner Zunge und sagte: „Mit Freude übernehme ich diese Aufgabe.“ Seine Zunge war wie die Zunge einer Schlange, mit einem schwarzen Fleck an einer Seite. Er streckte sie heraus und berührte damit sein Kinn. Da sagte der Gesandte (sa): „Wie willst du die Quraisch mit Hidschāʾ (Tadel) verspotten? Wird dadurch nicht auch ich getadelt? Ich gehöre doch ebenfalls zu ihnen.“ Ḥassān sagte: „Ich werde Euch aus meinem Tadel und Spott so herauslösen, wie beim Sieben von Mehl Haare und anderer Unrat entfernt werden.“ Der Gesandte (sa) sagte: „Nimm hinsichtlich der Genealogie die Hilfe Abū Bakrs in Anspruch. Er kennt die Genealogie der Quraisch besonders gut. Er wird dir meine Abstammung nennen.“⁵³
Ǧābir (ra) berichtet: Eines Tages sagte der Gesandte (sa) während der Grabenschlacht: „Wer kann die Ehre und das Ansehen der Muslime verteidigen?“ Kaʿb ibn Mālik sagte: „Ich.“ ʿAbdullāh ibn Rawāḥa sagte: „Ich.“ Ḥassān sagte: „Ich.“ Der Gesandte (sa) sagte zu Ḥassān: „Ja, du. Verspotte sie mit Hidschāʾ (Tadel). Der rūḥ al-qudus, Gabriel, wird dich gegen sie unterstützen.“⁵⁴
Ḥassān (ra) ging zu Abū Bakr (ra) und stellte ihm viele Fragen über die verschiedenen Zweige des Stammes der Quraisch, über die Abstammung einzelner Personen und ihre Verwandtschaftsbeziehungen. Abū Bakr sagte: „Lass diese und jene Frauen aus. Sie sind die Großmütter des Gesandten Allahs (sa). Über alle anderen Frauen kannst du sprechen.“ Darauf verfasste Ḥassān eine Qaṣīda zum Tadel der Quraisch. Darin nahm er die Söhne der Quraisch – ʿAbdullāh, az-Zubair, Ḥamza, Ṣafiyya, al-ʿAbbās und Ḍirār ibn ʿAbd al-Muṭṭalib – aus und verspottete und tadelte scharf Sumayya, die Mutter des damaligen Götzendienerführers und Dichters aus demselben Stamm, Abū Sufyān ibn al-Ḥāriṯ, sowie dessen Vater al-Ḥāriṯ.
Es sei angemerkt, dass dieser Abū Sufyān ibn al-Ḥārith ein Cousin und Milchbruder des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war. In vorislamischer Zeit stand er dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sehr nahe. Nach dessen Berufung zum Propheten begann seine Feindschaft mit ihm. Er war ein Dichter und verfasste Gedichte, in denen er den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und die Muslime schmähte. Nach der Eroberung Mekkas nahm er den Islam an und nahm am Feldzug von Ḥunayn teil. Gegen diesen Abū Sufyān verfasste Ḥassān eine unvergleichliche Qaṣīda. Die Übersetzung einiger ihrer Verse lautet wie folgt:⁵⁵
1. Du hast Muḥammad geschmäht, und ich habe in seinem Namen geantwortet; die Vergeltung dafür liegt bei Allah.
2. Du hast einen reinen, frommen und wahrhaftigen Mann geschmäht, der Allah vollkommen vertraut und dessen Wesen es ist, seine Versprechen zu halten.
3. Du schmähst ihn, obwohl du ihm nicht ebenbürtig bist. Mögen daher eure Niedrigsten für eure Besten geopfert werden.
4. So mögen mein Vater, sein Sohn und meine Ehre dem Schutz der Ehre Muḥammads geweiht sein.
Als Sufyān ibn al-Ḥārith dieses Gedicht von Ḥassān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hörte, bemerkte er: „Gewiss steckt Abū Bakr dahinter.“ Auf diese Weise half Jibrīl (Friede sei mit ihm) ihm dabei, siebzig Bayt (Verse) zum Lob des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und zur Schmähung der Ungläubigen zu verfassen.⁵⁶
Über Ḥassāns (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Bemühungen, durch Dichtung einen Abwehrwall gegen die Gegner zu errichten, freute sich der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) außerordentlich. Einmal sagte er: „Ḥassān, antworte im Namen des Gesandten Allahs. O Allah, unterstütze ihn durch den Rūḥ al-Qudus Jibrīl.“⁵⁷
Ein anderes Mal sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Ḥassān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Fahre fort, die Quraisch zu schmähen und zu verspotten; Jibrīl ist mit dir.“⁵⁸
In einer Überlieferung heißt es: Der Gesandte (s.) sagte: „Ich forderte ʿAbdullāh ibn Rawāha auf, den Spott und die Schmähungen der Dichter der Quraisch zu erwidern. Er gab eine schöne Antwort. Auch zu Kaʿb ibn Mālik sagte ich, er solle ihnen antworten. Er gab eine hervorragende Antwort. Danach wandte ich mich an Hassān ibn Thābit. Die Antwort, die er gab, befriedigte ihn selbst ebenso wie mich.“⁵⁹
Über die Wirkung, die Hassāns (r.) Gedichte auf die heidnischen Dichter von Mekka ausübten, sagte der Gesandte (s.): „Hassāns Gedichte treffen sie härter als der Einschlag von Pfeilen.“⁶⁰
ʿUrwa überlieferte von ʿĀʾischa (r.), dass der Gesandte (s.) in seiner Moschee für Hassān eine Kanzel anfertigen ließ. Auf ihr stehend erwiderte er den ungläubigen Dichtern.⁶¹ Auf dieser Kanzel trug er Gedichte zum Lob und zur Würdigung des Gesandten Allahs (s.) vor und antwortete den Dichtern der Quraisch; und der Gesandte (s.) war überaus erfreut, wenn er dies hörte.⁶² Deshalb sagte ʿĀʾischa (r.) einmal, als sie den Gesandten Allahs (s.) beschrieb: „Er war genauso, wie Hassān ihn beschrieben hat.“⁶³
Im neunten Jahr der Hidschra (630 n. Chr.) kam eine Delegation von siebzig oder achtzig Männern des berühmten arabischen Stammes Banū Tamīm nach Medina zum Gesandten Allahs (s.). Zu dieser Delegation gehörten der hervorragende Dichter az-Zibirqān ibn Badr von Banū Tamīm und der schlagfertige Redner ʿUtārid ibn Hājib. Damals hatte sich der Islam in ganz Arabien verbreitet. Im Jahr zuvor war auch Mekka erobert worden. Hinsichtlich ihrer Zahl, Macht und ihres Ansehens besaß Banū Tamīm damals großen Einfluss. Sie traten nach arabischer Sitte vor den Gesandten Allahs (s.) und sagten: „Muhammad! Wir sind gekommen, um mit dir einen Wettstreit in Stolz und Ruhm auszutragen. Erlaube unseren Rednern zu sprechen.“ Daraufhin erhielten ihre Redner die Erlaubnis. Für Banū Tamīm erhob sich ihr bester Redner, ʿUtārid ibn Badr, und schilderte ihren Ruhm und ihre Taten. Aufseiten des Gesandten Allahs (s.) antwortete der berühmte Redner Thābit ibn Qais. Danach erhob sich der Dichter von Banū Tamīm, Zibirqān ibn Badr, und trug eine selbstverfasste Kasīda voller Worte über ihren Ruhm und ihre Taten vor. Als er seinen Vortrag beendet hatte, sagte der Gesandte (s.): „Hassān, steh auf! Antworte diesem Mann.“ Hassān stand auf und trug ein langes Gedicht vor, das spontan im gleichen Versmaß und mit dem gleichen Reim wie das des gegnerischen Dichters verfasst worden war. Sein Gedicht beeindruckte alle auf beiden Seiten zutiefst. Die Zuhörer von Banū Tamīm sagten an jenem Tag einstimmig: „Der Redner Muhammads ist besser als unser Redner, und sein Dichter ist besser als unser Dichter.“⁶⁴
Gegenstand von Hassāns (r.) Gedichten aus der Dschāhilīya waren Stammes- und persönliche Madīh-Gedichte (Lob) sowie Hidschāʾ (Tadel, Spott und Schmähung). Außerdem verfasste er Klagelieder, Gedichte über Trinkgelage und Wein, über Tapferkeit und Stolz sowie Liebeslieder. In seinen Gedichten aus der islamischen Zeit pries er den Gesandten Allahs (s.) aus tiefstem Herzen und tadelte die Heiden, die Allah, dem Gesandten und dem Islam feindselig gegenüberstanden.
Der Islam verlieh seinen Gedichten Wahrhaftigkeit und Anmut. In seinen Gedichten legte er zahlreiche Themen des Islam dar und erläuterte sie. Er verwendete reichlich Zitate aus dem Heiligen Qurʾān. Daher ist es angemessen, Hassān als einen Wegbereiter jener zu bezeichnen, die versucht haben, die arabische Dichtung von den Fesseln der Konventionalität zu befreien und ihr neue Formen zu geben. Er war der Erste, der Lobgedichte oder Naʿt-Gedichte auf den Gesandten Allahs verfasste. Unter denjenigen, die sich in der arabischen Dichtung sowohl in der dschāhilitischen als auch in der islamischen Zeit durch das Verfassen von Madīh (Lobgedichten) ausgezeichnet haben, war Hassān einer der Bedeutendsten.⁶⁵
Ibn al-Athīr sagt: Um auf die Schmähungen, den Spott und die Verleumdungen der heidnischen Dichter zu antworten, stellten sich die drei bedeutendsten Dichter Arabiens jener Zeit in Medina an die Seite des Gesandten Allahs (s.). Sie waren Hassān ibn Thābit, Kaʿb ibn Mālik und ʿAbdullāh ibn Rawāha. Hassān und Kaʿb antworteten den gegnerischen Dichtern, indem sie wie diese verschiedene Ereignisse, Siege und Niederlagen in Kriegen sowie Taten und Ruhm anführten. ʿAbdullāh hingegen hielt ihnen ihren Unglauben und die Anbetung ihrer Götzen vor und verurteilte sie dafür. Seine Gedichte übten auf die Gegner nicht besonders großen Einfluss aus. Die Gedichte der beiden anderen jedoch verletzten sie zutiefst.⁶⁶
Hassān (r.) tadelte die Quraisch nicht, indem er ihren Ungehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten (s.) sowie ihren Götzendienst erwähnte. Denn das hätte voraussichtlich keine Wirkung erzielt. Sie glaubten ja überhaupt nicht an den Gesandten (s.), und sie waren überzeugt, dass gerade die Anbetung der Götzen die Wahrheit sei. Deshalb führte er ihre erblichen Fehler und Mängel, ihre moralischen Verfehlungen, ihre Niederlagen im Krieg und dergleichen an und verletzte sie dadurch zutiefst. Bei dieser Aufgabe unterstützte Abū Bakr (r.) ihn mit Wissen und Informationen.
In allen Themenbereichen, die die alte arabische Dichtung in ihrer Vielfalt umfasst, finden sich Spuren von Hassans (Allahs Wohlgefallen sei ihm) dichterischem Wirken. Hier werden kurz einige Merkmale seiner Dichtung vorgestellt:
1. Die Neuartigkeit der Vergleiche: Es stimmt, dass die alte Dichtung nicht innerhalb einer hochentwickelten Zivilisation entstanden ist. Doch lässt sich auch nicht leugnen, dass sie in vieler Hinsicht von großen Zivilisationen beeinflusst wurde. Die eigentliche Blüte der arabischen Zivilisation begann mit der Offenbarung des heiligen Korans und dem Erscheinen des Gesandten Allahs. Der Koran ist das größte praktische Wunder der arabischen Ausdrucksweise und Rhetorik. Dieser Koran versetzte viele große Redner in Staunen. Daher entstand in den Dichtern jener Zeit, die den Islam annahmen, eine neue Kraft der Sprachgewandtheit und rhetorischen Ausdruckskunst. Unter diesen Dichtern war Hassan der bedeutendste. Bei ihm zeigt sich diese Kraft im Vergleich am stärksten.
Bei der Schilderung der Eigenschaften und Vorzüge der edlen Gefährten wird im heiligen Koran gesagt—
Die Spuren der Niederwerfung sind auf ihren Gesichtern deutlich sichtbar. Hassan verwendete diesen Vers als Metapher, um Uthman (Allahs Wohlgefallen sei ihm) zu preisen und die Mörder zu verurteilen. Er sagte:⁶⁷
‚Sie schlachteten diesen Mann mit schwarz und grau meliertem Haar und dem Zeichen der Niederwerfung auf der Stirn ab, der seine Nächte mit dem Sprechen von Tasbih und der Rezitation des Korans verbrachte.‘
In diesem Vers bezeichnet der Dichter Uthmans Gesicht als mit dem Zeichen der Niederwerfung versehen. Eine solche Metapher war in der damaligen arabischen Dichtung völlig neu.
2. Der kunstvolle Gebrauch von Symbolen: In der arabischen Rhetoriklehre findet sich eine Art von Symbol, die „Tatbi“ oder „Tajawuz“ genannt wird. Damit ist gemeint, dass der Dichter gerade ein bestimmtes Thema erörtern will, es jedoch plötzlich und ganz bewusst verlässt und etwas anderes beschreibt, wodurch das zuvor behandelte Thema noch deutlicher hervortritt. In Hassans Dichtung finden sich solche Symbole oder Andeutungen.
In Arabien lebten unzählige Stämme in der endlos weiten Wüste. Sie waren Nomaden. Wo sie Wasser und Weideland für ihre Tiere fanden, schlugen sie ihre Zelte auf und errichteten eine vorübergehende Bleibe. Wenn das Wasser und das Futter für die Tiere aufgebraucht waren, zogen sie zu anderen Orten weiter. So wanderten sie von einem Ort zum anderen. Die arabischen Dichter haben dieses Leben in vielfältiger Weise in ihrer Dichtung festgehalten. Doch Hassans Darstellung dieses Themas ist besonders originell. Er sagt: ‚Die Söhne Jafnas bleiben neben dem Grab ihres Vaters Ibn Marijja, der überaus großzügig und freigebig ist.‘
Da die gelobte Person arabischer Abstammung war, deutete er bei seinem Lob auf feine Weise an: Obwohl diese Menschen Araber sind, sind sie keine Nomaden, sondern Angehörige des Adels. Ohne Furcht oder Sorge zu haben, leben sie in der Nähe der Gräber ihrer Väter. Ihre Wohnstätten sind grün und fruchtbar. Daher müssen sie nicht von einem Ort zum anderen umherziehen.
3. Die Eigenartigkeit der Metaphorik: Arabische Dichter pflegten manche Dinge metaphorisch und indirekt zu schildern. Wenn sie beispielsweise sagen wollten, dass jemand äußerst angesehen und großzügig sei, sagten sie, diese Eigenschaften seien in seinem Gewand enthalten. In den Gedichten Hassans (ra) zeigt sich eine einzigartige Metaphorik. So wollte er in einem Vers sagen, dass wir sehr vornehm und zufrieden sind. Er drückte es jedoch folgendermaßen aus: „Ehre und Ansehen haben sich in unserem Hof ein Haus gebaut und dessen Pfosten so fest verankert, dass kein Mensch sie verrücken kann, selbst wenn er es versucht.“ In diesem Vers sind das Errichten eines Hauses für Ehre und Ansehen, das Aufstellen fester Säulen und die Unfähigkeit der Menschen, es ins Wanken zu bringen, allesamt neue Ausdrucksformen in der arabischen Dichtung.
4. In seinen Gedichten findet sich diese erstaunliche Schönheit von Metrum, Endreim und Klangähnlichkeit. Die Fügung der Wörter und der Aufbau der Sätze sind äußerst kraftvoll, dynamisch und fließend. Der letzte Laut des letzten Wortes im ersten Teil des ersten Verses findet sich im letzten Laut des letzten Wortes jedes Verses vieler seiner Qasiden wieder. In der arabischen Metrik wird dies Qafiya genannt. Eine solche kunstvolle Gestaltung des arabischen Satzes findet sich zuvor nur in den Gedichten Imruʾ al-Qays’. Nach ihm haben jedoch viele arabische Dichter erfolgreich mit verschiedenen Formen solcher Kunstfertigkeit experimentiert. Ein berühmtes Werk des zu den größten philosophischen Dichtern der Abbasidenzeit zählenden Abū al-ʿAlāʾ al-Maʿarrī trägt den Titel „Nuzūmu mā lā yalzamu“. Beim Verfassen von Gedichten hielt er unbedingt bestimmte Dinge ein, die für ein Gedicht überhaupt nicht erforderlich sind. Dieses Werk ist eine Sammlung von Gedichten dieser Art. Es ist eines seiner berühmten poetischen Werke.
5. Ein weiteres Merkmal von Hassans Dichtung besteht darin, dass er häufig Wörter mit sehr umfassender Bedeutung verwendete. Vielleicht wollte er einen bestimmten Gedanken verdeutlichen und gebrauchte dafür ein Wort, durch das neben dem Gemeinten noch viele andere Bedeutungen auf schöne Weise zum Ausdruck kamen.68
6. Übertreibung und Übersteigerung: Hassans islamische Dichtung kann als frei von jeglicher Übertreibung und Übersteigerung bezeichnet werden. Es stimmt zwar, dass es ohne Vorstellungskraft und Übertreibung keine Dichtung gibt. Er selbst pflegte jedoch zu sagen, dass der Islam das Lügen verboten habe. Deshalb habe ich Übertreibung und Übersteigerung, die im Grunde nur eine andere Bezeichnung für Lügen sind, vollständig aufgegeben.69
Nicht nur das: Auch in den Gedichten, die er in der Dschāhilīya verfasst hatte, war dieses Element nur sehr schwach ausgeprägt. Als daher al-Nābigha, der größte Dichter der damaligen Araber, einen Vers des Dichters Hassan herabsetzte, gerieten die beiden in Streit.70
Das Hauptthema von Hassans islamischer Dichtung war der Widerstand gegen die Kāfirūn und ihre Verurteilung. Er verfasste zahlreiche Gedichte, in denen er die Kāfirūn durch Hidschā verspottete und verurteilte. Doch seine Gedichte wurden niemals von Obszönität berührt. Die arabischen Dichter jener Zeit verstanden unter „Hidschā“ das Lob des eigenen Stammes und die Verurteilung des gegnerischen Stammes. Diese Schmähung war äußerst bissig und angriffslustig. Daher stellten die Dichter in ihren Gedichten tatsächliche Ereignisse in einer passenden und ansprechenden Weise dar. Einen Stil des Hidschā oder der Schmähung des vorislamischen Dichters Zuhayr ibn Abī Sulmā erkennen wir in zwei seiner Verse. Über den Stamm „Hisn“ sagte er:71
„Ich weiß es nicht. Doch ich glaube, dass ich es sehr bald erfahren werde. Sind die Angehörigen des Stammes Hisn Männer oder Frauen? Wenn sie verschleierte Frauen sind, dann verdient jede von ihnen das Geschenk, das einer Jungfrau zukommt.“
Dieser Vers Zuhairs war das schärfste Schmähgedicht der arabischen Dichtung. Deshalb bereitete der Vers den Angehörigen jenes Stammes großes Leid. Hassans Schmähgedichte enthielten nicht bloß Beschimpfungen, sondern auch Widerstand und Erwiderung. Sein Stil war äußerst eindrucksvoll. Der Schlussvers eines seiner gegen die Quraisch verfassten Gedichte erlangte damals eine solche Popularität, dass er zu einem Sprichwort wurde. Der Vers lautet:
„Ich weiß, dass du mit den Quraisch verwandt bist. Doch es ist eine Verwandtschaft wie die Ähnlichkeit zwischen einem Kamelfohlen und einem Straußenküken.“⁷²
Später verwendete der Dichter Ibn al-Mufarrigh die erste Zeile des erwähnten Verses, um den Fürsten Muʿāwiya (ra) zu schmähen. Als in den Siedlungsgebieten des Stammes von al-Hārith ibn ʿAwf al-Murrī ein von Allahs Gesandtem (sa) entsandter Missionar getötet wurde, verfasste der Dichter Hassān ein Schmähgedicht gegen ihn. Er sagte:
„Wenn ihr das Versprechen gebrochen habt, ist das nichts Besonderes. Denn Versprechen zu brechen liegt in eurer Natur, und aus der Wurzel des Versprechensbruchs sprießt der Versprechenbruch.“
Als al-Hārith dieses spöttische Gedicht Hassāns hörte, brachen ihm Tränen aus beiden Augen hervor. Er eilte zum Gesandten Allahs (sa), bat um Schutz und ersuchte ihn, Hassān Einhalt zu gebieten.⁷⁴
Hassān (ra) verfasste hervorragende Madīḥa- oder Lobgedichte. Zwei Verse aus den Gedichten, die er zum Lob der Āl ʿInān verfasste, lauten:
„Diejenigen, die zu ihnen kommen, lassen sie das Wasser des Flusses Baradā, mit klarem Wein vermischt, trinken.“
Einen ähnlichen Vers wie diesen verfasste auch der Dichter Ibn Qays zum Lob von Muṣʿab ibn az-Zubayr. Doch der Gedanke, der in Hassāns Vers zum Ausdruck kommt, fehlt in Ibn Qays’ Vers.⁷⁵
In einem anderen Vers zeichnete er in einem wunderbaren Stil ein schönes Bild von der Freigebigkeit und Gastfreundschaft der ghassanidischen Fürsten: „Ihre Häuser sind stets so voll von Gästen, dass sich sogar ihre Hunde daran gewöhnt haben. Deshalb bellen sie nicht mehr, wenn sie einen neuen Besucher sehen.“
Die drei Verse der drei berühmten Dichter der arabischen Dichtkunst gelten als die besten Lobgedichte oder Madīḥ-Gedichte. Darüber besteht beinahe allgemeine Einigkeit. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, welcher dieser drei Verse der beste ist. Der Dichter Hutai’a hielt diesen Vers von Hassān für den herausragendsten. Andere hingegen erklärten die beiden Verse von Abū Tihān und an-Nābigha für die besten.⁷⁶ Der umayyadische Kalif ʿAbd al-Malik war ein hochgelehrter und literarisch gebildeter Mann. Sein Urteil lautete: „Von allen Lobgedichten, die die Araber verfasst haben, ist der Vers von Hassān der beste.“⁷⁷ Die Gedichte, die er zum Lob des edlen Gesandten verfasste, zeichnen sich durch beträchtliche stilistische und künstlerische Neuartigkeit aus. In einem Vers zum Lob des Gesandten Allahs (s.a.w.) sagte er: „In einer dunklen Nacht erscheint die heilige Stirn des Gesandten Allahs (s.a.w.) in der Dunkelheit so hell wie das Licht einer brennenden Lampe.“
Hassān (r.a.) verfasste sowohl in seinem vorislamischen als auch in seinem islamischen Leben viele Marāthī oder Trauergedichte. Der Tod des Gesandten Allahs (s.a.w.) war für die Muslime der größte Kummer und Schmerz. In einigen von Hassāns Trauergedichten wurde dieser Schmerz auf äußerst eindrucksvolle Weise zum Ausdruck gebracht. Ibn Saʿd nahm diese Trauergedichte in sein Werk at-Ṭabaqāt auf.
Hassān war ein erfahrener Dichter, der ein langes Leben hatte. Außerdem war er ein großer Gefährte des Propheten. Daher finden sich in seinen Gedichten zahlreiche Ratschläge und Lehren. In seinen Gedichten forderte er die Menschen auf, eine hohe Moral zu erlangen. Zwei Verse über Ehre und Selbstachtung:
„Mit meinem Vermögen wahre ich meine Ehre. Möge Allah keinen Reichtum segnen, durch den die Ehre nicht bewahrt werden kann!
Wenn Vermögen verloren geht, kann man es wiedererlangen; doch einmal verlorene Ehre kann man nicht wiedererlangen.“⁷⁹
Der Mensch sollte immer derselbe bleiben. In einem Vers sagte er, dass man sich als Wohlhabender nicht überheblich aufführen und die Welt für gering achten sollte und dass man nicht zusammenbrechen darf, wenn der Überfluss schwindet:
„Vermögen und Reichtum konnten mich nicht meine Scham, Bescheidenheit und Selbstachtung vergessen lassen. Ebenso konnten Unglück und Widrigkeiten meinen Wohlstand und mein behagliches Leben nicht beeinträchtigen.“⁸⁰
Ein Vers von ihm darüber, dass die Folge von Unterdrückung niemals gut ist:
„Ich vermeide unnötige Fragen und Nachforschungen in einer Angelegenheit. Meistens fällt derjenige, der eine Grube gräbt, selbst in diese hinein.“⁸¹
In einem Vers ermahnt er dazu, böse Worte, die man hört, zu ignorieren:
„Ignoriere böse Worte, wenn du sie hörst, und verhalte dich so, als hättest du sie überhaupt nicht gehört.“⁸²
Über ein Leben in Erniedrigung und Schande sagt er:
„Sie scheuen den Tod; deshalb habe ich ihre Weidegründe für andere freigegeben. So haben die Feinde dort ihre Untaten vollbracht.
Flieht ihr etwa vor dem Tod? Ein Tod aus Schwäche ist nicht ehrenvoll.“⁸³
„Abd al-Qāhir al-Dschurdschānī sagte, dass sich in allen Versen von Hassāns Dichtung eine feste Einheit und Verbindung erkennen lässt. Ja, der vollständige Satz scheint sogar einem starken Seil zu gleichen.“⁸⁴
Butrus al-Bustani, einer der bedeutendsten Literaturkritiker der Gegenwart, sagt: „Das Besondere an Hassans Dichtung beschränkt sich nicht nur auf Madih und Hidscha. Vielmehr besitzt sie noch eine andere große Besonderheit: die eines zuverlässigen Historikers der Ereignisse seiner Zeit. Denn er schilderte die Kriege und verschiedenen Ereignisse aus dem Leben des Gesandten Allahs (s.a.s.). In diesen Gedichten erwähnte er die Namen vieler Muslime, die in diesen Schlachten als Märtyrer fielen, sowie vieler Angehöriger der gegnerischen Seite, die getötet wurden. Wenn wir seine Gedichte lesen, kommt es uns vor, als läsen wir die Geschichte der Frühzeit des Islam.“⁸⁵
Die Bewohner des alten Arabien waren in zwei Gruppen geteilt: in Beduinen und Stadtbewohner. Die Einwohner von Mekka, Medina und Ta’if waren Stadtbewohner. Die Bewohner aller übrigen Gebiete waren Beduinen oder Landleute. Die meisten berühmten Dichter stammten aus ländlichen Gegenden. Einige wenige Dichter wurden auch in Städten geboren. Unter ihnen nahm Hassan den höchsten Rang ein.⁸⁶
Ibn Sallam al-Dschumahi sagt: „In jedem Landstrich von Medina, Mekka, Ta’if, Yamama und Bahrain gab es viele Dichter. Doch der Landstrich von Medina stand in der Dichtung an der Spitze. Seine besten Dichter waren fünf: drei aus dem Stamm der Chazradsch und zwei aus dem Stamm der Aus. Die drei aus dem Stamm der Chazradsch waren: Qais ibn al-Chutaim und Abu Qais ibn Aslat. Unter ihnen war Hassan der beste.⁸⁷ Abu Ubaida sagt: ‚Unter den städtischen Dichtern ist Hassan der allerbeste.‘⁸⁸ Das sagte auch Abu Amr ibn al-Ala. Der Dichter al-Hutai’a sagte: ‚Lasst die Ansar wissen, dass ihr Dichter der beste Dichter Arabiens ist.‘⁸⁹ Abul-Faradsch al-Isfahani sagt: Hassan ist einer der besten Dichter. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) selbst sagte: ‚Imru’ al-Qais ist der Bannerträger der Dichter der Hölle, und Hassan ibn Thabit wird sie alle zum Paradies führen.‘⁹⁰
Imam al-Asma’i sagt: „In Schlechtigkeit und bösen Taten ist die Dichtung kraftvoll und fließend; bei Gutem und rechtschaffenen Taten wird sie schwach. Dieser Hassan war einer der bedeutendsten Dichter des vorislamischen Arabien. Nach seinem Übertritt zum Islam sank das Niveau seiner Dichtung. Seine vorislamische Dichtung ist seine beste Dichtung.“⁹¹
Als Hassan (ra.) im hohen Alter einmal gesagt wurde, seine Dichtung sei kraftlos geworden und trage die Spuren des Alters, erwiderte er: „Neffe! Der Islam ist ein Hindernis für die Lüge.“ Ibn al-Athir sagt, Hassans Aussage bedeute, dass ein Gedicht großartig werde, wenn sein Inhalt Übertreibungen enthalte. Jede Übertreibung aber ist aus islamischer Sicht eine Lüge, die zu vermeiden ist. Wie sollte die Dichtung dann noch gut werden?⁹²
Bei seiner Bewertung der Dichtung Hassans (ra.) sagt Butrus al-Bustani: „Wir sehen, dass Hassan in seiner vorislamischen Dichtung gute Leistungen vollbrachte. Doch erreichte er nicht die Stufe der bedeutendsten Dichter jener Zeit. Auch in einigen Teilen seiner islamischen Dichtung war er gut, insbesondere in den Gedichten über Hidscha und Fachr (Schmähung und Ruhm). In den meisten Themen zeigte er jedoch Schwächen, besonders in den zum Lob des Gesandten (s.a.s.) verfassten Gedichten und in den ihm gewidmeten Trauergedichten. Im Hinblick auf historische Informationen sind all diese Gedichte jedoch äußerst wichtig. In seiner islamischen Dichtung finden sich neue Stilformen, die es in der vorislamischen Dichtung nicht gab. In der islamischen Zeit war Hassan zugleich Dichter, Historiker und ein reformorientierter Dichter. Bei der Verteidigung des Gesandten Allahs (s.a.s.) war er der führende Vertreter der politischen Dichter.“⁹³
Einmal prahlte der Dichter Ka’b ibn Zuhair in einem Vers: „Was wird nach Ka’bs Tod aus Metrum und Reim der Dichtung werden?“ Sobald er den Vers gehört hatte, rief Tamrūz, der Bruder des damals berühmten Dichters Sammākh, aus: „Du bist gewiss kein Dichter wie der scharfsinnige Hassan, der Sohn des Thabit.“⁹⁴ Wie dem auch sei: Heute steht fest, dass er ein Dichter von großer Bedeutung war.
Alle Gedichte Hassans (ra.) wurden lange Zeit mündlich überliefert und im Gedächtnis der Menschen bewahrt. Später wurden sie in Buchform niedergeschrieben. Es gibt einen Diwan seiner Gedichte, den Ibn Habib überliefert hat. Allerdings wurden viele darin gesammelte Gedichte eingeschoben. Imam al-Asma’i sagte einmal: „Hassan ist ein sehr großer Dichter.“ Als Abu Hatim dies hörte, sagte er: „Aber viele seiner Gedichte sind sehr schwach.“ Al-Asma’i erwiderte: „Viele der ihm zugeschriebenen Gedichte stammen gar nicht von ihm.“⁹⁵ Ibn Sallam al-Dschumahi sagt: Hassan hat viele bedeutende Gedichte verfasst. Da er zahlreiche Gedichte gegen die Quraisch schrieb, wurden ihm später viele minderwertige Gedichte zugeschrieben. In Wirklichkeit ist er nicht der Verfasser dieser Gedichte.⁹⁶
Der bedeutendste unter denjenigen, die im Namen Hassans (r.a.) gefälschte Gedichte überliefert haben, war der berühmte Sīra-Fachgelehrte Muhammad ibn Ishaq. In seinem Werk über die Maghāzī nahm er zahlreiche Hassan (r.a.) zugeschriebene gefälschte Gedichte auf. Später wurde Ibn Hisham darauf aufmerksam, als er auf der Grundlage von Ibn Ishaqs Maghāzī sein Werk as-Sīra an-Nabawiyya zusammenstellte. Zur Überprüfung und Aussortierung wandte er sich an die damaligen Gelehrten und Fachleute der alten arabischen Dichtung, insbesondere an den berühmten Überlieferer und Sprachwissenschaftler aus Basra, Abū Zayd al-Ansārī. Er befragte ihn zu den von Ibn Ishaq überlieferten Gedichten Hassans: Einige erklärte er für echt, andere für nicht von Hassan stammend. Einige der Gedichte, die diese Gelehrten Hassan absprachen, überlieferte auch Ibn Habīb; sie wurden zudem in das Dīwān aufgenommen.97
Tatsächlich ist Hassans (r.a.) islamische Dichtung in erheblichem Maß verfälscht worden. Deshalb stellt man fest, dass einige ihm zugeschriebene Gedichte äußerst schwach sind. Im Grunde stammen diese Gedichte nicht von ihm. Gerade wegen dieser Schwäche äußerte sogar ein Gelehrter wie al-Asmaʿī, Hassans islamische Dichtung sei ausgesprochen schwach.
Ein Dīwān mit Hassans (r.a.) Gedichten wurde erstmals in Indien und Tunesien veröffentlicht. Später erschien er 1910 in England als Teil der Professor-Gibb-Memorial-Reihe. In London, Berlin, Paris und Sankt Petersburg werden alte handschriftliche Abschriften dieses Dīwāns aufbewahrt.98
Einmal verfasste Hassan (r.a.) gegen Ende seines Lebens tief in der Nacht ein einzigartiges Gedicht. Sofort bestieg er die Festung Fāriʿ und rief laut, um die Angehörigen seines Stammes Banū Qayla zu sich zu versammeln. Als sie sich versammelt hatten, trug er ihnen das Gedicht vor und sagte: „Eine solche Qaṣīda, wie ich sie hier verfasst habe, hat noch kein arabischer Dichter je gedichtet.“ Die Leute fragten: „Habt Ihr uns nur deshalb gerufen, um uns das zu sagen?“ Er erwiderte: „Ich fürchte, dass ich vielleicht noch in dieser Nacht sterben könnte. Dann würdet ihr dieses mein Gedicht nicht zu hören bekommen.“99
Al-Asmaʿī überlieferte: Damals fanden auf kleinen Bühnen Gesangsveranstaltungen statt. Dort geschah nichts Unzüchtiges wie in der heutigen Zeit. In Banū Nābit gab es eine solche Unterhaltungsveranstaltung. Als Hassan (r.a.) im hohen Alter erblindete, besuchte er diese Veranstaltung gemeinsam mit seinem Sohn. Eines Tages begannen zwei Sängerinnen, ein von ihm in seiner Dschāhilīya-Zeit verfasstes Lied mit voller Stimme zu singen, und er begann zu weinen. Da forderte sein Sohn die beiden Sängerinnen auf: „Singt weiter, singt weiter!“100 In seinem Geist waren damals Erinnerungen an sein vergangenes Leben aufgestiegen.
Obwohl Hassan (r.a.) von Natur aus ängstlich war, besaß er außerordentlichen moralischen Mut. Einmal ging der Kalif Umar (r.a.) an der Prophetenmoschee vorbei. Er sah, dass Hassan in der Moschee Gedichte vortrug. Umar sagte: „Gedichte in der Moschee des Gesandten Allahs?“ Hassan fuhr ihn an: „Umar! Ich habe hier in Gegenwart eines Mannes, der besser ist als ihr, Gedichte vorgetragen.“ Die Imame al-Buchārī und Muslim überlieferten diesen Hadith beide über Saʿīd ibn al-Musayyib. Umar (r.a.) sagte: „Du hast die Wahrheit gesprochen.“101
Hassan (r.a.) trank in seinem vorislamischen Leben Wein. Doch nach der Annahme des Islam mied er den Wein für immer. Einmal sah er einige junge Männer aus seinem Stamm Wein trinken und geriet in heftige Wut. Darauf rezitierten die jungen Männer einen Vers von ihm und sagten: „Wir folgen doch nur Euch.“ Er erwiderte: „Das ist ein Gedicht aus meiner vorislamischen Zeit. Bei Allah, seit ich den Islam angenommen habe, habe ich keinen Wein mehr angerührt.“102
In Hassan erkennen wir die höchste Form der Gottesfurcht. Als er sich mit den Dichtern der Quraisch in einem heftigen Wortgefecht befand, wurde zur Verurteilung der Dichter der Vers 224 der Sure asch-Schuʿarāʾ offenbart. Die drei Dichter des Gesandten Allahs (r.a.) – Hassan, Kaʿb und Abdullah – erschienen weinend beim Gesandten Allahs und beklagten sich: „O Gesandter Allahs! Auch wir fallen doch unter diesen Vers. Auch wir beschäftigen uns mit Dichtung. Was wird aus uns werden?“ Da rezitierte der Gesandte (r.a.) ihnen den letzten Teil des Verses, also die Ausnahme, und sagte: „Das seid ihr.“103
Hassāns (r.a.) größte Bedeutung lag darin, dass er der Dichter am Hof des Gesandten Allahs (s.a.w.) war. In der Prophetenmoschee trug er dem Gesandten (s.a.w.) selbst verfasste Gedichte vor. Dies war eine große Ehre. Zu Recht wurden ihm die Ehrentitel „Shāʿir al-Islām“ und „Shāʿir ar-Rasūl“ verliehen. Von seinem Übertritt zum Islam bis zum letzten Tag im Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.) stand er an dessen Seite und schleuderte den Quraisch, den Juden und den arabischen Götzendienern Worte entgegen, die scharf wie die Spitzen vergifteter Pfeile waren, wodurch er die Würde des Gesandten Allahs (s.a.w.) verteidigte und erhöhte.
Wenn der edle Gesandte (s.a.w.) in den Krieg zog, brachte Hassān (r.a.) dessen Ehefrauen an einen sicheren Ort in seiner befestigten Festung „Fāriʿ“. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg gab der Gesandte (s.a.w.) ihm einen Anteil an der Kriegsbeute. Sogar Sīrīn (r.a.), die Schwester der Mutter der Gläubigen Māriya al-Qibṭiyya, übergab er Hassān. Auch am Hof der rechtgeleiteten Kalifen genoss er besonderes Ansehen. Die Kalifen berieten sich mit ihm über verschiedene Angelegenheiten und richteten für ihn eine besondere Zuwendung ein. Wenn man die einzelnen Zeichen von Hassāns (r.a.) Ehre und Ansehen aufzählen wollte, würde daraus eine lange Liste entstehen.
Quellen:
ʿAbdullah ibn Salām (r.a.)
ʿAbdullah (r.a.) stammte aus dem berühmten jüdischen Stamm Banū Qaynuqā in Medina. Seine Abstammungslinie reicht über seine Vorfahren bis zu Yūsuf (a.s.) zurück. Er hatte zwei Beinamen: Abū Yūsuf und Abū al-Hārith. Sein Vater hieß Salām ibn al-Hārith. Banū ʿAwf war ein Zweig des medinensischen Stammes Chazradsch. Ein Unterzweig der Banū ʿAwf hieß Qawāqil. Nach dem Brauch des vorislamischen arabischen Zeitalters war ʿAbdullah ibn Salām ein Hanīf beziehungsweise ein vertraglich verbündeter Freund dieses Stammes der Qawāqil. Später wurde er zu einem der hoch angesehenen Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.) und zu einem derjenigen, denen das Paradies verkündet wurde. Vor dem Islam, im Zeitalter der Dschāhilīya, hieß er Husain. Nach seinem Übertritt zum Islam änderte der Gesandte Allahs (s.a.w.) seinen Namen in ʿAbdullah.
Die Geschichte von ʿAbdullah ibn Salāms (r.a.) Übertritt zum Islam wird in verschiedenen Hadith- und Sīra-Werken überliefert. Aus den verschiedenen Überlieferungen zu diesem Thema geht klar hervor, dass er bereits vor seinem Übertritt zum Islam als jüdischer Religionsgelehrter hohes Ansehen erlangt hatte. Er wusste, was in der Tora über die Zeit des Erscheinens des Gesandten Allahs (s.a.w.) und über seine Eigenschaften berichtet wurde. Wie viele andere wartete auch er auf den letzten Propheten. Nach der Überlieferung Ibn Isḥāqs hielt sich der Gesandte Allahs (s.a.w.), als er nach Medina kam und zunächst beim Stamm Banū ʿAmr ibn ʿAwf in Qubāʾ Unterkunft nahm, auf der Spitze einer Dattelpalme auf. Als ein Mann ihm die Nachricht von der Ankunft des Gesandten (s.a.w.) überbrachte, eilte er zu ihm, begegnete ihm zum ersten Mal und erkannte bereits beim ersten Anblick, dass er ein Prophet war. Als der Gesandte (s.a.w.) anschließend in das eigentliche Medina kam und im Haus Abū Ayyūb al-Anṣārīs Unterkunft nahm, kam ʿAbdullah erneut, um ihn zu treffen. Bei dieser Begegnung sprach er lange mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.). In den verschiedenen Überlieferungen werden diese Gespräche in unterschiedlicher Weise wiedergegeben. Hier führen wir einige Überlieferungen an.
ʿAbdullah ibn Salām sagte: „Bei meinem Vater lernte ich die Lektüre und Auslegung der Tora. Eines Tages las er mir einen Vers vor, der die Eigenschaften, die Zeichen, die Merkmale und die Taten des Gesandten Allahs (s.a.w.) betraf. Dann sagte er: Wenn er aus der Nachkommenschaft Hārūns stammt, dann sollst du ihm folgen; andernfalls nicht.“ Er starb vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.a.w.).
Eines Tages kam dann der Gesandte (s.a.w.) nach Medina. Ich pflückte gerade in einem Garten Datteln, während meine Tante Chālida bint al-Hārith Datteln auflas. Zu dieser Zeit begann ein Mann aus dem jüdischen Stamm Banū Naḍīr laut zu rufen: „Der Herr der Araber ist heute eingetroffen!“ Als ich das hörte, begann ich zu zittern und rief laut den Takbīr. Meine alte Tante sah meinen Zustand und sagte: „Du elender Kerl, selbst wenn Mūsā ibn ʿImrān käme, würde es dir nicht schlimmer gehen als jetzt.“ Ich sagte: „Tante! Er ist der Bruder Mūsās und folgt dessen Religion. Er bringt dasselbe, was auch jener gebracht hat.“
Ich stieg vom Baum herab und ging zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Ich betrachtete sein Erscheinungsbild und erkannte ihn. Ich erzählte ihm von meinem Vater. Ich nahm den Islam an. Später nahm auch meine Tante väterlicherseits den Islam an. 5
Abdullah ibn Salam berichtet ferner: Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) in Medina eintraf, drängten sich die Menschen zu ihm. Auch ich ging hin. Schon beim ersten Anblick erkannte ich, dass dieses Gesicht nicht das eines Betrügers und Lügners war. Als Erstes hörte ich aus seinem Mund diese Worte: „O ihr Menschen! Verbreitet den Friedensgruß, gebt den Menschen zu essen, haltet die Verwandtschaftsbande aufrecht und verrichtet das Gebet, während die Menschen nachts schlafen – dann werdet ihr ungehindert ins Paradies eintreten.“ 6
Mit der obigen Schilderung meinte Abdullah ibn Salam wahrscheinlich seine erste Begegnung mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.), nachdem dieser von Mekka nach Quba gelangt war. Nachdem der Gesandte (s.a.w.) drei Tage in Quba geruht hatte, machte er sich auf den Weg zum eigentlichen Gebiet von Medina. Unterwegs ließ er alle Bitten und Einladungen außer Acht und nahm im Haus von Abu Ayyub al-Ansari Unterkunft. Zu dieser Zeit begab sich Abdullah ibn Salam erneut in den Dienst des Gesandten Allahs (s.a.w.). Anas (r.a.) überliefert die Schilderung dieser Begegnung.
Von Anas wird überliefert: Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina gekommen war, kam Abdullah ibn Salam, um ihn zu besuchen. Er sagte zum Gesandten Allahs (s.a.w.): „Ich möchte dir drei Fragen stellen, deren Antworten nur die Propheten kennen.“ 7
a) Was ist das erste Zeichen beziehungsweise Merkmal des Jüngsten Tages?
b) Was wird die erste Speise der Bewohner des Paradieses sein?
c) Warum ähnelt ein Kind seinem Vater oder seiner Mutter?
Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Gerade eben hat mir Gabriel diese Antworten übermittelt.“ Abdullah ibn Salam sagte: „Unter den Engeln ist es doch gerade Gabriel, der Feind der Juden ist.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Das erste Zeichen des Jüngsten Tages ist, dass aus dem Osten ein Feuer hervorbrechen und die Menschen vor sich hertreiben wird, um sie im Westen zu versammeln. Die erste Speise der Bewohner des Paradieses wird der überstehende Teil der Leber eines Fisches sein. Der Grund dafür, dass ein Kind seinem Vater oder seiner Mutter ähnelt, ist: Wenn der Samen des Mannes zuerst austritt, wird das Kind ihm zuneigen, und wenn der Samen der Frau zuerst austritt, wird das Kind ihr zuneigen.“ Als Abdullah diese Antwort hörte, sagte er: „Ich bezeuge, dass du der Gesandte Allahs bist.“
Darauf sagte Abdullāh ibn Salām: „O Gesandter Allahs! Die Juden sind ein lügnerisches Volk. Ich bin der gelehrte Sohn eines gelehrten Vaters. Ebenso bin ich der führende Sohn eines führenden Vaters. Rufe die Juden und frage sie nach mir. Verschweige ihnen jedoch, dass ich den Islam angenommen habe.“ Seinem Wunsch entsprechend rief der Gesandte (صلى الله عليه وسلم) die Juden und legte ihnen den Islam dar. Schließlich fragte er sie: „Wer unter euch ist Abdullāh ibn Salām?“ Sie antworteten: „Er ist der Sohn unseres früheren Führers und unser gegenwärtiger Führer, der gelehrte Sohn eines gelehrten Vaters.“ Der Gesandte (صلى الله عليه وسلم) fragte: „Was meint ihr, könnte er den Islam annehmen?“ Sie sagten: „Niemals!“
Währenddessen hielt sich Abdullāh ibn Salām in einer Ecke des Hauses verborgen. Der Gesandte (صلى الله عليه وسلم) gab ihm ein Zeichen, herauszukommen. Er kam heraus, während er das Glaubensbekenntnis sprach, und sagte zu der jüdischen Gemeinschaft: „Fürchtet Allah ein wenig. Ihr wisst sehr wohl, dass dieser Mann der Gesandte Allahs ist und dass seine Religion wahr ist.“
Trotz seiner Aufforderung glaubten die Juden nicht. Vielmehr wurden sie durch diese unerwartete Bloßstellung noch zorniger. Sie begannen, zu Abdullāh zu sagen: „Du bist ein Heuchler, ein Lügner und ein Verräter. Du bist einer der niederträchtigsten Menschen unserer Gemeinschaft. Auch dein Vater war ein niederträchtiger Mensch.“
Da sagte Abdullāh: „O Gesandter Allahs! Sie haben es selbst gesehen. Davor hatte ich Angst.“⁸ Nachdem die Juden die Einladung des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) zurückgewiesen hatten und gegangen waren, wurde der zehnte Vers der Sure al-Ahqāf im Heiligen Qurʾān offenbart.⁹
Über den Zeitpunkt, zu dem Abdullāh ibn Salām den Islam annahm, gibt es auch unterschiedliche Auffassungen. Von Imām asch-Schaʿbī wird überliefert, dass er zwei Jahre vor dem Tod des Gesandten Allahs den Islam annahm.¹⁰ Imām adh-Dhahabī sagt, dies sei eine außergewöhnliche und zurückgewiesene Überlieferung. Denn in Ṣaḥīḥ al-Buchārī wird überliefert, dass er zur Zeit der Hidschra des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) und seiner Ankunft in Medina den Islam annahm.¹¹ Ibn Saʿd sagt: Er nahm bereits in der ersten Zeit nach der Ankunft des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) in Medina den Islam an. Er war einer der jüdischen ḥabr, also ein jüdischer Religionsgelehrter.¹²
Unter den Sīra-Fachleuten besteht Uneinigkeit darüber, ob Abdullāh ibn Salām an den Schlachten von Badr und Uḥud teilnahm. Nach Ibn Saʿd nahm er erstmals an der Grabenschlacht teil. Deshalb führt er ihn in der dritten ṭabaqa (Stufe) der Gefährten zusammen mit den Kämpfern der Grabenschlacht auf. Von der Grabenschlacht an nahm er an allen Schlachten teil.
Während des Aufenthalts des Kalifen ʿUmar (رضي الله عنه) in Bayt al-Maqdis war er dessen Reisebegleiter. Al-Wāqidī überliefert, dass er zu den maßgeblichen Beteiligten an der Eroberung von Bayt al-Maqdis und Jābiya gehörte.¹³
Als die Aufständischen den Kalifen ʿUthmān (رضي الله عنه) in seinem Haus belagerten und seine Ermordung planten, besuchte er ihn in jener verhängnisvollen Zeit eines Tages und sagte: „Wir sind bereit, Hilfe zu leisten. Es ist jetzt nicht richtig, dass Sie so in Ihrem Haus sitzen bleiben. Gehen Sie hinaus und zerstreuen Sie die versammelte Menge.“ Daraufhin trat Abdullāh selbst vor die Menschen und hielt eine kurze Ansprache. Diese Ansprache wird in verschiedenen Büchern überliefert. Ihr Inhalt ist zusammengefasst wie folgt:
„O ihr Leute, in der Zeit der Dschāhilīya hieß ich Husain. Der Gesandte Allahs gab mir den Namen Abdullah. Diese Verse des Heiligen Korans wurden in Bezug auf mich offenbart.
1) Und ein Zeuge aus den Kindern Israels bezeugte dessen Wahrheit und glaubte daran, während ihr hochmütig seid. (Sure al-Ahqāf 10)
2) Die Ungläubigen sagen: „Du bist kein Gesandter.“ Sprich: „Allah genügt als Zeuge zwischen mir und euch sowie auch derjenige, der Kenntnis von der Schrift besitzt.“ (Sure ar-Raʿd 43)
Das Schwert Allahs befindet sich bis jetzt in der Scheide, und die Engel haben diese eure Stadt – den Ort der Auswanderung des Gesandten Allahs – zu ihrer Wohnstätte gemacht. Fürchtet daher Allah und lasst davon ab, ihn – Uthman – zu töten. Bei Allah! Wenn ihr beschlossen habt, ihn zu töten, werden eure Nachbarn, die Engel, Medina verlassen. Und das Schwert, das bisher in der Scheide geblieben ist, wird gezogen werden und bis zum Tag der Auferstehung nicht wieder in die Scheide zurückkehren.“
Seine Ansprache konnte bei den hartherzigen Aufständischen keinerlei Wirkung erzielen. Im Gegenteil, das Gegenteil trat ein: Ihr Unglück und ihre Verstocktheit nahmen noch zu. Sie sagten: „Tötet sowohl diesen Juden als auch Uthman!“14
In einer anderen Überlieferung heißt es: Abdullah ibn Salam berichtet: „Als Uthman unter Hausarrest stand, ging ich eines Tages zu ihm, um ihn zu grüßen. Als ich sein Haus betrat, sagte er: ‚Willkommen, mein Bruder! In der vergangenen Nacht sah ich den Gesandten Allahs durch dieses Fenster. Er sagte: Uthman, haben sie dich eingeschlossen?‘ Ich antwortete: ‚Ja.‘ Er sagte: ‚Haben sie dich durstig gelassen?‘ Ich antwortete: ‚Ja.‘ Daraufhin gab er mir einen Eimer voll Wasser. Ich trank und stillte meinen Durst. Er sagte zu mir: ‚Wenn du willst, werde ich dich gegen sie zum Sieger machen; wenn du möchtest, kannst du heute mit mir das Fastenbrechen begehen.‘ Ich entschied mich dafür, mit ihm das Fastenbrechen zu begehen. An jenem Tag wurde er getötet.“15
Als der Kalif Ali (r.a.) beschloss, Kufa anstelle von Medina zur Hauptstadt zu machen, sagte Abdullah zu ihm: „Gib die Kanzel des Gesandten Allahs in der Moschee von Medina nicht auf. Wenn du sie aufgibst, wirst du sie nie wieder besuchen können.“ Ali (r.a.) bemerkte daraufhin: „Der arme Mann, er ist ein sehr argloser und ehrlicher Mensch.“16
In einer anderen Überlieferung heißt es: Ali (r.a.) berichtet: „Als ich gerade meinen Fuß in den Steigbügel setzte, um auf mein Pferd zu steigen, kam Abdullah ibn Salam zu mir und fragte: ‚Wohin gehst du?‘ Ich antwortete: ‚In den Irak.‘ Er sagte: ‚Wenn du dorthin gehst, wirst du die Schärfe des Schwertes zu spüren bekommen.‘ Ich sagte: ‚Ich habe den Gesandten Allahs diese Worte bereits zuvor sagen hören.‘“17
Er hielt sich aus dem Streit und der Auseinandersetzung zwischen dem Kalifen Ali und Muʿawiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen beiden) heraus. Mit einem hölzernen Schwert bei sich hielt er sich sorgfältig von diesem Konflikt fern.18
Alle Sira-Fachgelehrten sind sich darin einig, dass er während des Kalifats von Amir Muʿawiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) im Jahre 43 nach der Hidschra in Medina verstarb.19 Er hinterließ zwei Söhne. Sie hießen Yusuf und Muhammad. Beide wurden zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) geboren. Yusuf war der ältere. Nach seiner Geburt nahm ihn der edle Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf den Arm, legte ihm die Hand auf den Kopf und gab ihm den Namen Yusuf.20
Über die täglichen gottesdienstlichen Übungen von Abdullah ist nicht viel überliefert. Es ist jedoch bekannt, dass er sich im Alter wegen seiner Schwäche mit einem Stock fortbewegte und sich bei Bedarf darauf stützte.21 Auf seinem Gesicht war stets der Ausdruck der Gottesfurcht zu erkennen.22
Abdullahs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Brust war erfüllt vom Wissen über die Tora, das Evangelium, den edlen Koran und die prophetischen Hadithe. Über seine grenzenlose Gelehrsamkeit in der Tora schrieb der Gelehrte adh-Dhahabi:23
„Abdullah ibn Salam war zu seiner Zeit in Medina der größte Gelehrte der Leute der Schrift.“
Nach seinem Übertritt zum Islam widmete er sich dem Koran und den Hadithen und erlangte durch sein Wissen das Vertrauen aller. Was könnte eine größere Würde sein als die, dass sogar Abu Huraira – der unter den Gefährten auf dem Gebiet der Hadithe am sachkundigsten war – Abdullah nach Hadithen fragte? Einmal reiste Abu Huraira nach Scham. Dort überlieferte er Kaʿb ibn al-Ahbar diesen Hadith: „Am Freitag gibt es einen Zeitpunkt, in dem kein Diener Allah um etwas bittet, ohne dass Er es ihm gewährt.“ Nachdem Kaʿb den Hadith gehört hatte, schwankte er zunächst zwischen Glauben und Zweifel. Schließlich stimmte er der Überlieferung Abu Hurairas zu.
Als Abu Huraira danach nach Medina zurückkehrte, erzählte er Abdullah ibn Salam von dem Vorfall. Nachdem dieser zugehört hatte, bemerkte er: „Kaʿb hat gelogen.“ Da sagte Abu Huraira: „Am Ende hat er meine Aussage doch angenommen.“ Abdullah fragte: „Wissen Sie, zu welcher Zeit das geschieht?“ Als Abu Huraira diese Frage hörte, folgte er ihm und bat ihn wiederholt, ihm die betreffende Zeit zu nennen. Da sagte Abdullah: „Zwischen dem Asr- und dem Maghrib-Gebet.“ Abu Huraira sagte: „Zwischen Asr und Maghrib gibt es doch kein Gebet. Wie kann das sein?“ Abdullah erwiderte: „Vielleicht wissen Sie nicht, dass der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gesagt hat: Wer sitzen bleibt und auf das Gebet wartet, befindet sich, als wäre er bereits im Gebet.“24
Trotz seiner großen Kenntnis der Hadithe wurden von ihm nur fünfundzwanzig Hadithe überliefert.25 Zu den zahlreichen Gefährten, die Hadithe überlieferten, nachdem sie sie aus seinem Mund gehört hatten, gehören unter anderem: Anas ibn Malik, Zurara ibn Awfa, Abu Huraira, Abdullah ibn Maʿqil und Abdullah ibn Hanzala. Außerdem waren dies einige seiner besonderen Schüler: Kharasha ibn al-Hurr, Qays ibn ʿUbad, Abu Salama ibn Abd ar-Rahman, Hamza ibn Yusuf (sein Enkel), Umar ibn Muhammad (sein Enkel), Awf ibn Malik, Abu Burda ibn Abi Musa, Abu Saʿid al-Muqri, Ubada az-Zarqi, Ata ibn Yasar, Ubaidullah ibn Jaysh al-Ghifari, Zurra ibn Awfa sowie Yusuf und Muhammad (seine beiden Söhne).26
Unter den ehrwürdigen Gefährten des Propheten genoss Abdullah ibn Salam höchstes Ansehen und höchste Wertschätzung. Er gehörte zu den herausragenden Gelehrten unter den Gefährten. Als sich die letzte Stunde des berühmten Gefährten Muadh ibn Jabal näherte, wurde er gebeten: „Gib uns einen Rat.“ Er sagte: „Ich werde diese Welt verlassen. Doch das Wissen wird nicht mit mir verschwinden. Wer danach sucht, wird es erlangen. Sucht Wissen bei Abu d-Darda, Salman al-Farisi, Abdullah ibn Masud und Abdullah ibn Salam. Abdullah war Jude und wurde später Muslim. Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über ihn sagen: ‚Er ist der zehnte Paradiesbewohner.‘²⁷
Sad ibn Abi Waqqas sagte: „Außer über Abdullah ibn Salam habe ich den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über keinen anderen auf der Erde sagen hören: ‚Er ist ein Bewohner des Paradieses.‘ Über ihn wurde der zehnte Vers der Sure al-Ahqaf offenbart.“²⁸
Musab ibn Sad ibn Abi Waqqas überlieferte von seinem Vater Sad (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte: Eines Tages wurde dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine Schale Tharid gebracht. Nachdem er gegessen hatte, blieb etwas davon übrig. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Durch diese Öffnung wird ein Bewohner des Paradieses eintreten und diesen Rest aufessen.“ Sad sagte: „Ich schickte meinen Bruder Umair, um die Gebetswaschung zu vollziehen. Ich wollte, dass er kommt und diesen Rest aufisst. Doch noch vor ihm kam Abdullah ibn Salam und aß ihn auf.“²⁹
Obwohl Abdullah eine so hohe Stellung innehatte, war er äußerst bescheiden. Wenn ihn jemand auch nur geringfügig lobte, wurde er zornig. Qays ibn Ubad sagte: Ich befand mich in der Moschee von Medina. Da kam ein Mann, auf dessen Gesicht die Spuren der Gottesfurcht sichtbar waren. Die Leute sagten: „Dieser Mann ist ein Bewohner des Paradieses.“ Danach verrichtete er zwei kurze Gebetseinheiten. Als er die Moschee verließ, folgte ich ihm. Er betrat sein Haus, und auch ich ging hinter ihm hinein. Nachdem ich mit ihm gesprochen und ihn kennengelernt hatte, sagte ich: „Als du die Moschee betreten hast, haben die Leute dies und jenes über dich gesagt.“ Er sagte: „Gepriesen sei Allah! Kein Mensch sollte etwas sagen, was er nicht weiß. Ich will dir erzählen: Ich hatte einen Traum und berichtete ihn dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Es war, als sähe ich einen grünen Garten. In dessen Mitte stand eine eiserne Säule. Ihr Fuß befand sich in der Erde, ihre Spitze reichte bis zum Himmel, und an der Spitze war ein Seil befestigt. Mir wurde gesagt: ‚Steige an der Säule hinauf.‘ Ich stieg hinauf und ergriff das Seil. Dann wurde mir gesagt: ‚Halte dich fest daran.‘ Während ich das Seil in der Hand hielt, erwachte ich aus meinem Schlaf. Am Morgen kam ich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und erzählte ihm den Traum. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Der Garten ist der Garten des Islam, die Säule ist die Säule des Islam, und das Seil ist das Seil des Islam. Du wirst bis zu deinem Tod am Islam festhalten.‘“ Der Überlieferer Qays sagte: Dieser Mann war Abdullah ibn Salam.³⁰
Kharasha ibn al-Hurr überlieferte den Traum in etwas anderer Form.³¹ In einer anderen Überlieferung heißt es: Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seinen Traum gehört hatte, sagte er: „Du wirst sterben, während du dich am starken Seil des Islam festhältst.“³²
In verschiedenen Büchern werden noch viele weitere Begebenheiten von Abdullahs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Bescheidenheit berichtet. Einmal ging er mit einem Bündel Holz auf dem Kopf umher. Als die Leute dies sahen, sagten sie zu ihm: „Allah hat dich doch von einer solchen Arbeit befreit.“ Er sagte: „Ja, das stimmt. Doch durch diese Arbeit kann ich meinen Hochmut und mein vornehmes Selbstbild zerschmettern. Denn ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: ‚Wer auch nur den Hochmut eines Senfkorns im Herzen trägt, wird nicht ins Paradies eintreten.‘“³³
In Abdullah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) brannten grenzenloser Eifer und große Kraft für Wahrheit und Aufrichtigkeit. Gegen Ende seines Lebens sagte er: „Wenn ihr noch einmal mit den Quraisch in einen Krieg geratet und ich zu dieser Zeit keine Kraft mehr habe, dann setzt mich auf einen Stuhl und stellt mich zwischen die beiden Parteien.“³⁴
Von Abdullah ibn Salam (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert: Einmal sagte Salman al-Farisi (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu ihm: „Bruder! Wer von uns beiden zuerst stirbt, soll versuchen, demjenigen, der am Leben bleibt, im Traum zu erscheinen.“ Abdullah ibn Salam sagte: „Ist das möglich?“ Salman sagte: „Ja, es ist möglich. Die Seele eines gläubigen Menschen ist frei und kann überall hingehen, wohin sie will. Die Seele eines Ungläubigen hingegen bleibt gefangen.“ Salman starb. Abdullah ibn Salam sagte: Eines Tages war ich um Mitternacht eingeschlafen. Da kam Salman und grüßte mich. Ich erwiderte seinen Gruß und sagte: „O Abu Abdullah, wie hast du deinen Aufenthaltsort vorgefunden?“ Er sagte: „Gut. Halte am Tawakkul (Vertrauen auf Allah) fest. Tawakkul ist eine sehr gute Sache.“ Dies sagte er dreimal. In einer anderen Überlieferung heißt es: Abdullah fragte: „Welche gute Tat hast du als die beste vorgefunden?“ Er sagte: „Ich habe den Tawakkul als etwas Wunderbares vorgefunden.“³⁵
Von Abu Burda wird berichtet. Er sagte: Einmal ging ich nach Medina und traf dort Abdullah ibn Salam. Er sagte zu mir: „Willst du nicht mit zu mir nach Hause kommen? Komm, ich werde dir Sattu und Datteln zu essen geben.“ Ich ging mit. Er sagte zu mir: „Sieh, ihr lebt in einer Gegend, in der der Zins verbreitet ist. Wenn du bei jemandem eine Forderung hast und er dir zusätzlich auch nur etwas Kleie als Tierfutter schenkt, dann nimm sie nicht an, denn dadurch würde sie zu Zins werden.“³⁶ In einer anderen Überlieferung wird das Ereignis etwas anders dargestellt.³⁷
Einige Koranausleger vertreten die Ansicht, dass außer den beiden Versen aus der edlen Sure al-Ahqaf und der Sure ar-Raʿd, den Versen 10 beziehungsweise 43, noch zwei weitere Verse zu Ehren von Abdullah ibn Salam (r.a.) offenbart wurden. Ibn Ishaq überlieferte dies über Ibn Abbas (r.a.). Die Verse 113 und 114 der Sure Ali Imran wurden zum Lob von Abdullah ibn Salam und Thaʿlaba ibn Saʿya offenbart.³⁸ Allah sagt zu ihrem Lob:
Sie sind nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrichtige Gemeinschaft, die Allahs Verse in der Nacht verliest und sich niederwirft. Sie glauben an Allah und den Jüngsten Tag, gebieten das Rechte, verbieten das Verwerfliche und wetteifern nach guten Taten. Und diese gehören zu den Rechtschaffenen.
So hat Allah selbst Abdullah ibn Salam (r.a.) ein Zeugnis seiner hohen Stellung verliehen. Wie großartig dieser Mann war, wird durch diese Erklärung Allahs des Erhabenen deutlich.
Quellen:
Sahl ibn Saʿd (r.a.)
Sein eigentlicher Name war Sahl. Er hatte mehrere Kunyas, darunter Abu al-Abbas, Abu Malik und Abu Yahya. Sein Vater hieß Saʿd ibn Malik. Er stammte aus dem Clan Banu Saʿida des medinensischen Stammes Chazradsch. Er war ein berühmter ansarischer Gefährte. Auch sein Vater Saʿd war ein Gefährte.¹
Er wurde fünf Jahre vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.a.w.) nach Medina geboren. Nach seiner Geburt gab ihm sein Vater den Namen „Huzn“. Als der Gesandte (s.a.w.) nach Medina kam, änderte er seinen Namen in „Sahl“. Dies überlieferte Ibn Hibban.² Sein Vater Saʿd nahm bereits vor der Auswanderung den Islam an. Daher wuchs er als Muslim auf.
Als der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) nach Medina kam, war er gerade einmal fünf Jahre alt. Zur Zeit der Schlacht von Badr im zweiten Jahr der Hidschra war er erst ein siebenjähriger Junge. Während die Vorbereitungen für den Krieg im Gange waren, starb sein Vater, der ehrwürdige Saʿd. So wurde er bereits im Alter von sieben Jahren vaterlos. Nach der Schlacht von Badr teilte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) auch seinem verstorbenen Vater einen Anteil an der Kriegsbeute zu, weil dieser beabsichtigt hatte, an der Schlacht von Badr teilzunehmen.
Im dritten Jahr der Hidschra, zur Zeit der Schlacht von Uhud, half er gemeinsam mit gleichaltrigen Jungen bei der Verteidigung Medinas. In dieser Schlacht wurde der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) verletzt und blutüberströmt. Als sein Blut gereinigt wurde, war er anwesend.³
Als im fünften Jahr der Hidschra die Grabenschlacht stattfand, war er gerade einmal zehn Jahre alt. Trotzdem beteiligte er sich voller Tatendrang und Begeisterung am Ausheben des Grabens und trug Erde auf seinen Schultern.⁴ Zusammenfassend lässt sich sagen: Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) im elften Jahr der Hidschra verstarb, war er erst fünfzehn Jahre alt. Er war damals noch nicht alt genug, um in den Krieg zu ziehen.
Aus der Zeit seines Lebens während des rechtgeleiteten Kalifats sind keine ausführlichen Informationen überliefert. Im Jahr 74 der Hidschra geriet er in den Zorn des tyrannischen und unterdrückerischen umayyadischen Herrschers al-Haddschādsch ibn Yusuf. Al-Haddschādsch ließ ihn zu sich rufen und fragte ihn: „Warum hast du den Kalifen ʿUthmān nicht unterstützt?“ Er antwortete: „Das habe ich getan.“ Al-Haddschādsch sagte: „Du sagst nicht die Wahrheit.“ Daraufhin befahl er, ihm als Zeichen der Demütigung und Erniedrigung ein Brandzeichen auf den Hals zu setzen. Auch angesehene Gefährten wie der ehrwürdige Anas und Jābir ibn ʿAbdullāh blieben vor dieser Untat al-Haddschādschs nicht verschont. Das Ziel dieser Maßnahme al-Haddschādschs war, die Menschen von ihnen fernzuhalten, damit sie ihnen nicht zuhörten und ihnen keine Beachtung schenkten.⁵
Imām az-Zuhrī sagt: Zum Zeitpunkt des Todes des Gesandten Allahs war Sahl ibn Saʿd fünfzehn Jahre alt. Er starb im Jahr 91 der Hidschra in Medina. Nach al-Wāqidī lebte er hundert Jahre. Einige sagen, er sei sechsundneunzig Jahre oder etwas älter geworden.⁶ Nach Ibn Hadschar war er über hundert Jahre alt, als er im Jahr 88 der Hidschra starb.⁷ Ibn Abī Dāwūd vermutete, dass er in Alexandria starb. Von Qatāda wird überliefert, dass er in Ägypten starb. Ibn Hadschar sagt, dies seien lediglich Vermutungen.⁸ Al-Wāqidī sagt: Es wird überliefert, dass Jābir ibn ʿAbdullāh der letzte Gefährte war, der in Medina starb. Richtig ist jedoch, dass Sahl ibn Saʿd as-Sāʿidī im Jahr 91 der Hidschra der letzte Gefährte war, der in Medina starb.⁹ Im letzten Abschnitt seines Lebens lebte kein weiterer Gefährte mehr in Medina. Auch die übrigen Gebiete des islamischen Kalifats waren damals des Segens der Gefährten nahezu beraubt. Er selbst pflegte zu sagen: „Wenn ich sterbe, wird es niemanden mehr geben, der ‚Qāla r-Rasūl (Der Gesandte sagte)‘ sagt.“
Der ehrwürdige Sahl ibn Saʿd war einer der berühmten Gefährten. Nach dem Tod der herausragenden Gefährten wurde er zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Menschen. Unzählige Menschen strömten voller Begeisterung und Eifer zu ihm, um Hadithe zu hören.
Obwohl er zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) noch minderjährig war, hatte er dennoch zahlreiche Hadithe gehört. Nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) erwarb er bei angesehenen Gefährten wie Ubayy ibn Kaʿb, ʿĀsim ibn ʿAdī und ʿAmr ibn ʿAbasa umfassende Kenntnisse in dieser Wissenschaft. Obwohl Marwān kein Gefährte war, übernahm er auch einige Hadithe von ihm.¹⁰
Viele Gefährten und Tābiʿūn hörten Hadithe von ihm und überlieferten sie ebenfalls. Einige besonders bedeutende von ihnen seien hier erwähnt:
Abu Huraira, Ibn Abbas, Sa’id ibn al-Musayyib, Abu Hazim ibn Dinar, az-Zuhri, Abu Suhail Subhi, Abbas ibn Sahl (sein Sohn), Wafa ibn Shuraih al-Hadrami, Yahya ibn Maymun al-Hadrami, Abdullah ibn Abd ar-Rahman ibn Abi Jubab, Amr ibn Jabir al-Hadrami und andere.11
Die Gesamtzahl der von Sahl ibn Sa’d (Allahs Wohlgefallen auf ihm) überlieferten Hadithe beträgt 188. Davon sind 28 muttafaq alaihi.12
Er liebte den edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zutiefst. Er bemühte sich, jede Handlung und jedes Verhalten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nachzuahmen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) pflegte seine Predigt im Stehen, an einen hölzernen Pfosten gelehnt, zu halten. Einmal erwähnte er einen Minbar. Daraufhin ging Sahl sofort in den Wald, fällte Holz und brachte es für den Minbar herbei.13 Einmal ließ er den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eigenhändig Wasser aus dem Brunnen Budaiya trinken. Dies hat er überliefert. Es sei darauf hingewiesen, dass dies ein Brunnen in Medina war. Die Bewohner Medinas warfen Abfälle und Unrat hinein. Der Brunnen war jedoch groß und hatte viele Quellen.14
Die Wahrhaftigkeit war ein besonderes Merkmal des Charakters von Sahl (Allahs Wohlgefallen auf ihm). Einmal kam zu seinen Lebzeiten ein Angehöriger des Hauses Marwan als Statthalter nach Medina. Er ließ Sahl (Allahs Wohlgefallen auf ihm) zu sich rufen und befahl ihm, Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihm) zu beleidigen. Er weigerte sich entschieden, dem Befehl dieses tyrannischen Herrschers Folge zu leisten. Daraufhin bestand der Statthalter darauf, dass er wenigstens sagen solle: „Allahs Fluch sei über Abu Turab.“ Sahl erwiderte: Abu Turab war Alis liebster Beiname. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) pflegte ihn mit diesem Namen anzureden und freute sich darüber. Als er dem Statthalter anschließend erklärte, wie Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihm) zu dem Namen Abu Turab gekommen war, verstummte dieser.15
Einmal leisteten Sahl ibn Sa’d, Abu Dharr, Ubada ibn as-Samit, Abu Sa’id al-Chudri, Muhammad ibn Maslama und eine sechste Person dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Treueid, dass sie in Bezug auf Allah den Tadel keines Tadelnden fürchten würden.16 Seine Lebensgeschichte beweist, dass er diesem Treueid bis zu seinem Tod treu blieb.
Wenn jemand in seinem Hadith-Unterrichtskreis unaufmerksam oder nachlässig war, geriet er heftig in Zorn. Einen solchen Vorfall überliefert at-Tabarani in seinem Werk Al-Kabir. Abu Hazim berichtet: Einmal trug er in einem Kreis Hadithe vor. Einige Zuhörer unterhielten sich damals miteinander. Da geriet er heftig in Zorn und sagte: „Seht euch diese Leute an. Ich überliefere ihnen nur, was meine beiden Augen beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesehen und meine beiden Ohren gehört haben, und sie hören dem nicht zu. Ich werde nie wieder zu ihnen zurückkehren.“ Ich fragte: „Wohin werden Sie gehen?“ Er sagte: „Ich werde auf Allahs Weg zum Dschihad ausziehen.“ Ich sagte: „Der Dschihad ist Ihnen doch jetzt nicht mehr vorgeschrieben. Sie können nicht mehr auf einem Pferd sitzen, haben nicht die Kraft, mit einem Schwert zuzuschlagen, und können weder Pfeile noch Speere werfen.“
Er sagte: „O Abu Hazim! Ich werde auf das Schlachtfeld gehen und mich in die Reihe stellen. Ein unbekannter Pfeil oder ein Stein wird herbeifliegen und mich treffen, und Allah wird mir dadurch das Martyrium schenken.“17
Quellenangaben:
Sahl ibn Hunayf (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm)
Sein Name war Sahl; seine Beinamen waren Abu Saʿd, Abu ʿAbdillah, Abu al-Walid und Abu Thabit. Sein Vater war Hunayf ibn Wahib und seine Mutter Hind bint Rafiʿ. Er stammte aus dem medinensischen Stamm der Aus. Er war ein berühmter ansarischer Badri-Gefährte.¹ Sein Bruder ʿAbbad ibn Hunayf war einer der bedeutendsten Heuchler Medinas. Er gehörte zu jenen, die die Moschee ad-Dirar errichtet hatten.²
Noch bevor der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) nach Medina kam, nahm er den Islam an. Nach seinem Übertritt zum Islam zogen ʿAbdullah ibn az-Zubair und er in der Dunkelheit der Nacht, von allen unbemerkt, umher und zerschlugen die Götzen an verschiedenen Orten Medinas. Die hölzernen Götzen zerbrachen sie und brachten das Holz in die Häuser armer Muslime, damit es dort als Brennmaterial diente. Nach seiner Auswanderung nach Medina hielt sich ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) einige Tage im Haus von Kulthum ibn Hadam in Kuba auf. Gleich daneben befand sich das Haus einer Frau. Jede Nacht hörte er dort das Geräusch, wie die Tür geöffnet wurde. Danach hörte er, wie jemand das Haus betrat und wieder verließ. Eines Tages fragte er die Frau, um herauszufinden, worum es sich handelte. Die Frau sagte: »Ich bin eine muslimische Witwe. Derjenige, der jede Nacht hierherkommt, ist Sahl ibn Hunayf. Er zieht nachts umher, zerbricht die Götzen und überlässt mir deren Holz als Brennmaterial.«³
Nachdem der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) nach Medina gekommen war, stiftete er zwischen ihm und ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) eine religiöse Bruderschaft.⁴
Er nahm an allen Schlachten teil, darunter Badr, Uhud und al-Chandaq, an der Seite des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm).⁵ Während der Niederlage in der Schlacht von Uhud gehörte er zu den fünfzehn Gefährten, die unter Einsatz ihres Lebens standhaft auf dem Schlachtfeld beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) blieben.⁶ An jenem Tag schwor er dem Gesandten Allahs, bis zum Tod bei ihm zu bleiben. Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte damals zu den Männern um ihn: »Gebt ihm Pfeile; das ist Sahl.« Als ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) später in einer Krisensituation Sahl anwesend sah, betrachtete er dies als gutes Zeichen und sagte: »Sahl ist da, es gibt keinen Grund zur Sorge.«⁷ Nach der Schlacht von Uhud kam ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zu Fatima und reichte ihr sein Schwert mit den Worten: »Nimm dieses Schwert, das keineswegs tadelnswert ist.« Als der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) dies hörte, sagte er: »Du hast gut gekämpft. Doch auch Sahl und Abu Dujana haben beide gut gekämpft.«⁸
Als ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zum Kalifen gewählt wurde, stand Sahl auf seiner Seite. Als ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) in den Irak zog, ernannte er ihn zum Statthalter von Medina.⁹ Als der Kalif ihn eines Tages zu sich rufen ließ, verließ Sahl Medina und ging nach Kufa.¹⁰ Nach der Kamelschlacht ernannte ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ihn zum Statthalter von Basra.¹¹ In der Schlacht von Siffin kämpfte er auf der Seite von ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).¹² Nach der Schlacht ging er nach Kufa. Zu dieser Zeit wurde er zum Statthalter von Fāris ernannt.¹³ Doch dessen Bewohner rebellierten und vertrieben ihn aus der Stadt. ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ernannte daraufhin Ziyad ibn Abih an seiner Stelle zum Statthalter dieses Gebiets.¹⁴
Nachdem der jüdische Stamm Banu an-Nadir aus Medina vertrieben worden war, verteilte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) das von ihnen beschlagnahmte Vermögen unter den Auswanderern. Als Sahl ibn Hunayf und Abu Dujana Simak ibn Charascha unter den Ansar ihre äußerste Armut offenlegten, gab der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) auch ihnen einen Anteil.¹⁵ Nach Ansicht des Gelehrten as-Suhaili erhielten insgesamt drei Ansar einen Anteil aus dem Vermögen der Banu an-Nadir.¹⁶
Al-Waqidi und al-Madaʾini berichten, dass Sahl ibn Hunayf im Jahr 38 nach der Hidschra in Kufa verstarb. ʿAli (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) leitete sein Totengebet. ʿAbdullah ibn Maʿqal sagte: »Ich verrichtete gemeinsam mit ʿAli das Totengebet für Sahl ibn Hunayf. In diesem Gebet sprach er sechs Takbire. Als jemand dagegen Einwand erhob, sagte er: ›Hunayf war ein Gefährte von Badr. Durch die sechs Takbire wollte ich euch den Vorrang der Teilnehmer von Badr gegenüber den anderen verdeutlichen.‹«¹⁷
Bei seinem Tod hinterließ er zwei Söhne. Sie hießen: Abū Qumāma Asʿad und ʿAbdullāh. Der Erstgenannte wurde noch zu Lebzeiten des Gesandten Allahs geboren.18
Neun Monate nach der Ankunft des edlen Gesandten Allahs (s) in Medina verstarb sein äußerst geliebter ansārischer Gefährte Asʿad ibn Zurāra. Er war der Anführer, also der oberste Naqīb, der zwölf Naqībs, die bei der Baiʿat al-ʿAqaba bestimmt worden waren. Nach seinem Tod nahm der Gesandte (s) eine seiner Töchter unter seine eigene Obhut und verheiratete sie mit diesem Sahl ibn Hunayf. Von ihr wurde Abū Umāma ibn Sahl geboren.19
Er war ein äußerst stattlicher Mann. Auf seinem Gesicht lag der Ausdruck von Reinheit. Sein Körperbau war außerordentlich schön. Einmal ritt er während eines Feldzugs gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s) auf demselben Reittier. Dort befand sich eine Quelle. Als er in dieser Quelle badete, sagte jemand: „Was für einen wunderbaren Körper er hat! So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Dadurch wurde Sahl vom bösen Blick getroffen. Er erkrankte, und sein Körper wurde von hohem Fieber erfasst. Der Gesandte (s) wollte den Grund dafür erfahren. Die Leute berichteten ihm den Vorfall. Nachdem er ihnen zugehört hatte, sagte er: „Wenn ein Mensch den Körper oder das Vermögen seines Bruders sieht und nicht für ihn betet, wird er vom bösen Blick getroffen. Der böse Blick ist wahr.“20
Allāma Ziriklī erwähnt, dass in den beiden Ṣaḥīḥ-Werken vierzig von ihm überlieferte Hadithe zusammengestellt worden seien.21 Er überlieferte Hadithe vom Gesandten Allahs (s) und von Zayd ibn Thābit. Viele Tābiʿūn hörten Hadithe von ihm und überlieferten sie ebenfalls. Zu den bedeutenden unter ihnen gehören:
Abū Wāʾil, ʿUbayd ibn Sabbāk, ʿAbd ar-Raḥmān ibn Abī Laylā, ʿUbaydullāh ibn, ʿAbdullāh ibn, ʿUtba, Sīrīn ibn ʿAmmār, Rabāb und andere.22
Er hielt sich stets von jeder Art von Streit fern. Nachdem er von Ṣiffīn zurückgekehrt war, sagte sein Schüler Abū Wāʾil: „Berichte uns einige Begebenheiten.“ Er sagte: „Was soll ich berichten? Es ist eine schwierige Angelegenheit. Wenn man ein Loch verschließt, öffnet sich ein anderes.“
Er war äußerst mutig und tatkräftig. Doch die Menschen hatten eine andere Vorstellung von ihm. Dazu sagte er: „Das ist ein Fehler in ihrer Auffassung. Ich bin kein Feigling. Für jede Sache, für die ich mein Schwert erhoben habe, habe ich den Weg für alle Zeiten frei gemacht. Wenn ein Kampf am Tag von Ḥudaybiyya nicht dem Willen des Gesandten Allahs (s) widersprochen hätte, wäre ich auch an jenem Tag bereit gewesen zu kämpfen.“23
Quellenangaben:
Nuʿmān ibn Bashīr (r.a.)
In den Sīra-Werken werden zwei Kunya oder Beinamen von Nuʿmān (r.a.) genannt: Abū ʿAbdillāh und Abū Muhammad. Er stammte aus dem berühmten Stamm der Chazradsch in Medina. Er war ein Befehlshaber, Prediger, Dichter, Gelehrter und einer der angesehenen ansarischen Gefährten.¹ Auch sein Vater Bashīr ibn Saʿd war ein bedeutender Gefährte.² Er nahm an der Schlacht von Badr teil.³
Bashīr ibn Saʿd (r.a.) leistete beim letzten Treffen in al-ʿAqaba gemeinsam mit siebzig – nach anderer Auffassung fünfundsiebzig – Ansār dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueid. Er nahm an allen Schlachten, darunter Badr und Uhud, an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.) teil. Nach dem Tod des edlen Gesandten (s.a.w.) fand in der Saqīfa Banū Sāʿida in Medina eine Versammlung zur Wahl des Kalifen statt. Als Erster leistete dort Bashīr ibn Saʿd Abū Bakr (r.a.) den Treueid.⁴ Im Jahre 12 nach der Hidschra zog er unter dem Befehlshaber Khālid ibn al-Walīd (r.a.) gegen den falschen Propheten Musailima al-Kadhdhāb in den Krieg. Auf dem Rückweg fiel er in der Schlacht von ʿAyn at-Tamr als Märtyrer.⁵
Die Mutter Nuʿmāns (r.a.) hieß ʿUmāra bint Rawāha. Sie war die Schwester des berühmten Dichtergefährten und als Märtyrer gefallenen Heerführers ʿAbdullāh ibn Rawāha (r.a.).⁶ Auch sie erlangte die Ehre, eine Gefährtin und Weggefährtin des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu sein.
In eine solch reine und vornehme Familie wurde Nuʿmān (r.a.) hineingeboren. Ibn Saʿd sagt: Er wurde vierzehn Monate nach der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.a.w.), im Monat Rabīʿ al-Āchir, geboren. Dies ist die Überlieferung der Bewohner Medinas. Die Bewohner Kūfas vertraten jedoch eine andere Ansicht. Sie überlieferten von Nuʿmān zahlreiche Hadithe, in denen er sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen.“ Daraus folgern sie, dass er älter gewesen sei, als es aus den Berichten der Medinenser über seine Geburt hervorgeht. Al-Balādhurī sagt: Im zweiten Jahr nach der Hidschra wurde ʿAbdullāh ibn az-Zubair in Medina geboren. In demselben Jahr wurde auch an-Nuʿmān ibn Bashīr geboren. Nuʿmān war das erste Kind, das nach der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina in einem Haus der Ansār geboren wurde. Der Gesandte (s.a.w.) vollzog bei ihm die Tahnīk.⁸ (Als Tahnīk bezeichnet man das Kauen von Datteln oder etwas anderem und das Einführen davon in den Mund eines Säuglings.) Sechs Monate nach seiner Geburt wurde ʿAbdullāh ibn az-Zubair (r.a.) geboren. Daher sagte er später: „An-Nuʿmān ibn Bashīr ist sechs Monate älter als ich.“⁹ Nach Auffassung Imām al-Buchārīs wurde er im Jahr der Hidschra geboren.¹⁰
Imām adh-Dhahabī sagte in seiner Darstellung von Nuʿmān (r.a.): „Er wurde im zweiten Jahr nach der Hidschra geboren. Er hörte Hadithe aus dem Mund des Gesandten Allahs (s.a.w.). Die Sīra-Fachleute zählen ihn einstimmig zu den jungen Gefährten.“¹¹
Das zweite Jahr nach der Hidschra besitzt in der Geschichte des Islams eine besondere Bedeutung. Gleich zu Beginn dieses Jahres kam es zu Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen den Muslimen Medinas und den Quraisch von Mekka sowie den anderen Stämmen in deren Umgebung. Ihren vollständigen Ausdruck fanden sie in der Schlacht von Badr. Die Kinder, die in diesem Jahr geboren wurden, dürften von dieser revolutionären Zeit und ihren Ereignissen geprägt worden sein. Aus diesem Grund führten sowohl an-Nuʿmān als auch ʿAbdullāh später große revolutionäre Bewegungen an.
Nuʿmāns Eltern liebten ihn sehr. Sein Vater nahm ihn zum Gesandten Allahs (s.a.w.), damit dieser für ihn ein Bittgebet sprach. Seine Mutter liebte ihn so sehr, dass sie ihm unter Ausschluss der anderen Kinder ihr gesamtes Vermögen überschreiben wollte. Einmal überzeugte sie ihren Ehemann davon und bestimmte den Gesandten Allahs (s.a.w.) zum Zeugen. Bashīr (r.a.) kam mit seinem Sohn Nuʿmān zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „Sei mein Zeuge: Ich schenke diesem und jenem Sohn dieses Land.“ Der Gesandte (s.a.w.) fragte: „Hast du deinen anderen Kindern ebenfalls ihren Anteil gegeben?“ Er antwortete: „Nein, das habe ich nicht.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Dann kann ich kein Zeuge eines solchen Unrechts sein.“ Daraufhin änderte Bashīr seine Entscheidung.¹²
Als er alt genug war, um herumzulaufen, ging er zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Einmal wurden dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) aus Tāʾif einige Weintrauben gebracht. Er gab an-Nuʿmān zwei Traubenrispen und sagte: „Eine ist für dich und eine für deine Mutter.“ Auf dem Heimweg aß an-Nuʿmān beide Rispen auf. Zu Hause angekommen, erzählte er niemandem etwas von den Weintrauben. Einige Tage später fragte ihn der Gesandte (s.a.w.s.): „Hast du deiner Mutter Weintrauben gegeben?“ Er antwortete: „Nein.“ Da zog der Gesandte (s.a.w.s.) ihn am Ohr und sagte: „Du Betrüger!“13
Schon in jener frühen Kindheit widmete sich an-Nuʿmān dem Gebet und anderen Gottesdiensten. Er beobachtete aufmerksam die verschiedenen Verhaltensweisen des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) und bemühte sich, sie im Gedächtnis zu behalten. In der Moschee saß er nahe der Kanzel und hörte den Ermahnungen und Ansprachen des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) zu.14 Einmal behauptete er: „Über das nächtliche Gebet des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) weiß ich mehr als die meisten Gefährten.“15 In der Nacht der Bestimmung blieb er gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) wach und verrichtete das Gebet.16
Im Monat Rabīʿ al-awwal des Jahres 11 nach der Hidschra verstarb der edle Gesandte (s.a.w.s.). An-Nuʿmān war damals erst acht Jahre und sieben Monate alt. Daher ist aus der Zeit der ersten beiden Kalifen keine besondere Tätigkeit an-Nuʿmāns bekannt. In den Geschichtswerken lesen wir, dass seine Frau Nāʾila (r.a.), nachdem ʿUthmān (r.a.) von den Aufständischen getötet worden war, an-Nuʿmān (r.a.) gemeinsam mit dem blutbefleckten Gewand ihres Mannes nach asch-Schām sandte.17 Von diesem Ereignis an erscheint er als eine der herausragenden Gestalten der damaligen Geschichte.
Während des Kalifats ʿAlīs (r.a.) begannen dessen Konflikte und Auseinandersetzungen mit Muʿāwiya (r.a.). In diesem Streit ergriff er Partei für Muʿāwiya (r.a.). Es ist bemerkenswert, dass er zu den wenigen Angehörigen der gesamten Ansār gehörte, die damals Muʿāwiya (r.a.) unterstützten. In verschiedenen Werken wird ausdrücklich erwähnt, dass der Fürst Muʿāwiya (r.a.) sein enger Freund war. Ibn al-Athīr sagte: „Seine Liebe galt Muʿāwiya.“ Aus diesem Grund empfand er auch eine Zuneigung zu Muʿāwiya und dessen Sohn Yazīd.18 Im Gegenzug verlieh Muʿāwiya (r.a.) ihm hohe Ämter. Vonseiten ʿAlīs (r.a.) war Mālik ibn Kaʿb al-Aḥbābī Statthalter von ʿAyn at-Tamr. Auf Befehl des Fürsten Muʿāwiya (r.a.) griff an-Nuʿmān (r.a.) dort das Waffenlager an.19
An-Nuʿmān nahm aufseiten Muʿāwiyas (r.a.) am Krieg von Ṣiffīn teil. Nach Fuḍāla ibn ʿUbayd ernannte Muʿāwiya (r.a.) ihn im Jahr 53 nach der Hidschra zum Richter von Damaskus. Nachdem der Jemen unter Muʿāwiyas (r.a.) Herrschaft gelangt war, ernannte er ihn nach ʿUthmān ibn as-Saffārī zum dortigen Statthalter. Somit war er vonseiten der umayyadischen Dynastie der dritte Statthalter des Jemen.22
Im Jahr 59 nach der Hidschra ernannte Muʿāwiya (r.a.) ihn zum Statthalter von Kūfa. Er blieb etwa sieben Monate in diesem Amt. Nach dem Tod Muʿāwiyas (r.a.) bestieg dessen Sohn Yazīd den Kalifenthron. Er setzte Imām al-Ḥusayn (r.a.), ʿAbdullāh ibn ʿUmar (r.a.) und ʿAbdullāh ibn az-Zubayr (r.a.) unter Druck, ihm den Treueid zu leisten. Imām al-Ḥusayn (r.a.) lehnte es ausdrücklich ab, Yazīd den Treueid zu leisten. Einerseits trafen aus Kūfa Briefe der Anhänger ʿAlīs (r.a.) bei Imām al-Ḥusayn (r.a.) ein. In diesen Briefen versicherten sie, Imām al-Ḥusayn (r.a.) als Kalifen anzuerkennen. Deshalb sandte Imām al-Ḥusayn (r.a.) Muslim ibn ʿAqīl nach Kūfa, um die Lage zu beobachten. Als Muslim in Kūfa eintraf, bekundete die Mehrheit der Stadtbevölkerung ihre Unterstützung für den Imām. Fast zwölftausend Menschen leisteten Muslim den Treueid. An-Nuʿmān (r.a.) war damals Statthalter von Kūfa und erhielt alle Nachrichten; doch hielt er es für besser, zu schweigen, statt einen Konflikt und Auseinandersetzungen zu provozieren.
Als jedoch im Haus von Mukhtār ibn ʿUbayd eine Versammlung der Anhänger ʿAlīs (r.a.) stattfand und beschlossen wurde, den Yazīd geleisteten Treueid zu brechen, bestieg an-Nuʿmān (r.a.) die Kanzel der Moschee in Kūfa und hielt eine Ansprache. Ihr wesentlicher Inhalt war folgender:
„O Leute! Fürchtet Allah. Übereilt nichts, was Unruhe und Uneinigkeit hervorruft. Denn dadurch kommt es zu Todesfällen, Blutvergießen und zur Plünderung von Besitz. Wenn niemand von sich aus einen Konflikt mit mir beginnt, werde ich keinen Konflikt mit ihm beginnen. Ich werde keine schlechten Worte äußern und niemanden beschimpfen. Ich werde niemanden festnehmen, weil er den Ruf eines anderen beschädigt oder schlechte Vermutungen hegt. Wenn ihr jedoch den Treueid brecht und euch offen gegen mich und den Imām erhebt, dann schwöre ich bei Allah, außer Dem es keinen Gott gibt: Solange sich der Griff des Schwertes in meiner Hand befindet, werde ich euch bekämpfen. Selbst wenn kein einziger Mensch an meiner Seite bliebe, würde ich davon nicht ablassen. Doch ich hoffe, dass sich unter euch mehr Menschen befinden, die die Wahrheit kennen, als Anhänger des Falschen.“
Bei dieser Versammlung war auch ʿAbdullah ibn Muslim anwesend, ein treuer Anhänger und Freund der Banū Umayya. Er war tief betroffen, als er die derart schwache Haltung des Statthalters gegenüber dem Feind sah. Voller Unmut sagte er zu Nuʿmān: „Ihre Haltung in dieser Angelegenheit ist äußerst schwach. Jetzt ist nicht die Zeit für Nachsicht; gegenüber dem Feind sollten Sie jetzt entschlossen sein.“ Darauf erwiderte Nuʿmān:
„Ich ziehe es vor, im Gehorsam gegenüber Allah schwach zu sein, statt mich Ihm zu widersetzen. Und ich halte es nicht für richtig, den Vorhang zu zerreißen, den Allah zugezogen hat.“ ʿAbdullah ibn Muslim kehrte von der Versammlung zurück und schrieb an Yazīd: „Muslim ibn ʿAqīl hat in Kufa die Vorherrschaft erlangt. Wenn Sie dort Ihre Herrschaft durchsetzen wollen, werden Sie in der Lage sein, Ihre Gebote und Verbote wirksam durchzusetzen. Nuʿmān ist ein feiger Mann, oder er stellt sich absichtlich als feige und schwach dar.“ Zur selben Zeit schrieben auch ʿAmr ibn ʿUqba und ʿUmar ibn Saʿd ibn Abī Waqqās ähnliche Briefe an Yazīd. Nachdem Yazīd diese Briefe erhalten hatte, setzte er Nuʿmān ibn Bashīr von seinem Amt als Statthalter von Kufa ab und ernannte an seiner Stelle ʿUbaidullah ibn Ziyād. Nuʿmān begab sich daraufhin nach Syrien.²³ Dies geschah im Jahr 60 nach der Hidschra.²⁴
Danach ernannte Yazīd ihn zum Statthalter von Hims, und er blieb bis zu Yazīds Tod in diesem Amt. In einigen Überlieferungen heißt es allerdings, dass Muʿāwiya ihn von Kufa abberufen und zum Statthalter von Hims ernannt habe.²⁵
Nach dem Tod Yazīd ibn Muʿāwiyas im Jahr 64 nach der Hidschra rief Nuʿmān die Bewohner Syriens dazu auf, ʿAbdullah ibn az-Zubair die Treue zu leisten, und wurde von ihm zum Statthalter von Hims ernannt. In einigen Überlieferungen heißt es, dass er ʿAbdullah ibn az-Zubair die Treue bekundete. Später jedoch soll er selbst begonnen haben, von den Menschen den Treueid zu empfangen, da er Anspruch auf das Kalifat erhob. Diese Überlieferung ist jedoch nicht korrekt. Denn hätte sich ein solches Ereignis tatsächlich zugetragen, wäre es in den bekannten Geschichts- und Sīra-Werken überliefert worden. Die meisten Werke schweigen in dieser Angelegenheit jedoch völlig.
Viele andere, darunter auch Nuʿmān (ra), bekundeten in Syrien ʿAbdullah ibn az-Zubair ihre Treue. Als Marwān dies sah, begab er sich nach Syrien, stellte ein Heer auf und entsandte es gegen Dahhāk ibn Qais. Dahhāk war im Auftrag Ibn az-Zubairs Statthalter über mehrere Gebiete Syriens. Als Nuʿmān davon erfuhr, schickte er unter dem Befehl von Shurahbīl ibn Dhū al-Kilāba einige Soldaten zur Unterstützung Dahhāks. An einem Ort namens Marj Rāhit kam es zwischen beiden Seiten zum Zusammenstoß, und Dahhāk wurde besiegt und getötet. Als Nuʿmān davon erfuhr, versuchte er, sich im Schutz der Nacht aus Hims zurückzuziehen. Marwān entsandte daraufhin eine Gruppe von Soldaten unter dem Befehl von Khālid ibn ʿAdī al-Kilāʾī, um ihn zu verfolgen und gefangen zu nehmen.
In einem Dorf namens Bīrīn, unweit von Hims, traf er auf Khālid. Khālid tötete ihn, schlug ihm den Kopf ab, nahm seine Angehörigen gefangen und brachte sie zu Marwān. Nuʿmāns Frau hatte das grausame Ende ihres Mannes mit eigenen Augen mitangesehen. Sie bat Marwān, ihr das abgeschlagene Haupt ihres Mannes in den Schoß zu legen, und sagte: „Ich bin diejenige, der dieses Haupt zusteht. Man soll es mir geben.“
Auf Marwāns Befehl legten die Leute Nuʿmāns (ra) Kopf in den Schoß seiner Frau. Dies geschah zu Beginn des Jahres 65 nach der Hidschra, einer anderen Überlieferung zufolge gegen Ende des Jahres 64. Nuʿmān (ra) war damals 64 Jahre alt.26 Ibn Hazm sagt: „Marwān eröffnete seinen Aufstieg zur Macht mit der Tötung Nuʿmāns.“
Maʿarrat an-Nuʿmān ist der Geburtsort des berühmten Dichters Abū al-ʿAlāʾ al-Maʿarrī aus der Abbasidenzeit. Der frühere Name des Ortes lautete lediglich „Maʿarra“. Nuʿmān reiste einmal dorthin. Damals starb einer seiner Söhne und wurde dort begraben. Seitdem wurde der Ort in Bezug auf an-Nuʿmān Maʿarrat an-Nuʿmān genannt und unter diesem Namen bekannt.27
Die Ehefrau von Nuʿmān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) war eine Frau aus dem arabischen Stamm Kalb. Über sie wird in verschiedenen Büchern eine erstaunliche Geschichte berichtet. Eine Zeit lang lebte sie im inneren Gemach von Muʿāwiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). Eines Tages sagte Muʿāwiya zu Yazīds Mutter Mabsūn: „Geh und sieh dir diese Frau einmal an.“ Nachdem Mabsūn sie gesehen hatte, sagte sie: „Diese Frau ist hinsichtlich Gestalt und Schönheit außergewöhnlich. Doch unterhalb ihres Nabels befindet sich ein Muttermal. Deshalb wird sie den abgetrennten Kopf ihres Ehemannes auf ihrem Schoß halten.“
Diese Frau wurde zunächst von Ḥabīb ibn Maslama geheiratet. Nachdem diese Ehe geschieden worden war, heiratete Nuʿmān sie. Als er getötet wurde, hielt sie als seine Ehefrau seinen abgetrennten Kopf auf ihrem Schoß. So erfüllte sich Mabsūns Prophezeiung.28
Unter den Kindern von Nuʿmān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erlangten drei Söhne – Muḥammad, Bashīr und Yazīd – Berühmtheit. Seine Nachkommenschaft bestand viele Jahre lang in Medina und Bagdad fort.29
Nuʿmān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) besaß umfassende Kenntnisse in Hadith und Fiqh. Obwohl er aufgrund seiner wichtigen staatlichen Aufgaben und anderer Verpflichtungen die große Aufgabe der Wissensvermittlung nicht erfüllen konnte, wurde jeder Ort, an dem er ein Herrscheramt übernahm, zu einem Zentrum für das Studium von Fiqh und Hadith. Zahlreiche Rechtsfälle wurden ihm vorgelegt, und er entschied sie aufgrund seines Wissens und seiner Geisteskraft.
Obwohl er beim Tod des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erst ein achtjähriger Junge war, waren viele Hadithe in seinem Gedächtnis bewahrt. Später hatte er das Glück, die Nähe der Mütter der Gläubigen, ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) und ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), zu genießen. Von ihnen hörte er Hadithe. Außerdem hörte er viele Hadithe von seinem Onkel mütterlicherseits, ʿAbdullāh ibn Rawāḥa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).30
Bei der Überlieferung und Weitergabe von Hadithen war er äußerst vorsichtig und zurückhaltend. Dennoch wurden über seine Überlieferungskette insgesamt 124 Hadithe überliefert. Von diesen fünf Hadithen sind sich al-Buchārī und Muslim einig, während al-Buchārī einen weiteren und Muslim weitere vier Hadithe jeweils allein überliefert haben.31 Bei seinen richterlichen Entscheidungen führte er Hadithe als Belege an. Einmal sagte er während der Entscheidung in einem Rechtsfall: „Ich werde diesen Fall so entscheiden, wie der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Fall eines Mannes entschieden hat.“32
Er beantwortete die verschiedenen Fragen der Menschen zu den Regeln und Bestimmungen der Scharia. Meistens gab er diese Antworten in einer Chutba oder Ansprache. Seine Chutbas beziehungsweise Ansprachen waren von zweierlei Art: religiös und politisch. Er war ein außergewöhnlich beredter Mann. Seine Ansprachen hielt er in einer äußerst reinen und klaren Sprache. Simāk ibn Ḥarb würdigte seine Meisterschaft in Ausdruck und Vortragsweise mit den Worten: „Von allen Menschen, deren Ansprachen ich gehört habe, erschien mir Nuʿmān ibn Bashīr als der beredteste.“33
In seinen Chutbas setzte er je nach Ort und Situation Gesten und Körperbewegungen ein. So sagte er einmal in einer Chutba: „Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen.“ Als er „Ich hörte“ sagte, deutete er mit seinen Fingern auf seine beiden Ohren.34 Einmal schilderte er in einer Ansprache den Zustand des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) folgendermaßen: „Zur Stillung seines Hungers standen dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht einmal minderwertige Datteln zur Verfügung. Und nun findet ihr keine Genugtuung, wenn euch nicht verschiedene Sorten erlesener Datteln und Butter gereicht werden.“35
Einmal hielt er auf der Minbar eine Predigt. In dieser Predigt stellte er das Leben in der Gemeinschaft als Allahs Barmherzigkeit und die Zertrennung als Allahs Strafe und Fluch dar. Auch der berühmte Imam al-Bahili war bei der Versammlung anwesend. Nach der Predigt erhob er sich und sagte zu den Anwesenden: „Euch ist die Befolgung von as-Sawad al-Aʿzam vorgeschrieben.“36
Die Zahl derer, die während seiner Ansprachen Hadithe aus seinem Mund hörten, ist unermesslich. Einige Namen seiner herausragenden Schüler seien hier genannt: asch-Schaʿbi, Humayd ibn ʿAbd ar-Rahman, Khaythama ibn ʿAbd ar-Rahman, Salim ibn Abi al-Dschuʿd, Abu Ishaq as-Subaʿi, ʿAbd al-Malik ibn ʿUmayr al-Yasiʿ al-Kindi, Habib ibn Salim (der Sekretär an-Nuʿmans), ʿAbdullah ibn ʿAbdullah ibn ʿUtba, ʿUrwa ibn az-Zubayr, Abu Qilaba al-Dschurami, Abu Salama al-Aswad, Ghayraz Abi Sufra, Azhar ibn ʿAbdullah, Muhammad ibn Nuʿman Abu Sallam Mamtar und andere.37
Nuʿman (ra) war ein Mann, der Literatur und Dichtung liebte. Wie sich sein Talent in der Prosaliteratur zeigt, so finden sich auch in der Dichtung Spuren seines Schaffens. Er verfasste viele Gedichte. In den Büchern über die Sira wurden einige Gedichte unter seinem Namen gesammelt. al-Qurtubi hat in seinem Werk al-Istiʿab einige seiner Gedichte unter seinem Namen zusammengestellt. In al-Istiʿab hat al-Qurtubi auch einige seiner Verse gesammelt. Von seinen Gedichten gibt es ebenfalls einen Diwan.38
Obwohl Nuʿman (ra) in verschiedene Streitigkeiten, Unruhen, Umwälzungen und Revolutionen verwickelt war, verabscheute er Unterdrückung und Ungerechtigkeit zutiefst. Er war ein äußerst barmherziger und gutmütiger Mensch. Bei Streitigkeiten gewann er die Herzen der Menschen nicht durch Härte und Gewalt, sondern durch Mitgefühl und Wohlwollen. Der Historiker at-Tabari sagte: „Er war ein umsichtiger, geduldiger und frommer Mann, der den Menschen gern vergab.“
Der Vorfall um Muslim ibn ʿAqil und die diesbezügliche Ansprache Nuʿmans (ra), die bereits erwähnt wurde, lassen seine nachsichtige und großzügige Haltung deutlich erkennen. Einmal schrieb er in einem Brief an Qays ibn al-Haytham: „Du bist ein wahrhaft unglückseliger Mensch. Wir haben den Gesandten Allahs (s) gesehen und seine Hadithe (Aussprüche) gehört. Ihr aber habt ihn weder gesehen noch Hadithe aus seinem Mund gehört. Er sagte: In der Nähe des Jüngsten Tages werden aufeinanderfolgende Unruhen und Verderbnis auftreten. Wenn ein Mensch am Morgen Muslim ist, wird er noch vor dem Abend wieder zum Ungläubigen werden. Die Menschen werden ihre Religion aus Gier nach geringfügigen weltlichen Vorteilen verkaufen.39 Doch seine sanfte und milde Wesensart beruhte nicht auf Furchtsamkeit oder Feigheit. So einzigartig er in Geduld und Nachsicht war, so unvergleichlich war er auch an Mut und Tapferkeit.“
Er war ein überaus großzügiger Mann. In Not bemühte er sich mit aller Kraft, den Menschen beizustehen. Als er Statthalter von Hims war, kam einmal der Dichter al-Aʿscha al-Hamadani zu ihm und sagte: „Ich habe Yazid um Hilfe gebeten, doch er hat nicht darauf reagiert. Nun bin ich zu dir gekommen. Erfülle das Recht der Verwandtschaft ein wenig und sorge dafür, dass meine Schulden beglichen werden.“ Nuʿman (ra) hatte damals kein Geld bei sich. Er schwor und sagte: „Ich besitze überhaupt nichts.“ Dann dachte er eine Weile nach und sagte: „Hm!“ Anschließend stellte er sich auf die Minbar der Moschee und hielt vor etwa zwanzigtausend versammelten Menschen eine Ansprache. Ihr wesentlicher Inhalt war folgender:40
„O ihr Leute! Al-Aʿscha al-Hamadani ist der Sohn eines eurer Onkel, ein Muslim aus einer vornehmen Familie. Er benötigt etwas Geld und ist aus diesem Grund zu euch gekommen. Was ist nun euer Wunsch?“ Die Menschen riefen einstimmig: „Wir werden tun, was du sagst.“ Er sagte: „Ich erteile keinen Befehl.“ Die Menschen sagten: „Dann werden wir alle, die hier anwesend sind, jeweils einen Dinar spenden.“ Er sagte: „Nein. Gebt je zwei Personen einen Dinar.“ Als alle zustimmten, sagte er: „Ich werde ihm dieses Geld aus dem Bayt al-Mal geben. Wenn die Gehälter beziehungsweise Bezüge ausgezahlt werden, wird es von allen eingezogen.“ Auf diese Weise veranlasste Nuʿman (ra), dem verschuldeten al-Aʿscha zehntausend Dinar zu schenken. So berichtet der Verfasser von al-Istiʿab. Ibn al-Athir, der Verfasser von Usud al-Ghaba, sagt hingegen: vierzigtausend. Der Dichter al-Aʿscha al-Hamadani blieb Nuʿman (ra) dafür sein ganzes Leben lang dankbar. Zum Lob Nuʿmans (ra) verfasste er auch ein Gedicht. Die Bedeutung einiger Verse dieses Gedichts lautet wie folgt:41
1. In Zeiten der Not habe ich niemanden gefunden, der so großzügig war wie Nuʿman ibn Baschir.
2. Wenn er etwas sagt, erfüllt er es. Er ist nicht wie jemand, der den Menschen ein Seil der Täuschung vorhält.
3. Wäre er kein Ansarī gewesen, wäre ich wie jemand gewesen, der irgendwohin geht und mit leeren Händen zurückkehrt.
4. Wenn ich gegenüber Nuʿmān undankbar wäre, würde die Eigenschaft der Dankbarkeit aus mir verschwinden. Und in einem undankbaren Menschen gibt es nichts Gutes.
Da Nuʿmān (r.a.) bereits in seiner Kindheit die Gelegenheit hatte, dem edlen Gesandten (s.a.w.) sehr nahe zu sein, war er in der Lage, viele Einzelheiten seines Verhaltens und seiner Handlungsweise zu schildern. In den Hadith- und Sīra-Werken finden sich viele solcher Überlieferungen von ihm. So berichtete er über das nächtliche Gebet des Gesandten Allahs (s.a.w.), dass dessen beide Füße durch das lange Stehen anschwollen.⁴² Ebenso schilderte er, wie der Gesandte (s.a.w.) die Gebetsreihen ausrichtete und wie großen Wert er auf ihre Geradheit legte. Er sagte: Eines Tages sah der Gesandte (s.a.w.), dass die Brust eines Mannes aus der Reihe herausragte. Da sagte er: „O Diener Allahs! Richtet entweder eure Reihen gerade aus, oder Allah wird Zwietracht unter euch entstehen lassen.“⁴³
ʿĀʾischa (r.a.), die „Mutter der Gläubigen“, war die Tochter von Abū Bakr as-Siddīq (r.a.). Nuʿmān (r.a.) berichtet: Eines Tages ging Abū Bakr zu seiner Tochter und seinem Schwiegersohn. Als er um Erlaubnis bat, einzutreten, hörte er, wie seine Tochter ʿĀʾischa mit erhobener Stimme über der Stimme des Gesandten Allahs (s.a.w.) sprach. Sobald er eingetreten war, wollte er seine Tochter ohrfeigen und sagte: „Du erhebst deine Stimme über die Stimme des Gesandten Allahs (s.a.w.)?“ Der Gesandte (s.a.w.) stellte sich rasch dazwischen und bewahrte ʿĀʾischa davor, geschlagen zu werden. Abū Bakr verließ zornig das Zimmer seiner Tochter. Darauf sagte der Gesandte (s.a.w.) zu ʿĀʾischa: „Hast du gesehen? Ich habe dich vor deinem Vater bewahrt.“ Einige Tage später ging Abū Bakr wieder zum Haus seiner Tochter und seines Schwiegersohns. Er sah, dass ihr Verhältnis wieder normal war. Da sagte er: „Wenn ihr in Frieden seid, gewährt ihr mir Zutritt, und auch in Kriegszeiten lasst ihr mich eintreten.“ Darauf sagte der Gesandte (s.a.w.): „Das haben wir getan, das haben wir getan.“⁴⁴
Eines Tages stand er auf der Kanzel und sagte: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte auf dieser Kanzel gesagt: „Wer für Weniges keinen Dank zeigt, kann auch für vieles keinen Dank zeigen. Wer den Menschen keinen Dank zeigt, kann auch Allah keinen Dank zeigen. Allahs Gunst anzuerkennen bedeutet, Ihm dafür Dank zu zeigen; sie nicht anzuerkennen bedeutet Undankbarkeit.“
Auf diese Weise sind durch seine verschiedenen Überlieferungen unterschiedliche Seiten aus dem Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.) lebendig geworden.
Obwohl Nuʿmān (r.a.) in einer verworrenen Epoche der Geschichte die Partei von Muʿāwiya (r.a.) und dessen Sohn Yazīd ergriff, findet sich nirgends ein Hinweis darauf, dass er irgendjemandem auch nur das geringste Unrecht getan hätte. Einen Beweis dafür, dass er an der Wahrheit festhielt, findet man darin, dass er ʿAbdullāh ibn az-Zubair (r.a.) die Treue bekundete und dafür sein Leben hingab. Zwar gab er seinen Sitz in Kūfa auf, doch weigerte er sich, in einen Konflikt mit Muslim ibn ʿAqīl, dem Vertreter Imam al-Husains, verwickelt zu werden. Durch den Segen der Gefährtenschaft mit dem edlen Gesandten (s.a.w.) war er zu einem Menschen von solch hervorragender Moral geworden.
Quellenangaben:
Samura ibn Dschundub al-Fazari (r.a.)
In den Sira-Werken werden mehrere Kunyas oder Beinamen von Samura al-Fazari (r.a.) überliefert. Dazu gehören: Abu Sa’id, Abu Abdir-Rahman, Abu Abdillah, Abu Sulaiman und Abu Muhammad.¹ Er war ein Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). In der Geschichte ist er als ein tapferer Anführer bekannt.² Imam adh-Dhahabi sagt: Er war einer der gelehrten Gefährten.³
Samura (r.a.) war kein Angehöriger der Ansar von Medina. Ursprünglich gehörte er dem Stamm der Banu Fazara an. Ibn Ishaq sagt: Er war ein Halif, also ein vertraglich verbündeter Freund der Ansar von Medina.⁴ Sein Vater, Dschundub ibn Hilal al-Fazari, war Einwohner von Basra. Samura wurde in Basra geboren. Schon in jungen Jahren verlor Samura seinen Vater. Seine Mutter kam mit ihm nach Medina und äußerte den Wunsch, erneut einen der Ansar zu heiraten. Sie stellte jedoch die Bedingung, dass derjenige, der sie heiratete, bereit sein müsse, die vollständige Verantwortung für sie und auch für ihren Sohn Samura zu übernehmen. Murra ibn Schaiban ibn Tha’laba stimmte dieser Bedingung zu und heiratete sie. Samura (r.a.) wuchs unter der Obhut und im fürsorglichen Schutz seines Stiefvaters Murra ibn Schaiban auf.⁵
Samura (r.a.) nahm nach der Hidschra den Islam an. Da er noch nicht alt genug war, um in den Krieg zu ziehen, erhielt er im zweiten Jahr nach der Hidschra keine Erlaubnis, an der Schlacht von Badr teilzunehmen. Zur Zeit der Schlacht von Uhud kam er zusammen mit einigen anderen jungen Ansar in der Hoffnung zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.), am Kampf teilnehmen zu dürfen. Der Gesandte (s.a.w.s.) wählte einen Gefährten Samuras aus und wies ihn zurück. Da sagte Samura: „Du hast ihn ausgewählt und mich zurückgewiesen, obwohl ich stärker bin als er. Wenn du mir nicht glaubst, kannst du uns ringen lassen.“ Nachdem der Gesandte (s.a.w.s.) dies gehört hatte, wies er die beiden an, miteinander zu ringen. Im Ringkampf hob Samura seinen Gegner, einen Jugendlichen, hoch und warf ihn zu Boden. Daraufhin erlaubte ihm der Gesandte (s.a.w.s.) ebenfalls, auf das Schlachtfeld zu ziehen.⁶ Ibn Hischam sagt: Der Gesandte (s.a.w.s.) erlaubte Samura ibn Dschundub und Rafi’ ibn Chudaisch, an der Schlacht von Uhud teilzunehmen. Beide waren damals fünfzehn Jahre alt.⁷ Von Uhud an nahm er an allen Schlachten an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) teil.
Zu Lebzeiten des edlen Gesandten (s.a.w.s.) lebte er in Medina. Später ließ er sich in Basra nieder.⁸ Im Jahr 50 nach der Hidschra, nach dem Tod von al-Mughira ibn Schu’ba (r.a.), dem Statthalter von Kufa, übertrug Mu’awiya (r.a.) Ziyad ibn Sumayya zusätzlich zu seiner Verantwortung für Kufa auch die Statthalterschaft über Basra. Ziyad ernannte Samura (r.a.) zu seinem Stellvertreter und Beauftragten. Ziyad hielt sich jeweils sechs Monate in Basra und in Kufa auf. Auch Samura übernahm während seiner Abwesenheit an beiden Orten die Amtsgeschäfte: Wenn Ziyad in Basra war, war er in Kufa, und wenn Ziyad in Kufa war, war Samura in Basra.⁹
Die Herrschaftszeit Ziyads ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Unter seiner Herrschaft wurde der Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit so große Bedeutung beigemessen, dass es während seiner Amtszeit in Basra und Kufa zu keinerlei Aufständen oder Unruhen kam. Als sich einmal eine Gruppe charidschitischer Aufständischer, die dort bereits zuvor ansässig gewesen war, erhob, wurde sie gründlich niedergeschlagen.
Die Charidschiten traten zu Lebzeiten des vierten Kalifen Ali (r.a.) in Erscheinung. Eine Zeit lang waren sie selbst Anhänger Alis (r.a.). Später traten sie als eine Gruppe auf, die Unruhe und Chaos stiftete, wurden besiegt, und viele ihrer tapferen Kämpfer kamen ums Leben. Es war jedoch nicht möglich, sie vollständig auszurotten. Sobald sich eine Gelegenheit bot, erhoben sie sich und hissten das Banner des Aufstands. Durch diese Extremisten wurde das Blut zahlreicher unschuldiger Muslime, darunter vieler Gefährten, vergossen. Kalif Ali (r.a.) erlitt durch diese fehlgeleiteten Extremisten den Märtyrertod.¹⁰ Basra und Kufa waren ihre Hauptzentren. Ziyad beschloss, sie auszurotten und vollständig zu vernichten. Dieser Entschluss stimmte mit Samuras (r.a.) Haltung überein.¹¹ Ibn Hadschar sagt: Samura war gegenüber den Charidschiten äußerst streng.¹² Aus den Geschichts- und Sira-Werken geht hervor, dass Ziyad und sein Sohn Ubaydullah in Basra etwa siebzigtausend Menschen töteten. Auch Samura war daran beteiligt.¹³ Imam adh-Dhahabi sagte: Samura (r.a.) hat viele Menschen getötet.¹⁴
ʿĀmir ibn Abī ʿĀmir berichtet: Wir saßen in der Versammlung von Yūnus ibn Ḥabīb. Die Anwesenden sagten: Kein anderer Teil der Erde hat so viel Blut aufgesogen wie dieses Land. Hier wurden siebzigtausend Menschen getötet. Ich fragte Yūnus, ob diese Aussage zutreffe. Er sagte: Ja. Man fragte: Wer hat dies getan? Er antwortete: Ziyād, sein Sohn ʿUbaydullāh und Samura.¹⁵ Imām al-Qurṭubī sagt: Wenn man zu Samura einen Chāriǧiten brachte, tötete er ihn und sagte: „Unter dem Himmel ist dies der schlimmste aller Getöteten. Denn sie erklären die Muslime zu Ungläubigen und vergießen das Blut der Menschen.“¹⁶
Wegen dieser Härte Samuras waren die Chāriǧiten ihm gegenüber äußerst feindselig. Sie hielten Samura für einen schlechten Menschen und protestierten gegen sein Verhalten und verurteilten es. Demgegenüber pflegten die damaligen Gelehrten Basras, zu denen auch so berühmte Männer wie Ibn Sīrīn und Ḥasan al-Baṣrī gehörten, ihn zu loben. Sie entkräfteten die gegen Samura erhobenen Vorwürfe.¹⁷
Beim Lesen all dieser in den Geschichts- und Sīra-Werken erwähnten Informationen könnte sich uns heute die Frage stellen: Wie kann die Hand eines Gefährten wie Samura mit Menschenblut befleckt sein? Darauf lässt sich antworten, dass nicht alle historischen Angaben, anders als die Hadithe, vollkommen zuverlässig sind. Möglich ist, dass ihm dieses üble Nachreden im damaligen politisch unruhigen Umfeld angelastet wurde. Solche Beispiele sind in der Geschichte nicht selten.
Außerdem müssen wir, um dieses Kapitel der Geschichte zu verstehen, die genaue Geschichte der Entstehung und Entwicklung der Chāriǧiten, ihrer Lehre und vor allem ihres schonungslosen Vorgehens und ihrer terroristischen Aktivitäten gegen ihre Gegner kennen. Sie waren Extremisten und töteten zahllose unschuldige Menschen. Wahllos ermordeten sie ihre Gegner. Zahlreiche Gefährten des Gesandten Allahs (ṣ) verloren durch ihre Hand ihr Leben. Auch in Samuras (r) Äußerung, die bereits erwähnt wurde, kommt diese Wahrheit zum Ausdruck. Daher hatte er als Herrscher keine andere Möglichkeit, als ihnen gegenüber unerbittlich zu sein. Aus diesem Grund unterstützten herausragende Gelehrte wie Ibn Sīrīn und Ḥasan al-Baṣrī ihn rückhaltlos. Wir glauben, dass ein großer Gefährte des Gesandten Allahs (ṣ) nicht zu Unrecht Menschenblut vergießen konnte.
Als Ziyād im Jahr 53 nach der Hidschra starb, kam es in der staatlichen Verwaltung zu einigen Veränderungen. Baṣra und Kūfa erhielten den Rang zweier eigenständiger Provinzen, und für beide Provinzen wurden jeweils eigene Statthalter ernannt. Samura wurde Statthalter von Baṣra und blieb etwa ein Jahr in diesem Amt.¹⁸ Im Jahr 54 nach der Hidschra wurde er auf Befehl des Amīrs Muʿāwiya (r) von diesem Amt abgesetzt.
Über das Todesjahr von Samura ibn Ǧundub (r) besteht Meinungsverschiedenheit. Es werden die Jahre 58, 59 und 60 nach der Hidschra genannt.¹⁹ Ibn ʿImād al-Ḥanbalī gibt an, dass er im Jahr 60 nach der Hidschra starb.²⁰ Es besteht ebenfalls Uneinigkeit darüber, ob er in Baṣra oder Kūfa starb.²¹ Einige sagen, dass er Statthalter von Baṣra war und in Kūfa starb. Überliefert wird auch, dass er der letzte Gefährte des Gesandten Allahs (ṣ) war, der in Kūfa starb.²²
Samura (r) starb auf ungewöhnliche Weise. Gegen Ende seines Lebens empfand er eine äußerst starke Kälte. Als Behandlung setzte er sich lange Zeit in heißes Wasser, um seinen Körper zu erwärmen. Schließlich entwickelte sich dies zu einer chronischen Krankheit. Eines Tages begann er, eine äußerst heftige Kälte zu verspüren. Man entzündete rings um ihn Feuer, doch es half nichts. Er sagte: „Wie soll ich nur erklären, was in meinem Bauch geschieht?“ In diesem Zustand großer Unruhe wollte er sich in einen Topf mit heißem Wasser setzen, rutschte in das sprudelnd kochende Wasser und starb.²³ Hilāl ibn Umayya sagt, dass er beim Wärmen unachtsam war und im Feuer verbrannte. Wenn diese Überlieferung zutrifft, bezog sich die Prophezeiung des Gesandten Allahs (ṣ) auf das Feuer dieser Welt, nicht auf das Feuer des Jenseits.²⁴ Ibn ʿAbd al-Barr sagt, dass durch Samuras Tod auf diese Weise eine Prophezeiung des Gesandten Allahs (ṣ) in Erfüllung ging.
In den Werken über die Rǧāl- und die Sīra-Wissenschaft findet sich eine Prophezeiung des edlen Gesandten Allahs (ṣ) über den Tod von Samura (r). Anas ibn Ḥakīm al-Ḍabbī berichtet: Ich ging in Medina umher. Plötzlich traf ich Abū Huraira. Noch bevor ein anderes Wort gesprochen wurde, fragte er mich nach Samura. Als ich ihm mitteilte, dass Samura noch lebe, freute er sich sehr. Dann sagte er: Eines Tages waren wir zu zehnt mit dem Gesandten Allahs (ṣ) in einem Haus. Plötzlich stand er auf und blickte scharf in die Gesichter von uns allen. Dann ergriff er die beiden Türpfosten und sagte: „Der Letzte von euch, der stirbt, wird ins Feuer gehen oder im Feuer sterben.“ Von jenen zehn sind acht gestorben. Übrig sind nur ich und Samura. Nun ist mir nichts lieber, als den Tod zu kosten.²⁵ In manchen Überlieferungen ist statt von zehn von drei Personen die Rede. Sie waren: Samura, Abū Maḥḏūra und Abū Huraira.²⁶
Es besteht kein Zweifel daran, dass Hadhrat Samura unter den genannten Gefährten zuletzt verstorben ist. Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wer von Abu Mahdhura und Abu Huraira (r.a.) zuerst starb. Einige Überlieferungen lassen erkennen, dass Abu Huraira (r.a.) früher verstorben ist. Baladhuri berichtet: Samura lebte in Basra und Abu Mahdhura in Mekka. Wenn daher jemand aus dem Hidschaz nach Basra kam, erkundigte sich Samura bei ihm nach Abu Mahdhura; und wenn jemand aus Basra nach Mekka kam, erkundigte sich Abu Mahdhura bei ihm nach Samura. Eines Tages starb Abu Mahdhura somit vor Samura.²⁷
Aws ibn Chālid berichtet: Wenn ich Abu Mahdhura besuchte, erkundigte er sich bei mir nach Samura. Und wenn ich Samura besuchte, erkundigte er sich bei mir nach Abu Mahdhura.²⁸ Die zuvor erwähnte Überlieferung von Anas ibn Hakim sowie eine Überlieferung von Tawus lassen jedoch erkennen, dass Abu Mahdhura vor Abu Huraira starb. Tawus berichtet beispielsweise: Wenn jemand Abu Huraira erschrecken wollte, sagte er: „Samura ist gestorben.“ Sobald Abu Huraira dies hörte, schrie er plötzlich auf und fiel bewusstlos zu Boden.²⁹
Die genaue Zahl der Kinder Samuras (r.a.) ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass er zwei Söhne namens Sulayman und Saʿd hatte. Er war einer der gelehrten und hoch angesehenen Gefährten. Obwohl er zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) noch jung war, bewahrte er zahlreiche Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.) in seinem Gedächtnis. Imam al-Qurtubi sagt: „Er war einer der Hadith-Gelehrten, die besonders viele Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.) überlieferten und auswendig kannten.“³⁰ Im Werk Tahdhīb at-Tahdhīb heißt es, dass sich bei seinem Sohn eine schriftliche Abschrift der von ihm überlieferten Hadithe befand.³¹ Ibn Sirin sagte: „Dieses Heft war eine Schatzkammer des Wissens.“³²
Samura (r.a.) legte besonderen Wert darauf, Hadithe auswendig zu bewahren. Sein Gedächtnis war außergewöhnlich; alles, was er sich merken wollte, konnte er sich merken. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) schwieg im Gebet an zwei Stellen: einmal nach dem Takbīr at-Tahrīma, wenn er „Subhānaka Allāhumma“ rezitierte, und ein weiteres Mal nach der Rezitation der Sura al-Fātiha, wenn er „Āmīn“ sagte. Samura erinnerte sich an diese Praxis und befolgte sie auch. Imran ibn Husain (r.a.) hatte diese Angelegenheit jedoch nicht im Gedächtnis. Als Samura (r.a.) einmal im Gebet der Praxis des Gesandten Allahs (s.a.w.) folgte, erhob Imran (r.a.) Einspruch. Um die richtige Auskunft zu erhalten, wurde Ubayy ibn Kaʿb (r.a.) in Medina ein Brief zu dieser Angelegenheit geschrieben. In seiner Antwort schrieb er: „Samura hat die Wahrheit gesagt. Er erinnert sich ganz richtig daran.“³³
Einmal überlieferte er während einer Ansprache einen Hadith. Unter den Zuhörern befand sich Thaʿlaba ibn Abʿad al-ʿAbdi. Er berichtet: Als Samura den Hadith ein zweites Mal überlieferte, gab es keinerlei Unterschied in den Worten.³⁴ Obwohl er ein außerordentlich starkes Gedächtnis besaß, war er bei der Überlieferung von Hadithen äußerst vorsichtig und zurückhaltend. Er sagte: „Ich habe vieles aus dem Mund des Gesandten Allahs (s.a.w.) gehört. Doch mein Respekt gegenüber den älteren Gefährten hielt mich davon ab, all dies zu überliefern. Sie waren älter als ich. Zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) war ich noch ein junger Mann. Dennoch prägte ich mir alles, was ich hörte, in meinem Gedächtnis ein.“³⁵
Manchmal überlieferte er einen Hadith, und wenn dadurch bei jemandem irgendein Zweifel entstand, beseitigte er ihn, indem er darauf antwortete. Nachdem ein Mann die Schilderung eines Wunders des Gesandten Allahs (s.a.w.) gehört hatte, fragte er: „War die Nahrung etwa mehr geworden?“ Er antwortete: „Was ist daran verwunderlich? Woher sollte diese Vermehrung denn gekommen sein, wenn nicht vom Himmel?“³⁶
Samura überlieferte Hadithe, die er unmittelbar vom Gesandten Allahs (s.a.w.) und von Abu ʿUbaida ibn al-Dscharrāh gehört hatte. In verschiedenen Werken sind über seine Überliefererkette insgesamt 123 Hadithe überliefert. Zu den besonders bekannten Personen, die von ihm Hadithe überlieferten, gehören:
Imran ibn Husain, Schaʿbi, Ibn Abi Layla, ʿAli ibn Rabiʿa, ʿAbdullah ibn Buraida, Hasan al-Basri, Muhammad ibn Sirin, Mutarrif ibn Schuchair, Abu al-ʿAla al-ʿAtaradi, Qudama ibn Wabra, Yazid ibn ʿUqba, Rabiʿ ibn Umaila, Hilal ibn Liyaf, Abu Nadra al-ʿAbdi, Thaʿlaba ibn ʿAbbad, Abu Qilaba al-Dscharmi und Sulayman ibn Samura.³⁷
Samura (r.a.) besaß vielfältige charakterliche Vorzüge. Muhammad ibn Sirin sagte: „Er war ein äußerst vertrauenswürdiger und wahrheitsliebender Mann. Er liebte den Islam und die Muslime von ganzem Herzen.“³⁸ Er war ein aufrichtiger Anhänger der Gewohnheiten und der Sunna des Gesandten Allahs (s.a.w.s.).³⁹
In Arabien fertigte ein Mann namens al-Ahnaf eine besondere Art von Schwert an, die unter dem Namen Hanafiyya bekannt war. Auch der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) besaß ein solches Schwert. Samura (r.a.) fertigte eine Nachbildung davon an. Unter seinen Schülern stellte auch Muhammad ibn Sirin eine Nachbildung davon her.⁴⁰
Quellenangaben:
Abu l-Yasar Ka’b ibn ‘Amr (r.a.)
Abu l-Yasar Ka’b (r.a.) stammte aus dem Zweig Banu Salima des medinensischen Stammes Chazradsch. In den Geschichts- und Sira-Werken wird er entweder nur als Abu l-Yasar, als Ka’b oder unter beiden Namen erwähnt. Sein Vater war ‘Amr ibn ‘Abbas und seine Mutter Nusaiba bint Azhar al-Murrī. Auch sie war eine Tochter des Stammes Banu Salima.¹ Imam adh-Dhahabi nennt den Namen seines Vaters ‘Umar und bezeichnet Abu l-Yasar als eine der Säulen der Ansar.²
Er nahm am zweiten Treueid von al-‘Aqaba teil und leistete, nachdem er sich zum Islam bekannt hatte, dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) den Treueid. Manche haben sein damaliges Alter mit zwanzig Jahren angegeben.³
Er nahm an allen späteren Schlachten, einschließlich der ersten Schlacht des Islams, der Schlacht von Badr, an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) teil.⁴ In der Schlacht von Badr zeigte er großen Mut und außerordentliche Tapferkeit. Das Banner des polytheistischen Heeres von Mekka wurde von Abu ‘Aziz ibn ‘Umair getragen, dem leiblichen Bruder des berühmten Auswanderer-Gefährten Mus’ab ibn ‘Umair. Abu l-Yasar stürmte vor, entriss ihm das Banner und nahm ihn gefangen.⁵ In dieser Schlacht tötete er einen polytheistischen Soldaten namens Munabbih ibn al-Haddschadsch.⁶ Außerdem nahm er al-‘Abbas gefangen und führte ihn vor den Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) war erstaunt, als er den kleinen Körper Abu l-Yasars und den gewaltigen Körper al-‘Abbas’ betrachtete. Er fragte Abu l-Yasar: „Wie hast du al-‘Abbas gefangen genommen?“ Abu l-Yasar antwortete: „O Gesandter Allahs! Bei seiner Gefangennahme half mir ein Mann, den ich weder zuvor noch danach jemals gesehen habe. Er sah so aus.“ Nachdem er dies gehört hatte, sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.s.): „Bei seiner Gefangennahme half mir ein erhabener Engel.“⁷ Imam Ahmad überliefert nach al-Barāʾ: „Dieser Mann hat mich nicht gefangen genommen. Mich nahm ein anderer Mann gefangen, der so aussah.“ Daraufhin sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.s.): „Ein Engel hat ihm geholfen.“⁸
Ibn Ishaq berichtet: Um die Gefangenen der Quraisch aus Badr nach Medina zu bringen, teilte der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sie unter den Gefährten auf. Abu ‘Aziz ibn ‘Umair, der leibliche Bruder von Mus’ab ibn ‘Umair, war einer der Gefangenen. Er wurde der Obhut von Mus’ab und Abu l-Yasar anvertraut. Abu l-Yasar hatte ihn auf dem Schlachtfeld gefangen genommen. Auf dem Weg nach Medina bat Mus’ab Abu l-Yasar, die beiden Hände seines Bruders Abu ‘Aziz fest zu fesseln. Als Abu ‘Aziz dies hörte, sagte er traurig: „Bruder, konntest du das über mich sagen?“ Mus’ab erwiderte: „Du bist es nicht mehr; von nun an ist dieser Abu l-Yasar mein Bruder.“⁹ Imam al-Buchari erwähnt in seinem Werk at-Tārīkh, dass Abu l-Yasar an Badr teilgenommen habe. Ibn Hischam zählt ihn zu den Gefährten von Badr.¹⁰ Al-Baladhuri sagte, er sei zur Zeit der Schlacht von Badr zweiunddreißig Jahre alt gewesen.¹¹ Doch zuvor wurde erwähnt, dass er im Alter von zwanzig Jahren am zweiten Treueid von al-‘Aqaba teilnahm. Wie kann er dann zur Zeit von Badr zweiunddreißig Jahre alt gewesen sein?
Abul Yasar nahm am Feldzug von Chaibar teil. In verschiedenen Büchern wird eine Begebenheit aus Chaibar berichtet, die mit ihm verbunden ist. In einer Phase dieses Krieges belagerte das muslimische Heer die Festung des Feindes. Eines Nachts fragte ein jüdischer Gegner: „Wer kann eine ganze Herde Schafe stehlen und uns ihr Fleisch zu essen geben?“ Abul Yasar rief sofort: „Ich kann es.“ Kaum hatte er dies gesagt, stürmte er auf die Schafherde zu. Die Schafe waren gerade dabei, in die Festung hineinzugehen. Er ergriff zwei von ihnen von hinten, klemmte sie sich unter die beiden Arme und brachte sie zurück. Seine Gefährten schlachteten die beiden Schafe und kochten sie.¹²
Bei Siffin und auch bei den späteren Ereignissen stellte er sich auf die Seite Alis (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).¹³ Damals war er unter den Gefährten von Badr der einzige noch Lebende.¹⁴
Im Jahre 55 nach der Hidschra starb er in Medina. Einige haben gesagt, dass er unter den Gefährten von Badr zuletzt starb.¹⁵ In seinem hohen Alter erzählte er die Begebenheit von Chaibar und sagte scherzhaft: „Nehmt von mir an, was ihr wollt. Unter den Gefährten bin jetzt nur noch ich am Leben.“¹⁶ Damit meinte er ausschließlich die Gefährten von Badr. Als er starb, war er über siebzig Jahre alt. Manche haben ein Alter von hundertzwanzig Jahren angegeben, doch das ist nicht richtig.
Abul Yasars Körper war kräftig und gedrungen. Seine Muskeln waren jedoch hart wie gedrehte Seile. Sein Bauch war dick.¹⁷
Er überlieferte nur sehr wenige Hadithe. Bei denjenigen, die er überlieferte, war er jedoch äußerst gewissenhaft. Einmal überlieferte er vor Ubada ibn al-Walid zwei Hadithe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dabei legte er die Finger auf seine eigenen Augen und Ohren und sagte: „Dieses Auge von mir hat das Ereignis gesehen, und dieses Ohr hat den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) es sagen hören.“¹⁸ Imam Muslim überlieferte zwei Hadithe von ihm. Ihre Nummern sind 3006 und 3007. Imam Buchari überlieferte jedoch keinen Hadith von ihm.¹⁹
Zu seinen Schülern gehörten besonders erwähnenswert Ubada ibn al-Walid, Musa ibn Talha, Umar ibn Hakim ibn Rafi, Hanzala ibn Qais az-Zurqi, Saifi, der Freigelassene von Abu Ayyub al-Ansari, und Riba’i ibn Chiras.²⁰ Er war ein äußerst barmherziger und gutherziger Mensch. Ein Angehöriger der Banu Haram war bei ihm verschuldet. Eines Tages ging er zu dessen Haus, um ihn an die Rückzahlung zu erinnern, und rief ihn beim Namen. Doch er erhielt keine Antwort. Er dachte, der Mann sei nicht zu Hause, und wollte gerade zurückgehen, als ein kleiner Junge herbeigerannt kam. Er fragte ihn: „Wo ist dein Vater?“ Der Junge antwortete: „Er versteckt sich unter dem Bett meiner Mutter.“ Da rief er: „Komm jetzt heraus! Ich weiß bereits, wo du bist.“ Der Mann kam heraus und erzählte von seiner Notlage. Abul Yasars Herz wurde weich. Er bat den Mann um die Schuldurkunde, strich die Eintragungen durch und sagte dann: „Wenn du kannst, dann begleiche die Schuld; andernfalls erlasse ich dir die gesamte Schuld.“²¹
Er glaubte an einen gleichberechtigten und gerechten Umgang mit Sklavinnen und Sklaven und setzte dies auch selbst in die Tat um. Eines Tages kam Ubada ibn al-Walid zu ihm, um Hadithe zu hören, und sah vor dem Sklaven einen Haufen Bücher. Abul Yasar trug ein Tuch und einen Lungi, und auch der Sklave trug dieselbe Kleidung. Ubada sagte: „Onkel, es wäre besser, wenn ihr beide jeweils ein gleichartiges Kleidungsstückpaar hättet. Nimm seinen Lungi und gib ihm dein Tuch. Oder gib ihm deinen Lungi und nimm dafür sein Tuch.“ Als Abul Yasar dies hörte, legte er seine Hand auf dessen Kopf und sprach ein Bittgebet für ihn. Dann sagte er: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat angewiesen: Was ihr anzieht, das sollt ihr auch euren Sklaven anziehen lassen, und was ihr esst, das sollt ihr auch ihnen zu essen geben.“²²
Imam Abu Dawud und an-Nasa’i überlieferten über Abul Yasar ein Bittgebet des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) pflegte zu sagen: „O Allah! Ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Untergang. Ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Absturz, vor dem Ertrinken im Wasser, dem Verbrennen im Feuer und dem Greisenalter. Außerdem suche ich Zuflucht bei Dir vor der Einflüsterung des Satans im Augenblick des Todes sowie davor, während des Aufbruchs zum Dschihad auf Deinem Weg auf der Flucht zu sterben, und davor, durch den Biss giftiger Tiere und Insekten zu sterben.“²³
Quellenangaben:
ʿĀsim ibn Thābit ibn Abī al-Aqlaḥ (r.a.)
Sein Name war ʿĀsim, sein Beiname Abū Sulaimān. Sein Vater war Thābit ibn Abī al-Aqlaḥ Qais und seine Mutter asch-Schamūs bint Abī ʿĀmir.¹ Dieser ʿĀsim war der Großvater mütterlicherseits des berühmten Tābiʿī ʿĀsim, des Sohnes des zweiten Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb.² Er stammte aus dem berühmten medinensischen Stamm der Aus.
Er nahm den Islam an, noch bevor der ehrwürdige Gesandte Allahs nach Medina kam. Die Experten für die Sīra führen ihn als einen der Ansār an, die den Islam frühzeitig annahmen.³ Als der Gesandte Allahs nach Medina kam, begründete er zwischen ihm und dem ehrwürdigen ʿAbdullah ibn Dschahsch eine Muʾāchāt- beziehungsweise Bruderschaftsbeziehung.⁴
Der ehrwürdige ʿĀsim nahm an den Schlachten von Badr und Uhud teil.⁵ Vor der Schlacht von Badr versammelte der ehrwürdige Gesandte Allahs alle Kämpfer und beriet sich mit ihnen über die Kampfstrategie. Schließlich fragte er: „Nun sagt mir, wie werdet ihr kämpfen?“ Sofort stand der ehrwürdige ʿĀsim mit Pfeil und Bogen in der Hand auf und sagte: „Bei einer Entfernung von zweihundert Ellen werde ich Pfeile abschießen. Ist der Feind näher, werde ich den Speer einsetzen, und ist er noch näher, werde ich ihn mit dem Schwert schlagen.“ Als der Gesandte (s.a.s.) dies hörte, sagte er: „Das ist die Regel des Kampfes. Kämpft so, wie ʿĀsim kämpft.“⁶
In der Schlacht von Badr befand sich das Banner des heidnischen Heeres von Mekka zunächst in den Händen von Talha ibn Abī Talha. Als dieser durch ʿAlī getötet wurde, nahm sein Bruder Abū Saʿd ibn Abī Talha das Banner auf. Nachdem er durch Saʿd ibn Abī Waqqās getötet worden war, ergriff es ʿUthmān beziehungsweise Usāma ibn Talha. Dieser wurde durch Hamza getötet, woraufhin Musāfiʿ ibn Talha das Banner aufnahm. Der ehrwürdige ʿĀsim ibn Thābit tötete ihn. Danach ergriff sein Bruder al-Dschulās ibn Talha – einer anderen Überlieferung zufolge Kilāb ibn Talha – das Banner. Der ehrwürdige ʿĀsim tötete auch ihn mit einem Pfeil.⁷
In dieser Schlacht von Badr tötete der ehrwürdige ʿĀsim außerdem ʿUqba ibn Abī Muʿait, einen weiteren hoch angesehenen Mann der Quraisch. Dieser ʿUqba war ein äußerst niederträchtiger Mensch. In Mekka gehörte er zu den erbittertsten Feinden des Gesandten Allahs (s.a.s.). Auf vielerlei Weise fügte er dem Gesandten (s.a.s.) Leid zu. Er füllte Körbe mit Schmutz und Unrat und stellte sie vor die Tür des Hauses des Gesandten Allahs (s.a.s.). Eines Tages befand sich der Gesandte (s.a.s.) in der Niederwerfung, als dieser Unmensch plötzlich herbeistürzte und sich so auf seinen Kopf setzte, dass der Prophet kaum noch Luft bekam. Ein anderes Mal befand sich der Prophet in der Niederwerfung. Da kam dieser Hartherzige von irgendwoher, trug die Eingeweide einer toten Ziege auf der Schulter und schüttete sie über den Kopf des Gesandten Allahs (s.a.s.). Dieser Frevler wurde in Badr von den Muslimen gefangen genommen. Auf Befehl des ehrwürdigen Gesandten Allahs tötete ihn der ehrwürdige ʿĀsim.⁸ Ibn Hischām sagt jedoch: „az-Zuhrī und viele andere Gelehrte haben gesagt, dass ʿUqba durch den ehrwürdigen ʿAlī ibn Abī Tālib (r.a.) getötet wurde.“⁹
Er nahm an der Schlacht von Uhud teil. In dieser Schlacht hinterließ er ein beispielloses Beispiel dafür, wie man sein Leben für den Islam aufs Spiel setzt. In der ersten Phase der Schlacht siegte das muslimische Heer. Doch die vom Gesandten (s.a.s.) an einem Engpass aufgestellte Bogenschützeneinheit vergaß seinen Befehl, verließ ihre Stellung und begann, Beute zu sammeln. Diese Gelegenheit nutzte eine Gruppe heidnischer Soldaten unter der Führung von Chālid ibn al-Walīd, um durch diesen Engpass einen Gegenangriff zu führen. Dieser plötzliche Angriff brachte großes Unheil über das siegreiche muslimische Heer. Innerhalb eines Augenblicks geriet das muslimische Heer in Unordnung. Die Kämpfer wurden von ihrem Befehlshaber, dem Gesandten (s.a.s.), fortgerissen. In diesem äußerst schwierigen Augenblick stellten sich fünfzehn Mudschāhidūn wie Berge unbeirrbar dem Feind entgegen. Einer von ihnen war der ehrwürdige ʿĀsim ibn Thābit. An jenem Tag von Uhud leisteten acht Männer dem Gesandten Allahs (s.a.s.) den Treueid, bis zum Tod zu kämpfen. Es waren: ʿAlī, az-Zubair, Talha, Abū Dschāna, al-Hārith ibn as-Simma, Hubāb ibn al-Mundhir, ʿĀsim ibn Thābit und Sahl ibn Hunaif. Doch an jenem Tag starb keiner von ihnen.¹⁰ Ibn Saʿd sagt: „Als in Uhud alle flohen, leistete er dem Gesandten Allahs (s.a.s.) den Treueid, bis zum Tod zu kämpfen.“¹¹ Er gehörte in dieser Schlacht zu den geschicktesten Bogenschützen des muslimischen Heeres.¹²
In Uhud tötete er die beiden Söhne von Talha ibn Abī Talha, Musāfiʿ und al-Hārith – nach einer anderen Überlieferung al-Dschulās –, die zur polytheistischen Armee gehörten. Die Körper beider durchbohrte er äußerst treffsicher mit seinen Pfeilen. Schwer verwundet wurden beide zu ihrer Mutter Sulāfa bint Saʿd gebracht. Die Mutter legte den Kopf ihres Sohnes Musāfiʿ in ihren Schoß und fragte: „Mein Junge! Wer hat deinen Körper auf diese Weise mit Pfeilen durchbohrt?“ Er antwortete: „Als ich hinausging, hörte ich einen Mann, der einen Pfeil auf mich abschoss und rief: ‚Nimm das! Ich bin Ibn Abī al-Aqlah.‘“ Daraufhin schwor Sulāfa: Wenn sie eines Tages den Kopf von ʿĀsim in ihre Hände bekäme, würde sie aus seinem Schädel Wein trinken.¹³ Allah, der Erhabene, ließ sie diesen Schwur nicht erfüllen.
In Uhud tötete Hadhrat ʿĀsim einen weiteren undankbaren Übeltäter aus Mekka. Sein Name war Abū ʿUzza ʿAmr ibn ʿAbdullāh. Dieser Mann war in Badr von den Muslimen gefangen genommen worden. Damals flehte er den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um Gnade an und erklärte, dass er für den Unterhalt einer großen Familie verantwortlich und ihr einziger Ernährer sei. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zeigte ihm gegenüber Großzügigkeit und ließ ihn unter dem Versprechen frei, dass er in seinem Leben nie wieder gegen den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ausziehen werde. Doch während des Feldzugs von Uhud beschloss dieser Abū ʿUzza, mit den Quraisch aus Mekka auszuziehen. Er sagte zu ihnen: „Muhammad hat mich gut behandelt und mir seine Gunst erwiesen. Ich kann ihm das nicht auf diese Weise vergelten.“ Aber er konnte an seinem Entschluss nicht festhalten. Unter dem Druck der Mekkaner Safwān ibn Umayya und Ubayy ibn Khalaf schloss er sich ihnen schließlich an und zog mit ihnen nach Uhud in den Kampf. Die grausame Ironie des Schicksals wollte es, dass er diesmal erneut in die Hände der Muslime fiel. Wie zuvor flehte er den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um Gnade an. Darauf erwiderte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihm mit einem treffenden Wort: „Ein Gläubiger wird nicht zweimal aus demselben Loch von einer Schlange oder einem Skorpion gestochen.“ Hast du etwa gedacht, du würdest nach Mekka zurückkehren und deinen Leuten sagen: „Ich habe Muhammad zweimal getäuscht“?
Der Historiker Wāqidī überliefert auf der Grundlage von Bukayr ibn Mismār die Geschichte von Abū ʿUzzas Gefangennahme in Uhud. Er berichtet: Die Polytheisten zogen sich von Uhud zurück und lagerten sich im ersten Teil des Tages an einem Ort namens Hamrāʾ al-Asad. Nach einiger Zeit brachen sie von dort auf. Abū ʿUzza aber schlief noch. Inzwischen war es später am Tag geworden. Die Männer der muslimischen Armee, die das Quraisch-Heer verfolgten, trafen dort ein. Hadhrat ʿĀsim ibn Thābit nahm Abū ʿUzza dort gefangen und führte ihn zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wies sein Bitten um Verschonung zurück und befahl, ihn zu töten. Hadhrat ʿĀsim trennte seinen Kopf von seinem Hals.¹⁴ Nach einer anderen Überlieferung jedoch war Hadhrat Zubair derjenige, der Abū ʿUzza tötete.¹⁵
Hadhrat ʿĀsim (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erlitt im vierten Jahr der Hidschra beim Ereignis von ar-Radschīʿ durch die Angehörigen des Stammes Hudhayl den Märtyrertod. In den Berichten über dieses Ereignis bestehen zwischen Imām al-Buchārī und anderen Kennern der Sīra gewisse Unterschiede. Hier wird dies kurz dargestellt:
Ar-Radschīʿ war der Name eines Wasserbrunnens des Stammes Hudhayl. Das Ereignis ereignete sich in seiner Nähe. Daher ist es in der Geschichte als das Ereignis von Yawm ar-Radschīʿ bekannt. Imām al-Buchārī überliefert von Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsandte unter der Führung von ʿĀsim ibn Thābit eine Aufklärungsgruppe von zehn Männern. Als sie von Medina aufgebrochen waren und einen Ort zwischen ʿUsfān und Mekka erreichten, bemerkte der Stamm Hudhayl, genauer dessen Unterstamm Banū Lihyān, sie. Sie begannen, die Gruppe mit einhundert Bogenschützen zu verfolgen. Schließlich gelangten sie an den Ort, an dem die Gruppe gelagert hatte, und fanden dort Dattelkerne. Daran erkannten sie mit Gewissheit, dass die Gruppe aus Medina gekommen war. Als sie die Kerne fanden, sagten sie zueinander: „Das sind Datteln aus Yathrib.“ Sie setzten die Verfolgung rasch fort und umzingelten die Gruppe. Als Hadhrat ʿĀsim die Anwesenheit des Feindes bemerkte, suchte er mit seinen Gefährten auf einem hohen, festen Hügel Zuflucht.¹⁶
In den Berichten von Muhammad ibn Ishāq, Mūsā ibn ʿUqba und ʿUrwa ibn az-Zubair zeigt sich eine gewisse Abweichung von der oben angeführten Überlieferung Imām al-Buchārīs. Auf dem Gebiet der Maghāzī ist Muhammad ibn Ishāq jedoch unübertroffen. Daher sagte Imām asch-Schāfiʿī: Wenn jemand die Maghāzī – die Berichte über die Kriegszüge – kennenlernen möchte, muss er sich auf Muhammad ibn Ishāq stützen.¹⁷
Muhammad ibn Ishāq überliefert von ʿĀsim ibn ʿUmar: Nach dem Feldzug von Uhud kamen einige Angehörige der beiden Stämme al-ʿAdl und al-Qāra nach Medina und sagten: „O Gesandter Allahs! Einige unserer Leute sind Muslime geworden. Sende mit uns einige deiner Gefährten, die uns Wissen über die Religion vermitteln, uns den Qurʾān vortragen und uns die islamische Scharia lehren.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sandte sechs Männer mit ihnen. Es waren: (1) Marsad ibn Abī Marsad al-Ghanawī, (2) Khālid ibn al-Bukair al-Laithī, (3) ʿĀsim ibn Thābit, (4) Khubaib ʿAdī, (5) Zaid ibn ad-Dathinna und (6) ʿAbdullāh ibn Tāriq. Der Anführer der Gruppe war Marsad ibn Abī Marsad. Auch Mūsā ibn ʿUqba überliefert dies in derselben Weise wie Ibn Ishāq.¹⁸
Ibn Ishāq berichtet: Sie zogen mit jenen Leuten weiter. Als sie in Richtung Hidschāz in die Nähe von al-Hadyaʾ und zum Brunnen von ar-Radschīʿ des Stammes Hudhayl gelangten, brachen die Begleiter ihr Versprechen und begannen, die Angehörigen des Stammes Hudhayl um Hilfe bei einem Angriff auf die Gruppe zu rufen. Sofort kamen die Männer des Stammes Hudhayl mit Waffen in den Händen heraus und umzingelten die Gruppe von allen Seiten. Diese kleine Schar ergriff die Waffen, um gegen sie zu kämpfen. Da sagten die Männer des Stammes Hudhayl: „Bei Allah! Wir beabsichtigen nicht, euch zu töten. Unser Ziel ist vielmehr, euch den Mekkanern auszuliefern und dafür eine Gegenleistung zu erhalten.“¹⁹ Wir versprechen euch im Namen Allahs und geben euch unser Wort, dass wir euch ausliefern und dafür eine Gegenleistung erhalten werden. Darauf erwiderten Marsad, Khālid und ʿĀsim: „Bei Allah! Wir werden niemals das Schutzversprechen oder einen Vertrag eines Polytheisten annehmen.“ Imām al-Buchārī sagt: Bei dieser Gelegenheit sagte ʿĀsim: „Ich werde mich nicht unter den Schutz eines Ungläubigen begeben.“ Imām al-Buchārī sagt: Bei dieser Gelegenheit sagte ʿĀsim: „Ich werde mich nicht unter den Schutz eines Ungläubigen begeben. O Allah, übermittle Deinem Propheten Nachricht von uns!“²⁰ Ibn Ishāq sagt, dass ʿĀsim bei dieser Gelegenheit ein Gedicht vortrug, von dem einige Zeilen folgendermaßen lauten:²¹
„Welche Entschuldigung könnte ich haben, da ich ein kräftiger, geschickter Bogenschütze bin,
einen Bogen besitze, dessen Sehne straff ist,
von dessen Rücken lange, breite Pfeilspitzen davonfliegen. Und der Tod? Er allein ist wahr, das Leben dagegen ist eine Lüge.
Was Allah bestimmt hat, wird eintreten,
und der Mensch wird zu Ihm zurückkehren.
Meine Mutter würde ihr Gesicht verlieren,
wenn ich nicht mit ihnen kämpfte.“
Weitere Verse ähnlicher Art werden in den Sīra-Werken überliefert.²²
Asim schleuderte unter dem Vortrag von Gedichtversen Pfeile auf die Ungläubigen. Als die Pfeile zu Ende waren, begann er, den Speer zu führen. Als auch dieser zerbrach, blieb ihm nur noch das Schwert, mit dem er weiterkämpfte. Kurz vor seinem Märtyrertod sprach er folgendes Bittgebet:
„Ich bin Abu Sulaiman! Männer wie ich schießen Pfeile. Diese Ehre habe ich von ehrenhaften Männern als Erbe erhalten. Marsad und Khalid sind gefallen, während sie dem Feind gegenüberstanden.“23
Imam al-Buchari berichtet: Danach zogen Asim und seine Gefährten in den Kampf. Von den Pfeilen der Feinde getroffen, erlangte Asim gemeinsam mit sechs seiner Gefährten das Märtyrertum. Khubaib, Zayd und ein weiterer Mann blieben am Leben. Nachdem die Ungläubigen ihnen ihr Versprechen gegeben hatten, ergaben sie sich. Sobald die Ungläubigen sie jedoch in ihrer Gewalt hatten, brachen sie ihr Versprechen, nahmen ihnen die Bogensehnen ab und fesselten ihnen Hände und Füße. Als der dritte unter ihnen dies sah, rief er: „Das ist der erste Betrug.“ Damit weigerte er sich entschieden, mit ihnen zu gehen. Sie zerrten und zogen lange an ihm, konnten ihn jedoch keineswegs mitnehmen. Schließlich töteten die Ungläubigen auch ihn. Die beiden Verbliebenen wurden nach Mekka gebracht und ebenfalls getötet.24
Nach der Tötung von Asim beschlossen die Banu Hudhail, seinen Kopf an eine Frau in Mekka, Sulafa bint Sa’d, zu verkaufen. Wie bereits erwähnt, hatte Asim in der Schlacht von Uhud ihre beiden Söhne getötet. Deshalb hatte sie geschworen, dass sie, sollte sie Asim jemals in ihre Gewalt bekommen, Wein aus seinem Schädel trinken würde.255 Sie verkündete außerdem, dass demjenigen, der ihr seinen Kopf bringen würde, einhundert Kamele als Belohnung gegeben würden.26 Darüber hinaus hatte er bei Badr einen bedeutenden Anführer der polytheistischen Quraisch, Uqba ibn Abi Mu’ayt, getötet. Daher freuten auch sie sich sehr, als sie von Asims Tod erfuhren. Sie jubelten mit den Worten: „Nun ist letztlich das irdische Leben des Mörders Uqbas beendet.“ Sie wollten seinen Körper verbrennen und zu Asche machen, um ihren Rachedurst zu stillen.27 Doch Allah, der Erhabene, erfüllte keinem von ihnen diesen Wunsch.
Vor seinem Tod hatte Asim seinerseits vor Allah folgendes Bittgebet gesprochen: „O Allah! Möge kein Götzendiener mich berühren, und auch ich möge keinen von ihnen berühren.“ Allah, der Erhabene, erhörte sein Bittgebet. Er schickte Bienen oder Wespen und bewahrte ihn davor, von den Ungläubigen berührt zu werden. Hierzu berichtet Urwa: Kaum wollten die Götzendiener zu seinem Leichnam gehen, da kam plötzlich ein Schwarm Bienen und begann sie derart zu stechen, dass sie kopflos die Flucht ergriffen. Da sie bei Tageslicht keinen Erfolg hatten, beschlossen sie, sich nachts dem Leichnam zu nähern. Doch kaum war die Nacht hereingebrochen, setzte ein strömender Regen ein. Durch die gewaltige Flut wurde der Leichnam von Asim irgendwohin fortgetragen, und die Götzendiener konnten ihn trotz gründlicher Suche nicht finden. Ibn Sa’d berichtet: Dieses schmerzliche Ereignis von ar-Raji ereignete sich im Safar, sechsunddreißig Monate nach der Auswanderung. Als Umar hörte, dass Bienen seinen Körper geschützt hatten, bemerkte er: „Allah hat einen gläubigen Diener beschützt. Sowohl im Leben als auch im Tod hat Allah ihn vor der Berührung durch die Götzendiener bewahrt.“ Weil Bienen ihn geschützt hatten, ist er in der Geschichte unter dem Namen Hamiy ad-Dabr bekannt.28
Nach diesem traurigen Ereignis von ar-Raji erhoben die islamischen Dichter Medinas ihre Stimme zur Verurteilung der Hudhail. Dichter wie Hassan ibn Thabit und Abu Zayd al-Ansari verfassten Gedichte, in denen sie diese üble Tat verurteilten und die Märtyrer priesen. In verschiedenen Werken, darunter der Sira des Ibn Hischam, wurden einige davon gesammelt.29 Zwei Verse aus einer Elegie von Hassan ibn Thabit lauten:
Bei meinem Leben! Hudhail ibn Mudrik hat ein schweres Verbrechen begangen; im Zusammenhang mit Khubaib und Asim haben sie Schande auf sich geladen.30
Ibn Aqschas berichtet: Als die Nachricht von ar-Raji Medina erreichte, bemerkten die Heuchler: „Diese unglückseligen Männer blieben nicht einmal in ihren Häusern, konnten die Botschaft ihres Anführers nicht überbringen und erlangten auch keinen Nutzen im Austausch für ihr Leben.“ Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, den Vers 204 der Sure al-Baqara.31
Und es gibt manche Menschen, deren Reden über das diesseitige Leben dich in Erstaunen versetzen, und die Allah zum Zeugen dessen nehmen, was in ihren Herzen ist. In Wahrheit sind sie äußerst streitsüchtige Menschen.
Einer der Söhne Hazrat Asims hieß Muhammad. Der berühmte arabische Dichter jener Zeit, al-Ahwas, war ein Enkel dieses Muhammad.³²
Aufrichtiger Iman, tiefe Liebe zum Gesandten Allahs (s.a.s.), ein reines Herz, unvergleichlicher Mut und ähnliche Eigenschaften waren die strahlendsten Seiten von Hazrat Asims Charakter.
Von Hazrat Anas (r.a.) wird überliefert. Er sagte: Die beiden rivalisierenden Stämme von Medina, Aus und Khazradsch, rühmten sich jeweils der herausragenden Söhne ihres Stammes. Die Aus sagten: Hanzala, den die Engel wuschen; Saʿd ibn Muʿadh, bei dessen Tod der Thron erbebte; Asim ibn Thabit, dessen Körper Allah durch Bienen schützte; und Khuzaima ibn Thabit, dessen Zeugnis dem Zeugnis zweier Männer gleichkam – sie alle sind Söhne des Stammes Aus.³³
Quellen:
Al-Harith ibn Suraqa (r.a.)
Al-Harith ibn Suraqa stammte aus dem Zweig Nadschdschār des berühmten medinensischen Stammes Khazradsch. Sein Vater war Suraqa ibn Harith und seine Mutter Rabiʿ bint Nadar. Sein Beiname war Umm al-Harith. Seine Mutter Rabiʿ war eine hochrangige Sahabiya und die leibliche Tante des Sahabi und Dieners des Gesandten Allahs (s.a.s.), Anas ibn Malik.¹
Sein Vater starb noch vor der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.s.) in Medina. Seine Mutter lebte noch, nahm den Islam an und erlangte die Ehre, den Rang einer Sahabiya zu erhalten. Gemeinsam mit seiner Mutter nahm auch der Sohn den Islam an. Der Gesandte (s.a.s.) begründete mit ihm eine brüderliche Beziehung im Glauben zu al-Saʿit ibn Uthman ibn Madʿun (r.a.).²
Er nahm am Feldzug von Badr teil. Nachdem der Befehl zum Aufbruch nach Badr ergangen war, bestieg er als Erster sein Pferd und machte sich auf den Weg.³ Der Gesandte (s) behielt ihn als Beobachter und Aufseher bei sich.⁴ Als er durstig war und gerade aus einer Quelle trank, wurde er von einem Pfeil getroffen, den Hibban ibn Arafa abgeschossen hatte, und erlitt den Märtyrertod.⁵ Es wird überliefert, dass er unter den Ansar der erste Märtyrer war. In einigen Überlieferungen heißt es jedoch, dass er in der Schlacht von Uhud den Märtyrertod erlitt. Die zuerst genannte Überlieferung ist die bekannteste.⁶
Der Gesandte Allahs (s) kehrte von Badr nach Medina zurück. Die Mutter al-Harithas eilte herbei und sagte: „O Gesandter Allahs! Du weißt, wie sehr ich al-Haritha liebe. Wenn er das Paradies verdient hat, werde ich mich gedulden. Andernfalls wirst du sehen, was ich tun werde.“ Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Was sagst du da? Die Paradiese sind nicht nur eines oder zwei. Es gibt viele Paradiese. Al-Haritha hat das vorzüglichste Paradies, al-Firdaus, erlangt.“⁷ Als die Mutter Rabiʿ diese frohe Nachricht hörte, war sie außer sich vor Freude. Mit einem leisen Lächeln stand sie auf und begann zu sagen: „Nāj, nāj, o al-Haritha – bravo, bravo, o al-Haritha!“⁸
Al-Haritha war seiner Mutter außerordentlich ergeben. Der Verfasser von Usud al-Ghaba schreibt: Er war seiner Mutter äußerst gehorsam und folgsam.⁹
Einmal war der edle Gesandte (s) unterwegs. Unterwegs traf er al-Haritha. Er sagte: „Haritha! In welchem Zustand hast du heute deinen Morgen begonnen?“ Haritha antwortete: „In dem Zustand, dass ich ein aufrichtiger Muslim bin.“ Der Gesandte (s) sagte: „Denke ein wenig nach, bevor du antwortest. Jede Aussage birgt eine tiefere Bedeutung.“ Al-Haritha erwiderte: „O Gesandter Allahs! Ich habe mich von der Welt abgewandt. Die Nacht verbringe ich mit Gottesdienst und Anbetung, und den Tag verbringe ich im Fasten. In diesem Augenblick sehe ich mich gleichsam zum Thron aufsteigen. Mir scheint, dass die Bewohner des Paradieses zum Paradies und die Bewohner der Hölle zur Hölle schreiten.“ Nachdem der Gesandte (s) seine Worte gehört hatte, sagte er: „Wenn Allah das Herz eines Dieners erleuchtet, wird dieses Herz nicht mehr von Allah getrennt.“ Al-Haritha bat: „O Gesandter Allahs! Bitte für meinen Märtyrertod.“ Er sprach ein Bittgebet. Dieses Bittgebet wurde erhört. Während der Schlacht von Badr erfüllte es sich: Er erlitt den Märtyrertod.¹⁰
Quellen:
Al-Harith ibn as-Simmah (r.a.)
Der Beiname von al-Harith (r.a.) war Saʿid. Sein Vater war as-Simmah ibn Amr und seine Mutter Tumadur bint Amr. Er stammte aus einem Zweig des berühmten medinensischen Stammes der Khazradsch.¹
Noch vor der Ankunft des edlen Gesandten (s) in Medina nahm er den Islam an. Mit Suhaib ar-Rumi (r.a.), dem Sinnbild für Geduld, Standhaftigkeit und Beharrlichkeit, wurde die Muwākhāt, also die religiöse Brüderschaft, begründet.⁷
Musa ibn Uqba ibn Ishaq und andere führen ihn als Teilnehmer an der Schlacht von Badr an.³ Er zog gemeinsam mit dem edlen Gesandten (s.a.w.) nach Badr. Nachdem sie den Ort Rawha erreicht hatten, brach ihm aus irgendeinem Grund ein Knochen, woraufhin der Gesandte (s.a.w.) ihn nach Medina zurückschickte. Dennoch erklärte er ihn nach dem Ende der Schlacht zum Teilhaber an der Beute von Badr und am Lohn.⁴
Als die muslimischen Reihen in einer Phase der Schlacht von Uhud auseinanderbrachen, bewies al-Harith großen Mut. Er nahm dem Quraisch-Kämpfer Uthman ibn Abdillah ibn al-Mughira al-Makhzumi dessen Rüstung, Schild, Schwert und weitere Ausrüstung ab und tötete ihn. Als diese Nachricht den Gesandten Allahs (s.a.w.) erreichte, sagte er: „Alles Lob gebührt Allah, der ihm diese Gelegenheit gegeben hat.“⁵ Nebenbei sei erwähnt, dass Abdallah ibn Dschahsch (r.a.) diesen Uthman bereits zuvor bei einer Patrouille in Nakhla gefangen genommen und nach Medina gebracht hatte. Danach war er gegen Lösegeld freigekommen und hatte sich erneut den Quraisch angeschlossen. Als al-Harith ihn bei Uhud tötete, wurde dies von Ubaid ibn Hudhaidsch al-Amiri beobachtet. Dieser versetzte al-Harith unvermittelt einen gewaltigen Schwerthieb auf die Schulter. Al-Harith wurde schwer verwundet. Abu Dudschaana eilte von weitem herbei, griff Ubaid ibn Hudhaidsch an und überwältigte ihn. Danach tötete er ihn und zerstückelte seinen Körper.⁶ Der Gesandte (s.a.w.) schenkte al-Harith die gesamte Ausrüstung des getöteten Uthman.
Als die Muslime sich bei Uhud zerstreuten und vom Gesandten (s.a.w.) getrennt wurden, gehörte al-Harith ibn as-Simmah zu den wenigen, die weiterhin standhaft an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.) blieben.⁷ Ibn Ishaq berichtet, dass die Muslime während der Katastrophe von Uhud, als sie erfuhren, dass der Gesandte (s.a.w.) noch lebte und ihn erkannten, alle zu ihm eilten. Danach begaben sich Abu Bakr, Umar, Ali, Talha, az-Zubair, al-Harith ibn as-Simmah und einige weitere Muslime mit dem Gesandten (s.a.w.) in Richtung des Tals.⁸
Im Tal von Uhud saß der edle Gesandte (s.a.w.), gestützt und von seinen Gefährten umgeben. Da kam der Götzendienerführer von Mekka, Ubayy ibn Chalaf, ganz nahe heran und rief dem Gesandten (s.a.w.) zu: „O Muhammad! Wenn du am Leben bleibst, werde ich nicht am Leben bleiben.“ Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs! Soll einer von uns ihn aufhalten?“ Er sagte: „Nein, das ist nicht nötig.“ Als er noch näher kam, nahm der Gesandte (s.a.w.) al-Harith ibn as-Simmah den Speer aus der Hand. Dann trat er Ubayy ibn Chalaf entgegen und versetzte ihm einen leichten Stich in den Hals. Daraufhin sprang dieser von seinem geliebten Pferd und floh davon.
Ibn Ishaq berichtet: Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) während seines Aufenthalts in Mekka Ubayy ibn Chalaf begegnete, sagte dieser: „Muhammad! Auf ihm reitend werde ich dich töten.“ Der Gesandte (s.a.w.) pflegte zu sagen: „Nein, das wirst du nicht können. Vielmehr werde ich dich, so Allah will, töten.“ Der Stich, den der Gesandte (s.a.w.) ihm in den Hals versetzt hatte, war nur ganz geringfügig. Nach dem Stich lief er verstört zu seinen Leuten und rief: „Bei Allah! Muhammad hat mich getötet.“ Seine Gefährten sagten: „Du hast doch überhaupt keine Verletzung. Du bist wohl verrückt geworden.“ Er sagte: „Als Muhammad noch in Mekka war, sagte er zu mir: ‚Ich werde dich töten.‘ Bei Allah! Wenn er mich auch nur angespuckt hätte, wäre ich daran gestorben.“ Dieser Feind Allahs starb auf dem Rückweg von Mekka mit der Karawane der Quraisch an einem Ort namens Saraf.⁹ Tatsächlich hatte er verstanden, dass der Ausspruch aus dem Mund Muhammads, wie geringfügig die Verletzung auch sein mochte, unweigerlich in Erfüllung gehen würde.
Während der Schlacht von Uhud fragte der edle Gesandte (s.a.w.) al-Harith: „Hast du Abd ar-Rahman ibn Auf gesehen?“ Er antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs! Er befand sich am Fuß des Berges inmitten einer Menge von Götzendienern. Ich wollte gerade zu ihm gehen, als mein Blick auf dich fiel. Deshalb kam ich hierher.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Die Engel kämpfen an seiner Seite.“ Sobald al-Harith dies hörte, eilte er zu Abd ar-Rahman. Er sah, dass vor ihm sieben Leichen von Ungläubigen lagen. Er fragte Abd ar-Rahman: „Hast du sie alle allein getötet?“ Abd ar-Rahman antwortete: „Diesen Artat ibn Abd Schuraybil und diesen anderen – diese beiden habe ich getötet. Doch wer die übrigen getötet hat, konnte ich nicht sehen.“ Da sagte al-Harith: „Der Gesandte (s.a.w.) hat die Wahrheit gesagt.“ At-Tabarani nahm diesen Bericht in seine Sammlung auf.¹⁰
Gegen Ende der Schlacht von Uhud erkundigte sich der Gesandte (s.a.w.) nach al-Harith. Al-Harith machte sich sofort auf die Suche nach ihm. Als er nicht zurückkehrte, ging Ali (r.a.) los, um ihn zu suchen. Dabei rezitierte Ali immer wieder zwei Verse eines Gedichts. Ihre Bedeutung lautet:
„O Herr, al-Harith ibn as-Simmah ist ein freundlicher und unter uns verantwortungsbewusster Mann. Er ist zu einer wichtigen Aufgabe gegangen und wird vermisst. Und wohin auch immer er geht, sucht er das Paradies.“¹¹
Ibn Hischām schildert die beiden Verse etwas anders. Er sagt außerdem, dass die beiden Verse nicht von ʿAlī stammen.12
Danach traf ʿAlī (ra) al-Hārith. Beide sahen Hamza (ra) tot daliegen und kehrten zurück, um dem Gesandten (sas) davon zu berichten. Inzwischen hatten die Ungläubigen seine anderen Gefährten getötet; doch er wusste nichts davon. Er saß zusammen mit ʿAmr ibn Umayya unter einem Baum. Plötzlich erblickte er am Himmel einen papageienähnlichen Vogel. Da erkannte er, dass etwas geschehen sein musste. Er nahm ʿAmr mit und ging in diese Richtung. Sie sahen an einer Stelle die blutigen und staubbedeckten Leichen zahlreicher Muslime daliegen. Als er diesen Anblick sah, sagte er zu seinem Gefährten ʿAmr: „Jetzt sollten wir nach Medina zurückkehren und ihm davon berichten. Nun sag: Was willst du tun?“ Al-Hārith sagte: „Wie kann ich von dem Ort fliehen, an dem al-Mundhir ibn ʿAmr getötet wurde? Die Leute würden sagen: Al-Mundhir ist getötet worden, und wir sind mit dem Leben davongekommen.“ Danach sagte er erneut: „Al-Mundhir ist getötet worden; wie kann ich von dort fliehen? Die Leute würden sagen: Al-Mundhir ist getötet worden, und wir sind mit dem Leben davongekommen.“ Dann rückte er gemeinsam mit ʿAmr gegen die Feinde vor. Der Gegner war gut ausgerüstet und zahlenmäßig überlegen. Sie schossen ihre Pfeile wie Regen ab und durchbohrten den ganzen Körper al-Hāriths. Er starb noch am Ort des Geschehens den Märtyrertod. Sein Gefährte ʿAmr wurde von den Feinden gefangen genommen. Als ʿĀmir ibn at-Tufail erfuhr, dass der gefangene ʿAmr dem Stamm der Muḍar angehörte, ließ er ihm die vorderen Haare abschneiden und gab ihn frei. Denn seine Mutter hatte gelobt, einen Gefangenen freizulassen. Auf diese Weise erfüllte ʿĀmir das Gelübde seiner Mutter. Dies geschah im Monat Safar, sechsunddreißig Monate nach der Hidschra.13
Ein Sohn al-Hāriths, Saʿd, kämpfte in Ṣiffīn auf der Seite ʿAlīs (ra) und starb den Märtyrertod. Der Name von Saʿds Mutter war Umm al-Hakam Khawla bint ʿUqba. Der Name eines weiteren seiner Söhne war Abū Dschuh aim. Er wurde durch die Gesellschaft des Gesandten Allahs (sas) geehrt und überlieferte auch Hadithe vom Gesandten Allahs (sas). Der Name seiner Mutter war ʿUtayla bint Kaʿb. Ibn Saʿd berichtet in seinem Werk aṭ-Ṭabaqāt, dass in Medina und Bagdad noch immer Nachkommen al-Hāriths leben.14 Al-Hārith besaß auch dichterisches Talent. In verschiedenen Werken wurden einige seiner Verse gesammelt.15
Quellen:
ʿUmair ibn Saʿd (ra)
ʿUmair ibn Saʿd war ein Ansār-Gefährte aus dem berühmten Stamm der Aus in Medina, der sich von den weltlichen Anteilen fernhielt. Wegen seiner charakterlichen Vorzüge erhielt er den Beinamen Nasīǧ waḥdihi. Diesen Beinamen verlieh ihm der Kalif ʿUmar (ra).1
Als ʿUmair noch ein Kind war, starb sein Vater Saʿd ʿUbaid. Nach dem Tod ihres Mannes nahm seine Mutter Dschulās ibn Suwaid zum zweiten Ehemann. Gemeinsam mit seiner Mutter kam auch ʿUmair unter die Obhut Dschulās’. Dschulās zog ihn mit großer Zuneigung und Fürsorge wie seine eigenen Kinder auf. Ibn Hischām sagt: Dieser Dschulās und sein Bruder al-Hārith waren beide Heuchler (Heuchler unter den Muslimen).2
Hier muss eine Bemerkung gemacht werden: Abū Zayd war einer der vier berühmten Qurʾān-Rezitoren der Ansār von Medina. Sein eigentlicher Name war Saʿd ibn ʿUbaid. Auch der geehrte Vater dieses bedeutenden Gefährten, über den wir hier sprechen, hieß Saʿd ibn ʿUbaid. Deshalb haben sich viele Historiker, insbesondere Ibn Saʿd, geirrt. Sie erwähnten ʿUmair als den Sohn des Qurʾān-Rezitors Abū Zayd Saʿd ibn ʿUbaid. Das ist ein schwerwiegender Irrtum. So sagte etwa Ibn al-Kalbī: Sein Vater Saʿd ibn ʿUbaid nahm an der Schlacht von Badr teil.3 Zwischen den Todesjahren der beiden Saʿds liegt jedoch ein beträchtlicher zeitlicher Abstand. Außerdem gehörte ʿUmairs Vater Saʿd zum Stamm der Aus, während Abū Zayd Saʿd ein Sohn des Stammes Chazradsch war. Der berühmte Gefährte Anas ibn Mālik sagte, Abū Zayd sei sein Onkel gewesen. Es ist allgemein anerkannt, dass Anas dem Stamm Chazradsch angehörte. Außerdem hinterließ Abū Zayd keine Nachkommen.4
Wahrscheinlich nahm er bereits während der Zeit, in der er unter der Obhut seines Pflegevaters Julās stand, den Islam an. Kenner der Sīra haben gesagt, dass er zwar die Würde der Zugehörigkeit zu den Gefährten (der Begleitung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erlangte, jedoch nicht die Ehre, an einem Feldzug mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, teilzunehmen.⁵ Der Grund dafür war, dass er zu dessen Lebzeiten noch nicht das Alter erreicht hatte, in dem man in den Krieg zog. Einige Verfasser haben gesagt, dass er, obwohl er nicht an den Kämpfen teilnahm, Julās beim Dschihad begleitete. In diesem Zusammenhang erwähnen sie ein Ereignis aus dem Feldzug von Tabūk.⁶
Während des Kalifats von ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, nahm er gemeinsam mit dem Befehlshaber Abū ʿUbaida am Feldzug nach Syrien teil. ʿUmar ernannte ihn zum Befehlshaber einer syrischen Truppe. Einige Zeit später ernannte er ihn zum Wālī von Hims und Damaskus. Bis zum Tod ʿUmars blieb er in diesem Amt. Imām az-Zuhrī berichtet: Als Saʿīd ibn ʿĀmir ibn Hudhaim starb, trat Umayr an seine Stelle. Bis ʿUmar getötet wurde, befanden sich Muʿāwiya und er gemeinsam in Syrien. Danach setzte der Kalif ʿUthmān Umayr ab und unterstellte ganz Syrien Muʿāwiya.⁷
Safwān ibn ʿAmr berichtet: Nachdem Muʿāwiya zum Befehlshaber von ganz Syrien ernannt worden war, hielt er auf der Kanzel der Moschee von Hims eine Ansprache. Darin sagte er: „O ihr Bewohner von Hims! Allah, der Erhabene, hat euch mit rechtschaffenen und fähigen Befehlshabern gesegnet. Euer erster Befehlshaber war ʿIyād ibn Ghanm. Er war ein besserer Mann als ich. Euer zweiter Befehlshaber war Saʿīd ibn ʿĀmir. Auch er war ein besserer Mann als ich. Danach wurde Umayr euer Befehlshaber. Umayr ist ein vortrefflicher Mann. Nun bin ich euer Befehlshaber. Ihr werdet mich noch kennenlernen.“⁸
In verschiedenen Büchern werden mehrere Ereignisse aus Umayrs Aufenthalt in Syrien überliefert. Hier seien einige davon kurz wiedergegeben:
Einmal entsandte ihn der Kalif ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, als Befehlshaber einer Truppe nach Syrien. Einige Tage später kam er zum Kalifen und sagte: „O Befehlshaber der Gläubigen! Zwischen unserem Standort und dem Standort unserer Feinde liegt eine Stadt namens Arabissus. Ihre Bewohner liefern unseren Feinden geheime Informationen über uns. Aufgrund dieser Informationen behandeln die Feinde uns auf diese Weise.“
Der Kalif sagte: „Du sollst den Bewohnern der Stadt vorschlagen, die Stadt zu verlassen und anderswohin zu ziehen. Als Gegenleistung sollst du ihnen für eine Ziege zwei Ziegen, für eine Kuh zwei Kühe und auf diese Weise für jeden ihrer Gegenstände zwei Gegenstände geben. Wenn sie diesen Vorschlag annehmen, werden wir ihnen unserem Versprechen entsprechend das Doppelte geben. Sollten sie sich jedoch weigern, den Vorschlag anzunehmen, dann kündige ihnen an, dass wir den mit ihnen bestehenden Vertrag aufheben, und warte ein Jahr.“
Umayr bat: „O Befehlshaber der Gläubigen! Würdet Ihr mir diese Eure Zusage bitte schriftlich geben?“
Mit der schriftlichen Zusage des Kalifen kehrte Umayr nach Syrien zurück. Dort hörte er, dass Arabissus zerstört worden sei, und noch vieles andere. Der Kalif geriet außer sich vor Zorn über ihn und ließ Umayr unverzüglich nach Medina rufen. Umayr erschien am Hof des Kalifen in Medina. Der erzürnte Kalif schwang seinen Stock über Umayrs Kopf und sagte: „Du hast Arabissus zerstört!“ Umayr blieb stehen, ohne eine Antwort zu geben. Der Kalif erhob sich von seinem Hof und kehrte in sein Haus zurück. Umayr bat um Erlaubnis, ihn zu sprechen, trat ein und verlas ihm die schriftliche Zusage des Kalifen. ʿUmar bemerkte: „Möge Allah dir vergeben.“⁹
Der Kalif Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) entsandte ihn als Statthalter nach Hims. Ein Jahr lang erhielt er keinerlei Nachricht von ihm. Schließlich sagte er zu seinem Schreiber (Sekretär): „Ich habe den Eindruck, dass er unser Vertrauen missbraucht hat. Schreibe ihm: Sobald dieser mein Brief dich erreicht, sollst du dich unverzüglich mit allem, was du von den Muslimen an Steuern, Zakāt und sonstigen Abgaben eingetrieben hast, nach Medina begeben.“ Nachdem ʿUmair den Brief erhalten hatte, füllte er ohne zu zögern einen ledernen Beutel mit etwas Reiseproviant und einen Becher mit Wasser, hängte ihn sich über die Schulter, nahm seinen Stock und machte sich zu Fuß auf den Weg.
Die Entfernung von Medina nach Hims beträgt mehrere hundert Meilen. Als er Medina erreichte, war sein Haar lang geworden. Sein Gesicht war durch Sonne, Staub und die Erschöpfung der langen Reise fahl geworden. In diesem Zustand begab er sich direkt zum Sitz des Kalifen und sagte: „As-salāmu ʿalaika, yā Amīr al-Muʾminīn!“ – „Friede sei mit dir, Fürst der Gläubigen!“ Der Kalif hob den Blick zu ihm, fragte ihn erstaunt: „Was ist mit dir geschehen?“ ʿUmair sagte: „Was hast du denn an mir gesehen? Bin ich etwa nicht gesund? Hat mich etwa der Hauch des weltlichen Lebens berührt? Ziehe ich etwa an den beiden Hörnern der Welt?“ Der Kalif hatte angenommen, ʿUmair sei vielleicht mit großen Mengen an Geld und Besitz zurückgekehrt. Daher fragte er: „Bist du zu Fuß gekommen?“
Er sagte: „Ja, ich bin zu Fuß gekommen.“
– Hat dir denn niemand mit einem Reittier geholfen?
– Ich habe niemanden um ein Reittier gebeten, und niemand hat mir eines gegeben.
– Sie sind sehr schlechte Muslime geworden.
– Umar! Allah hat dir verboten, schlecht über die Menschen zu reden. Ich habe sie doch gesehen, wie sie das Morgengebet gemeinsam in der Gemeinschaft verrichteten.
Der Kalif ordnete an: „Die Ernennung von ʿUmair soll erneuert werden.“ ʿUmair sagte: „Ich werde weder unter deiner Leitung noch künftig unter der Leitung irgendjemandes irgendeine Verantwortung mehr übernehmen. Denn ich konnte mich nicht von Sünde freihalten. Dort sagte ich zu dem christlichen Dhimmī: ‚Möge Allah dich erniedrigen.‘ O Umar, hattest du mich für eine solche Aufgabe entsandt? Ich bin am Leben geblieben, statt wie die anderen Gefährten zu sterben, und der Tag, seit dem ich mit dir zusammenarbeite, ist der schlechteste Tag meines Lebens.“ Danach zog er mit der Erlaubnis des Kalifen an einen einsamen Ort mehrere Meilen von Medina entfernt und ließ sich dort dauerhaft nieder. Eines Tages kam dem Kalifen der Gedanke, ʿUmair habe vielleicht sein Vertrauen missbraucht. Daher schickte er einen Mann namens al-Hārith mit einhundert Dīnār zu ihm, um ihn auf die Probe zu stellen. Beim Aufbruch sagte er zu dem Mann: „Geh unter dem Vorwand eines Gastes zu ʿUmair. Wenn du bei ihm irgendein Anzeichen weltlichen Wohllebens siehst, kehre sofort zurück. Wenn du ihn dagegen in sehr bedauernswertem Zustand vorfindest, dann schenke ihm diese einhundert Dīnār.“
Der Mann ging fort. Als er Umairs Wohnstätte erreichte, sah er ihn an der Wand sitzen, den Schmutz aus seinem Gewand zu kratzen und es anschließend zu flicken. Der Mann grüßte ihn. Nachdem Umair den Gruß erwidert hatte, bat er ihn zu bleiben. Der Mann blieb.
Umair: Woher kommst du?
– Aus Medina.
– In welchem Zustand habt Ihr den Fürsten der Gläubigen zurückgelassen?
– Als einen rechtschaffenen Menschen.
– Setzt der Fürst der Gläubigen die Hudud (die vom islamischen Recht vorgeschriebenen Strafen) nicht mehr durch?
– Er hat vor Kurzem einen seiner Söhne wegen Ehebruchs bestrafen lassen. Der Sohn ist gestorben.
– O Allah, hilf Umar! Ich weiß an ihm nichts außer seiner Liebe zu Dir.
Der Mann blieb drei Tage als Gast im Haus von ʿUmair. Während dieser drei Tage musste er sich ausschließlich von einigen Stücken Gerstenbrot ernähren. Als er diesen Zustand sah, sagte er: „Diese wenigen Tage haben Sie mich ja fast hungern lassen.“ Danach holte er die Dinar hervor und hielt sie ʿUmair hin. Sobald ʿUmair die Dinar sah, rief er: „Ich brauche sie nicht!“ Damit schob er den Beutel mit den Dinar zu dem Mann hin. Da sagte ʿUmairs Ehefrau: „Wenn Sie sie nicht brauchen, dann verteilen Sie sie unter denen, die sie brauchen.“ ʿUmair erwiderte: „Ich habe keinerlei Recht, über diese etwas zu verfügen.“ Darauf zerriss seine Frau ihren Schleier in mehrere Stücke. Dann teilte sie die Dinar auf, band sie in diese Stücke und verteilte sie unter den Kindern der Märtyrer in der Umgebung.
Inzwischen kehrte der Mann zu Kalif ʿUmar zurück. Dieser fragte ihn: „Was hast du mit den Dinar von ʿUmair gemacht?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete der Mann. Darauf schrieb Kalif ʿUmar (r.a.) an ʿUmair und forderte ihn auf, mit den Dinar zu kommen. ʿUmair erschien am Hof des Kalifen. „Was hast du mit den Dinar gemacht?“, fragte der Kalif. ʿUmair antwortete: „Ich habe damit getan, was ich wollte.“ „Was geht dich das an? Nein, du musst es mir sagen“, beharrte der Kalif. ʿUmair sagte: „Ich habe sie für die Bedürfnisse meines Jenseits vorausgeschickt.“ Darauf befahl der Kalif, ihm etwas Nahrung und zwei Kleidungsstücke zu geben. ʿUmair sagte: „Ich brauche keine Nahrung. Zu Hause habe ich zwei Sāʿ Gerste zurückgelassen. Während ich davon esse, wird Allah, der Erhabene, vielleicht für eine andere Versorgung sorgen. Zwei Kleidungsstücke jedoch kann ich nehmen. Denn als ich herkam, sah ich, dass die Mutter des Soundso keine Kleidung hat und beinahe nackt ist.“ Damit nahm er die beiden Kleidungsstücke unter den Arm und kehrte nach Hause zurück. Wenige Tage später starb er.10
Unter den Fachleuten der Sīra-Wissenschaft besteht Uneinigkeit über das Todesjahr ʿUmairs (r.a.). Einige sagen, dass er sich in Hims dauerhaft niederließ und dort während des Kalifats von Muʿāwiya (r.a.) starb; nach einer anderen Ansicht geschah dies während der Zeit des Kalifen ʿUmar oder ʿUthmān (r.a.).11 Einer Überlieferung zufolge starb er in Medina, und Kalif ʿUmar (r.a.) leitete sein Totengebet.12 Einer anderen Überlieferung zufolge bekundete Kalif ʿUmar (r.a.), als er vom Tod ʿUmairs erfuhr, seine Trauer und bat um Vergebung für ihn. Danach ging er zum Friedhof Baqīʿ al-Gharqad in Medina. Viele weitere folgten ihm. Da sagte er: „Nun, äußert jeder von euch seinen eigenen Wunsch.“ Einer sagte: „Wenn ich großen Reichtum besäße, würde ich damit so viele Sklaven freikaufen.“ Ein anderer sagte: „Wenn ich in meinem Körper unbezwingbare Kraft hätte, würde ich mit einem Eimer Wasser aus dem Zamzam-Brunnen schöpfen und damit die Pilger tränken.“ So äußerten noch viele weitere ihre Wünsche. Schließlich sagte ʿUmar (r.a.): „Wenn ich nur noch mehr fähige Männer wie ʿUmair ibn Saʿd hätte, würde ich ihre Hilfe bei den Angelegenheiten der Muslime in Anspruch nehmen.“13
Als er Statthalter von Hims war, hielt er eines Tages, auf der Kanzel der Moschee stehend, eine Ansprache und sagte: „Wisst, dass der Islam eine Schutzmauer und ein festes Tor ist. Die Mauer des Islam ist Wahrheit und Gerechtigkeit. Wenn die Mauer Risse bekommt und das Tor zerbricht, wird der Islam besiegt werden. Solange der Herrscher jedoch streng ist, wird der Islam geschützt bleiben. Die Strenge des Herrschers bedeutet nicht, dass er mit dem Schwert ein Blutbad anrichtet. Sie bedeutet vielmehr, dass er nach der Wahrheit urteilt und an der Gerechtigkeit festhält.“14 Er hinterließ zwei Söhne namens ʿAbd ar-Rahman und Mahmud.
ʿUmair (r.a.) gehörte zu den angesehenen und zu den asketischen (dem weltlichen Genuss gegenüber gleichgültigen) Gefährten. Unter den Gefährten nahm er hinsichtlich Ehre und Rang eine sehr hohe Stellung ein. al-Mufaddal al-Ghallābī sagte: „Unter den Ansār gab es drei besonders asketische Männer: Abū ad-Dardāʾ, Shaddād ibn Aus und ʿUmair ibn Saʿd.“16 Ibn Sīrīn sagte: „Kalif ʿUmar (r.a.) war von seinem edlen Charakter so beeindruckt, dass er ihm den Beinamen ‚Nasīǧu waḥdihi‘ gab – ein in seiner Schöpfung und seinen Wesenszügen einzigartiger und unvergleichlicher Mensch.“17
ʿAbd ar-Rahman, der Sohn ʿUmairs, sagte: „ʿAbdullah ibn ʿUmar hat mir gesagt: Unter den Gefährten gab es keinen besseren Menschen als deinen Vater.“18 Ibn Sumai hat ʿUmairs Namen in der ersten Schicht oder Kategorie der Gefährten erwähnt, die nach Hims gingen.19
In seinem Wesen und seinem moralischen Charakter war ʿUmair (r.a.) von vorbildlicher Art. Es war schwer, jemanden zu finden, der ihm in Gottesfurcht und Frömmigkeit gleichkam. In ihm brannte ein starkes Glaubensgefühl. Seit seiner Kindheit trug er eine aufrichtige Liebe zum Gesandten Allahs (s.a.w.) in seinem Herzen. Hinsichtlich seines Glaubens an den Gesandten Allahs (s.a.w.) und seiner Liebe zu ihm war in ihm nicht die geringste Spur von Heuchelei. Ein Ereignis aus der Zeit des Feldzugs von Tabūk liefert dafür den Beweis. Damals machte sein Pflegevater al-Julas eine anstößige Bemerkung über den Gesandten Allahs (s.a.w.). ʿUmair informierte den Gesandten Allahs (s.a.w.) unverzüglich darüber. Und doch war er gerade unter dem Schutz al-Julas’ aufgewachsen und stand noch immer in dessen Obhut.20 Der feste Glaube an Allah und Seinen Gesandten sowie seine tiefe Liebe zu ihnen standen für ihn über allem.
Verschiedene Autoren, darunter Ibn Hischām, haben den Vorfall zwischen al-Julas und ʿUmair überliefert. Al-Julas gehörte zu denen, die nicht am Feldzug von Tabūk teilnahmen. Eines Tages bemerkte al-Julas in Gegenwart ʿUmairs: „Wenn dieser Mann (Muhammad, s.a.w.) wahrhaftig ist, dann sind wir schlechter als Esel.“ Als ʿUmair dies hörte, sagte er: „Bei Allah, al-Julas! Du bist mir von allen Menschen am liebsten. Deine Gunst mir gegenüber ist die größte. Wenn dich ein Unglück oder Leid trifft, leide ich am meisten. Du hast eine Bemerkung gemacht. Wenn ich sage, dass ihr schlechter als Esel seid, werde ich dich bloßstellen. Wenn ich aber schweige, wird dadurch meine Religion zugrunde gehen. Das Erste ist mir leichter als das Zweite.“
Dieser Protest von Umayr machte al-Dschulas äußerst zornig. Sofort gelobte er, alle Beziehungen zu Umayr abzubrechen. Unterdessen informierte Umayr den Gesandten (s.a.s.) unverzüglich über die Angelegenheit. Der Gesandte (s.a.s.) ließ die beiden gemeinsam zu sich rufen und fragte al-Dschulas nach dem Vorfall. Al-Dschulas schwor: „Umayr hat über mich gelogen. Ich habe nichts von dem gesagt, was er behauptet hat.“ Auf diese Weise leugnete al-Dschulas den Vorfall vollständig. Doch vor dem Propheten und Gesandten bleibt keine Wahrheit verborgen. Durch Offenbarung und Eingebung erfahren sie alles. So war es auch im Fall al-Dschulas’. Allah, der Erhabene, sandte eine Offenbarung herab und teilte Seinem Propheten alles mit. Daraufhin rezitierte der Gesandte (s.a.s.) den 74. Vers der Sure at-Tauba.
„Sie schwören bei Allah, dass sie nichts gesagt hätten, obwohl sie zweifellos Worte des Unglaubens gesprochen und nach ihrem Islam den Unglauben bekundet haben. Und sie begehrten etwas, das sie nicht erlangen konnten. Und sie konnten nur deshalb Anstoß nehmen, dass Allah und Sein Gesandter sie durch Seine Gunst reich gemacht hatten.“
Als der edle Gesandte (s.a.s.) den letzten Teil des Verses rezitierte – „Wenn sie nun bereuen, ist es besser für sie. Wenn sie sich jedoch abwenden, wird Allah, der Erhabene, sie mit einer schmerzhaften Strafe im Diesseits und im Jenseits bestrafen“ –, rief al-Dschulas aus: „Ich bereue.“ Ibn Ishaq sagt: Nach diesem Ereignis wurde al-Dschulas aufrichtig Muslim. In seinem restlichen Leben zeigte sich bei ihm kein weiterer Fehler oder Fehltritt. Aus Freude darüber, dass seine Reue angenommen worden war, nahm al-Dschulas Umayr wieder unter seine Obhut und versorgte ihn sein ganzes Leben lang. Nach der Herabsendung des Verses fasste der Gesandte (s.a.s.) Umayr am Ohr und sagte: „Mein Junge, dieses Ohr von dir hat richtig gehört.“ Urwa sagt: Nach diesem Ereignis stieg Umayrs Ansehen über das aller anderen.21
Von Umayr (r.a.) wurde ein Hadith des Gesandten Allahs (s.a.s.) überliefert. Zu den Überlieferern gehören sein Sohn Mahmud, Abu Talha al-Chaulani, Abu Idris al-Chaulani, Raschid ibn Sa’d, Habib ibn Ubaid, Zuhair ibn Salim und andere.22
Quellen:
Rafi’ ibn Malik ibn Ajlan (r.a.)
Abu Malik und Abu Rifa’a sind seine Beinamen. Sein eigentlicher Name war Rafi’. Er stammte aus dem berühmten Stamm der Chazradsch in Medina. Sein Vater war Malik ibn Ajlan.
Die Gemeinschaft der Ansar von Medina war eine überaus glückliche Gruppe beziehungsweise Gemeinschaft, insbesondere jene Gruppe von siebzig – nach anderer Auffassung fünfundsiebzig – Personen. Unter ihnen gab es hinsichtlich des frühen Übertritts zum Islam wiederum Unterschiede im Rang. Unter den Ansar waren der Stamm der Banu Nadschdschār und der Stamm der Chazradsch darin, dem Ruf des Islam früh zu folgen, nahezu gleichauf. Doch all ihre Ehre, ihr Ansehen und ihre Vornehmheit in dieser Hinsicht verdanken sie zwei ihrer Männer. Diese beiden großen Männer waren Muadh ibn Afra’ und Rafi’ ibn Malik ibn Ajlan.
Der edle Gesandte Allahs rief in Mekka weiterhin zum Islam auf. Besonders während der Hadsch-Saison wandte er sich persönlich an die Menschen, die aus verschiedenen Gegenden Arabiens kamen, und lud sie zum Islam ein. In einer solchen Phase des prophetischen Lebens des Gesandten Allahs in Mekka kamen sechs Männer aus dem Stamm Chazradsch in Medina nach Mekka, um die Umra zu vollziehen. Zu dieser sechsköpfigen Gruppe gehörten auch Muʿadh und Rafiʿ. Als der Gesandte Allahs von ihrer Anwesenheit in Mekka erfuhr, trug er ihnen die Botschaft des Islam vor. Sie hörten aufmerksam und ruhig den Worten des Gesandten Allahs zu. Danach waren Muʿadh und Rafiʿ die Ersten unter ihnen, die dem Gesandten Allahs den Baiʿa genannten Treueeid leisteten und Muslime wurden.
In den Tabaqat des Ibn Saʿd wird berichtet, dass damals nur Muʿadh und Rafiʿ aus Medina nach Mekka gekommen waren. Als sie Mekka erreichten, hörten sie von dem Auftreten des Gesandten Allahs. Schließlich trafen sie den Gesandten Allahs, hörten ihm zu und nahmen den Islam an. Nach der Überlieferung von Saʿd ibn ʿAbd al-Hamid war Rafiʿ von den beiden der Erste, der dem Gesandten Allahs den Baiʿa leistete. Er sagt außerdem, dass Rafiʿ im Stamm Chazradsch der Erste war, der den Islam annahm. Al-Baladhuri sagt: Rafiʿ war unter den Ansar der Erste, der den Islam annahm.
Nach der Annahme des Islam kehrte er nach Medina zurück und widmete sich mit großem Eifer der Verbreitung des Islam. Ibn al-Athir sagt:
„Als sie nach Medina zurückkehrten und unter ihrem eigenen Volk mit der Verbreitung des Islam begannen, breitete sich der Islam unter der gesamten Gemeinschaft der Ansar aus. Es gab dort kein Haus, in dem nicht über den Gesandten Allahs gesprochen wurde.“ Im darauffolgenden Jahr reiste Rafiʿ mit zwölf Männern und im Jahr danach mit siebzig beziehungsweise fünfundsiebzig Männern zweimal nacheinander nach Mekka. Sie nahmen an den historischen Baiʿa von al-ʿAqaba teil und leisteten dem Gesandten Allahs den Baiʿa. Bei der letzten Baiʿa wurde er zum Naqib, also zum Verantwortlichen, der Banu Zuraiq ernannt.
Einer Überlieferung zufolge schickten die Menschen in Medina, nachdem einige von ihnen den Islam angenommen hatten, einmütig Muʿadh und Rafiʿ nach Mekka. Sie sollten den Gesandten Allahs darum bitten, ebenso wie er nach Medina einen Missionar zu schicken, der dort den Qurʾan lehren würde. Auf ihre Bitte hin schickte der Gesandte Allahs Musʿab ibn ʿUmair nach Medina.
Nachdem der Gesandte Allahs nach Medina ausgewandert war, begründete er zwischen Rafiʿ und Saʿid ibn Zaid ibn ʿAmr ibn Nufail eine religiöse Bruderschaft.
Rafiʿs islamisches Leben dauerte nur sehr kurz. In dieser kurzen Zeit fanden lediglich zwei Schlachten statt: Badr und Uhud. Unter den Sira-Gelehrten besteht Uneinigkeit darüber, ob er an Badr teilnahm. Ibn Ishaq zählt ihn nicht zu den Gefährten von Badr. Musa ibn ʿUqba überlieferte von Imam Ibn Schihab az-Zuhri, dass Rafiʿ an Badr teilgenommen habe. Die zuverlässigste Information hierzu ist jedoch Rafiʿs eigene Aussage, die Imam al-Buchari überliefert hat. Rafiʿ sagte: „Ich wäre nicht froh darüber, an Badr statt an al-ʿAqaba teilzunehmen.“ Obwohl er mit dieser Aussage die größere Bedeutung von al-ʿAqaba gegenüber Badr hervorheben wollte, lässt sich daraus auch schließen, dass er nicht an Badr teilgenommen hat. Der Historiker al-Baladhuri sagt: Als der Gesandte Allahs von Medina nach Badr aufbrach, dachte Rafiʿ wie viele andere Menschen in Medina, dass der Gesandte Allahs nicht in den Krieg zog. Deshalb begleiteten sie den Gesandten Allahs nicht.
Rafiʿ nahm im dritten Jahr nach der Hidschra an der Schlacht von Uhud teil. Dies war die erste und zugleich letzte Schlacht seines islamischen Lebens. In dieser Schlacht erlitt er den Märtyrertod.
Rāfiʿ (r.a.) leistete während der kurzen Zeit seines islamischen Lebens verschiedene Dienste für die Religion. Er war ein aufrichtiger Muballigh (Verkünder). In jener frühen Phase leistete er einen bedeutenden Beitrag zur Verbreitung des Islam in Medina. Nach seinem Übertritt zum Islam war seine einzige Sorge und sein einziges Anliegen, wie der Islam in ganz Medina verbreitet werden konnte. Daher reiste er jedes Jahr von Medina nach Mekka, traf sich heimlich in al-ʿAqaba mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) und kehrte mit den notwendigen Anweisungen und der Rechtleitung nach Medina zurück. Bei der letzten Baiʿa von al-ʿAqaba erfüllte er die ihm übertragene große Verantwortung als einer der zwölf von dem Gesandten Allahs (s.a.w.) ausgewählten Naqībs in vorbildlicher Weise.
Es wird überliefert, dass Rāfiʿ als Erster die Sura Yūsuf nach Medina brachte. Noch bevor in den übrigen Moscheen Medinas der Qurʾan rezitiert wurde, wurde er in der Moschee der Banū Zuraiq als Erster vorgetragen. Dieser Rezitator war er. Den Teil des Qurʾan, der zum Zeitpunkt seiner Baiʿa beim Gesandten Allahs (s.a.w.) in Mekka auf ihn herabgesandt worden war, schrieb er nieder, nahm ihn mit nach Medina und trug ihn dort allen Angehörigen seiner Sippe vor, die er zu diesem Zweck versammelt hatte.
Es wird auch berichtet, dass er nach seinem Übertritt zum Islam in Mekka blieb. Nach der Offenbarung der Sura Ṭāhā schrieb er sie nieder und brachte sie nach Medina. Kurz gesagt, er leistete noch viele weitere Dienste dieser Art.
Al-Ḥākim nahm in seinem Werk al-Mustadrak einen Hadith von Rāfiʿ ibn Mālik auf. Der Überlieferer dieses Hadiths war sein Enkel Muʿādh ibn Rifāʿa ibn Rāfiʿ.
Quellen:
Zaid ibn Dathina (r.a.)
Der Name des Vaters von Zaid (r.a.) war Dathina ibn Muʿāwiya. Er stammte aus dem Zweig Banū Bayyāḍa des medinensischen Stammes Chazradsch. Darüber, wann genau er den Islam annahm, sind kaum Informationen überliefert. Aus den übrigen Ereignissen seines Lebens lässt sich jedoch schließen, dass er bereits in der frühen Phase der islamischen Daʿwa in Medina den Islam annahm. Denn er nahm an den Schlachten von Badr und Uhud an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.) teil und hatte nach seinem Übertritt zum Islam nicht mehr lange Gelegenheit, dieses irdische Leben zu genießen. Während er auf Anweisung des Gesandten Allahs (s.a.w.) mit der Daʿwa und der Verkündigung der Religion beschäftigt war, wurde er auf äußerst grausame Weise getötet.
Nach der Schlacht von Uhud kamen nach Ibn Isḥāqs Bericht einige Männer aus den Stämmen ʿAdal und Qāra zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und baten ihn: „Schickt uns einige Männer, die uns den Qurʾan und die Scharia lehren und uns darin unterweisen können; dort hat sich der Islam bereits ausgebreitet.“ Als Antwort auf ihre Bitte befahl der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) insgesamt sechs Männern, darunter Khubayb ibn ʿAdī und Zaid ibn Dathina, dorthin zu gehen. Sie brachen von Medina auf. Unterwegs wurden sie am Wasserbecken von ar-Radschīʿ im Gebiet des Stammes Hudhail von Götzendienern angegriffen. Khubayb und Zaid (r.a.) wurden von ihnen gefangen genommen, während die übrigen den Märtyrertod erlitten. Die beiden wurden mit gefesselten Händen nach Mekka gebracht und im Austausch gegen zwei Gefangene des Stammes Hudhail den Quraisch übergeben. Safwān ibn Umayya war überglücklich, als er Zaid ibn Dathina erhielt, denn er hoffte, durch ihn die Tötung seines Vaters Umayya ibn Khalaf, der von Muslimen getötet worden war, rächen zu können.
Nach langem Überlegen und Beraten beschlossen die Götzendiener von Mekka, Zaid an einem Ort namens Tanʿīm zu töten. Safwān hatte einen Sklaven namens Nistās. Safwān befahl ihm, die beiden zur Hinrichtungsstätte zu bringen. Als sie dort ankamen, sahen sie sich einer erstaunlichen Prüfung gegenüber. Abū Sufyān wandte sich an Zaid und sagte: „Zaid, ich beschwöre dich bei Allah: Sag die Wahrheit. Wenn man an deiner Stelle Muhammad herbeibrächte, ihn tötete und du sicher zu deiner Familie zurückkehren könntest – würdest du das vorziehen?“ Zaid antwortete ruhig und gefasst: „Dass Muhammad auch nur von einem Dorn gestochen würde, während ich sicher unter meiner Familie bliebe – das würde ich keineswegs vorziehen.“
Als Abū Sufyān diese Antwort hörte, war er völlig verblüfft. Unwillkürlich entfuhr es ihm: „Kein Freund auf der Welt liebt seinen Freund so sehr, wie Muhammads Gefährten ihn lieben.“ Danach tötete Nistās ihn auf ihren Befehl. Dies war ein erschütterndes Ereignis aus dem dritten beziehungsweise, nach anderer Auffassung, dem vierten Jahr der Hidschra. In einigen Überlieferungen wird erwähnt, dass Zaid beim Ereignis von Biʾr Maʿūna gefangen genommen und als Märtyrer getötet wurde. Im Kapitel „Der Feldzug von ar-Radschī und Biʾr Maʿūna“ seines Ṣaḥīḥ überliefert Imam al-Buchārī über Ibn Isḥāq, dass dies nach der Schlacht von Uhud geschah. Aus seiner Überlieferung geht außerdem hervor, dass ar-Radschī und Biʾr Maʿūna zwei völlig verschiedene Ereignisse waren. Beim Ereignis von ar-Radschī wurde Zaid zusammen mit Chubaib in Mekka getötet.
Mūsā ibn ʿUqba berichtet in seinem Werk über die Feldzüge, dass Chubaib und Zaid am selben Tag getötet wurden. Und an jenem Tag hörte man den Gesandten in Medina sagen: „Wa ʿalaikumā au wa ʿalaikas-salām.“
ʿUrwa und Mūsā ibn ʿUqba sagen: Bevor die Quraisch Zaid aufhängten, durchbohrten sie seinen Körper mit Pfeilen, um die Festigkeit seines Glaubens zu prüfen. Dadurch nahmen sein Glaube und sein Wunsch nach völliger Hingabe jedoch nur noch zu.
Ibn Isḥāq überliefert auf dem Weg über Ibn ʿAbbās: Als die Helden von ar-Radschī auf so hilflose Weise getötet worden waren, sagten die Heuchler von Medina: „Wir bedauern diese Unglückseligen, die auf so hilflose Weise zugrunde gingen. Sie blieben weder bei ihren Familien zurück, noch konnten sie die ihnen von ihrem Freund anvertraute Aufgabe erfüllen.“ Daraufhin offenbarte Allah der Erhabene den Vers 204 der Sure al-Baqara: „Und unter den Menschen gibt es manchen, dessen Gerede über das diesseitige Leben dir gefällt und der Allah zum Zeugen nimmt für das, was in seinem Herzen ist. Doch er ist der erbittertste Streitende.“
Über die Märtyrer von ar-Radschī offenbarte Allah, der Erhabene, den Vers 207 der Sure al-Baqara:
„Und unter den Menschen gibt es manchen, der sich im Streben nach Allahs Wohlgefallen selbst hingibt. Und Allah ist wahrlich überaus gütig zu Seinen Dienern.“
Quellen:
Qais ibn Saʿd ibn ʿUbāda (möge Allah mit ihm zufrieden sein)
In den historischen Quellen finden sich mehrere Beinamen von Qais (möge Allah mit ihm zufrieden sein), darunter Abū al-Fadl, Abū ʿAbdillah und Abū ʿAbd al-Malik. Ibn Hibban erwähnt auch den Namen Abū al-Qasim. Er war ein angesehenes Mitglied des Zweigs Saʿida des berühmten medinensischen Stammes der Chazradsch. Der ansarische Gefährte, berühmte Führer des Stammes der Chazradsch und herausragende Gefährte Saʿd ibn ʿUbāda war sein Vater, und Fukaiha bint ʿUbaid ibn Dulaim seine Mutter. Seine Eltern waren miteinander Cousin und Cousine. Seine Vorfahren waren berühmte Wohltäter und bedeutende Führer von Medina. Qais nahm den Islam an, noch bevor der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina auswanderte.
Qais (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm an allen Schlachten und Feldzügen mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) teil. Imam Zuhri sagt, dass er zu den Fahnenträgern des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehörte. Im achten Jahr nach der Hidschra nahm er am Feldzug von Dschaisch al-Chabat teil. Dieser Feldzug war für die Muslime eine gewaltige Prüfung. Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrah rückte mit einem Heer von 300 Mann, zu dem auch Abū Bakr und ʿUmar gehörten, in Richtung Küste vor. Dort blieben sie 15 Tage. Die mitgeführten Lebensmittel gingen zur Neige. Das gesamte Heer war mit einer schweren Nahrungskrise konfrontiert. Vor Hunger begannen die Soldaten, die welken Blätter von den Bäumen zu essen. „Chabat“ bedeutet welke Blätter. Weil die Soldaten dieses Heeres Baumblätter gegessen hatten, wurde es in der Geschichte als „Dschaisch al-Chabat“, also als das Heer der welken Blätter, bekannt. In dieser schweren Zeit lieh Qais jeweils drei Kamele aus und schlachtete sie. Insgesamt lieh er sich dreimal drei, also neun Kamele, schlachtete sie und sorgte damit für genügend Nahrung, damit das gesamte Heer überleben konnte. Als dadurch immer mehr Schulden entstanden, bat der Befehlshaber Abū ʿUbaida (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihn, von einem solchen Verhalten abzulassen. Einer Überlieferung zufolge waren Abū Bakr und ʿUmar (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) auf dem Rückweg vom Feldzug von Dschaisch al-Chabat beunruhigt, als sie sahen, wie unbekümmert er Kamele schlachtete. Sie sagten zueinander: Wenn man diesen jungen Mann nicht davon abhält, wird er das gesamte Vermögen seines Vaters aufbrauchen. Daraufhin überzeugten sie die anderen Mitglieder des Heeres, sich auf ihre Seite zu stellen, und hielten Qais davon ab, weitere Kamele zu schlachten. Als die Leute nach der Rückkehr vom Feldzug dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von diesem Verhalten berichteten, sagte er: „Großzügigkeit ist gewiss eine Eigenschaft dieses Hauses.“
Auf dem Feldzug zur Eroberung Mekkas war er der Reisegefährte des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Beim Einzug in Mekka befand sich das Banner der Ansar zunächst in der Hand von Saʿd ibn ʿUbāda. Später nahm der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) es aus dessen Hand und übergab es Qais. Neben seiner Aufgabe als Fahnenträger in verschiedenen Schlachten wurde er zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu einer bedeutenden Persönlichkeit des Kalifats. Zu denjenigen, denen damals die Verantwortung für Verwaltung und Ordnung übertragen wurde, gehörte auch Qais.
Der Gefährte Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Qais genoss im Kreis des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine Stellung wie der oberste Polizeibefehlshaber am Hof eines Herrschers.
Auch am Hof von ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) genoss er eine besondere Stellung. Ibn Yunus sagt: Er nahm an der Eroberung Ägyptens teil und ließ sich dort ein Haus bauen. Danach ernannte ihn ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Statthalter von Ägypten. Obwohl der ehrenwerte Muʿawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sich auf verschiedene Weise gegen ihn stellte, gelang es ihm nicht, in Ägypten Unruhen und Unfrieden zu stiften. Schließlich gelang es ihm, die Bewohner von Kufa aufzuwiegeln und ʿAli dazu zu bringen, Qais abzusetzen. An seiner Stelle ernannte ʿAli Muhammad ibn Abī Bakr zum Statthalter. Ibn Sirin sagt hierzu: ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ernannte Qais ibn Saʿd im Jahr 36 nach der Hidschra zum Statthalter von Ägypten und setzte ihn im Jahr 37 ab. Der Grund war, dass die Freunde ʿAlis ihn davon überzeugten, Qais habe ein geheimes Bündnis mit Muʿawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) geschlossen. Als Qais abgesetzt und Muhammad ibn Abī Bakr an seiner Stelle ernannt wurde, erkannte ʿAli, dass man ihn in die Irre geführt hatte. Dennoch blieb das gute Verhältnis zwischen ihm und Qais bestehen, und ʿAli beriet sich in allen Angelegenheiten mit ihm. Für Muhammad ibn Abī Bakr wurde es unmöglich, Ägypten zu regieren. Die gegen ihn gerichteten Machenschaften des Befehlshabers Muʿawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und von ʿAmr ibn al-ʿĀs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) setzten eine Welle der Unruhe in Gang. In der Folge zerriss sie das Band des Kalifats.
Qais (möge Allah mit ihm zufrieden sein) kam von Ägypten direkt nach Medina. Marwan befand sich zu jener Zeit in Medina. Als dieser Qais bedrohte, verließ Qais Medina und ging nach Kufa, wo er fortan bei ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) lebte.
Er nahm an allen Schlachten an der Seite von ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) teil. In den Tagen der Schlacht von Siffin stand er an der Spitze des Heeres von ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Während dieser Schlachttage trug er ein Gedicht vor. Zwei seiner Verse lauten wie folgt:
Das Banner, das wir mit dem Propheten getragen haben.
Damals war Gabriel unser Helfer.
Wir sind das Volk, das, wenn es kämpft,
seine Arme so lange ausstreckt, bis das Land erobert ist,
wobei seine das Schwert führenden Hände ausgestreckt bleiben.
Zuvor hatte er auch an der Kamelschlacht teilgenommen. An der Schlacht von Nahrawan nahm er gemeinsam mit allen Angehörigen seines Stammes teil. Zu Beginn dieser Schlacht sandte Hazrat Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Abu Ayyub al-Ansari und Qais (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) gemäß der üblichen Vorgehensweise zu den Charidschiten, um sie zum Frieden und zu einem Leben in Wohlstand aufzurufen. Sie führten ein Gespräch mit dem Charidschiten Abdullah ibn Sanjar. Dieser sagte: „Alis Gehorsam und seine Befolgung gefallen uns nicht. Wenn es jemand wie Umar ibn al-Khattab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wäre, wären wir bereit, ihn als Kalifen anzuerkennen.“ Qais (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erwiderte: „Unter uns befindet sich Ali ibn Abi Talib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). Nennt jemanden unter euch, der ihm ebenbürtig ist.“ Er sagte: „Nein, unter uns gibt es niemanden von diesem Rang.“ Qais sagte: „Dann solltet ihr euch in Acht nehmen. Unfrieden und Unordnung haben in euren Herzen Wurzeln geschlagen.“
Hazrat Qais (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) war unter allen Umständen ein vertrauenswürdiger Freund Alis (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). Im Jahre 40 nach der Hidschra erlitt Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Märtyrertod. Die Verantwortung für das Kalifat wurde Imam Hasan (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) übertragen. Hazrat Qais (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) bekundete Imam Hasan seine Unterstützung. Unterdessen entsandte Hazrat Muawiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), nachdem er vom Märtyrertod Alis (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erfahren hatte, ein Heer. Hazrat Qais (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) gelangte mit einem Heer von fünftausend Soldaten, deren Köpfe allesamt geschoren waren und die den Eid geleistet hatten, bis zum Tod zu kämpfen, nach Anbar, um Muawiyas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) syrische Truppen abzuwehren. Das Heer des Fürsten Muawiya belagerte Anbar. Inzwischen kam es zwischen Imam Hasan (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Muawiya zu einem Friedensschluss. Imam Hasan (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) übergab die Stadt Anbar dem Heer Muawiyas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und schrieb Qais (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), er solle zu ihm nach Mada’in kommen.
Als Hazrat Qais den Brief des Imams erhielt, wurde er äußerst zornig. Er versammelte alle Mitglieder seines Heeres und hielt eine flammende Ansprache. In seiner Ansprache sagte er: „Was wollt ihr? Wenn ihr wollt, werde ich mit euch bis zu meinem Tod kämpfen. Wenn ihr aber wollt, kann ich von Fürst Muawiya für euch eine Zusicherung von Aman oder Sicherheit erwirken.“ Die Soldaten sagten: „Erwirken Sie für uns eine Sicherheitszusage.“ Das tat er und zog mit seinen Kampfgefährten nach Mada’in.
Hazrat Qays (Allah sei ihm gnädig) brach von Mada’in nach Medina auf. Auf dem Weg schlachtete er bis zu seiner Ankunft in Medina jeden Tag ein Kamel von sich für seine Gefährten. In Medina zog er sich vollständig zurück und widmete sich bis zu seinem Lebensende mit ungeteilter Hingabe dem Gedenken Allahs und dem Gottesdienst.
Nach Ansicht des Kalifen Ibn Chayyat, Waqidis und vieler anderer starb Hazrat Qays im Jahre 60 nach der Hidschra gegen Ende der Kalifenzeit von Hazrat Mu’awiya (Allah sei ihm gnädig) in Medina. Nach Ibn Hibban zog er sich aus Furcht vor Mu’awiya aus Medina zurück, floh an einen anderen Ort und starb im Jahre 85 nach der Hidschra während der Regierungszeit des Kalifen Abd al-Malik. Ibn Hadschar al-Asqalani zufolge ist die zuerst genannte Ansicht am zutreffendsten.
Vor seinem Tod war er einige Tage lang krank. Viele Einwohner Medinas waren bei ihm finanziell verschuldet. Deshalb schämten sich die Schuldner, ihn zu besuchen. Als er dies bemerkte, erklärte er: „Ich erlasse alle meine Forderungen.“ Sobald sich diese Erklärung verbreitete, setzte ein Strom von Menschen ein, die ihn wenigstens einmal sehen wollten. Aufgrund des gewaltigen Andrangs stürzte schließlich die Treppe seines Hauses ein.
Einer der Söhne von Hazrat Qays (Allah sei ihm gnädig) hieß Amir. Er überlieferte Hadithe von seinem Vater Qays. Hazrat Qays war von kräftiger Statur und hochgewachsen. Amr ibn Dinar sagte: „Er hatte einen gewaltigen Körper und einen kleinen Kopf.“ Er war so groß, dass seine Füße beim Reiten auf einem Esel den Boden berührten. In seinem Gesicht wuchs niemals ein Bart. Die Ansar scherzten: „Wir möchten für Qays auf eigene Kosten etwas Wolle kaufen.“
Er gehörte zu den gelehrten Gefährten. Das Hauptziel seines Lebens war die Verbreitung und Förderung der Hadithe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Zu keinem Zeitpunkt seines Lebens wich er von diesem Ziel ab. Selbst während seiner Amtszeit als Statthalter von Ägypten stand er auf der Minbar der dortigen Moschee und überlieferte Hadithe. In den Hadithwerken wird berichtet, dass er von seinem Vater Sa’d ibn Ubada, von Abdallah ibn Hanzala und anderen überlieferte. Letzterer war jünger als Qays. Insgesamt überlieferte er 16 Hadithe. Dies sagte der Gelehrte az-Zirikli.
Viele Menschen hörten Hadithe von Hazrat Qays und überlieferten Hadithe mit seiner Überlieferungskette. Hier seien einige seiner berühmten Schüler genannt: Anas ibn Malik, Tha’laba ibn Abi Malik, Abu Maisara, Abd ar-Rahman ibn Abi Layla, Abu Ammar adh-Dhahabi, Ghurayb ibn Humayd al-Hamadani, asch-Scha’bi, Amr ibn Schurahbil, Urwa ibn az-Zubayr, Maymun ibn Abi Schaib, Muhammad ibn Abd ar-Rahman und Abu Tamim al-Dschayschani.
Hazrat Qays war ein äußerst nachdenklicher Mensch. Wenn er über eine Angelegenheit zu entscheiden hatte, tat er dies erst nach gründlicher Überlegung. Auch hinsichtlich der islamischen Vorschriften zeigte sich in ihm ein klares Zeichen unabhängigen Denkens. So fragte ihn einmal jemand nach der Sadaqat al-Fitr. Er sagte: „Vor der Verpflichtung der Zakat ordnete der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Sadaqat al-Fitr an. Nachdem die Zakat verpflichtend geworden war, ordnete er die Sadaqat al-Fitr jedoch weder erneut an noch verbot er sie. Aufgrund der früheren Anordnung entrichten wir sie noch heute.“ Der Charakter und die persönlichen Eigenschaften des ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatten ihn tief geprägt. Der Dienst am Gesandten Allahs, seine Abneigung gegen weltlichen Genuss und Luxus, Gottesfurcht, Freigebigkeit, Nachdenken und Besinnung, Tapferkeit und Mut, Großzügigkeit sowie seine Liebe zu allen Menschen ohne Unterschied waren besondere Schönheiten seines Charakters.
Dem ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dienen und die Gelegenheit dazu erhalten zu dürfen, war ein Glück für diese und die nächste Welt. Alle Gefährten bemühten sich mit ganzer Kraft darum, dieses Glück zu erlangen. Auch Hazrat Qays (Allah sei ihm gnädig) gehörte zu denen, denen diese Ehre und dieses Glück zuteilwurden. Im Musnad des Imam Ahmad wird überliefert:
„Sein Vater stellte ihn in den Dienst des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Imam al-Buchari überlieferte in seinem Werk at-Tarich über Marjam ibn Asʿad. Dieser sagte: Ich sah Qais ibn Saʿd. Er diente dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zehn Jahre lang.
Er hegte eine grenzenlose Verehrung und Hochachtung für den edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Eines Tages ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Haus von Saʿd ibn ʿUbada. Als es Zeit war zurückzukehren, ließ Saʿd einen seiner Esel holen und legte eine Decke auf dessen Rücken. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, saß auf dem Esel, während Qais neben ihm herging. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, forderte ihn auf, hinter ihm aufzusteigen und sich zu setzen. Doch Qais zeigte sich zögerlich. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: Entweder steigst du auf meinen Reittiere und setzt dich hinter mich, oder du gehst zurück. Qais hielt es für einen Verstoß gegen den Anstand, neben dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu sitzen. Deshalb kehrte er um.
Freigebigkeit und Großzügigkeit waren ein leuchtender Zug seines Charakters. Die Gelehrten der Hadith- und Biographiewissenschaft bekannten freimütig die Weite seines Herzens. Ibn al-Athir sagt:
„Er war einer der gelehrtesten und angesehensten Gefährten sowie einer der klügsten und großzügigsten Männer Arabiens.“ Diese Großzügigkeit und Freigebigkeit lag ganz in seiner Natur. Doch der große Einfluss, den die Umwelt und die Beschaffenheit des Landes sowie die Wesenszüge seiner Eltern und seines Stammes auf die Herausbildung dieses Charakters hatten, ist unbestreitbar.“ Als er nach dem Feldzug von Dschaisch al-Chabat nach Medina zurückkehrte und seinem Vater vom Hunger und Nahrungsmangel der Soldaten berichtete, sagte sein Vater zu ihm: Du hättest Kamele schlachten und sie speisen können. Er erwiderte: Genau das tue ich ja. Als er vom Nahrungsmangel in der zweiten Phase berichtete, sagte sein Vater dasselbe, und der Sohn gab dieselbe Antwort. Als er auf diese Weise vom Hunger in der dritten Phase berichtete, sagte sein Vater erneut dasselbe zu ihm. Da sagte er vorwurfsvoll: Genau das wollte ich tun, doch man hat mich daran gehindert. Von Dschabir wird überliefert, dass er in diesem Feldzug insgesamt neun Kamele schlachtete. Als Saʿd ibn ʿUbada, Allah möge mit ihm zufrieden sein, die Bemerkung von Abu Bakr und Umar, Allah möge mit ihnen zufrieden sein, über Qais’ Schlachtung der Kamele im Feldzug von Dschaisch al-Chabat zu Ohren kam, eilte er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stellte sich hinter ihn und sagte: Geben Sie Ihnen bitte Antwort, warum Ibn Abu Quhafa und Ibn al-Chattab – Abu Bakr und Umar – meinen Sohn zu einem Geizhals machen wollten.
Von einem Vater, der eine solche Quelle der Großzügigkeit war, lässt sich leicht ermessen, wie freigebig sein Sohn sein konnte. Der Verfasser von Usud al-Ghaba sagt: Über seine Großzügigkeit sind zahlreiche Geschichten verbreitet. Ich erwähne sie nicht, um es nicht zu lang werden zu lassen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Großzügigkeit ist eine Eigenschaft dieses Hauses. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Er ist der Sohn einer großzügigen Familie.
Ad-Daraqutni überlieferte von Yahya ibn Abd al-Aziz: Saʿd ibn ʿUbada und sein Sohn Qais zogen abwechselnd jedes zweite Jahr in den Krieg. Einmal zog Saʿd in den Krieg, während Qais zu Hause blieb. Saʿd erhielt vom Kriegsschauplatz die Nachricht, dass in Medina viele Gäste beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eingetroffen waren. Er sagte zu seinen Gefährten: Wenn Qais tatsächlich mein Sohn ist, wird er meinem Diener Nistas sagen: Zeig mir die Erlaubnis deines Vaters. Dann wird Qais ihm einen Schlag auf die Nase geben, ihm den Schlüssel entreißen und die Dinge herausnehmen, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, benötigt. Der Überlieferer sagt, dass es tatsächlich so geschah. Damals brachte Qais dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Lebensmittel im Umfang von hundert Wasq. Es ist nicht unangebracht, hier noch eine weitere Begebenheit von der Großzügigkeit des Qais zu erwähnen. Ein Mann namens Qusair ibn Salt war dem Fürsten Muʿawiya, Allah möge mit ihm zufrieden sein, Geld schuldig. Fürst Muʿawiya, Allah möge mit ihm zufrieden sein, schrieb an Marwan: Kaufe Qusairs Haus. Wenn er es nicht verkaufen will, fordere meine Forderung von ihm ein. Wenn er bezahlt, ist es gut; andernfalls verkaufe sein Haus. Marwan ließ Qusair rufen, teilte ihm die Angelegenheit mit und gewährte ihm drei Tage. Qusair wollte sein Haus nicht verkaufen. Er dachte daran, die Schuld zu begleichen. Doch es fehlten ihm dreißigtausend. Da erinnerte er sich an dieses Geld und ging zu Qais, um sich dreißigtausend zu leihen. Qais lieh ihm das Geld. Als Qusair mit dem Geld zu Marwan kam und ihm alles berichtete, empfand dieser Mitleid. Er gab ihm sowohl das Haus als auch das Geld zurück. Qusair ging von dort zu Qais und gab ihm die dreißigtausend zurück. Doch Qais sagte: Was ich jemandem einmal gebe, nehme ich nicht zurück, und weigerte sich, das Geldbündel anzunehmen. Einmal kam ein alter Mann zu Qais, Allah möge mit ihm zufrieden sein, und berichtete ihm von seiner äußersten Armut und Not: In meinem Haus gibt es jetzt keinerlei Nahrung. Qais sagte: Gehen Sie nach Hause. Schon jetzt werden Sie in Ihrem Haus nur noch Lebensmittel vorfinden. Danach befahl er, das Haus des alten Mannes mit Lebensmitteln wie Öl, Mehl, Butterschmalz, Fleisch und Datteln zu füllen. Dschuwairiya ibn Asma sagt: Qais pflegte ihnen Darlehen zu geben und sie zu bewirten.
Sein Vater, Saʿd, Allah möge mit ihm zufrieden sein, besaß ein gewaltiges Vermögen. Als Saʿd, Allah möge mit ihm zufrieden sein, nach Syrien aufbrach, verteilte er seinen gesamten Besitz unter seinen Söhnen und Töchtern. Nach seinem Tod wurde ihm noch ein weiterer Sohn geboren. Für ihn war kein Anteil festgelegt worden. Abu Bakr und Umar, Allah möge mit ihnen zufrieden sein, rieten Qais, die von seinem Vater vorgenommene Verteilung aufzuheben und den gesamten Besitz neu zu verteilen. Qais sagte: Es bleibt so, wie mein Vater es verteilt hat. Meinen Anteil jedoch gebe ich ihm.
Qais, Allah möge mit ihm zufrieden sein, pflegte Allah um großen Reichtum zu bitten. Er war überzeugt, dass man Vermögen benötigt, um Gutes zu tun. Ohne Vermögen ist nichts möglich. Deshalb pflegte er oft zu beten: „O Allah, schenke mir Vermögen, denn ohne Vermögen ist keine Tat möglich.“
Bei der richtigen Entscheidungsfindung und in politischen Intrigen und Taktiken war er einer der herausragendsten Männer Arabiens seiner Zeit. Ibn Schihab sagte: In Zeiten von Unruhen und Chaos waren in ganz Arabien fünf Männer für ihre Intrigen und taktischen Fähigkeiten bekannt. Es waren Muʿawiya, ʿAmr ibn al-ʿĀs, Qays, al-Mughira und ʿAbdullah ibn Budayl. Unter ihnen standen Qays und Budayl auf der Seite Alis (r.a.).
Seine Klugheit und sein Scharfsinn waren so ausgeprägt, dass er, solange er Statthalter von Ägypten war, dort keine der Verschwörungen und Intrigen von Emir Muʿawiya und ʿAmr ibn al-ʿĀs (r.a.) erfolgreich werden ließ. Er sagte: „Wenn der Islam nicht gekommen wäre, hätte ich so viel Täuschung betrieben, dass ich ganz Arabien handlungsunfähig gemacht hätte.“ In einer anderen Überlieferung heißt es: „Der Betrüger und Täuscher kommt in die Hölle.“ Wenn ich diese Aussage des Gesandten Allahs (s.a.w.) nicht gehört hätte, wäre ich der größte Täuscher dieser Umma gewesen. Imam az-Zuhri sagte, er sei einer der gerissensten Männer Arabiens gewesen. Seine Zeitgenossen sagten, dass er auf dem Schlachtfeld ein unfehlbarer Entscheider, ein unfehlbarer Taktiker sowie ein mutiger und besonnener Kämpfer gewesen sei.
Als zur Zeit des Märtyrertodes von Uthman (r.a.) rings um das Kalifat äußerstes Chaos und große Unruhe herrschten, kam Habib Maslama eines Tages zu Pferd zu ihm und sagte zu ihm: „Steigen Sie auf dieses Pferd.“ Dabei rückte er von seinem eigenen Sitz etwas ab, um ihm vorne einen Platz zu machen. Qays lehnte es ab, vorne zu sitzen, und sagte: „Der Gesandte (s.a.w.) hat gesagt, dass der Besitzer vorne auf dem Reittier sitzen soll.“ Dann sagte er: „Das weiß auch ich. Doch wenn ich Sie hinter mir sitzen lasse, kann ich nicht beruhigt sein.“
Qays (r.a.) war ein großzügiger und unvoreingenommener Mann. Dies zeigte sich in verschiedenen Handlungen seines Lebens. Einmal saß er in Qadisiyya mit Sahl ibn Hunayf zusammen. Da sah er, wie vor ihnen ein Leichnam vorbeigetragen wurde. Gemäß der muslimischen Sitte erhob er sich sofort aus Achtung vor dem Verstorbenen. Die Leute sagten: „Sie sind umsonst aufgestanden. Der Verstorbene war doch ein Schutzbefohlener.“ Qays (r.a.) sagte: „Auch der Gesandte (s.a.w.) war beim Anblick des Leichnams dieses Juden aufgestanden.“ Als man ihm sagte, der Verstorbene sei ein Jude, erwiderte er: „Das macht nichts. Auch er ist ein Lebewesen.“
Qays (r.a.) war ein Diener des Gesandten Allahs (s.a.w.). Der Gesandte (r.a.) liebte und umsorgte ihn sehr. In seiner liebevollen Art lehrte er ihn vieles. Qays berichtet: Eines Tages hatte ich gerade zwei Rakʿa Gebet beendet. Als der Gesandte (s.a.w.) an mir vorbeiging, berührte er mich leicht mit seinem Fuß und sagte: „Soll ich dir nicht einen Zugang zum Paradies nennen?“ Ich sagte: „Ja, bitte.“ Er sagte: „Lā ḥawla wa-lā quwwata illā billāh.“
Der ehrwürdige Gesandte (s.a.w.) richtete mehrfach Bittgebete an Allah für Qays’ Vater, Saʿd ibn ʿUbada (r.a.), und dessen Nachkommen. Einmal sagte er: „O Allah! Erweise Saʿd ibn ʿUbada und seinen Angehörigen Barmherzigkeit und Gnade.“
Die Gottesfurcht und die Ehrfurcht vor Allah nahmen in Qays (r.a.) eine solche Gestalt an, dass er sich nach Hasans (r.a.) Rücktritt vom Kalifat vollständig aus der Welt zurückzog. Danach verbrachte er den größten Teil seiner Zeit mit Gottesdienst und frommer Andacht. Stets verrichtete er die verpflichtenden Gottesdienste ordnungsgemäß. Das Fasten am Tag von Aschura ist freiwillig. Vor der Verpflichtung des Ramadanfastens pflegten alle Gefährten ebenfalls zu fasten. Nachdem das Ramadanfasten verpflichtend geworden war, bestand dafür keine Verpflichtung mehr. Trotzdem hielt Qays (r.a.) stets das Fasten am Tag von Aschura ein.
Qays (r.a.) war ein Anhänger Alis (r.a.). Er betrachtete Ali (r.a.) und nach ihm Hasan (r.a.) in der Frage des Kalifats als diejenigen, die auf der Wahrheit standen. Als Hasan daher nach seinem Abkommen mit Muʿawiya (r.a.) vom Kalifat zurücktrat, war Qays zutiefst betrübt. Danach zog er sich aus der Politik zurück und lebte in Abgeschiedenheit. Dennoch scheint es nicht, dass er Muʿawiyas (r.a.) Kalifat von ganzem Herzen angenommen hätte. Seine verschiedenen Äußerungen und Handlungen belegen dies. Hier erwähne ich nur ein einziges Ereignis, das in verschiedenen maßgeblichen Werken überliefert ist.
Einmal sandte der römische Kaiser einen Gesandten zu Amir Muʿawiya mit der Bitte, ihm die Hose des längsten Mannes Arabiens zu schicken. Muʿawiya (r.a.) ließ Qais (r.a.) rufen und sagte: „Ich brauche nur eine Hose von Ihnen.“ Sofort stand Qais auf, ging in eine abgelegene Ecke, zog die Hose aus, nahm sie in die Hand und warf sie Muʿawiya zu. Muʿawiya sagte: „Sie hätten sie doch auch von zu Hause aus schicken können.“ Darauf erwiderte Hadhrat Qais (r.a.) Muʿawiyas (r.a.) Worte in Versen. Darin kamen seine heftigen Gefühle, sein Flehen und sein Unmut zum Ausdruck. In verschiedenen Büchern sind einige Zeilen dieses Gedichts überliefert. Die Bedeutung einiger dieser Zeilen lautet wie folgt:
1. Ich habe die Hose sofort geschickt, damit die Menschen wissen, dass dies die Hose des Qais ist, und damit die Gesandten des Kaisers Zeugen seien.
2. Damit sie nicht sagen können, Qais sei von der politischen Bühne verschwunden und dies sei nur eine gewöhnliche Hose.
3. Ich bin schließlich ein Anführer des jemenitischen Stammes. Und die Menschen sind nun einmal von zweierlei Art: Anführer und Gefolgsleute.
4. Menschen wie ich sind für sie furchterregend. Doch mein Wesen und mein Charakter sind unter den Menschen weit verbreitet.
Danach forderte Muʿawiya (r.a.) den größten Mann seiner Armee auf, sie anzuziehen. Als dieser die Hose an seine Nase hielt, fiel sie bis auf den Boden. Ibn al-Athir hat unter Berufung auf die Aussage von Abu ʿAmr erklärt, dass die überlieferte Geschichte von Qais’ Hose am Hof Muʿawiyas keinerlei Grundlage habe.
Quellen:
ʿAbdullah ibn ʿAmr ibn Haram (r.a.)
Sein Name war Abū Jābir ʿAbdullāh. Sein Vater war ʿAmr ibn Harām und seine Mutter ar-Rabāb bint Qais. Er stammte aus dem Zweig Banū Salima des Chazradsch-Stammes von Medina.¹ Er war der angesehene Vater des ehrwürdigen Gefährten Jābir (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), der zahlreiche Hadithe vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überlieferte. Er war ein geehrter Führer und angesehener Mann der Banū Salima. Er war ein Teilnehmer am Treueid von al-ʿAqaba, ein Badr-Kämpfer und ein Märtyrer von Uhud.² al-Balādhurī sagt: Er war ein Teilnehmer am Treueid von al-ʿAqaba, ein Badr-Kämpfer und ein Naqīb.³
In vorislamischer Zeit pflegten die Araber zur Kaaba in Mekka zu gehen, um Hadsch und Umra zu vollziehen. Im dreizehnten Jahr der Prophetenschaft reiste zur Hadsch-Saison eine große Karawane von fünfhundert Einwohnern Yathribs zu diesem Zweck nach Mekka. Bis dahin gab es in Yathrib neben denjenigen, die durch die Bemühungen Musʿab ibn ʿUmairs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) heimlich oder offen den Islam angenommen hatten, auch viele Götzendiener in dieser Karawane. Auch ʿAbdullāh gehörte zu ihren Mitgliedern. Er hatte den Islam damals noch nicht angenommen.⁴ Auf dieser Reise nahm auch sein Sohn Jābir als Muslim teil. Der ansārische Gefährte Kaʿb ibn Mālik berichtet hierzu:⁵ „Wir brachen von Yathrib zur Hadsch auf. Als wir in Mekka angekommen waren, vereinbarten wir, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in einer Nacht etwa zur Mitte der Taschrīq-Tage im Tal von al-ʿAqaba zu treffen. Wir vollendeten die Hadsch, und die festgelegte Nacht des Treffens kam. Bei uns war Abū Jābir ʿAbdullāh ibn ʿAmr. Er war ein Führer und angesehener Mann. Auch ihn hatten wir als Reisegefährten mitgenommen. Vor unseren polytheistischen Reisegefährten hielten wir unseren Plan geheim. Kurz bevor wir uns zum Treffen mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) begaben, sagten wir zu ihm: ‚Abū Jābir! Du bist einer unserer Führer und ein angesehener Mann. Wenn du in dem Glauben stirbst, den du jetzt hast, wirst du morgen im Feuer der Hölle brennen.‘ So luden wir ihn schließlich zum Islam ein und teilten ihm auch die festgesetzte Zeit unseres Treffens mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in al-ʿAqaba mit. Er nahm sofort den Islam an und nahm mit uns am Treueid von al-ʿAqaba teil. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ernannte ihn zum Naqīb, also zum Verantwortlichen, der Banū Salima.“
Al-Balādhurī sagt:⁶ Nachdem er den Islam angenommen hatte, zog er seine unreine Kleidung aus und legte zwei von al-Barāʾ ibn Maʿrūr geschenkte Tücher an. Bei diesem letzten Treueid von al-ʿAqaba erlangten Vater und Sohn die Ehre, daran teilzunehmen. ʿAbdullāh nahm am Feldzug von Badr teil. Auch an der Schlacht von Uhud im dritten Jahr nach der Hidschra nahm er teil und erlangte die unvergängliche Ehre des Märtyrertums. Dies geschah im Monat Schawwāl, zweiunddreißig Monate nach der Hidschra.⁷
In der Schlacht von Uhud war der Anführer der Heuchler, ʿAbdullāh ibn Ubayy, dagegen, aus Medina hinauszuziehen und dem Quraisch-Heer entgegenzutreten. Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beschloss, nach Uhud zu ziehen, kam er zu seinen Anhängern und sagte: „Er hört nicht auf meinen Rat, sondern auf die Worte seiner jungen Leute. Wir wissen nicht, warum wir unser Leben aufs Spiel setzen sollten.“ Mit diesen Worten kehrte er mit dreihundert Gefährten um.
Zu dieser Zeit traf ʿAbdullāh ibn ʿAmr mit einigen muslimischen Gefährten auf sie und sagte: „Möget ihr zugrunde gehen! Schämt ihr euch nicht? Kämpft, um eure Frauen und eure Heimat zu verteidigen.“ Besonders den Heuchler ʿAbdullāh ibn Ubayy tadelte und beschimpfte er heftig: „Bei Allah, ich beschwöre euch: Überlasst euer Volk und euren Propheten nicht auf diese Weise dem Feind und bringt sie nicht in Schande.“ Sie erwiderten: „Wenn wir uns auf den Kampf verstünden, würden wir mit euch ziehen.“ Darauf antwortete er: „Wenn wir uns auf den Kampf verstünden, würden wir mit euch ziehen. Wir würden euch nicht vollständig der Hand des Feindes ausliefern.“ Als sie jedoch auf keine Weise bereit waren, zum Schlachtfeld zurückzukehren, sagte er: „Möge Allah seine Feinde fernhalten. Allah allein genügt, um Seinen Propheten vor euch zu schützen.“ Aus diesem Anlass offenbarte Allah, der Erhabene, den Vers 167 der Sura Āl ʿImrān.⁸
In der Nacht vor der Schlacht von Uhud rief er seinen Sohn Jābir und sagte: „Mein Sohn, ich möchte morgen der erste Märtyrer sein. Nach dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bist du der Mensch, den ich am meisten liebe. Ich lasse dich zu Hause zurück. Behandle deine Schwestern gut und begleiche meine Schulden.“⁹
Am Tag begann ein heftiger Kampf. Der ehrwürdige ʿAbdullāh kämpfte tapfer und erlitt den Märtyrertod. Er war der erste Märtyrer dieses Tages.¹⁰ Usāma ibn ʿUnaid tötete ihn.¹¹ Al-Balādhurī nennt als seinen Mörder Sufyān ibn ʿAbd Schams as-Sulamī.¹² Die Polytheisten verstümmelten seinen Leichnam vollständig.
Jābir berichtet: Als ich die Nachricht vom Märtyrertod meines Vaters hörte, eilte ich herbei und sah, dass der Leichnam mit einem Tuch bedeckt war. Ich entfernte das Tuch von seinem Gesicht und begann, es zu küssen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sah es, verbot es mir jedoch nicht. Ich begann zu weinen. Die Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wollten es mir verbieten, doch der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) tat es nicht. Meine Tante väterlicherseits, Fātima bint ʿAmr, begann zu weinen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ob du weinst oder nicht, die Engel werden ihn mit ihren Flügeln beschatten, bis ihr ihn forttragt.“ Da fragte er: „Wer weint?“ Die Anwesenden antworteten: „Die Schwester ʿAbdullāhs.“¹³
Er wurde in Uhud beigesetzt. Die Märtyrer von Uhud wurden jeweils zu zweit oder zu dritt in einem Grab beigesetzt.14 Dschābir berichtet: Die Leichname meines Vaters und meines Onkels, die in Uhud als Märtyrer gefallen waren, wurden nach Medina gebracht. Unterwegs hörte man die Bekanntmachung des Gesandten Allahs (s.a.s.), dass die Märtyrer am Ort ihres Märtyrertodes beigesetzt werden sollten. Daraufhin wurden sie wieder nach Uhud zurückgebracht und dort beigesetzt. Mālik ibn Anas sagt: ʿAbdullāh ibn ʿAmr und ʿAmr ibn al-Dschamūh wurden in demselben Leichentuch und in demselben Grab beigesetzt.15 In einer Überlieferung al-Buchārīs wird anstelle des Onkels der Vater genannt.16 Tatsächlich war ʿAmr ibn al-Dschamūh nicht der Bruder ʿAbdullāhs, sondern sein Schwager.17 Ibn Isḥāq überliefert auf Grundlage der Aussage eines alten Mannes aus den Banū Salima: Als die Leichname in Uhud beigesetzt wurden, sagte der Gesandte (s.a.s.): „Achtet besonders auf ʿAmr ibn al-Dschamūh und ʿAbdullāh ibn ʿAmr. Die beiden waren auf der Welt aufrichtige Freunde. Bestattet sie in demselben Grab.“18
Sechs Monate nach der Beisetzung hob der ehrenwerte Dschābir den Leichnam seines Vaters aus dem Grab und bestattete ihn in einem anderen Grab. Damals war der gesamte Körper bis auf das Ohr so unversehrt, dass es schien, als sei er erst kurz zuvor beigesetzt worden.19 46 Jahre später wurde der Leichnam erneut aus dem Grab gehoben. Dschābir berichtete: Das Grab befand sich am Rand eines Wasserkanals. Einmal drang während einer Überschwemmung Wasser hinein. Das Grab wurde geöffnet. Man sah, dass ʿAbdullāhs Hand auf der Wunde lag, an der er verletzt worden war. Als man die Hand entfernte, begann die Wunde zu bluten. Als man die Hand wieder darauflegte, hörte die Blutung auf. Dschābir sagt: „Ich sah, wie mein Vater im Grab zu schlafen schien. Sein Körper hatte sich in keiner Weise verändert, weder mehr noch weniger. Dschābir wurde gefragt: Wie war sein Leichentuch? Er antwortete: Auch das Leichentuch hatte sich nicht verändert. Es war im selben Zustand. Dabei waren inzwischen 46 Jahre vergangen.“
Als Dschābir (r.a.) um Rat bat, ob man den Leichnam seines Vaters mit etwas Duftstoff einreiben solle, lehnten die Gefährten dies ab und sagten: „Tut in dieser Angelegenheit nichts Weiteres.“ Danach wurde er an einem anderen Ort beigesetzt.20
Beim Tod des ehrenwerten ʿAbdullāh (r.a.) hinterblieben außer seinem Sohn, dem ehrenwerten Dschābir (r.a.), noch neun Töchter. Sechs von ihnen waren minderjährig.21 Er hinterließ eine große Schuldenlast. In Ṣaḥīḥ al-Buchārī wird dies ausführlich berichtet. Diese Schulden beglich der ehrenwerte Dschābir (r.a.). In der Biografie des ehrenwerten Dschābir habe ich dies ausführlich behandelt.22 Dschābir berichtet: Mein Vater hinterließ viele Schulden. Nach seinem Tod kam ich zum Gesandten Allahs (s.a.s.) und sagte: „Mein Vater hat viele Schulden hinterlassen. Es gibt jedoch Datteln. Komm bitte mit, damit die Gläubiger nicht alles mitnehmen.“ Der Gesandte (s.a.s.) kam, setzte sich auf den Dattelvorrat und beglich die Forderungen der Gläubiger, indem er sie nacheinander zu sich rief. Danach waren noch ebenso viele Datteln übrig.23
Hazrat ʿAbdullāh war einer der hochgeehrten und angesehensten Gefährten. Der Einsatz und die Anstrengungen, die er zur Verbreitung des Islam im Stamm Banū Salima unternahm, sowie die Art und Weise, wie er sich auf Allahs Weg hingab, wurden vom Gesandten Allahs selbst anerkannt. Im Sunan an-Nasāʾī steht, dass der Gesandte Allahs sagte: „Möge Allah der gesamten Gemeinschaft der Ansār unseretwegen reichlich vergelten, insbesondere den Nachkommen von ʿAmr ibn Ḥarām – ʿAbdullāh und seinen Kindern – und Saʿd ibn ʿUbāda.“24 Im Jāmiʿ at-Tirmidhī steht: Einmal, nach dem Ereignis von Uhud, sah der Gesandte Allahs Dschābir bedrückt und niedergeschlagen und fragte ihn: „Was ist geschehen?“
Er antwortete: „Mein Vater ist als Märtyrer gefallen und hat viele Kinder hinterlassen. Die Sorge um sie lässt mich keinen Augenblick zur Ruhe kommen.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Höre eine frohe Botschaft: Allah spricht mit niemandem von Angesicht zu Angesicht, ohne dass ein Schleier dazwischen ist. Mit deinem Vater jedoch hat Er von Angesicht zu Angesicht gesprochen. Er sagte: ‚ʿAbdullāh ibn ʿAmr, was wünschst du?‘ Dein Vater antwortete: ‚Ich wünsche mir, auf die Erde zurückzukehren, auf deinem Weg Dschihad zu führen und erneut als Märtyrer zu fallen.‘“25 Allah sagte: „Das ist nicht möglich. Wer die Erde einmal verlassen hat, kann nicht wieder zurückkehren.“ Darauf sagte er: „Dann offenbare etwas über mich.“ Da wurde folgender Vers offenbart:
ÑHaltet diejenigen, die auf Allahs Weg ihr Leben hingeben, nicht für tot. Vielmehr sind sie bei ihrem Herrn lebendig und werden versorgt.26
Welche größere Ehre und welchen größeren Grund zum Stolz könnte es für Hazrat ʿAbdullāh (r.a.) geben, als dass wir uns auch heute, vierzehnhundert Jahre später, an ihn erinnern? Vielleicht werden die Menschen sich auch nach vielen weiteren Jahrtausenden auf diese Weise an ihn erinnern.
Quellenangaben:
ʿAbdullah ibn ʿAbdillah ibn Ubayy ibn Rasul (r.a.)
ʿAbdullah (r.a.) war ein Nachkomme des Zweigs Hubla des berühmten medinensischen Stammes Chazradsch. Diese Sippe war hoch angesehen. Ein Vorfahre dieser Sippe hieß Salim. Sein Beiname war „Hubla“. Daher wurde dieser Zweig der Sippe „Hubla“ genannt. Salims Bauch war sehr dick. Aus diesem Grund nannte man ihn „Hubla“. Später wurde dieser Name zur Bezeichnung seiner Sippe.¹ Der Name der Mutter ʿAbdullahs (r.a.) war Chaula bint al-Mundhir. Sie stammte aus dem Zweig Banu Maghala der Sippe Banu Nadschdschār.²
Hier muss man sich daran erinnern, dass der Vater der hier behandelten Persönlichkeit ʿAbdullah (r.a.) der „Raʾīs al-Munāfiqīn“ (Anführer der Heuchler), ʿAbdullah ibn Ubayy ibn Salul, war. Dieser Anführer der Heuchler ist in der Geschichte unter dem Namen Ibn Ubayy ibn Salul bekannt. Im vorislamischen Medina war er einer der angesehensten und einflussreichsten Männer des Stammes Chazradsch. Als Beweis für seinen Einfluss, seine Macht und seine Stärke genügt, dass die Bewohner Medinas vor dem Islam erwogen, ihn zu ihrem König zu machen. Zwischen den beiden Stämmen Aus und Chazradsch herrschte seit langer Zeit Streit und Auseinandersetzung. Dennoch war niemand dagegen, ihn zum König zu machen. Der Sohn eines solchen Vaters war ʿAbdullah (r.a.).³
Der Vater ʿAbdullahs (r.a.) war also Ibn Ubayy ibn Salul. Er war äußerst gelehrt, klug und listig. Dennoch blieb er des Glücks, den Glauben anzunehmen, beraubt. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina kam und die Grundlage des islamischen Kalifats legte, zeigte sich in ihm ein erstaunliches Maß an Neid und Feindschaft. Ibn Ubayy und einige seiner Anhänger unter den Bewohnern Medinas betrachteten den stetigen Aufstieg und die zunehmende Blüte des Islam mit Neid und Hass. Der Einfluss und das Ansehen des Gesandten Allahs (s.a.w.) wurden für sie unerträglich. Deshalb schmiedeten sie eine Verschwörung nach der anderen, um den Islam und die Muslime aus Medina zu vertreiben.
Schließlich mussten Ibn Ubayy und seine Anhänger sich äußerlich dem Sieg und der Macht der Muslime beugen. Unter dem Deckmantel der Heuchelei schlossen sie sich den Muslimen an. Die Mitglieder dieser Gruppe waren Munāfiqūn (heuchlerische Muslime), und Ibn Ubayy ist in der Geschichte des Islam als ihr Anführer bekannt. Dieser Ibn Ubayy ibn Salul ist der Anführer aller Heuchler, die je auf der Welt geboren werden. Fast jedes Leid, jede Not und jedes Unglück, das nach der Hidschra in Medina über den Gesandten Allahs (s.a.w.) und die ehrwürdigen Gefährten (r.a.) hereinbrach, stand direkt oder indirekt in irgendeiner Weise mit Ibn Ubayy und seinen Anhängern in Verbindung. Über seine Taten und die Taten seiner Gruppe wurden zahlreiche Verse des Qurʾān offenbart. Die Sure „al-Munāfiqūn“ beschreibt ihre Eigenschaften und ihr Wesen.⁴
Man sagt: „Im Haus des Pharao gibt es einen Musa, und wo ein Pharao ist, da ist auch ein Musa.“ So war es auch hier: Der große Gefährte ʿAbdullah (r.a.) wurde im Schoß eines erbitterten Feindes des Islam und ausgesprochenen Heuchlers geboren. Er blieb völlig frei vom unreinen Einfluss seines Vaters. Dieser überaus kluge Vater vermochte nicht den geringsten Einfluss auf seinen eigenen Sohn auszuüben.
Dieser Heuchler Ibn Ubayy war der mütterliche Cousin des berühmten damaligen arabischen Asketen Abu ʿĀmir ar-Rāhib. Kurz vor dem Erscheinen des Gesandten Allahs (s.a.w.) gehörte Abu ʿĀmir zu jenen frommen Männern Arabiens, die von seinem baldigen Kommen sprachen und an ihn glaubten. In der Zeit der Dschāhilīya hatte er ein Leben der Entsagung und des weltabgewandten Mönchtums angenommen. Als der Gesandte (s.a.w.) jedoch als Prophet erschien, wandte er sich von seinem Glauben ab. In Badr kämpfte er, mit den Götzendienern gemeinsame Sache machend, gegen den Gesandten Allahs (s.a.w.). Deshalb bezeichnete der Gesandte (s.a.w.) ihn als „al-Fāsiq“ (den Frevler).⁵
Noch bevor der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina kam, nahm ʿAbdullah (r.a.) den Islam an. Sein vorislamischer Name war al-Hubab. ʿUrwa berichtet: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) pflegte den schlechten Namen eines Menschen zu ändern, sobald er ihn hörte. Eines Tages sagte er zu al-Hubab: „Von nun an soll dein Name ʿAbdullah sein, denn al-Hubab ist der Name des Satans.“⁶ So wurden die Namen von Vater und Sohn gleich.
ʿAbdullah (r.a.) war ein Gefährte, der an der Schlacht von Badr teilgenommen hatte. Er nahm gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) an Badr teil. Später ist bekannt, dass er an allen Schlachten und Feldzügen teilnahm.⁷ Auch in Uhud kämpfte er. In dieser Schlacht wurden ihm die beiden vorderen Schneidezähne ausgeschlagen. Nach der Schlacht sagte der Gesandte (s.a.w.) zu ihm: „Lass dir zwei goldene Zähne anfertigen.“ Dies wird von ʿAischa (r.a.) überliefert. Ibn Mundah erwähnte jedoch, dass nicht seine Zähne, sondern seine Nase abgetrennt worden sei und er eine goldene Nase einsetzen ließ. Diese Auffassung ist jedoch nicht richtig.⁸
Auf seiner Rückkehr von Uhud stieg Abu Sufyan auf einen Berg und rief laut: „Ich verspreche euch, dass wir uns im kommenden Jahr wieder bei Badr treffen werden.“ Als der Gesandte (s.a.w.) diese Ankündigung hörte, sagte er zu einem Gefährten: „Antworte: Ja, dort verspreche auch ich euch ein Treffen.“⁹ Ibn Ishaq sagt: Um dieses Versprechen gegenüber Abu Sufyan einzuhalten, begab sich der Gesandte (s.a.w.) im Schaʿban des vierten Jahres nach der Hidschra zum zweiten Mal nach Badr. In der Geschichte ist dieser Ort als Badr al-Akhirah bekannt. Ibn Hischam sagt: Auf diesem Feldzug ließ der Gesandte (s.a.w.) ʿAbdullah (r.a.) während seiner Abwesenheit als seinen Stellvertreter in Medina zurück.¹⁰
Während des Feldzugs gegen die Banu al-Mustaliq, nach anderer Auffassung während des Feldzugs von Tabuk, kam es zwischen einem Ansar und einem Muhadschir zu einem Streit darüber, an welcher Stelle die Kamele und Pferde getränkt werden sollten. Im Verlauf dieses Streits sagte der Heuchler Ibn Ubayy in Anspielung auf den Gesandten (s.a.w.) und die Muhadschirun: „Wenn wir Medina erreichen, werden wir, die Vornehmen, diese Niedrigen gewiss hinauswerfen.“¹¹ Als diese Worte den Gesandten Allahs (s.a.w.) erreichten und sich unter den anderen Muslimen verbreiteten, entstand große Aufregung. ʿUmar (r.a.) trat sogar vor den Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „Wenn du es erlaubst, werde ich den Kopf dieses Heuchlers vom Körper trennen.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte zu ihm: „Lass davon ab. Sonst werden die Leute sagen, dass Muhammad seine Gefährten tötet.“¹²
Schließlich erreichte die äußerst anstößige Äußerung Ibn Ubayys über den Gesandten Allahs (s.a.w.) und seine zahlreichen bewährten Gefährten unter den Muhadschirun auch die Ohren seines Sohnes ʿAbdullah (r.a.). Er erschien beim Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „Mein Vater hat dich einen Niedrigen genannt. Ich schwöre bei Allah: Nicht du, sondern er ist der Niedrige.“ Was er anschließend sagte, war höchst erstaunlich und bemerkenswert. Er sagte: „Im gesamten Stamm der Chazradsch gibt es keinen Sohn, der seinem Vater gegenüber gehorsamer und ergebener wäre als ich. Wenn du ihn dennoch töten lassen willst, dann befiehl es mir. Ich werde dir seinen Kopf bringen. Wenn jedoch ein anderer Muslim meinen Vater tötet, wird der Mörder meines Vaters für mich ein Dorn im Auge sein. Ich werde das nicht ertragen können. Dann werde ich ihn vielleicht töten, und wegen der Tötung eines Muslims wird die Hölle mein Aufenthaltsort sein.“ Nachdem er geendet hatte, sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Ich beabsichtige und wünsche nicht, ihn töten zu lassen.“¹³
Nachdem ʿAbdullah (r.a.) das Gespräch mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) beendet hatte, stellte er sich an den Weg. Als er seinen Vater kommen sah, stieg er vom Kamel, zog sein Schwert und sagte: „Solange du nicht mit deinem eigenen Mund sagst: ‚Ich bin der Niedrige und Muhammad ist der Ehrenwerte‘, wird dieses Schwert nicht wieder in die Scheide zurückkehren. Du wirst keinen Schritt weitergehen können.“ Als er die Lage bedrohlich fand, sagte der Vater: „Mögest du zugrunde gehen! Muhammad ist ehrenwert, und ich bin der Niedrige.“ Etwas weiter hinten kam der Gesandte (s.a.w.). Er hörte den Dialog zwischen Vater und Sohn und befahl ʿAbdullah: „Lass ihn gehen. Bei Allah, solange er unter uns ist, werden wir gut mit ihm umgehen.“¹⁴ ʿUrwa berichtet: Hanzala ibn Abi ʿAmir und ʿAbdullah ibn ʿAbdillah – jeder von ihnen hatte den Gesandten Allahs (s.a.w.) um Erlaubnis gebeten, seinen eigenen Vater zu töten. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hielt sie beide davon ab.¹⁵
Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) vom Feldzug von Tabuk nach Medina zurückgekehrt war, starb der Heuchler ʿAbdullah ibn Ubayy.¹⁶
Auf Grundlage der authentischen Hadithe ist die Umma Muhammads zu dem Schluss gelangt, dass die achtzigste und die vierundachtzigste Aya der edlen Sura at-Tauba hinsichtlich des Todes des Heuchlers ʿAbdullah ibn Ubayy und seines Totengebets offenbart wurden. In der achtzigsten Aya sagte Allah, der Erhabene: „Bitte für sie um Vergebung oder bitte nicht um Vergebung – beides ist gleich. Selbst wenn du siebzigmal um Vergebung für sie bittest, wird Allah ihnen niemals vergeben. Dies liegt daran, dass sie Allah und Seinen Gesandten verleugnet haben.“ Durch die Überlieferungen der Sahihain (das heißt al-Buchari und Muslim) ist bestätigt, dass der Gesandte (s.a.w.) sein Totengebet verrichtete, an seinem Grab stand und seinen Sohn ʿAbdullah (r.a.) tröstete. Unmittelbar nach dem Gebet wurde die vierundachtzigste Aya offenbart. Darin heißt es: „Und bete niemals für einen von ihnen, der stirbt, und stehe nicht an seinem Grab. Sie haben Allah und Seinen Gesandten verleugnet und sind als Ungehorsame gestorben.“ Nach der Offenbarung dieser Aya verrichtete der Gesandte Allahs (s.a.w.) für keinen weiteren Heuchler mehr das Totengebet.
Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) trug damals zwei Gewänder. Abdullah (r.a.) bevorzugte das untere Gewand. Es war vom heiligen Schweiß des Körpers des Gesandten Allahs (s.a.w.) durchtränkt. Der Gesandte (s.a.w.) gab Abdullah (r.a.) das Gewand und sagte: „Benachrichtige mich, sobald er in das Leichentuch gehüllt ist; ich werde das Totengebet für ihn verrichten.“ Einer anderen Überlieferung zufolge kam der Gesandte (s.a.w.), nachdem die Leiche ins Grab hinabgelassen worden war. Er stieg in das Grab hinab, legte die Leiche auf seine Knie, bekleidete sie mit dem Gewand und benetzte sie mit dem Speichel seines heiligen Mundes. Danach stellte er sich zum Totengebet auf.
Als er sich zum Totengebet aufstellte, zog Umar ibn al-Khattab (r.a.) am Gewand des Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte bittend: „Du verrichtest das Totengebet für diesen Heuchler, obwohl Allah dir verboten hat, für ihn zu beten.“ Der Gesandte (s.a.w.) lächelte leicht und sagte: „Geh und stell dich an deinen Platz.“ Als Umar (r.a.) danach weiter etwas übertrieb, sagte der Gesandte (s.a.w.): „Allah hat mir die Wahl gelassen: Ich kann um Vergebung bitten oder es lassen. Wenn ihm vergeben wird, selbst wenn ich mehr als siebzigmal um Vergebung bitte, bin ich bereit, dies für ihn zu tun.“
Anschließend verrichtete der Gesandte (s.a.w.) das Totengebet für ihn, und unmittelbar danach wurde der vierundachtzigste Vers offenbart. Durch diese Offenbarung erhielt Umar (r.a.) Unterstützung für seine Handlung und seine Auffassung. Er war zutiefst erstaunt über seinen eigenen Wagemut.17
Während der Kalifenherrschaft Abu Bakrs (r.a.) erlitt Abdullah (r.a.) in der Schlacht von Yamama den Märtyrertod. Dies geschah im Rabi al-awwal des Jahres 12 nach der Hidschra.18
Abdullah gehörte zu den äußerst angesehenen Gefährten. Aischa (r.a.) überlieferte Hadithe über ihn. Er konnte schreiben und übernahm gelegentlich auch die Aufgabe, die Offenbarung niederzuschreiben.19
Abdullah (r.a.) war der tugendhafte Sohn eines heuchlerischen Vaters. Das von Heuchelei geprägte Leben seines Vaters bereitete ihm ständig Qualen. Er litt sehr darunter.20 Er ließ keinen Versuch aus, seinen vom rechten Weg abgeirrten Vater auf den wahren und richtigen Weg zurückzuführen. Trotz der Abirrung seines Vaters versäumte er als Sohn niemals, seine Verantwortung und Pflichten ihm gegenüber zu erfüllen. Im Rahmen der islamischen Vorschriften gehorchte er seinem Vater stets. Selbst nach dessen Tod tat er als Sohn alles, was er in der Hoffnung auf dessen Erlösung tun konnte.
Quellenangaben:
Rafi ibn Khadidsch (r.a.)
Rāfiʿ (r.a.) wurde im Jahr 611 n. Chr., zwölf Jahre vor der Hidschra, geboren.¹ Er war ein Angehöriger der in Medina bekannten Chazradsch, nach anderer Auffassung der Aus-Stammesgruppe Banū al-Hāritha. Sein Vater war Chādschi ibn Rāfiʿ und seine Mutter Halīma bint Masʿūd. Sein Name wurde nach seinem Großvater gewählt.² Rāfiʿs Beiname war Abū ʿAbdallāh. Imām al-Buchārī nannte ihn Abū Chādschi.³ Er war der Neffe der beiden berühmten Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.), Zuhayr und Mudschāhir ibn Rāfiʿ.⁴
In der alten Stadt Medina waren die beiden Stämme ʿAbdullāh al-Aschhal und al-Hāritha hinsichtlich Stärke und Macht gleichgestellt. Zwischen ihnen kam es ständig zu Streitigkeiten und daraus folgend zu Auseinandersetzungen und Kämpfen. Simāk ibn Rāfiʿ, der Großvater von Usayd ibn Hudayr (r.a.), wurde von Angehörigen dieser beiden Stämme in einer Schlacht getötet, und seine Familienangehörigen wurden aus Medina vertrieben. Usayds Vater Hudayr belagerte den Stamm al-Hāritha, nahm damit Rache für die Tötung seines Vaters, besiegte ihn und vertrieb ihn nach Chaibar. Die Banū al-Hārith ließen sich in Chaibar nieder. Währenddessen keimte in Hudayrs Herzen Barmherzigkeit auf. Er erlaubte den Banū al-Hārith, nach Medina zurückzukehren und sich dort wieder niederzulassen.
Die Vorfahren von Rāfiʿ ibn Chādschi (r.a.) waren die Oberhäupter beziehungsweise Anführer der Banū al-Hāritha. Nach dem Tod seines Vaters und seiner Onkel übernahm Rāfiʿ diese Führung, die er bis zu seinem Lebensende nicht aus der Hand gab. Zur Zeit der Hidschra des edlen Gesandten (s.a.w.) war Rāfiʿ noch ein kleiner Junge. Dennoch hatte der Islam einen tiefen Eindruck in seinem Herzen hinterlassen. Seine beiden Onkel Zuhayr und Mudschāhir waren damals bereits Muslime.
Zur Zeit der Schlacht von Badr war Rāfiʿ vierzehn Jahre alt. Mit dem Wunsch, in den Krieg zu ziehen, trat er vor den Gesandten Allahs (s.a.w.). Da er das erforderliche Alter für die Teilnahme am Krieg noch nicht erreicht hatte, schickte er ihn zusammen mit den anderen Jungen zurück. So konnte Hadhrat Rāfiʿ nicht zu den Kämpfern von Badr gehören.⁵
Die jüngeren Jungen aus Medina wurden jedes Jahr dem edlen Gesandten (s.a.w.) vorgestellt.⁶ Er wählte diejenigen unter ihnen aus, die er für den Kriegsdienst geeignet hielt. Im dritten Jahr nach der Hidschra, zur Zeit der Schlacht von Uhud, wurde Rāfiʿ dem Gesandten Allahs (s.a.w.) vorgestellt. Er war damals gerade fünfzehn Jahre alt geworden. Daher erhielt er die Erlaubnis, am Krieg teilzunehmen. Zu dieser Zeit ereignete sich zwischen ihm und seinem gleichaltrigen Samura ibn Dschundub eine amüsante Begebenheit. Sie wird in fast allen Werken der Ridschāl-Wissenschaft überliefert.
Rāfiʿ berichtet darüber: „Ich stand in der Reihe und reckte mich auf den Zehenspitzen, um größer zu erscheinen. Dem Gesandten Allahs (s.a.w.) war bereits gesagt worden, dass ich ein geschickter Bogenschütze sei. Daraufhin erteilte mir der Gesandte (s.a.w.) die Erlaubnis. Da sagte Samura ibn Dschundub, der gleich alt war wie ich, zu seinem Stiefvater Murra ibn Thābit: ‚Der Gesandte (s.a.w.) hat Rāfiʿ ibn Chādschi die Erlaubnis gegeben, mich aber zurückgeschickt. Dabei kann ich Rāfiʿ im Ringen besiegen.‘ Darauf sagte Murra: ‚O Gesandter Allahs! Du hast Rāfiʿ die Erlaubnis gegeben, meinen Sohn Samura jedoch zurückgeschickt. Er kann Rāfiʿ im Ringen besiegen.‘ Da sagte der Gesandte (s.a.w.): ‚Lasst die beiden miteinander ringen.‘⁷ So rangen die beiden miteinander, und Samura besiegte Rāfiʿ. Dadurch erhielt er die Erlaubnis des Gesandten Allahs (s.a.w.). Ibn Hischām sagt: Beide waren damals fünfzehn Jahre alt.⁸“
In dieser Schlacht von Uhud traf ein von der feindlichen Seite abgeschossener Pfeil Rāfiʿs Brust. Der Pfeil drang durch den Knochen tief in sie ein. Imām al-Bayhaqī überliefert dazu: Am Tag von Uhud oder Hunayn wurde Rāfiʿ ibn Chādschi von einem Pfeil in die Brust getroffen. Als er zum Gesandten Allahs (s.a.w.) gebracht wurde, bat er: „O Gesandter Allahs! Zieh den Pfeil aus meiner Brust.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Wenn du möchtest, kann ich den Pfeil mitsamt seiner Spitze herausziehen. Wenn du möchtest, kann ich auch nur den Schaft herausziehen, während die Spitze stecken bleibt. In diesem Fall werde ich am Tag der Auferstehung bezeugen, dass du ein Märtyrer bist.“ Da sagte Rāfiʿ: „O Gesandter Allahs! Dann zieh bitte nur den Pfeil heraus und lass die Spitze stecken. Bezeuge am Tag der Auferstehung für mich, dass ich ein Märtyrer bin.“ In diesem Zustand lebte er bis zur Zeit des Kalifats von Hadhrat Muʿāwiya (r.a.). Schließlich begann die Wunde zu eitern, und er starb daran.⁹
Rāfiʿ pflegte später zu erzählen, wie die Muslime in der Schlacht von Uhud besiegt wurden. In seiner Schilderung wird ein Bild dieser Schlacht lebendig.¹⁰
Er nahm an allen späteren Schlachten und Feldzügen teil, einschließlich der Grabenschlacht.¹¹ In der Schlacht von Ṣiffīn schloss er sich der Seite ʿAlīs (ra) an.¹²
Die Spitze des Pfeils, die in Rāfiʿs Körper steckte, verursachte nach langer Zeit eine Wunde, und an den Folgen dieser Schmerzen starb er. Er lebte in Medina und hauchte dort auch seinen letzten Atemzug aus.
Unter den Fachgelehrten der Rijāl-Wissenschaft besteht Uneinigkeit über das Todesjahr. In einer Sache sind sich jedoch alle einig: ʿAbdullāh ibn ʿUmar (ra) verrichtete sein Totengebet. Im Tārīch des Imām al-Buchārī heißt es, dass er während des Kalifats von Muʿāwiya (ra) starb. In seinem Werk at-Tārīch al-Awsaṭ erwähnt er Rāfiʿs Namen in dem Abschnitt mit der Überschrift „Diejenigen, die zwischen dem Jahr 50 und dem Jahr 60 nach der Hidschra starben“. Ibn Qāniʿ nennt ausdrücklich das Jahr 59 nach der Hidschra.¹³ Demgegenüber überliefert al-Wāqidī von einigen Kindern Rāfiʿ ibn Chudaiǧs, dass er zu Beginn des Jahres 74 nach der Hidschra im Alter von 86 Jahren in Medina starb.¹⁴ Zu jener Zeit saß ʿAbd al-Malik ibn Marwān auf dem Thron des Kalifats.
Es steht fest, dass ʿAbdullāh ibn ʿUmar sein Totengebet verrichtete. Ebenso ist anerkannt, dass er sich zu Beginn des Jahres 74 nach der Hidschra in Mekka aufhielt. Daher haben manche gesagt, dass Rāfiʿ ibn Chudaiǧ schon zuvor an der Vereiterung seiner Wunde starb, und zwar im Jahr 74 nach der Hidschra, nachdem Ibn ʿUmar von seiner Reise nach Medina zurückgekehrt war. Andere sagen, er sei im Jahr 73 nach der Hidschra gestorben, bevor Ibn ʿUmar (ra) nach Mekka reiste. Dass Ibn ʿUmar (ra) sein Totengebet verrichtete, ist die wahrscheinlichere Auffassung.¹⁵
Im Musnad des Imām Aḥmad heißt es, dass er, nachdem man ihn in ein Leichentuch gehüllt hatte, hinausgetragen und mit einem roten Umhang bedeckt wurde.¹⁶ Eine große Zahl von Menschen begleitete den Leichnam. Die Frauen kamen weinend und klagend aus dem Haus. In den Werken der Sīra- und Rijāl-Wissenschaft finden sich zahlreiche Überlieferungen über seinen Tod und sein Totengebet. Einige davon werden hier wörtlich wiedergegeben:
Abū Nuṣra berichtet: Ich nahm am Totengebet von Rāfiʿ ibn Chudaiǧ teil. Zu den Teilnehmern gehörte auch Ibn ʿUmar. Als die Frauen laut zu weinen und zu klagen begannen, sagte er: „Seid still! Dieser alte Mann hat nicht die Kraft, Allahs Strafe zu ertragen.“ Der Gesandte Allahs (sa) sagte: „Der Verstorbene wird wegen der Klage und des Weinens seiner Angehörigen bestraft.“¹⁷
Schuʿba überlieferte von Yūsuf ibn Māhak. Yūsuf sagte: Ich sah, wie Ibn ʿUmar die beiden vorderen Stangen der Bahre, auf der der Leichnam von Rāfiʿ ibn Chudaiǧ lag, auf seine Schultern nahm und ihr bis zum Grab voranging. Dabei sagte er: „Der Verstorbene wird wegen des Weinens der Lebenden bestraft.“¹⁸
Ḥammād überlieferte von Bisr ibn Ḥarb. Er sagte: Als Rāfiʿ ibn Chudaiǧ starb, wurde Ibn ʿUmar vorgeschlagen, die Beisetzung bis zum Anbruch des Morgens aufzuschieben, damit man die Bewohner der Stadt benachrichtigen könne. Er sagte: „Das ist eine ausgezeichnete Entscheidung von euch.“ Hischām ibn Saʿd überlieferte von ʿUthmān ibn ʿUbaidullāh. Er sagte: Als Rāfiʿ starb, wurde der Leichnam vor Sonnenaufgang zum Totengebet gebracht. Ibn ʿUmar sagte: „Verrichtet sein Totengebet nicht vor Sonnenaufgang.“¹⁹
Über den Körperbau und das Aussehen von Rāfiʿ ibn Chudaiǧ (ra) sind keine nennenswerten Einzelheiten überliefert. Bekannt ist lediglich, dass er seinen Schnurrbart dünn hielt und sein Haar mit Henna färbte. Bei seinem Tod hinterließ er Sklaven und Sklavinnen sowie Grundstücke und Landbesitz als Erbe.20
Die Namen seiner sechs Söhne sind bekannt: ʿAbdullah, Rifāʿa, ʿAbd ar-Rahman, ʿUbaidullah, Sahl und ʿUbaid. ʿAbdullah war Imam der Pitr-Moschee. ʿUbaid war der Sohn einer Sklavin. Die übrigen Söhne stammten von seinen beiden Ehefrauen Lubnā und Asmā. Die Nachkommen dieser Kinder lebten viele Jahrhunderte lang in Medina und Bagdad.21
Rāfiʿ (ra) überlieferte Hadithe vom Gesandten (s) und von seinem Onkel Zuhair ibn Rāfiʿ (ra).22 In den Hadith-Sammlungen sind insgesamt 78 (achtundsiebzig) Hadithe über seine Überlieferungskette überliefert.23 Unter den Überlieferern, die von ihm Hadithe überlieferten, finden sich sowohl Gefährten als auch Tābiʿūn. Einige ihrer Namen werden hier genannt:
Ibn ʿUmar, Mahmud ibn Labīd, Sāʾib ibn Yazīd, Usaid ibn Zuhair, Mujāhid, ʿAtāʾ, Schaʿbī, ʿUbāya ibn Rifāʿa, ʿUmra bint ʿAbd ar-Rahman, Saʿīd ibn al-Musayyib, Nāfiʿ ibn Dschubair, Abū Salama ibn ʿAbd ar-Rahman, Abū an-Nadschāschī, Sulaimān ibn Yasār, ʿĪsā, ʿUthmān ibn Sahl, Harīr ibn ʿAbd ar-Rahman, Yahyā ibn Ishāq, Thābit ibn Anas ibn Zuhair, Hanzala ibn Qais, Nāfiʿ al-ʿUmarī, Wāsiʿ ibn Hibbān, Muhammad ibn Yahyā ibn Hibbān, ʿUbaidullah ibn ʿAmr ibn ʿUthmān und andere.24
Rāfiʿ ibn Chudaiǧ (ra) gehörte zu den Gefährten in Medina, die Fatwas erteilten. Ziyād ibn Mīnā sagt: Ibn ʿAbbās, Ibn ʿUmar, Abū Saʿīd al-Chudrī, ʿAbdullah ibn ʿAmr ibn al-ʿĀs, Dschābir ibn ʿAbdullah, Rāfiʿ ibn Chudaiǧ, Salama ibn al-Akwaʿ, Abū Wāqid al-Laithī, ʿAbdullah ibn Buhaina und viele weitere Gefährten des Gesandten Allahs (s) erteilten in Medina Fatwas und überlieferten die Hadithe des Gesandten Allahs (s). Dies taten sie vom Tod ʿUthmāns (ra) bis zu ihrem eigenen Tod.25 Imam adh-Dhahabī sagt: Er gehörte zu denjenigen, die während der Zeit Muʿāwiyas (ra) und danach in Medina Fatwas erteilten.26 Als Ibn ʿAbbās (ra) starb, bemerkte Rāfiʿ ibn Chudaiǧ: Heute ist ein Mann gestorben, auf den alle Gelehrten vom Osten bis zum Westen, von Maschriq bis Maghrib, angewiesen waren.27 Er war ein Mann aus der Wüste und verstand sich hervorragend auf Landwirtschaft und Bewässerung.28
Gehorsam gegenüber dem Gesandten und das Gebieten des Guten – die Befolgung des Gesandten (s) und das Auftragen guter Taten waren die hervorstechendsten Merkmale seines Charakters und Wesens. Einmal riss ein Sklave von an-Nuʿmān al-Anṣārī einen kleinen Dattelpalmenbaum aus dem Garten eines Mannes. Der Fall wurde vor Marwāns Gericht gebracht. Dieser wollte ihm wegen Diebstahls die Hand abhacken lassen. Da sagte Rāfiʿ: Der Gesandte (s) hat gesagt: Für Früchte wird keine Hand abgehackt.29
Einmal sagte Marwān während einer Ansprache: Mekka ist heilig. Rāfiʿ war bei der Versammlung anwesend. Er rief laut: Dass Mekka heilig ist, stimmt. Aber auch Medina ist heilig. Der Gesandte (s) hat Medina für heilig erklärt. Ich habe diesen Hadith schriftlich bei mir. Wenn du möchtest, kann ich ihn dir zeigen. Marwān sagte: Ja, diesen Hadith habe auch ich gehört.30
Für den edlen Gesandten (s) empfand er grenzenlose Verehrung, Hochachtung und Liebe. Dies zeigte sich in vielen Worten, Taten und Verhaltensweisen seines Lebens. Einmal kam sein Onkel Zuhair (ra) und sagte: Heute hat der Gesandte (s) etwas verboten, obwohl es uns dadurch leichter gefallen wäre. Rāfiʿ (ra) rief sofort: Onkel! Alles, was der Gesandte (s) gesagt hat, ist wahr.31
Eines Tages war er gerade dem Geschlechtsverkehr hingegeben. Genau in diesem Augenblick kam der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) und rief nach ihm. Sobald die Stimme des Gesandten Allahs (s.a.w.) seine Ohren erreichte, stand er auf, vollzog die rituelle Reinigung und trat hinaus.³²
Eines Tages ging Rāfiʿ (r.a.) zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sah dort Fleisch in einem Topf brodeln. Er bekam große Lust, davon zu essen. Er nahm ein Stück, steckte es in den Mund und schluckte es hinunter. Danach bekam er Magenbeschwerden und litt ein ganzes Jahr darunter. Eines Tages erzählte er dem Gesandten Allahs (s.a.w.) von seinem Magenleiden. Dieser strich mit der Hand über Rāfiʿs (r.a.) Bauch. Daraufhin erbrach er eine grüne Flüssigkeit und war danach vollständig geheilt.³³
Rāfiʿ (r.a.) überlieferte einige der Bittgebete, die der Gesandte Allahs (s.a.w.) zu verschiedenen Zeiten zu sprechen pflegte. So überlieferte Rāfiʿ beispielsweise das Bittgebet, das der Gesandte (s.a.w.) beim Anblick des Neumonds sprach.³⁴
Wenn man in den verschiedenen Werken über Hadithe und Sīra nachforscht, wird man viele kleine Begebenheiten aus Rāfiʿs (r.a.) Leben kennenlernen. Sie werden einem Muslim auf seinem Lebensweg als leuchtendes Wegzeichen dienen.
Quellenangaben:
ʿAmr ibn Thābit ibn Waqsch (r.a.)
ʿAmrs (r.a.) Beiname war Usairim. Unter diesem Namen ist er bekannt. Er stammte aus dem Zweig ʿAbdul Aschhal des Aws-Stammes von Medina. Sein Vater hieß Thābit ibn Waqsch und seine Mutter Laila, beziehungsweise nach anderer Auffassung Lubāba bint Yamān. Sie war die Schwester des berühmten Gefährten Hudhaifa ibn al-Yamān (r.a.). Salām ibn Thābit (r.a.), der in Uhud den Märtyrertod erlitt, war ʿAmrs Bruder.¹
ʿAmr (r.a.) war dem Islam anfangs äußerst feindselig gegenüber eingestellt. Fast alle Männer und Frauen seines Stammes nahmen durch die Bemühungen von Saʿd ibn Muʿādh (r.a.) den Islam an. Er jedoch hielt weiterhin an seinem alten Glauben und seiner alten Religion fest. Al-Balādhurī sagt: Er befand sich hinsichtlich des Islam in großer Ungewissheit. Am Tag von Uhud nahm er den Islam an und erlitt den Märtyrertod. Obwohl er in seinem Leben nie ein Gebet verrichtet hatte, trat er ins Paradies ein.²
Als der Edle Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) alle Vorbereitungen für die Schlacht von Uhud getroffen hatte, entflammte plötzlich in Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eine starke Sehnsucht nach der Wahrheit. Dies wird im Sunan-Abi-Dawud-Werk überliefert. In der Zeit der Dschahiliya betrieb er ein Zinsgeschäft. Viele Menschen schuldeten ihm noch Geld. Er beschloss, diese ausstehenden Beträge einzutreiben und danach den Islam anzunehmen, denn der Islam hatte Zinsgeschäfte verboten. Zur Zeit der Schlacht von Uhud waren seine ausstehenden Forderungen vermutlich eingetrieben worden. Daraufhin fasste er den festen Entschluss, Muslim zu werden.³
Beim Aufbruch nach Uhud befanden sich alle Gefährten zusammen mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam), einschließlich der Angehörigen des Clans von Usayrim und der Leute von Abd al-Aschhal. Nachdem die Kämpfer nach Uhud aufgebrochen waren, senkte sich über jedes Viertel Medinas eine furchtbare Stille. Als Usayrim ringsum eine derart stille und menschenleere Umgebung sah, kehrte er nach Hause zurück und fragte: „Wohin sind die Leute unseres Clans gegangen?“ Er erhielt die Antwort: „Nach Uhud.“
Obwohl er bis dahin den Islam noch nicht angenommen hatte, legte er dennoch seine Kriegsausrüstung an, bestieg sein Pferd und ritt nach Uhud. Er begab sich direkt zum Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam), der sich in Uhud aufhielt, und fragte: „Soll ich zuerst kämpfen oder Muslim werden?“ Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) antwortete: „Du wirst beides tun. Werde zuerst Muslim und ziehe danach in den Kampf.“ Er fragte: „O Gesandter Allahs! Ich habe in meinem Leben noch nicht einmal ein Rakʿa-Gebet verrichtet. Wenn ich unter diesen Umständen sterbe, wird das gut für mich sein?“ Er antwortete: „Ja, es wird gut sein.“ Daraufhin sprach er das Glaubensbekenntnis und wurde Muslim.
Nach seiner Annahme des Islam nahm er das Schwert in die Hand und ging auf das Schlachtfeld zu. Die muslimischen Kämpfer wussten nicht, dass er den Islam angenommen hatte. Daher sagten sie zu ihm: „Kehre jetzt um.“ Er erwiderte: „Auch ich bin Muslim geworden.“
Die Schlacht begann. Mit außergewöhnlicher Tapferkeit und Kühnheit kämpfte er gegen den Feind. Als er in die Reihen des feindlichen Heeres eindrang, wurde er durch zahlreiche Schläge schwer verwundet. Die Verletzungen waren so gravierend, dass er erschöpft auf dem Schlachtfeld liegen blieb und nicht einmal die Kraft hatte aufzustehen. Nach der Schlacht machten sich die Angehörigen des Stammes Abd al-Aschhal auf die Suche nach den Märtyrern und sahen, dass Usayrim unter den Toten lag. Er atmete noch. Sie fragten: „Warum bist du so hier? Bist du vielleicht aus Verbundenheit mit deinem Stamm hierhergekommen?“ Er antwortete: „Nein. Ich habe den Islam angenommen und an der Seite Allahs und Seines Gesandten (sallallahu alaihi wa sallam) gekämpft.“
Man hob ihn vom Schlachtfeld auf und brachte ihn nach Hause. Im gesamten Clan sprach man über ihn. Als Saʿd ibn Muʿadh (möge Allah mit ihm zufrieden sein), der Anführer des Clans Abd al-Aschhal, davon erfuhr, eilte er zu seinem Haus und fragte seine Schwester, was geschehen war. Während dieses Kommens und Gehens der Menschen tat er seinen letzten Atemzug. Als der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) von seinem Tod erfuhr, sagte er: „Mit wenig Mühe hat er großen Lohn erlangt.“ In einigen Überlieferungen heißt es, dass der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) sagte: „Gewiss gehört er zu den Bewohnern des Paradieses.“
Da der Vorfall mit Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ungewöhnlicher Art war, legten die Menschen besonderen Wert darauf, ihn im Gedächtnis zu behalten. Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) fragte seine Schüler: „Nun, kennt ihr den Namen eines Menschen, der in seinem Leben niemals ein Gebet verrichtet hat und dennoch direkt ins Paradies eingegangen ist?“ Wenn niemand antworten konnte, sagte er: „Das war Usayrim von Abd al-Aschhal.“⁴
In Uhud wurde sein Bruder Salama ibn Thabit durch Abu Sufyan ibn Harb zum Märtyrer, während er selbst durch Dirar ibn al-Khattab verwundet wurde und später den Märtyrertod erlitt.⁵
Quellenangaben:
Rifāʿa ibn Rāfiʿ ibn Mālik az-Zurqī (ra)
Der Beiname von Rifāʿa (ra) war Abū Muʿādh.¹ Er stammte aus dem Zweig Hubla des medinensischen Stammes Chazradsch. Sein Vater war Rāfiʿ ibn Mālik (ra), seine Mutter Ummu Mālik bint ʿUbayy ibn Salūl. Sie war die Schwester des Heuchlerführers (scheinbaren Muslims) ʿAbdullāh ibn Ubayy.²
Rifāʿas (ra) verehrter Vater Rāfiʿ (ra) war der erste Muslim aus dem Stamm der Chazradsch. Zwei Jahre vor dem Treueid von ʿAqaba reiste er mit fünf oder sechs Bewohnern von Yathrib nach Mekka, nahm den Islam an und leistete dem Gesandten Allahs (s) den Treueid. Auch seine verehrte Mutter nahm den Islam an. Der Bruder dieser Frau, ʿAbdullāh ibn Ubayy, war der Mittelpunkt von Unglauben und Heuchelei in Medina. Doch seine eigene Schwester war gleichsam ein leuchtendes Licht der Wahrheit und Gerechtigkeit. In solch einer vornehmen Familie wuchs Rifāʿa (ra) auf. Gemeinsam mit seinem Vater reiste er nach Mekka, nahm am zweiten Treueid von ʿAqaba teil und leistete dem Gesandten Allahs (s) den Treueid an seiner heiligen Hand. Danach kehrte er nach Medina zurück.³
Er nahm an allen Schlachten und Feldzügen an der Seite des Gesandten Allahs (s) teil. Seine Teilnahme an der Schlacht von Badr wird durch eine Überlieferung von Sahih al-Buchārī bestätigt.⁴ In dieser Schlacht traf ein von der feindlichen Seite abgeschossener Pfeil sein Auge. Als der Gesandte (s) etwas Speichel auftrug und ein Bittgebet sprach, wurde er wieder gesund.⁵ Auch seine beiden Brüder Chल्लād und Mālik nahmen an dieser Schlacht teil.⁶ ʿUmayr ibn Wahb war einer der Führer der Quraisch von Mekka. Er gehörte zu denen, die den Gesandten Allahs (s) in Mekka auf vielerlei Weise quälten. In Badr nahm Rifāʿa dessen Sohn Wahb gefangen.⁷
In den Schlachten von Dschamal und Siffīn stand er auf der Seite von ʿAlī (ra).⁸ Die Teilnahme von ʿĀʾischa (ra), Talha (ra) und az-Zubayr (ra) an der Schlacht von Dschamal machte die Angelegenheit äußerst kompliziert. Umm al-Fadl bint al-Hārith, die Frau von al-ʿAbbās (ra), der Tante des Gesandten Allahs (s), teilte ʿAlī aus Mekka brieflich mit, dass Talha und az-Zubayr nach Basra gegangen seien. Als ʿAlī diese Nachricht erhielt, wurde er zutiefst traurig. In klagendem Ton sagte er: „Ich bin über ihr Verhalten erstaunt. Denn nach dem Tod des edlen Gesandten begannen wir, die Angehörigen des Prophetenhauses, uns selbst für die vorrangigsten Anwärter auf das Kalifat zu halten. Doch die Menschen meiner Gemeinschaft machten andere zu Kalifen. Im Hinblick auf Streit, Auseinandersetzungen und Unruhe nahmen wir alles hin und übten uns in Geduld. Allah sei Dank, dass das Ergebnis äußerst gut war. Danach rebellierten die Menschen, töteten den Kalifen ʿUthmān, und das Volk wählte mich ohne jeglichen Zwang zum Kalifen. Unter denen, die mir den Treueid leisteten, waren auch Talha und az-Zubayr. Noch nicht einmal ein Monat ist vergangen, und nun erreicht mich die Nachricht, dass sie mit einem Heer nach Basra ziehen. O Allah, sieh diesen Streit und diese Unordnung!“
Nachdem Rifāʿa ibn Rāfiʿ (ra) die Ansprache des Kalifen ʿAlī (ra) gehört hatte, sagte er: „O Fürst der Gläubigen! Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s) hielten wir uns unter Berücksichtigung unserer Würde und unseres Einsatzes für die Unterstützung der Religion für vorrangigere Anwärter auf das Kalifat. Damals fordertet ihr von uns ein Recht ein, indem ihr eure seltenen Ehren und Vorzüge geltend machtet, etwa eure nahe Verwandtschaft mit dem Gesandten Allahs (s), euren Vorsprung im Glauben und die Auswanderung. Auch wir vertrauten darauf, dass die Wahrheit und Gerechtigkeit verwirklicht und gemäß dem Buch und der Sunna gehandelt werde. Wir akzeptierten eure Forderung und übertrugen das Kalifat den Quraisch. Im Grunde war es richtig, dass wir so handelten. Nun haben sich nach dem Treueid gegenüber dir einige Leute gegen dich gestellt. Gewiss bist du besser als sie, und in unseren Augen bist du die annehmbarere Person. Sag nun, was willst du? Wir warten auf deine Anweisung.“
Nachdem Rifāʿas (ra) Ansprache beendet war, trat Haddschādsch ibn Ghāziya al-Anṣārī vor und sagte: „O Fürst der Gläubigen! Entscheide diese Angelegenheit jetzt. Ich bin bereit, auf diesem Weg mein Leben zu geben.“ Danach wandte er sich an die Ansār und sagte: „So wie ihr früher dem Gesandten Allahs (s) geholfen habt, so helft nun dem Fürsten der Gläubigen. Diese spätere Hilfe gleicht der ersten in jeder Hinsicht, auch wenn die erste Hilfe besser und ehrenvoller war.“⁹
Nach dieser Rede reiste ʿAlī (Allahs Wohlgefallen mit ihm) mit einem Heer in den Irak. Auch Rifāʿa (Allahs Wohlgefallen mit ihm) war sein Gefährte.
Über das Todesjahr Rifāʿas (Allahs Wohlgefallen mit ihm) besteht eine geringfügige Meinungsverschiedenheit. Ibn Kāniʿ sagt: Er starb im Jahr 41, 42 oder 43 nach der Hidschra. Das war zu Beginn des Kalifats von Muʿāwiya (Allahs Wohlgefallen mit ihm). Zum Zeitpunkt seines Todes hinterließ er zwei Söhne namens Muʿādh und ʿUbaid.
Von Rifāʿa wurden zahlreiche Hadithe überliefert. Einige seiner Hadithe wurden in Ṣaḥīḥ al-Buḫārī und Ṣaḥīḥ Muslim aufgenommen. Al-Buḫārī überlieferte drei Hadithe allein.
Rifāʿa (Allahs Wohlgefallen mit ihm) hörte neben dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auch von Abū Bakr und ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit Hadithe. Zu denjenigen, die von ihm Hadithe überlieferten, gehören insbesondere Yaḥyā ibn Ḫālid, ʿAlī ibn Yaḥyā sowie seine Söhne Muʿādh und ʿUbaid.
Quellen:
ʿAbdullāh ibn Zaid (Allahs Wohlgefallen mit ihm)
Der Beiname von ʿAbdullāh (Allahs Wohlgefallen mit ihm) war Abū Muḥammad, und sein Ehrentitel lautete „Ṣāḥib al-Adhān“ (Träger des Gebetsrufs). Er stammte aus dem Stamm Chazradsch von Medina. Bei der Überlieferung der Namen seines Vaters und Großvaters haben die Gelehrten der Rijāl-Wissenschaft große Unordnung verursacht. Ibn Saʿd hat dies eindeutig dargelegt. Auch Ibn Ḥadschar und Imām al-Qurṭubī wiesen auf diese Verwirrung hin.¹ Ibn al-ʿImād al-Ḥanbalī sagte bei seiner Vorstellung: „Er war ein Gefährte von Badr und derjenige, dem der Gebetsruf im Traum gezeigt wurde.“² Er gehörte zu den Teilnehmern des zweiten Treueids von al-ʿAqaba. Ibn Hišām erwähnte seinen Namen unter denjenigen, die in al-ʿAqaba den Treueid leisteten, und sagte: „Er nahm an Badr teil, und ihm wurde der Gebetsruf im Traum gezeigt.“ Auch Imām aḏ-Ḏahabī sagte dies.³
Bis zum Beginn des ersten Jahres nach der Hidschra gab es keine besondere Methode, um die Menschen zum Gebet zu versammeln. Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina gekommen und die Prophetenmoschee errichtet worden war, beriet er sich mit den Gefährten darüber, wie zum Gebet aufgerufen werden sollte. Er erhielt verschiedene Vorschläge. Einige sagten, zur Gebetszeit solle auf der Moschee eine Fahne gehisst werden. Andere schlugen vor, eine Glocke zu läuten. Auch das Blasen eines Horns, das Anzünden eines Feuers und Ähnliches wurde vorgeschlagen. Doch keiner dieser Vorschläge gefiel dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), da sie eine Ähnlichkeit mit den Juden, den Christen oder anderen Religionsgemeinschaften aufwiesen. Dennoch einigten sich alle damals auf den Vorschlag, durch eine Glocke auf die Gebetszeit aufmerksam zu machen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beendete die Versammlung, nachdem er gemäß diesem Vorschlag das Läuten einer Glocke erlaubt hatte, um die Menschen zum Gebet zu rufen.
Noch in derselben Nacht sah ʿAbdullah (r.a.) im Traum einen Mann, der eine Glocke in der Hand hielt und dastand. Er fragte: „Wirst du sie verkaufen?“ Der Mann fragte: „Was willst du damit tun?“ Er antwortete: „Sie zur Gebetszeit läuten.“ Da sagte der Mann: „Ich werde dir eine bessere Methode zeigen.“ Daraufhin lehrte er ʿAbdullah, indem er ihm die Worte und Sätze des Gebetsrufs vorsprach. Sobald ʿAbdullah erwacht war, begab er sich zum Dienst des Gesandten Allahs (s.a.w.) und erzählte ihm von seinem Traum. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Dieser Traum ist wahr. Geh und lehre ihn Bilal. Er soll den Gebetsruf ausrufen.“ ʿAbdullah lehrte Bilal den im Traum empfangenen Gebetsruf, und Bilal rief ihn aus. Dies war der erste Gebetsruf im Islam, und so nahm der Gebetsruf seinen Anfang.
Als ʿUmar (r.a.) die Stimme Bilals (r.a.) beim Gebetsruf hörte, zog er sich im Eilen den Umhang über, kam rasch aus dem Haus und trat vor den Gesandten Allahs (s.a.w.). Er sagte: „Bei Allah! Auch ich hatte im Traum genau diese Worte gehört.“ Der Gesandte (s.a.w.) dankte Allah dafür, dass die Träume der beiden Muslime übereinstimmten.⁴ Nach dem Gebetsruf stellten sich die Menschen zum Gebet in Reihen auf. Als Bilal (r.a.) gerade die Iqāma ausrufen wollte, sagte ʿAbdullah: „Ich werde die Iqāma ausrufen.“
Der Grund dafür, dass Bilal (r.a.) für den Gebetsruf ausgewählt wurde, war, dass seine Stimme lauter war als die Stimme ʿAbdullahs. Daher wird im Ṣaḥīḥ at-Tirmidhī überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.), als er ʿAbdullah aufforderte, Bilal die in seinem Traum empfangenen Worte zu lehren, zugleich sagte, dass Bilals Stimme lauter sei als seine.
Hier ist bemerkenswert, dass der Gebetsruf, der im Grunde die Einleitung zum Gebet und ein großes Symbol des Islam ist, durch ʿAbdullah (r.a.) eingeführt wurde. Dass er im Traum aus dem Verborgenen die Worte und Sätze des Gebetsrufs empfing, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) ihn als wahr bestätigte und dass die Muslime ihn einmütig annahmen – all dies war für ʿAbdullah (r.a.) eine beneidenswerte Ehre und Würde. Wir meinen, dass es hier nicht unangebracht wäre, noch einige weitere Worte über die Einführung und Verbreitung des Gebetsrufs zu sagen.
Manche Menschen sind der Ansicht, dass ʿUmar (r.a.) als Erster dem Gesandten (s.a.w.) den Gebetsruf vorgeschlagen habe. Eine Überlieferung in Ṣaḥīḥ al-Buchārī scheint dies nahezulegen. Tatsächlich werden darin jedoch nicht einmal die Worte des Gebetsrufs erwähnt. Dort heißt es lediglich, dass ʿUmar sagte: „Schickt jemanden von euch, der zum Gebet ausruft.“ Daraufhin sagte der Gesandte (s.a.w.): „Bilal, steh auf und rufe zum Gebet.“⁵
In einer Überlieferung von Abū Dāwūd heißt es, dass ʿUmar (r.a.) seinen Traum zwanzig Tage lang geheim hielt. Als Bilal den Gebetsruf ausrief, berichtete er dem Gesandten Allahs (s.a.w.) von seinem eigenen Traum. Der Gesandte (s.a.w.) fragte: „Warum hast du es nicht früher erzählt?“ ʿUmar (r.a.) antwortete: „ʿAbdullah ist mir damit zuvorgekommen. Deshalb schämte ich mich.“⁶
Abgesehen davon, dass die oben erwähnte Überlieferung dem Charakter ʿUmars (r.a.) widerspricht, stimmt das Geschehen auch nicht mit den näheren Umständen überein. Denn unter den zahlreichen Überlieferungen über den Gebetsruf findet sich in allen der folgende gemeinsame Punkt: Der Gesandte (s.a.w.) beriet sich tagsüber, und dabei wurde eine Entscheidung getroffen. Aus der Überlieferung ʿAbdullahs (r.a.) ist bekannt, dass zunächst beschlossen worden war, eine Glocke zu läuten. Er ging von der Versammlung nach Hause, sah in der Nacht den Traum, und beim Morgengebet wurde der Gebetsruf ausgerufen. Demnach ist die Überlieferung ʿAbdullahs (r.a.) eine Erläuterung und Auslegung der von al-Buchārī überlieferten Überlieferung Ibn ʿUmars (r.a.). Imām al-Buchārī kannte die Überlieferung ʿAbdullah ibn Zāyids (r.a.). Da sie jedoch nach seinen festgelegten Kriterien nicht als annehmbar galt, nahm er sie nicht in seine Ṣaḥīḥ-Sammlung auf.⁷
Tatsächlich lässt sich anhand dieser Überlieferungen nicht entscheiden, wer den Gebetsruf früher oder später sah. Vielleicht hat Imām al-Buchārī die Angelegenheit aus diesem Grund bewusst übergangen. Andernfalls wird nach einer Überlieferung at-Tabarānīs auch berichtet, dass Abū Bakr (r.a.) den Gebetsruf im Traum sah. Imām al-Ghazālī schreibt in seinem Werk al-Wasīṭ, dass mehr als zehn Personen den Gebetsruf im Traum gesehen hätten. Im Werk Tanbīh wird die Zahl von vierzehn Personen genannt. Bei den Muḥaddithūn sind jedoch all diese Überlieferungen nicht geeignet, eine Entscheidung zu begründen. Lediglich die Überlieferung ʿAbdullah ibn Zāyids und die Überlieferung Ibn ʿUmars (r.a.) haben in einigen Überlieferungsketten den Grad der Authentizität und Beweiskraft erreicht. Die Überlieferung ʿAbdullah ibn Zāyids ist dabei durch mehrere Überlieferungsketten überliefert worden, und eine Gruppe der Ṣaḥāba hat diese Geschichte berichtet.
Wie dem auch sei, ganz gleich, wer den Traum vom Gebetsruf zuerst gesehen haben mag: Der Traum und seine Deutung wurden mit ʿAbdullah ibn Zaid in Verbindung gebracht. Deshalb erlangte er unter dem Beinamen Ṣāḥib al-Adhān Berühmtheit.⁸
Selbst nachdem er diese große Ehre erlangt hatte, erwarteten ihn noch viele weitere Vorzüge. Im zweiten Jahr der Hidschra fand die Schlacht von Badr statt. An ihr nahmen er und sein Bruder Huwayris ibn Zaid teil.⁹ Danach nahm er an allen Schlachten, darunter an den Schlachten am Graben und bei Uhud, aktiv teil. Er war am Feldzug zur Eroberung Mekkas beteiligt, und das Banner der Banū al-Ḥārith ibn Khazraj befand sich in seiner Hand. Auch an der Abschiedswallfahrt nahm er teil. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) bei dieser Gelegenheit Ziegen und Kamele verteilte, stand er in seiner Nähe. Der Gesandte (s.a.w.) gab ihm nichts davon. Doch für ihn war etwas anderes bestimmt. Als der Gesandte (s.a.w.) sich den Kopf rasierte und die Nägel schnitt, schenkte er ihm einige Haare und Nägel. Die übrigen Haare und Nägel verteilte er unter den anderen. Diese Haare waren mit Henna gefärbt. Unter den Nachkommen ʿAbdullahs wurden diese Haare und Nägel lange Zeit als Symbol des Segens aufbewahrt.¹⁰
Nach der Rückkehr vom Feldzug nach Tabūk nach Medina kamen Gesandte mit einem Schreiben der Herrscher von Ḥimyar zum Gesandten Allahs (s.a.w.). In dem Schreiben teilten sie mit, dass sie den Islam angenommen hatten. Der Gesandte (s.a.w.) entsandte unter der Führung von Muʿādh ibn Jabal eine Delegation, um ihr Schreiben zu beantworten, sie die islamischen Vorschriften zu lehren und die Zahlung von Zakāt und Ṣadaqa einzufordern. Zu dieser Delegation gehörte auch ʿAbdullah ibn Zaid.¹¹
Muḥammad, der Sohn ʿAbdullahs (r.a.), berichtet: Mein Vater starb im Jahr 32 nach der Hidschra im Alter von 64 Jahren in Medina. Der Kalif ʿUthmān (r.a.) leitete das Totengebet.¹² Al-Ḥākim und viele andere sind jedoch der Ansicht, dass er bei Uhud den Märtyrertod erlitt. Als Beweis führen sie folgende Begebenheit an: Einst kam eine Tochter ʿAbdullahs (r.a.) zu ʿUmar (r.a.) und sagte: Mein Vater war ein Badr-Kämpfer und erlitt bei Uhud den Märtyrertod. ʿUmar (r.a.) fragte: Was forderst du nun? Als sie anschließend um etwas Unterstützung bat, gab er sie ihr. Dies ist die Überlieferung aus al-Ḥilya. In nahezu allen Werken der Rijāl-Wissenschaft, darunter dem Musnad, wird jedoch das Jahr 32 nach der Hidschra als sein Todesjahr genannt. Obwohl al-Ḥākim den Märtyrertod bei Uhud erwähnte, vertrat er außerdem in seinem Werk al-Mustadrak eine andere Ansicht.¹³
Von seinen Kindern sind ein Sohn und eine Tochter bekannt. Der Sohn hieß Muḥammad. Er wurde zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) geboren. Er sagte: Mein Vater war weder klein noch groß; sein Körperbau war von mittlerer Größe.¹⁴ Er konnte auf Arabisch schreiben.¹⁵
Ein Enkel ʿAbdullahs, Shīr ibn Muḥammad, begab sich einst an den Hof von ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz. Als er sich vorstellte, sagte er: Ich bin der Enkel eines ʿAqabī- und Badr-Kämpfers, dem im Traum der Gebetsruf gezeigt wurde. Daraufhin trug ʿUmar den anwesenden Menschen aus Syrien einen Vers aus einem Gedicht vor.¹⁶
Imām al-Buḫārī schrieb, dass über seine Überlieferungskette nur ein einziger Ḥadīth zum Gebetsruf überliefert worden sei. Auch Imām at-Tirmiḏī bestätigte dies. Doch der Ḥāfiẓ Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī fand sechs über seine Überlieferungskette überlieferte Ḥadīthe und erwähnte, dass er sie in einem eigenen Abschnitt zusammengestellt habe.¹⁷ Der Gelehrte aḏ-Ḏahabī sagte, dass über seine Überlieferungskette nur wenige Ḥadīthe zu finden seien.¹⁸
Zu denjenigen, die Ḥadīthe aus dem Mund ʿAbdullahs hörten und überlieferten, gehören besonders: sein Sohn Muḥammad, sein Enkel ʿAbdullah ibn Muḥammad, Saʿīd ibn al-Musayyab, ʿAbd ar-Raḥmān ibn Abī Laylā, Abū Bakr ibn Muḥammad ibn ʿAmr ibn Ḥazm und andere.¹⁹
Auch in Not und Armut alles auf Allahs Weg zu spenden, ist eine besonders vorzügliche Eigenschaft des Charakters. Abdullahs (r.a.) Besitz war äußerst gering. Damit bestritt er den Unterhalt seiner Familie. Es wird berichtet, dass er eines Tages zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam und sagte: „O Gesandter Allahs! Diesen Garten schenke ich als Sadaqa Allah und Seinem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“ Kurz darauf kamen seine Eltern zum Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und trugen vor: „O Gesandter Allahs! Von den Erträgen dieses Gartens leben wir.“ Daraufhin gab der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihnen den Garten zurück. Einige Zeit später starben sie, und ihre beiden Söhne erbten diesen Garten.20
Quellenangaben:
Thabit ibn Qays (r.a.)
Thabits (r.a.) Beiname war Abu Muhammad oder Abu Abdir-Rahman. „Khatib Rasulillah“ (der Redner des Gesandten Allahs) war sein Ehrentitel.1 Er stammte aus dem Stamm der Khazradsch in Medina. Sein Vater war Qays ibn Schammas. Seine Mutter war Hind, die Tochter eines Angehörigen des Stammes Tayyi, nach anderer Auffassung Kabsha bint Waqid. Abdullah ibn Rawaha und Umra bint Rawaha waren seine Halbgeschwister.2
Thabit (r.a.) war einer der hoch angesehenen Gefährten. Er nahm noch vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Islam an. Ibn Ishaq sagt: Einer Überlieferung zufolge stiftete der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zwischen ihm und Ammar ibn Yasir eine Muwakhah, also eine Bruderschaft.3
Als der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von Mekka nach Yathrib kam, gerieten alle Bewohner der Stadt vor Freude außer sich, um ihn willkommen zu heißen. Anas (r.a.) berichtet: Bei dieser Gelegenheit hielt Thabit eine Ansprache. Im Verlauf der Ansprache sagte er: „Wir werden dich vor all dem schützen, wovor wir unser eigenes Leben und unsere Kinder schützen. Doch was werden wir im Gegenzug erhalten?“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete: „Ihr werdet das Paradies erhalten.“ Da rief die versammelte Menge einstimmig: „Wir sind mit diesem Gegenwert einverstanden.“4
Die Gelehrten der Maghazi zählten Thabit (r.a.) nicht zu den Gefährten von Badr. Ibn Hadschar al-Asqalani hingegen vertrat in seinem Werk Tahdhib at-Tahdhib die Auffassung, dass er ein Gefährte von Badr gewesen sei.5 Die Gelehrten der Maghazi sagen: Sein erster Feldzug war Uhud. Danach nahm er an allen Schlachten und Feldzügen teil.6 Auch am Treueid von Ridwan nahm er teil.7
Im fünften Jahr nach der Hidschra nahm Thabit (r.a.) an der Belagerung und dem Feldzug gegen den jüdischen Stamm Banu Qurayza in Medina teil. Schließlich ergaben sich die Banu Qurayza und überließen ihr Schicksal ihrem alten Freund Sa’d ibn Mu’adh. Nach dem Urteil von Sa’d ibn Mu’adh wurde die Todesstrafe über ihre schuldigen Männer verhängt. Ibn Ishaq überliefert dies auf dem Weg über Ibn Schihab az-Zuhri. Zu dieser Zeit ging Thabit ibn Qays, um Jabir ibn Bata al-Qurazi zu besuchen. Jabir war ein alter Jude der Banu Qurayza. Als Thabit im Krieg von Bu’ath in der Zeit der Unwissenheit gefangen genommen worden war, hatte Jabir ihn freigelassen. In der Hoffnung, diese Schuld zu begleichen, trat Thabit in dieser schweren Zeit vor ihn. Jabir war damals bereits alt. Er sagte zu Thabit: „Abu Abdir-Rahman, hast du mich erkannt?“ Thabit erwiderte: „Wie könnte ein Mensch wie ich einen Menschen wie dich vergessen? Ich bin heute in der Hoffnung gekommen, meine Schuld dir gegenüber zu begleichen.“ Jabir sagte: „Ein edler Mensch vergilt edlen Menschen.“
Danach kam ثابت zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte: „O Gesandter Allahs! Jabir hat mir gegenüber eine große Wohltat erwiesen. Ich möchte sie vergelten. Überlass mir sein Blut.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gewährte ihm seine Bitte und sagte: „Ja, so sei es.“ Sabit ging zu Jabir und sagte: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat ihn mir überlassen, und ich überlasse ihn nun dir.“ Jabir sagte: „Jetzt bin ich ein alter Mann ohne Familie und Angehörige. Was soll mir das Leben noch bringen?“ Sabit kehrte zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zurück und sagte: „O Gesandter Allahs! Überlass mir Jabirs Frau und Kinder.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ja, sie gehören dir.“ Sabit ging erneut zu Jabir und sagte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat mir deine Familie und deine Kinder überlassen. Ich überlasse sie dir alle.“ Da sagte der alte Jabir: „Wie soll eine Familie aus dem Hidschas, die keinerlei Besitz und Vermögen hat, weiterleben?“ Sabit ging wieder zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), erbat von ihm deren Geld und Besitz und kehrte anschließend zu Jabir zurück, um ihm mitzuteilen, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihm all seinen Besitz zurückgegeben hatte.
Danach sagte der Alte: „O Sabit! Was ist aus Kaʿb ibn Asad geworden, dessen jugendliches Gesicht einem chinesischen Spiegel glich und in dem sich die Gesichter aller Jungfrauen des Stammes spiegelten?“ Sabit sagte: „Er ist getötet worden.“ Jabir sagte: „Was ist aus ʿAzzal ibn Samayal geworden, der bei unseren Freuden und Unglücksfällen stets an vorderster Stelle stand und uns schützte, wenn wir flohen?“ Sabit sagte: „Auch er ist getötet worden.“ Wieder fragte Jabir: „Was ist aus den beiden Versammlungen, also den Banū Kaʿb ibn Qurayza und den Banū ʿAmr ibn Qurayza, geworden?“ Sabit sagte: „Man hat sie zur Hinrichtung geführt.“ Jabir sagte: „O Sabit! Vergilt mir die Wohltat, die ich dir erwiesen habe, indem du mir ermöglichst, das Schicksal meines Volkes zu teilen. Bei Allah! Es hat keinen Sinn für mich, ohne sie weiterzuleben. Ich habe nicht die Kraft, allein ohne sie weiterzuleben.⁸“
Im sechsten Jahr nach der Hidschra fand der Feldzug gegen Banū al-Mustaliq statt. In diesem Krieg suchte Juwayriya, die Tochter des Anführers der feindlichen Partei, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf und bat um Hilfe. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beglich die mit ihr vereinbarte Ablösesumme und befreite sie für immer aus der Sklaverei. Danach heiratete er sie mit ihrem Einverständnis und verlieh ihr den Rang einer Mutter der Gläubigen.⁹
Während dieses Feldzugs gegen Banū al-Mustaliq ereignete sich der Vorfall des Ifk, der falschen und erfundenen Beschuldigung. Die Heuchler verbreiteten dieses Gerücht hauptsächlich über die Mutter der Gläubigen, ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), und Safwān ibn al-Muʿattal. Dieser Vorfall brachte die gesamte muslimische Gemeinschaft, einschließlich des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), für einige Zeit in eine äußerst bedrückende Lage. Auch einige arglose Muslime ließen sich durch diese falsche Propaganda verwirren. Aus den Werken der Geschichtsschreibung und der Rijāl-Wissenschaft geht hervor, dass auch der Dichter des Gesandten, Hassān ibn ثابت, darin verwickelt wurde. Zu dieser Zeit verfasste er sogar ein Gedicht, in dem er Safwān und dessen Stamm, die Mudschir, kritisierte. Als die Verse des Korans offenbart wurden, die das Geheimnis dieses Vorfalls enthüllten, stürzte sich Safwān eines Tages mit gezogenem Schwert auf Hassān. Sabit ibn Qays befand sich zu dieser Zeit in der Nähe. Sofort ergriff er Safwān und band dessen beide Hände mit einem Seil an seinem Hals fest. In diesem gefesselten Zustand brachte er ihn in das Viertel der Banū al-Hārith ibn al-Chazradsch. Dort traf er ʿAbdullāh ibn Rawāha. Dieser sagte: „Was soll das?“ Sabit sagte: „Wärst du etwa erfreut gewesen, wenn er Hassān mit diesem Schwert erschlagen hätte? Bei Allah, dieser Safwān hätte ihn tatsächlich getötet.“ ʿAbdullāh ibn Rawāha fragte: „Weiß der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), was du getan hast?“ Sabit sagte: „Nein.“ ʿAbdullāh sagte: „Dann hast du eine sehr gewagte Tat begangen. Lass ihn frei.“ Sabit ließ ihn frei. Danach kamen alle zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und berichteten ihm den gesamten Vorfall. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schlichtete zwischen ihnen.¹⁰
Im neunten Jahr nach der Hidschra kam eine Delegation des Stammes Banū Tamīm nach Medina zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nach der Sitte der Beduinen kamen sie direkt zur Tür des Hauses des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und riefen: „Muhammad! Komm heraus!“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam heraus und setzte sich mit ihnen zu einem Gespräch. Nach arabischem Brauch stellten sie schließlich ihren schlagfertigen Redner ʿUtārid ibn Hādschib auf, damit er dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihre Ehre und ihr Ansehen darlegte. ʿUtārid schilderte in einer langen Ansprache den Ruhm und die Leistungen seines Stammes. Nachdem er seine Ansprache beendet hatte, wies der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Sabit ibn Qays an, ihm zu antworten. Sabit stellte Allah, Seinen Gesandten und den Islam in einer äußerst reinen und klaren Sprache dar. Nach seiner Ansprache sagte die Delegation der Banū Tamīm: „Beim Eid unseres Vaters! Sein Redner ist besser als unser Redner.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und die Muslime waren über seine Ansprache sehr erfreut.¹¹
In diesem Zusammenhang berichtet Ibn Hischām: Sabit erhob sich und hielt eine Ansprache. Er sagte:¹² „Alles Lob gebührt Allah, der Himmel und Erde erschaffen hat, der alles im Himmel und auf der Erde bestimmt hat und dessen Kursī so weit ist wie Sein Wissen. Ohne Seine Gunst und Barmherzigkeit kann nichts geschehen. Es gehört zu Seiner Macht, dass Er uns zu Herrschern gemacht und das Beste Seiner Schöpfung zum Gesandten erwählt hat. Er hat ihn durch seine Abstammung geehrt und ihn wahrhaftig gemacht. Indem Er ihm das Buch offenbarte, vollendete Er Seine Gunst gegenüber der Schöpfung. So wurde er zum besten Wesen unter allen Geschöpfen. Er rief die Menschen dazu auf, an Ihn zu glauben. Seinem Ruf folgend, glaubten die Auswanderer aus seinem Volk an ihn. Sie waren ihrer Abstammung nach die edelsten, ihrem Aussehen nach die schönsten und ihren Taten nach die besten Menschen. Nach ihnen sind wir diejenigen aus dem Volk, die dem Ruf des Gesandten folgten. Wir sind Allahs Ansār und die Helfer Seines Gesandten. Wir werden gegen die Menschen kämpfen, bis sie glauben. Wer an Allah und Seinen Gesandten glaubt, dem gewähren wir Schutz für sein Leben und sein Vermögen. Wer aber ablehnt, gegen den werden wir für immer kämpfen. Ihn zu töten, ist für uns sehr leicht. Dies ist alles, was ich zu sagen habe. Ich bitte Allah um Vergebung und um Verzeihung für mich selbst und für alle muslimischen Männer und Frauen. Und der Friede sei mit euch.“
Im selben neunten Jahr nach der Hidschra kam Musaylima al-Kadhdhāb mit einer Gruppe von Männern aus dem Stamm Banū Hanīfa nach Medina. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) davon erfuhr, ging er gemeinsam mit Sabit ibn Qays zum Aufenthaltsort Musaylimas, zum Haus von al-Hārith ibn Qurayra. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt einen Stock in der Hand. Im Verlauf des Gesprächs sagte Musaylima: „Wenn du mir versprichst, mich nach dir zum Kalifen zu machen, kann ich dir folgen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Von der Kalifatswürde ganz zu schweigen: Ich halte mich nicht einmal für berechtigt, dir diesen Stock aus meiner Hand zu geben. Was Allah über dich beschlossen hat, wird gewiss eintreten. Ich habe dein Ende im Traum gesehen. Wenn du noch etwas zu sagen hast, dann sprich mit diesem Sabit hier. Ich gehe nun.“¹³
Nach dem Ableben des edlen Gesandten Allahs versammelten sich die Ansar von Medina in der Saqifa Banu Sa’ida, um ihren Anführer Sa’d ibn Ubada zum Kalifen zu wählen. Als diese Nachricht Abu Bakr (r.a.) erreichte, begab er sich gemeinsam mit Umar (r.a.) und anderen zu dieser Versammlung. Dort hielt auch Sabit ibn Qays, wie mehrere andere, eine Ansprache an die Menschen. Ein Teil davon lautet: „Sodann: Wir sind die Helfer Allahs und die Soldaten des Islam. Ihr hingegen, ihr Muhadschirun, seid eine kleine Gemeinschaft. Nun wollen einige Menschen uns vom Kalifat ausschließen. Das ist wahrlich erstaunlich.“ Darauf erwiderte Abu Bakr (r.a.): „Was du gesagt hast, ist richtig. Doch der Kalif muss aus den Reihen der Quraisch stammen.“
Unmittelbar nachdem Abu Bakr (r.a.) Kalif geworden war, wurde ein Feldzug gegen den falschen Propheten Tulayha geführt. Der Befehlshaber dieses Heeres war Khalid ibn al-Walid (r.a.). Die Ansar-Mudschahidun standen unter dem Kommando von Sabit.¹⁴
Im zwölften Jahr nach der Hidschra wurde ein Feldzug gegen den falschen Propheten Musaylima al-Kadhdhab geführt. Auch Sabit (r.a.) nahm an diesem Feldzug teil. Im Verlauf der Schlacht wurden die Muslime geschlagen, und das muslimische Heer zerstreute sich. Da sagte Anas (r.a.) zu ihm: „Onkel, du siehst doch, was geschehen ist.“ Sabit war gerade dabei, sich mit Duftstoff einzureiben. Er sagte: „Das ist keine Art der Kriegsführung. Zur Zeit des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) kämpften die Menschen nicht auf diese Weise. O Allah, ich habe mit dem, was diese Leute getan haben, nichts zu tun.“¹⁵ Weiter sagte er: „Ich bedaure all diese Leute, das, was sie anbeten, und alles, was sie getan haben.“ Danach kämpfte er tapfer auf dem Schlachtfeld, tötete einen Soldaten, der am Tor der Festung Musaylimas stand, und fiel selbst als Märtyrer.¹⁶
Die Rüstung an seinem Körper war unbeschädigt. Ein muslimischer Soldat nahm sie ihm ab. Eines Nachts sah ein anderer muslimischer Soldat in einem Traum, dass Sabit (r.a.) zu ihm sagte: „Ein bestimmter Muslim hat die Rüstung von meinem Körper genommen. Sag Khalid, er solle sie ihm abnehmen und, wenn er Medina erreicht, Abu Bakr mitteilen, dass Sabit so und so viel Schulden hat. Er soll diese Rüstung verkaufen und damit meine Schulden begleichen. Auch soll er meinen und den bestimmten Sklaven freilassen.“ Khalid (r.a.) nahm die Rüstung von diesem Mann, und Abu Bakr (r.a.) führte Sabits Vermächtnis aus. Dieses Ereignis wird in Sahih al-Bukhari zusammengefasst erwähnt. At-Tabarani hat es über die Überlieferungskette von Anas (r.a.) ausführlich überliefert.¹⁷
Sabit (r.a.) hinterließ mehrere Nachkommen. Er hatte eine Tochter, deren Name jedoch nicht bekannt ist. Seine Söhne hießen: Muhammad, Yahya, Qays, Abdullah, Ismail, Aban, Muhammad und Yaschyah; Abdullah fiel am Tag von al-Harra als Märtyrer.¹⁸ Einer seiner Enkel, Adi ibn Aban, war ein berühmter Hadith-Gelehrter in Kufa.¹⁹
Sabits Ehefrau hieß Jamila. Sie war die Tochter des Heuchlerführers Abdullah ibn Ubayy ibn Salul.²⁰ Zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben trennten sich Sabit (r.a.) und sie. Imam adh-Dhahabi sagt: Sabit war jener Mann, dessen Ehefrau Jamila zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.) kam und sich beschwerte: „O Gesandter Allahs! Ich bin nicht mehr mit Sabit zusammen.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) fragte: „Willst du ihm seinen Garten zurückgeben?“ Sie sagte: „Ja.“ Daraufhin ließ sich Jamila von Sabit durch Khula scheiden.²¹ Es wird überliefert, dass Jamila zu dieser Zeit schwanger war. Einige Tage nach der Scheidung gebar sie einen Sohn. Das Kind wurde in ein Tuch gewickelt und zu seinem Vater Sabit geschickt. Als Sabit das Kind zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.) brachte, vollzog dieser Tahnik an ihm und gab ihm den Namen Muhammad. Der Vater stellte zu seiner Pflege eine Amme ein.²²
Sabit (r.a.) überlieferte Hadithe vom Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Zu den bedeutenden Personen, die von ihm Hadithe überlieferten, gehörten seine Kinder, darunter Muhammad, Qays und Ismail. Außerdem überlieferten Anas ibn Malik, Abd ar-Rahman ibn Abi Layla und andere von ihm. In den Sahih-Werken ist ein Hadith von ihm überliefert.²³
Ibn Ishaq sagt: Sabit (r.a.) war ein Mann mit lauter Stimme, reiner Sprache und großer Beredsamkeit.²⁴ Die Ansar von Medina wählten ihn zu ihrem Khatib (Redner). Auch der edle Gesandte (s.a.w.s.) verlieh ihm an seinem Hof den Rang eines Khatib.²⁵ Imam al-Qurtubi sagt: Er war der Khatib der Ansar. Später erhielt er den Beinamen „Khatib ar-Rasulillah“ (Redner des Gesandten Allahs), so wie Hassan ibn Sabit (r.a.) den Beinamen „Scha’ir ar-Rasulillah“ (Dichter des Gesandten Allahs) erhielt.²⁶
Ein herausragendes Merkmal von Thabits (ra) Charakter war seine grenzenlose Ehrfurcht und Liebe zum Propheten (s). Ständig fürchtete er, ihm gegenüber irgendeine Ungehörigkeit zu begehen. Imam Muslim überliefert auf der Grundlage von Anas (ra): Als der zweite Vers der Sure al-Hudschurat offenbart wurde: „O ihr Gläubigen! Erhebt eure Stimme nicht über die Stimme des Propheten und sprecht nicht so laut mit ihm, wie ihr untereinander laut sprecht, damit eure Werke nicht zunichtewerden, ohne dass ihr es merkt“, schloss Hadhrat Thabit die Tür seines Hauses und blieb dort sitzen. Er sagte: „Ich bin ein Bewohner der Hölle.“ Er hörte auch auf, zum Gesandten Allahs (s) zu gehen. Eines Tages fragte der Gesandte (s) Saʿd ibn Muʿadh: „O Abu ʿAmir! Was ist mit Thabit geschehen? Ist er krank?“ Saʿd antwortete: „Nein, er ist wohlauf. Von irgendeinem Problem weiß ich nichts.“ Daraufhin ging Saʿd zu Thabit und berichtete ihm von der Frage des Gesandten Allahs (s). Thabit sagte: „Dieser Vers der Sure al-Hudschurat ist offenbart worden. Und du weißt doch, dass ich von euch allen am lautesten mit dem Gesandten Allahs (s) spreche. Ich bin ein Bewohner der Hölle geworden.“ Als Saʿd dem Gesandten Allahs (s) dies mitteilte, sagte er: „Nein, er ist kein Bewohner der Hölle; er gehört zu den Bewohnern des Paradieses.“27 In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Thabit (ra) sagte: „Ich bin ein Mann mit lauter Stimme. Ich fürchte, dass vielleicht all meine guten Taten zunichtegeworden sind.“ Als der Gesandte (s) dies hörte, sagte er: „Thabit, du gehörst nicht zu ihnen! Du wirst in Güte und Wohlergehen auf dieser Welt leben und in Güte und Wohlergehen sterben.“28
Als dieser Teil des 36. Verses der Sure an-Nisaʾ offenbart wurde – „Wahrlich, Allah liebt die Hochmütigen und Prahler nicht“ –, schloss Thabit (ra) die Tür seines Hauses und begann zu weinen. Als der Gesandte (s) ihn nicht sah, schickte er jemanden, um nach ihm zu suchen. Thabit erschien beim Gesandten Allahs (s) und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich liebe die Schönheit. Ich liebe es, mein Volk zu führen. Ich fürchte, dass ich vielleicht unter diesen Vers falle.“ Der Gesandte (s) sagte: „Du gehörst nicht zu ihnen. Dein irdisches Leben wird ein gelobtes sein. Dein Leben wird mit dem Märtyrertod enden, und im Jenseits wirst du zu den Bewohnern des Paradieses gehören.“29
Thabits (ra) Sohn Muhammad berichtet: Einmal sagte sein Vater Thabit zum Gesandten (s): „O Gesandter Allahs! Ich fürchte, zugrunde zu gehen.“ Der Gesandte (s) fragte: „Warum?“ Thabit antwortete: „Allah hat uns verboten, den Wunsch zu hegen, für Taten gelobt zu werden, die wir nicht vollbracht haben. Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich das Lob liebe. Allah hat uns verboten, stolz und hochmütig zu sein. Dennoch liebe ich die Schönheit. Uns wurde verboten, unsere Stimme über die Stimme des Gesandten zu erheben. Aber ich bin ein Mann mit lauter Stimme.“ Als er geendet hatte, sagte der Gesandte (s): „Thabit! Möchtest du nicht ein gelobtes Leben führen, als Märtyrer sterben und im Jenseits ins Paradies eingehen?“ Thabit sagte: „Ja, o Gesandter Allahs!“ Tatsächlich war sein Leben auf dieser Welt gelobt, und im Kampf gegen Musailima al-Kadhdhab starb er als Märtyrer.30 Hadhrat, der edle Gesandte Allahs (s), sagte außerdem über ihn: „Was für ein vortrefflicher Mann Thabit ist!“31
Wie tief der edle Gesandte (s) ihn liebte, geht aus verschiedenen Ereignissen hervor. Als Thabit (ra) einmal erkrankte, besuchte ihn der Gesandte (s) und betete für seine Genesung mit den Worten: „O Herr der Menschen! Nimm Thabit ibn Qays sein Leid.“32
Quellen:
Khuzaiba ibn ʿAdī ibn ʿĀmir (ra)
Khubayb ibn ʿAdī stammte aus dem Stamm der Aus in Medina. Er war ein ansarischer Gefährte.1 Er nahm bereits vor der Hidschra den Islam an. Er nahm an der Schlacht von Badr teil und wurde mit der Aufgabe betraut, die Ausrüstung der muslimischen Kämpfer zu bewachen.2 In dieser Schlacht tötete er al-Harith ibn Nawfal, einen Götzendiener aus Mekka.3 Ibn Saʿd berichtet, dass er auch an der Schlacht von Uhud teilnahm.4
Al-Waqidi und al-Baladhuri zufolge ereignete sich der traurige Vorfall von ar-Radschiʿ im Safar des vierten Jahres nach der Hidschra.5 Dabei erlitten mehrere angesehene Gefährten des Gesandten Allahs (s) den Märtyrertod. Hadhrat Khubayb (ra) war einer dieser großen Märtyrer. Über den genauen Ablauf dieses Ereignisses liegen zwei verschiedene Überlieferungen vor. Hier werden sie kurz dargestellt.
Über die Überlieferung von Ibn Schihab wird von Abu Huraira berichtet: Der edle Gesandte (s.a.w.) entsandte zu Spionagezwecken eine zehnköpfige Truppe von Medina aus. Er ernannte Asim ibn Thabit al-Ansari zu ihrem Befehlshaber. Als sie den Ort Hadya – zwischen Usfan und Mekka – erreichten, stießen sie dort auf den Banu-Lihyan-Zweig des Stammes Hudhail, der dort ansässig war. Etwa hundert geschickte Bogenschützen dieses Stammes zogen aus, um die kleine Truppe gefangen zu nehmen, und durchsuchten gründlich die Gegend. An einer Stelle fanden sie die Dattelkerne, welche die Männer dieser Truppe gegessen hatten, und erkannten daran, dass es Datteln aus Yathrib waren und diejenigen, die sie gegessen hatten, aus Yathrib stammen mussten. Asim suchte mit seinen Gefährten auf einem sicheren Hügel Zuflucht. Die Banu Lihyan entdeckten bei ihrer Suche schließlich ihren Aufenthaltsort. Sie umzingelten sie von allen Seiten und forderten sie mit dem falschen Versprechen, ihr Leben zu verschonen, zur Übergabe auf.
Ibn Ishaq überlieferte von Asim ibn Umar ibn Qatada: Nach der Schlacht von Uhud kam eine Abordnung der Stämme Adal und al-Qara nach Medina zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Sie sagte: „O Gesandter Allahs! In unserem Stamm hat sich der Islam verbreitet. Schicke einige deiner Gefährten mit uns, damit sie uns den Koran vortragen und uns in der Religion sowie in den Bestimmungen und Vorschriften der Scharia unterrichten.“ Der Gesandte (s.a.w.) glaubte ihnen und gab ihnen sechs Gefährten mit. Als diese Medina verlassen hatten und in der Nähe der Wasserstelle Ar-Raji’ des Stammes Hudhail zwischen Usfan und Mekka angekommen waren, stießen die Männer der Stämme Adal und al-Qara ohne jeden Anlass laute Schreie aus. Es sollte den Anschein erwecken, als seien sie angegriffen worden. In Wirklichkeit war ihnen keinerlei Angst eingejagt oder Schaden zugefügt worden. Die Männer des Stammes Hudhail kamen mit gezückten Schwertern heraus und umzingelten diese wenigen schutzlosen Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.). Auch sie zogen ihre Schwerter und beschlossen, Widerstand zu leisten. Da sagten die Feinde zu ihnen: „Wir beabsichtigen nicht, euch zu töten. Wir wollen im Austausch gegen euch lediglich einige Vorteile von den Bewohnern Mekkas erlangen. Bei Allah geloben wir, dass wir euch nicht töten werden.“ Darauf sagten drei Mitglieder der Gruppe – Marsad, Khalid ibn Bukair und Asim ibn Thabit (r.a.): „Bei Allah!“ Sie kämpften gegen den Feind, und alle drei erlangten das Martyrium.
Die anderen drei Mitglieder der Gruppe, Khubaib ibn Adi, Zaid ibn ad-Dathina und Abdullah ibn Tariq (r.a.), wurden dem Leben gegenüber etwas schwach. Sie gaben den Kampf auf und ergaben sich. Die Ungläubigen lösten nur bei denjenigen, die sich ergeben hatten, die Bogensehnen und fesselten ihnen Hände und Füße fest. Da protestierte Abdullah ibn Tariq gegen dieses Vorgehen und sagte: „Das ist euer erster Vertragsbruch. Bei Allah, ich werde nicht mit euch gehen.“ Zu seinen Gefährten sagte er: „Was diese Ungläubigen betrifft, so habe ich ein Vorbild.“ Darauf begannen die Feinde, ihn fortzuschleifen. Er weigerte sich weiterhin, mit ihnen zu gehen. Als sie in dieser Lage den Ort Marr az-Zahran unweit von Mekka erreichten, gelang es Abdullah ibn Tariq bei einer Gelegenheit, seine Fesseln zu lösen und sich zu befreien. Sofort erhob er sein Schwert und stellte sich dem Feind entgegen. Die Feinde wichen ein wenig von ihm zurück und töteten ihn mit einem Pfeilschuss. Sein Grab befindet sich in Marr az-Zahran.
Sie brachten Khubaib ibn Adi und Zaid ibn ad-Dathina nach Mekka. Zwei Männer des Stammes Hudhail befanden sich in der Hand der Quraisch von Mekka. Im Austausch gegen diese beiden ließen sie ihre beiden Gefangenen frei.⁶ Aus verschiedenen Überlieferungen ist jedoch auch bekannt, dass sie die beiden nicht im Austausch gegen Gefangene, sondern zu einem sehr hohen Preis an die Quraisch von Mekka verkauften.
Über die Frage, wer Khubaib gekauft hatte, besteht eine geringfügige Meinungsverschiedenheit. Einer Ansicht zufolge kaufte ihn Uqba ibn al-Harith, um den Mord an seinem Vater zu rächen. Einer anderen Überlieferung zufolge kauften Abu Ihab, Ikrima ibn Abi Dschahl, al-Achnas ibn Schuraiq, Ubaida ibn Hakim ibn al-Awqas, Umaiya ibn Abi As-Salt und Safwan ibn Umaiya aus den Banu al-Hadrami ihn gemeinsam, um den Mord an ihren Vätern zu rächen, die in der Schlacht von Badr getötet worden waren.⁷ Ibn Ishaq sagt, dass Hudschair ibn Abi Ihab at-Tamimi, der mütterliche Halbbruder von al-Harith ibn Amir, Khubaib kaufte und ihn Uqba ibn al-Harith übergab, damit dieser ihn als Vergeltung für die Tötung seines in Badr gefallenen Vaters töten konnte.⁸
Es sei darauf hingewiesen, dass unter den Experten der Sira eine gewisse Meinungsverschiedenheit darüber besteht, wie viele Mitglieder die Gruppe hatte, die der Gesandte (s.a.w.) von Medina aus entsandte, und wer ihr Anführer war. In verschiedenen Überlieferungen werden sechs, sieben und zehn Mitglieder genannt. Ibn Hischam nennt die Namen der zuvor erwähnten sechs Männer und bezeichnet Marsad als Anführer (Amir). In manchen Überlieferungen wird hingegen Asim ibn Thabit als Anführer genannt.⁹ Khubaib (r.a.) wurde mit Handschellen gefesselt und im Haus von Uqba ibn al-Harith gefangen gehalten.¹⁰ Ein Mann namens Maufib wurde als Wächter eingesetzt. Uqbas Frau nahm ihm während der Mahlzeiten die Handschellen ab.¹¹ Bei einer Prüfung verschiedener Überlieferungen scheint der Name dieser Frau Schabiyya gewesen zu sein. In manchen Überlieferungen wird sie als Sklavin oder Tochter von Hudschair ibn Abi Ihab bezeichnet. Ibn Ishaq überliefert ihre Aussage. Später nahm diese Frau den Islam an.
Sie hielten Khubaib mehrere Monate lang gefangen. Nachdem die heiligen Monate verstrichen waren, begannen sie, seine Hinrichtung vorzubereiten. Als Khubaib erkannte, dass er getötet werden sollte, richtete er drei Bitten an Maufib, der als Wächter eingesetzt war:¹²
1. Er sollte ihm süßes Wasser zu trinken geben.
2. Lass sie nicht das Fleisch von Tieren essen, die im Namen ihrer Götzen geschlachtet wurden.
3. Er soll ihn vor der Hinrichtung davon in Kenntnis setzen.
Auch an Uqbas Ehefrau richtete er diese letzte Bitte. Als die Entscheidung über seine Hinrichtung gefallen war, informierte sie ihn darüber.13 Um sich zu reinigen, bat er sie um ein Rasiermesser. Während Khubaib (ra) sich rasierte, kam eines von Uqbas kleinen Kindern beim Spielen zu ihm. Er nahm das Kind liebevoll auf den Schoß. Als die Frau das scharfe Rasiermesser in der Hand eines Gefangenen sah, der schon bald an den Pfahl gehängt werden sollte, und dessen seelischen Zustand erkannte, sagte der Gefangene Khubaib: „Du glaubst, ich würde dieses Kind töten, um das Blut meiner Angehörigen zu rächen. So etwas werde ich niemals tun. Ein solches Verhalten entspricht nicht unserem Charakter.“14 Dann scherzte er ein wenig und sagte: „Allah hat mich nun über euch siegen lassen.“ Die Mutter des Kindes sagte: „Das hätte ich von dir nicht erwartet.“ Daraufhin warf Khubaib das Rasiermesser vor der Frau nieder und sagte: „Hier, ich habe nur einen Scherz gemacht.“15
Die Worte und Taten Khubaibs (ra) hinterließen bei dieser Frau einen tiefen Eindruck. Nach Khubaibs Hinrichtung nahm sie den Islam an. Ibn Ishaq hat seine Bemerkung über Khubaib (ra) aufgezeichnet. Er sagt: „Ich habe keinen besseren Gefangenen als diesen Khubaib gesehen. Durch einen Spalt in der Tür des Gefängnisses sah ich, wie er große Weintrauben von der Größe menschlicher Köpfe in der Hand hielt. Er aß diese Weintrauben. Ich weiß nicht, dass irgendwo auf der Welt solche Weintrauben gegessen werden. Damals gab es in Mekka keine Weinberge. Außerdem war er doch mit eisernen Fesseln gefangen. Dies war gewiss eine Versorgung (Nahrung), die von Allah kam.“16
Die polytheistische Macht Mekkas nahm Khubaibs Hinrichtung sehr ernst. In der Nähe des Heiligtums, an einem Ort namens Tanʿīm, wurde an einem Baum ein Pfahl zur Hinrichtung angebracht. Unter großem Lärm und mit viel Aufsehen wurde eine Menschenmenge aus allen Bevölkerungsschichten Mekkas versammelt – Männer und Frauen, Kinder, Jugendliche und Alte. Für sie war dies ein gewaltiges Vergnügen und ein großes Schauspiel. Als die Leute kamen, um ihn aus Uqbas Haus abzuholen, bat er sie: „Gebt mir ein wenig Zeit, damit ich noch zwei kurze Rakʿa Gebet verrichten kann. Wenn ich das Gebet verlängere, werdet ihr sagen, dass ich es aus Todesangst in die Länge ziehe.“ Nachdem er die zwei kurzen Rakʿa Gebet verrichtet hatte, machte er sich zum Hinrichtungsplatz auf. Er ging dem Tod entgegen, und von seinen Lippen erklang:17
Es lautet auf Arabisch
„O Allah! Zähle sie einzeln, töte sie einen nach dem anderen und verschone keinen von ihnen.“
Als er den Baum von Tanʿīm erreichte, wurde von seinen Lippen ein Gedicht vorgetragen, dessen zwei Verse sinngemäß wie folgt lauten:
1. Wenn ich als Muslim getötet werde, ist es mir gleichgültig, auf welcher Seite mein Leichnam zu liegen kommt.
2. All dies geschieht auf dem Weg der Liebe zu Allahs heiliger Wesenheit. Wenn Er will, kann Er sogar über meinen zerstückelten Körper Seine Barmherzigkeit herabkommen lassen.
Außerdem sind in verschiedenen Werken noch einige weitere Verse überliefert, die er in den letzten Augenblicken seines Lebens sprach.18
Bevor er am Pfahl aufgehängt wurde, sprach er auch dieses Bittgebet: „O Allah! Wir haben die Botschaft Deines Gesandten übermittelt. Übermittle Deinem Gesandten unsere Nachricht.“19
Uqba ibn al-Harith und Abu Huraira al-Abdari hängten ihn gemeinsam am Pfahl auf.20 Später leugnete Uqba ibn al-Harith seine Beteiligung an der Tötung von Khubaib und sagte: „Eigentlich habe ich Khubaib nicht getötet, denn damals war ich noch nicht alt genug, um jemanden zu töten. Daher gab Abu Maysara mir einen Speer in die Hand. Dann ergriff er meine Hand samt dem Speer, stieß ihn in Khubaibs Körper und tötete ihn.“ Dieser Uqba wurde Muslim und überlieferte Hadithe über das Stillen.21
Aus diesem Bericht geht hervor, dass Khubaib am Pfahl aufgehängt und mit einem Speer durchbohrt wurde. Dies wird in den Maghazi des Musa ibn Uqba berichtet. Khubaib und Zaid ibn al-Dathina wurden am selben Tag getötet. Und an dem Tag, an dem sie getötet wurden, hörte man den Gesandten in Medina sagen: „Friede sei mit euch beiden.“ Er verkündete auch ihre Tötung. Durch die Offenbarung war er über alles informiert.22
Der edle Gesandte Allahs entsandte einige tapfere und fähige Männer von Medina, um die Leichname von Khubaib und Zaid durch eine List aus den Händen der Ungläubigen zu bergen. Es waren ʿAmr ibn Umayya al-Miqdad und az-Zubair. ʿAmr berichtet: „Ich ging zum Pfahl von Khubaib, befreite ihn und legte ihn ein wenig auf den Boden. Dann stieg ich hinab und fand trotz einer langen Suche keine Spur von ihm. Es war, als hätte die Erde ihn verschlungen.“
Andererseits überliefert Abu Yusuf in dem Werk Kitab al-Lata’if von ad-Dahhak: Der edle Prophet entsandte al-Miqdad und az-Zubair ibn al-Awwam von Medina, um Khubaibs Leichnam vom Pfahl herabzunehmen. Als sie Tan’im erreichten, sahen sie vierzig bewaffnete Männer um den Leichnam, die ihn bewachten. Unbemerkt von ihnen nahmen sie den Leichnam herab, und az-Zubair hob ihn auf den Rücken seines Pferdes. Inzwischen bemerkten die Wächter dies und nahmen die Verfolgung auf. Az-Zubair ließ den Leichnam fallen, und die Erde verschlang ihn. Deshalb wurde az-Zubair „von der Erde Verschlungener“ genannt.23 Die Menschen auf der Welt konnten niemals erfahren, wo sich az-Zubairs Grab befand. Musa ibn Uqba sagte: Viele meinen, dass ʿAmr ibn Umayya ihn irgendwo bestattet habe.
Vor seiner Hinrichtung wollten die Götzendiener sein Gesicht nicht in Richtung der Qibla drehen. Doch wer vermag ein Gesicht, das sich einmal zur Qibla gewandt hat, in eine andere Richtung zu drehen? Die Götzendiener versuchten immer wieder, sein Gesicht in eine andere Richtung zu drehen, scheiterten jedoch jedes Mal.24
Saʿīd ibn ʿĀmir al-Dschumahī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war als Zuschauer bei der Hinrichtung von Chubaib anwesend. Das war in seinem Leben vor dem Islam. Später wurde er Muslim. Der Kalif ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ernannte ihn zum Gouverneur von Hims. Nach kurzer Zeit erhoben die Bewohner von Hims mehrere Beschwerden gegen ihn. Eine davon lautete: Saʿīd ibn ʿĀmir fällt bisweilen derart in Ohnmacht, dass man glaubt, er sei gestorben. Der Kalif ʿUmar fragte Saʿīd nach dem Grund dafür. Saʿīd ibn ʿĀmir fällt bisweilen derart in Ohnmacht, dass man glaubt, er sei gestorben. Der Kalif ʿUmar fragte Saʿīd nach dem Grund dafür. Saʿīd sagte: „Ich hatte in Mekka gesehen, wie Chubaib al-Ansārī an den Galgen gehängt wurde. Die Quraisch schnitten Stück für Stück Fleisch von seinem Körper. Dann hängten sie ihn an einen Baum und fragten: Würdest du es begrüßen, wenn Muhammad an deiner Stelle gebracht würde? Er sagte: Ich würde niemals wünschen, dass Muhammad an meiner Stelle wäre, während ich sicher unter meiner Familie und meinen Kindern weile. Jedes Mal, wenn ich an jenen Tag zurückdenke, steigt in mir ein Schuldgefühl auf. Warum bin ich ihm an jenem Tag nicht zu Hilfe gekommen? Obwohl ich damals ein Götzendiener war, glaube ich, dass Allah mir dieses Verbrechen niemals vergeben wird. Dann überkommt mich dieser Zustand.“ Nachdem er dies gesagt hatte, stieß er einen lauten Schrei aus, rief „Muhammad!“ und fiel bewusstlos zu Boden.25
Muʿāwiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) pflegte später zu sagen: „Wie die anderen war auch ich mit meinem Vater Abū Sufyān bei der Hinrichtung von Chubaib anwesend. Aus Angst vor Chubaibs Verwünschung hielt er mich beinahe an den Boden gedrückt. Denn sie glaubten, wenn jemand eine Person verwünschte und sich aus Angst zusammengekauert neben sie legte, dann würde die Verwünschung nicht ihn, sondern einen anderen treffen.“26 Al-Hārith sagte: „Ich war anwesend. Bei Allah! Ich hätte nicht gedacht, dass einer von uns am Leben bleiben würde.“27
Chubaibs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Bittgebet wurde bei Allah erhört. Alle ruchlosen Männer, die aktiv an seiner Tötung beteiligt gewesen waren, wurden innerhalb eines Jahres auf äußerst grausame Weise getötet.28
Ibn ʿAbbās (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Nach diesem Ereignis begannen die Heuchler von Medina zu sagen: Diese Unglücklichen blieben weder bei ihren Familien und Angehörigen, noch konnten sie die ihnen von ihrem Freund, dem Propheten, anvertraute Aufgabe erfüllen.“ Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, die Verse 204–206 der Sure al-Baqara, um das wahre Wesen dieser Heuchler offenzulegen, sowie den Vers 207 zum Lob von Chubaib ibn ʿAdī und seinen Gefährten:29
„Unter den Menschen gibt es manche, deren Reden über das diesseitige Leben dich in Erstaunen versetzen. Sie nehmen Allah zum Zeugen für das, was in ihren Herzen ist, während sie in Wirklichkeit die heftigsten Widersacher sind. (204)
Wenn er sich abwendet, bemüht er sich, dort Unheil zu stiften, die Felder zu zerstören und Menschenleben zu vernichten. Allah liebt weder Verderbnis noch Aufruhr.205
Und wenn ihm gesagt wird: „Fürchte Allah!“, dann treibt ihn seine Sünde zu Hochmut. So genügt ihm die Hölle. Wahrlich, sie ist eine äußerst schlimme Wohnstätte. (206)
Und unter den Menschen gibt es jemanden, der sein Leben im Streben nach Allahs Wohlgefallen einsetzt. Allah ist zu Seinen Dienern überaus barmherzig (207). (Sure al-Baqara)
Dieses herzzerreißende Ereignis von ar-Radschī erschütterte die Herzen und das Gewissen der muslimischen Dichter im damaligen Arabien zutiefst. Der Dichter Hassan und viele andere verfassten zum Gedenken an diese Märtyrer zahlreiche ergreifende Gedichte. Darin wurden einerseits die Märtyrer gelobt und andererseits das wahre Wesen der Götzendiener enthüllt. Beim Lesen der Sīra von Ibn Hischām findet man einige Darstellungen davon.³⁰
Ibn Ishaq überlieferte von ʿĀsim. Er sagte: „Khubayb führte als Erster für die Muslime den Brauch ein, vor der Hinrichtung zwei Rakʿa Gebet zu verrichten. Dies ist seine Sunna.“³¹
Imam as-Suhaylī sagte: Dass die von Khubayb ibn ʿAdī verrichteten zwei Rakʿa als von ihm eingeführtes Sunna-Gebet bezeichnet werden, liegt daran, dass er sie zu Lebzeiten des Gesandten Allahs verrichtete und der Gesandte Allahs diese Tat lobte. Anschließend schilderte er ein wunderbares Ereignis aus dem Leben von Zayd. Auch dieses Ereignis trug sich zu Lebzeiten des edlen Gesandten zu. Kurz zusammengefasst war es folgendermaßen:
Zayd ibn Hāritha mietete in Tāʾif von einem Mann ein Maultier unter der Bedingung, dass dieser ihn auf dem Rücken des Maultiers mitnehmen und an dem von ihm gewünschten Ort absteigen lassen würde. Der Mann setzte ihn auf das Maultier, brachte ihn an einen verlassenen Hinrichtungsort und wollte ihn töten. Da sagte Zayd zu ihm: „Gib mir etwas Zeit, damit ich zwei Rakʿa Gebet verrichten kann.“ Der Mann sagte: „Gut, verrichte zwei Rakʿa. Auch die Leichen, die du hier verstreut liegen siehst, hatten wie du gebetet. Doch ihr Gebet hat ihnen nichts genützt.“ Zayd rief erneut: „Yā arḥam ar-rāḥimīn!“ Wieder war genau derselbe Ruf zu hören, und der Mann tat dasselbe. Auf diese Weise ereignete sich dasselbe dreimal. Beim dritten Mal jedoch sah Zayd einen Reiter, der einen Speer in der Hand und eine Flamme auf dem Kopf trug. Er stieß dem Mann den Speer in den Körper und tötete ihn. Dann wandte er sich Zayd zu und sagte: „Als du Allah zum ersten Mal anriefst, war ich im siebten Himmel; als du Ihn zum zweiten Mal anriefst, war ich im der Erde nächstgelegenen Himmel; und als du Ihn zum dritten Mal anriefst, war ich zu dir gekommen.“³²
Quellen:
Bibliografie:
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8. Ibn Saʿd: at-Tabaqāt al-Kubrā, (Beirut, Dār Sādir).
9. Ibn Asakib: Muʿǧam al-Buldān, (Beirut, Dār Ihyāʾ at-Turāth al-ʿArabī).
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13. Ibn Challikan: Wafayat al-A’yan, (Ägypten, Maktabat an-Nahda al-Misriyya, 1948).
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